Vortrag zum Thema: Gesellschaft unter Hochdruck – was macht dies mit unserer Gesundheit.

Ort: Stilli, Aargau

LIKA, Lerninstitut für PsychoDynamische Körper- und Atemtherapie.

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Dr.med. Ursula Davatz

4.6.2014
Gesellschaft unter Hochdruck
Audio

[00:00:01.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommt das Seminar: Gesellschaft unter Hochdruck. Was macht es mit der
menschlichen Gesundheit?

[00:00:12.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Seminar ist gehalten am 4.6.2012 im Institut Lika in Stilli.

[00:00:28.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Thema wurde mir von der LIKA gegeben.

[00:00:28.590] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.lika.ch/

[00:00:28.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme diese Herausforderung immer gerne an.

[00:00:33.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu diesem Thema habe ich noch nie einen Workshop gehalten. Das ist ein grosses
Thema. Ich habe viel darüber studiert.

[00:00:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kann ich gegen den Druck und den Trend in der Gesellschaft überhaupt bestehen?
Ist das überhaupt möglich? Ist das kein Ding der Unmöglichkeit?

[00:00:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Von meinem Ansatz her bin Systemtherapeutin.

[00:00:57.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich komme immer vom evolutiven her, also auch von der Evolutionsgeschichte her.

[00:01:02.900] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Ferien habe ich ein Buch von Frans de Waal gelesen.

[00:01:03.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Frans de Waal ist Primatologen, ursprünglich von Holland. Er lebt heute in den USA.

[00:01:17.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Sein erstes Buch war Peacemaking, die wilden Diplomaten.

[00:01:25.630] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.amazon.de/Wilde-Diplomaten-Vers%C3%B6hnung-Entspannungspolitik-Menschen/dp/3423303735

[00:01:25.549] – Dr.med. Ursula Davatz
Frans de Waal geht bei den Tieren, bei unseren Vorfahren den Verhaltensmuster nach
und sagt dann klar: der Mensch hat soziale Gene.

[00:01:48.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sage ich auch, daran glaube ich auch.

[00:01:48.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen eigentlich wieder ein bisschen auf die sozialen Gene zurückkommen.

[00:01:56.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir die sozialen Gene wieder mehr in den Vordergrund holen können, gibt es
auch ein etwas ein anderes Verhalten innerhalb von vom Kollektiv.

[00:02:09.750] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich probiere ein paar prinzipielle Gedanken durchzugehen, vom breiten grossen zu
unserem kleinen privaten.

[00:02:12.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein soziales Wesen. Der Mensch ist ein Herdentier.

[00:02:12.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch braucht eine Zugehörigkeit zu einer Gruppe.

[00:02:31.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war früher der Clan, die Familie. Später, als die Clans auseinander gefallen sind,
wurde es die Religion.

[00:02:31.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die drei Religionen, Judentum, Christentum und Moslems, haben die Clanstruktur der
rein Verwandten abgelöst.

[00:02:58.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Juden haben die Clanstruktur behalten.

[00:03:01.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann nur Jude sein, wenn man jüdisch geboren wird, wenn die Mutter jüdisch ist.

[00:03:06.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Christentum oder Islam kann man konvertieren.

[00:03:16.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute sind die Clanstrukturen am ehesten die Grossunternehmen, also IBM, Siemen,
ABB etc.

[00:03:25.720] – Dr.med. Ursula Davatz

Die ersetzen die familiären Clanstrukturen.

[00:03:30.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist denen verpflichtet, man ist denen loyal.

[00:03:33.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sollten eigentlich auch einem gegenüber loyal sein. Das ist nicht bei allen Firmen
gleich.

[00:03:39.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie nach dem Prinzip Hire and Fire gehen, dann sind die Firmen nicht loyal.

[00:03:41.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind sie einem nicht loyal.

[00:03:43.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird erwartet, dass der Angestellte im Betrieb loyal ist.

[00:03:54.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur wenn der Mitarbeiter loyal ist, dann kann man miteinander als Kollektiv etwas
Grosses erreichen.

[00:04:05.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit so Clanstrukturen aufrechterhalten bleiben können, die funktionieren über
Empathie, über Beziehungen.

[00:04:14.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen eine Beziehung herstellen können zu dem Kollektiv.

[00:04:22.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf Englisch sagt man dem Corporate Identity.

[00:04:25.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich mit dieser Clanstruktur identifizieren können.

[00:04:30.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das machen gewisse. Wenn man aus der Clanstruktur austritt, spricht man von innerer
Kündigung.

[00:04:32.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geraten sie in ein Problem.

[00:04:32.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind sie noch in dem Clan drinnen, sagen aber immer nein.

[00:04:32.430] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle kann man krank werden.

[00:04:48.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist zwar noch zugehörig, eigentlich sagt man nicht mehr ja dazu.

[00:04:54.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Empathie, die Beziehung, die Loyalität, die eine Aussage über das Beziehungsnetz
macht, über die menschliche Beziehung, die läuft über das emotionale Gehirn, über das
limbische System.

[00:05:11.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ihnen auch schon einmal das Gehirnschema gezeigt.

[00:05:15.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können es wieder aufzeichnen, wenn sie wollen.

[00:05:18.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das limbische System hat sich bei den Säugetieren entwickelt.

[00:05:18.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort sieht man den Ursprung der Beziehung.

[00:05:28.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kleine Säugetier hätte nicht überlebt, wenn nicht die Bindung bestehen würde
zwischen Mutter und Kind.

[00:05:39.500] – Dr.med. Ursula Davatz
In dieser Mutter-Kind-Beziehung erlebt man anfangs auch die Empathie.

