Luzern, ELPOS Tagung, 1.9.2012: Gelassener Leben mit ADHS.

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Dr.med. Ursula Davatz

1.9.2012

Paardynamik bei Erwachsenen mit ADHS/ADS.
Audio

[00:00:01.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommt der Workshop zum Thema: Paardynamik bei Erwachsenen mit ADHS/ADS.

[00:00:07.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Gehalten an der ELPOS Tagung in Luzern, am 1. September 2012.

[00:00:18.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte sie alle ganz herzlich begrüssen zu diesem Workshop, heute an dieser
Tagung zum Thema: Paardynamik bei Erwachsenen mit ADHS/ADS.

[00:00:28.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der Titel des Workshops.

[00:00:31.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach dem sehr unterhaltenden Cabaret von Manfred Spitzer versuche ich, etwas
Ruhigeres zu machen.

[00:00:36.630] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Spitzer

[00:00:38.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Paardynamik zwischen Erwachsenen mit ADHS/ADS ist an sich schon etwas sehr
Bewegtes.

[00:00:46.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe diesen Workshop noch nie gehalten.

[00:00:49.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wurde auch noch nie gefragt, etwas zu diesem Thema zu sagen, obwohl ich täglich
mit solchen Dingen zu tun habe.

[00:00:57.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu meiner Person. Ich bin Psychiaterin und Familientherapeutin.

[00:01:02.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin seit 40 Jahren spezialisiert und interessiert an ADHS/ADS. Ich habe es zum
ersten Mal gehört, als ich in Samedan Assistenzärztin war.

[00:01:16.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kinderarzt aus St.Gallen hat dort über POS gesprochen. Das fand ich interessant.

[00:01:21.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Danach war ich in den USA. Dort habe ich das dann weiter aufgegriffen. 1980 kam ich
nach Königsfelden zurück, in den Aargau in meinen Heimatskanton. Dort habe ich mich
weiter mit dem ADHS/ADS befasst.

[00:01:38.340] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS hat mich ganz speziell interessiert im Sinne von Umgang mit dem ADHS/
ADS, damit es keine Komorbidität gibt, d.h. damit es keine sekundäre
Folgeerscheinungen gibt.

[00:01:52.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht immer von Komorbidität.

[00:01:57.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Da meint man, eine andere Krankheit komme dazu.

[00:02:01.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: die andere Krankheit geht aus dem ADHS/ADS hervor.

[00:02:07.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kommt nicht einfach dazu geschneit, wie Läuse und Flöhe. Diese Läuse und Flöhe
sind miteinander verwandt, die sind voneinander abhängig.

[00:02:17.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb mag ich den Begriff Komorbidität nicht besonders. Ich spreche viel mehr von
Folgeerscheinungen.

[00:02:19.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor zwei Jahren an der ELPOS Tagung habe ich gesagt: 75% von ADHS/ADS
Erwachsenen Betroffenen haben eine zusätzliche psychiatrische Störung.

[00:02:45.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das müsste überhaupt nicht so sein, wenn man geschickter damit umgehen würde.

[00:02:50.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines ist der Umgang der Eltern mit dem ADHS/ADS Kind.

[00:02:55.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das zweite ist der Umgang von Eltern, die ADHS/ADS betroffen sind, miteinander.

[00:03:00.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eigentlich wichtig. Ich bin erstaunt, dass man das bis jetzt so wenig angeschaut
hat.

[00:03:08.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum habe ich mich auch auf diesen Vortrag gefreut, dass ich das beleuchten darf.

[00:03:12.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben schon viel über das ADHS/ADS gehört.

[00:03:16.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme nur zwei Symptome oder Merkmale heraus, die eine grosse Rolle spielen.

[00:03:25.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS Syndrom ist für mich keine Krankheit.

[00:03:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Normvariante wie irgendeine andere.

[00:03:33.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann zu einer Krankheit führen, wenn das Umfeld schlecht damit umgeht.

[00:03:40.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum ADHS/ADS Syndrom gehören zwei wichtige Faktoren.

[00:03:44.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine sehr hohe Sensibilität. Das ist heute Morgen auch gesagt worden.

[00:03:50.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu dieser hohen Sensibilität gehört auch eine schnelle Reaktivität.

[00:03:55.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man nimmt etwas schnell wahr und reagiert schnell darauf.

[00:04:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man nennt das Impulsivität, also schlechte Impulskontrolle.

[00:04:04.300] – Dr.med. Ursula Davatz

Da kommt man schon mit der Kontrolle rein.

[00:04:09.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Durch die hohe Sensibilität entsteht eine hohe Reaktivität.

[00:04:12.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das konnten sie heute Morgen bestens beobachten, wie schnell er reagiert hat, wie er
probiert hat, zu schauen, wie er reagiert.

[00:04:19.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ging ganz schnell hin und her.

[00:04:22.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Individuum eine hohe Sensibilität hat, schnell reagiert und das andere
reagiert dann mit einer Impulsivität zurück, und das erste reagiert auch schon impulsiv,
dann kann man sehen, dass hier schnell ein Feuerwerk entsteht.

[00:04:41.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man gleicher Meinung ist, dann schwingt man in die gleiche Richtung und kann
überzeugen und mitreissen. Man kann sogar einen Trend erreichen.

[00:04:50.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nicht gleicher Meinung ist, dann wird es schwierig.

[00:04:56.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann schaukeln sich die beiden Individuen, die hier mit hoher Empathie, mit hoher
Reaktivität, mit hoher Emotionalität, mit schnellem Reden, etwas dem anderen rüber
bringen möchte, dann schaukeln sich die wahnsinnig schnell hoch, so wie in einem
ganz schnellen Ping Pong Match oder Tennis Match.

[00:05:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz

Eher Ping Pong. Beim Ping Pong geht es schneller hin und her. Und dann, was macht
man? Irgendeiner eskaliert dann, beginnt zu schreien, schlägt zu oder man geht
unverrichteter Dinge auseinander.

[00:05:34.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich vorstellen, dass an dieser Stelle noch ein Kind hinzukommt, welches die
gleiche Reaktivität und Sensibilität hat, dann haben sie ein Chaos.

[00:05:34.840] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Chaostheorie sagt man: wenn zwei Grössen, also Menschen miteinander
interagieren und auch von einander abhängig sind, wie z.B. in der Partnerschaft, dann
geht das noch. Bei den ADHS/ADS Individuen geht das nicht ganz so gut.

[00:06:18.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine dritte Grösse hinzukommt, also ein Kind, dann gibt es ein Chaos.

[00:06:18.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man rein mathematisch darstellen.

[00:06:23.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle drei: Vater, Mutter und Kind wirken alle aufeinander ein. Sie sind alle voneinander
abhängig, das alles zur gleichen Zeit. Dann haben sie sofort ein Chaos.

[00:06:36.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das, was man häufig antrifft.

[00:06:42.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS Prädisposition ist vermutlich vererbt. Es gibt Gene, welche das
weitergeben.

[00:06:46.940] – Dr.med. Ursula Davatz

ADHS/ADS Menschen ziehen sich oft an, weil sie die Ähnlichkeit spüren, weil sie sich
gut miteinander verstehen. Sie verstehen sich ohne zu sprechen miteinander. Es ist
eine hohe Empathie bei beiden. So fühlt man sich. In der Verliebtheitsphase ist das
alles wunderbar.

[00:07:28.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann verschiedene Programme reinkommen, dann kann es schnell ein Chaos
geben, eine wahnsinnige Korrepetition. Zusammen mit dem Kind gibt es dann ein
Chaos.

[00:07:39.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ehe genügt schon, um ein Chaos zu veranstalten.

[00:07:43.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ist denn das Konfliktverhalten in der Partnerschaft, von ADHS/ADS Partnern?

[00:07:54.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig sind beide betroffen, weil sie sich ja auch anziehen.

[00:08:00.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Partner äussert seine Meinung über ein Problemthema, welches den anderen auch
betrifft. Das Kind betrifft immer beide.

[00:08:27.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Der andere greift in seiner schnellen, impulsiven Reaktivität im Satz ein, bevor der
andere seinen Satz fertig gesagt hat und bringt seine Meinung.

[00:08:37.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sagt der erste: ich bin noch gar nicht fertig und will sich wieder einbringen. So
geht das hin und her.

