Mädchenschule Singsaal, Hauptwachplatz 6, 4310 Rheinfelden.
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Transkript
Dr.med. Ursula Davatz
31.3.2014
Die Pubertät, eine Zerreissprobe für die Eltern-Kind-Beziehung.
Audio
[00:00:00.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema heisst: die Pubertät, eine Zerreissprobe für die Eltern-Kind-Beziehung.
[00:00:00.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Einwand: auch für die Partnerbeziehung. Das stimmt, dazu kommen wir noch später.
[00:00:10.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Als einführende Gedanken sage ich: die Bindung zwischen Mutter und Kind, man
beginnt meistens mit Mutter und Kind.
[00:00:25.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind ist neun Monate lang im Bauch der Mutter. Danach braucht die Mutter das
Kind für die ganze Umsorgung, für die Milch etc. Wir Menschen sind Säugetiere. Das
Kind überlebt nur, wenn es gesäugt werden kann. Auch heute mit der künstlichen Milch.
[00:00:26.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Bindung zwischen Mutter und Kind ist etwas sehr wichtiges. Diese Bindung beginnt
sehr eng. Gleich nach der Geburt ist diese Bindung sehr eng.
[00:00:37.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Bindung löst sich langsam immer mehr. Das Kind kriegt immer mehr Freiheit,
mehr Eigenbestimmung. Es geht von eng zu immer lockerer.
[00:00:52.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Ende der Pubertät sollte sich das Kind ablösen.
[00:01:24.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Die meisten von uns sind nicht ganz von ihrern Eltern abgelöst. Wir tragen immer noch
Relikte, Überbleibsel von der engen Bindung.
[00:01:24.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese enge Bindung ist dann in unserem Kopf internalisiert.
[00:01:24.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, wir verhalten uns als erwachsene Personen immer noch so, wie es der
Vater oder die Mutter gern gehabt hätte.
[00:01:33.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben das internalisiert.
[00:01:38.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Ende der Pubertät sollte diese Ablösung geschehen.
[00:01:42.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch der Vater kann eine enge Beziehung/Bindung zum Kind haben.
[00:01:47.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist abhängig davon, wieviel Qualitätszeit das Kind mit dem Vater verbracht hat.
[00:01:55.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch vom Vater muss sich das Kind am Ende der Pubertät loslösen.
[00:02:01.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Bindung und Ablösung, die Beziehung zwischen Kind und Vater ist ein bisschen
anders als zwischen Mutter und Kind.
[00:02:08.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich werde später die Väter fragen, wie sie ihre Bindung zu den Kindern sehen.
[00:02:09.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin kein Vater, ich bin eine berufstätige Mutter.
[00:02:14.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will nachher von den Vätern wissen, wie sie ihre Bindung zu ihren Kindern sehen
und wie sie die Ablösung sehen.
[00:02:19.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt, dass die Mutter in der Regel eine unkonditionale Liebe zum Kind hat, das
heisst, sie ist sehr gewährend und alles wird akzeptiert.
[00:02:41.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie muss das Kind immer unterstützen und alles entgegennehmen.
[00:02:46.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist unsere Übermutter Vorstellung.
[00:02:49.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater hat eher die Haltung: du musst dich an gewisse Regeln halten und wenn das
nicht gemacht wird, dann gibt es eine Strafe oder eine Reaktion.
[00:02:59.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater fordert mehr vom Kind.
[00:03:02.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann auch umgekehrt sein, dass die Mutter so streng ist und mehr die väterliche
Seite vertritt und der Vater eher absolut gewährend ist, wo man alles machen darf.
[00:03:09.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist je nach Familie unterschiedlich.
[00:03:13.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Rollen sind nicht immer so klassisch verteilt.
[00:03:16.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind zwei Rollen die man erkennen kann.
[00:03:18.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht immer von der Ablösung vom Kind von den Eltern.
[00:03:28.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht vom Nesthäkchen, das sich nicht ablösen möchte.
[00:03:28.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche von der Ablösung der Eltern vom Kind.
[00:03:32.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe bewusst zuerst auf ihre Ablösung von den Kindern ein.
[00:03:32.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Eltern haben oft riesige Probleme, unsere Kinder loszulassen.
[00:03:51.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen uns ablösen von der Vorstellung des Kindes.
[00:03:58.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ablösung der Eltern vom Kind wir oft wenig thematisiert.
[00:04:07.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Man schaut immer das Kind als Objekt an und uns selber immer erst als Reaktion auf
das Kind.
[00:04:09.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Eltern dürfen uns gerne als erstes anschauen.
[00:04:14.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine ganz wichtige psychische Entwicklungsphase, respektive ein
Entwicklungsschritt von der elterlichen Psyche.
[00:04:25.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern bekommen ganz plötzlich die Erkenntnis.
[00:04:31.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal braucht es auch ein wenig länger.
[00:04:34.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal ist es eine schmerzliche Erkenntnis, dass sie oftmals nicht mehr über die
Macht über das Kind verfügen.
[00:04:41.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf einmal haben die Eltern nichts mehr zu sagen.
[00:04:42.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind sagt: du hast mir nichts mehr zu sagen. Das geht mich einen feuchten Dreck
an.
[00:04:51.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Kinder sagen auch: du bist gar nicht meine richtige Mutter, du bist gar nicht
mein Vater. Gewisse Kinder entwickeln so Phantasien. Gewisse Kinder gehen soweit,
dass sie sagen: ich bin gar nicht das Kind von diesen Eltern, auch wenn es das Kind ist.
[00:04:51.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wann das Kind von der Persönlichkeit her nicht so gut passt zu den Erwartungen der
Eltern, dann enteignet es, enterbt es die Eltern. Das Kind ent-eltert die Eltern. Das ist
hart.
[00:05:16.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat doch soviel für das Kind gemacht. Plötzlich hat man nichts mehr zu sagen.
[00:05:16.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hört viel mehr auf seine Peers, auf seine Altersgruppe, auf seine Freunde.
[00:05:23.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Tochter hat zu mir gesagt: du bist ohnehin hinter dem Mond zuhause. Du
verstehst nichts, du bist altmodisch. Das stimmt. Ich bin von einer vorgängigen
Generation.
