Vortrag 2 inkl. Fragen:

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Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

Weiterbildung für Mütterberaterinnen Teil 2
6.5.2014
Audio

[00:00:01.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Sind wir vollzählig?

[00:00:04.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe versucht pünktlich zu erscheinen. Es hat geklappt.

[00:00:04.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist der Hintergrund für psychische Krankheiten?

[00:00:21.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychische Krankheiten entstehen häufig in der Ablösungsphase, in der
Pubertätsphase, wo es um die Persönlichkeitsbildung geht.

[00:00:43.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Sigmund Freud hat gesagt, dass die ganzen psychischen Krankheiten in den ersten
drei Jahren entstehen.

[00:00:44.430] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Sigmund_Freud

[00:00:44.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe das nicht so.

[00:00:44.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, die psychischen Krankheiten entstehen eher in der Ablösungsphase, in der
Pubertät.

[00:00:56.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sicher gibt es viele Einflüsse schon davor.

[00:00:59.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganze Zeit läuft ein Einflussnahme.

[00:01:05.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind ein heftiges Temperament hat und die Eltern mit dem Temperament nicht
umgehen können, dann ist da dauernd eine nicht so gute Interaktion zwischen Gen und
Umfeld.

[00:01:18.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass sich daraus dann wirklich eine psychische Krankheit entwickelt, das passiert eher
erst in der Ablösungsphase.

[00:01:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Drei-Generationen-Schemas anschaut, kann man sagen: die psychische
Krankheit entsteht dann, wenn die Eltern selber nicht ganz abgelöst sind von ihren
eigenen Eltern.

[00:01:43.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die zweite Generation korrigiert bei der dritten Generation und projiziert seine Probleme
auf die eigenen Kinder und die tragen das dann weiter.

[00:01:54.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Buch von Sandra Konrad heisst: Es bliebt in der Familie.

[00:01:57.900] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1032684789

[00:01:58.090] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann wird alles weitergegeben.

[00:02:06.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Familien sind so geartet, dass sie diese Probleme lösen wollen.

[00:02:11.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Probleme nicht gelöst sind, werden sie weiter gegeben.

[00:02:11.060] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Bibel heisst es: wenn die Eltern Fehler machen, hat das Auswirkungen in die
vierte oder fünfte Generation.

[00:02:14.778] – Dr.med. Ursula Davatz
[ 2. Buch Mose (Exodus) 20:5 im Zusammenhang mit den Geboten Gottes. ]

[00:02:14.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist familientherapeutisch.

[00:02:26.280] – Dr.med. Ursula Davatz
In den zehn Geboten heisst es: ehre Vater und Mutter.

[00:02:38.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt in der Bibel kein Gebot: ehre deine Kinder.

[00:02:44.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Khalil Gibran sagt: deine Kinder sind nur Leihgabe und du darfst nicht deine Probleme
an diesen Kindern ausagieren.

[00:02:53.780] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Khalil_Gibran

[00:02:53.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Khalil Gibran sagt deutlich, dass die Kinder nicht einfach Ware oder unser Besitz sind
und wir alles mit ihnen machen können.

[00:02:53.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht immer um die Ablösungsproblematik.

[00:03:10.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Eltern mit problemhaften Kindern haben, wenn die Eltern schon psychische
Probleme haben, psychische Krankheiten haben, können sie eigentlich immer noch
einmal auf die Ablösung zurückgehen und schauen, wie ist denn die?

[00:03:30.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen nicht Therapeuten sein.

[00:03:32.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon nur indem sie Fragen stellen, indem sie vielleicht etwas dazu sagen, fördern sie
ein bisschen diese Ablösung.

[00:03:41.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus meiner Sicht besteht die psychiatrische Arbeit, therapeutische Arbeit, besteht
immer darin, dass man den Patienten hilft, sich noch weiterzuentwickeln.

[00:03:54.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Therapeutische Arbeit ist Entwicklungsarbeit.

[00:03:56.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Zur Entwicklungsarbeit gehört Ablösungsarbeit.

[00:04:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht ein Cut Off machen.

[00:04:01.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht einfach nur sich abschneiden von der Ursprungsfamilie.

[00:04:05.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich komme nicht einmal an deine Beerdigung.

[00:04:11.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich längstens hinter mir.

[00:04:12.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das klingt immer nach gewaltsamer Ablösung, gewaltsamer Abtrennung.

[00:04:16.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine gewaltsame Abtrennung macht, dann trägt man alle Probleme mit sich.
Die Gefahr ist noch grösser, dass man sie auf das Kind projiziert.

[00:04:26.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Hingegen, wenn man darauf angesprochen wird, muss man damit umgehen.

[00:04:30.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann passiert vielleicht ein Schritt weiter Ablösung.

[00:04:36.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Instrument, das sie sich immer vor Augen halten können.

[00:04:40.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen dazu Fragen stellen, ohne dass sie den Patienten unter die Nase reiben: ich
glaube, sie sind noch nicht ganz abgelöst von ihrem Mutter.

[00:04:49.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Das geht natürlich nicht.

[00:04:51.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Therapeuten machen das manchmal, das dürfen sie nicht.

[00:04:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können Fragen stellen: wie haben sie es gehabt, wie war ihre Mutter, wie war ihr
Vater.

[00:05:00.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können einfach Fragen dazu stellen. Das bewirkt schon wieder eine Entwicklung.

[00:05:09.280] – Bemerkung 1
Wie sehe ich, dass eine gute Ablösung stattfindet?

[00:05:13.840] – Dr.med. Ursula Davatz
In den USA habe ich versucht einen Fragebogen aufzustellen.

[00:05:14.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich eine zeitlang stark mit Fragebogen befasst.

[00:05:23.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Punkte sind: nicht jeden Tag ein Telefon.

[00:05:27.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche jeden Tag mit ihrer Mutter telefonieren, sind sicher nicht abgelöst.

[00:05:27.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche sich gewaltsam abgetrennt haben, wollen gar nichts mehr mit der
Mutter zu tun haben.

[00:05:40.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht jeden Tag ein Telefon.

[00:05:42.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ein Problem gibt, springt man als erstes zur Mutter oder zum Vater.

[00:05:47.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern sind die einzigen Ratgeber. Das ist auch nicht abgelöst.

[00:05:56.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen mit denen ich im Umgang mit der Ablösung arbeite sind 50 Jahre alt oder
älter.

[00:05:56.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht zu stark der Pflicht nachgehen: ich muss doch meine Mutter besuchen. Ich muss
das für sie machen, sonst wird sie verrückt, sonst habe ich Schuldgefühle.

[00:06:12.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur die Mutter oder den Vater besuchen, wenn man das möchte, wenn man Lust hat,
wenn es passt. Nicht einfach nur aus dem Pflichtgefühl heraus.

[00:06:12.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Eltern nicht besucht, aber die anderen Geschwister tun das, dann muss
man keine Schuldgefühle haben.

[00:06:39.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich mit solchen Leuten arbeite, frage ich, haben sie es fertig gebracht auf sich zu
hören?

[00:06:42.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben sie nicht einfach nur die Eltern befriedigt?

[00:06:42.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben sie Schuldgefühle dabei gehabt? Ja?

[00:06:42.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist man noch nicht soweit.

[00:06:43.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Solange man etwas den Eltern zuliebe nicht macht, einfach um es nicht zu tun und
dann trotzdem Schuldgefühle hat, ist man immer noch nicht abgelöst.

[00:06:43.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man streitet mit den Eltern und will sie von sich und der eigenen Meinung überzeugen
oder die Eltern wollen einem von der eigenen Meinung überzeugen.

[00:07:10.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schlage den Leuten vor, dass sie in ihre Ursprungsfamilie zurückgehen sollen und
sich über ein schwieriges Thema unterhalten sollen.

[00:07:17.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich höre dann oft: die Mutter hört sowieso nicht zu, ich kann die nicht ändern.

[00:07:32.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht darum, dass sie die Mutter ändern.

[00:07:32.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht auch nicht darum, dass sie die Mutter oder den Vater verstehen.

[00:07:32.580] – Dr.med. Ursula Davatz

Es geht darum, dass sie in der Anwesenheit ihrer Eltern, Vater einzeln, Mutter einzeln,
ihre Meinung sagen können, ohne den Elternteil überzeugen zu wollen und sich
unterzuordnen.

[00:08:02.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit einander zusammen sein, verschiedene Meinungen vertreten, jeder darf die andere
Meinung haben.

[00:08:08.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine grosse Kunst.

[00:08:08.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen sind speziell schwierig dort.

[00:08:15.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen wollen immer ein bisschen harmonisieren.

[00:08:16.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wie das Kuschelhormon Oxytocin.

[00:08:19.189] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Oxytocin

[00:08:19.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sollten alle die gleiche Meinung haben.

[00:08:22.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht notwendig.

[00:08:23.780] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Gegenüber darf eine andere Meinung haben, der Vater und die Mutter dürfen eine
andere Meinung haben. Selber darf man eine andere Meinung haben. Man muss sich
nicht gegenseitig überzeugen und auch nicht überzeugen lassen.

[00:08:35.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht immer so einfach.

[00:08:40.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute Morgen hat mir eine Patientin aus einem Büchlein von Hermann Hesse
vorgelesen.

[00:08:46.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort stand genau das drinnen.

[00:08:46.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder hat den Auftrag, sein eigenes Individuum, das nennt man Individualisierung oder
Individuation, sagen die Psychologen.

[00:08:57.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder hat den Auftrag, seine eigenen individuellen Fähigkeiten zu verwirklichen.

[00:09:07.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer ein bisschen den Weg zu finden, zwischen wie viel passe ich mich an; dem Clan,
der Gesellschaft?

[00:09:12.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie viel ordne ich mich unter?

[00:09:13.412] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie viel rebelliere ich und mache etwas eigenes?

[00:09:13.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Mann kann nur so viel rebellieren, wie man selber erträgt, denn das System reagiert
darauf.

[00:09:26.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man standhaft bleibt, beruhigt sich das System wieder.

[00:09:30.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Herman Hesse hat ein Buch geschrieben: Eigensinn macht Spass!

[00:09:30.360] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1000543771

[00:09:41.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Worte von Hermann Hesse könnten aus dem Munde einer Therapeutin stammen.

[00:09:48.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können das als Haltung haben.

[00:10:12.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen die Diagnose weder wissen noch diese stellen können.

[00:10:12.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Diagnose zu stellen oder zu wissen ist medizinisches Denken. Das möchte ich
ihnen nicht beibringen.

[00:10:15.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will ihnen Prozessdenken beibringen.

[00:10:25.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie findet die Interaktion statt?

[00:10:28.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie könnte man die Interaktion verändern, damit es eine gesündere Auswirkung auf
das Kind hat?

[00:10:36.860] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Supervision der Mütterberaterinnen des Kanton Aargau, haben wir ab und zu
auch psychotische Mütter/Grossmütter mit dem Kind gehabt.

[00:10:49.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe die Mütterberaterinnen dazu angeleitet, dass sie die psychotische Kindsmutter
und Grossmutter zusammennimmt und auch mit den Grossmüttern arbeitet.

[00:11:11.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine junge Mutter psychotisch wird, besteht meistens keine ganz vollzogene
Ablösung.

[00:11:17.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann die Grossmütter als Ersatzmütter reingeholt werden, dann gibt es einen
Konflikt zwischen Grossmutter und Kindsmutter.

[00:11:24.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser Konflikt zwischen Grossmutter und Kindsmutter hat die Mütterberaterin
gehandhabt.

[00:11:33.060] – Dr.med. Ursula Davatz
So konnten wir Kinder von psychotischen Müttern zu Hause behalten.

[00:11:38.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die psychotischen Mütter mussten nicht hospitalisiert werden, die Mütter auch nicht.

[00:11:42.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Geburt des kleinen Kindes bringt mit sich, dass das System etwas aufgelöst ist,
etwas aufgeweicht ist.

[00:11:52.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das System ist dann eher bereit an irgendeinem Konflikt zu arbeiten.

[00:11:56.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Für das Kind tut man alles, auch die Grossmutter.

[00:11:56.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind Möglichkeiten, die nur sie wahrnehmen können.

[00:12:11.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Slogan lautet: Mütterberaterinnen als Sparschwein.

[00:12:22.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Idee ist: wir geben so viel Geld für Reparaturkosten aus.

[00:12:31.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Sozialbereich, der Sozialdienst, der Sozialgelder zahlen muss.

[00:12:35.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Gesundheitsbereich natürlich.

[00:12:38.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gesundheitssystem, das für die kranken Mütter und Kinder bezahlt werden muss.

[00:12:44.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Juristischen Bereich die Bestrafungen.

[00:12:46.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Kinder delinquent werden, meistens die Jungs, dann muss der Staat wieder
bezahlen.

[00:12:57.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist unheimlich aufwendig und kostet sehr viel.

[00:13:01.240] – Dr.med. Ursula Davatz
CHF 1 .- Investiert in die Mütterberatung spart CHF 5'000.- in diesen drei Bereichen.

[00:13:18.110] – Dr.med. Ursula Davatz
So langfristig denken diese Systeme nicht.

[00:13:18.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es denkt nur jeder für sich.

[00:13:21.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe es nicht fertig, die Mütterberaterin auf diesen Ebene zu heben.

[00:13:26.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütterberaterinnen sind Präventionsarbeiterinnen der ersten Stunde.

[00:13:35.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Krankenkassen müssen einen gewissen Betrag auf die Zeit legen für die
Prävention.

[00:13:41.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Kanton Aargau und auch in anderen Kantonen gibt es Präventionsarbeiter.

[00:13:46.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die meisten Präventionsarbeiter kommen aus der Suchtarbeit.

[00:13:50.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Prävention besteht nicht nur aus Suchtarbeit.

[00:13:50.810] – Dr.med. Ursula Davatz
In meinem Buch habe ich ein kleines Kapitel über Mütterberaterinnen.

[00:13:50.830] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1034584660

[00:13:50.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Prävention kann man auch auf vielen anderen Gebieten machen.

[00:14:04.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind Prävention für alles.

[00:14:05.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt eine Studie aus den USA.

[00:14:05.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurde untersucht, ob Kinder aus Risikofamilien ein schlechtere Schulbildung haben.

[00:14:10.430] – Dr.med. Ursula Davatz
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17274547/

[00:14:11.630] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.jstor.org/stable/1602387

[00:14:20.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt durchaus auch Kinder aus armen Familien, die eine gute Schulbildung haben.

[00:14:44.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man der Risikofamilie zur ersten Stunde Unterstützung angeboten hat, dann
wurden die Kinder weniger delinquent.

[00:15:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor der Delinquenz haben alle Angst. Das ist gefährlich in der Gesellschaft.

[00:15:00.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher sind sie die besten Präventionsarbeiter.

[00:15:00.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben es viel von den Mädchen gehabt.

[00:15:00.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Borderline Persönlichkeitsstörung trifft man mehr bei den Mädchen an.

[00:15:22.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die dissoziale, antisoziale Persönlichkeitsstörung trifft man viel mehr bei den Knaben
an. Die Jungs gehen in die die Delinquenz, die sind dann im Gefängnis, die kosten viel
Geld.

[00:15:30.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie machen auch Erziehungsberatung, das ist jetzt erlaubt. Die erweiterte
Mütterberatung, mindestens bis zum Kindergarten.

[00:15:30.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Mütter von ADHS/ADS Kindern haben, ist es ganz wichtig, dass sie die Mütter
dahingehend instruieren, damit die Hyperaktivität nicht als bösartig angeschaut wird.

[00:15:45.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein böser Junge, weil er aggressiv ist.

[00:16:41.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Junge ist nur aggressiv, weil er einerseits sehr sensibel ist und sich dann auf eine
männlich Art und Weise verteidigt.

[00:16:46.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor jeder Aggression ist eine Verletzung.

[00:16:46.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter merken nicht, wie sie ihre Kinder verletzen.

[00:16:46.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann schon beim kleinen Kind darauf achten, dass die Mütter die hyperaktiven
Kinder nicht verletzen.

[00:16:46.620] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder dürfen nicht zu starkt eingeengt werden.

[00:16:46.710] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder müssen zur Kooperation gebracht werden, nicht zum gehorsam.

[00:17:03.620] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder kann man totschlagen, sie gehorchen immer noch nicht.

[00:17:03.820] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder darf man nicht zum folgen bringen. Man muss sie zur Kooperation
bringen.

[00:17:09.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine andere Methode.

[00:17:09.870] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder habe wenig Angst, sie sind impulsiv.