[00:08:44.690] – Dr.med. Ursula Davatz

Im Argumentieren gibt es verschiedene Vorgehensweisen.

[00:09:04.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man verzweifelt ist, gibt es das Argumentum ad Personam. Zu Deutsch: ein
Tiefschlag. Man geht auf die Person los. Man geht nicht auf eine Eigenschaft los. Man
vernichtet den anderen. Du bist sowieso dumm. Du konntest noch nie richtig denken.
Du bist ohnehin immer hysterisch. Man sagt eine verallgemeinernde Äusserung, man
will den anderen totschlagen, damit man sein eigenes Argument rein bringen kann.

[00:09:39.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das tut, wie kommt der andere zurück? Doppelt so stark. Bis einer sagt: ich
gebe auf und weggeht.

[00:09:50.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Da beide viel Energie haben, gehe sie noch mehr aufeinander los.

[00:09:55.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Derjenige, welcher sein Argument rüberbringen will, versucht den anderen tot zu
schlagen mit einem Argumentum ad personam. Er gibt dem anderen einen Tiefschlag.
Er macht es in Not, um Platz zu schaffen, um seine Argumente rüberzubringen.

[00:10:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit bewirkt er genau das Gegenteil. Der andere kommt noch mehr wie ein Vulkan
zurück.

[00:10:15.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Schluss endet die Auseinandersetzung mit dem Gefühl, der hört mir nie zu. Beide
sagen genau das gleiche. Der hört mich nie, der lässt mich nie ausreden. Der andere
sagt das auch. In der Paartherapie höre ich das immer.

[00:10:47.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Es stimmt für beide.

[00:10:53.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Keiner kann zuhören. Keiner kommt zum Ausreden.

[00:10:53.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder spricht dem anderen bereits nach dem ersten Wort rein, weil er denkt, er weiss
was der andere sagen möchte. Er muss gleich wieder sein Argument bringen.

[00:11:01.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort liegt auch eine allgemeine Eigenschaft der Menschen, welche die ADHS/ADSler
noch mehr haben.

[00:11:09.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine kognitive Erfassung. Wir arbeiten mit Automatismen, Schubladendenken.

[00:11:21.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn nur ein Accessoire, das in die Schublade gehört, gezeigt wird, sagt man schon,
dass es diese Schublade ist. Man hört sich den Resten gar nicht an.

[00:11:29.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht hätte derjenige, welcher etwas gesagt hat noch andere Accessoires
hinzugefügt. Dann wäre etwas ganz anderes herausgekommen.

[00:11:37.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht davon aus, dass er mit dem einen Accessoire, mit dem einen Wort das
gemeint hat, was in die Schublade gehört, wo man meint. Darauf reagiert man.

[00:11:49.140] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann man aneinander vorbei argumentieren. Keiner fühlt sich verstanden, keiner
fühlt sich gehört und keiner kann ausreden, beide fühlen sich sehr einsam in der
Beziehung.

[00:12:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das höre ich immer, dass sie ganz ganz einsam sind.

[00:12:07.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Haben sie das in ihrer Partnerschaft bereits erlebt oder klingt das völlig Spanisch?

[00:12:22.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie versuchen sie das zu bremsen? Was haben sie für Methoden um das zu
unterbrechen?

[00:12:35.420] – Bemerkung 1
Den anderen ausreden lassen.

[00:12:59.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie versuchen sich zurück zu nehmen. Sie versuchen ihre Impulsivität zu zügeln und
zum Ende des Satzes zuzuhören.

[00:12:59.550] – Bemerkung 2
Wenn ich das Gefühl habe: ich weiss schon was er erzählt. Ich versuche es.

[00:13:15.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sagen genau das. Sie haben das Gefühl, dass sie wissen, was er sagen möchte
und er sagt einfach wieder das Gleiche. Sie haben das eine Accessoire und sie kennen
den Rattenschwanz.

[00:13:20.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Obwohl sie das denken, versuchen sie sich Mühe zu geben, bis zum Ende zuzuhören.
Er fühlt sich nicht ernst genommen, wenn er nicht ausreden darf.

[00:13:34.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gelingt ihnen nicht immer. Was machen sie dann? Dann reden sie wieder rein?

[00:13:34.820] – Bemerkung 3
Mein Mann sagt dann zu mir: jetzt hörst du mir bis zum Ende zu.

[00:13:42.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann nehmen sie sich zusammen?

[00:13:42.530] – Bemerkung 3
Dann schnaufe ich durch und strenge mich wirklich an.

[00:13:50.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim zuhören und sprechen, geht es um ganz einfache Regeln, wie beim Morsecode.

[00:13:56.380] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Morsecode

[00:13:56.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Solange man gemorst hat, konnte nur einer sprechen, der andere musste zuhören,
sonst war der Kanal unterbrochen.

[00:14:06.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich muss man sich wieder an diese Regel halten.

[00:14:06.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss vereinbaren, wer jetzt spricht und wer zuhört. Es dürfen nicht beide
gleichzeitig sprechen oder zuhören.

[00:14:18.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich einigen: du sprichst jetzt und ich höre dir zu.

[00:14:24.350] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn derjenige, welcher zuhören muss so hyper ist und das nicht richtig kann, sich fast
nicht beherrschen kann, dann habe ich dem gesagt, er solle ein Notizblock oder ein
Büchlein hervornehmen. Das was ihm dazu in den Sinn kommt, soll er notieren.

[00:14:40.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Persönlich habe ich es so gemacht, wenn ich einen Vortrag gehört habe und nicht
aufstrecken durfte, habe ich mein Büchlein hervor genommen und rein geschrieben.

[00:14:53.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat Angst, dass man vergisst, was man sagen wollte, deshalb will man es sofort
sagen.

[00:14:58.740] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man ein Notizbüchlein hat und es sofort aufschreibt, was man sich dazu gedacht
hat, kann man sich gelassen wieder setzen und den Rest noch anhören.

[00:15:09.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wäre das eine Möglichkeit?

[00:15:10.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein kleines Büchlein, das man hervorholt.

[00:15:17.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es vielleicht dem anderen sagen: ich muss jetzt das notieren, damit ich nicht
zappelig werde, damit ich dir nicht dreinrede, aber du sollst dich nicht stören lassen.

[00:15:17.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem, wenn der andere auch so über reaktiv ist, dann denkt der: was schreibt sie
jetzt auf? Sicher irgendetwas Böses. Dann wird er wieder gestört. Daran muss er dann
arbeiten.

[00:15:46.120] – Dr.med. Ursula Davatz

Es kann einem beruhigen, wenn man das was man denkt nicht raus spricht sondern
aufschreibt.

[00:15:47.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Sinnesrendundanz.

[00:16:01.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie bekommen eine Botschaft, sie denken etwas dazu und wie wollen das gleich sagen.

[00:16:09.240] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem sie, anstatt dass sie es sagen, es aufschreiben, verwenden sie ihre Sinne, sie
handeln. Sie können nicht ganz so schnell schreiben, wie sie denken.

[00:16:18.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich etwas disziplinieren, Sie müssen sich ein Bild machen, sie müssen
sich formulieren. Das tut ihnen gut.

[00:16:30.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das holt sie ein wenig runter. Das bündelt sie ein wenig, beruhigt die Situation.

[00:16:44.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können ein wenig zurücklehnen und denken: ich weiss dann noch, was ich sagen
möchte.

[00:16:47.520] – Bemerkung 4
Ich weiss nicht, ob ich das kann, meine Gedanken aufschreiben und gleichzeitig redet
mein Partner weiter. Dann höre ich ihm wieder nicht zu und er fühlt sich auch nicht erst
genommen.

[00:16:58.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann passieren.

[00:16:58.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man denkt, der redet sowieso immer das Gleiche, dann macht das nicht so viel.

[00:17:07.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist das kleinere Übel.

[00:17:13.320] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man aufschreibt, beruhigt man sich und fällt ihm nicht ins Wort.

[00:17:18.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann schon sein, dass der Partner denkt: du hörst mir gar nicht zu.

[00:17:21.910] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Menschen können Multitasking machen. Von dort her hören sie immer noch
zu und da schreibt es halt etwas.

