Allgemeine Schlussfolgerungen:
- Energieniveau: Dr.med. Ursula Davatz beschreibt Depressionen als einen Zustand, in dem der „Akku runtergefahren“ ist. Dies deutet auf ein niedriges Energieniveau und Antriebslosigkeit hin. Bei einer Psychose hingegen kann es zu extremer Hyperaktivität und Rastlosigkeit kommen, wie im Fall der Frau, die ihr Kind ständig an der Brust trug.
- Realitätsbezug: Ein zentrales Merkmal der Psychose, und somit auch der postpartalen Psychose, ist der Verlust des Realitätsbezugs. Betroffene können Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Denkstörungen erleben. Dr. Davatz beschreibt den Fall einer Frau, die ihr Kind nicht mehr als solches erkannte. Bei einer Depression bleibt der Realitätsbezug in der Regel erhalten, obwohl die Wahrnehmung der Realität negativ verzerrt sein kann.
- Gefühlsabspaltung: Dr.med. Ursula Davatz erklärt, dass bei einer Psychose, insbesondere bei Schizophrenie, oft eine Abspaltung von Gefühlen stattfindet. Dies dient als Schutzmechanismus gegen die Übererregung. Bei einer Depression hingegen sind die Gefühle oft sehr präsent, allerdings meist negativ gefärbt, wie z.B. Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit und Schuldgefühle.
- Zwangsverhalten: Dr.med. Ursula Davatz erwähnt, dass Zwangsverhalten oft ein Vorläufer einer Psychose sein kann. Wenn der Druck und die Angst zu gross werden, kann es zu einem Zusammenbruch des Grosshirns und zum Ausbruch einer Psychose kommen. Zwangsverhalten kann auch bei Depressionen auftreten, ist aber nicht so stark mit dem Risiko einer Psychose verbunden.
- Risiko für das Kind: Dr.med. Ursula Davatz betont, dass bei psychotischen Müttern die Gefahr besteht, dass sie ihr Kind vernachlässigen oder ihm sogar etwas antun. Dies geschieht oft aus einem verzweifelten Wunsch heraus, das Kind vor dem Leid der Welt zu schützen. Bei Depressionen ist die Gefahr für das Kind weniger akut, allerdings kann die depressive Mutter Schwierigkeiten haben, eine liebevolle und sichere Bindung zum Kind aufzubauen, was sich negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirken kann.
https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf
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