[00:17:09.884] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder überspiele die Angst mit ihrer Impulsivität.

[00:17:09.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ADHS/ADS Kinder zum gehorsam zwingt, wenn man ihnen droht, das
interessiert die überhaupt nicht.

[00:17:33.660] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder haben keine Angst, sie gehen dagegen.

[00:17:36.300] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder kann man zu Kooperation bringen.

[00:17:36.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss genügend Geduld haben.

[00:17:36.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Bereits im Kindergarten kann es passieren, dass ADHS/ADS Kinder zu bösen Kindern
gemacht werden. Dort sagt man, es sind aggressive Kinder.

[00:17:36.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Man meint, dass man das Temperament von ADHS/ADS Kindern erziehen muss. Das
kann man nicht.

[00:18:02.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Temperament der ADHS/ADS Kinder führen können, nicht zerdrücken.

[00:18:02.950] – Dr.med. Ursula Davatz

Haben sie zum Teil anfragen bezüglich Beratung im Umgang mit ADHS/ADS Kindern?

[00:18:11.570] – Bemerkung 2
Ja, wir kriegen anfragen wie wir mit sehr aktiven Kindern umgehen sollen.

[00:18:11.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Diagnose ist in aller Munde.

[00:18:35.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter stellen die ADHS/ADS Diagnose selber. Dann haben die Mütter schon Angst.

[00:18:35.210] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle muss man die Mütter beruhigen, damit sie den Kindern mehr Spielraum
lassen, klare Regeln. Keine rigide Regeln.

[00:18:46.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Unterschied.

[00:18:54.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Mütter verwechseln "klar" mit "rigid".

[00:19:26.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein Kind zur Verhandlungsmöglichkeit bringen möchte, muss man dem Kind
einen Spielraum lassen.

[00:19:26.970] – Bemerkung 3
Kann man eine ADHS/ADS erst ab fünf oder sechs Jahren erkennen?

[00:19:39.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, würde ich nicht sagen.

[00:19:38.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich befasse mich seit über 30 Jahre mit dem ADHS/ADS.

[00:19:38.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sagten die Kinderpsychiater, dass es ADHS/ADS gar nicht gibt. Sie meinten, das
sei nur ein Problem der Familie. Es war immer eine grosse Diskussion. Wenige
Kinderärzte befassen sich schon lange damit.

[00:19:44.470] – Dr.med. Ursula Davatz
1971 habe ich einen Kinderarzt gehört, Dr.med. Christian Müller, der Nervenarzt galt als
Schizophrenie Spezialist.

[00:20:01.200] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_M%C3%BCller_(Mediziner,_1921)

[00:20:05.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ärzte stellen immer eine Diagnose. Wie stelle ich eine Diagnose?

[00:20:15.050] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist keine Krankheit.

[00:20:21.550] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist eine genetische Konstellation, welche sich aus verschiedenen Faktoren
zusammensetzt und nicht immer gleich ist.

[00:20:26.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Von einem Syndrom spricht man, wenn mehrere Faktoren eine Rolle spielen.

[00:20:31.440] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS hat mit der Formation des Gehirns zu tun.

[00:20:36.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist entwicklungsfähig, plastisch und kann sich ganz verschieden verändern.

[00:20:47.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Situation besteht schon seit der Geburt.

[00:20:47.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Mütter spüren oft schon, dass das ADHS/ADS Kind etwas anders sind.

[00:21:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man schon früher feststellen.

[00:21:10.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will keine Diagnose stelle, ich will nicht sagen, dass das Kind krank ist.

[00:21:15.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will der Mutter nicht das Gefühl geben, dass sie ein krankes Kind hat.

[00:21:15.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von Temperament, nicht von Krankheit.

[00:21:33.020] – Bemerkung 4
Gibt es solche Dispositionen in der Familie?

[00:21:47.680] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist etwas genetisches.

[00:21:55.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann auch Hirnstörungen geben, welche perinatal erworben werden.

[00:22:07.990] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ADHS/ADS wird in der Familie vererbt.

[00:22:08.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Temperament, die Sensibilität, die Hyperaktivität.

[00:22:22.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem ADHS/ADS kommt eine schlechte Impulskontrolle.

[00:22:27.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kombination von sehr sensibel und schlechter Impulskontrolle ist oft schwierig für
das Umfeld.

[00:22:27.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Umfeld sagt: er ist so eine Mimose. Selber erträgt er überhaupt keine Kritik aber er
kann austeilen wie ein Weltmeister.

[00:22:37.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man meint, das passe nicht zusammen.

[00:22:50.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau das ist das ADHS/ADS.

[00:22:54.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS Kind verteidigt seine seine Sensibilität mit einer Aggression.

[00:23:02.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aggressivität ist immer eine Verteidigung.

[00:23:06.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt mehr zum Ausdruck, je nachdem, wie die Familie mit dem ADHS/ADS
umgeht.

[00:23:14.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Familie sehr rigide und eng ist, strenge Regeln hat, stösst das ADHS/ADS
Kind immer an.

[00:23:21.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Familie eine klare Leitlinie hat, aber nicht so rigid ist, man kann verhandeln,
ein bisschen liberaler, dann gibt es gar kein Problem daraus.

[00:23:38.110] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS kommt oft mit einer Dyslexie, Dyskalkulie. Sie haben ein unausgeglichenes
Leistungsprofil.

[00:23:38.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Albert Einstein hat nicht gesprochen bis er fünf Jahre alt war. Er hatte im Sprachbereich
ein Defizit, eine Leistungsverminderung.

[00:24:00.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wollte Albert Einstein aus der Schule werfen, weil er in den Sprachen nicht so gut
war.

[00:24:00.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule hat Albert Einstein behalten, er ging an die Kantonsschule in Aarau. Jetzt
heisst die Schule Einsteinhaus.

[00:24:10.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist man stolz. Das ist klar.

[00:24:19.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frage ist: wie geht die Familie mit dem ADHS/ADS um?

[00:24:20.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ADHS/ADSler die überhaupt nicht diagnostiziert werden, weil die Familie sehr
gut damit umgeht. Es gibt kein Problem, die können Rücksicht nehmen, die können mit
dem umgehen.

[00:24:20.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Familien die überhaupt nicht mit ADHS/ADS umgehen können.

[00:24:40.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Familie nicht mit ADHS/ADS umgehen kann, erscheint es als Problem und es
wird diagnostiziert.

[00:24:41.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Von mir aus müsste man es nicht diagnostizieren.

[00:24:43.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man müsste den Eltern nur die Anleitungen und die Unterstützung geben, wie sie mit
dem ADHS/ADS umgehen können.

[00:24:50.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage werden viele Diagnosen gestellt.

[00:24:52.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt nicht viele Personen, welche die Eltern im Umgang mit ADHS/ADS anleiten
können.

[00:24:52.920] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Regel wird dem Kind einfach nur Ritalin gegeben. Dann soll es in Ordnung sein.

[00:24:59.920] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist schon so weit, dass der Lehrer sagt: ich nehme das Kind nicht mehr in die
Schule, wenn es kein Ritalin bekommt.

[00:25:12.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht nicht.

[00:25:13.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Eltern sagen: ich will kein Ritalin geben, ich will es so versuchen.

[00:25:13.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: das sei okay. Ich dränge ihnen das Ritalin überhaupt nicht auf.

[00:25:19.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche die Eltern anzuleiten.

[00:25:22.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommen die Gesundheitsbehörden, die Lehrer und die Schulbehörden. Die Eltern
sind nicht gehorsam. Sie machen nicht das, was man sagt, und die Eltern müssen
Ritalin geben.

[00:25:32.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Es werden dann alle zu Experten und verschrieben, was man machen muss.

[00:25:36.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Neurofeedback kann ich empfehlen.

[00:25:36.807] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Neurofeedback

[00:25:36.870] – Dr.med. Ursula Davatz

ADHS/ADSler haben eine sehr schnelle Aufschaukelungstendenz ihres limbischen
Systems.

[00:26:02.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Impulsivität.

[00:26:04.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie denken schnell, sie reden schnell, sie handeln schnell, sie schlagen schnell zu.

[00:26:09.790] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler müssen die Impulskontrolle lernen.

[00:26:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sollte man in der Pubertät lernen.

[00:26:18.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es schon früher lernen.

[00:26:19.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADSler haben auch eine schlechte Frustrationstoleranz.

[00:26:25.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zum ADHS/ADS Kind sagt: du bist ein schreckliches Kind, du musst jetzt
warten können, dann stürmt das Kind und am Schluss gibt man trotzdem nach, dann
hat man es nicht so gut gemacht.

[00:26:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss herausfinden, wie stark man ein ADHS/ADS Kind frustrieren kann. Wie bald
muss ich nachgeben?

[00:26:34.140] – Dr.med. Ursula Davatz

Es macht keinen Sinn, zuerst zu sagen: nein, ich komme jetzt nicht. Das Kind macht ein
grosses Theater und dann kommt man trotzdem. Dann hat man genau das gemacht,
was man eigentlich nicht möchte.

[00:26:48.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich immer überlegen: was kann ich durchziehen?

[00:27:02.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Neurofeedback macht man ein minimales EEG. Sie bekommen Filme zum schauen.
Wenn ihr Gehirn abweicht, wenn es langweilig wird, aber sie müssen beim langweiligen
bleiben, dann gibt es einen Impuls, sie werden daran erinnert: schau wieder.

[00:27:30.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lernen sich mehr zu fokussieren.

[00:27:34.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Fokussierung geschieht im präfrontalen Kortex.

[00:27:46.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin wirkt wie ein Antidepressivum, es ist ein Upper, ein Stimulantium.

[00:28:13.496] – Dr.med. Ursula Davatz
[ Mistral AI sagt: Ritalin stimuliert die Bahnen im präfrontalen Kortex, indem es die
Verfügbarkeit von Dopamin und Noradrenalin erhöht. Diese Neurotransmitter sind an
der Signalübertragung in den Nervenbahnen beteiligt. Durch die Blockierung der
Wiederaufnahme dieser Neurotransmitter in die präsynaptischen Neuronen erhöht
Ritalin ihre Konzentration im synaptischen Spalt, was die Signalübertragung verbessert.
]

[00:28:13.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Impulskontrolle, man geht gleich in die Handlung, man schlägt drein.

[00:28:30.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Neurofeedback lernen die ADHS/ADSler das Schnelle herunterzuholen.

[00:28:37.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Computer sagt nicht: du bist ein böses Kind. Der Computer sagt nur: bist du wieder
abgelenkt gewesen? Bist du wieder reingeschossen?

[00:28:53.550] – Bemerkung 5
Was ist der Unterschied zwischen hyperaktiv und hypoaktiv?

[00:28:55.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Hyperaktiven (ADHS) geht es schnell in das Motorische.

[00:28:55.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind oft gute Fussballer, gut Sportler, gute Skifahrer, wie z.B. Roger Federer.

[00:28:55.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Hyopaktiven geht kein Impuls in das Motorische. Die sind nur im Denken aktiv,
die sitzen in der Schule, sind ganz ruhig und denken irgendetwas anderes. Sie passen
überhaupt nicht auf. Sie schauen aus dem Fenster raus. Das sind die Träumer.

[00:29:38.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer ist beleidigt und sagt: jetzt hast du wieder nicht aufgepasst. Das Gehirn kann
nicht anders.

[00:29:47.760] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler können sich sehr gut interessieren, wenn sie sich für etwas interessieren.

[00:29:53.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer wieder das Interesse der ADHS/ADSler finden.

[00:29:58.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Lehrer langweilig ist, dann sind sie weg.

[00:30:05.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse ADHS/ADS Kinder zeichnen, wenn der Lehrer vorn redet.

[00:30:05.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt der Lehrer: ihr passt nicht auf.

[00:30:17.280] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler können zum Teil über das Zeichen besser aufpassen.

[00:30:20.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Lehrer rate ich dann: sie müssen den Schüler zeichnen lassen, das hilft dem
Schüler.

[00:30:25.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil hat der Schüler Comics gezeichnet und den Lehrer blöde dargestellt.

[00:30:35.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Daran hatte der Lehrer keine Freude.

[00:30:47.340] – Bemerkung 6
Ich war vor Kurzem in Hamburg. Dort haben viele Eltern in der Kindergartenklasse das
Gefühl, dass ihr Kind hochbegabt ist. Das scheint ein Trend in Hamburg zu sein.

[00:31:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den ADHS/ADS Kinder gibt es einige, die hochbegabt sind, wie z.B. Albert
Einstein. Er war sehr gut in der Physik. Jemand anderes hat für ihn gerechnet. Das
weiss ich von jemanden, dessen Onkel den Einstein noch gekannt hat.

[00:31:18.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den ADHS/ADSler gibt es viele Leute, die eine sehr unausgleichliches
Leistungsprofil haben.

[00:31:34.170] – Dr.med. Ursula Davatz
In gewissen Gebieten sind sie sehr begabt und in anderen Gebieten sind sie nicht so
begabt.

[00:31:34.370] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schweiz wird der Durchschnitt gefördert. Die meisten werden am schlechten
gemessen.

[00:31:39.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Jemand hat eine Legasthenie, er ist schlecht im Deutsch, aber hochbegabt in der
Mathematik, dann wird es gemittelt.

[00:31:56.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Seine Hochbegabung in der Mathematik kommt nicht zu Zuge.

[00:31:56.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Umgekehrt, ein Mädchen ist begabt in der Sprache, nicht gut in der Mathematik, dann
steht das Mädchen auch wieder schlecht da.

[00:32:07.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einige Hochbegabte ADHS/ADSler.

[00:32:14.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch einige hochbegabte motorische ADHS/ADSler.

[00:32:17.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den Sportlern gibt es viele ADHS/ADSler.

[00:32:19.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Fussballer muss man hyperkinetisch sein. Man muss eine schnelle
Auffassungsgabe haben, sofort sehen was läuft, am rechten Ort und auch präzise sein.

[00:32:48.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab es eine Sendung über Hamburg.

[00:32:50.380] – Dr.med. Ursula Davatz
In Hamburg würde man jetzt Sprachanalyse machen.

[00:32:55.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Anhand der Sprachanalyse kann man ADHS/ADSler diagnostizieren.

[00:33:00.060] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.welt.de/wissenschaft/article138138577/Diese-Stimmanalyse-entlarvt-all-unsere-Geheimnisse.html

[00:33:00.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt, ADHS/ADSler haben einen anderen Duktus.

[00:33:06.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Motorik gibt es einen anderen Duktus.

[00:33:09.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Der nicht ADHS/ADSler liest sehr monoton.

[00:33:09.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Der ADHS/ADSler setzt Akzente. Dann passt man auf.

[00:33:17.180] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Computerprogramm kann da besser auswerten.

[00:33:48.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nichts krankhaftes daraus macht, ist es lustig.

[00:34:09.760] – Bemerkung 7
Von ADHS/ADS sagt man, dass es sich auswächst. Stimmt das?

[00:34:09.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt nicht. Das sagt man früher.

[00:34:10.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher dachte man, dass ADHS/ADS perinatal ist, dass rund um die Geburt eine
Schädigung geschehen ist.

[00:34:21.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Man dachte, dass die Myelinscheiden der Nerven nicht ganz reif sind. Die reifen später.

[00:34:26.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind nicht nur die Myelinscheiden der Nerven.

[00:34:30.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Zentren sind etwas anders.

[00:34:33.040] – Dr.med. Ursula Davatz
An gewissen Orten sind die Zentren sehr aktiv und an anderen Orten unteraktiv.

[00:34:39.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem Erwachsen werden, wächst sich ADHS/ADS nicht aus.

[00:34:49.240] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Leute lerne besser damit umzugehen.

[00:34:53.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenige, welche eine gute ADHS/ADS Erziehung genossen haben, können gut damit
umgehen.

[00:34:58.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Menschen wo die ADHS/ADS Erziehung immer gegen alles war, entwickelt
man eine sekundäre Krankheit.

[00:35:06.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Untersuchungen bei den Erwachsenen ADHS/ADSler haben ergeben, dass 75% eine
zusätzliche psychische Krankheit haben.

[00:35:25.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Borderline Persönlichkeitsstörung tritt häufig bei ADHS/ADS Frauen auf.

[00:35:37.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Suchtpatienten, Schizophrene, Delinquente.

[00:35:42.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher nannte man ADHS/ADS POS.

[00:35:56.490] – Dr.med. Ursula Davatz
In den juristischen Gutachten heisst es oft: POS Kind.

[00:36:00.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab eine grosse Kohortenstudie in Bezug auf die Gene.

