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Dr.med. Ursula Davatz
11.9.2024
Grosseltern
Audio

[00:00:00.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich freue mich wieder in dieser Runde zu sein.

[00:00:00.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema ist: die Rolle der Grosseltern in der aufsuchenden Familienarbeit.

[00:00:11.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte zuerst kurz ausholen und das Ganze ein wenig einbetten.

[00:00:12.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beginne bei der Genetik.

[00:00:12.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Genetik hat heutzutage einen grossen Aufschwung, seit man das Genom entziffern
kann.

[00:00:24.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ärzte erwarten von der Genetik sehr viele Antworten.

[00:00:31.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sucht immer nach den Urwahrheiten.

[00:00:37.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man denkt, dass in den Genen die Urbausteine sind und dass man dort die
Urwahrheiten finden könnte.

[00:00:53.070] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Psychiatrie hat GWAS gemacht.

[00:00:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
h t t p s : / / d e . w i k i p e d i a . o r g / w i k i /
Genomweite_Assoziationsstudie#:~:text=Eine%20genomweite%20Assoziationsstudie%
20(GWAS%2C%20engl,Allelen)%20zu%20assoziieren.

[00:00:53.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Grosse Kohortenstudien. Es wurde genetisch untersucht. Man hat auch psychiatrische
Krankheitsbilder untersucht.

[00:01:13.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort ist herausgekommen, dass bei fünf psychiatrischen Erscheinungsbilder, der
gleiche Genlocus verändert ist.

[00:01:39.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Krankheitsbilder sind: Schizophrenie, manisch-depressiv, schwere Depression,
Autismus und ADHS/ADS.

[00:01:56.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin ein ADHS/ADS Spezialist. Ich sage: ADHS/ADS ist keine Krankheit.

[00:02:06.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus dem ADHS/ADS können verschieden Krankheiten hervorgehen.

[00:02:11.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Haltung ist noch nicht allgemein akzeptiert. Ich sehe es täglich in meiner Praxis
auf eine Art bestätigt.

[00:02:22.510] – Dr.med. Ursula Davatz

Aus dem ADHS/ADS können nicht nur die vier anderen Krankheiten entstehen, sondern
auch noch viele andere, u.a. psychosomatische und sogar auch somatische
Krankheiten.

[00:02:27.570] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS wird immer mehr mit allen möglichen Krankheitsbildern korreliert.

[00:02:28.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kommt es zu diesen Krankheitsbildern?

[00:02:28.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich wieder zu den Genen zurück gehe, sage ich: 99% von unseren Genen teilen
wir mit den Schimpansen.

[00:02:33.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sehen sehr anders aus, wir verhalten uns auch anders als die Schimpansen.

[00:02:55.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Zwischen den Genen (Genotyp) und der Erscheinungsform (Phänotyp) müssen noch
andere Mechanismen spielen.

[00:02:55.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind kompliziert und nicht so einfach.

[00:03:13.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute spricht man von epigenetischer Bestimmung.

[00:03:19.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gene bestimmen nicht direkt das Erscheinungsbild (Phänotyp) und das
Krankheitsbild vom Menschen.

[00:03:25.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind ganz viele Interaktionen dazwischen.

[00:03:30.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist dran, das zu erforschen.

[00:03:35.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist noch gar nicht aufgeklärt.

[00:03:37.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Was erforscht wird ist der Stress.

[00:03:38.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Stress geschehen gewisse Mechanismen bei den Genen.

[00:03:44.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssen sie nicht wissen. Sie müssen nur mit den Menschen umgehen können.

[00:03:50.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue die psychosoziale Prägung an.

[00:03:54.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Interaktion vom Menschen mit seinem Umfeld spielt eine grosse Rolle, wie er sich
entwickelt. Das kann man von der Psychologie her.

[00:04:04.860] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie ist man nicht so weit.

[00:04:15.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Es interessiert mich immer die Erziehung.

[00:04:24.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei jeder Familie frage ich immer: welche Wertvorstellungen hat ihre Mutter, ihr Vater,
die Grosseltern?

[00:04:26.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben sechs verschiedene Einflüsse. Zwei Grosseltern von beiden Seiten, die
Eltern. Der ganze Mix, welcher durch die Verhaltensweisen entsteht, Wertvorstellungen,
Methoden zum erziehen, das mischt sich beim Kind.

[00:04:43.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nenne das die soziale Vererbung.

[00:05:14.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Die soziale Vererbung spielt bei uns Menschen einen grössere Rolle, als die genetische
Vererbung.

[00:05:21.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die soziale Vererbung wird in einem individuellen medizinischen Modell nicht
angeschaut.

[00:05:34.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das medizinische Modell schaut immer nur das Individuum an. Was das für Symptome
hat, wie es sich verhält.

[00:05:44.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Der individuelle therapeutische Ansatz ist dann immer beim Individuum. Das genügt
nicht. Der Mensch ist ein soziales Wesen.

[00:05:52.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein sozial anpassungsfähiges Organ.

[00:05:57.270] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir müssen immer das Individuum in seinem Kontext anschauen.

[00:06:02.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das tun sie. Sie machen eine aufsuchende Familienarbeit.

[00:06:02.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie gehen nach Hause. Sie schauen wie diese Interaktionen sind. Sie versuchen in
diese Interaktionen einzugreifen.

[00:06:07.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind ein Crispr.

[00:06:20.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht heute von der Genschere.

[00:06:20.123] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/CRISPR/Cas-Methode

[00:06:20.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann die Gene auseinanderschneiden und dann wieder neu zusammensetzen und
dann implantieren und dann passiert etwas Neues.

[00:06:36.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind viele Risikosachen dabei.

[00:06:40.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind auf eine Art eine soziale Genschere.

[00:06:44.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die soziale Genschere hat viel mehr Möglichkeiten beim Menschen als soziales Wesen
einzugreifen, Dinge zu verändern.

[00:06:46.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Verhaltensmuster zu verändern ist trotzdem nicht so einfach.

[00:06:53.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben es einfacher als die Genetiker, welche mit der Genschere dahinter gehen.

[00:07:04.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben ein stabiles Wesen, das man über das Verhalten verändern kann.

[00:07:23.220] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem sie in das Familiensystem reingehen, erreichen sie dort eine Veränderung.

[00:07:30.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der sozialen Vererbung sind wir vertraut. Wir erben die Kultur. Die Kultur ist etwas,
das weitergegeben wird, über Generationen hinweg.

[00:07:36.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Religionen werden weitergegeben, Glaubenssätze werden weitergegeben.

[00:07:41.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind in einem westlichen Vererbungsgebiet aufgewachsen.

[00:07:50.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir teilen mehr oder weniger alle unsere westlichen, demokratischen Werte.

[00:07:57.260] – Dr.med. Ursula Davatz
In der multikulturellen Gesellschaft mit der vielen Migration, passieren jetzt viele
Mischungen.

[00:08:06.590] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist wichtig, wenn sie zu einer kulturell anderen Familie gehen, dass sie schauen, was
für Muster sind dort inbegriffen, was für Muster gehören zu diesen Familien.

[00:08:22.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine aktive Integrationspolitik macht, dann probiert man sofort, die die
eigenen Wertvorstellungen diesen Leuten überzustülpen.

[00:08:31.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Die USA machen das mehr als wir.

[00:08:36.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schweizer denken häufig, wenn man zu uns kommt, dann muss man sich einfach
uns anpassen.

[00:08:41.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht so leicht, die soziale Vererbung zu ändern.

[00:08:47.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein Opportunist, er versucht immer, die beste Lösung zu finden.

[00:08:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz
So kommen Leute aus dem muslimischen Raum zu uns. Die Frauen wollen die
Freiheiten vor Ort, sie sehen sofort ihre Vorteile.

[00:09:03.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer wollen ihre alten Werte behalten, weil sie Macht verlieren.

[00:09:10.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt eine grosse Verwerfung in der sozialen Vererbung.

[00:09:16.570] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie sind am Ort wo sie helfen müssen, die Verwerfungen möglichst zu minimieren.

[00:09:23.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst einmal klar sehen: was ist die soziale Vererbung?

[00:09:24.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich mit sich selber auseinandersetzen. Was habe ich für
Wertvorstellungen?

[00:09:34.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sind meine Glaubensbekenntnisse?

[00:09:37.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man den kleinsten gemeinsamen Nenner finden. Das ist nicht immer so
einfach.

[00:09:49.130] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man mit etwas anderem konfrontiert wird, muss man dann auch überlegen: ja,
was ist denn eigentlich bei mir?

[00:09:54.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man die soziale Vererbung immer wieder im Auge hat.

[00:10:02.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll schauen: was hat man selber geerbt? Zu was steht man?

[00:10:02.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Welt entwickelt sich weiter.

[00:10:08.440] – Dr.med. Ursula Davatz
In gewissen Familien bleibt alles in der gleichen Tradition.

[00:10:08.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit der Zeit gehen möchte, muss auch gewisse Muster, welche einem von
der eigenen Familie weitergegeben werden, zum Teil auch über den Haufen werfen.

[00:10:33.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das über den Haufen werfen ist gar nicht so einfach.

[00:10:33.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe, wie Menschen die soziale Vererbung, welche sie von ihren Eltern
mitbekommen haben, übergehen sollen, über den Haufen werfen sollen, dann
bekommen sie Angst.

[00:10:51.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Muster, welche man von seiner Familie geerbt hat, die bilden eine Zugehörigkeit.
Die helfen, dass man zu einem grösseren System gehört. Man fühlt sich eingebettet.

[00:11:04.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das eingebettet fühlen gibt Sicherheit.

[00:11:04.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage werden werden Wertvorstellungen, Bilder, Rollenbilder, die soziale
Vererbung wird heute auch auf dem Internet weitergegeben.

[00:11:29.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Sinne von Influencer.

[00:11:33.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder junge Mensch will ein Influencer werden.

[00:11:42.000] – Dr.med. Ursula Davatz

Er möchte seine sozialen, künstlerischen Wertvorstellungen möglichst weit verbreiten.

[00:11:44.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher ist das mit den Genen geschehen.

[00:11:54.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat genetische Untersuchungen gemacht.

[00:11:56.460] – Dr.med. Ursula Davatz
In einer gewissen Zeit sind dann auf einmal in Europa alles mongolische Gene
aufgetreten.