[00:17:29.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Lehrer fühlen sich gestört, wenn das ADHS/ADS Kind in der Schule zeichnet. Die
sagen: ich kann besser aufpassen, wenn ich zeichne. Das verstehen die Lehrer nicht.

[00:17:29.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man seinem Partner sagen.

[00:17:45.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich da etwas aufschreibe, macht das mein Zuhören wieder frei.

[00:17:51.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Zuhörkanal wird wieder frei, weil ich mich entlaste mit meinen Gedanken, die ich
da rauslasse.

[00:18:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz

Sonst verplatzt es mich fast, dass ich da was sagen muss.

[00:18:03.380] – Bemerkung 5
Das kann eine Abmachung sein: ich warte jetzt einen kleinen Moment, die muss das
zuerst einmal aufschreiben.

[00:18:09.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das könnte man auch sagen. Warte schnell, du darfst nachher weiterfahren, ich
brauche etwas Zeit um meinen Gedanken zu notieren. Dann verlangsamt es.

[00:18:18.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht um verlangsamen, beruhigen und nicht eskalieren.

[00:18:25.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird etwas aufgewertet. Ich würde nicht sagen, aufwerten. Es wird etwas verstärkt,
beschleunigt, akzeleriert.

[00:18:36.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem sie sagen, warte kurz, ich muss es aufschreiben, damit ich meine Gedanken
nicht vergesse, und dann höre ich wieder zu, dann verlangsamen sie die Interaktion.

[00:18:46.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sowieso gut.

[00:18:48.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Therapeutin, wenn es da so hin und her geht, dann muss ich sagen: halt, stopp,
stopp, stopp, ich komme nicht mit, etwas langsamer, dann frage ich nochmals nach.

[00:18:53.180] – Dr.med. Ursula Davatz
ich muss auch immer verlangsamen.

[00:18:58.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Was machen andere, wenn es eskaliert?

[00:19:08.630] – Bemerkung 6
Warten. Es braucht einfach Geduld. Wenn man einen Partner hat, der ADHS/ADS hat
und man es selber nicht hat, und man weiss, dass es sehr emotional ist, gerade in
diesem Moment, braucht es halt wirklich Geduld und ein dickes Fell. Aber man wartet.
Vielleicht eine Stunde, vielleicht zwei. Je nachdem, wie dringend das Thema ist.
Vielleicht auch einen Tag. Wenn man es dann nochmals anspricht, geht es plötzlich.

[00:19:30.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Super.

[00:19:30.880] – Bemerkung 6
Das Ziel sollte sein, dass man sich irgendwo einigen kann. Nicht in dieser Minute,
sondern dass man eine Lösung findet.

[00:19:35.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Richtig. Das ist eine ganz gute Methode. Ich nenne das Problemlösung in mehreren
Stufen.

[00:19:53.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ADHS/ADS Mensch ist man eher so geartet: ich will es gerade jetzt lösen, ich
brauche die Lösung sofort. Genau das geht nicht.

[00:20:06.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Guter Wein muss sich setzen, der Tee muss sich setzen, der Kaffee muss sich setzen.
Man lässt es ein wenig setzen.

[00:20:17.450] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man den ADHS/ADSler ruhig stellen möchte, mit Argumenten, das geht nicht. Er
hört nicht zu. Es eskaliert. Er fühlt sich nicht ernst genommen. Er dreht seine Emotionen
noch mehr auf.

[00:20:34.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geschieht oft den Ärzten, wenn sie ein ADHS/ADS Person gegenüber haben. Die
jammern und dramatisieren. Sie versuchen immer dagegen zu argumentieren. Umso
mehr wird dramatisiert.

[00:20:44.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Emotionen lassen sich nicht mit Argumenten beruhigen. Im Gegenteil, das ist wie Öl ins
Feuer oder ein Schlag ins Wasser. Sie steigen eher nach oben.

[00:20:55.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Emotionen beruhigen sich nur, wenn man selber ruhig wartet.

[00:21:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Gegenüber ruhig ist.

[00:21:07.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann häufig das Problem in dem Moment nicht lösen.

[00:21:10.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Da lohnt es sich zu sagen: das ist jetzt so erhitzt, wir vertagen das und wir kommen
wieder darauf zurück.

[00:21:16.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Frauen haben Angst, dass es der Mann einfach vergisst.

[00:21:16.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Er geht jetzt weg und dann ist es einfach vorbei. Das stimmt, das wird auch häufig
gemacht. Es wird einfach abgebrochen. Dann spricht niemand mehr darüber.

[00:21:31.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht zum Alltag über, weil man Angst hat, wenn man es wieder angehen würde,
würde es wieder eskalieren.

[00:21:36.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, es lohnt sich, das Thema wieder anzugehen, wenn sich alles beruhigt hat, auf
folgenden Art und Weise.

[00:21:52.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt, man wolle noch einmal von dieser Situation sprechen. Es ist dort eskaliert
und wir waren verschiedener Meinung.

[00:22:01.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sollte man die Situation völlig wertfrei, strukturell beschrieben.

[00:22:08.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es war die und die Situation. Du hast das und das gesagt. Ich habe das und das so
empfunden. Ich habe so und so reagiert.

[00:22:17.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Interaktionsmodell, den Pingpong, ruhig und langsam beschrieben, ohne
Bewertung.

[00:22:26.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann erst am Schluss, wenn man sehr überlegen ist, kann man den anderen fragen,
was hat dich dort so verrückt gemacht? Was hat dich dort so verletzt?

[00:22:42.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist man in der fragenden Position und in der zuhörenden Position.

[00:22:42.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Man breitet zuerst die Situation aus und dann fragt man nach den Emotionen.

[00:22:47.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann darf er sie erklären. Dann hört man zu, fragt vielleicht noch nach und er darf es
noch besser erklären, also differenziert erklären. Dann muss man eine Art eine
Wertschätzung geben. Man sagt dem "validieren" in der Kommunikationssprache.

[00:23:02.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss seine Aussage über seine Emotionen, seine Verletzungen validieren.

[00:23:09.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann eine kleine Pause.

[00:23:12.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht mit: aber, ich, auch. Sondern das setzen lassen.

[00:23:13.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt beschreibe ich noch, wie es für mich war. Dann kann man sagen, was einem
verletzt hat, was einem verrückt gemacht hat.

[00:23:23.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht gleichzeitig.

[00:23:23.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist immer das Problem.

[00:23:28.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder will gleichzeitig zeigen, wie er gelitten hat, wie er verrückt geworden ist. Dann
geht natürlich gar nichts.

[00:23:41.390] – Bemerkung 7
So funktioniert es fast immer. Man muss wirklich Geduld haben, auch wenn es einem
extrem beschäftigt. Man hat die Energie um ruhig zu bleiben. Das ist das Mitbringsel in
eine Beziehung mit jemanden, der ADHS/ADS hat. Es kostet viel Energie, am Ende des
Tages hilft es beiden und es hilft der Sache.

[00:24:05.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut richtig.

[00:24:05.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Problemlösung in mehreren Stufen.

[00:24:12.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht meinen: jetzt muss alles gelöst werden.

[00:24:14.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig sieht alles ein bisschen anders aus, wenn man mal darüber geschlafen hat.
Dann kann man es ruhiger angehen und es sieht wieder ein wenig anders. Es lohnt
sich. Man darf nicht vergessen, was man drannehmen möchte.

[00:24:14.860] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle wäre auch wieder das Notizbuch hilfreich.

[00:24:23.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das und das ist das Problem. Das war die Situation. Das wollte ich eigentlich sagen,
aber ich konnte es nicht sagen, weil alles eskaliert ist.

[00:25:03.920] – Bemerkung 8
Oftmals findet das Gespräch dann auf einem viel gesitteteren Weg statt. Es ist dann für
beide angenehmer. Für mich ist das Sprechen dann viel angenehmer.

[00:25:04.120] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist eine Art ein Versöhnungsverhalten und ein viel tieferes Verständnis vom anderen.
Das ist das schöne an einer Partnerschaft, dass man sich immer besser kennenlernen
kann. Man muss sich die Zeit nehmen. Es ist erkenntnismässig etwas dabei und
gefühlsmässig, im Sinne der Versöhnung.

