Die Ausführungen von Dr. med. Ursula Davatz im Interview bieten wertvolle Einblicke in das Thema Suchtverhalten. Sie beleuchten die zugrundeliegenden Mechanismen, die Rolle des emotionalen Gehirns und die Bedeutung des sozialen Lernens im Umgang mit Sucht.
Suchtverhalten als schneller Problemlöser:
Dr. med. Ursula Davatz beschreibt Suchtmittel als „schnelle Problemlöser“ – vergleichbar mit Fast Food oder Instant-Suppe. Sie bieten eine sofortige Lösung für negative Emotionen und bringen das emotionale Gehirn schnell wieder ins Gleichgewicht. Dieser Mechanismus erklärt die Attraktivität von Suchtmitteln in unserer schnelllebigen Gesellschaft, die oft schnelle Lösungen fordert.
Die Rolle des emotionalen Gehirns:
Das emotionale Gehirn spielt eine zentrale Rolle im Suchtverhalten. Wenn es keine Lösung für eine Situation findet, entstehen Stress und negative Emotionen. Suchtmittel bieten einen Ausweg, indem sie sofort ein Wohlgefühl erzeugen und die negativen Emotionen unterdrücken. Dieser Prozess verhindert jedoch, dass Betroffene lernen, mit ihren Emotionen umzugehen und konstruktive Lösungen zu entwickeln.
Suchtverhalten als automatisierter Reflex:
Dr. med. Ursula Davatz betont, dass Suchtverhalten im Laufe der Zeit zu einem automatisierten Reflex wird. Sobald negative Emotionen auftreten, greift der Betroffene reflexartig zum Suchtmittel, ohne dass dieser Prozess vom Grosshirn kontrolliert werden kann. Dieser automatisierte Reflex macht es so schwierig, Suchtverhalten zu überwinden.
Der Teufelskreis des Suchtverhaltens:
Suchtmittel verhindern, dass Betroffene aus ihren Erfahrungen lernen und neue Bewältigungsstrategien entwickeln. Sie flüchten vor ihren Emotionen, anstatt sich ihnen zu stellen und sie zu verarbeiten. Dieser Kreislauf führt dazu, dass die Abhängigkeit von den Suchtmitteln immer stärker wird und die Betroffenen immer weniger in der Lage sind, ein erfülltes Leben ohne Suchtmittel zu führen.
Die Bedeutung des sozialen Lernens:
Dr. med. Ursula Davatz sieht im sozialen Lernen einen Schlüssel zur Überwindung von Suchtverhalten. Indem Betroffene ihre Erfahrungen und Emotionen im sozialen Umfeld reflektieren, können sie Stress abbauen, neue Verhaltensweisen erlernen und aus ihren Rückfällen lernen. Das soziale Umfeld bietet Halt und Unterstützung und kann den Betroffenen helfen, den Teufelskreis des Suchtverhaltens zu durchbrechen.
Fazit:
Suchtverhalten ist ein komplexer Prozess, der durch einen automatisierten Reflexmechanismus im emotionalen Gehirn aufrechterhalten wird. Um Suchtverhalten zu überwinden, ist es wichtig, diesen Mechanismus zu verstehen und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Das soziale Umfeld spielt dabei eine entscheidende Rolle, indem es Halt, Unterstützung und die Möglichkeit zum sozialen Lernen bietet.
https://ganglion.ch/pdf/Substanzmissbrauch%20und%20Umgang%20am%20Arbeitsplatz.m4a.pdf
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