[00:12:07.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat wohl mit dem Dschingis Khan zu tun.

[00:12:08.286] – Dr.med. Ursula Davatz
https://chatgpt.com/share/0a4fb199-6bef-4980-988f-5743d308e84e

[00:12:08.610] – Dr.med. Ursula Davatz
In Deutschland gab es das Gesetz: lex prima nutris.

[00:12:13.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Fürst durfte alle Mädchen befruchten.

[00:12:19.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann waren alle miteinander verwandt.

[00:12:25.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alle miteinander verwandt sind, kann man nicht mehr gegeneinander vorgehen.

[00:12:29.570] – Dr.med. Ursula Davatz

Über die Vererbung wird eine Unterordnung gemacht.

[00:12:39.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute macht man es nicht mehr über die Gene sondern über die Medien.

[00:12:40.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Araber steigen heute in die westliche Kunst ein und machen bei Sothebys mit.

[00:12:40.966] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.srf.ch/kultur/kunst/grossaktionaer-bei-auktionshaus-mega-deal-mit-sotheby-s-abu-dhabis-kulturelle-ambitionen

[00:12:54.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Es laufen unglaubliche Wertemischungen.

[00:13:03.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Bezüglich den demokratischen Vorstellungen sind sie nicht auf unserem Niveau. In
Bezug auf die Technik sind sie immer mehr auf unserem Niveau.

[00:13:12.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Punkto Kunst wollen sie sich jetzt auch hervortun.

[00:13:20.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die soziale Vererbung läuft über unser Wesen, über unser soziales Wesen.

[00:13:37.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das soziale Wesen ist am meisten in unseren limbischen System verortet.

[00:13:42.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite mit dem "Triune Brain" von Paul D. MacLean. Das dreieinige Gehirn.

[00:13:42.410] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.youtube.com/watch?v=7uVSGbnEHOg

[00:13:42.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das limbische System hat sich in der Zeit der Säugetiere stark entwickelt.

[00:13:52.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das limbische System ist für die Beziehung verantwortlich.

[00:13:54.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute muss man nicht nur eine körperliche Beziehung haben. Man kann auch über das
Internet eine Beziehung haben.

[00:13:57.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch virtuelle Beziehungen.

[00:14:02.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz wichtig, dass wir Menschen aus Fleisch und Blut uns nicht benehmen wie
Roboter und auch nicht alle die sozialen Vererbungen übernehmen, welche in den
Medien kursieren.

[00:14:27.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Gehen wir zurück in die Familie.

[00:14:34.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei einem Kind treffen die verschiedenen Wertvorstellungen aufeinander.

[00:14:38.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann die Wertvorstellungen von Vater und Mutter anschauen und schauen, wie
diese differieren.

[00:14:40.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss auch immer noch in die nächste Generation hochgehen.

[00:14:44.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema heute sind die Grosseltern.

[00:14:44.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer auch fragen: was hatte die Mutter für einen Vater? Was für eine
Mutter? Was für eine Beziehung hatte sie zu beiden?

[00:15:02.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Was für Wertvorstellungen wollten die weitergeben? Was ist wichtig gewesen? Was
waren die Glaubensbekenntnisse?

[00:15:18.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie hat man versucht die Glaubensbekenntnisse durchzusetzen?

[00:15:22.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie mit Vorbildern durchsetzen.

[00:15:27.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie mit Belohnung und Bestrafung durchsetzen.

[00:15:36.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sie mit Disqualifizierung durchsetzen. Das ist ganz falsch, das ist ganz richtig.

[00:15:42.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Methoden zum erziehen.

[00:15:42.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Methode des Erziehens ist wichtig und was die Inhalte sind.

[00:15:45.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe die beiden Eltern. Ich habe bei der Mutter begonnen. Wenn keine richtige
Ablösung geschehen ist bei der Mutter der eigenen Herkunftsfamilie, dann wird der
nicht abgelöste Teil an die Kinder übertragen.

[00:16:12.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann mit seinen Kindern zu seiner Mutter geht, dann probiert man einen
guten Eindruck zu machen, damit man gut ankommt bei der Mutter und ist dann
vielleicht ein bisschen anders.

[00:16:26.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist man mehr zurück gebunden an seine Eltern, als dass man beim Kind
aufmerksam ist.

[00:16:42.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit ein Kind optimal erzogen werden kann, muss man das Wesen vom Kind optimal
erkennen.

[00:16:46.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn einem da die Wertvorstellungen der Eltern im Wege stehen, dann kann man das
Kind gar nicht richtig erkennen. Dann wird das Kind automatisch instrumentalisiert um
den eigenen Eltern Eindruck zu machen, zu gefallen, ihre Wünsche zu erfüllen. Hier
gerät man in einen Clinch.

[00:16:49.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Eltern mit ihren Kindern Schwierigkeiten haben, muss man schauen, wo die
Eltern noch nicht ganz von der eigenen Familie abgelöst sind. Was für Knöpfe müssen
dort noch gelöst werden, damit sie dann autonomere, eigenständigere Eltern dem Kind
gegenüber sein können.

[00:17:34.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Damit sie besser auf das Wesen vom Kind eingehen können.

[00:17:35.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Gut auf das Wesen vom Kind einzugehen braucht immer Zeit, Beobachtungszeit,
Geduld. Wenn man zu stark sofort von einer fixen Vorstellung ausgeht, wie es sein
muss, dann vergewaltigt man das Kind und dann läuft es nicht gut.

[00:17:58.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Muster der Grosseltern zum Kind passen, kann es reibungslos laufen.

[00:18:04.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind ausschert, wenn es zu den Verhaltensweisen der Eltern/Grosseltern
nicht passt, ADHS/ADS Kinder passen oft nicht gut rein, dann hat man ein Problem.
Dann hat man ein sogenannt schlecht erzogenes Kind.

[00:18:23.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das ADHS/ADS Kind brechen möchte, damit es den eigenen
Wertvorstellungen entspricht, kann man es kaputt machen.

[00:18:34.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass sie versuchen die Wertvorstellungen der Kinder herauszufinden,
sich damit vertraut zu machen.

[00:18:45.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen wir jetzt den Vater an.

[00:18:45.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wurde der Vater von seinem Vater akzeptiert? Ist er immer noch daran mit seinem Vater
zu rivalisieren, sich zu behaupten?

[00:18:45.720] – Dr.med. Ursula Davatz

Töchter haben bis zur Pubertät nicht sehr viele Probleme, die passen sich einfach an.
Das ist nicht sehr gesund für die Töchter, aber es läuft problemlos.

[00:19:05.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Söhne rebellieren vielleicht eher.

[00:19:06.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Vater sich vom eigenen Vater nicht akzeptiert fühlt und immer noch um die
Anerkennung von seinem Vater buhlt, hat er grosse Mühe, wenn sein Kind sich nicht
richtig benimmt.

[00:19:33.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage die Eltern nach ihren Wertvorstellungen und welche Wertvorstellungen sie
verwirklichen wollen und welche Wertvorstellungen sie nicht verwirklichen wollen.

[00:19:41.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft geht man an die Erziehung heran, dass man sagt: ich möchte nicht so wie mein
Vater sein, ich möchte nicht so wie meine Mutter sein.

[00:19:55.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit 40 Jahren merkt man, dass man immer mehr in die Richtung der Mutter oder des
Vaters rutscht.

[00:19:56.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt alles Mögliche hervor, das man eigentlich nicht möchte.

[00:19:56.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird man noch mehr verrückt. Man wird verrückt über sich, man ärgert sich über
das Kind. Am Ende gerät alles durcheinander.

[00:20:06.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kommen die Leute zu ihnen.

[00:20:08.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist sehr hilfreich, wenn sie versuchen bei den Eltern zu schauen, woher kommen die
Eltern?

[00:20:16.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hatte der Vater vom Vater für eine Vorstellung? Wie erfolgreich war der Vater?
Wenn Eltern nicht so erfolgreich sind, wollen sie immer in der nächsten Generation den
Erfolg erreichen.

[00:20:39.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Menschen herrscht die Tendenz vorwärts zu streben.

[00:20:45.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man ganz stark in den Reden der US Politiker. Bei uns geht alles.

[00:20:45.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine natürliche Tendenz von den Eltern, dass sie wollen, dass es die Kinder
besser haben oder mindestens gerade so gut.

[00:20:56.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern schon einen sehr hohen Status haben und das Kind muss gleich gut
sein, dann kann es auch wieder nicht so gut passen.

[00:20:56.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle Kinder können das erreichen, was die Grosseltern erreicht haben.

[00:21:00.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird es wieder schwierig einen eigenen Weg zu finden.

[00:21:00.620] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist immer eine wichtige Frage: was sind die Wertvorstellungen der Grosseltern? Wie
gut wurden diese verwirklicht? Wie frustriert sind die Grosseltern? Wie stark geben die
Grosseltern die Frustration weiter an ihre Tochter, an ihren Sohn?

[00:21:39.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie stark wird das an die Kinder weitergegeben?

[00:21:39.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht nur in der momentanen Kernfamilie bleiben sondern auch zurück schauen, was
für Vorstellungen und Erwartungshaltungen von oben runter kommen.

[00:22:01.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern sich gegen die Wertvorstellungen wehren wollen, dann legen sie oft
pubertäres Verhalten an den Tag. Das heisst sie haben ihre Pubertät noch nicht richtig
abgeschlossen.

[00:22:15.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das merkt man wenn sie zusammen mit den Kindern bei den Grosseltern sind.

[00:22:21.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es immer eine Kompetenzstreitigkeit: wer hat hier jetzt das Sagen? Die
Grossmutter, der Grossvater, die Mutter oder der Vater?

[00:22:45.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Momente wo man sagt: man übergibt das den Grosseltern.

[00:22:46.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man als Tochter oder als Sohn sagen: ich weiss, das sind deine Prinzipien,
die hältst du hoch. Ich lebe jetzt in dieser Zeit und ich mache es anders.

[00:23:01.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich bewusst, klar abgrenzen.

[00:23:08.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die meisten können das nicht. Oft beginnt es schon bei der Geburt.

[00:23:15.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte Mütter, welche gesagt haben: wenn ich in das Spital gehe und Kinder
bekomme, will ich keinen Besuch von meinen Schwiegereltern. Die Schwiegereltern
sind zu übergriffig.