[00:26:12.570] – Bemerkung 9
Ich lasse dann irgendeinen Bullshit raus. Danach bereue ich das. Man hat
Schuldgefühle. Man hat das gar nicht so gemeint. Es ist nicht nur in der Beziehung, es
ist auch im Geschäft so. Wenn ich an einer GL Sitzung bin, und ich muss dort etwas
erreichen, dann halte ich sehr wenig aus.

[00:26:40.040] – Bemerkung 9
Meinem Chef habe ich gesagt: ich habe ADHS/ADS. Er war sehr positiv. Er schaut mich
an und stoppt mich. Weil ich ja sehr sensibel bin auf das, merke ich das und dann
stoppe ich. So holt er mich runter.

[00:26:40.390] – Bemerkung 9
Wenn es in unserer Partnerschaft ganz schlimm wird, dann ergibt es sich, dass mich
meine Frau einfach festhält. Sehr bewusst, das beruhigt mich.

[00:27:07.340] – Bemerkung 9
Danach habe ich immer irgendwie Schuldgefühle. Ein Schuldgefühl ist dann da.

[00:27:07.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Schuldgefühle sind schrecklich.

[00:27:57.130] – Bemerkung 9
Ich habe die Vorstellung in mir: ich stehe mit beiden Füssen auf dem Boden und zähle
zuerst einmal auf zehn. Ganz einfach. Das ist wahnsinnig.

[00:27:57.430] – Bemerkung 9

Ich komme ab und zu an Menschen ran, die explosiv sind. Ich stehe dann darüber. Ich
weiss genau wie er reagiert. Das können sie ausspielen. Sie können ihn runterholen
oder ihn mit einem Wort hoch bringen.

[00:29:01.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind sie bereits sehr versatil. Das sind sie sehr gut im spielen mit dem Ganzen. So
wie im Tennisspiel, wo man verschiedene Strategien verwenden kann.

[00:29:03.870] – Bemerkung 9
Das kann man auch ausnutzen. Man kann den anderen auch steuren. Er weiss nicht,
dass ich weiss wie er sich fühlt.

[00:29:15.940] – Bemerkung 9
Wenn ich einen Kunden berate, kann ich damit spielen. Das ist auch noch gefährlich.

[00:29:24.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es als Machtinstrument verwenden und den anderen manipulieren.

[00:29:28.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Ethik, dass man von seinen Fähigkeiten weiss, dass man sie im Berufsleben
auch einsetzt. Man wäre ja dumm, man würde es nicht tun. Man soll sie aber nicht
missbrauchen.

[00:29:46.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Zurück zu den Schuldgefühlen. Das stimmt, wenn man explodiert ist und dann etwas
rauslässt, das man lieber zurücknehmen würde, dann kann man sehr von
Schuldgefühlen gefangen sein.

[00:29:58.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Mann oder Frau, bei den Männern ist das häufiger. Der Stolz gibt es einem nicht zu, zu
sagen: ich habe es dort nicht so gut gemacht.

[00:30:12.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen können es eher. Mütter gehen oft auch zum Kind und sagen: es tut mir leid. Sie
entschuldigen sich sogar. Ich bin dort einfach ein wenig ausgerastet.

[00:30:20.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Für Männer ist das schwieriger. Männer sind stärker im Dominanzverhalten. Von dieser
Dominanz wegzugehen, ist eine Demütigung.

[00:30:31.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Für den Mann wäre es sehr hilfreich, wenn er auch zugeben könnte, dort war ich ein
bisschen daneben.

[00:30:31.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier können sie die gleiche Methode verwenden, welche ich bereits erwähnt habe: ich
möchte nochmals auf unsere Auseinandersetzung zurück kommen.

[00:30:46.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das und das und das ist passiert. Das und das hat mich zum Explodieren gebracht. Sie
sprechen von ihrer Verletzung, denn die Explosion ist eigentlich nur eine Verteidigung
oder eine Verdeckung der Verletzung.

[00:31:04.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie von der Verletzung sprechen können, dann versteht sie jede Frau.

[00:31:04.560] – Dr.med. Ursula Davatz
An sich versteht sie auch ein Mann.

[00:31:04.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur in der Kampfsituation, darf man nicht die Wunden zeigen. Dort schlägt der andere
rein.

[00:31:04.700] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir sind nicht ständig im Wettkampf. Wir leben auch zusammen.

[00:31:23.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wäre hilfreich, wenn sie zurückkommen können und sagen: das und das hat mich
verletzt. Darum habe ich so dreingeschlagen. Man schlägt nur so drein, wenn man
verletzt ist. Wenn es einem zu nahe geht. Sich in der Friedenssituation verletzlich zu
zeigen ist Grösse, das ist Stärke.

[00:31:48.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Krieg darf man das nicht zeigen, da muss man so tun, als ob man unantastbar wäre.

[00:31:59.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wäre das eine Möglichkeit?

[00:32:01.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche gilt auch für den Arbeitsplatz.

[00:32:13.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie schaut der Chef sie an, um ihnen zu sagen, dass sie bremsen müssen?

[00:32:14.700] – Bemerkung 10
Ich habe die Eigenschaft, dass ich mich steuern kann. Ich habe ihm gesagt: ich lasse
das zu, du musst mich steuern. Er macht es so oder so.

[00:33:00.000] – Bemerkung 10
Ich nehme ihn zum Teil auch mit, weil er meine Emotionen gut steuern kann.

[00:33:00.360] – Bemerkung 10
Bei den Kindern spiele ich gerne den Clown. Das kommt in der Pubertät gar nicht gut
an. Die Kinder sagen, dass ich nicht zuhöre.

[00:33:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich komme auf die Partnerschaft zurück. Der Chef kann sie steuern. Sie akzeptieren
den Chef auch als Führungsfigur. Sie lassen sich steuern. Wenn man den Chef nicht
akzeptieren würde, ginge das nicht.

[00:33:47.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist man in der Partnerschaft gleichgestellt.

[00:33:54.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Partner das Signal gibt: es reicht, stopp. Dann kann es je nachdem, genau
das Gegenteil bewirken.

[00:33:58.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Du hast doch nicht das Recht, mir zu sagen, wann ich stoppen muss.

[00:34:01.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich stoppe dann, wenn ich will.

[00:34:02.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Du kannst mir nicht befehlen.

[00:34:04.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Partner zu Partner kann man dem anderen gar nichts befehlen.

[00:34:09.760] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Moment stellt man sich in eine Autorität rein.

[00:34:12.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem erträgt das der ADHS/ADS Betroffene überhaupt nicht.

[00:34:19.480] – Dr.med. Ursula Davatz

Körperkontakt kann je nachdem funktionieren, aber auch das kann schiefgehen.

[00:34:26.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Fass mich nicht an, lass mich in Ruhe.

[00:34:27.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin einfach verrückt und man macht weiter.

[00:34:30.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde den Partnern nicht unbedingt anraten, dass sie immer so steuern. Bei einigen
Paaren geht das, aber es geht nicht immer.

[00:34:39.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann funktioniert es besser wenn man ein wenig zurück geht, wartet, runterfahren
lassen.

[00:34:46.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Emotionen haben es an sich. Sie steigern sich zu einem Höhepunkt und dann kommen
sie wieder runter.

[00:34:53.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Wellen kommen von selbst wieder runter.

[00:34:57.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe das Beispiel vom Tsunami.

[00:35:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Wellen auf dem Meer, die eine sehr lange Wellenlänge haben und eine niedrige
Amplitude.

[00:35:06.340] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn die ans Land kommen und dort hat es eine Felswand, dort gibt es eine
Aufbäumung, also einen Tsunami, also eine Monsterwelle. Wenn es hingegen flach ist,
dann geht es rein und raus, rein und raus und irgendwann ist die Energie vorbei.

[00:35:25.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den emotional aufgeregten gewaltsamen stoppen will, dann bäumt es sich
gleich noch auf.

[00:35:33.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Kennen sie das?

[00:35:50.280] – Bemerkung 11
Ja natürlich.

[00:35:57.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Was muss man bei ihnen tun, um sie zu beruhigen?

[00:35:58.010] – Bemerkung 11
Das ist unterschiedlich. Schreiben funktioniert nicht. Ich kann stundenlang schreiben
aber das nützt mir nichts.