[00:36:19.668] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.nature.com/articles/s41588-018-0269-7

[00:36:20.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Starke Depression, bipolare Störugn, Schizophrenie, Autismus/Asperger und ADHS/
ADS.

[00:36:42.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kann es sein, dass alle diese verschiedenen Diagnosen die gleiche
Genkonstellation haben?

[00:36:58.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist für mich klar.

[00:37:04.050] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS liegt all dem zugrunde.

[00:37:11.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist in der Psychiatrie noch nicht durchgesickert.

[00:37:21.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beobachte ADHS/ADSler schon seit Jahren.

[00:37:21.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beobachte Schizophrenie Familien seit Jahren.

[00:37:24.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier ADHS/ADS dort ADHS/ADS, ah das ist alles klar.

[00:37:24.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kommen für mit den ADHS/ADSlern in Kontakt. Deshalb sage ich ihnen das auch.

[00:37:24.840] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie müssen ihren Mütter nicht sagen: ADHS/ADS ist gefährlich, das Kind kann
schizophren, delinquent werden. Vielleicht hilft es ihnen. Ich hoffe, es macht ihnen nicht
Angst.

[00:37:24.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist beeindruckend, dass 75% der erwachsenen ADHS/ADSler eine sekundäre
Störung haben.

[00:37:41.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst: in so vielen Fällen wird mit den ADHS/ADSlern falsch umgegangen.

[00:38:08.510] – Bemerkung 8
75% oder 25%?

[00:38:08.630] – Dr.med. Ursula Davatz
75%.

[00:38:12.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist hoch.

[00:38:15.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese 75% werden nicht mit Ritalin ausgeschaltet.

[00:38:19.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin verbessert nur das Lernverhalten.

[00:38:26.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganze Interaktion, welche zwischen ADHS/ADS und dem Umfeld läuft, die wird sich
nicht verbessert.

[00:38:39.980] – Bemerkung 8

Ich höre oft Mütter sagen, sie müssen ihr Kind nonstop füttern, beschäftigen,
unternehmen, keine Ruhe.

[00:38:55.900] – Bemerkung 8
Der ganze Tag ist ein Programm am anderen, die ganze Woche ein Programm nach
dem anderen. Ist dort weniger nicht mehr?

[00:39:14.270] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind sehr hungrig, "sensation seeking".

[00:39:18.780] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder suchen immer wieder etwas Neues.

[00:39:22.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie brauchen Abenteuer. Sie müssen Dinge machen.

[00:39:26.320] – Dr.med. Ursula Davatz
In der heutigen Zeit sind die Unterhaltungen der Kinder langweilig.

[00:39:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist Konsum, Konsum, Konsum.

[00:39:36.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Computerspiel, das macht auch leicht süchtig.

[00:39:36.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mit den Kindern etwas herausfinden, wo sie länger dranbleiben können, wo
sie immer wieder etwas rausfinden.

[00:39:44.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss intelligente Dinge mit den ADHS/ADS Kindern tun.

[00:39:48.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte ADHS/ADS Kinder nicht einfach unterhalten.

[00:39:48.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher gingen die Kinder in den Wald entdeckten. Es kam immer wieder etwas neues.

[00:40:02.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Anregungen heutzutage für Kinder ist etwas schwieriger.

[00:40:15.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Pausenplätze der Schulhäuser anschaut, alles ist planiert, alles ist schön
geordnet.

[00:40:24.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder gehen lieber auf die Baustelle.

[00:40:27.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Da läuft etwas, da sieht man etwas.

[00:40:29.520] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder brauchen viel Anregung.

[00:40:31.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können nicht einfach nur ruhig sitzen.

[00:40:35.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Mutter muss man schauen, was eine sinnvolle Anregung ist.

[00:40:40.620] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man eine Interaktion findet, welche die ADHS/ADS Kinder interessiert, welche
das ADHS/ADS Kind begeistert, dann bleiben sie auch fokussiert.

[00:40:51.880] – Bemerkung 10
Die ADHS/ADS Kinder lassen sich dann auch nicht so schnell abbringen.

[00:40:55.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, dann bleiben sie stundenlang dabei.

[00:40:55.660] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder sind hyperfokussiert, wenn sie etwas finden, das sie interessiert.

[00:40:55.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man etwas von den ADHS/ADS Kindern möchte, dass sie nicht gerne haben,
dann schmeissen sie es gleich wieder weg.

[00:41:13.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter müssen herausfinden, was das ADHS/ADS Kind für eine Begabung/
Neigung/Eignung hat. Dort muss man das Kind füttern.

[00:41:24.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann können die ADHS/ADS Kinder dranbleiben.

[00:41:24.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt eine Studie vom NIMH, National Institute of Mental Health.

[00:41:42.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben den Kindern Spielzeuge gegeben. Gewissen Kindern wurde erklärt, wie das
Spielzeug funktioniert. Das Kind hat damit gespielt und dann das Spielzeug
weggeschmissen.

[00:41:42.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Den anderen Kindern wurde nur wenig erklärt. Den Rest mussten die Kinder selber
rausfinden.

[00:41:42.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Der letzten Gruppe hat man gar nicht erklärt. Schau hier ist etwas, versuch etwas damit
zu tun.

[00:41:59.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder, welchen man gar nichts erklärt hat, haben am längsten damit gespielt.

[00:42:09.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder, denen man alles erklärt hat, haben am kürzesten damit gespielt.

[00:42:31.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen für die ADHS/ADS Kinder Dinge finden, wo die Kinder neugierig sein
können.

[00:42:38.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine natürliche Neugier haben ADHS/ADS Kinder sehr. Man muss ihre Neugier wecken.
Es muss etwas sein, das weitergeht. Wenn es repetitiv ist, dann geht es nicht so gut.

[00:42:43.670] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder können den Autopilot nicht so gut einschalten.

[00:43:00.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein ADHS/ADS Kind eine Legasthenie hat, kann es nicht so gut lernen, wie das
Schriftbild aussieht.

[00:43:14.760] – Dr.med. Ursula Davatz

In einer ADHS/ADS Familie gab es eine Legasthenie. Sie war Ärztin. Ihre Schwester
war auch Ärztin. Ich Schwester konnte auf der gleichen Seite X Mal verschieden Fehler
machen. Einmal hat sie es so geschrieben und einmal so. Serialisieren klappt nicht so
gut. Das serielle Gedächtnis ist nicht so gut.

[00:43:39.230] – Bemerkung 11
Es gibt eine Software für ADHS/ADS Kinder. Kennen sie die?

[00:43:58.240] – Bemerkung 11
https://www.heise.de/hintergrund/PC-fuer-den-Zappelphilipp-280157.html

[00:43:58.260] – Bemerkung 11
https://www.cogmed.com/

[00:44:03.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Computerprogramme, die man kaufen kann, die man nach Hause nimmt. Damit
kann man üben.

[00:44:12.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen sind lateralisiert.

[00:44:14.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Rechtshänder haben links das Sprachhirn.

[00:44:17.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADSlern läuft das rechts/links nicht richtig.

[00:44:17.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Leonardo Da Vinci war doppelhändig.

[00:44:31.450] – Dr.med. Ursula Davatz

Mit den Computerprogrammen wird das rechts und links genauer auseinander
genommen.

[00:44:39.740] – Bemerkung 12
Hilft es wenn man Klavier spielt?

[00:44:40.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADSler musikalisch begabt sind.

[00:44:49.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles was sie regelmässig machen können.

[00:44:54.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein ADHS/ADSler hat super Orgel gespielt. Der durfte schon mit 12 Jahren in der Kirche
spielen.

[00:44:55.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Klavier spielen ist doppelhändig. Links Rechts, die ganze Fingerfertigkeit, üben, üben,
üben. Es ist etwas, das zu einem gehört.

[00:45:06.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich aufregt, dann kann man Klavier spielen gehen.

[00:45:09.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann beruhigt man sich wieder.

[00:45:22.350] – Bemerkung 13
Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen Mädchen und Knaben beim
ADHS/ADS?

[00:45:27.200] – Dr.med. Ursula Davatz

Knaben sind mehr hyperaktiv, mehr aggressiv, das kommt mit dem Testosteron. Die
haben andere Verhaltensmuster.

[00:45:42.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Mann und Frau haben unterschiedliche Gehirne.

[00:45:43.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer sind besser im räumlichen einordnen, besseres räumliches sehen.

[00:45:47.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen sind verbal besser.

[00:45:52.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Dichter sind auch wieder die Männer. Physiker sind auch Männer.

[00:46:01.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen sind nicht so gefördert worden.

[00:46:01.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt das Buch: Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken: Ganz
natürliche Erklärungen für eigentlich unerklärliche Schwächen. Die ganze Wahrheit über
Frauen und Männer

[00:46:01.480] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.amazon.de/M%C3%A4nner-zuh%C3%B6ren-Frauen-schlecht-einparken/dp/3548377092

[00:46:22.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Bücher darüber wie das Gehirn von Mann und Frau unterschiedlich ist.

[00:46:26.800] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Gehirn von Mann und Frau ist unterschiedlich. Die Hormone spielen auch eine
Rolle und die Gene natürlich auch.

[00:46:26.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer werde eher delinquent und die Frauen machen eher Essstörungen,
Borderline Persönlichkeitsstörung. So geht es auseinander.

[00:46:58.960] – Bemerkung 14
Ich habe mir noch überlegt wieviel Eltern von ADHS/ADS Kindern selber ADHS/ADS
sind?

[00:47:06.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr viele. Das ist so.

[00:47:06.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt den Verein ADHS20+

[00:47:06.480] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs20plus.ch/

[00:47:14.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt den Verein Fachgesellschaft ADHS/ADS.

[00:47:14.510] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.sfg-adhs.ch/de/

[00:47:21.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die machen einmal pro Jahr eine Tagung. Auf diese Vereine können sie interessierte
Mütter, Betroffene etc hinweisen.

[00:48:02.880] – Dr.med. Ursula Davatz

Es gibt auch noch ELPOS.

[00:48:02.980] – Dr.med. Ursula Davatz
https://elpos.ch/

[00:48:03.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ELPOS – Elternvereinigung von POS Kindern.

[00:48:08.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sammeln schon seit langem Informationen zum Thema ADHS/ADS.

[00:48:08.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine gute Anlaufstelle. Das ist eine Elternvereinigung. Die kann man gut fragen.

[00:48:08.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist das eine Fachgesellschaft.

[00:48:08.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil sind die auch vernetzt.

[00:48:09.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Lange haben nur die Eltern das ADHS/ADS repräsentiert.

[00:48:27.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Fachleute haben gesagt: ADHS/ADS gibt es gar nicht.

[00:48:35.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Als die bildgebende Verfahrensweise kam, wo man das Geirn darstellen kann und sieht,
dass das Gehirn anders aussieht, sprangen die Fachleute auf. Dann hat man die
Fachgesellschaft gegründet.

[00:48:47.480] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS ist vererbt. Es ist mindestens einer. Manchmal ist es auch ein Grossvater
oder eine Grossmutter.

[00:48:59.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frage ist dann: wie gut können die erwachsenen Eltern mit ihrem ADHS/ADS
umgehen?

[00:49:05.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wegen den schlechten Impulskontrolle ist die Gefahr bei ADHS/ADS Familien, dass die
Konflikte schnell eskalieren.

[00:49:21.560] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Familien scheiden mehr.

[00:49:30.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wechseln den Job mehr.

[00:49:30.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles die Erwachsenen.

[00:49:35.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sir Richard Branson ist auch ein ADHS/ADSler. Er ist zu allen Schulen rausgeflogen,
hat ein Studenten Magazin, eine CD Firma, Virgin Cola, Virgin Atlantic, Virgin Galatic,
Virgin Voyages, etc gegründet. In der Schweiz geht er Skifahren.

[00:50:16.020] – Bemerkung 15
Das hat es auch schon früher gegeben. Hat es auch mit unserer Schnelllebigkeit zu
tun? Hat es auch mit den Videospielen zu tun?

[00:50:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz

ADHS/ADS gab es schon immer. Früher war vielleicht das Umfeld ruhiger.

[00:50:30.180] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schule ging es einfach autoritär zu und her. Die mussten sich einfach
unterordnen.

[00:50:30.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat sie eingeschüchtert.

[00:50:49.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele sind nach Amerika oder Australien ausgewandert.

[00:50:54.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht es auch an den Handschriften.

[00:50:57.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Handschriften sind oft nicht rund. Die Motorik ist nicht so gut.

[00:51:03.360] – Dr.med. Ursula Davatz
In den USA gibt es sicherlich mehr ADHS/ADSler. Das ist eine Selektion.

[00:51:07.810] – Bemerkung 16
Wieso sind die ausgewandert? Weil es ihnen in Europa zu strukturiert war?

[00:51:10.050] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS gab es schon immer.

[00:51:10.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Lehrer, der nicht so autoritär ist, der nicht einfach alle einschüchtert, dann klappt es
besser im Umgang mit den ADHS/ADSler.

[00:51:10.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Viel Stimulation und viel Unruhe.

[00:51:32.720] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler brauchen eine klare Struktur. Nicht eine rigide Struktur, eine klare
Struktur.

[00:51:35.300] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler brauchen Regelmässigkeiten.

[00:51:40.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Rituale sind ein kollektivierter Zwang.

[00:51:48.310] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler brauchen etwas davon.

[00:51:49.050] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler brauchen Rituale, Regelmässigkeiten, Struktur.

[00:51:56.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist immer alles möglich.

[00:51:58.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann fällt es schneller aus dem Rahmen.

[00:51:59.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit man mit ADHS/ADS Menschen nicht autoritär umgehen muss, muss man selber
eine natürliche Autorität haben. Wenn man das nicht hat, dann ist man aufgeschmissen.

[00:51:59.790] – Dr.med. Ursula Davatz

ADHS/ADSler merken sofort wenn man selber nicht richtig dahinter steht oder
irgendetwas aufsetzt.

[00:52:43.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich eine Mutter frage, welches Kind hat am schnellsten gemerkt, wenn es ihr
nicht gut geht, ist es immer das ADHS/ADS Kind.

[00:52:57.380] – Bemerkung 17
Sagen sie noch etwas über das Trauma?

[00:53:38.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Trauma beim Kind ist etwas anderes als das Trauma bei den Eltern.

[00:53:49.880] – Bemerkung 18
Mich interessiert das Thema: Teenager Mütter.

[00:54:09.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ablösungsproblematik.

[00:54:57.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht darum, dass an die Ablösung zu Ende führt.

[00:55:03.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder, die Teenage r Mütter werden, sind meistens Mütter, die noch nicht abgelöst
sind.

[00:55:11.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Teenager Mütter sind Mütter, welche über die sexuelle Aktivität und über das Mutter
werden, sich über das Kind von ihrer Mutter ablösen wollen.

[00:55:18.933] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich bin jetzt auch Mutter und Du hast mir nichts mehr zu sagen.

[00:55:19.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil die Teenager Mütter immer noch sehr unreif sind, geschieht meistens genau das
Gegenteil.

[00:55:25.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grossmutter des Kindes kommt wieder rein und versucht sich als Fachfrau
aufzuspielen.

[00:55:36.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht der Konflikt wieder los.

[00:55:36.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gib es einen Kampf um das kleine Kind. Das ist gar nicht gut.

[00:55:41.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen sie mit den Teenager Müttern ihre Beziehungen zu den Müttern an.

[00:55:46.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Beziehen sie die Grossmütter in die Beratung mit ein.

[00:56:03.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht hinter dem Rücken der Mutter vorgehen.

[00:56:12.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht denkt die Mutter: nein die Grossmutter will ich nicht dabei haben, das geht
überhaupt nicht, von der will ich frei sein.

[00:56:13.170] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann müssen sie als Therapeutin nicht in die Rolle der Grossmutter fallen und Konflikte
mit der Teenager Mutter haben.

[00:56:25.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen zuerst die Teenager Mutter ein bisschen kennen lernen, die Beziehung zu
ihr herstellen.

[00:56:30.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer die Teenager Mutter fragen: wie ist deine Beziehung zur Mutter?

[00:56:30.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Frage würde ich nie weglassen.

[00:56:35.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Fühlen sie sich unterstützt durch ihre Mutter? Sind sie froh um ihre Mutter? Fühlen sie
sich eher kritisiert?

[00:56:35.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wahrscheinlich sagt die Teenager Mutter: beides.

[00:56:35.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Einerseits bin ich froh, andererseits macht sie mir Druck!

[00:56:59.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man fragen: fühlen sie sich durch die Grossmutter verunsichert? Haben sie
das Gefühl, die Grossmutter macht es besser als sie?