[00:23:41.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Jawohl, wenn das so wichtig ist für sie, dann müssen sie das sagen.

[00:23:48.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die junge Mutter fragt dann: darf ich das? Das kann ich doch nicht machen.

[00:23:49.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Doch, das dürfen sie.

[00:24:24.950] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle beginnt schon der Konflikt.

[00:24:25.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir leben in einer individualisierten Gesellschaft.

[00:24:36.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass wir unsere Unterschiede wahrnehmen, dass wir sie benennen und
dass wir uns miteinander auseinandersetzen.

[00:24:51.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach sich dem kollektiven Bewusstsein unterordnen um des Friedenswillen.

[00:24:51.860] – Bemerkung 1
Beginnt das nicht schon früher? Wenn die Hochzeit geplant wird, wehren sich die
Kinder bereits dagegen, wie die Hochzeit stattfinden soll.

[00:24:55.210] – Bemerkung 1
Mein Bruder hat in den USA geheiratet. Die Hochzeit hatte nichts mit der Braut zu tun,
sondern nur mit der Mutter von der Braut. Es wurde alles bestimmt, bis zum bedruckten
WC Papier. Die haben sich nicht dagegen gewehrt.

[00:25:34.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, es beginnt bereits bei der Hochzeit.

[00:25:35.950] – Bemerkung 1
Spätestens vermutlich.

[00:25:36.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Es beginnt bereits bei der Partnerwahl.

[00:25:46.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Partnerwahl kann man auch fragen: ist deine Mutter einverstanden mit deinem
Partner/Partnerin?

[00:25:51.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Es beginnt bei der Hochzeit.

[00:25:52.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne auch solche Geschichten.

[00:25:52.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Paar hat eine Hochzeit gemacht. Die Eltern von der Frau sind nicht gekommen,
weil sie mit der Art der Hochzeit nicht einverstanden waren.

[00:25:57.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Auseinandersetzung beginnt schon sehr früh. Sie beginnt bei der Partnerwahl.

[00:26:17.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Vater kann man fragen: bist du einverstanden gewesen mit dem Partner?

[00:26:21.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter kann man fragen: bist du einverstanden gewesen mit der Partnerin?

[00:26:26.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann treten alle die Konflikte auf zwischen der Mutter und der Schwiegermutter.

[00:26:30.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu gibt es ein Spanisches Sprichwort: der Brunnen, in den sie fällt, sei gelobt, aber
trinke nie das Wasser daraus.

[00:26:47.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schwiegermutter ist per se ein Brunnenvergifter.

[00:26:58.590] – Dr.med. Ursula Davatz
In Indien geht die Schwiegertochter zur Schwiegermutter, sie geht in die Familie vom
Mann, vielleicht nicht überall, aber dort, wo ich es erlebt habe.

[00:27:14.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie darf für einen Monat nichts mitnehmen.

[00:27:15.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst nach einem Monat werden die Kleider nach geschickt. Es muss alles neu sein.

[00:27:21.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Schwiegermutter übernimmt sie.

[00:27:24.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles Möglichkeiten.

[00:27:24.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Lösungsmöglichkeiten.

[00:27:24.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine ist richtig und keine ist falsch.

[00:27:30.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass man sie erkennt und dann schaut, welches Modell, dass man wählen
möchte.

[00:27:43.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich unterstütze die Kindsmutter wenn das Kind auf die Welt kommt.

[00:27:48.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kindsmutter sagt: ich möchte keinen Besuch, vielleicht auch nicht von der
eigenen Mutter. Ich will alleine mit meinem Mann sein und mit dem Kind und ich sage
dann, wann man kommen darf.

[00:28:09.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles die Zusammenstösse der Wertvorstellungen.

[00:28:10.180] – Bemerkung 2
Du hast persönliche Erfahrungen und professionelle Erfahrungen. Hat sich da was
verändert in den letzten 50 Jahren?

[00:28:19.720] – Bemerkung 2

Das sind so klassische Konflikte? Gibt es hier eine Veränderung?

[00:28:20.020] – Bemerkung 2
Die junge Generation ist viel durchsetzungsfähiger geworden und viel mehr bei sich.

[00:28:39.970] – Bemerkung 2
Die Schweiz finde ich an dieser Stelle speziell. Man ist immer noch sehr angewiesen
auf die Eltern in der Schweiz. Die Familie ist so gedacht, dass sie dir beisteht, wenn es
schwierig wird.

[00:29:00.100] – Bemerkung 2
Es ist wunderbar wenn alles gut läuft.

[00:29:00.670] – Bemerkung 2
Ich habe viele Familien, wo es nicht gut läuft.

[00:29:00.970] – Bemerkung 2
Wenn etwas mit dem Kind ist und es ist alles so schön geplant, ich entbinde dann, und
dann geschieht das. Wenn das nicht klappt, dann müssen die Grosseltern ran, bitte ad
hoc und sofort und alles stehen lassen.

[00:29:27.380] – Bemerkung 2
Die Ablösungssache ist das eine, die Erwartungshaltung und die
Verantwortungsübernahme und der Einbezug von Grosseltern.

[00:29:27.380] – Bemerkung 2
Bei mir hat die Mutter auf den Sohn geschaut. Ich war ganz jung, 24 Jahre alt.

[00:29:27.380] – Bemerkung 2
Ich brauchte die Mutter auch. Ich habe noch studiert.

[00:29:46.340] – Bemerkung 2
Meine Schwiegermutter wäre auch da gewesen. Die war noch viel dezenter.

[00:29:46.340] – Bemerkung 2
Heute denke ich: ich habe die aussen vor gelassen.

[00:29:50.340] – Bemerkung 2
Ich bin den Fluss entlang geschwommen wo es die Unterstützung gab.

[00:29:53.830] – Bemerkung 2
Es war klar, dass ich es so arrangieren muss, wenn ich fertig studieren möchte. Meine
Mutter war mir viel näher.

[00:29:57.090] – Bemerkung 2
Als das zweite Kind kam, sind meine Eltern für vier Wochen nach Tobago und Trinidad
geflogen und ich stand dann und habe gedacht: jetzt ist es nicht mehr gut. Ich hatte
noch eine Geburtskomplikation.

[00:30:28.480] – Bemerkung 2
Wie ist da deine Erfahrung? Kann man daraus etwas ableiten?

[00:30:35.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Allgemein ist bei den jungen Eltern mehr die Haltung: ich setze mich durch und ich
mache es, wie ich es will. Das stimmt. Wenn dann etwas schief läuft, schlussendlich
muss man doch wieder auf seine Eltern zurückgreifen.

[00:30:54.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort geschieht dann der Konflikt.

[00:30:59.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort muss man verhandeln.

[00:31:00.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können als Helfersystem dann auch helfen zu verhandeln.

[00:31:08.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht nur: wie mache ich es mit dem Kind?

[00:31:09.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt auch das Thema hervor: was ist die Ablösung?

[00:31:09.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe jahrelang Mütterberaterinnen beraten.

[00:31:16.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich psychotische Mütter hatte, haben wir immer die Grosseltern reingeholt.

[00:31:16.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann mussten wir zusätzlich den Konflikt zwischen der psychotischen Mutter und ihrer
Mutter aushandeln.

[00:31:25.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man Rollen aushandeln. Wer macht was, wann?

[00:31:29.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass sie nicht gleichzeitig am Werk sind. Es muss aufgeteilt werden.

[00:31:40.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche sage ich bei den Eltern.

[00:31:42.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sind die Männer viel mehr involviert in die Kinderbetreuung.

[00:31:57.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mann hat eine andere Vorstellung als die Frau.

[00:31:58.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Von der Frau höre ich dann oft: sie will, dass der Mann ein verlängerter Arm der Frau
ist. Das funktioniert nicht.

[00:32:07.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss ich sagen: der Mann macht es anders und sie können vertrauen.

[00:32:11.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist der Vater. Er wird das Kind nicht einfach umbringen.

[00:32:14.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie nicht dabei sind, macht er es wahrscheinlich sogar besser.

[00:32:18.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe viele Frauen, welche dem Mann nicht vertrauen.

[00:32:22.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen müssen auch lernen, an den Mann abzugeben.

[00:32:30.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es um die Grosseltern geht, müssen sie auch klar abgeben, möglichst nicht
gleichzeitig für das Kind zuständig sein.

[00:32:46.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Von der jungen Generation ist dann oft die Erwartungshaltung: jetzt brauche ich dich,
jetzt musst du kommen.

[00:32:54.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern sagen dann: wenn sie mich braucht holt sie mich und ist gar nicht dankbar.

[00:33:05.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier muss man auch wieder helfen zu verhandeln.

[00:33:05.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte auch so eine Situation, wo die Mutter dann beleidigt ist und die Tochter
beleidigt ist und beide gehen aufeinander los.

[00:33:16.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Beide sind zutiefst gekränkt.

[00:33:18.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss dann beide unterstützen.

[00:33:24.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss die Grosseltern in ihrer Funktion unterstützen.

[00:33:29.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grosseltern können keine Dankbarkeit erwarten. Sie schauen einfach für das
Enkelkind.

[00:33:30.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Eltern dürfen keine Dankbarkeit erwarten. Die Tochter, der Sohn muss klar sagen: hier
möchte ich, dass es nach meinem Stil geht und sonst übergibt er es einfach den Eltern.

[00:33:54.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine Verhandlung. Die Erwartungen sind vorhanden. Dann ist man nicht richtig
abgelöst.

[00:34:06.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Man erwartet, dass die Eltern reinkommen, wenn man in Not ist.

[00:34:15.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine älteste Tochter wollte die Geburt selber regeln. Ein Kind von meinem Sohn ist im
Ausland geboren. Bei der jüngsten Tochter hatte ich eine wichtige Rolle. Ich habe diese
Rolle auch ganz bewusst übernommen, bin hingefahren und habe für das Kind
geschaut. Ich habe eine enge Beziehung zu diesem Kind. Ich trete auch wieder zurück,
wenn die Mutter übernimmt.

[00:34:18.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein ständiges Verhandeln und Rollen definieren. Ich weiss nicht ob wir schon auf
einem guten Level sind. Wir müssen nichts perfektes haben. Jede Familie ist anders.
Man muss immer wieder verhandeln und die Rollen klären, die Rolle der Eltern und der
Grosseltern.