[00:05:33.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hört viel mehr auf die Freunde.
[00:05:57.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Eltern kommen dann in den Kampf: ich will bestimmen wo es durchgeht, nicht
deine Freunde.
[00:05:58.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Eltern verbieten dem Kind mit gewissen Freunden zu tun zu haben, weil die
einen schlechten Einfluss auf das Kind haben. Dann geschieht genau das Gegenteil.
[00:05:58.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind geht noch mehr zu denen, weicht bei den Eltern aus, übernachtet am fremden
Ort etc. Das Kind entfremdet sich noch mehr.
[00:06:02.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Nabelschnur reisst durch diese Einflussnahme eher ab.
[00:06:02.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die plötzliche Erkenntnis, dass man die Kontrolle über das Kind verliert, dass man sich
nicht mehr durchsetzen kann, dass es nicht folgt, dass man das Kind nicht mehr
beschützen kann.
[00:06:30.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens sind wir Eltern von sehr guten Motiven beeinflusst. Wir haben eine sehr gute
Motivation. Wir wollen nur das Beste für unsere Kinder.
[00:06:35.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein junger Mann hat einmal zu mir gesagt: das Gegenteil von gut ist gut gemeint.
[00:06:47.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Eltern sagen zu ihren Kindern: ich habe es nur gut gemeint mit dir. Ich meine nur
das Beste für dich.
[00:06:53.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind sagt: du weisst gar nicht was ich brauche. Behalte das Zeugs für dich. Ich will
nichts von dem gut gemeinten.
[00:06:58.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern wollen das Kind auf den sicheren Weg führen, vom Bösen abhalten,
beschützen vor allen möglichen Verletzungen. Er rennt sich den Kopf ein, das möchte
ich doch nicht. Man möchte über das Kind immer noch die Flügel ausbreiten. Das geht
einfach nicht.
[00:07:12.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nach dem wie das Kind geartet ist, je mehr man die Flügel ausbreitet, umso mehr
rebelliert das Kind dagegen und es funktioniert überhaupt nicht.
[00:07:24.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine schmerzhafte Erkenntnis. Das ist eine plötzliche Erkenntnis. Zum Teil
braucht es bei den Eltern ein lange Zeit, bis sie merken: es geht einfach nicht mehr. Sie
probieren es immer wieder und es geht einfach nicht.
[00:07:31.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Notfall, wenn alles schief läuft, dann lieber gar nichts machen. Sonst macht man nur
etwas falsches, agiert und ist in einer Aufregung drinnen, welche gar nichts bringt.
[00:07:55.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das vergleiche ich mit einem Gespräch zwischen zwei Piloten.
[00:07:56.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Der eine Pilot hat zum anderen Pilot gesagt: im Zweifelsfall, wenn das Flugzeug in
Turbulenzen kommt, überlässt man das Steuer vom Flugzeug dem Flugzeug selber.
[00:08:29.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle diejenigen, welche einen Schleuderkurs gemacht haben auf dem Eis kennen das.
[00:08:30.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man auf dem Eis das Steuer fest in der Hand hält und klar steuern möchte,
stellen sich die Räder quer und das Auto rutscht von der Fahrbahn ab. Man sollte das
Steuer nur ganz locker halten.
[00:08:30.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gilt auch für diese Teenager.
[00:08:40.870] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Teenagerphase entwickeln die Kinder eine starke Emotionalität.
[00:08:55.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder, welche ohnehin sehr emotional sind, dort kann es noch stärker werden.
[00:08:59.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man bei diesen Kindern das Steuer zu rigide, zu fest, zu hart in der Hand halten
möchte, dann übersteuert man und dann steuern sie über die Schienen hinaus, über
den Weg hinaus. Das ist keine gute Sache.
[00:09:07.720] – Dr.med. Ursula Davatz
In solchen Momenten sage ich: lieber loslassen, gar nichts tun, überlegen, zurück sitzen
und dann wieder schauen.
[00:09:17.410] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle sagen die Eltern: das kann ich nicht, das darf ich nicht, dann steuert
das Kind gleich in das Unglück. Ich sage: sie steuern mit dem Kind zusammen in das
Unglück, wenn sie weiterhin so rigide, so stur am Steuer festhalten.
[00:09:24.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergleiche das mit dem Fahren auf Eis und mit den beiden Piloten, die gesagt
haben: lieber das Steuer loslassen und das Flugzeug sich selber überlassen. Das
Flugzeug steuert sich über die Aerodynamik. Dann wird nicht übersteuert.
[00:09:44.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Eltern, welche ängstlich sind und selber ängstliche Eltern hatten, welche nicht so viel
Freiheit hatten, denen fällt es sehr schwer, das Kind loszulassen. Diese Eltern
versuchen länger an dieser Kontrolle festzuhalten, immer wieder mit der Absicht, dem
Kind Schutz zu geben.
[00:10:16.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind unter den schützenden Flügeln zu behalten, unter dem Rock zu behalten.
[00:10:17.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ängstlichen Eltern, welche immer noch an dieser Kontrolle festhalten, verhindern
bei einem temperamentvollen Kind die Persönlichkeitsentwicklung.
[00:10:35.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, das Kind hat nicht genügend Freiraum zum Ausprobieren, um selber den
Kopf anzustossen, die Nase anzustossen, umzufallen. Dann kommt es nicht gut.
[00:10:40.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ängstliche Festhalten der Eltern an der Entwicklung und Kontrolle vom Kind stört
die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes während der Pubertät.
[00:10:53.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese treffe ich dann in der Psychiatrie wieder an.
[00:11:04.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss dann immer daran arbeiten, dass mehr Luft gegeben wird, damit das Kind
Verantwortung übernehmen kann.
[00:11:05.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist das Kind sehr eigenwillig, hat es einen Dickkopf, ADHS/ADS Kinder gehören oft zu
dieser Sorte, dann rebelliert das Kind so vehement gegen die Eltern, dass es
irgendwann sagt: ich habe genug, ich gehe weg.