[00:56:59.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde auch fragen: was wollen sie anders machen, als wie es ihre Mutter mit ihnen
gemacht hat?

[00:57:07.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo differieren die erzieherischen Regeln?

[00:57:31.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann würde ich das mit der Teenger Mutter anschauen.

[00:57:34.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der Moment wo man sagen kann: ich würde gerne einmal ihre Mutter kennen
lernen. Falls sie wollen, können sie gerne dabei sein. Wenn sie es nicht wollen, müssen
sie nicht. Ich erzähle ihnen dann alles, was gelaufen ist, worüber wir geredet haben.

[00:57:43.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss aufpassen, dass man die Teenager Mutter ja nicht vergelstert, nicht
zerdrückt.

[00:57:56.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht um den Ablösungskonflikt zwischen der Teenager Mutter und der Grossmutter.
Den soll man noch ein wenig anschauen und ein wenig Ordnung rein bringen.

[00:58:15.770] – Bemerkung 19
Wenn man ein 15-, 16-jähriges Mädchen nimmt, das ist noch voll eingebettet zu Hause.
Da kann gar kein Ablösungsprozess stattfinden.

[00:58:39.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser Ablösungsprozess muss auch nicht gleich stattfinden. Wir müssen das Kind aus
diesem Konflikt rausnehmen.

[00:58:39.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss trotzdem über diese beiden Persönlichkeiten, die Unterschiede zwischen
Mutter und Grossmutter sprechen.

[00:58:39.870] – Dr.med. Ursula Davatz

Inwiefern die Teenager Mutter mit der Grossmutter nicht zufrieden gewesen ist.

[00:58:40.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt wo das Kind da ist, kann die Grossmutter nichts mehr sagen.

[00:59:02.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Mann muss den Konflikt zwischen Grossmutter und Mutter nochmals anschauen. Der
Konflikt wird jetzt nur über das Kind gelöst.

[00:59:05.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht gut.

[00:59:05.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir bereiten die Ablösung erst vor, wir machen sie noch nicht.

[00:59:19.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Teenager Mütter wollen noch in den Ausgang gehen.

[00:59:24.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grossmutter findet das keine gute Idee.

[00:59:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man die Rolle klar klären.

[00:59:30.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wann ist die Grossmutter Babysitterin und die Teenager Mutter darf noch Teenager
sein?

[00:59:30.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen nicht, dass die Teenager Mutter später zum Kind sagt: wegen dir haben ich
meine Jugend verpasst.

[00:59:50.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das will die Grossmutter auch nicht.

[01:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht eine Übereinkunft: wann ist die Mutter Teenager und wann ist die Mutter
Mutter.

[01:00:00.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Es darf keine verurteilende Haltung von der Grossmutter kommen.

[01:00:15.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist natürlich, dass die Teenager Mutter noch in den Ausgang gehen möchte, mit
Verhütung.

[01:00:15.680] – Bemerkung 20
Wenn der Vater auch da ist? Auf die eigenen Beine stellen?

[01:00:33.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, auf die eigenen Beine stellen, nicht zusammen wohnen, wenn es finanziell möglich
ist.

[01:00:33.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Interaktion zwischen der Grossmutter und dem jungen Paar ein bisschen
regeln, Mediation machen.

[01:01:06.750] – Bemerkung 21
Wie ist das rechtlich?

[01:01:07.250] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie dürfen zusammen wohnen. Die Grosseltern können Einspruch erheben und das
Paar mit der Polizei trennen, aber das wollen wir nicht.

[01:01:33.820] – Bemerkung 21
Ohne Klage geschieht nicht?

[01:01:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein. Sie dürfen eine Wohnung zusammennehmen.

[01:01:49.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Der 18-jährige ist unterschriftsberechtigt.

[01:03:09.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern der 15 Jährigen können den 18 Jährigen anklagen.

[01:03:11.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch umgekehrt.

[01:03:12.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Mann 15 Jahre alt ist und die Frau 18 Jahre alt ist, dann können die Eltern
der Frau den Mann einklagen.

[01:03:53.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Staatsanwalt kann auch anklagen.

[01:04:44.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter früh ein Kind hatte, dass ihre Tochter dann auch wieder früh aktiv ist
und auch wieder früh ein Kind hat. Das läuft oft so weiter.

[01:04:56.200] – Dr.med. Ursula Davatz

Häufig will das Familiensystem eine Teenager Mutter verhindern. Mit dem Verhindern
geschieht genau das Gegenteil, dass sie es wieder macht.

[01:05:07.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sexuell aktive Mädchen im Teenageralter zu stark unterdrückt, kontrollieren
möchte, holen sie ihre Freiheit, indem sie heimlich aktiv werden, ohne
Eigenverantwortung, einfach darauf los.

[01:05:45.000] – Bemerkung 22
Wer hat die Entscheidung gegenüber dem Kind? Die Grossmutter übernimmt dann
häufig. Wer ist die Beraterin?

[01:06:02.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kindsmutter.

[01:06:03.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss nach dem biologischen gehen.

[01:06:03.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter ist Mutter. Ob jetzt die 15 Jahre alt ist, 13 Jahre alt, sie ist die Mutter.

[01:06:03.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Es läuft auch etwas biologisches ab.

[01:06:03.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Mütterberaterin müssen sie die Mutter ernst nehmen. Das ist ihre Kundin.

[01:06:03.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz wichtig, dass sie mit dieser ernsthaften Haltung der Kindsmutter gegenüber
zwischen Kindsmutter und Grossmutter vermitteln.

[01:06:37.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grossmutter meint dann, ich bin hier Chefin, ich kann das besser, die kann ja das
nicht.

[01:06:42.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann nimmt sie das Kind der Kindsmutter weg.

[01:06:44.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind ist dann von Anfang an eingespannt in eine Dreiecksbeziehung und hat
Loyalitätsprobleme zwischen eigener Mutter und Grossmutter.

[01:06:58.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht gut.

[01:07:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Loyalitätsprobleme sind schizophrenogen.

[01:07:07.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das schadet einem Kind, wenn es in einen Loyalitätskonflikt eingespannt ist.

[01:07:11.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Sei es zwischen Mutter und Grossmutter, sei es natürlich auch zwischen Vater und
Mutter.

[01:07:20.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind weggegeben wird, zwischen Pflegemutter und Kindsmutter.

[01:07:28.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Beratungsrolle geht absolut über die biologische Mutter.

[01:07:35.800] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist unser erster Auftrag, auch wenn sie noch so unfähig ist.

[01:07:42.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst gehen wir gegen die Natur vor.

[01:07:45.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das spürt das Kind, das spürt die Mutter.

[01:07:51.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine biologische Bindung, die man nicht leugnen kann.

[01:07:55.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die müssen wir ernst nehmen.

[01:07:57.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit aller Unterstützung.

[01:08:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss der Kindsmutter natürlich schon Unterstützung geben.

[01:08:07.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen sie ernst nehmen.

[01:08:07.226] – Bemerkung 23
Kriegt das Kind nicht auch einen Beistand?

[01:08:07.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, wenn das Paar nicht verheiratet ist. Die Beistände haben in der Regel sehr wenig
Zeit, sind sehr formell, haben noch viele andere Mündel und machen nicht so viel.

[01:08:35.310] – Dr.med. Ursula Davatz

Den Beistand kann man auch immer als Rechtsvertreter des Kindes verwenden.

[01:08:37.170] – Bemerkung 24
Die Mutter kann auch entscheiden, dass nicht die Grossmutter sondern jemand anderes
gesetzliche Vertreterin ist.

[01:09:00.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die eigene Mutter wird normalerweise nicht zum Beistand gemacht. Die machen
manchmal den Antrag. Aus psychologischer Sicht wollen wir das nicht. Dann ist die
Ablösung nicht so gut.

[01:09:00.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem neuen Kinder- und Erwachsenenschutzrecht, wird jemand offiziell zum
Beistand erklärt.

[01:09:14.548] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.bj.admin.ch/bj/de/home/gesellschaft/gesetzgebung/kesr.html

[01:09:15.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Beistand besucht dann, er ist der Rechtsvertreter dieses Kindes.

[01:09:20.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem Beistand müssen sie als Mütterberaterinnen dann auch zusammenarbeiten.

[01:09:20.600] – Bemerkung 25
Bei mir was das Problem zwischen Schwiegermutter und der Mutter. Es war ein
Mädchen.

[01:10:30.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ein Mädchen ist, kommen vielleicht die Mütter mehr.

[01:10:36.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ein Junge ist, kommt vielleicht der Schwiegervater, der hat dann endlich einen
Nachkommen, mit seinem Namen.

[01:10:40.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Geschlecht spielt auch eine Rolle.

[01:10:58.700] – Bemerkung 25
Der Vater war 19 Jahre alt. Die Schwiegermutter hat geholfen die Wohnung
einzurichten, Dinge suchen für das Kind.

[01:11:15.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie hat die Kindsmutter darauf reagiert?

[01:11:32.510] – Bemerkung 25
Am Anfang hat es gut geklappt. Die Mutter hat die Hebamme abgeklemmt, weil die
Hebamme die Mutter zu stark bemuttert hat.

[01:11:42.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Hebamme heisst auf Norwegisch Jordmor. Das heisst Mutter Erde. Die Hebamme hat
sich offenbar als Mutter des Kindes gesehen.

[01:11:55.000] – Bemerkung 25
Ja, in der Tat. Das hat sie nicht ertragen. Mir wurde das erst in der dritten Sitzung
gesagt.

[01:12:04.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat sich gefragt: kommt jetzt nochmals so eine.

[01:12:04.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müssen Sie immer wissen.

[01:12:13.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Teenager Mütter denken immer: jetzt kommt nochmals so eine, die will mich sicher
bemuttern. Die Teenager Mütter gehen dann auf Abwehr.

[01:12:13.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie mit der Mutter ein Joining machen können, eine Beziehung herstellen, über
irgendetwas, über das Kind, über die Wohnung, über Musik, über etwas, das die Mutter
gerne hat.

[01:12:13.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen aufpassen, dass sie nicht als Obermutter auftreten.

[01:12:42.710] – Bemerkung 25
Das Paar hat es sehr gut gemacht. Das ist sehr gut gelaufen. Mit der Zeit hat sich dann
herausgestellt, dass die Schwiegermutter sehr viel kontrollieren möchte. Es gab ein hin
und her. Wir sind angewiesen auf die Schwiegermutter. Der Vater wollte mehr in den
Ausgang gehen als die Mutter. Wenn die Mutter zu ihrer Mutter gehen konnte, hat sie
sich immer wohl gefühlt. Die Mutter wollte eine Lehre beginnen. Das Paar war dann
sehr abhängig von der Schwiegermutter. Die Mutter hat ein Jahr gewartet, bis sie die
Lehre beginnen kann.

[01:12:43.010] – Bemerkung 25
Es gab Gespräche zwischen der Mutter und der Schwiegermutter. Die Mutter hatte zu
100% eine Lehrstelle. Das Kind wurde zwei Tage pro Woche in die Krippe gegeben.

[01:13:26.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie gut ist die Mutter von ihrer eigenen Mutter abgelöst? Was hat sie für eine
Beziehung zum Vater? Die Eltern der Mutter haben sich sehr früh getrennt. Sie ist
alleine mit der Mutter aufgewachsen.

[01:16:25.720] – Dr.med. Ursula Davatz

Kennt die Mutter ihren Vater?

[01:16:25.840] – Bemerkung 25
Sie hat keinen Kontakt zu ihrem Vater.

[01:17:06.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine weitere Thematik bezüglich Ablösung.

[01:17:10.240] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychologie sagt man: ein Kind kann sich besser von seinen Eltern ablösen,
wenn der Vater auch da ist.

[01:17:14.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Väter spielen eine wichtige Rolle beim erwachsen werden.

[01:17:24.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder welche keine gute Beziehung zum Vater haben, können sich auch nicht so gut
ablösen.

[01:17:30.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Man holt auch immer die Väter rein.

[01:17:31.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Der hat jetzt ein Grosskind.

[01:17:31.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde es fördern, dass die Mutter noch versucht den Vater kennen zulernen, zu
sehen, wer er eigentlich ist, wie die ganze Geschichte ist. Das gehört auch zur
Aufarbeitung der ganzen Geschichte.

[01:17:58.410] – Dr.med. Ursula Davatz

Mutter und Tochter waren eine enge Einheit, symbiotisch und gut.

[01:17:58.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Tochter konnte sich aber nicht so eigenständig entwickeln.

[01:18:03.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat dann schon wieder eine Mutter reingeholt.

[01:18:08.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sieht die Rolle der Väter nicht.

[01:18:08.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt wo die Tochter eine Lehre macht, muss man den Vater noch aufsuchen. Der Vater
sollte auch einen Platz bekommen. Sonst ist der Vater wie eine böse Fee.

[01:18:38.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird alles von Frauen regiert. Es ist eine Frauenherrschaft.

[01:18:45.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei einem Mädchen ist das nicht so schlimm.

[01:18:45.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Später gibt das nicht so viel Freiheit.

[01:18:57.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Beruf finde ich sehr gut.

[01:19:05.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei meiner Teenager Mutter, welche ihr Kind behalten konnte, dort setzte ich sehr
darauf, dass sie noch etwas lernt. Sie ist sehr intelligent. Ich versuche den Müttern zu
ermöglichen, dass sie noch etwas lernen. Dann werden sie besser eigenständig, schon

rein finanziell. Sonst werden sie von der Gemeinde abhängig, von den Eltern und
Schwiegereltern. Dann können sie auch nicht so gut Mutter sein.

[01:20:23.280] – Bemerkung 25
Es ist interessant, wie die jungen Eltern ganz andere Interessen haben. Das war immer
wieder ein Thema. In die Disco gehen mit 16 Jahren. Das war wirklich auch wichtig für
sie.

[01:20:34.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es verlangt auch von ihnen viel Flexibilität, dass man sie nicht verurteilt, dass sie in den
Ausgang gehen will. Sie ist einerseits ein Teenager und andererseits eine Mutter. Sie
wechselt dann zwischen zwei Welten hin und her.

[01:21:03.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man moderieren helfen.

[01:21:15.840] – Bemerkung 25
Als die Mutter ihre Lehre angefangen hat, kam oft die Schwiegermutter mit dem Kind in
die Beratung.

[01:21:16.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gut.

[01:21:17.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wären die beiden Grossmütter, die man durchaus mit einbezieht. Einfach den Vater
nicht auslassen.

[01:21:23.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie heissen heutzutage auch: Mütter- und Väterberatung.

[01:21:33.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater ist hier einfach draussen, das ist ein Matriarchat, eine Frauenherrschaft.

[01:21:42.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei einem Sohn wäre es noch schwieriger. Bei einem Mädchen ist es nicht ganz so
schwierig.

[01:21:46.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wäre gut, wenn man den Vater reinholt.

[01:21:47.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Würden sie sich das getrauen zu machen, als Mütterberaterin?

[01:21:52.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit reinholen meine ich: sie zu motivieren, mit ihm Kontakt aufzunehmen.

[01:21:52.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frage ist: hat sie ihrem Vater eine Geburtsanzeige von ihrem Kind geschickt? Oder
geniert sie sich? Wo ist der Vater?

[01:21:52.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Vater reinholen meine ich geistig den Vater reinholen.

[01:22:19.520] – Bemerkung 26
Es kommt sicher auch noch auf die Beziehung zwischen der Grossmutter und deren
Exmann an.

[01:22:29.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja klar, sicher.

[01:22:29.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grossmutter hat nicht das Recht, ihren Konflikt mit ihrem Ex-Mann auf ihre Tochter
und ihre Enkelin zu übertragen.

[01:22:39.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man bei allen Ehescheidungen. Dann agieren beide Parteien ihren Konflikt
über das Kind aus. Hier wird der Konflikt über das Enkelkind ausagiert.

[01:22:55.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage allen Scheidungskindern: sie müssen sich ein Bild machen, warum ihre Eltern
geschieden haben.

[01:23:03.710] – Dr.med. Ursula Davatz
An sich kann man sich nur ein Bild machen, wenn man beide fragt.

[01:23:08.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst erhält die Mutter vom Grossvater nur das Bild über die Grossmutter.

[01:23:08.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater wird dann eher diffamiert.

[01:24:48.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt so Schulbeziehungen, Teenagerfreundschaften ohne Kinder.

[01:24:52.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann heiraten sie später.

[01:24:55.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt man, sie bleiben wie ein bisschen stecken in ihrer Teenagerbeziehung und
verhindern sich gegenseitig zu entwickeln.