[00:35:24.360] – Bemerkung 3
Es ist abhängig davon, was die Grosseltern übernehmen.

[00:35:24.640] – Bemerkung 3
Wenn die Mutter vom Kind psychisch krank ist, sind die Grosseltern nicht nur
Grosseltern, welche mal kommen, unterstützen und wieder gehen. Die Grosseltern
haben dann eine sehr wichtige Funktion.

[00:35:44.050] – Bemerkung 3
Bei einem Knabe ist es ganz klar. Die Eltern sind die Grosseltern. Sie haben die gleiche
Funktion. Die Mutter ist auch da, konnte aber nie übernehmen.

[00:35:44.430] – Bemerkung 3
Das ist eine spezielle Situation.

[00:36:04.130] – Dr.med. Ursula Davatz

Ja.

[00:36:05.540] – Bemerkung 4
Wir sind hier um der Mutter mehr in ihre Erziehungsrolle zu helfen. Das ist extrem
schwierig. Die Töchter sind nicht abgelöst. Wie sollen die sich ablösen können?

[00:36:23.760] – Bemerkung 5
Ich dachte zuerst, dass wir die Grosseltern einbeziehen müssen. Das müssen wir aber
gar nicht. Das Kind ist elf oder zwölf.

[00:37:09.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde die Grosseltern trotzdem mit einbeziehen. Ich würde mich nicht nur auf die
Mutter-Kind-Beziehung beschränken, damit das Ganze ein wenig begleitet wird.

[00:37:19.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Iván Böszörményi-Nagy spricht von der Multi Directed Partiality.

[00:37:19.590] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.behavenet.com/multidirectional-partiality

[00:37:29.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann zu allen Kontakt haben und schauen, wie die funktionieren.

[00:37:43.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind wie Gelenkfett, damit es besser läuft.

[00:37:52.410] – Bemerkung 6
Die wollen nicht. Sie haben das Gefühl, dass sie es nicht brauchen. Sie haben eine
grossen Konflikt mit der Beiständin, weil dort etwas war. Sie finden den Support der
Hota gut. Sie finden es gut, dass die Tochter und die Enkel die Hota gut finden. Sie
grüssen Euch. Sie sagen ganz klar nein.

[00:38:25.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Systemisch denkend muss man sagen, ja, doch, wir müssen sie einbeziehen.

[00:38:36.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grosseltern meinen, dass man bei ihnen irgendwelche Fehler finden möchte. Das
wollen sie nicht.

[00:38:41.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Leute nicht wollen, sage ich nur: ich möchte sie nur ein einziges Mal sehen,
damit ich sie kennen lernen kann, damit ich besser verstehe, damit ich der Situation
besser helfen kann.

[00:38:59.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Falls die Grosseltern das nicht wollen, dann ist dort schon ein Problem.

[00:39:05.620] – Bemerkung 7
Die Mutter ist seit der Jugend psychotisch auch im Zusammenhang mit Drogen, LSD.
Sie hatte einen Mann, mit dem sie das Kind bekommen hat. Man weiss nicht, wie sie
sich vom Elternhaus abgelöst hat, weil sie seit langem schon krank war.

[00:39:14.670] – Bemerkung 7
Vater und Mutter haben sich getrennt. Der Vater hat sich zur Frau umwandeln lassen
und lebt jetzt mit der ehemaligen besten Freundin von der Mutter zusammen. Der kleine
Junge war schon immer sehr nahe bei den Grosseltern. Im Verhalten mit der Mama
regrediert er stark. Jetzt kommt eine männliche Seite rein, eine gelingende
Beziehungserfahrung auf seinem Niveau. Ausflüge ins Aussen orientieren, damit der
Junge nicht das Gefühl hat, er muss da funktionieren. Die Grosseltern machen das mit
den Hausaufgaben. Die haben das Reglement.

[00:40:28.050] – Bemerkung 7
Es gab schon einen Versuch mit der Hota. Dort hat die Mutter gefunden, dass es ihr
zuviel ist. Es war gut überlegt.

[00:40:28.260] – Bemerkung 7
Die Mutter hat der Therapeutin erzählt, dass sie Träume hatte, wo sie nackt mit dem
Jungen im Bett liegt. Darauf hin gab es eine Gefährdungsmeldung.

[00:40:43.220] – Bemerkung 7
Dann kam die Beiständin auf den Plan, sie ist sehr, sehr, sehr engagiert. Sie will es gut
machen.

[00:41:19.030] – Bemerkung 7
Die Grosseltern sehen euch als verlängerten Arm der Beiständin. Die Beiständin gibt
den Eindruck, dass die Tochter pädophil ist. Das geht gar nicht. Die Mutter war komplett
durch den Wind. Es taucht gar nicht so auf. Man muss das Tabu und das Stigma
auflösen.

[00:41:51.140] – Bemerkung 7
Die Beiständin muss ihren Job machen.

[00:41:51.030] – Bemerkung 7
Wir sind hier und könnten euch Grosseltern auch wieder mit ins Boot nehmen.

[00:42:03.020] – Bemerkung 7
Das Spaltende ist nicht gut. Es ist ein Weg, ein integrativer Prozess. Wie soll die Mama
sich wirklich behaupten können? Wir müssen ihre Erziehungsrolle stärken. Wie soll die
das schaffen, wenn die Grosseltern sagen: ja macht ihr mal.

[00:42:23.860] – Bemerkung 7
Die Mutter kann nicht mehr als so.

[00:42:24.090] – Bemerkung 7
Es herrscht die Angst, wenn die Grosseltern einmal nicht mehr da sind.

[00:42:27.590] – Bemerkung 7
Die Mutter ist gar nicht belastbar. Sie muss auch nicht belastbar sein.

[00:42:42.780] – Bemerkung 7
Es gibt klare Strukturen, wann schläft er wo, wann isst er wo? Das ist alles sehr klar. Sie
hat den ganzen Tag frei. Er kommt erst auf drei oder halb vier Uhr nach Hause.

[00:42:57.890] – Bemerkung 8
Sie geht noch nicht in die Tagesklinik.

[00:43:00.540] – Bemerkung 9
Es ist unser Job herauszufinden: kann sie es oder kann sie es nicht.

[00:43:09.600] – Bemerkung 9
Wenn alles so fix ist und nicht verhandelbar ist, dann können wir auch wieder raus
gehen. Dann braucht der Junge einen nette Therapeuten und fertig.

[00:43:09.820] – Bemerkung 9
Und wenn das alles so fix ist und eben nicht behandelbar ist und alles so gut
funktioniert, dann können wir eigentlich auch wieder rausgehen. Dann braucht der
Junge einen netten Therapeuten und fertig.

[00:43:25.130] – Bemerkung 10
Das Abendessen ist für die Mutter wichtig. Es gibt immer wieder Rückschläge, dann ist
sie wieder sehr verunsichert und kommt nicht.

[00:43:32.960] – Bemerkung 11
Das ist unser Job.

[00:43:34.880] – Bemerkung 12
Es ist Beziehungsfördernd und nicht Erziehungskompetenz Förderung.

[00:43:53.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, absolut.

[00:43:58.590] – Bemerkung 13
Was der Junge mit dir macht ist in der Therapie alles nicht gelaufen. Ihr geht zusammen
Velo fahren, das Thema Sexualität kommt auf bei der Mutter.

[00:44:19.760] – Bemerkung 13
Irgendwie ist das Thema Grosseltern noch offen. Das habe ich der Grossmutter auch so
gesagt.

[00:44:19.980] – Bemerkung 13
Es ist die Situation mit der Beiständin.

[00:44:34.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihr seit in die Rolle der Beiständin gefallen.

[00:44:40.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit den Beiständen kommt das juristische Wertesystem. Man muss verhindern, man
muss strukturieren.

[00:44:49.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen mit dem arbeiten, was wir haben.

[00:44:57.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand von ihnen sollte versuchen, wieder mit den Grosseltern Kontakt aufzunehmen
und dann sagen: was haben sie für Vorstellungen? Wovor haben sie Angst? Haben sie
Angst, dass sie schlecht gemacht werden?

[00:45:04.120] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Grosseltern haben ein Schuldgefühl ihrer Tochter gegenüber, dass die nicht richtig
funktioniert. An diese Schuldgefühle muss man ran kommen.

[00:45:34.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt alles auf dieser Welt, der Mensch ist flexibel. Ein Kind ist lernfähig. Das ist nicht
so schlimm. Wir müssen mit euch Kontakt haben.

[00:45:34.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind eine medizinisch-therapeutisch unterstützende Institution. Wenn sich die
Grosseltern einfach draussen halten, fliesst es nicht richtig. Sie macht eine Cut-Off und
das ist nicht gesund.

[00:46:17.660] – Dr.med. Ursula Davatz
J.D. Vance wurde auch von den Grosseltern erzogen.

[00:46:18.255] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/J._D._Vance

[00:46:17.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat einen Bestseller geschrieben darüber wie das alles toll ist.

[00:46:19.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand von den Grosseltern erzogen worden ist, je nachdem wie die sind, dann
hat er oft Prinzipien gelernt, welche 50 Jahre zurück liegen und ist nicht so
anpassungsfähig. Es kommt eine gewisse Rigidität hervor. Das muss man wieder
flexibilisieren.

[00:46:33.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil die Grosseltern, die Eltern sind von dem Buben, haben wir die Verpflichtung mit
ihnen Kontakt zu haben. Sie wollen sich nicht in das Fadenkörbchen schauen lassen.
Sie haben Angst. Man muss sie bei der Angst abholen. Wovor scheuen sie sich?
Warum sind sie dagegen?

[00:46:52.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Gemeinde kontrolliert, ob es dem Kind gut geht, sage ich: nein, keine
Kontrollrolle, Unterstützungsrolle. Wir wollen sie nur unterstützen.

[00:47:25.210] – Bemerkung 14
Ich würde nicht ausschliessen, dass es möglich ist mit den Grosseltern Kontakt
aufzunehmen.

[00:47:44.450] – Bemerkung 14
In der Interaktion erlebe ich die Grosseltern offen. Es entsteht eine Interaktion.

[00:47:44.850] – Bemerkung 14
Wichtig ist, dass man keinen Druck aufbaut. Sanft sich annähern.

[00:48:28.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit den Grosseltern muss man auch ihr schlechtes Gewissen besprechen.