[00:11:35.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sind diese Kinder in die USA ausgewandert, mit 17 Jahren, Knaben und
Mädchen. Die Mädchen zum Teil zusammen, als Freundinnen. Sie haben dort ein
neues Leben begonnen.
[00:11:50.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute wird das nicht mehr so viel gemacht.
[00:11:51.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt doch so Kinder, die sagen: du hast mir nichts mehr zu sagen, ich gehe jetzt. Die
Mädchen gehen eine Freundschaft mit einer älteren Freundin ein. Die Knaben tun sich
mit einer Gang zusammen oder sie nehmen Drogen.
[00:12:05.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie gehen von der Kontrolle weg. Sie sprengen die Fesseln und hauen ab.
[00:12:18.510] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle zerreisst das Band. Wenn man zu stark festhält, dann gibt es Kinder,
wo das Band einfach abreisst.
[00:12:18.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es ganz schlecht läuft, dann sagen die Kinder: ich will nichts mehr mit dir zu tun
haben, ich sehe dich nicht einmal mehr an der Beerdigung.
[00:12:18.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens läuft es nicht so schlimm und man kann immer wieder einen Weg finden.
[00:12:35.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigenwillige Kinder, die sprengen die Fesseln und die gehen weg, die wollen keine
Einschränkungen mehr, die schlagen sich dann selber durch die Welt.
[00:12:54.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern sehr restriktiv sind und das Kind nicht ganz so mutig ist, nicht ganz so
abenteuerlustig, dann ordnet sich das Kind all der Kontrolle unter, bleibt brav zu Hause,
tut all diese Dinge, aber es rebelliert innerlich.
[00:13:09.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick wo ein Teenager innerlich rebelliert, gibt es immer mehr einen
Gefühlsstau. Dieser Gefühlsstau kann in einer psychischen Krankheit enden.
[00:13:18.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wollen wir auch nicht.
[00:13:29.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt eine innere Flucht. Es geht nicht äusserlich weg, es gibt eine innerliche Flucht.
Das ist auch nicht das, was wir wollen.
[00:13:43.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Kommt das Kind weder weg, noch passt es sich ganz an, dann kann es auch sein, dass
das Kind ein Rebellionsverhalten an den Tag legt, das selbstzerstörerisch ist.
[00:14:07.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Drogensucht ist ein selbstzerstörerisches Rebellionsverhalten.
[00:14:10.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Drogensucht tut man sich selber etwas an, man schädigt sich mit der
Substanz. Das Kind weiss das nicht so recht oder will es auch nicht wissen.
[00:14:18.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind denkt, dass es sich über die Drogensucht besser von den Eltern distanzieren
kann, aber es schädigt sich selbst.
[00:14:19.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Magersucht rebellieren die Mädchen häufig gegen die eigene Mutter, auf eine
selbstschädigende Art und Weise.
[00:14:36.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Selbstschädigendes rebellieren gegen die Eltern, das wollen wir nicht. Das ist wieder
nicht so gut. Das ist nicht das was wir wollen.
[00:14:39.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind psychisch krank, Magersucht ist auch eine psychische Krankheit. Alle
psychischen Krankheiten schädigen einem selbst.
[00:14:55.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht überall ist ein Verhalten drinnen, wo das Kind selber etwas tut.
[00:15:00.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Drogensucht wird etwas gegessen, dass nicht gegessen werden sollte.
[00:15:01.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Magersucht wird nicht gegessen, wo es essen sollte.
[00:15:13.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Verhaltensmuster dazwischen.
[00:15:13.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der reinen psychischen Krankheit läuft es einfach im Gehirn ab, dass sie gegen die
Eltern rebellieren.
[00:15:19.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine ganz schlimme Art von rebellieren gegen die Eltern, eine definitive, irreversible Art
und Weise, ist der Selbstmord.
[00:15:27.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dort genauer schaut und wenn man die Abschiedsbriefe zum Teil liest und
analysiert, dann ist das oft eine Verzweiflung.
[00:15:39.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können den Eltern nicht genügen mit was sie tun. Die Eltern sind nicht zufrieden.
[00:15:46.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie wollen sich auch nicht einfach unterordnen.
[00:15:46.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Die einzige Freiheit ist dann in den Tod zu gehen.
[00:15:47.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sicher nicht das, was man möchte.
[00:15:47.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt eher mehr Teenager Suizide. Man hat Angst davor.
[00:15:47.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Verhinderung vom Teenager Suizid ist: anders mit dem Kind umgehen.
[00:15:57.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: noch mehr beschützen und noch mehr kontrollieren. Damit verhindert man es
sicher nicht.
[00:15:58.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens wird das ausgelöst.
[00:16:08.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr Selbstzerstörung das Kind an den Tag legt, umso mehr wird kontrolliert. So
gehen Eltern und Kind miteinander in eine Teufelsspirale.
[00:16:34.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein klassisches Symptom sind die Borderliner, welche sich selber schneiden. Die
schneiden sich den Arm an.
[00:16:34.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kommen die Eltern oft kontrollierend rein, damit das Kind es nicht tut. Das ist
genau falsch.
[00:16:38.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr man das Kind kontrolliert, umso mehr muss sich das Kind selber schädigen,
um loszukommen von der inneren, emotionalen Turbulenz, von der Kontrolle der Eltern
und das Wehren dagegen.
[00:17:01.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich spreche hier von zwei Instinkten, welche sich gegenseitig bekämpfen.
[00:17:07.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern haben einen Fürsorge Instinkt und wollen das Kind beschützen.
[00:17:12.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind hat einen Autonomie Instinkt, der sich loslösen möchte.
[00:17:18.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese beiden Instinkte kämpfen gegeneinander.
[00:17:18.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist zum Teil ein verbissener Kampf, welcher wirklich tragisch ist.
[00:17:23.820] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Augenblick, wo selbstschädigende Verhaltensweisen auftreten beim Teenager,
ist es ganz wichtig, dass man sich dann professionelle Hilfe holt.
[00:17:24.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort ist es einem aus dem Ruder gelaufen. Das Kind ist einem aus dem Ruder
gelaufen. Die eigenen Gefühle sind aus dem Ruder gelaufen.