[01:25:03.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Was macht man mit Teenager Schwangerschaften, welche ein Paar sind?

[01:25:03.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig für jedes Paar, dass die Frau eigene Interessen hat und der Mann eigene
Interessen hat.

[01:25:21.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Frau den Mann zu stark einbinden möchte, dann geht der Mann eher weg.

[01:25:33.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb ist es wichtig zu wissen, weshalb sie auseinander gegangen sind.

[01:25:34.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Mutter und Tochter haben sicher eine sehr symbiotische Beziehung.

[01:25:36.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat sich sicher über ein Kind haben positioniert, ohne dass sie erwachsen
gewesen ist.

[01:25:50.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat sich abgelöst und getrennt von ihrer Mutter über das Kind.

[01:25:56.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wohnt nicht in der Nähe der Mutter sondern in der Nähe von hier. Sie hätte in die
Nähe der Mutter ziehen können. Das hat sie nicht gemacht.

[01:25:56.260] – Bemerkung 25
Die Grossmutter war voll berufstätig.

[01:26:38.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grossmutter hat den Grossvater schnell in die Wüste geschickt.

[01:26:50.280] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Kind musste vielleicht schon früh entbehren.

[01:26:55.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt ist sie selber früh Mutter geworden und kann dem Kind auch wieder nicht das
geben was sie möchte.

[01:26:56.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde die Dynamik nochmals genauer anschauen.

[01:27:01.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gehört auch dazu: weshalb haben sich die geschieden. Sie soll auch ihren Vater
noch kennen lernen.

[01:27:09.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Grossvater kann auch mal das Enkelkind hüten. Wer weiss. Grossväter hüten
heutzutage auch die Kinder. Dann ist nicht nur das weibliche im Bild.

[01:27:09.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sauber schauen: wann macht wer was. Es sollte nicht alles so überlappend sein.

[01:28:01.800] – Bemerkung 27
Ein verrückte Rolle, welche die Mutter übernehmen muss.

[01:28:01.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Mütter sagen: wenn du ein Kind bekommst, musst du ja nicht meinen, dass ich
für das Kind schauen werde. Eine Abschreckung, dass man kein Kind bekommen soll.
Wenn das Kind da ist, können sie doch nicht anders.

[01:28:21.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll auch die Grossmütter in ihrer Funktion unterstützen. Wenn das Kind bei der
Mutter ist, dann macht es die Mutter.

[01:28:36.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Fachfrau sind sie weniger eine Bedrohung für die Teenager Mutter. Sie kann sich
von ihnen auch besser ablösen. Nicht zu stark an sich binden.

[01:29:31.230] – Bemerkung 28
Haben sie einen guten Buchvorschlag über ADHS/ADS?

[01:29:35.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich lese nicht so viel. Ich hole mir mehr aus der eigenen Erfahrung.

[01:29:44.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt jetzt wahnsinnig viele ADHS/ADS Bücher, ich habe sie alle nicht gelesen.

[01:29:47.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde an erster Stelle die ELPOS fragen.

[01:29:47.080] – Dr.med. Ursula Davatz
https://elpos.ch/

[01:29:54.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sprechen aus eigener Erfahrung.

[01:29:56.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alle Mütter von ADHS/ADS Kindern. Die sind näher dran.

[01:30:00.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch die Fachleute fragen.

[01:30:26.900] – Bemerkung 29
Würden sie grundsätzlich Neurofeedback als Therapie empfehlen?

[01:30:27.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein wenig aufwendig, weil man irgendwo hin gehen muss.

[01:30:27.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt noch nicht so viele Neurofeedback Therapeutinnen.

[01:30:37.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern sagen, sie wollen nicht Medikamente verwenden, dann empfehle ich
Neurofeedback.

[01:30:56.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Computerprogramm ist sicher auch eine Möglichkeit, wo Kinder damit üben
können.

[01:31:00.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vorteil des Neurofeedback gegenüber dem Computerprogramms ist, dass die
Kinder darauf aufmerksam gemacht werden, auf ihre Ablenkung oder Fehler, ohne dass
es emotionalisiert ist.

[01:31:12.080] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler schaukeln sich ohnehin schnell auf.

[01:31:12.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern auch ADHS/ADSler sind, dann schaukelt es sich miteinander auf. Es
gibt Konflikte. Es ist dann so emotionalisiert, dass es nicht mehr gut läuft.

[01:31:30.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt eine Lernkurve.

[01:31:30.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenig Stress erhöht die Leistungsfähigkeit.

[01:31:43.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ab einem gewissen Pegel fällt die Leistungsfähigkeit runter.

[01:31:53.680] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler funktionieren oft unter ihre Leistungsfähigkeit. Das ist schade. Das sind
vergeudete Ressourcen.

[01:31:53.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ADHS/ADSler ihre Lehrabschlussprüfung haben, mache ich für sie eine
Zeitverlängerung oder eine Erleichterung.

[01:32:06.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Koch muss dann nur zwölfmal Zeit machen anstatt 15.

[01:32:12.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist möglich, das kann man heutzutage.

[01:32:19.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem ärztlichen Zeugnis nehmen dann die Prüfer Rücksicht auf das ADHS/ADS
Kind.

[01:32:29.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht in Ordnung, wenn das ADHS/ADS Kind schlechtere Chancen hat.

[01:32:33.340] – Dr.med. Ursula Davatz
In gewissen Schulen befreit man das ADHS/ADS Kind von den Noten. Wenn sie eine
Legasthenie haben, werden sie gar nicht benotet in den Rechtschreibefehlern. Im Inhalt
sind sie oft gut, viel Fantasie. Die Syntax und Rechtschreibung ist nicht gut.

[01:32:39.540] – Bemerkung 30

Grundsätzlich Lernzeit bereit ist nicht sinnvoll.

[01:33:05.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, nicht grundsätzlich, aber in diesem Fach.

[01:33:08.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Im handicapierten Fach.

[01:33:11.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind, das Polio hatte, muss auch nicht Hochsprung üben.

[01:33:15.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Körperlichen sieht man es eben.

[01:33:18.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Mentalen, wo man nicht in das Gehirn sieht, meint man, man könne es doch.

[01:33:39.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst werden die ADHS/ADS Kinder immer an ihrem nicht können negativ gemessen.
Sie sollten an ihrem Können gemessen werden. Das demotiviert. Das gibt ein
schlechtes Selbstwertgefühl. Zum Teil werden ADHS/ADS Kinder auch zwanghaft. Sie
korrigieren ihre Fehler mit übergenau sein.

[01:34:02.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kommt wieder das Zwangsverhalten rein.

[01:34:02.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte noch etwas sagen zu Kinder von psychisch Kranken und zu Traumas.

[01:34:29.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben sie Kinder wo die Eltern klar psychisch krank sind?

[01:34:45.000] – Bemerkung 31
Ich betreue Mütter, welche eine schwere Depression haben. Ich überlege mir, was dies
für Auswirkungen auf die Kinder hat?

[01:34:45.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie wollen sie als Mütterberaterin die Kinder schützen davor?

[01:34:47.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald sie psychisch kranke Eltern haben, stehen sie wie unter einem Druck. Wenn ich
ihnen hier noch einen Präventionsauftrag geben, dann setze ich einen riesigen Druck
auf.

[01:34:51.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Was machen sie selber für Überlegungen, wie sie das Kind schützen wollen?

[01:35:10.130] – Bemerkung 31
Ich mache keine Überlegungen, ich beobachte nur, so wie ich es bei anderen auch tue.
Wie ist die Mutter-Kind Bindung? Wie habe ich das Gefühl reagiert sie auf das Kind?
Reagiert sie klar? Wo hat sie ihre Stärken? Wo braucht sie Unterstützung? So schaue
ich das an. Kein anderer Focus als sonst.

[01:35:34.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Es beschäftigt sie trotzdem.

[01:35:34.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Was machen sie damit? Sie sind daran interessiert, zu wissen, was hier passiert.

[01:35:49.980] – Bemerkung 31
Weiss man etwas darüber wie sich diese Kinder entwickeln? Kann es sein, dass diese
Kinder auch für psychische Krankheiten anfälliger sind? Kann sich das weiterziehen?

[01:36:20.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter depressiv ist, stellt sie nicht so gut die Bindung zum Kind her.

[01:36:38.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem, was das Kind für ein Temperament hat, stellt es von selber die Bindung
her.

[01:36:44.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind nicht so extravertiert ist, nicht so gut auf die Mutter zugehen kann, dann
zieht sich das Kind eher auch zurück, dann nimmt das Kind mehr Schaden.

[01:36:52.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder von psychisch kranken Eltern übernehmen oft die Verantwortung und denken sie
seien Schuld an der Depression der Eltern.

[01:37:07.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Kinder entwicklen dann Gedanken wie: immer wenn es der Mutter schlecht geht,
was habe ich falsch gemacht? Wie könnte ich die Mutter jetzt wieder aufhellen?

[01:37:18.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden zu funktionalisierten Kindern.

[01:37:32.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz allgemein sagt man, was mich nicht umbringt, macht mich stärker.

[01:37:39.120] – Dr.med. Ursula Davatz
So ein Kind, das immer zuerst schaut, ob es seine Schuld ist, was habe ich jetzt wieder
gemacht, was könnte ich machen, dass es der Mutter besser geht.

[01:37:47.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können entweder depressiv durchs Leben gehen oder einen Beruf daraus machen.

[01:37:54.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann seine Funktionalisierung, die man im eigenen Familiensystem hatte, die kann
man professionalisieren.

[01:38:03.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie professionalisiert, dann wird man vielleicht zu einem guten Therapeuten.

[01:38:07.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann merkt man bei seinen Patienten, bei seinen Klienten sehr schnell, wie es ihnen
geht und kann dann mit dem umgehen.

[01:38:17.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, die Professionalisierung der eigenen Rolle, die wir im eigenen
Familiensystem hatten, ist keine schlechte Variante.

[01:38:23.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können bei sich auch schauen, warum sie Krankenschwester wurden.

[01:38:30.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Woher kam die Motivation?

[01:38:32.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Oft hat es mit der Position in der Familie oder mit der eigenen Geschichte zu tun,
warum man genau diesen Beruf wählte.

[01:38:42.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist keine schlechte Sache.

[01:38:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kann viel üben, um das gut zu machen. Man hat das Feeling dafür.

[01:38:50.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man seine Rolle nicht professionalisieren kann, ist man auch eher depressiv oder
man hat eine riesige Abneigung gegen depressive Menschen.

[01:39:17.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Mädchen, die einen Mann heiratet.

[01:39:22.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dieser Mann nur Anzeichen von Traurigkeit hat, weist das Mädchen das von sich.

[01:39:32.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Umgekehrt, es ist ein Bub der Mutter.

[01:39:34.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Bub eine Frau heiratet, die etwas traurig ist, weist er das weit weg.

[01:39:40.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Man bekommt eine Aversion gegen solche Emotionen.

[01:39:44.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zeigt sich meistens in der Partnerschaft.

[01:39:49.880] – Bemerkung 31
Wie kann man das Kind unterstützen, dass es gut kommt? Haben wir dazu
Möglichkeiten?

[01:39:58.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen, dass möglichst viele andere Personen reinkommen.

[01:39:58.270] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Defizite müssen abgedeckt werden durch Nachbarn, Schwägerinnen, Lehrer,
Kindergärtner etc.

[01:40:13.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich die Kinder an einem anderen Ort Ressourcen holen können, können sie
relativ ungeschädigt durchs Leben gehen.

[01:40:23.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie gar keine Ressourcen haben, dann ist es schwierig.

[01:40:39.170] – Bemerkung 32
Wenn eine Mutter sehr depressiv ist, dann weiss das weitere Umfeld darum herum das
gar nicht.

[01:40:44.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie als Mütterbraterin haben mehrere Mütter gleichzeitig in der Beratung, die kleine
Kinder haben.

[01:40:52.750] – Dr.med. Ursula Davatz
So einer Mutter rate ich, dass sie sich mit anderen Müttern, anderen Kindern
zusammen tut, damit das Kind bei anderen etwas abholen kann. Das würde ich aktiv
fördern.

[01:40:52.204] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter sagt nein, ich möchte nicht, Mütter vergleichen, haben Angst, dass sie
schlecht wegkommen.

[01:40:47.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das würde ich versuchen zu überwinden und zu sagen, dass es für das Kind gut ist.

[01:41:29.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe das Beispiel der Schimpansen Mutter, die ihr Kind malträtiert hat.

[01:41:35.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie mit anderen Müttern zusammen war, konnte sie es.

[01:41:38.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist so hilfreich, wenn andere Mütter da sind und andere Kinder, dass man so ein
bisschen voneinander lernen kann, ohne dass man es merkt.

[01:41:47.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder können bei anderen Müttern etwas holen, das die eigene Mutter nicht geben
kann.

[01:41:56.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das würde ich sehr fördern.

[01:42:01.700] – Bemerkung 33
Ich habe einmal jemanden so betreut. Der hatte dann ein sehr gutes Netz drum herum.
Die Mutter hatte Entlastung und das Kind hat in der Entwicklung sehr guten Fortschritt
gemacht, weil es das bekommen hat, was es brauchte.

[01:42:24.980] – Bemerkung 33
Die Mutter hatte plötzlich ein sehr schlechtes Gewissen dem Kind gegenüber und
sagte: ich bin mir nicht ganz sicher ob das Kind weiss, wer seine Mutter ist.

[01:42:36.170] – Bemerkung 33
Das Kind hat immer alle angelacht, ausser die Mutter.

[01:42:45.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das läuft bei solchen Kindern so läuft, dass sie es an einem anderen Ort holen können.

[01:42:54.060] – Dr.med. Ursula Davatz

Ein extrovertiertes Kind kann das, ein introvertiertes Kind kann das nicht so gut.

[01:43:02.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf.

[01:43:07.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter das zulässt, dass das Kind sich das überall holen kann, dann sind sie
eine gute Mutter.

[01:43:17.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe das Salomonische Urteil.

[01:43:19.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter, welche auf das Kind verzichten konnte und gesagt hat, dass die Gesundheit
des Kindes wichtiger ist, als dass ich das Kind besitze.

[01:43:27.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtiger ist, dass das Kind überlebt. Das ist eine gute Mutter.

[01:43:31.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Müttern, welche ihre Kinder weggeben müssen, in eine Pflegefamilie oder in ein
Heim: sie bleiben immer die Mutter.

[01:43:42.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind eine gute Mutter, wenn sie das Gefühl haben: ich kann das nicht und bereit
sind, das Kind wegzugeben.

[01:43:50.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie verzichten auf ihre Mutterfunktion, auf die Macht und sie geben dem Kind das
bestmögliche Umfeld.

[01:44:00.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde versuchen sie so zu beruhigen.

[01:44:02.590] – Bemerkung 34
Das war temporär. Die Mutter hat die Chance ergriffen, ihre Geschichte aufzuarbeiten.

[01:44:13.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gut!

[01:44:15.100] – Bemerkung 34
Dadurch hat die Mutter mehr Freirum gewonnen und plötzlich hat es geklappt.

[01:44:23.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist genau das, was ich sage.

[01:44:26.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter müssen zuerst ihre eigene Geschichte, ihre Ablösung machen.

[01:44:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mütter ihre Geschichte aufgearbeitet haben, dann können sie bessere Mütter
sein, als wenn sie ihre Geschichte anhand des Kindes krampfhaft verarbeiten wollen.

[01:44:38.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht nicht und ist nicht gesund für das Kind.

[01:44:40.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gehört irgendwo anders hin.

[01:44:41.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Solchen Müttern sage ich auch: sie leisten riesige Arbeit und können nichts dafür, dass
sie in dieses System geboren wurden.

[01:44:50.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, das sauber zu machen und nachher ist sie viel freier für das Kind als die
Mutter.

[00:00:00.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein wunderschönes Beispiel.

[00:00:01.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter leistet etwas, wenn sie dem Kind die Freiheit lässt.

[00:00:06.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Kinder suchen dann und finden auch immer irgendwelche Eltern.

[00:00:07.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dn introvertiertes Kind hat mehr Probleme.

[00:00:25.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem muss man es etwas zuführen.

[00:00:37.420] – Bemerkung 35
Die Mutter ist 42 Jahre alt. Sie lebt mit dem Vater des Kindes in einer Partnerschaft. Der
Vater ist 45 Jahre alt. Das Kind, ein Mädchen wird Ende November 13 Jahre alt. Die
Grossmutter hat einen Einfluss. Die Grossmutter ist 83 Jahre alt. Sie lebt mit der
Familie. Es gibt eine ältere Schwester sie ist verheiratet und einen jüngeren Bruder. Er
ist nicht verheiratet. Sie ist IV Bezügerin. Der Vater ist Hilfskoch. Er ist aus Nepal und
hat in Nepal eine Familie mit zwei Kindern, mit einer anderen Frau. Mit der Frau in
Nepal ist er noch verheiratet. Die Kinder in Nepal sind 13 und 17 Jahre alt.