[00:48:33.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss fragen: wie war ihre Tochter als Kind? Wo ist sie entgleist? Wo haben sie ein
schlechtes Gewissen?

[00:48:46.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Was tut ihnen weh? Was ist schlimm für sie? Dass sie auch noch die ganze Geschichte
verarbeiten dürfen.

[00:48:54.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst wollen sie beim Jungen alles gut machen, was bei der Tochter schlecht gelaufen
ist. Das ist auch nicht gut.

[00:48:58.310] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss mit den Grosseltern auch ein wenig Verarbeitung machen, in Bezug auf ihre
Elternschaft. Dort geht man auch eines hoch. Was haben die für Eltern gehabt?

[00:49:15.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wem wollten sie es recht machen?

[00:49:15.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Was haben sie übernommen? Was wollten sie anders machen?

[00:49:15.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht nicht kritisieren. Man möchte nur bei der Verarbeitung helfen.

[00:49:19.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe jahrelang mit Eltern von drogensüchtigen Kindern gearbeitet. Die haben alle
Schuldgefühle.

[00:49:19.770] – Dr.med. Ursula Davatz
In Liebe loslassen. Das Kind los lassen, aber nicht fallen lassen.

[00:49:51.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihr müsst jetzt für die Tochter schauen. Eigentlich müsst ihr das ersetzen, was ihnen
nicht gelungen ist. Das ist auch wieder schwierig.

[00:50:11.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Tochter haben, welche nicht funktioniert, ist eine konstante Belastung.

[00:50:15.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll versuchen an die Grosseltern ran zu kommen, sehr sanft, sehr langsam.

[00:50:29.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zitiere immer Antoine de Saint Exupéry: il faut apprivoiser.

[00:50:30.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Beziehung zähmen.

[00:50:30.800] – Bemerkung 15
Sie arbeiten sehr gut zusammen. Das kann man als positives Feedback zurück melden.

[00:50:34.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt alle möglichen Familiensysteme. Es gibt kein normales System.

[00:51:03.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mit allem arbeiten und möglichst das Beste daraus machen.

[00:51:13.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach aufgeben und sie nicht einbeziehen. Wohlwollend sie reinholen und dann
auch die Sorgen der Grosseltern abholen, damit nicht die negative soziale Vererbung
der Grosseltern läuft auf das Kind.

[00:51:21.310] – Bemerkung 16
Das sind wir dran am arbeiten.

[00:51:26.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr gut.

[00:51:39.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch die Tochter fragen: wie war es in der Pubertät? Was mochte sie nicht?
Was hätte sie gerne anders gehabt?

[00:51:39.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Drogen zu nehmen ist immer einerseits eine Rebellion gegen die Eltern, andererseits
eine chemische Regulation der Gefühle.

[00:52:03.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wurde psychotisch, sie konnte ihre Gefühle nicht regulieren. Es ist alles schief
gelaufen.

[00:52:09.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand psychotisch wird, hat er seine Gefühle überhaupt nicht im Griff. Die
Gefühle überrollen dann alles. Dann muss man in der Strukturierung der Gefühle
helfen.

[00:52:23.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wäre interessant zu fragen: wie ist ihre Pubertät gewesen? Wie ist ihre Kindheit
gewesen?

[00:52:29.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil bringen dann Menschen Dinge von der Schule, aus der ersten Klasse, wo sie
sich alleine gelassen gefühlt haben, nicht verstanden gefühlt haben.

[00:52:29.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kann man einiges aufarbeiten.

[00:52:30.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist keine reguläre Psychotherapie sondern eine Verarbeitung des Lebens.

[00:52:48.000] – Bemerkung 17
Ich habe es mit ihr besprochen, in Bezug auf die Substanzen, welche sie konsumiert
hat. Die Beziehung mit den Eltern haben wir nicht angeschaut. Sie war auch in Heimen.

[00:53:03.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde zurückgehen zu ihrer Beziehung zu den Eltern. Unbedingt.

[00:53:11.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Substanzen sind nur ein oberflächliches, äusserliches Symptom.

[00:53:12.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dahinter ist die Unzufriedenheit nicht abgeholt zu werden. Nicht validiert zu werden von
den Eltern.

[00:53:28.880] – Bemerkung 18
Es kam das Thema vom gemeinsamen Essen auf. Die Mutter hat das zu Hause nie
gehabt.

[00:53:40.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kann man anknüpfen.

[00:53:44.410] – Bemerkung 18
Es ist wie ein Puzzle. Man muss es zusammensetzen.

[00:54:06.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sprechen hier über die Grosseltern, die soziale Vererbung. Nehmen sie Kontakt auf
mit den Eltern von ihnen, von den Eltern von ihren Kindern (ihre Klienten).

[00:54:33.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Holen sie sich die Geschichte dort rein.

[00:54:33.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr man über die Familiensysteme weiss, umso besser man sie versteht, desto
weniger trampelt man in ein Fettnäpfchen und desto besser können sie dann
weitergehen.

[00:54:41.770] – Dr.med. Ursula Davatz

Von der Haltung her, würde ich sagen: es geht nicht darum irgendwas durchzusetzen,
nicht das Gesetz, nicht das Recht, es geht um Zusammenarbeit und um die
Auseinandersetzung.

[00:55:15.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie setzen sich mit den Grosseltern, den Eltern auseinander.

[00:55:20.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Auseinandersetzungen entwickelt sich wieder ein neues Weitergehen.

[00:55:29.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen gar nichts wissen. Sie müssen nur Informationen reinholen. Wie sehe ich
das mit meiner Erfahrung und mit meinen Wertvorstellungen?

[00:55:29.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern fragen kann man sagen: in dieser Situation hätte ich das gemacht,
aber sie müssen es schlussendlich selber wissen.

[00:55:43.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage sind die Eltern sehr, sehr verunsichert.

[00:55:57.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt so viel Literatur, wie man es machen sollte.

[00:56:13.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Geburt sind alle intellektuellen Mütter am meisten verunsichert gewesen.

[00:56:14.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Man verlässt sich nicht mehr auf seinen natürlichen Instinkt.

[00:56:24.190] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir sind soziale Wesen. Wir haben das in uns. Wir können auf das hören.

[00:56:24.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Delphin hat Sozialverhalten, der hilft auch einen Menschen retten, ohne dass er ein
Buch gelesen hat, ohne dass er in die Sonntagsschule gegangen ist und religiöse
Werte gelernt hat. Wir sind soziale Wesen. Wir können uns auf unsere sozialen Genen
verlassen.

[00:56:52.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben viele Mischungen von sozialer Vererbung. Es wichtig, dass sie möglichst gut
herausfinden, was ist dort, was ist da, was ist da und was ist bei ihnen und wie setze ich
mich jetzt mit denen auseinander?

[00:57:03.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann heute so sein, und morgen vielleicht wieder ein wenig anders.

[00:57:08.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Man entwickelt sich weiter, man hat mehr Einblick ins System.

[00:57:15.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte sie wirklich dazu motivieren, holen sie die Grosseltern rein.

[00:57:26.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es über das Fragen machen. Wenn es schwierig ist, ist es sinnvoll, wenn
man sie direkt sieht.

[00:57:29.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer wichtig, dass man sagt: es geht nicht darum Kritik anzubringen. Es geht
nicht um Beurteilung und Verurteilung. Ich brauche es für mich, damit ich besser helfen
kann.

[00:57:43.350] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich brauche die Info, damit ich differenzierter ihrem Enkelkind helfen kann.

[00:57:50.060] – Dr.med. Ursula Davatz
In der ersten Stunde nehme ich immer drei Generationen auf. Ich frage nicht immer das
Gleiche, ich frage nicht immer alles. Es ist absolut hilfreich.

[00:57:50.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man von einer Grossmutter hört, wie die Mutter vom Kind als Kind gewesen ist,
gibt einem das wieder einen besseren Einblick.

[00:58:07.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird oft verdrängt wenn die Dinge unangenehm sind.

[00:58:13.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man fragt heisst es: ich weiss nichts mehr. Die Grosseltern wissen es zum Teil
schon noch.

[00:58:30.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil haben sie auch Angst, man würde nach Problemen suchen. Es geht nicht um
Probleme, es geht nur darum, dass ich ihr System besser verstehe.

[00:58:35.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte ihnen und ihrem Enkelkind möglichst optimal helfen können.

[00:58:51.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass man immer die Bewertung, das Krankmachen durchbricht.

[00:58:51.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht um das pathologisieren, es geht nur um das Verstehen.

[00:58:51.770] – Dr.med. Ursula Davatz

Das in einer Zweit, wo alles schnell und effizient sein muss.

[00:59:05.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Es heisst immer: wir haben nicht genügend Ressourcen.

[00:59:13.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir vergeuden sehr viele Ressourcen, in dem wir es falsch machen.

[00:59:23.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, die Dinge genauer anzuschauen und ihre Ressourcen sehr differenziert
und sinnvoll einzubringen.

[00:59:23.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Schlimmste ist, wenn die Erziehungsstile zwischen den Eltern und auch
Grosseltern nicht übereinstimmen.

[00:59:41.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einen Fall wo die beiden Grosseltern nicht mehr miteinander gesprochen
haben.

[00:59:41.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind war magersüchtig.

[00:59:46.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe die in einem kleinen Landspital hospitalisiert, nicht in Aarau. Weil dort ein zu
starkes Konzept war, mit dem ich schlechte Erfahrungen gemacht hatte.

[01:00:07.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich haben sich die Grosseltern am Bett vom Kind wieder versöhnt.

[01:00:22.540] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Magersucht das Mädchens stand im Zusammenhang mit den zerstrittenen
Familienclans.

[01:00:28.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können nur mit wenig, mit Fragen stellen, die Narrative ergänzen, ohne dass man
merkt, dass sie Therapie machen. Es ist auch keine reguläre Therapie. Es ist nur ein
Versuch, das System wieder zum besseren funktionieren zu bringen.

[01:01:10.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe erlebt, dass der Kinderpsychiater von Zürich gesagt hat: ADHS/ADS gibt es
nicht.

[01:01:15.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurde mit der ELPOS darüber gestritten ob es ADHS/ADS gibt.

[01:01:16.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist es ein grosses Thema in allen Medien. Ich werde auch viel angefragt.

[01:01:26.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Der damalige Psychologe Perret hatte X Namen dafür, z.B. MBD (minimal brain
dysfunction). Er hat viele Begriffe dafür aufgezählt.