[00:36:07.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Was macht ihr Partner, das gar nicht funktioniert? Wir müssen zuerst hören, was nicht
funktioniert. Dann können wir vielleicht besser korrigieren.

[00:36:07.770] – Bemerkung 12
Berührungen funktionieren nicht. Davon laufen.

[00:36:07.970] – Bemerkung 11
Das ertrage ich schon gar nicht.

[00:36:27.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Davon laufen ist Beziehungsabbruch, Liebesentzug. Wenn man auf 100 ist und der
andere läuft davon, lässt er einen jämmerlich im Stich.

[00:36:41.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will gegen etwas kämpfen, dann kämpft man gegen Windmühlen, gegen die Luft,
gegen die Wand. Das ist schrecklich. Da könnte man wirklich noch mehr ausrasten.

[00:36:50.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erträgt man gar nicht. Von dort her ist das eigentlich nicht so gut.

[00:36:57.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Was machen sie sonst noch? Was möchten sie in einem solchen Moment, wenn sie auf
100 oben sind?

[00:37:21.170] – Bemerkung 11
Abladen, ohne Reaktion.

[00:37:21.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wollen, dass er das einfach über sich ergehen lässt.

[00:37:29.090] – Bemerkung 11
Genau.

[00:37:43.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Darf er sich irgendwie bewegen?

[00:37:43.400] – Bemerkung 11
Nein.

[00:37:43.440] – Dr.med. Ursula Davatz

Er muss wie ein Fels in der Brandung, wie eine Statue da sitzen.

[00:37:43.480] – Bemerkung 11
Mein Mann ist ADHS/ADS betroffen. Ich habe einfach eine Impulsstörung.

[00:37:53.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ja egal, wie wir es nennen.

[00:37:56.320] – Bemerkung 11
Ja, und dadurch kann er es auch nicht aushalten.

[00:37:59.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht lernt er es ja.

[00:38:03.680] – Bemerkung 11
Ja, er ist auf gutem Wege. Wir lernen beide.

[00:38:10.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist für sie schwierig, wenn die Monsterwelle ihrer Frau kommt, ihre Emotionen?
Was ist das Schwierigste?

[00:38:31.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Verletzt sie es? Sie fühlen sich gezwungen, dagegen zu halten? Und dann wird es noch
stärker?

[00:38:41.740] – Bemerkung 12
Ja.

[00:38:47.260] – Bemerkung 12
Wegen was müssen sie zurück geben. Wo ist ihre Verletzung? Was müssen sie
schützen?

[00:38:48.380] – Bemerkung 12
Ich muss mich selber schützen, damit ich mich nicht klein fühle.

[00:38:57.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Waren sie schon mal am Meer. Sind sie schon mal unter den Wellen durch getaucht?

[00:39:09.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Kind, wenn man lernt, mit Wellenschlag umzugehen, wenn man den Kopf oben
behalten will, dann schluckt man sicher Wasser, Sand und alles Mögliche und hat
Angst.

[00:39:21.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sagt, jetzt kommen die Wellen, Achtung, ich muss kurz die Luft anhalten, sie
geht über mich hinweg, dann wird es wieder ruhig und dann man kann man wieder die
Übersicht behalten.

[00:39:34.044] – Dr.med. Ursula Davatz
Würde ihnen das helfen?

[00:39:34.260] – Bemerkung 12
Es ist mir auch schon gelungen, das Ganze über mich ergehen zu lassen.

[00:39:52.140] – Bemerkung 12
Wenn ich nicht reagiere, ist es nicht sehr beruhigend für mich.

[00:39:58.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat vorhin gesagt: ich will abladen dürfen, ohne dass er etwas macht.

[00:40:11.440] – Dr.med. Ursula Davatz

Problemlösung in verschiedenen Stufen. Wenn sie als Erstes das über sich ergehen
lassen, wie eine Welle im Meer, erst dann sich wieder sammeln und dann etwas sagen.
Wäre das eine Möglichkeit?

[00:40:16.020] – Bemerkung 12
Ja

[00:40:31.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er die Dinge aufschreiben würde, würde sie das verrückt machen?

[00:40:36.100] – Bemerkung 11
Ja.

[00:40:37.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Warum?

[00:40:47.200] – Bemerkung 11
Weil er dann auf das konzentriert ist. Weil er mir dann nicht zuhört.

[00:40:47.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ihr Feuerwerk haben, wollen sie absolute Aufmerksamkeit?

[00:40:53.820] – Bemerkung 11
Ja.

[00:40:53.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er es im Kopf behält und nachher etwas sagt, wäre das akzeptabel?

[00:41:08.300] – Bemerkung 11
Wenn er es im Kopf im behält, dann schon.

[00:41:10.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er es nicht aufschreibt, nur im Hinterkopf behält? Wäre das okay?

[00:41:18.060] – Bemerkung 11
Ja.

[00:41:18.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Könnten sie es im Kopf behalten, was sie sagen wollten?

[00:41:26.500] – Bemerkung 12
Später formuliere ich das, was ich sagen wollte, ganz anders.

[00:41:32.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie meinen Sie?

[00:41:33.430] – Bemerkung 12
Ich habe mir das notiert. Ich werde es versuchen, mit dem Notizblock, damit ich weniger
reinreden muss.

[00:41:47.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können es auch erst nachher notieren.

[00:41:51.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann das ja irgendwie durchgehen lassen und sie können irgendetwas Banales
darauf sagen, aber sie speichern im Kopf noch etwas.

[00:41:57.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kommen dann am nächsten Tag darauf zurück. Dann wäre es wieder die Situation
rekonstruieren und dann schauen, was hat sie eigentlich so verrückt gemacht, was hat
den Sturm ausgelöst hat.

[00:42:09.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Hinterher, wenn sie das alles sagen konnten, darf er dann sagen wie es für ihn war, als
die Welle über ihn drüber gegangen ist.

[00:42:14.190] – Dr.med. Ursula Davatz
In zwei oder drei Teile aufteilen. Ist das eine Möglichkeit?

[00:42:24.510] – Bemerkung 12
Ja, das ist eine Möglichkeit. Am nächsten Tag denke ich oft: lassen wir das Thema doch
am besten.

[00:42:35.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein.

[00:42:35.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sitzen sie am nächsten Tag mit sich selbst hin.

[00:42:39.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der Mann, der hier einfach abspalten will. Wir Frauen wollen die Probleme
immer lösen.

[00:42:43.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Sitzen sie mit sich alleine hin und schreiben sie ein bisschen auf, was war eigentlich,
was hat sie gesagt, was hat mich verletzt, was hat mich verrückt gemacht. Gehen das
Ganze so ein bisschen durch, sortieren es.

[00:42:58.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann, wenn sie sich ein Bild gemacht haben, gehen sie wieder zurück zu ihr und sagen,
dass sie darüber noch einmal sprechen wollen.

[00:43:05.700] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie werden sehen, wenn sie von dem Stier davon rennen, dann trifft er sie von hinten.

[00:43:16.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie auf den Stier zugehen und ihn an den Hörnern packen, dann können sie mit
ihm umgehen.

[00:43:21.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird ihnen leichter fallen.

[00:43:22.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Tier denkt man, dass es ein männliches Tier ist. Im Sternzeichen ist der Stier mit
der Venus zusammen.

[00:43:31.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich ist der Stier ist die geballte Emotionalität der Frau.

[00:43:38.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Der griechische Held, der ins Labyrinth hineingehen musste, um den Minotaurus (einen
menschenfressenden Stier mit einem menschlichen Körper und einem Stierkopf) zu
bekämpfen, war Theseus. Theseus war der Sohn des ägäischen Königs Aigeus und
eine bedeutende Figur in der griechischen Mythologie. Er meldete sich freiwillig, um
nach Kreta zu reisen und den Minotaurus zu töten, der sich im von Daedalus erbauten
Labyrinth befand.Mit der Hilfe von Ariadne, der Tochter des kretischen Königs Minos,
der ihm einen Faden (den sogenannten Ariadnefaden) gab, konnte Theseus seinen
Weg durch das Labyrinth finden, den Minotaurus besiegen und danach sicher wieder
herausfinden.

[00:43:58.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mann muss die Emotionalität der Frau bekämpfen, nicht indem er davon rennt,
sondern indem man sich dieser Emotionalität stellt.