[00:17:57.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Mann und Frau, Vater und Mutter kommen aus verschiedenen Erziehungsmustern von
zuhause.
[00:18:04.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann beginnt der Streit: was wäre jetzt besser?
[00:18:09.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Müsste ich noch strenger sein, noch restriktiver sein? Dann kommt alles gut?
[00:18:19.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Müsste ich lockerer sein und mehr laufen lassen?
[00:18:22.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann die Eltern noch miteinander streiten, was die korrekte Methode ist in dem
Alter, dann ist es nicht mehr gut. Dann hat das Kind überhaupt keine Führung mehr und
kein Halt mehr.
[00:18:27.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann macht das Kind was es möchte, oder es sorgt sich um die Eltern und hat
wiederum keinen Platz für sich selbst.
[00:18:35.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder, welche sich sehr um die Eltern gesorgt haben, treffe ich auch in der Praxis
an. Diese Kinder hatten dann keine Energie mehr für ihre eigene
Persönlichkeitsentwicklung.
[00:18:45.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der Raster.
[00:18:45.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt gehe ich zu Ablösung des Kindes von den Eltern. Jetzt betrachte ich die Seite des
Kindes.
[00:19:04.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das pubertierende Kind ist gedrängt vom Autonomieinstinkt.
[00:19:17.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gehorcht dem, es muss die Regeln überschreiten, brechen, Grenzen überschreiten,
Traditionen brechen etc.
[00:19:22.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Es stellt die neue Generation dar.
[00:19:28.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind kann nicht einfach nach dem alten System weiter funktionieren, sonst wären
wir heute noch bei den Höhlenbewohnern und hätten nichts entwickelt.
[00:19:41.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man im Krieg aufgewachsen ist, hat man gelernt den Teller aufzuessen. Es ist
unanständig wenn man nichts aufisst.
[00:19:47.350] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Zeit der Wohlstandsgesellschaft mit Überfluss an Essen, mit so einer riesigen
Portion, dann sollte man das alles aufessen. Dann wird man übergewichtig.
[00:20:00.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln, welche im Krieg sinnvoll waren, sind in der Zeit des Überangebotes nicht
mehr sinnvoll.
[00:20:05.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Regeln, welche zur Zeit von unseren Vätern, Müttern, Grossmutter sehr angebracht
sind, sind heute nicht mehr angebracht.
[00:20:18.490] – Dr.med. Ursula Davatz
So sagt meine Tochter zu mir: du bist altmodisch, du bist hinter dem Mond zu Hause.
Dann bin ich halt hinter dem Mond zu Hause, aber ich finde es trotzdem so.
[00:20:26.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo das Kind dem Autonomieinstinkt folgt, wird es frech, es widerspricht,
es ist dreist, es flucht sogar.
[00:20:41.380] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Augenblick ist es wichtig, wenn sie sogenannt schlecht von ihrem Kind
behandelt werden, dass sie nicht an erster Stelle auf die Haltung gehen: ich brauche
Respekt, so etwas sagt man nicht zur Mutter. Nicht einen auf "anständig" machen. Nicht
auf den Anstand pochen.
[00:21:01.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo sie nur auf Anstand gehen, unterbinden sie die Emotionen des
Kindes, seine Gefühle, seine Authentizität, sein Wesen.
[00:21:20.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht gut. Das heisst nicht, dass ihr Kind eine sehr schlechte Erziehung
bekommt.
[00:21:25.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Während der Pubertät braucht es den Ablösungskonflikt.
[00:21:28.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie im Ablösungskonflikt dem Kind nur mit Moral, Höflichkeit, so benimmt man
sich nicht begegnen, dann lassen sie dem Kind nicht genügend Spielraum um sich
Auszuprobieren.
[00:21:41.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie erdrücken die Eigenständigkeit des Kindes, seine Ungehobeltheit sogleich mit: so
macht man es nicht, so darf man es nicht tun.
[00:21:41.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht soweit, dass man sagt: du darfst die wütigen Gefühle gar nicht haben, die gibt
es gar nicht, die sind nicht berechtigt. Das geht bis zur Gefühlsunterdrückung.
[00:21:47.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kann auch die Psychiatrie mit Medikamenten reinkommen.
[00:22:03.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medikamente dämpfen die Gefühle sofort herunter, dann hält man alles schön aus
und ist ein ganz braves Kind. Das ist nicht das, was wir wollen.
[00:22:12.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht eine Auseinandersetzung in der Pubertät.
[00:22:16.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind muss sich in der Pubertät auseinandersetzen können, damit es erwachsen
werden kann.
[00:22:24.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo die Eltern schlecht behandelt werden, böse Sachen werden zu ihnen
gesagt, das Kind gehorcht nicht, etc. wenn sie dann sofort Liebesentzug machen, wenn
der Vater sagt: das ist nicht mehr meine Tochter, eine die sich so benimmt, das hätte ich
nie tun dürfen bei meinem Vater, die gibt es für mich gar nicht, die ignoriere ich.
[00:22:30.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das darf man nicht tun. Das ist Liebesentzug.
[00:22:52.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch das freche Kind, das ungezogene Kind braucht noch Rückhalt.
[00:22:53.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht einfach die Beziehung wegnehmen.
[00:22:54.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier gibt es Unterschiede zwischen Vater und Mutter.
[00:22:58.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man nicht die Beziehung abbricht, nur weil das Kind ein wenig frech
ist, oder sich nicht genauso benimmt, wie man das gerne möchte.
[00:22:58.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: die Kinder brauchen in der Pubertät einen Welpenschutz.
[00:23:23.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Welpen sind die kleinen Hündchen, die dürfen die Mutter beissen. Die Mutter beisst
nicht auf die gleiche Art und Weise zurück.
[00:23:32.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Welpenschutz.
[00:23:34.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Teenager sind Welpen.
[00:23:36.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man als Eltern, wenn einem das Kind frech behandelt, genau gleich zurück böse
handelt, vernichtend etwas sagt, vernichtende Kritik äussert, schadet man wieder der
Persönlichkeitsentwicklung vom Kind.