[00:00:39.280] – Bemerkung 35
Das Paar lebt seit knapp zwei Jahren zusammen.

[00:03:03.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo hat sie ihn kennengelernt?

[00:03:09.920] – Bemerkung 35
Auf dem Berg, wo er arbeitet.

[00:03:26.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie lange ist er schon in der Schweiz?

[00:03:28.420] – Bemerkung 35
Er ist seit drei Jahren in der Schweiz.

[00:03:36.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wieso ist er in die Schweiz gekommen?

[00:03:36.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus wirtschaftlichen Gründen, zum Geld verdienen. Er hat die
Niederlassungsbewilligung B.

[00:04:04.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ist die Beziehung zwischen Kindsmutter und der Grossmutter?

[00:04:11.750] – Bemerkung 35
Eine Hassliebe.

[00:04:26.500] – Bemerkung 35
Die Mutter hat schwere Depressionen.

[00:04:38.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die IV hat sie wegen den Depressionen?

[00:04:40.420] – Bemerkung 35
Ja.

[00:04:41.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Nichts anderes? Normalerweise kriegt man für Depressionen keine IV.

[00:04:52.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wann wurde sie krank?

[00:04:52.720] – Bemerkung 35
Das weiss ich nicht. Sie wird medikamentös behandelt.

[00:05:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist sie bei einem Psychiater?

[00:05:00.810] – Bemerkung 35
Genau. Sie hat auch die ambulante Psychiatrische Spitex, welche sie besucht.

[00:05:33.020] – Bemerkung 35
Die Frau der ambulanten Spitex begleitet sie bereits seit fünf Jahren. Die Spitex Frau
geht zur ihr nach Hause und spricht mit ihr.

[00:05:49.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ja schon lange somatische Spitex.

[00:05:56.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Neu müssen alle Spitex Vereine zusätzlich eine Psychiatrieabklärungen machen
können und psychiatrische Schwestern anstellen.

[00:06:10.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch private psychiatrische Spitex Schwestern, die selber abrechnen.

[00:06:24.240] – Bemerkung 35
Sie kommt vom regionalen Spital Burgdorf.

[00:06:27.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Pflichtleistung heutzutage in der Spitex.

[00:06:31.640] – Dr.med. Ursula Davatz
So wie es auch Onko Spitex gibt. Das ist jetzt eine Spezialisierung.

[00:06:37.490] – Bemerkung 35
Sie nimmt Medikamente.

[00:06:43.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben Sie eine Frage diesbezüglich?

[00:07:05.820] – Bemerkung 35
Ich nehme sie als sehr offen wahr.

[00:07:14.370] – Bemerkung 35
Wenn ich sie frage, was ihr Anliegen ist, kann sie das sehr klar formulieren.

[00:07:20.850] – Bemerkung 35
Sie hat das Gefühl, dass sie eine schlechte Mutter ist.

[00:07:24.550] – Bemerkung 35
Ich schaue dann mit ihr an, woher das Gefühl kommt.

[00:07:30.380] – Bemerkung 35
Ich konnte ihr sagen, dass sie das Bedürfnis ihres Kindes sehr gut wahrnimmt, so wie
ich das beurteilen kann.

[00:07:41.160] – Bemerkung 35
Ihr Partner steht nun in der Nacht auf für das Kind. Das klappt in der Zwischenzeit sehr
gut.

[00:07:54.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Nepalese.

[00:07:55.520] – Bemerkung 35
Er ist sehr in die Kinderbetreuung eingebunden. Den ganzen Winter über hatte er
keinen Job, weil das Restaurant geschlossen ist. Er trägt das Kind auch. Er massiert
das Kind gemäss seiner Tradition.

[00:08:26.160] – Bemerkung 35
Die Partnerschaft ist auch noch etwas belastet. Einerseits durch die Mutter. Sie sagt,
dass es zu Hause zwei Herrscher gibt.

[00:08:30.920] – Bemerkung 35
Der Kindsvater hat immer einen vorwurfsvollen Ton.

[00:09:10.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kindsmutter reagiert mit Rückzug. Sie sagt nichts mehr.

[00:09:19.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage in die Runde: was würden sie mit diesem System machen?

[00:09:23.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist natürlich ein heikles System und läuft nicht optimal.

[00:09:28.660] – Bemerkung 36

Ich möchte noch wissen, ob das klare Verhältnisse sind? Weiss die Frau von Nepal,
dass ihr Mann in der Schweiz eine andere Frau hat.

[00:09:38.200] – Bemerkung 35
Es ist klar, dass er eine neue Familie hat.

[00:09:49.520] – Bemerkung 36
Unterstützt er die Familie in Nepal noch?

[00:09:52.650] – Bemerkung 35
Ja.

[00:10:02.150] – Bemerkung 35
Die Kindsmutter hat IV. Wenn er nicht arbeiten kann, dann hat er nichts. Wenn er
arbeitet, dann zahlt er für sich selber und schickt auch ein Teil von seinem Geld nach
Nepal.

[00:10:36.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Mutter fragen: will der einmal zurück nach Nepal gehen?Denkt sie er
bleibt hier? Was hat sie für eine Vorstellung? Die Mutter ist ein Teil von einem Harem.
Wie sieht sie das?

[00:11:04.580] – Bemerkung 35
Für sie ist das kein Problem, weil seine andere Familie sehr weit weg ist. Das ist nicht
präsent.

[00:11:07.980] – Bemerkung 35
Ich hatte ein Erstgespräch zusammen mit der Hebamme.

[00:11:21.630] – Bemerkung 35

Die Grossmutter hat gegenüber der Mutter ausgerufen: Heute macht man ein
Affentheater um jedes Kind. Das Kind kann man doch schreien lassen. Die Antwort der
Mutter zur Grossmutter war: du, vielleicht bin ich auch deswegen so krank.

[00:12:01.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Was würden sie mit diesem Gespann machen?

[00:12:10.770] – Bemerkung 37
Ich würde die Mutter ausquartieren. Die Kindermutter von der bösen Grossmutter
befreien. Dann ist sie vielleicht auch eine bessere Mutter.

[00:12:22.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie befreien? Die wohnen zusammen.

[00:12:26.760] – Bemerkung 37
Es sind ja noch Geschwister da. Die Verantwortung kann auch abgegeben werden.

[00:12:43.020] – Bemerkung 35
Die Grossmutter kümmert sich um das Kind, wenn die Mutter beschäftigt ist.

[00:13:11.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wohnen alle zusammen.

[00:13:16.040] – Bemerkung 35
Sie teilen sich die Miete des Hauses. Die Mutter hat ihren Geschwistern gesprochen,
dass man vielleicht die Mutter ausquartieren muss.

[00:14:04.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Aha, okay.

[00:14:05.450] – Dr.med. Ursula Davatz

Wohin? Muss die Grossmutter schon ins Altersheim gehen? Könnte die noch irgendwo
anders wohnen?

[00:14:13.400] – Bemerkung 35
Die Grossmutter ist sehr selbständig. Die macht einen guten Eindruck.

[00:14:17.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die braucht kein Altersheim?

[00:14:19.200] – Bemerkung 35
Nein, die braucht definitiv kein Altersheim.

[00:14:23.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Es würde dann zusätzliche Kosten geben, wenn man die Grossmutter ausquartiert.

[00:14:30.620] – Bemerkung 38
Was ist in Nepal die Tradition im Umgang mit den Eltern? Werden dort die Eltern sehr
verehrt?

[00:14:32.700] – Bemerkung 35
Dort schaut man zu allen.

[00:14:51.750] – Bemerkung 38
Wie ist der Umgang?

[00:14:55.980] – Bemerkung 35
Er merkt, dass sie sehr bemuttert wird von ihrer Mutter. Er merkt, dass das auch die
Schwierigkeit im Zusammenhang mit ihrer Krankheit auslöst.

[00:15:14.700] – Dr.med. Ursula Davatz

Ausquartieren ist wahrscheinlich nicht gleich möglich. Es kostet mehr. Dann scheitert es
an dem. Die Mutter hat nur eine IV Rente. Zur Zeit werden die Kosten gut geteilt.

[00:15:27.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde mit ihr daran arbeiten, wie sie sich sauberer abgrenzen kann, gegen die
Mutter.

[00:15:40.000] – Bemerkung 35
Genau, das habe ich mit ihr angeschaut.

[00:15:43.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie machen eine Liste. Einmal ist die dran, einmal der und dann jemand anderes.

[00:15:43.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wenn die berufstätig sind, können sie trotzdem die Mutter zum Doktor fahren, oder
was es dann immer braucht.

[00:16:01.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss auflisten, was die Mutter alles braucht. Welche Aufgaben übernommen
werden müssen. Dann wird es unter den drei verteilt.

[00:16:09.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist zuerst einmal innerlich.

[00:16:10.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann, wie sage ich es ihr?

[00:16:14.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie muss das auch ihnen sagen.

[00:16:17.150] – Dr.med. Ursula Davatz

Ausquartieren wird nicht zustande kommen.

[00:16:23.260] – Bemerkung 35
Das habe ich auch nicht das Gefühl.

[00:16:24.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kann mit den Geschwistern zusammensitzen, wer bereit ist, was zu übernehmen.
Das ist wichtig.

[00:16:31.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Danach müssen sie sie coachen: wie sage ich es der Mutter?

[00:16:31.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die anderen Geschwister werden es der Mutter nicht sagen.

[00:16:36.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Als dritten Schritt nehmen sie die beiden zusammen machen eine Einführung im Sinne
von: es ist nett, das Dreigenerationensystem, aber es gibt auch immer Probleme.

[00:16:55.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Probleme sind, dass die Aufgaben nicht klar verteilt sind.

[00:17:00.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Tochter fühlt sie sich verantwortlich für die Mutter, fährt sie zum Doktor. Die
Grossmutter hütet dafür das Kind. Es ist nicht klar.

[00:17:04.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Ressentiments.

[00:17:11.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum wollen wir es klären.

[00:17:12.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geben sie ihr das Wort, dass sie der Mutter sagen darf, dass sie die Aufgaben auf
die Geschwister verteilen möchte.

[00:17:27.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte nicht mehr alles übernehmen.

[00:17:30.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie fangen ab, wenn die Grossmutter etwas beleidigt ist.

[00:17:35.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sagt, das gehe nicht, das sei einfacher, sie habe einen Beruf und sie nicht,
dann muss man sagen, dass sie auch einen Beruf hat. Sie ist die Mutter dieses kleinen
Kind. Wir wollen es verteilen.

[00:17:51.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen die Mutter in dieser Abgrenzung unterstützen.

[00:17:55.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommen natürlich weitere Dinge.

[00:17:57.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo spricht sie drein?

[00:17:59.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat gesagt, ich habe zwei Befehlshaber, ihn und die Mutter.

[00:18:03.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo spricht sie ihr direkt rein?

[00:18:10.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Schauen, dass sie sagen darf, was sie will und was nicht.

[00:18:15.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie muss einen Standpunkt beziehen, ohne dass sie die Mutter überzeugt, sondern
einfach für sich hin steht.

[00:18:21.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wichtig.

[00:18:22.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas Drittes noch.

[00:18:24.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die beiden haben Krach miteinander. Sie steht dazwischen. Das ist sie wieder in einem
Loyalitätskonflikt.

[00:18:32.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde die Grossmutter fragen: worüber streitest du mit deinem Schwiegersohn?
Was kritisiert sie an dem?

[00:18:34.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grossmutter sagt dann vielleicht: der hat noch eine Frau in Nepal und hier Kinder.
Der sendet immer Geld nach Hause, das ist ungerecht.

[00:18:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist das für die Mutter auch ein Problem oder hat sie das akzeptiert? Sie ist das
eingegangen.

[00:18:45.270] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Mutter und Grossmutter werden gegenüber dem Kindsvater eine andere Haltung
haben.

[00:18:53.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Alleine würde ich die Mutter auch fragen: was findet sie am Kindsvater attraktiv? Was
passt ihr, wie ist sie die Beziehung eingegangen? Sie soll sich das bewusster werden.

[00:19:33.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hauptaufgabe ist die Abgrenzung.

[00:19:33.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Was für eine Rolle hatte sie unter den drei Geschwistern?

[00:19:42.650] – Dr.med. Ursula Davatz
War sie schon immer ein Problemkind?

[00:19:44.640] – Dr.med. Ursula Davatz
War das sensibelste Kind?

[00:19:45.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kam sie in diese Rolle?

[00:19:48.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Funktionalisierte Kinder können sich weniger ablösen.

[00:19:56.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ist 42 Jahre alt, hat erst jetzt ein Kind mit einem Ausländer.

[00:19:56.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich nicht recht ablösen kann, kann man ein Kind bekommen, um sich
abzulösen.

[00:20:04.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geschieht genau das Gegenteil.

[00:20:05.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch etwas ganz anderes heiraten.

[00:20:11.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas fremdländisches, eine andere Religion, eine andere Hautfarbe, etc.

[00:20:12.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Kindsvater müsste helfen, dass sie sich ablösen kann.

[00:20:21.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter und Grossmutter müssen sich mit einander auseinandersetzen.

[00:20:21.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müsste sie dann auch ihrem Mann oder ihrem Partner sagen: ich muss diesen
Kampf ausfechten.

[00:20:35.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie diese beiden zusammen haben, würde ich auch schauen, was sie an der
Mutter stört?

[00:20:43.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Und was stört die Grossmutter an der Tochter?

[00:20:44.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man auseinanderfädeln.

[00:20:50.960] – Dr.med. Ursula Davatz

Für das Kind ist es am wichtigsten, dass die Tochter sich von der Mutter ablösen kann.

[00:20:59.560] – Bemerkung 35
Ja, das macht Sinn.

[00:21:00.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Getrauen Sie sich?

[00:21:02.380] – Bemerkung 35
Nein.

[00:21:02.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht?

[00:21:03.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Was machen wir jetzt. Darum habe ich sie vorhin gefragt, warum sie es wissen wollen.
Getrauen sie sich nicht?

[00:21:15.000] – Bemerkung 35
Eine Psychiaterin ist involviert, einmal pro Woche. Dann kommt einmal pro Woche die
ambulante psychiatrische Spitex. Ich frage ich mich: welche Rolle haben denn die?

[00:21:32.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragen die beiden einmal, ob sie systemisch ausgebildet sind.

[00:21:34.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bilde sie systemisch aus. Dafür kann ich nichts.

[00:21:41.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir fragen mal die anderen. Würden Sie sich trauen, das ein wenig anzugehen?

[00:21:48.130] – Bemerkung 39
Ja. Sie hat eine 100% IV wegen Depression. Da kommt ständig jemand rein und fragt
nach. Es kann nicht das Ziel sein, dass die junge Frau mit 42 noch 100% IV kriegt.
Wenn die Psychiaterin seit x Jahren drinnen ist und seit x Jahren die selbe Spitexfrau,
was verändert sich denn da an ihrem Zustand? Eigentlich sollte es doch wieder bergauf
gehen. Sie soll wieder auf dem Berg hochkommen.

[00:22:35.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie würden sich getrauen.

[00:22:40.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie gehen ins System hinein.

[00:22:43.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist jetzt ein Kind da, das ist anders.

[00:22:45.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiaterin befasst sich offensichtlich nicht damit. Wenn sie eine individuelle
psychiatrische Ausrichtung hat, befasst sie sich nicht damit.

[00:22:55.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Lange Zeit waren Kinder von psychisch kranken Eltern kein Thema.

[00:23:02.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt gibt es in Königsfelden eine Anlaufstelle für Kinder von psychisch kranken Eltern.

[00:23:10.136] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.pdag.ch/fuer-patientinnen-patienten-und-angehoerige/alle-angebote/angebote-der-fachstelle-fuer-angehoerige#:~:text=Beratungsangebot%20ist%20kostenlos.-,Ort,sowie%20Spiel%2D
%20und%20Kreativmaterial%20bereit.

[00:23:10.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieses Kind kann noch nicht in die Beratung gehen auf Königsfelden, folglich müssen
sie es tun.

[00:23:25.000] – Bemerkung 40
Mit externen Psychiatern an einen Tisch sitzen und fragen: wie weit seit ihr? Worauf
zielt ihr? Es gibt Konflikte, ich bin hier drinnen, wie geht ihr damit um?