[01:01:42.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Diagnose ist egal. Es kommt darauf an, wie sich das Kind benimmt, wie sich die
Eltern benehmen, wie die Interaktion läuft, wo die Interaktion stecken bleibt, das ist
wichtig.

[01:01:43.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Aufgabe ist nur zu helfen, damit die Interaktion reibungsloser läuft.

[01:02:11.240] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss aufpassen, dass man nicht zu schnell auf die Harmonie geht, sondern die
unterschiedlichen Positionen klar differenziert wahrnimmt, dass man sich Zeit lässt und
dann schaut wie die zusammenfinden können.

[01:02:16.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Schwere menschliche Konflikte kann man nicht in einem Dreieck lösen. Das ist nur
bilateral möglich. Das ist die Theorie vom Dreieck. Im Dreieck wird das Problem nie
gelöst.

[01:03:00.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden die Dinge nur weitergegeben.

[01:03:07.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen herausfinden, wo die Hauptkonflikte sind. Dann muss man die zwei
herausgreifen und schauen wie man die lösen kann.

[01:03:17.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig löst sich ein Konflikt nur, wenn man offen darüber spricht und jedem seinen Platz
gibt.

[01:03:23.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben eine Mutter und eine Tochter, die nimmt man zusammen und sagt: ich
möchte gerne wissen, wie sie als Kind gewesen sind. Die Tochter kann immer zuhören.
Man kann auch die Grossmutter fragen.

[01:03:45.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man das Kind fragen: wie hast du das damals erlebt?

[01:03:48.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich ermutige sie dazu, die ältere Generation, also die Grosseltern reinzuholen.

[01:04:20.060] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie sind CRISPRs (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats). Das
ist die Genschere.

[01:04:20.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind wichtiger als die technische Genschere, weil sie auf der integrierten Ebene
funktionieren.

[01:04:39.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie funktionieren bei der Kommunikation unter den unterschiedlichen Parteien. Sie sind
ein Schmiermittel, ein Klärungsmittel, ein Ferment.

[01:04:54.050] – Bemerkung 19
Wie Enzyme, wie ein Katalysator.

[01:04:54.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen nicht von Anfang an wissen, wie es gehen muss. Sie müssen Fragen
stellen, dann geschieht etwas.

[01:05:35.650] – Bemerkung 20
Es gibt immer wieder Grosseltern, die sich überhaupt nicht für ihre Enkelkinder
interessieren. Die Grosseltern helfen nur im Notfall.

[01:06:10.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man sich in die Waagschale werfen und sagen: ja, das verstehe ich, sie
haben das Recht. Ich als Fachperson, für mich wäre es hilfreich, wenn ich sie einmal
kennenlerne.

[01:06:11.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht gibt es ein Gespräch.

[01:06:54.150] – Bemerkung 20

Woher kommt es, dass sich die Grosseltern nicht für ihre Enkelkinder interessieren?
Das kommt nicht oft vor.

[01:07:06.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann es nicht theoretisch voraussagen. Das finden sie raus, wenn sie die
Grosseltern sehen.

[01:07:22.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein negatives Ereignis oder ein Ehrgeiz was man noch selber machen möchte. Man
möchte noch etwas verwirklichen. Dann kommt einem das Enkelkind in die Quere. Zu
viele eigene Projekte, dann ist der Enkel ein vernachlässigbares Projekt.

[01:07:45.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es bringt mehr, wenn die ihr eigenes Projekt machen, als wenn sie Contre Coeur etwas
mit den Enkeln machen und dann negative Vibes durchgeben.

[01:07:51.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man heraus finden und sich wieder klar positionieren.

[01:07:55.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich die Tochter oder der Sohn ärgert, dass die eigene Mutter nichts macht, muss
man sagen: es gibt verschiedene Familien. Vielleicht will die Mutter noch etwas für sich
machen. Es ist besser wenn die Grossmutter das macht. Dann bringt sie den
Enkelkinder mehr, als wenn sie eine vergraulte Grossmutter ist.

[01:08:24.780] – Bemerkung 21
Vielleicht muss man auch einfach etwas aushandeln. Manche Grosseltern sind vielleicht
bereit, etwas an die Kita zu bezahlen. Das wäre dann Verhandlungssache. Manche
Grosseltern sind vielleicht eher bereit an die Kita etwas zu bezahlen, als selber zu
helfen. Vielleicht will die Grossmutter nicht sofort wieder einen Enkel da stehen haben.
In der Schweiz sind die Kitas sehr teuer. Die jungen Familien können sich die
Fremdbetreuung nicht leisten. Das ist ein grosser Druck.

[01:09:14.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Einsatz kann auch eine finanzielle Unterstützung sein. Die Kita ist dann vielleicht
besser als die Grosseltern.

[01:09:51.140] – Bemerkung 22
Das ist noch oft die Meinung in der Schweiz, dass die Grosseltern besser sind, als die
Kita, weil die Kita völlig fremd ist. An einem Elternabend hat eine Engländerin dies
einmal bemängelt. Die Fremdbetreuung wird immer noch als schlechter angeschaut.

[01:10:26.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das stimmt, das ist die Schweizerische Wertvorstellung. Das Beste ist die Mutter
und die Grosseltern. Erst an letzter Stelle kommt die Kita.

[01:10:40.860] – Dr.med. Ursula Davatz
In den nördlichen Ländern ist das gar nicht so. Dort gibt es schon lange die Tradition,
dass die Kinder fremdbetreut werden.

[01:10:50.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe das Beispiel von Michael Meaney, von den High-Licking mothers und den
Low-Licking mothers.

[01:10:55.420] – Dr.med. Ursula Davatz
https://en.wikipedia.org/wiki/Michael_Meaney

[01:11:00.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mit ihm gesprochen. Wenn das Kind in die Kita gegeben wird, ist das wie eine
High-Licking mother.

[01:11:05.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn es um ADHS/ADS Kinder geht, dann muss man anders vorgehen. Die passen
nicht so gut rein. Das System ist schnell überfordert. Für die muss man extra Sachen
finden.

[01:11:12.260] – Bemerkung 23
Ist das heute noch so?

[01:11:12.910] – Bemerkung 24
Ja sicher! Ich kriege doch keine Kinder, damit ich die immer abgebe. Das ist viel zu
teuer. Das ist nicht gut deswegen, das ist nicht gut deswegen, nein, nein, Grosseltern
sind das Beste.

[01:11:44.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Schweizerisches Clandenken. Das ist Schweizerisches Feudaldenken, es bleibt
im Familiensystem.

[01:11:54.560] – Bemerkung 25
Ich habe den Baby-Interaktionskurs in Italien gemacht. Dort war eine Norwegerin,
welche den Kurs geleitet hat. Es waren auch Südeuropäer anwesen. Die Mutter-Kind
Interaktion ist eine andere zwischen einer Norwegischen Mutter und einer Italienischen
Mutter. Die Italienische Mutter ist für eine Norwegische Mutter übergriffig. Umgekehrt
finden die Italiener, dass die Norwegischen Mütter völlig autistisch sind. Da muss man
auch aufpassen. In Italien ist es lebensnotwendig, dass sie alle zueinander halten.

[01:12:40.660] – Bemerkung 25
Diese Kulturen haben eine andere Nähe, eine andere Distanz. In Italien ist der Clan
wichtig.

[01:13:04.910] – Bemerkung 25
Ich weiss nicht, wo die Schweiz das steht. Das kann ich noch nicht so gut einordnen.
Die Deutschen sind eher nördlicher.

[01:13:08.340] – Bemerkung 26
Es kommt auf den Stadt/Land Unterschied an. In den Städten ist die Kita kein grosses
Reizwort mehr.

[01:13:18.970] – Bemerkung 27
Nein aber teuer.

[01:13:32.790] – Bemerkung 28
Bei uns wurde gefragt, an welchen Tagen, welche Eltern die Kinder begleiten können.
Es wird davon ausgegangen, dass die Mütter den ganzen Morgen zu Hause sind. Das
ist völlig normal.

[01:14:32.360] – Bemerkung 29
So ist es auf dem Land.

[01:14:33.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, die Stadt/Land Unterschiede sind sehr gross. Das ist wie in einem Dorf.

[01:14:41.420] – Bemerkung 30
Ja, das ist immer noch so. Der Anspruch an die Mutter ist da.

[01:14:56.460] – Bemerkung 30
In der Schweiz sind die Rentner wahnsinnig froh, wenn sie sich um die Enkelkinder
kümmern können.

[01:15:15.290] – Bemerkung 30
Zwei 65 Jährige, welche den ganzen Tag in der Wohnung sitzen und sich nur zwei Mal
pro Woche zum Ritz spielen treffen, für die ist das ein ganz anderer Wert. Die
Grosseltern in der Schweiz wollen eine Wichtigkeit behalten. In der Schweiz sind alle
sehr individualistisch.

[01:15:53.780] – Bemerkung 31

Bei mir hat eine Frau gesagt: ihr könnt nicht erwarten, dass ich regelmässig hüten
komme. Ich habe auch noch meine eigenen Interessen. Diese Haltung herrscht auch
noch.

[01:16:23.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schon unterschiedlich.

[01:16:24.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Kennt jemand die Organisation Ja. Ja. Aber das wird wegen den fremden Grosseltern.
Also kennt ihr die Organisation mit mir?

[01:16:33.006] – Dr.med. Ursula Davatz
https://caritas-regio.ch/angebote/familie/mit-mir-patenschaften

[01:16:33.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wird das eingesetzt? Funktioniert es?

[01:16:33.660] – Bemerkung 32
Ja, es funktioniert.

[01:16:38.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine überforderte Mutter. Der professionelle Grossvater hat eine sehr wichtige
Rolle gespielt. Die Eltern haben sich getrennt und waren zerstritten. Er ging mit dem
Enkel handwerken ins Wallis. Das ist eine gute Sache.

[01:17:12.610] – Bemerkung 33
Ich war viel mit meiner Grossmutter in Basel.

[01:17:14.660] – Bemerkung 34
Die Bilder, was eine Familie ist, müssen noch mehr aufgebrochen werden. Mutter,
Vater, Grossmutter, Grossvater und das ist die heile Welt. Diese Bilder müssen noch
mehr aufgebrochen werden.