[00:23:49.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss wissen: wir sind schon erwachsen, wir haben schon unsere Persönlichkeit.
Wir dürfen nicht so anfällig sein, dass wir mit gleicher Munition zurückschiessen, wie
das Kind schiesst. Das ist nicht immer so einfach.
[00:24:04.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Väter und zum Teil auch die Mütter sagen: wenn der sich so benimmt, dann darf
ich das auch.
[00:24:16.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sage ich nein. Sie sind nicht gleich alt. Sie sind eigentlich stärker.
[00:24:16.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Von ihnen erwarte ich etwas anderes.
[00:24:16.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen schon sagen: das ist mir zu viel, das möchte ich nicht.
[00:24:23.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen nicht mehr befehlen. Sie können nicht sagen: so gehst du nicht mit mir um.
Das sind alles Befehle.
[00:24:54.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Eltern müssen sich überlegener verhalten können, falls das irgendwie geht.
[00:25:02.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern dürfen auch einmal ausrasten. Es dürfen ihnen auch Ausrutscher passieren.
[00:25:10.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Von der Tendenz her, sollten sie ihren Kindern Welpenschutz geben können.
[00:25:20.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie die Kinder einfach alles machen lassen, ist das auch nicht gut. Es ist alles
recht. Die völlig antiautoritäre Erziehung. Das Kind muss immer den Weg selber finden.
[00:25:36.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind sucht ein Gegenüber und will sich auseinandersetzen mit dem Gegenüber.
[00:25:36.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man bei allen wilden Sachen mitmacht, man geht mit dem Kind zusammen
Haschisch rauchen, man geht zusammen Drogen kaufen, heute geht das nicht mehr
auf dem Platzspitz, aber sonst wo.
[00:25:59.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Watte-Eltern, einem Watte-Gegenüber fühlt sich das Kind nicht ernst genommen.
[00:26:01.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Jugendliche sagen dann auch: ich konnte alles machen und meine Eltern
haben gar nicht reagiert. Meinen Eltern war es völlig wurscht, was ich gemacht habe.
Die waren gar nicht interessiert an mir.
[00:26:19.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird dann als mangelndes Interesse interpretiert.
[00:26:24.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass sie nicht ganz weit aufmachen, auch nicht ganz eng vorgehen. Sie
haben einen gewissen Bereich, für den sie eintreten. Das ist mein Bereich und an
diesen Wertvorstellungen orientiere ich mich. Das ist mir wichtig.
[00:26:39.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Innerhalb von diesen Freiräumen, keine absolute Freiheit, sondern Freiräume, innerhalb
von diesen Freiräumen, kann das Kind experimentieren und eigene Erfahrungen
machen.
[00:26:48.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder brauchen in der Pubertät auch Herausforderungen.
[00:26:52.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder wollen gefordert werden.
[00:26:55.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn einem alles gleich ist und man gar nichts fordert, dann sind die Kinder wie nicht
ausgelastet.
[00:27:06.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig herauszufinden: wie viel darf ich fordern und das ist gut. Wann
überfordere ich das Kind?
[00:27:11.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich von einem Kind etwas fordere, das ihm überhaupt nicht liegt, dann
überfordere ich das Kind schnell.
[00:27:16.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich gar nichts fordere von etwas, das es eigentlich leisten könnte, schade ich
dem Kind auch wieder.
[00:27:22.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist schwierig, die Grenze zwischen Überforderung und Unterforderung, dieses Mass
zu finden.
[00:27:45.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gilt auch für die Schule.
[00:27:49.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich höre von vielen Eltern, dass sie nur Wert auf die Leistung in der Schule legen. Die
Eltern haben Angst, dass das Kind keine Lehrstelle findet, etc.
[00:27:49.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sage ich: Stopp, stopp, stopp!
[00:27:53.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass sie ihre Beziehung zum Kind halten können.
[00:27:56.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die schulischen Leistungen jetzt nicht so gut sind, weil das Kind so beschäftigt ist
mit seiner emotionalen Entwicklung, dann kann man das später noch nachholen.
[00:28:04.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Gott sei Dank sind die Schulsysteme transparenter geworden. Es gibt viele Passerellen.
[00:28:07.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Rein intellektuell können die Jugendlichen alles mögliche nachholen, auch noch zum
späteren Zeitpunkt.
[00:28:17.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Ablösungskonflikt können die Kinder später nicht mehr so gut nachholen.
[00:28:23.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwann wird der pathologisch oder schwierig.
[00:28:28.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Auseinandersetzen mit den Eltern ist am wichtigsten während der Pubertät.
[00:28:33.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die intellektuelle Leistung, die kann auch später noch nachgeholt werden.
[00:28:38.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Kinder, Legastheniker die mit 17 Jahren innerhalb kurzer Zeit lesen und
schreiben gelernt haben, während davor das nicht geklappt hat.
[00:28:51.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage den Eltern immer: nicht soviel Wert auf die intellektuelle Leistung legen. Mehr
Wert auf die Entwicklung legen. Die Interaktion und Entwicklung von der Persönlichkeit.
[00:29:12.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Jedes Kind bringt ganz spezifische Veranlagungen mit. Die bilden sich im Laufe der Zeit
mehr heraus.
[00:29:18.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Veranlagungen wie Temperament, Wesensart sind dem Vater oder der Mutter zum
Teil sehr ähnlich.
[00:29:20.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal ist das Kind auch ganz anders.
[00:29:25.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht hat das Kind etwas von früheren Generationen geerbt. Dann ist es ein
bisschen schwieriger.
[00:29:36.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder, die sich sehr anders fühlen als ihre Eltern, die sagen: ihr seit gar nicht meine
Eltern. Wahrscheinlich bin ich irgendwo reingeschneit.
[00:29:43.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt auch Kuckucks-Kinder. Davon spricht man heute auch mehr.
[00:29:51.960] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät ist es wichtig, dass sie nicht denken: ich kenne mein Kind, ich weiss was
gut ist für mein Kind. Ich denke für mein Kind, ich handle für mein Kind. So wird das
Kind wieder bevormundet und es kann seine eigene Persönlichkeit gar nicht entwickeln.