[00:44:08.440] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie werden so viel stärker werden und so viel vorwärts kommen, wenn sie sich dieser
geballten Emotionalität ihrer Frau stellen.

[00:44:21.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die spanischen Matadoren üben das immer im Stierkampf.

[00:44:26.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen nicht in die Arena gehen, sie haben es jeden Tag zu Hause.

[00:44:30.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, probieren sie es mal.

[00:44:40.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Es lohnt sich, darauf zurückzukommen, es lohnt sich, dieser Sache zu stellen. Sie
lernen mehr. Sonst machen sie mehr vom Gleichen und es ist so frustrierend.

[00:44:48.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Nehmen sie es als Lernmöglichkeit.

[00:44:52.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem sie geordnet darauf zurückgehen, analysieren, für sich alles ordnen. Dann
kommen sie darauf zurück. Sie fangen das Gespräch an und sagen, dass sie noch
einmal darüber sprechen möchten.

[00:45:03.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie fragen sie, was hat dich eigentlich so geärgert, was hat dich so in Wallungen
gebracht?

[00:45:09.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann sie es ein wenig erklären.

[00:45:15.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sagen: ah, ah, ah. Zuhören.

[00:45:15.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Und jetzt möchte ich noch meine Seite darstellen. Bist du bereit zum zuhören?

[00:45:30.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie beim Morsen, hast du auf zuhören geschaltet?

[00:45:37.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann erzählen sie ihre Seite. Dann werden sie mehr wahrgenommen, als Matador.
Üben, nicht verzweifeln. Es geht X Mal wieder schief. Übung macht den Meister. Es
lohnt sich, diese Dinge zu üben. Es ist spannend. Man lernt den anderen viel
differenzierter kennen. Man lernt sich selber auch differenzierter ausdrücken. Die
emotionalen Dinge, werden nicht einfach abgespalten. Ich befasse mich nur mit dem
Intellekt.

[00:46:41.590] – Bemerkung 13
Die Situation kommt mir sehr bekannt vor. Bei uns ist das nicht anders. Ich bin sehr
impulsiv. Ich habe ADHS/ADS in mir. Mein Mann ist stark betroffen.

[00:47:46.230] – Bemerkung 13
Das Abladen hat manchmal keinen Sinn dahinter, es hat keine Bedeutung. Es ist
einfach ein Abladen. Das Gegenüber muss das ertragen. Das ist schlimm. Ich habe
volles Verständnis für meinen Mann. Das ist ein schwierige Situation.

[00:48:09.630] – Bemerkung 13
Vielleicht macht es trotzdem Sinn, das am nächsten oder übernächsten Tag nochmals
anzuschauen, speziell wenn man Kinder hat. Was hat zum Schwall geführt? Die Kinder,
der Hund, der Garten?

[00:48:09.830] – Dr.med. Ursula Davatz

Dass man es nochmals genau anschaut, jeder von seiner Perspektive her. Seine
Perspektive sehr genau schildern, ohne den anderen überzeugen zu wollen, ohne
Recht haben zu wollen. Es gibt immer zwei Wahrheiten, wenn es zwei Personen sind.
Mit dem Kind gibt es noch eine dritte Wahrheit.

[00:48:38.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur seine Situation darstellen, möglichst ruhig. Ohne anzugreifen, ohne zu verurteilen,
ohne zu werten.

[00:48:43.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann darf der andere seine Situation darstellen.

[00:48:44.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es etwas dazwischen.

[00:48:46.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Differenzierung.

[00:48:47.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht auf den gleichen Nenner kommen wollen. Ja nicht zu schnell auf den gleichen
Nenner kommen wollen. Das ist gefährlich. Dann gibt es gleich wieder einen Kampf.

[00:49:03.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Manfred Spitzer hat noch von der Sozialisation erzählt.

[00:49:07.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines ist die genetische Vererbung, das andere ist die Sozialisation.

[00:49:12.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Überall dort, wo sie stark reagieren, sehr emotional reagieren, hat es auch eine
Prägung ihrer eigenen Geschichte.

[00:49:21.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können auf die eigene Geschichte zurückgehen.

[00:49:25.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Familientherapeutin und nehme immer drei Generationen auf.

[00:49:28.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pärchen mit den Kindern, die Eltern, die Kinder, manchmal auch die Grosseltern.

[00:49:34.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn irgendetwas eskaliert, können sie schauen, wie es mit ihre Mutter war, wie es mit
ihrem Vater war.

[00:49:43.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo waren dort die wunden Stellen? Wie habe ich als Kind reagiert, wenn mein Vater
das und das gemacht hat oder nicht gemacht hat.

[00:49:48.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie habe ich auf meine Mutter reagiert, wenn sie das und das gemacht hat oder nicht
gemacht hat. Wo sind meine wunden Punkte?

[00:50:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo trage ich historische Verletzungen in meinem Gedächtnis?

[00:50:04.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Hirn ist ein Speicherapparat, das alles registriert.

[00:50:09.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man registriert über die Emotionalität.

[00:50:12.580] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn etwas nur im Kleinsten erinnert an das, was früher ein dramatisches Erlebnis war,
dann macht es WUMM und die ganze Emotionalität kommt wieder hervor.

[00:50:22.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb lohnt es sich, in seiner Geschichte zurückzugehen.

[00:50:28.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann er machen, wenn er ruhig mit seinem Notizbuch sitzt. Schauen, was in der
Pubertät vorgefallen ist. Was ist vorgefallen, als ich ein Kind war.

[00:50:39.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man hier Zusammenhänge und ähnliche Bilder findet, wenn man das dem
Partner erzählen kann: weisst du, ich habe so stark darauf reagiert, früher war das bei
mir immer so und so. Ich habe damals schon darunter gelitten. Dann löst man sehr viel
Verständnis aus. Dann gehört es nicht nur in die Partnerschaft sondern hat seinen
Ursprung. Dann fühlt sich der Partner auch nicht so sehr dafür verantwortlich, dass alles
schief läuft. Er kann dann sagen: ja, das hat noch mit dem zu tun.

[00:51:10.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Was man dann nicht tun darf: deine blöde Mutter, dein blöder Vater, wegen dem.

[00:51:10.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Obwohl man unter seinen Eltern sehr gelitten hat, vielleicht sogar sehr, vielleicht auch
nicht, ist man ihnen trotzdem noch ein wenig loyal.

[00:51:14.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Selber darf man die Eltern kritisieren.

[00:51:20.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Partner das tut, oh weh! Das geht nicht so gut.

[00:51:36.380] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man schon sehr gut damit gerabeitet hat, dann hält man es mit der Zeit auch aus.

[00:51:36.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Anfang geht das aber nicht so gut.

[00:51:40.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum muss man Respekt und Ehrfurcht haben, vor diesen Verletzungen, welcher der
Partner in seiner Kindheit erlebt hat.

[00:51:44.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann danach fragen und er darf es einem erzählen. Dann hat man mehr
Verständnis.

[00:51:53.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sogar noch lebende Eltern hat, kann man zurückgehen zu ihnen und
ähnliche Situationen hervorholen. Dort es dann anders machen, als man Kind war.

[00:51:53.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wurde von dieser Situation geprägt. Man fühlte sich ohnmächtig.

[00:52:24.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt ist man eigentlich erwachsen und könnte sich anders verhalten.

[00:52:28.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig verhält man sich gleich, als ob man ein Kind wäre.

[00:52:39.240] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man an den eigenen Eltern übt, ist man danach viel überlegener beim Partner.

[00:52:39.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre so ein bisschen eine Möglichkeit.

[00:52:42.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben alle die Tendenz in der Partnerschaft, alles das, was wir nicht hatten zu
Hause, zu erwarten vom Partner. Das ist mit der Erwartungshaltung.

[00:52:54.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben auch die Tendenz, das, was nicht gut war bei den Eltern, wieder auf den
Partner zu projizieren.

[00:53:02.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles, was ein bisschen daran erinnert, ruft sofort wieder die alten Bilder hervor und die
eigene Ohnmachtsreaktion, Wutreaktion oder was es dann immer es ist.

[00:54:01.520] – Bemerkung 14
Seit ich Unterstützung habe, läuft es besser.