[01:17:32.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Bilder sind noch stark idealisiert und werden als Norm gebracht. Das traditionelle
Bild der Familie muss aufgebrochen werden.

[01:17:37.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles mögliche ist möglich. Wichtig ist, dass diejenigen welche zusammen für das Kind
schauen, einigermassen zusammen funktionieren.

[01:17:53.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb muss man auch nach diesen Vorstellungen fragen.

[01:18:00.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist ihre Vorstellung, wie müsste es sein. Das muss offen gelegt werden. Heute ist
alles möglich. Wir machen jetzt eine moderne, neue Familie.

[01:18:27.240] – Bemerkung 35
Ich finde die Kauai Studie interessant.

[01:18:27.220] – Bemerkung 35
https://resilientekinder.ch/spannendes-zur-kauai-studie-2/

[01:18:27.200] – Bemerkung 35
Das geht um sozial deprimierte Familien.

[01:18:31.190] – Bemerkung 35
Sie haben herausgefunden, was der Hauptresilienzfaktor war.

[01:18:39.230] – Bemerkung 35
Der Hauptresilienzfaktor war eine stabile Beziehung zu einer erwachsenen Person,
völlig unabhängig davon wer es ist.

[01:18:52.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Es spielt keine Rolle wer das ist. Das gleiche kam raus im Film: wir sind anders als ihr
denkt.

[01:18:54.253] – Dr.med. Ursula Davatz
https://westendverlag.de/Wir-sind-anders-als-ihr-denkt/2174

[01:18:54.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das waren alles Kinder, welche kranke Eltern hatten.

[01:19:12.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben alle eine Bezugsperson gehabt oder auch eine Sache. Das hat sie durch
getragen. Es spielt keine Rolle, wer es ist. Man kann überall jemanden reinholen.

[01:19:27.820] – Bemerkung 36
Das ist genau die klassische Familie, die ist bei uns so besetzt. Was wäre ein guter
Ausdruck für die neue Familie?

[01:19:54.440] – Bemerkung 36
Patchwork ist Patchwork. Kernfamilie, Familiensystem.

[01:19:54.880] – Bemerkung 36
Ich will, dass die anders funktionieren, als die klassische Familie. Es braucht dafür
einen Arbeitstitel.

[01:20:29.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf Englisch würde ich sagen: das Care System.

[01:20:38.030] – Dr.med. Ursula Davatz

Alle, welche sich um die Jungen kümmern. Da kann eine Lehrerin dabei sein, da kann
eine Nachbarin dabei sein.

[01:20:55.420] – Bemerkung 36
Beziehungs- und Bezugssystem zum Kind.

[01:20:55.920] – Bemerkung 36
Es wäre super, wenn man die Grosseltern mit rein kriegt.

[01:21:15.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erzieherische Bezugssystem.

[01:21:15.770] – Bemerkung 37
Ich habe Mühe mit dem Begriff Erziehung.

[01:21:19.680] – Bemerkung 38
Ich spreche sehr gerne von Erziehung.

[01:21:37.040] – Bemerkung 38
Warum Angst haben vor dem Erziehen?

[01:21:41.820] – Bemerkung 39
In einem Bezugssystem erziehen alle. Dann würde es wieder aufgehen.

[01:21:50.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auf verschieden Arten erziehen.

[01:21:55.830] – Bemerkung 40
Erziehung heisst für mich jemanden in eine Richtung ziehen. Das möchte ich nicht für
das Kind. Ich möchte, dass das Kind begleitet wird und so im Wesen anerkannt wird,
dass man das Kind richtig begleiten kann. Erziehung ist für mich nicht das richtige Wort.

[01:22:10.580] – Bemerkung 41
Führen hat auch mit Erziehung zu tun.

[01:22:12.700] – Bemerkung 42
Führen geht bei uns in Deutschland gar nicht.

[01:22:32.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine Erziehung ohne Beziehung.

[01:22:32.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erziehung kann über Befehle geschehen.

[01:22:38.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul sagt: ich will.

[01:22:38.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ansich werden die Kinder zu viel erzogen.

[01:22:47.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Bild der Affenmutter, welche das explorierende Kind einfach wieder vom Baum
runter reisst. Das ist Erziehung. Diese Art von Erziehung wollen wir nicht.

[01:23:08.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen persönlichkeitsgerecht erziehen.

[01:23:12.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit wir gut erziehen können, müssen wir unsere Kinder gut beobachten können,
wahrnehmen und dann vielleicht noch ein bisschen ergänzen.

[01:23:22.940] – Dr.med. Ursula Davatz

Kinder wollen nachahmen.

[01:23:23.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Erziehung läuft über Vorbilder.

[01:23:26.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin gegen Erziehung von Bestrafen und Belohnen. Gewisse machen das. Für
gewisse funktioniert das auch.

[01:23:36.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder muss wissen, welchen Stil, dass er verwenden möchte.

[01:23:40.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann immer fragen: welche Erziehungsstil ist in der Familie gelaufen?

[01:23:44.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Modern wäre eher: das Kind wahrnehmen, das Kind begleiten.

[01:23:44.450] – Bemerkung 43
Manchmal ist es auch mehr.

[01:24:03.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja klar. Das ist zum Teil auch gut.

[01:24:06.650] – Bemerkung 44
Irgendwann erzieht auch die Gesellschaft Dein Kind. Was wollen die Eltern auch nicht.

[01:24:06.880] – Bemerkung 44
Wo findest du da den richtigen Weg?

[01:24:11.230] – Bemerkung 44

Da oben ist es gefährlich, jetzt kommst du zum Essen. Den Rahmen setzen. Soziale
Regeln.

[01:25:00.630] – Bemerkung 45
Das Wort "Erziehung" hat für mich auch einen sehr negativen Touch.

[01:25:00.960] – Bemerkung 45
Ich würde von Grenzen setzen sprechen.

[01:25:22.540] – Bemerkung 46
Manche finden Grenzen auch ganz schwierig.

[01:25:33.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von Regeln.

[01:25:34.470] – Bemerkung 47
Gewisse müssen etwas machen. Man kann nicht immer nur schauen: was macht das
Kind? Das ist Erziehungsarbeit.

[01:25:56.960] – Bemerkung 48
Jeder bewertet das Wort "Erziehung" anders. Für gewisse ist es eher negativ für andere
ist es positiv. Der Inhalt unterscheidet sich. Was verstehen die Eltern darunter?

[01:26:17.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde soziale Regeln beibringen. In meine Haus gelten diese Regeln. Ich möchte
diese Regeln durchsetzen. Lieber Regeln sagen, als Grenzen setzen.

[01:26:40.560] – Bemerkung 49
Marte Meo spricht von positivem Leiten.

[01:26:40.980] – Bemerkung 49

https://martemeo.ch/was-ist-marte-meo/

[01:26:40.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Leiten, Leithammel, das gehen wir weg vom Führen.

[01:26:54.150] – Bemerkung 50
Anleiten, Leiten, Begleiten.

[01:26:56.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr gut und das ist auch flexibel.

[01:27:18.810] – Bemerkung 51
Das machen wir auch in der Familie.

[01:27:42.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Anleiten bringt man Know-How von seiner Erfahrung rein.

[01:27:48.140] – Bemerkung 52
Ich kann von einem Dreijährigen nicht erwarten, dass er einmal pro Woche sein Zimmer
komplett alleine aufräumt.

[01:27:54.400] – Bemerkung 53
Doch, das kann er schon. Hast Du eine Ahnung.

[01:28:05.500] – Bemerkung 54
Die jungen Eltern haben keinen blassen Schimmer von Erziehung. Das ist meine Not,
das sind Basics.

[01:28:32.260] – Bemerkung 55
Und wenn er jetzt keine Lust hat?

[01:28:35.130] – Bemerkung 54
Die armen, hilflosen Kinder sind permanent überreizt mit dieser Verantwortung. Die
eskalieren permanent.

[01:28:47.450] – Bemerkung 54
Brauchst Du Hilfe? Dann gibt es ein Geschrei.

[01:29:00.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Einmal pro Woche aufräumen, das ist eine Regel. Immer am Donnerstag, immer am
Mittwoch wird das Zimmer aufgeräumt. Das kann man schon mit Dreijährigen beginnen,
falls man das möchte.

[01:29:22.230] – Bemerkung 55
Da kann man die Kinder begleiten.

[01:29:41.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man.

[01:29:51.800] – Bemerkung 56
Die Erwartung ist, dass die Kinder das selber können.

[01:29:57.100] – Bemerkung 57
Ein zentrales Thema ist die Selbstbestimmung. Der Kanton Zürich sagt, dass die
Selbstbestimmung der Kinder wichtig ist.

[01:29:57.420] – Bemerkung 57
Wir haben gemerkt, dass das Thema Selbstbestimmung gar nicht aufgeht.

[01:30:06.980] – Bemerkung 57
Die Kinder im Heim sind fremdbestimmt. Die Mütter sind fremdbestimmt in der Mutter-
Kind Wohngruppe.

[01:30:29.320] – Bemerkung 57
Es beisst sich ein bisschen. Wir können das nicht 1:1 übernehmen.

[01:31:05.630] – Bemerkung 57
Der Kanton spricht von Inklusion und Selbstbestimmung.

[01:31:06.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Anleiten, Leiten, Begleiten und dann selber machen lassen.

[01:31:09.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe viele Eltern mit ihren kleinen Kindern sehr rational sprechen. Fürchterlich. Als
ob die Kinder schon Erwachsene Personen wären.

[01:31:31.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier wird das Kind weder angeleitet noch begleitet.

[01:31:31.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt gleich: Du machst das falsch.

[01:31:38.280] – Bemerkung 58
Meine Generation von Eltern hat den partizipativen Erziehungsstil gelernt. Das Kind
muss man überall einbeziehen. Das sind dann die pubertierenden BKS Mädchen. Es
muss ausgebadet werden. Die Eltern haben nie gesagt: nein, das geht so nicht, mach
das anders. Es hiess immer: wir können dann schauen. So entgleitet es den Eltern.
Das finde ich schwierig. Es braucht beides.

[01:32:06.300] – Bemerkung 58
Bei rot geht man nicht über die Strasse, das entscheiden die Eltern.

[01:32:06.770] – Bemerkung 58

Ein sechsjähriges Kind geht um 8 Uhr ins Bett. Nicht fragen: und möchtest du noch ein
Büchlein. Das ist oft das Problem in den Familien, welche ich begleite.

