Im Kontext von ADHS/ADS-Kindern können unterschiedliche Wertvorstellungen zwischen Eltern und Grosseltern zu spezifischen Herausforderungen führen. Das Interview mit Dr.med. Ursula Davatz beleuchtet diese Problematik.

1. Verstärkte Konflikte im Familiensystem:

  • Kinder mit ADHS/ADS passen oft nicht in traditionelle Familienmuster und -erwartungen.
  • Wenn Grosseltern an rigiden Erziehungsstilen festhalten, die nicht auf die Bedürfnisse des ADHS/ADS-Kindes abgestimmt sind, entstehen Konflikte.
  • Diese Konflikte können das Kind zusätzlich belasten und seine Schwierigkeiten verstärken.

2. Gefährdung des Kindeswohls:

  • Der Versuch, ein ADHS/ADS-Kind zu „brechen“, um es den Wertvorstellungen der Grosseltern anzupassen, kann schwerwiegende Folgen haben.
  • Die Ablehnung des kindlichen Wesens kann zu emotionalen Schäden und Entwicklungsproblemen führen.

3. Verunsicherung und Überforderung des Kindes:

  • Unterschiedliche Erziehungsstile und widersprüchliche Botschaften von Eltern und Grosseltern verunsichern das Kind.
  • Das Kind weiss nicht, welchen Regeln es folgen soll und welche Erwartungen an es gestellt werden.
  • Diese Unsicherheit kann die ohnehin vorhandenen Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und emotionaler Regulation verstärken.

4. Erschwerte Ablösung der Eltern:

  • Wenn Eltern in ihren Erziehungsentscheidungen von den Grosseltern beeinflusst oder unter Druck gesetzt werden, kann dies ihre Ablösung vom eigenen Elternhaus behindern.
  • Dies kann zu ungesunden Abhängigkeiten und Konflikten im Familiensystem führen, die sich negativ auf das Kind auswirken.

5. Beeinträchtigung der Eltern-Kind-Beziehung:

  • Konflikte zwischen Eltern und Grosseltern über den Erziehungsstil können die Eltern-Kind-Beziehung belasten.
  • Wenn Eltern sich gezwungen sehen, zwischen den Bedürfnissen ihres Kindes und den Erwartungen ihrer Eltern zu wählen, entsteht zusätzlicher Stress und emotionale Belastung.

6. Fehlende Unterstützung und Ressourcen:

  • Wenn Grosseltern die Bedürfnisse des ADHS/ADS-Kindes nicht verstehen oder akzeptieren, können sie keine angemessene Unterstützung bieten.
  • Statt eine wertvolle Ressource im Familiensystem zu sein, verstärken sie die Belastung und Isolation der Eltern.

Handlungsempfehlungen:

  • Offene Kommunikation: Eltern und Grosseltern sollten offen über ihre Wertvorstellungen, Erziehungsstile und Erwartungen sprechen.
  • Wertschätzung und Validierung: Es ist wichtig, dass alle Beteiligten in ihren Rollen, Sorgen und Gefühlen wertgeschätzt werden.
  • Kompromissbereitschaft: Eltern und Grosseltern sollten versuchen, Kompromisse zu finden, die dem Wohl des Kindes dienen.
  • Klare Abgrenzung: Eltern sollten lernen, sich von den Erwartungen ihrer Eltern abzugrenzen und eigene Entscheidungen zu treffen.
  • Professionelle Unterstützung: In schwierigen Situationen kann die Unterstützung durch Fachkräfte hilfreich sein, um die Kommunikation zu moderieren und Lösungen zu finden, die dem Kind gerecht werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass unterschiedliche Wertvorstellungen zwischen Eltern und Grosseltern im Kontext von ADHS/ADS-Kindern zu vielfältigen Herausforderungen führen können. Offene Kommunikation, gegenseitige Wertschätzung, Kompromissbereitschaft und klare Abgrenzung sind entscheidend, um Konflikte zu vermeiden und das Kind in seiner Entwicklung zu unterstützen.

https://ganglion.ch/pdf/Grosseltern_11.9.2024.m4a.pdf