[00:54:06.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt einem Motivation umzulernen, Dinge anders zu machen.

[00:54:14.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder sind natürlich ein sehr guter Seismograf, die sofort merkt, wenn etwas anders
läuft. Sie reagieren sehr schnell darauf und geben auch positives Feedback.

[00:54:25.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr belohnend.

[00:54:27.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein gutes Gefühl.

[00:54:47.500] – Bemerkung 15

Früher als Kind, bin ich eher davon gelaufen, wenn etwas gewesen ist. Jetzt ist es zum
Teil so, dass ich zu Hause oder im ganzen Leben, dass ich es abschneide. Es
interessiert mich gar nicht mehr. Ich nehme den anderen gar nicht mehr ernst. Das ist
für meine Frau dann sehr schwierig. Das strahlt man im Geschäft auch ein wenig aus.
Man hört nicht mehr zu. Für den nicht betroffenen Partner oder für die Mitmenschen ist
das ganz schwierig.

[00:55:40.200] – Bemerkung 15
Sobald sie abschneiden, innerlich davonlaufen, innere Kündigung, oder auch
weglaufen, brechen sie die Beziehung ab.

[00:55:52.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erinnert uns immer an Liebesverlust, also an den Liebesentzug von einer Mutter,
die sich entzieht.

[00:55:59.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind alle angewiesen auf Zuwendung, auf Sozialkontakt. Hier wird abgeschnitten.

[00:55:59.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen das für den Eigenschutz tun, damit sie nicht explodieren, damit es nicht
eskaliert.

[00:55:59.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das benennen können, wäre das hilfreich.

[00:56:17.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Anstatt dass sie einfach nur den eisernen Vorhang runterlassen, könnten sie sagen:
jetzt bin ich so überreizt, ich explodiere bald.

[00:56:27.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie einen Kommentar dazu geben können, dann ist es für den anderen besser
nachvollziehbar.

[00:56:38.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie es nur machen, empfinden es die anderen als Abweisung, Rückweisung,
geringe Wertschätzung etc.

[00:56:45.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen es ein bisschen benennen, dass es ein Eigenschutz ist.

[00:56:52.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar, man handelt gerade.

[00:56:56.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie ihre Handlung noch benennen würden, wäre es viel besser verständlich für
das Gegenüber.

[00:57:01.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht eine kleine Sekunde vom Überlegen und dann das Reden.

[00:57:06.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht ein wenig Disziplin.

[00:57:08.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sagen, Sie zählen auf zehn. Dort müssen sie auch schon Disziplin anwenden. Das
ist eine Methode.

[00:57:17.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu dem auf zehn zählen, können sie noch die Methode anwenden: ich benenne mich
jetzt. Ich sage jetzt, was passiert.

[00:57:21.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie fügen Worte zu ihrem Gefühlszustand hinzu.

[00:57:33.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Gefühle in Worte gefasst werden, werden sie schon halb bearbeitet.

[00:57:42.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in den Spiegel schaut um etwas zu verändern, dann ist die Veränderung
schon halb gemacht.

[00:57:46.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie schauen in den eigenen Spiegel, sie reflektieren selber, sie merken: jetzt werde ich
verrückt. Jetzt muss ich einen eisernen Vorhang runterlassen.

[00:57:56.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie das noch benennen, haben sie schon viel dazu beigetragen, dass sie vom
Gegenüber besser verstanden werden.

[00:58:09.030] – Bemerkung 15
Wenn man weiss, dass ich ADHS/ADS bin, und ich nach meinem Ausraster sage, dass
es mir leid tut, hat der andere auch mehr Verständnis. Damit habe ich sehr gute
Erfahrungen gemacht.

[00:59:38.730] – Bemerkung 15
Früher als ich nicht wusste, dass ich ADHS/ADS bin, ich habe es über meinen Sohn
rausgefunden, bin ich ein stolzer ADHS/ADSler. Das bringt mir viel.

[00:59:38.930] – Bemerkung 15
Ich gehe einmal pro Monat ins Coaching. Das ist sehr gut. Ich mache immer wieder
Ausrutscher. Ich verletzte immer wieder Personen. Ich kann es auch suchen.

[01:00:46.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Was hilft der Partnerin am meisten?

[01:00:54.620] – Bemerkung 16
Wenn man später darüber sprechen kann.

[01:01:01.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer greift es auf? Sie oder er?

[01:01:09.120] – Bemerkung 16
Beide, man will den anderen auch nicht verlieren.

[01:01:23.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Schuldbegriff hat es an sich, wenn man sich entschuldigen geht, bei gewissen
Leuten wirkt das so, als ob sie sich unterordnen müssen.

[01:01:44.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Der andere ist der Richtige, ich bin der Falsche, ich muss mich unterordnen. Unter dem
Joch durchkriechen, so wie die Römer ihre Untertanen unter dem Joch durchgehen
liessen.

[01:01:57.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich nicht entschuldigen. Ich will wegkommen von der Schuld.

[01:02:01.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Ganze noch einmal behandeln. Es tut mir leid, dass ich so ausgerastet bin und
noch zeigt, weshalb man ausgerastet ist.

[01:02:10.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat ja einen Grund, weshalb man ausgerastet ist.

[01:02:13.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man mehr in die Dynamik hinein schauen lässt.

[01:02:18.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht um das differenziertere Verstehen, was eigentlich abläuft, damit man den
Prozess ein bisschen besser versteht.

[01:02:25.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Innerhalb von einem lebendigen Prozess, gibt es nie Schuld und Unschuld, Täter und
Opfer. Es ist eine fortlaufende Bewegung, und jeder trägt etwas dazu bei. Es ist ein
dynamisches Konzept, ein lebendiges Konzept.

[01:02:38.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Schuldkonzept ist ein religiöses Konzept, ein wertendes Konzept.

[01:02:42.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hilft nicht so viel.

[01:02:43.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir fühlen uns schuldig, wenn wir so Ausraster haben. Das ist sehr unangenehm. Man
darf sagen, ich fühle mich eigentlich schuldig, dass …

[01:02:43.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber ich sage nicht unbedingt: sie müssen sich entschuldigen.

[01:03:03.450] – Bemerkung 15
Bei mir geht es immer um eine Sache und eine Person und ich möchte die Person nicht
verletzten. Das geht mir nahe.

[01:03:11.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Da leidet man sehr darunter. Es ist wichtig, dass man das sagen darf. Es tut mir so leid,
es tut mir weh, dass ich dich so verletzt habe.

[01:03:19.200] – Bemerkung 17

Die Grundlage einer Beziehung, muss Vertrauen und Einfühlsamkeit sein. Die
Hypersensibilität von ADHS/ADSlern. Ich merke das auch, wenn wir einen Konflikt
haben und ich der Sache auf die Spur versuche zu kommen. Ein Tag später ist der
Auslöser vom Konflikt etwas ganz anderes.

[01:03:48.300] – Dr.med. Ursula Davatz
So ist es.

[01:03:55.610] – Bemerkung 17
Ich verstehe sie gut. Wenn sie sich den ganzen Tag in ein Gefüge geben müssen. Man
muss ja funktionieren. Wenn man keinen Chef hat, der einem hilft, dann hat man am
Ende des Tages einen dicken Hals. Dann kann man von irgendetwas getriggert werden,
von irgendeiner Kleinigkeit.

[01:04:16.820] – Bemerkung 17
Den eisernen Vorhang verstehe ich gut. Es braucht einfach extrem viel Geduld und
Motivation, um sich selber in gewissen Situationen zurückzunehmen. Es kommt dann
so eine Flut.

[01:04:35.160] – Bemerkung 17
Es hat auch effektiv damit zu tun, wie die betroffenen Leute in ihrem Umfeld
aufgenommen werden.

[01:04:50.540] – Bemerkung 17
Alleine ich, der eine Partnerin mit ADHS/ADS hat, mit einem Kind mit ADHS/ADS, dann
wohnen wir nicht in einer Grossstadt, wo viele andere Leute auch ADHS/ADS haben.
Mit dem umgehen zu können, ist für alle eine Qual. Wenn man dann noch eine
Harmonie in den eigenen vier Wänden haben sollte, das geht nicht immer. Daran muss
man arbeiten.