[01:32:25.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird alles an das Kind abdelegiert und man übernimmt als Erzieher keine
Verantwortung mehr.

[01:32:32.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat eine Erziehungs-, Begleitungs- und Leitungsverantwortung. Man muss Struktur
setzen. Wenn man gar keine Struktur setzt, dann fühlt sich das Kind verunsichert. Das
ist nicht gesund.

[01:32:52.800] – Bemerkung 59
Verantwortung ist auch ein wichtiges Thema.

[01:32:56.780] – Bemerkung 60
Wenn die Mutter nicht in der Lage ist, die Verantwortung selber zu übernehmen, dann
finde ich es schwierig. Wenn die Mutter ein psychisches Leiden hat.

[01:33:21.430] – Bemerkung 60
Die Mutter steht einfach da und wartet, bis das Kind von selber kommt. Sie war selber
sehr unsicher. Die Mutter weiss gar nicht, was sie selber möchte. Antriebslos.

[01:33:55.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man der Mutter helfen. Was will die Mutter? Die Mutter muss mitteilen, was sie
möchte. Nicht die ganze Führung dem Kind überlassen. Das ist eine grosse Belastung
für das Kind und nicht gesund für das Kind.

[01:34:12.450] – Bemerkung 61
Was ist, wenn die Mutter nicht weiss was sie möchte und nichts tun kann oder will.

[01:34:36.020] – Dr.med. Ursula Davatz

Da würde ich zurückfragen. Ich erlebe viele Frauen, wo die Mütter immer für sie
entschieden haben. Es ist bequem, wenn man nicht entscheiden muss.

[01:34:44.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Gerade als Frau. Wie war das früher? Durften sie jemals selber entscheiden? Hat
immer jemand anderes für sie entschieden?

[01:34:45.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche nie für sich selber entscheiden durften, können nicht für ihr Kind
entscheiden.

[01:34:55.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man rausholen. Jetzt darf sie selber entscheiden, das ist wichtig.

[01:34:56.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft heisst es: ich weiss es nicht, es ist mir egal.

[01:34:56.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Enkel hat ein Theater aufgeführt: mir ist es egal.

[01:35:27.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht so schnell antworten.

[01:35:31.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Consulter votre Coeur.

[01:35:31.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht so schnell sagen: ich weiss es nicht.

[01:35:36.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Überlegen sie, bleiben sie bei sich, hinterfragen sie sich sorgfältig. Was möchte ich?

[01:35:47.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit man weiss, was man möchte, muss man sich spüren. Die spüren sich nicht
selber.

[01:36:00.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wollen es alle irgendjemandem Recht machen, sich einem Schema anpassen. Nein.

[01:36:04.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt keinen falschen Entscheid. Es gibt nur ihren Entscheid. Viele haben Angst,
Fehler zu machen, dann wird gar nicht entschieden. Dann entscheidet jemand anderes
für sie. Das ist gar nicht gesund.

[01:36:04.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute haben die Kinder viel Einfluss vom Internet. Die Kinder schauen viele Serien.

[01:36:34.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass wir unsere Werte, unsere Regeln einbringen.

[01:36:34.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach alles der IT Beeinflussung übergeben.

[01:36:36.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe meine Enkel gefragt, welche Filme sie schauen.

[01:36:41.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist immer ein Kampf. Wofür wird gekämpft, gegen was wird gekämpft?

[01:36:46.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die meisten Themen waren: aus Rache wird gekämpft.

[01:37:06.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind bei der Mafia. Meine Mutter wurde verletzt. Jetzt muss ich das Rächen.

[01:37:07.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier müssen noch andere Prinzipien eingebracht werden.

[01:37:11.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind Regeln, das ist Moral, das ist Ethik.

[01:37:20.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz wichtig in der heutigen Zeit, dass man den Eltern hilft, dass sie ihre Ethik,
ihre Wertvorstellungen einbringen.

[01:37:20.710] – Bemerkung 62
Sie müssen sich selbstwirksam erleben.

[01:37:37.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut.

[01:37:41.880] – Bemerkung 62
Sie erwarten, dass jemand kommt uns sie rettet.

[01:37:52.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das jemand kommt und ihnen sagt, wo der Weg lang geht.

[01:37:53.020] – Bemerkung 63
Eine Mutter hatte eine dominante Grossmutter. Die wohnen jetzt nicht mehr im gleichen
Haus. Die Mutter will es jetzt so machen, wie sie es möchte. Die Grossmutter hat es
geschafft, die Mutter zu überzeugen, das Kind in die Babyklappe zu tun. Die Mutter
musste sehr dafür kämpfen, das Kind zurück zu erhalten. Die Grossmutter hat immer
noch eine Rolle. Sie wurde von der älteren Tochter erzogen.

[01:38:37.860] – Bemerkung 63
Die Mutter will jetzt ihren eigenen Weg gehen, sie will ihren eigenen Erziehungsstil. Es
stehen viele Dinge zwischen der Mutter und der Grossmutter. Soll man hier trotzdem
die Grossmutter miteinbeziehen?

[01:39:18.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde mit der Kindesmutter sprechen und eine Sitzung zusammen machen.
Grossmutter und Mutter müssen dabei sein.

[01:39:34.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man beide validieren.

[01:39:35.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grossmutter hat soviel gemacht. Das ist gut. Sie ist eingesprungen, wo es eine
Lücke gab.

[01:39:42.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man die Mutter validieren. Es ist verständlich, dass sie jetzt ihre Mutterrolle
voll und ganz leben möchte.

[01:40:06.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt man zu dem: fühlt sie sich manchmal gestört oder verunsichert durch ihre
Mutter, wenn die auch noch eine Idee hat?

[01:40:20.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man wieder verhandeln.

[01:40:21.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kann man die Grossmutter punktuell miteinbeziehen. Sonst ist das Kind in einem
komischen Vakuum, wo die eigene Mutter nicht möchte, dass es Kontakt zur
Grossmutter hat.

[01:40:21.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Verhandeln, wie man die Grossmutter noch mehr einbeziehen kann, sodass das Kind
die Grossmutter auch kennen lernt.

[01:41:06.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Was wäre die Grossmutter bereit zu machen?

[01:41:06.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Was wäre tolerabel für die junge Frau?

[01:41:07.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Verhandeln.

[01:41:10.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nicht verhandelt, dann tut sich die Spaltung im Kind niedersetzen.

[01:41:14.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Schizophreniepatient ging immer zur Grossmutter. Wenn er bei der Grossmutter
war, hatte er Heimweh nach der Mutter. Wenn er bei der Mutter war, hatte er Heimweh
nach der Grossmutter. Grossmutter und Mutter haben diese Sache nicht überbrückt. Er
ist schizophren geworden.

[01:41:26.740] – Bemerkung 64
Was ist wenn die Pflegeeltern noch dabei sind?

[01:41:53.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Pflegeeltern und Eltern sind ja Konkurrenten.

[01:42:14.080] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Pflegeeltern und die Eltern sollte man zusammen nehmen, beide validieren. Auch
die Mutter in ihrer Schwierigkeit validieren.

[01:42:18.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man die Pflegeeltern fragen: können sie das nachvollziehen, dass das
schwierig ist?

[01:42:19.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das was die Pflegeeltern gemacht haben, muss deshalb nicht schlecht sein. Es ist gut,
dass das Kind noch gehen darf.

[01:42:35.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter darf ihre Pein sagen.

[01:42:45.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde beide zusammen nehmen. Das ist vielleicht nur eine Sitzung. Das macht man
alles für das Kind.

[01:43:00.200] – Bemerkung 65
Der Kontakt zwischen der Mutter und der Grossmutter braucht viel Vorbereitung für die
Mutter.

[01:43:10.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf jeden Fall.

[01:43:22.500] – Bemerkung 65
Der Sohn hat die Grossmutter dazu gedrängt, dass das Kind in die Babyklappe
gegeben wird.

[01:43:25.690] – Bemerkung 65
Das ist der Grund für die Abgrenzung der Mutter von der Tochter.

[01:43:33.180] – Bemerkung 65
Es ist keine therapeutische Fachperson im Boot.

[01:43:33.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das spielt keine Rolle.

[01:43:49.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will nichts drängen. Wenn sie bereit sind, das zu machen, können sie es auch auf
eine Art und Weise rüberbringen, sodass die Mutter vertraut.

[01:44:28.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss selber sicher sein, doch das möchte ich jetzt, das kann ich jetzt, das erreiche
ich. Dann erreicht man es auch. Sie spürt die Haltung der Fachperson.

[01:44:54.380] – Bemerkung 66
Wie differenziert das die Mutter? Die Mutter ist schnell weg. Die Mutter war noch nicht in
der gynäkologischen Nachkontrolle.

[01:45:08.880] – Bemerkung 67
Man muss schauen, dass noch jemand reinkommt in der therapeutischen Rolle.

[01:45:12.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie es akzeptiert.

[01:45:23.810] – Bemerkung 68
Vielleicht gibt es ein Prozent, was sie von der Grossmutter möchte. Dann kann man in
das Gespräch gehen.

[01:45:49.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ihr soweit seit, die Mutter und die Grossmutter zusammen bringen, verhandeln,
vermitteln. Immer auf allen Seiten validieren, wertschätzen.

[01:46:12.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen oft zu schnell zu einer Lösung kommen, machen keine Wertschätzung in alle
Richtungen. Es müssen alle wertgeschätzt werden in ihrer Rolle, in ihrem Schmerz, in
ihrer Verzweiflung.

[01:46:17.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man über seine Gefühle sprechen kann, dann geht 50% von Stress weg.

[01:46:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können helfen eine Plattform zu sein, damit man über seine schwierigen Sachen
reden kann.

[01:46:37.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Familie begleitet, wo es um Adoptivkinder gegangen ist, wo dann ihre
leiblichen Eltern wieder aufgesucht haben.

[01:46:42.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher wurde alles gekappt. Heute werden die leiblichen Eltern wieder aufgesucht. Das
ist oft ein grosser Spalt zwischen den Adoptiveltern und leiblichen Eltern.

[01:47:00.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil habe ich es geschafft, zum Teil nicht.

[01:47:02.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon nur wenn man jemandem hilft, etwas zu tun, ist eine gewisse Linderung da.

[01:47:03.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Besten Dank, bis zum nächsten Mal. Ein tolles Thema.