[00:23:39.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie würden mit der Psychiaterin und der Spitex Schwester zusammensitzen und sagen:
he, was macht ihr eigentlich?

[00:23:42.300] – Bemerkung 40
Wir geht ihr mit dem Konflikt um? Was spielt eine Rolle? Das sollten eigentlich zwei
professionelle Fachleute sein.

[00:23:59.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann keine Lohnaufbesserung verschieben. Ich bekomme auch keine
Lohnaufbesserung, weil ich schon so viele Jahre arbeite. Es ist immer derselbe Lohn.

[00:24:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Was denken sie, was die dann sagen werden?

[00:24:30.100] – Bemerkung 35
Die ambulante psychiatrische Spitex sagt zu ihr: es kann nicht sein, dass sie ihr Kind in
der Nacht nicht weinen hören kann/will.

[00:24:47.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie Psychopharmaka hat.

[00:24:50.220] – Bemerkung 35

Die weiss das ja.

[00:24:51.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, klar, die hatte keine Neuropsychologie.

[00:24:56.460] – Bemerkung 35
Ich habe sie gefragt, was sie sich in Zukunft vorstellen könne.

[00:25:02.160] – Bemerkung 35
Das war für sie ein grosses Thema.

[00:25:04.710] – Bemerkung 35
Sie hat schon überlegt, mit der Psychiaterin zu schauen, ob man nicht mal jemanden
anderen schicken könne.

[00:25:12.840] – Bemerkung 35
Ich fand das eine gute Idee, denn sie sind in einem ganz anderen Kontext als Familie.

[00:25:18.360] – Bemerkung 35
Es ist etwas Neues dazugekommen.

[00:25:19.820] – Bemerkung 35
Es wäre vielleicht ein Moment, jemand Neues reinzubringen.

[00:25:24.140] – Bemerkung 35
Ich weiss nicht, ob das schon geklappt hat.

[00:25:24.280] – Bemerkung 41
Wir haben die Chance, dass wir einen gesunden Helfer reinbringen, mit einem neuen
Blickwinkel. Das gibt wieder eine Chance zu sagen, ich bin Mütter- und Väterberaterin.

Ich schaue es aus einer anderen Sicht an. Vielleicht finden wir einen anderen Zugang.
Wir sind hier mindestens so professionell wie die Psychiaterin.

[00:25:42.230] – Bemerkung 39
Deshalb habe ich vorhin gefragt: was macht denn die seit fünf Jahren? Oder ist das so
eine Alibiübung? Wir machen das, weil es Pflicht ist, weil sie 100% IV bezieht, muss
man das machen? Da fragt gar keiner mehr nach, das ist einfach so. Das muss man
aufdröseln.

[00:26:20.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau.

[00:26:34.830] – Bemerkung 39
Wenn die IV Revisionsstelle kommt heisst es: uns geht es so schlecht, ach.

[00:26:42.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen gerne mit ihnen zusammensitzen.

[00:26:47.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind natürlich nicht ihre Vorgesetzten. Sie können nicht sagen, macht bitte das und
das.

[00:26:51.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist sicher fachlich kompetent, wenn sie mal Kontakt aufnehmen mit der Psychiaterin.

[00:26:57.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sicher gut, dass sie die mal kontaktieren und fragen, was ihr Vorgehen ist, was
sie im Sinn mit dieser Frau haben?

[00:27:10.980] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie sagen einfach: ich bin drinnen als Mütterberaterin. Ich würde die um Erlaubnis
fragen gehen: darf ich das machen? Dann erhalten sie sicher ein "nein". Das will ich
nicht.

[00:27:35.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Vorstellung, dass sie die Psychiaterin und die Spitexmitarbeiterin dazu bringen,
dass die es besser machen, ist unrealistisch.

[00:27:47.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht ist es auch realistisch.

[00:27:49.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können fragen: haben sie an dieser Beziehung gearbeitet? Wie sehen sie das?

[00:27:50.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Problem bei den Psychiatrieleuten ist: die gehen nur auf die Krankheit ein. Sie hat
ihre Antidepressiva, sie ist chronifiziert.

[00:28:06.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Man chronifiziert zusammen mit dem Patienten. Es ist eine Routineangelegenheit. Der
kommt immer, man fragt, wie es geht, es ist immer das Gleiche, und er geht wieder.

[00:28:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie sie sagt, sie muss.

[00:28:17.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kommen wegen dem Kind rein.

[00:28:20.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können natürlich fragen: wann ist sie depressiv geworden?

[00:28:24.520] – Dr.med. Ursula Davatz
War sie doch einmal psychotisch?

[00:28:26.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das könnte sehr wohl sein.

[00:28:29.160] – Bemerkung 35
Kurz vor der Geburt war die Frau in einem sehr schlechten Zustand. Sie hatte sehr
grosse Ängste, ein zwanghaftes Verhalten, mit Waschen, alles Putzen.

[00:28:47.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ganze Zwangsverhalten ist ein Verhalten um die Angst zu binden. Man will sich an
etwas festhalten, damit man nicht komplett dekompensiert. Es kann sehr wohl sein,
dass diese Frau einmal psychotisch war. Nur für eine Depression bekommt man keine
IV. Dann heisst es, das muss mit Medikamenten behandelt werden.

[00:29:14.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde fragen: wann ist sie zum ersten Mal krank gewesen? Was für eine Rolle hatte
sie darin?

[00:29:19.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiaterin und die ambulante Spitexfrau haben einen ambulanten Hospitalismus
gemacht. Sie sind sich aneinander gewohnt.

[00:29:27.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind gibt uns einen neue Impuls. Das Kind gibt uns die Pflicht, dass wir andere
Fragen stellen. Das muss man nutzen.

[00:29:53.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können die anderen nicht ändern, aber wir können etwas anders machen.

[00:29:53.670] – Bemerkung 35

Wir können andere Impulse reinbringen.

[00:29:58.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Andere Fragen stellen, Neugier reinbringen. Sie können nichts falsch machen. Die
anderen beiden arbeiten nicht systemisch. Ich versuche ihnen das beizubringen.

[00:30:32.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer würde sich getrauen?

[00:30:38.500] – Bemerkung 42
Ohne persönlichen Anspruch, dass ich alles ändern muss.

[00:30:38.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Einsteigen, eine Frage stellen, ohne Verpflichtung, dass sie das ganze System ändern
müssen. Absolut ohne Verpflichtung.

[00:30:46.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie gute Fragen stellen, wenn sie sich die Dinge überlegen, dann ändert sich das
System von selbst. Sie müssen es gar nicht so stark machen.

[00:30:51.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Gute Fragen stellen, mit der richtigen, ruhigen neutralen Haltung, ohne sie
bevormunden zu wollen. Das bewirkt etwas.

[00:31:02.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Systeme antippt an einem Ort auf eine ganz kleine, feine Art, kann sich
wahnsinnig viel bewegen.

[00:31:02.980] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Chaostheorie spricht man vom Schmettleringseffekt. Der Schmetterlingsflügel auf
der einen Seiten der Welt, kann auf der anderen Seite der Welt einen Hurrikan
auslösen. Ein kleine Frage kann hier alles ein bisschen verändern.

[00:31:39.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kommen rein wegen dem Kind. Wir wollen für das Kind etwas tun.

[00:31:39.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem wir im im System interessierte Fragen stellen, neutrale, interessierte Fragen,
verändert sich vielleicht etwas, sodass wir etwas für das Kind getan haben.

[00:31:53.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Vater kann man fragen: wirst du deiner Tochter einmal deine anderen Kinder
vorstellen? Das sind ja Halbgeschwister. Gedenkt er mal, nach Nepal zu reisen? Wie
macht er das?

[00:32:10.870] – Dr.med. Ursula Davatz
In gewissen Bauernfamilien übernimmt der Älteste den Hof, alle anderen werden
Knechte oder müssen ausziehen. Im Bernbiet übernimmt der Jüngste.

[00:32:23.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind die Eltern schon alt genug, die können ins Stöckli gehen. Alle anderen
müssen etwas anderes machen.

[00:32:24.020] – Dr.med. Ursula Davatz
In Nepal gibt es Situationen wo fünf Söhne eine Frau heiraten, damit das Land nicht
aufgeteilt werden muss.

[00:32:33.680] – Bemerkung 35
Das geht?

[00:32:43.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, offensichtlich, das ist ökologisch. Da muss man keine Teilung machen. Alle haben
dieselbe Frau. Das gibt nicht so viele Kinder, wie wenn jede eine Frau hätte. Dann

könnte jeder fünf Kinder haben. Die Frau ist beschränkt mit ihrer Kinderzahl. Sie sind
alle verwandt, der Hof bleibt zusammen und sie überleben.

[00:33:13.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt viele Modelle. Nicht nur die Ein-Ehe.

[00:33:14.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat eine Schweizer Frau und eine nepalesische Frau.

[00:33:14.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schweizer Frau hilft mit ihrer IV-Rente.

[00:33:39.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sagen: Geno-Öko-Gramm. Das ist jetzt Ökologie.

[00:33:48.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das darf man so benennen und so anschauen. Wie sie auch nach Nepal reisen und
ihre Stiefkinder kennenlernen?

[00:33:51.560] – Bemerkung 35
ich habe schon das Gefühl, wenn ich mir das überlege, das ganze System ist geprägt
von der Krankheit der Kindesmutter.

[00:34:00.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Inwiefern?

[00:34:02.630] – Bemerkung 35
Die 83 jährige Mutter ist sicherlich keine Böse.

[00:34:05.670] – Bemerkung 35
Ich habe das Gefühl die will immer die Mutter spielen.

[00:34:13.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wollen wir ändern.

[00:34:16.530] – Bemerkung 35
Der Vater hat auch das Gefühl: meine Frau ist beeinträchtigt, ich muss auch eine
andere Rolle übernehmen, als nur die vom Partner.

[00:34:22.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wollen wir ändern.

[00:34:25.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Er profitiert gleichzeitig davon.

[00:34:34.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein gegenseitiges voneinander profitieren, ohne dass sie Anerkennung dafür
bekommt.

[00:34:38.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihre Funktionalisierung in diesem System bekommt überhaupt keine Anerkennung.

[00:34:44.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen ihr ein wenig Anerkennung geben.

[00:34:47.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Dafür müssen sie die Rolle unter den Geschwistern herauschälen.

[00:34:51.420] – Bemerkung 35
Ich habe versucht, ihr Selbstvertrauen zu stärken, damit sie auch stark genug ist, gegen
ihre Mutter.

[00:35:14.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sehen sie als schwach. Sie sagen, sie sei eine starke Mutter.

[00:35:25.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Schwach und stark sind Symptome.

[00:35:28.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind eine starke Mutter.

[00:35:31.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Es nützt nichts im System, wenn man nicht die ganzen Funktionen erkennt.

[00:35:36.000] – Bemerkung 35
Das schwächt sie wieder zusätzlich.

[00:35:37.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder es gibt einen Kampf. Sie sagen sie ist stark. Die anderen sagen sie ist schwach.
Was ist sie jetzt?

[00:35:41.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen, wie es zur schwachen Rolle gekommen ist. Dann muss sie von
dieser schwachen Rolle befreit werden, indem man neue Wege aufzeigt.

[00:35:47.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Symptom, Depression. Stark, schwach ist immer nur der Fokus auf Symptome und kein
Focus auf die ganze Interaktion.

[00:36:07.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche, das ganze Umfeld als Ressourcen anzuschauen.

[00:36:10.970] – Dr.med. Ursula Davatz

Darum stelle ich auch Fragen. Will sie einmal mit ihm nach Nepal gehen?

[00:36:16.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat Halbgeschwister. Wieso nicht?

[00:36:17.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute gibt es alle möglichen Sorten von Patchwork Familien.

[00:36:17.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Simonetta Sommaruga will neue Familien Formen juristisch regeln, mit lesbischen
Paaren, homosexuellen Paaren, Patchworkfamilien, damit die normale Familie nicht
mehr den Vorzug hat.

[00:36:17.460] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-53483.html

[00:36:17.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier müssen wir unseren Horizont erweitern.

[00:36:47.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass sie sehen, was sie für eine Rolle hatte in ihrem alten System.

[00:36:52.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hatte sie für eine Beziehung zum Vater? Wann ist der Vater gestorben.

[00:37:14.650] – Bemerkung 43
Die Kindsmutter löste sich von ihrer Mutter und heiratete einen Ausländer. Wäre das mit
einem Schweizer anders gewesen?

[00:37:25.860] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie hat sich nicht gelöst. Indem man einen Ausländer heiratet und noch einen, der
sogar noch verheiratet ist, macht man alles falsch. Indem man alles falsch macht,
müsste die Mutter einem loslassen.

[00:37:40.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geschieht genau das Gegenteil. Es wird für sie noch mehr geschaut.

[00:37:40.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind Methoden, um sich von der Mutter zu lösen, aber sie lässt nicht nach, im
Gegenteil, sie hält noch mehr fest.

[00:37:49.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen, wie sie in diese Rolle rein gekommen ist. Alles ohne zu verurteilen.
Ein erweiterter Jeremias Gotthelf Roman.

[00:38:02.858] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Jeremias_Gotthelf

[00:38:13.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Getrauen Sie sich so? Sie haben ein paar Leute, die gesagt haben, dass sie es tun
würden.

[00:38:21.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben sie eine Gruppensupervision? Dann können sie es wieder zusammen
anschauen.

[00:38:26.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen gar nichts erreichen.

[00:38:26.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Kein Druck auf sich aufsetzen. Das ist ganz wichtig.

[00:38:32.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lesen eine Jeremias Gotthelf Roman und stellen Fragen.

[00:39:12.480] – Bemerkung 44
Sie arbeiten systemisch. Die anderen arbeiten individuell, nur auf die Symptome
bezogen.

[00:39:16.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die anderen schauen die Krankheit wie einen Prozess an, welcher im Patienten drinnen
abläuft, den man mit Medikamenten behandelt, vielleicht auch mit Gesprächen. Sie
schauen nie die Beziehungen darum herum an, oder nur sehr rudimentär.

[00:39:41.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Sigmund Freud hat die Beziehungen auch ein wenig angeschaut: die Geschichte des
kleinen Hans.

[00:39:41.290] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie, wenn man keine familientherapeutische Ausbildung hat, wird einfach
nur das Symptom angeschaut.

[00:39:53.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mediziner sind ohnehin auf das Symptom ausgerichtet.

[00:40:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
An diesem Symptom wird herumgemacht.

[00:40:02.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche, die Ressourcen des Systems anzuschauen und zu schauen, was ich tun
kann, sodass sich das Symptom verändert.

[00:40:09.330] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe ja bei der Depression gesagt, dass die Depression eine Verliererkrankheit ist.

[00:40:15.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Man verliert gegen wichtige Bezugspersonen im Machtkampf.

[00:40:20.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie verliert ständig gegen ihre Mutter und jetzt auch noch gegen den Kindsvater.

[00:40:20.950] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man sagt: sie sind eine starke Frau, ist sie deswegen noch nicht stärker.

[00:40:40.200] – Bemerkung 35
Sie ist eine gute Mutter. Ich will sie wertschätzen in dem was sie macht.

[00:40:44.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auf jeden Fall gut.

[00:41:01.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann noch ein wenig schauen, wie sie in die schwache Rolle gekommen ist, wenn
man das besser sieht und sie das besser sieht, kann sie auch besser wieder
rauskommen.

[00:41:10.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Idee.

[00:41:12.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ihre Geschichte besser versteht, versteht sie es besser und kann auch eher
etwas machen.

[00:41:22.100] – Dr.med. Ursula Davatz

Sonst machen wir nur eine Symptombekämpfung. Sonst bearbeiten wir nur das Gefühl
und bleibt stecken.

[00:41:44.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt sprechen wir noch über die Traumatisierung, das Trauma beim Kind.

[00:41:44.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind sexuell traumatisiert wird, muss man sehr aufpassen, dass wir
Erwachsene dem Kind nicht noch ein grösseres Trauma setzen, als das, was das für
das Kind ist.

[00:42:23.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt darauf an, wie wir Erwachsene über das Kind nachdenken und was wir alles
hineinprojizieren.

[00:42:29.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe solche Geschichten erlebt, wo es für das Kind nicht ganz so schlimm war. Es
war etwas Unangenehmes.

[00:42:29.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Trauma war das, was die Eltern daraus gemacht haben. Das ist etwas sehr
wichtiges!

[00:42:42.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei jeder Situation müssen sie abschätzen, auch von ihrem Gespür her, nicht von ihrer
Moral her.