[01:04:50.740] – Bemerkung 17

Man kann doch nicht ohne den Anderen. Vom ADHS/ADSler wird sehr geschätzt, dass
er immer wieder kommt, dass er immer wieder da ist. Dich kann ich wenigstens
anschreien. Auch wenn ich oftmals eine Entschuldigung erwarte, weil es tut mir weh.

[01:05:55.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Partner sage ich: keine Entschuldigung erwarten, darüber sprechen schon.

[01:06:01.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er von sich aus sagt: das tut mir leid, ist das ok. Wir haben nicht das Anrecht,
eine Entschuldigung zu erwarten. Die Erwartung von der Entschuldigung fordert eine
Unterordnung. Das spürt der andere. Genau das will er nicht. Er fühlt sich ja schon
genügend schuldig, dass er ein bisschen ausgerastet ist.

[01:06:19.000] – Bemerkung 18
Ich bin nicht gleicher Meinung. Wenn man bewusst rausholen kann, hier erwarte ich
etwas, dann fühlt sich der Partner in diesem Moment auch angesprochen uns
sensibilisiert, dass er das nächste Mal anders reagieren kann.

[01:06:44.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Stop! Jetzt gehen sie zu sehr vom Kognitiven aus.

[01:06:47.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben hier der Partnerin gegenüber einen erzieherischen Auftrag.

[01:06:55.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben wir nicht, das dürfen wir nicht.

[01:06:55.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen unseren Partner nie erziehen. Das mag er nicht gern.

[01:06:57.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind ja gleichwertig.

[01:07:00.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald wir unseren Partner erziehen wollen, dass er etwas daraus lernt, aus dem, was
wir erwarten, dass er sich entschuldigt, kann es im Partner gleich wieder Abwehr und
Wut aufbauen.

[01:07:09.820] – Bemerkung 18
Das ist mein Bedürfnis.

[01:07:14.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Bedürfnis ist etwas anderes.

[01:07:16.850] – Bemerkung 18
Das ist vielleicht ein etwas milder ausgedrückt. So können wir dann beide Konflikte
vermeiden.

[01:07:23.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Begriff Bedürfnis geht, aber es kann den anderen schon wieder unter Druck setzen.

[01:07:29.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen ihre Verletzlichkeit auch zeigen.

[01:07:29.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Man fragt zuerst, was ihn verrückt gemacht hat.

[01:07:29.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man sagen: das und das, was du gesagt hast, hat mir weh getan. Das hat
mich verletzt. Das hat mich getroffen. Nicht gleich weiter gehen: darum musst du dich
entschuldigen.

[01:07:29.970] – Dr.med. Ursula Davatz

Dass man eher seinen Schmerz und seine Verletzlichkeit zeigt, als dass man etwas
verlangt.

[01:07:55.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Je schwieriger die Situationen sind, und das sehe ich auch als Therapeutin mit
Patienten, wenn ich etwas erwarte, dann geht gar nichts.

[01:08:05.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Je schwieriger etwas zu ändern ist, dann muss ich ganz ruhig etwas sagen können und
nichts erwarten.

[01:08:11.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald ich etwas erwarte, setze ich Druck auf und dann blockiert es.

[01:08:17.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich ihrer Frau etwas beibringen will, wenn ich ihr das den Hals abstopfe, dann
macht es Widerstand.

[01:08:25.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich sage, meine Meinung sei so und das Wort, das du dort gesagt hast, das hat
mich verletzt. Ich wusste dann nicht genau, was ich damit machen soll. Ich war traurig.

[01:08:28.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die eigene Emotionalität hinstellen.

[01:08:43.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt eine Reaktion vom anderen und dann kann er von sich aus darauf reagieren.

[01:08:43.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich eine Entschuldigung erwarte, setzte ich Druck auf, ich drücke den anderen in
ein Gefäss rein. Das kann eher wieder das Gegenteil bewirken.

[01:08:47.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Kein erzieherischer Auftrag dem Partner gegenüber.

[01:08:59.380] – Bemerkung 19
Wenn man zusammen auf den gemeinsamen Nenner gekommen ist, wo das Problem
ist, dass man analysiert, wie man das in der Zukunft vermeiden kann.

[01:09:18.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ok.

[01:09:23.410] – Bemerkung 20
Die Phase der Familiengründung hat viele Stresspunkte und Überforderungen und das
Fass überläuft schnell.

[01:10:02.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so.

[01:10:09.560] – Bemerkung 20
Jetzt wo unsere Kinder älter sind und wir auch ein wenig ruhiger geworden sind als
Eltern, sind wir für jedes Kind hier.

[01:10:21.490] – Bemerkung 20
Im Augenblick, wo die Kinder erwachsen sind, und man ist wieder mehr nur ein Paar ist,
wird so vieles so viel ruhiger. Dann kann man nochmals neu an seine Beziehung
herangehen und sieht ganz vieles ganz anders und viel ruhiger, viel gelassener.

[01:10:37.870] – Bemerkung 20
Dann hat man auf einmal auch mehr Einsicht.

[01:10:38.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas schönes am älter werden.

[01:10:48.220] – Bemerkung 21
Einander ernst nehmen. Wenn der Partner einem etwas erzählt und ich versuche die
Person ernst zu nehmen, geht es darum, dass ich die nicht werte, sondern man es so
nimmt wie man es sieht, damit man es abladen kann. Wenn es zum Negativen kommt,
ist es die Situation vom Partner und hat nicht mit mir und dem Moment zu tun. Ich muss
einfach jetzt herhalten.

[01:11:52.460] – Bemerkung 22
Bei den Kindern kann ich das auch.

[01:11:53.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Kindern geht das besser. Beim Partner ist das schwieriger. Es kann helfen,
wenn man in die Herkunftsfamilie zurück geht, dass man es dann ein wenig besser
versteht und auch besser einordnen kann.

[01:12:06.140] – Bemerkung 23
Das hat mir sehr geholfen bei mir zu bleiben, zu wissen, das gehört zu mir und das
nicht. Es waren nicht mehr die gleichen Verletzungen und ich habe mich nicht mehr
verletzen lassen. Das hat eine andere Dynamik gegeben. Ich finde es toll, dass die
jungen Familien von heute zu viel mehr Informationen kommen, alsdass wir selber
hatten vor 30 Jahren. Das finde ich toll.

[01:12:28.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass man sehen kann, das ist meine Geschichte und das ist die Geschichte vom
Partner. Ich muss das nicht so vermischen.

[01:12:28.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird vermischt, aber dass man es wieder trennt, wieder separiert.

[01:12:33.540] – Dr.med. Ursula Davatz

Ein wichtiger Begriff zum Schluss: die eigene Erwartungshaltung. Dass man seiner
eigenen Erwartungshaltung mehr bewusst wird. Nicht einfach nur, wenn die nicht erfüllt
wird, verrückt werden.

[01:12:33.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man verrückt wird, dass man zurück geht und schaut: was habe ich erwartet in
dieser Situation?

[01:12:54.020] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man sich die Erwartungshaltung eingesteht, versteht man auch besser warum
man verrückt geworden ist.

[01:12:58.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich hat man gar nicht das Recht, irgendetwas zu erwarten.

[01:13:07.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Der andere ist eine eigene Person.

[01:13:17.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die eigene Erwartungshaltung wahrnimmt, aussprechen kann, ist es schon
fast erfüllt.

[01:13:23.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das Gleiche wie wenn man in den Spiegel schaut, um etwas zu lernen. Dann
hat man schon etwas gelernt.

[01:13:33.510] – Bemerkung 24
Wir haben jetzt immer über die Problematik gesprochen. Ich bin jetzt mit einem nicht
ADHS/ADS Menschen zusammen. Wir als ADHS/ADS Menschen bringen, sehr viel
Positives in die Partnerschaft ein. Es wird einem nicht langweilig. Die Partner sollten
sich dessen auch bewusst sein. Die ADHS/ADSler haben viel Positives.

[01:13:53.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das dürfen sie sehr gerne sagen.

[01:14:02.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Psychiaterin schraube ich immer an den Problemen herum. Es ist ganz klar, ADHS/
ADS Partner sind hochinteressant. Sie machen das Leben spannend und von daher
möchte wir sie nicht missen.

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