[00:30:15.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, in der Pubertät ist speziell wichtig, dass man auch beobachtet, dass man
das Kind selber fragt: was möchtest du eigentlich?
[00:30:23.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erlebe ich auch immer wieder mit Berufsleuten, dass wir immer wissen was gut ist
für das Kind.
[00:30:40.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Brain Keller sagt über sich: mein Leben lang haben andere gewusst, was für mich gut
ist. Es hat mich so verrückt gemacht.
[00:30:40.812] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.nzz.ch/nzz-am-sonntag-magazin/jetzt-spricht-brian-der-beruehmteste-haeftling-der-schweiz-ld.1779906
[00:30:40.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Um sich bemerkbar zu machen, schlägt man alles zusammen. Versteht ihr jetzt endlich,
dass ich nicht möchte, dass ihr mich bestimmt.
[00:30:41.050] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät ist es ganz, ganz wichtig, dass sie wirklich sich selber sagen: ich muss
mein Kind neu kennenlernen.
[00:31:00.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das beginnt schon dann, wenn das Kind geboren wird. Plötzlich hat man ein
Gegenüber. Davor hatte man das Kind im Bauch. Es geht alles mit einem.
[00:31:09.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man das Kind kennenlernen.
[00:31:12.720] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Pubertät ist es nochmals wichtig, dass man das Kind in seiner Persönlichkeit
kennen lernt, dass man sich die Mühe nimmt: wer bist du eigentlich? Was willst du?
Was sind deine Neigungen? Was sind deine Eignungen?
[00:31:22.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sollte das Kind nicht nur zum Berufsberater senden und der weiss es dann. Der
weiss es meistens auch nicht.
[00:31:31.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll auch selber das Kind aufmerksam beobachten, sich mit dem Kind unterhalten
und seine Meinung ernst nehmen.
[00:31:37.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man auch tun, in dem man das Kind zu anderen Dingen fragt.
[00:31:38.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Was findest du zu dem Politiker. Was findest du zu dem Gebäude. Was findest du zu
dieser Musik?
[00:31:50.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll sich mit dem Kind über andere Dinge unterhalten und die Meinung das Kindes
ernst nehmen. Nicht einfach die eigene Meinung dem Kind aufdrücken.
[00:31:52.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage Jugendliche Patienten oft über irgendetwas anderes aus. Anhand von dem
sehe ich wo ihr Interesse liegt.
[00:32:04.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Welches Buch liest du? Welchen Film findest du toll? Welche Musik hörst du? Nicht
einfach alles was das Kind macht ist blöd, primitiv, nicht so gut. Eigentlich solltest du
meine Werte übernehmen. Nicht diese Haltung haben, sondern auch versuchen, das
Kind kennenzulernen.
[00:32:10.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf der anderen Seite ist es auch ganz wichtig, dass man seine eigene Haltung sagt.
[00:32:26.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Mir ist das wichtig aus dem und dem Grund.
[00:32:38.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind meine Wertvorstellungen.
[00:32:40.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich zeigen und nicht einfach von der Annahme ausgehen, das Kind weiss
sowieso, was ich möchte. Ich muss es eigentlich gar nicht sagen, es muss
ausgesprochen werden.
[00:32:53.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind darf nicht einfach in die Backform der Eltern gedrückt werden. Diese
Wunschvorstellung erlebe ich häufig.
[00:33:14.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich mit dem Kind auseinandersetzen. Man darf seine Haltung haben.
[00:33:14.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss aber auch das Kind wirklich kennenlernen, nach seinen Fähigkeiten suchen.
Nicht das fördern wollen, das man selber nie durfte und nicht dazu gekommen ist und
das Kind muss einem jetzt verwirklichen.
[00:33:23.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das treffe ich auch sehr häufig an, dass die Kinder unverwirklichte Wünsche der Eltern
erfüllen müssen.
[00:33:32.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine der wichtigsten Aufgaben in der Pubertät ist, nicht einfach gut in der Schule sein,
sondern mit den eigenen Emotionen zurechtzukommen.
[00:33:52.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Temperamentvolle Kinder haben dann vielleicht extremere emotionale Ausschläge oder
sie werden auf einmal mehr vernünftig.
[00:34:03.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz ruhige Kinder werden auf einmal sehr emotional.
[00:34:08.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, in der Pubertät passiert eine ganz wichtige Entwicklung und das ist die
emotionale Entwicklung.
[00:34:13.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit diesen eigenen Emotionen, die müssen benannt werden. Mit denen muss das Kind
lernen zurecht zu kommen.
[00:34:22.630] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Augenblick ist es nicht angebracht, dass man gerade wieder auf das gute
Benehmen, den Anstand, die Höflichkeit und den Respekt zurückkehrt, sondern dass
man dem ausagierenden Kind Welpenschutz gibt und daran glaubt, dass es danach
schon wieder zurückkommt, zu den eigenen Wertvorstellungen.
[00:34:44.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe zu einer Mutter gesagt: sie müssen nicht Angst haben, all die
Wertvorstellungen, welche sie dem Kind mitgegeben haben, die sie immer gelebt
haben, die sind nicht verloren. Auch wenn sich das Kind zur Zeit sehr komisch benimmt.
[00:34:52.240] – Dr.med. Ursula Davatz
In fünf Jahren werden sie sehen: das Kind hat viel mehr von mir mitgenommen, als ich
gedacht habe. Die Mutter hat gesagt, dass sie mir das nicht glaubt.
[00:35:01.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Fünf Jahre später ist die Mutter zurück gekommen und hat gesagt: sie haben Recht
gehabt. Es war nicht für die Katze, was ich investiert habe. Mein Sohn hat all die
Wertvorstellungen, welche ich ihm vorgelebt habe und die ich gerne gehabt hätte, dass
er die auch übernimmt, die lebt er jetzt. Mehr als die anderen Kinder, welche immer
brav waren.
[00:35:02.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nie für die Katze, wenn sie ihre Sachen sagen.
[00:35:29.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Glauben sie an sich, dass das Kind etwas von ihnen mitnimmt.