[00:42:54.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie hat das Kind auf das reagiert? Wie gehen wir damit um?

[00:42:55.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht die erwachsene Moral auf das Kind projizieren und danach handeln.

[00:43:07.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe oft Mühe mit den Opferstellen, wo ein grosses Theater daraus gemacht wird
und dabei das Opfer noch mehr traumatisiert wird.

[00:43:11.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Kind will man helfen, etwas zu verarbeiten.

[00:43:11.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss immer ein kindergerechte Geschichte finden.

[00:43:29.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind aus einem Kinderheim in Marokko wurde von Schweizer Eltern adoptiert. Das
ist ein Trauma, dass das Kind im Kinderheim abgegeben worden ist, dass es keine
Mutter hatte. Man kann Mitleid mit diesem Kind haben. Man kann diese Geschichte
immer wieder hochspielen, gross und breit schlagen.

[00:43:34.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine kindergerechte Geschichte wäre: deine Mutter hat offensichtlich gesehen, dass sie
ist nicht in der Lage war, für dich zu schauen, darum hat sie dich im Kinderheim
abgegeben, in der Hoffnung, dass du eine Mutter findest, die das besser für sie machen
kann. Hier kommt das salomonische Urteil.

[00:44:09.760] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Salomo

[00:44:35.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch nicht ständig davon sprechen.

[00:44:38.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Kinder ihre Mütter früh verlieren, sei es durch den Tod oder durch die Adoption,
kann man nicht ständig mit dem Kind trauern um die Mutter.

[00:44:51.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine Italienerin, die ihre Mutter verloren hat, als sie einjährig war.

[00:45:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Als sie mir das erzählt hat, hat sie angefangen zu weinen.

[00:45:00.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war von den Eltern gemacht. Die hätte nicht weinen müssen. Man hat ihr immer
wieder gesagt, wie schlimm das sei, war für eine arme sie ist.

[00:45:13.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das dürfen wir nicht tun.

[00:45:13.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen nicht immer unsere eigene Moral, unsere eigene seelische Verarbeitung
immer wieder auf das Kind abladen.

[00:45:13.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine kindergerechte Geschichte, aber nicht mehr daraus machen, als es ist.

[00:45:37.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr wach schauen, wie das Kind das verarbeitet.

[00:45:41.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder sind so widerstandsfähig. Sie können so vieles besser verarbeiten als wir.

[00:45:48.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie vergeben auch mehr als wir.

[00:45:52.620] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir sollen nicht unsere Rancune oder unsere Rachsüchtigkeit dem Kind anlasten.

[00:46:02.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas zum sexuellen Missbrauch.

[00:46:03.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Leute die viel mit sexuellem Missbrauch arbeiten, hat jemand von ihnen schon den
Professor Bert Hellinger gehört diesbezüglich?

[00:46:03.119] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Bert_Hellinger

[00:46:03.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind muss dem Vater sagen: für dich habe ich es gern getan.

[00:46:25.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das klingt komisch. Aber es stimmt.

[00:46:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein sexueller Missbrauch innerhalb eines Familiensystems passiert, derjenige,
der sexuell missbraucht, ist ein hochbedürftiger Mensch.

[00:46:38.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind spürt Bedürftigkeit, emotionale Bedürftigkeit.

[00:46:47.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens entsteht zuerst die Nähe und dann kommt die Bedürftigkeit rüber.

[00:46:52.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind lehnt den Menschen nicht ab. Es ist ja auch noch abhängig von dem.

[00:46:58.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem das Kind sagen darf: für dich habe ich es gerne getan, werden die Gefühle vom
Kind validiert.

[00:47:04.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir Therapeuten das funktionalisierte Kind, das sexuell missbraucht wurde, indem
wir das validieren und sagen, dass es eine grosse Leistung für das System erbracht
hat, geben wir ihm den richtigen Platz.

[00:47:23.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir sagen, das sei schlimm, es sei ein Armes und ein Böses ist, wird die Leistung
des sexuell missbrauchten Kindes gar nicht wertgeschätzt.

[00:47:35.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Prof. Bert Hellinger verlangt quasi, dass das wertgeschätzt wird.

[00:47:39.240] – Bemerkung 45
Das hört sich komisch an.

[00:47:39.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hört sich komisch an aber es stimmt.

[00:47:44.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte einen Patienten, der sexuell missbraucht wurde vom Bruder der Mutter,
seinem Onkel. Eine Kollegin hat ihn zu mir in die Therapie gesendet.

[00:47:55.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe die Beziehung zwischen dem Onkel und der Mutter angeschaut.

[00:47:55.940] – Dr.med. Ursula Davatz

Es stellte sich heraus, dass sich diese Mutter immer um den Onkel gesorgt hat, dass es
ihm gut geht, er kann nicht recht für sich schauen, etc.

[00:48:10.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Patienten habe ich gesagt: sie haben eine Leistung für ihre Mutter unterstützt.

[00:48:10.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter hat sich gesorgt um die Mutter und er hat sich zur Verfügung gestellt und
auch gesorgt für den Onkel.

[00:48:10.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, als ich sagte, dass er eine Leistung für das System erbracht hat, er hat
seine Mutter und ihre Sorge gegenüber dem Onkel unterstützt, sagte er wow: das fühlt
sich ganz anders an.

[00:48:43.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe in wertgeschätzt. Ich habe ihn validiert.

[00:48:43.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nur moralisch dahinter geht und sagt schrecklich, arm und böse, dann wird
gar nicht validiert.

[00:48:43.900] – Dr.med. Ursula Davatz
In Familien kommt sexueller Missbrauch vor, wenn Bedürftigkeit vorhanden ist und
wenn das System diese Bedürftigkeit nicht ausserhalb holen kann.

[00:49:15.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können keine Hilfe von aussen annehmen. Es wird alles innerhalb des Systems
befriedigt.

[00:49:20.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann müssen die Kinder etwas leisten.

[00:49:21.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Bauern müssen sie auf dem Feld helfen zu arbeiten.

[00:49:27.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine materielle Bedürftigkeit.

[00:49:31.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein emotionales Defizit vorhanden ist, dann treten die Kinder ein für das
emotionale Defizit.

[00:49:39.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Im obigen Fall ist die Tochter schon früh eingetreten für ein gewisses Defizit.

[00:49:39.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Tochter ist dann defizitär und krank.

[00:49:42.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sind immer wieder die funktionalisierten Kinder, die dann sogenannt krank werden.
Man kümmert sich dann um das funktionalisierte Kind und nützt es gleichzeitig auch
auch.

[00:50:25.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil ist es auch die IV Rente. Sie müssen die IV Rente behalten, damit der Hof
läuft.

[00:50:37.860] – Bemerkung 46
Muss man mehr auf die Mutter schauen? Das Kind hilft mir, meine Bedürftigkeit
auszuhalten.

[00:50:57.030] – Dr.med. Ursula Davatz

Das Kind, welches sexuell missbraucht wurde, macht eine Leistung für die Mutter. Die
Mutter hält den sexuell aktiven Mann von sich, sie hat vielleicht schon zehn Kinder oder
auch nicht. Sie hält es aus bei dem Mann, weil die Tochter die Bedürftigkeit vom Mann
befriedigt.

[00:50:57.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt immer: das sind Mitwisser. Die Mutter weiss es, aber sie verdrängt es. Sie
muss es verdrängen um das Ganze zusammen halten zu können.

[00:51:26.390] – Bemerkung 46
Dass sich die Mutter mehr outen muss, das ist eigentlich gar nicht so gut.

[00:52:15.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin dagegen, dass es über die Juristen und die Polizei gelöst wird.

[00:52:15.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: es muss therapeutisch gelöst werden

[00:52:15.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald es über die Juristerei geht, herrscht die Täter-Opfer Mentalität. Dann wird man
dem Opfer nicht gerecht.

[00:52:15.860] – Bemerkung 47
Wie soll man es dann merken?

[00:52:15.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht Anlaufstellen, wo sich das Opfer therapeutische Hilfe holen kann.

[00:52:16.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es darf nicht über die Moral gehen von Täter und straftätig, sondern über die Hilfe.

[00:52:16.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es über die Juristen und die Polizei läuft, muss man immer Therapeuten
reinholen.

[00:52:16.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Cloe Madanes ist die Frau von Jay Haley.

[00:52:36.581] – Dr.med. Ursula Davatz
https://en.wikipedia.org/wiki/Clo%C3%A9_Madanes

[00:52:36.589] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Jay_Haley

[00:52:36.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Beides sind Familientherapeuten.

[00:52:37.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat an einem Gericht gearbeitet, wo alle in die Therapie geschickt wurden.

[00:52:39.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hatte die Methode: man macht eine grosse Sitzung, Täter und Opfer kommen
zusammen. Alle Leute, die etwas davon hätten wissen können, Fachleute, Verwandte
usw, werden auch dazu genommen.

[00:53:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es ein ganzes Ritual.

[00:53:02.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Resultat ist am Schluss, dass der Täter vor dem Opfer herunter knien muss.

[00:53:10.300] – Dr.med. Ursula Davatz

Das katholisch und er muss sich quasi entschuldigen.

[00:53:15.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache es nicht so, ich mache es umgekehrt.

[00:53:18.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stärke das Opfer.

[00:53:19.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schicke das Opfer, wenn es irgendwie geht, zum Täter.

[00:53:25.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Opfer darf den Täter konfrontieren.

[00:53:28.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich empowere das Opfer so stark, dass sie das können.

[00:53:35.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Täter nicht mehr lebt, müssen sie einen Brief schreiben.

[00:53:41.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht immer darum, dass sie sich stark machen.

[00:53:41.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind dann nicht mehr in dieser abhängigen Rolle. Wenn ich sie behandle, sind sie
erwachsene Leute.

[00:53:41.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache sie wieder ganz, indem sie für sich selber eintreten dürfen.

[00:53:44.910] – Dr.med. Ursula Davatz

Sobald jemand anderes für sie kämpft, werden sie wieder infantilisiert, werden sie
bevormundet.

[00:54:03.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Leute begleitet, welche ihre Väter konfrontiert haben. Das hat eine enorme
Befreiung und Kraft gegeben.

[00:54:08.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte Teenager, welche ihre Täter konfrontiert haben. Die machen es natürlich auf
Teenager Art. Wasser ins Gesicht werden oder ähnlich. Auch das gibt eine Befreiung.

[00:54:24.080] – Bemerkung 48
Wie ist die Reaktion der Täter?

[00:54:32.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einige Täter, die sagen: nur der liebe Gott kann mich richten. Die geben nichts
zu.

[00:54:40.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einige, die sich nicht mehr daran erinnern. Wenn ich das gemacht habe, dann
tut es mir leid.

[00:54:54.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal kommt dann heraus, dass Geschwister auch missbraucht wurden.

[00:54:58.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die tauschen sich dann miteinander aus. Dann ist man in einer grösseren Gesellschaft.

[00:54:58.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Täter muss es nicht zugeben. Es geht nur darum, dass man für sich hinsteht.

[00:54:58.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich helfe bei der ganzen Formulierung.

[00:55:17.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss, auch wenn ich nur ein kleines Kind war, ich habe die Erinnerung und meine
Seele weiss, was war.

[00:55:25.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern denken natürlich, das war minderjährig, das kann gar nichts mehr erinnern,
das weiss nichts, weil es nicht davon sprechen kann.

[00:55:34.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat das Gespür und ich weiss es und ich sage es, ich weiss es und so ist es und
ich sage es dir. Ich stehe zu meiner Wahrheit.

[00:55:42.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter sagen dann, jetzt hast du mir so etwas Schreckliches angetan.

[00:55:47.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommen dann auch Geschwister, es gibt dann auch eine Schockwelle durch die
Familie.

[00:55:51.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Geschwister, die wenden sich dann gegen das Opfer eine Zeit lang.

[00:55:56.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man das sehr stützen und mit der Zeit ändert sich dann alles.

[00:56:00.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann bekommen sie eine bessere Position.

[00:56:04.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden oft angeklagt, dass man ein Übeltäter sei.

[00:56:08.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Opfer wird dann quasi an den Pranger gestellt.

[00:56:13.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Da muss man sie stützen. Darum getrauen sie sich auch oft nicht.

[00:56:18.660] – Bemerkung 49
Es wirft eine Schande über die Familie.

[00:56:20.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau.

[00:56:20.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir opfern lieber die Gesundheit des Kindes, als den Ruf der Familie zu schädigen.

[00:56:30.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein individueller Entscheid.

[00:56:36.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss das Tabu brechen und den Ruf schädigen. Es wird nicht herum erzählt, man
macht es nur innerhalb der Familie.

[00:56:39.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welches es herumerzählen, schlagen Kapital daraus, aber es wird nicht
gelöst.

[00:56:39.700] – Dr.med. Ursula Davatz

Diejenigen, welche von Therapeut zu Therapeut gehen und überall Mitleid suchen, das
bringt es gar nicht.

[00:56:39.750] – Bemerkung 50
Haben sie auch Fälle erlebt wo eine solche Konfrontation nicht sinnvoll ist?

[00:56:54.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Opfer sagt: ich habe das für mich abgemacht und nein ich will das nicht und
ich brauche das nicht, dann würde ich sie nie dazu zwingen. Dann würde ich sagen: ok,
ist akzeptiert. Ich darf auch hier keine Ideale haben, keine Moral haben, so muss es
immer gemacht werden. Das Opfer selber darf beschliessen, wie es vorgehen möchte.

[00:57:24.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine zeitlang war es grosse Mode, Traumata aufzuspüren.

[00:57:24.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle sind sexuell missbraucht worden, jede/r Magersüchtige hat einen sexuellen
Missbrauch erlebt. Das hat nicht gestimmt. Therapeuten haben da mehr gesehen, als
das wirklich ist.

[00:57:33.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt schon einige solcher Geschichten hinter psychisch Kranken.

[00:58:03.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal kann man keine Wahrheitsfindung machen, muss auch nicht. Schon nur
damit umzugehen ist hilfreich.

[00:58:13.120] – Bemerkung 51
Ich hatte eine Asylantin, welche auf der Flucht das Kind verloren hat. Sie hat jetzt ein
zweites Kind von einem anderen Mann. Das Kind ist jetzt sehr überbehütet.

[00:58:25.560] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist die Geschichte vom: ich verliere ein Kind und habe dann ein Ersatzkind.

[00:58:34.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Kinder, die nach verlorenen Kindern kommen, wie z.B. Unfall, Kriegsgeschehen,
etc. sind auch wieder überfokussierte Kinder, also funktionalisierte Kinder. Kinder,
welcher über die Trauer hinweghelfen müssen.

[00:58:47.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Um das neue Kind zu schützen, müsste man mit dieser Mutter die Trauerarbeit machen
in Bezug auf die verlorenen Kinder.

[00:59:03.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Was oft passiert, dass die toten Kinder dann oft auf dem Regal herumstehen, in Form
von Bildern.

[00:59:04.160] – Bemerkung 51
Sie weiss nicht ob die Kinder noch leben. Sie sind in verschiedenen Booten gekommen.

[00:59:33.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier müsste eine offizielle Stelle helfen. Das kann sie nicht alleine tun. Ich würde sie an
dieser Stelle unterstützen, dass jemand ein bisschen für sie arbeitet.

[01:00:20.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke fürs Mitmachen.

[01:00:20.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen Fragen stellen, aber nur soviel wie sie sich getrauen. Ja nicht, weil ich es
gesagt habe.

[01:00:21.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es muss wirklich von ihnen von innen heraus kommen. Sie müssen wirklich mit sich
selber arbeiten und mit ihrem Wesen und was zu ihnen passt.

[01:00:46.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie mussten Assessment Arbeiten machen.

[01:00:52.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo man etwas in einem Auftrag macht, macht man es nicht ganz
natürlich.

[01:00:57.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sollten es möglichst natürlich machen, dann machen sie es recht. Dann machen sie
keine Fehler. Wenn sie neugierig sind, sind sie neugierig. Wenn sie zögerlich sind,
dürfen sie auch das sein.

[01:01:14.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte sie ganz generell unterstützen darin. Sie kommen in einem sehr wichtigen
Moment in das Familiensystem hinein, wo es viele Chancen gibt, dass sich das
Familiensystem verändern kann.

[01:01:26.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser Moment, diese Potenz, dieser potentielle Moment, dieser Veränderungsmoment
sollte man nutzen.

[01:01:34.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Machen sie es, wie Sie es können, nicht unter Druck, sondern eben natürlich.

[01:01:39.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wünsche ihnen viel Glück bei ihrer Arbeit.