[00:35:33.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Füttern sie dem Kind ihre Wertvorstellungen nicht all zu stark mit dem Löffel, sonst
fördern sie eher die Rebellion als die Übernahme dieser Wertvorstellungen. Dann
fördern sie nur die Abwehr.
[00:35:45.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine wichtige Regel für die Eltern der Kinder in der Pubertätsphase ist, dass sie nicht
mehr erziehen wollen. Sie dürfen nur noch die Beziehung pflegen und sich
auseinandersetzen. Das ist ein grosser Unterschied.
[00:36:05.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nicht sagen: das will ich nie mehr sehen, das darfst du nicht machen, du
musst jetzt das Geschirr aufräumen. Das ist alles ein Befehl. Dann kann man vielleicht
mit einem kleinen Kind machen.
[00:36:13.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sagen: ich will, dass du diese Verantwortung übernimmst. Du lebst mit mir
zusammen in diesem Haushalt und ich möchte, dass du aufräumst nach dem Kochen.
Das ist mir wichtig.
[00:36:39.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich auseinandersetzen. Wenn sie genügend stark und klar Ihre
Willensbekundung machen, irgendwann setzen sie sich durch.
[00:36:47.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zu schnell aufgibt, wenn man zwei Mal nein sagt, dann gibt es die Mutter
auf, dann macht sie es selber. Viele Hausfrauen machen es dann. Das ja nicht tun. Die
Dinge stehen lassen, damit das Kind selber aufräumen kann.
[00:37:03.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können keine Dinge verlangen, welche sie nicht leben können, wenn es das Kind
nicht tut. Das Kind rechnet damit, dass sie vor ihm weich werden, nachgeben und dann
haben sie es verpasst.
[00:37:16.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Dinge verlangen, welche sie dann auch einfach sein lassen können.
[00:37:21.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen etwas herausfinden, wo sie am Kind vorbei kommen. Sie müssen an der
Verweigerungshaltung des Kindes vorbeikommen.
[00:37:33.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie zu stark darauf angewiesen sind, dass das Kind ihnen folgt, sind sie verkauft.
[00:37:34.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens haben die Teenager mehr Energie, längere Ausdauer als wir Erwachsene.
Dann sind wir verkauft.
[00:37:38.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht zu viel verlangen. Eher nur etwas verlangen, was sie durchsetzen können.
[00:37:42.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Sich mit dem Kind auseinandersetzen und sagen: ich will. Nicht sagen: du musst.
[00:37:43.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich das Kind schlecht benimmt, im Augenblick wo das Kind ausrastet, nichts
machen, einfach beruhigen lassen.
[00:37:59.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich alles beruhigt hat, dürfen sie schon sagen: wir hatten diese
Auseinandersetzung zusammen. Dann kann man fragen: was hat dich so verrückt
gemacht? Was hat dich verletzt, was hat dich geärgert? Ok, das verstehe ich. Jetzt
sage ich noch meine Seite.
[00:38:28.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man sagen: wenn du dich über mich ärgerst, dann möchte ich, dass du mir
das auf eine andere Art und Weise sagst. Ist das eine Möglichkeit? Wie könntest du es
sonst noch machen?
[00:38:43.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alles ruhig ist, dann kann man über Erziehung, Anstand und Höflichkeit sprechen.
[00:38:48.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht wenn die Wellen hoch schlagen. Dann geht es nicht.
[00:38:54.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sollen und dürfen einen klaren Standpunkt beziehen, ihre Wertvorstellungen sagen.
Sollen das Kind aber nicht abwerten.
[00:39:01.920] – Dr.med. Ursula Davatz
In der juristischen Sprache sagt man dem: Argumentum ad personam.
[00:39:09.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Angriff auf die Persönlichkeit. In der Laiensprache spricht man von einem Tiefschlag.
[00:39:18.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch wenn sie noch so verzweifelt sind, sollten sie keinen Tiefschlag auf das Kind
machen, d.h. etwas sagen, dass seine Persönlichkeit angreift und zerstört.
[00:39:19.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht auf das Kind schiessen und sagen: du bist ein unmöglicher, aus dir wird nie
etwas, du findest nie eine Frau, du kannst an keiner Stelle bleiben.
[00:39:33.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen in die Luft schiessen. Wenn du dich so benimmst, dann macht mich das so
verrückt. Ich könnte an die Decke gehen, ich werde wahnsinnig.
[00:39:49.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen Emotionen zeigen. Diese Emotionen dürfen sie aber nicht als
Vernichtungsinstrument verwenden gegen die Persönlichkeit vom Kind.
[00:39:49.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Meistens geht man auf die Persönlichkeit los und das ist nicht angesagt.
[00:40:00.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können sagen: ich kann das nicht akzeptieren. Ich will das nicht akzeptieren. Ich will
es so und so.
[00:40:01.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul sagt das schon beim kleinen Kind.
[00:40:12.767] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Jesper_Juul
[00:40:22.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will, dass du jetzt deine Hosen anziehst. Nicht: du musst jetzt die Hosen anziehen.
[00:40:32.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Energie bei sich behalten. Bei den Teenagern ist das noch viel wichtiger.
[00:40:37.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderliner, die Borderline Persönlichkeitsstörung, die wird mehr bei Frauen
diagnostiziert, das sind professionell Pubertierende.
[00:40:50.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die in ein System gehen, dann sagen die Berufsleute immer: die spalten einem,
die sind ganz böse.
[00:41:04.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sagt: jetzt kommt eine Borderline Patientin, dann sagen alle sofort: ach wie
schrecklich.
[00:41:04.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle haben Angst vor denen.
[00:41:05.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt nur eine Regel bei der Borderline Patienten: nicht erziehen, nicht erziehen, nur
einen eigenen Standpunkt beziehen und sich nicht erpressen lassen, keine Übergriffe
auf sich machen lassen und nicht weiter erziehen wollen.
[00:41:21.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Berufsleute, speziell männliche Berufsleute, Ärzte, die haben dann oft riesige Mühe.
[00:41:27.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Borderliner benehmen sich blöde, machen alles mögliche falsch. Dann fällt man in
die Erzieher Falle. Dann hat man verloren.
[00:41:32.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche gilt auch für die Teenager, welche ganz normale Teenager sind, noch nicht
professionell Pubertierende, einfach Pubertierende.
[00:41:43.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht erziehen, nur die Beziehung pflegen und auseinandersetzen.
[00:41:47.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Standhaft sein.
[00:41:48.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen auch mal weggehen, wenn es ihnen zu viel wird.
[00:41:52.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht die Beziehung auf längere Zeit abbrechen.
[00:41:59.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Möglichst über Regeln funktionieren.
[00:42:01.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mütter sagen oft: der hilft mir nie, der sieht nicht, wenn es etwas zu tun gibt.
[00:42:02.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht die Aufgabe es Kindes zu sehen, wann es im Haushalt etwas zu tun gibt.
Die Mädchen machen das oft. Die gehen einem zur Hand. Die Knaben: oh nein.
[00:42:16.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Knaben es machen, dann ist es eher ein schlechtes Zeichen. Dann sind die
Knaben zu sehr auf die Mutter ausgerichtet. Oh je, die arme Mutter, ich muss der jetzt
helfen.
[00:42:16.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist es wichtiger, die Mutter zufrieden zu stellen, als seinen eigenen Weg zu finden.
[00:42:33.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss Regeln aufstellen. Jeder übernimmt etwas. Man macht einen Plan. Wenn
jemand seine Sache nicht gemacht hat, kann man nachschauen. Wer hat seine Sache
nicht gemacht?
[00:42:40.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss man gar nicht sagen: du musst, du solltest und warum hast du jetzt schon
wieder nicht?
[00:42:40.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo sie Regeln aufstellen, wo die Regeln ersichtlich sind für die ganze
Familie, inklusive natürlich für das Kind/Teenager, muss man ihnen nicht mehr das
Genick runter reden, ihnen ständig im Genick sitzen und sagen: du musst und mach
jetzt endlich. Man kann immer nur auf den Plan verweisen.
[00:43:15.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Ausführen dieser Dinge kommt mehr in den Bereich der Eigenverantwortung dieser
Kinder.
[00:43:17.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Motivation muss schlussendlich beim Jugendlichen sein und nicht mehr bei der
Mutter. Bei den Hausaufgaben desgleichen.
[00:43:32.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele verpassen den Moment, wo das Kind übernimmt. Die Eltern sagen: das Kind kann
es noch nicht. Es kann das Taschengeld nicht einteilen.
[00:43:35.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Für den Monat einen Monatslohn, so wie es später ist. Wenn das Geld weg ist, dann
gibt es nichts mehr.
[00:43:58.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Regeln, Hausregeln und Verantwortungsübernahme. Den Jugendlichen die
Verantwortung übergeben.
[00:44:08.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein pubertierendes Kind muss nicht mehr gehorchen, es muss kooperieren, es muss
lernen zu kooperieren.
[00:44:12.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Solange die Eltern dem Kind befehlen, kann es nicht kooperieren lernen.
[00:44:22.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat viele Machtkämpfe mit den Pubertierenden, mit den Teenager.
[00:44:33.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern denken, dass sie sich immer durchsetzen müssen. Manchmal verliert man
auch. Dann ist man verrückt mit sich selber, dass man sich nicht durchsetzen konnte.
Man ist verrückt mit dem Kind, jetzt hat das schon wieder gewonnen.
[00:44:44.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu den Eltern sage ich: seien sie nicht traurig, wenn sie ab und zu einen Machtkampf
verlieren. Sie müssen auch verlieren können. Sie müssen loslassen können, damit die
Beziehung nicht zerreisst.
[00:45:06.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kind einmal gewinnen darf, dann haben sie etwas getan für das
Selbstwertgefühl vom Kind.
[00:45:15.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pubertierenden wollen zum Teil gewinnen und sie dürfen ab und zu gewinnen.
[00:45:15.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Solange die Pubertierenden nicht mehr als 50% gewinnen, sind sie immer noch im
grünen Bereich.
[00:45:21.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das soll nicht heißen, dass sie einfach alles fahren lassen. Sie müssen sich trotzdem
damit auseinandersetzen.
[00:45:34.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern fragen mich oft: ich stelle die und die Regeln auf und das Kind hält sich nicht
an die Regeln.
[00:45:38.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Antwort: die Regeln wieder anmahnen. Die Regeln ändern sich wegen dem nicht.
[00:45:42.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind muss auf eigene Verantwortung die Regeln brechen. Das Kind hat dann sein
schlechtes Gewissen, dass es die Regeln gebrochen hat.
[00:45:52.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie alle Regeln auslassen, dann ist das nicht so gut.
[00:45:56.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich mit dem Kind nicht auseinandersetzen und das Kind hat einfach nur freie
Bahn, da fehlt dann häufig der Vater. Dann kommt der Staat rein.
[00:45:57.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder machen dann irgendeinen Blödsinn in der Öffentlichkeit, dann kommt die
Jugendanwaltschaft rein. Die Jugendanwaltschaft muss dann als Vaterfigur einspringen.
[00:46:12.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal setze ich die Jugendanwaltschaft (Juga) auch ein. Wenn das Kind etwas
falsches macht, dann sage ich sogar: ja, sie dürfen zur Juga gehen. Dann kommt das
Gesetz, der Staat kommt rein. Dann haben wir wie einen gewissen Rahmen.
[00:46:30.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Eltern haben Angst vor der Jugendanwaltschaft. Das Kind kriegt dann einen
Eintrag. Was bei der Jugendanwaltschaft geschieht, wird nicht in das Erwachsenen
Strafregister rein genommen.
[00:46:48.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Jugendanwaltschaft hat viele Möglichkeiten.
[00:46:51.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ist eigentlich ein Erziehungshilfe und Unterstützung.
[00:46:55.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht an erster Stelle um eine Strafe, sondern um eine Begleitung.
[00:47:01.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Quasi ein Ersatz für eine Rahmenbedingung, welche sonst der Vater bietet.
[00:47:24.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt können sie mir Fragen stellen.