[00:05:42.846] – Dr.med. Ursula Davatz
Natürlich auch in der Vater-Kind-Beziehung.

[00:05:44.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen sind hormonell mehr gesteuert auf die Beziehung.

[00:05:49.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein Kind bekommt, wenn man stillt, wird Oxytocin ausgeschüttet.

[00:05:50.050] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Ausstellung "Entscheiden" in Lenzburg haben sie das gezeigt.

[00:05:50.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Oxytocin wird dort Kuschelhormon genannt.

[00:05:50.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Oxytocin bewirkt, dass wir nett sind miteinander, zusammensein wollen, einem
Menschen helfen wollen.

[00:06:07.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind alle in einem Helferberuf.

[00:06:07.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es jemandem schlecht geht, hat man automatisch einen Druck, dass man hingeht
zu dem Menschen und ihm helfen muss.

[00:06:28.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein Kind im Tram schreien hört, wird unser Mutterinstinkt ausgelöst, wir
müssen unseren Kopf drehen und irgendwie helfen gehen.

[00:06:28.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen das nicht tun, denn die Mutter mag das natürlich nicht, sonst fühlt sie sich
kritisiert.

[00:06:29.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es löst einen Instinkt in uns aus. Wir können gar nicht dagegen vorgehen.

[00:06:29.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser Helferinstinkt, dieser Mutterinstinkt, dieser Empathie Instinkt wird durch das
Oxytocin gesteuert, sagt man. Wir können nicht dagegen vorgehen.

[00:07:03.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychopharmaka greifen bei all diesen Systemen ein.

[00:07:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zum Beispiel Neuroleptika gegen Schizophrenie gibt, dann gibt es zum Teil
Milchausschuss.

[00:07:18.810] – Dr.med. Ursula Davatz

Irgendwie werden die Hormone durcheinander gebracht.

[00:07:19.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch, welche die Medikamente nimmt, wird mehr zur Mutter.

[00:07:30.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei dem werden mehr die empathischen Gefühle herausgeholt.

[00:07:30.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Bereits die kleinen Kinder sagt man, die Mädchen reagieren mehr auf ein Gesicht, das
Maul, die Augen.

[00:07:47.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Knaben reagieren mehr auf Gegenstände.

[00:07:48.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon von Geburt her sind Männer mehr auf den Materialismus ausgerichtet, auf
technische Gegenstände, während Mädchen mehr auf menschliche Beziehungen
ausgerichtet sind.

[00:07:48.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist offensichtlich eine genetische Selektion passiert über Jahrtausende hinweg.

[00:08:21.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eigenschaft der Frau, dass sie gut auf das Kind eingeht, auf Beziehungen eingeht,
empathisch ist, für diese Eigenschaft wurde selektioniert in der Evolution.

[00:08:29.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Männern hingegen wurde eher auf räumliche Wahrnehmung selektioniert.

[00:08:42.770] – Dr.med. Ursula Davatz

In der Jäger und Sammler Kultur mussten die Jäger eine gute räumliche Vorstellung
haben.

[00:08:49.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird heute populärwissenschaftlich in den Büchern gebracht: Männer sind anders
Frauen auch.

[00:08:55.130] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1001133747

[00:08:55.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf Englisch: Men are from Mars, women from Venus.

[00:08:55.890] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.amazon.com/Men-Mars-Women-Venus-Understanding/dp/0060574216

[00:08:55.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf Deutsch sagt man auch: Warum Frauen nicht gut einparken können und Männer
nicht gut über Gefühle reden?

[00:09:08.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Viel mehr Frauen gehen in eine Therapie, holen sich Hilfe.

[00:09:19.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Für die Männer ist das schon ehrenrührig, dass man sich Hilfe holt, um Beziehungen zu
regeln.

[00:09:27.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Mann geht man höchstens in ein Management-Training oder
Kommunikationstraining wo man dann lernt, mehr zu verkaufen mehr die anderen zu
überzeugen, die anderen vielleicht auch geschickter überrennen, sodass sie das tun,
was man möchte.

[00:09:41.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier ist eine Selektion geschehen zwischen unseren Geschlechtern.

[00:09:47.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hatte seinen Sinn.

[00:09:48.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Selektion läuft jetzt ein bisschen in eine schwierige Phase hinein.

[00:09:54.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein wenig das Thema heute.

[00:09:56.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem will ich sagen: wir sind soziale Wesen, wir sind gesteuert, dass wir das soziale
Engagement aufrechterhalten, denn das ist wichtig, denn wir überleben besser als
Gruppe.

[00:10:11.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Bärin, die zieht alleine mit ihrem Kleinen durch die Gegend, die braucht keinen
Mann, kein Kollektiv. Die kann selber jagen oder Nahrung finden und kann so ihr
Kleines aufziehen.

[00:10:22.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Für den Menschen sagt man, um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf.

[00:10:30.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kommt von Margaret Mead.

[00:10:36.485] – Dr.med. Ursula Davatz
https://en.wikipedia.org/wiki/Margaret_Mead

[00:10:36.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Margaret Mead war die Freundin von Gregory Bateson, ein führender Systemtherapeut.

[00:10:36.844] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Gregory_Bateson

[00:10:37.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Gregory Bateson hat die Theorie vom Double Bind geprägt. Diese Theorie wurde dann
in der Schizophrenie wieder verwendet.

[00:10:57.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier kommen die Systemiker wieder zusammen.

[00:10:57.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer haben männliche Hormone.

[00:11:13.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kämpfer Hormone und sind eher das Dopamin.

[00:11:20.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den Tieren oder einem Menschen Dopamin gibt, dann werden sie
kämpferisch, kriegerisch. Sie können sich besser durchsetzen.

[00:11:28.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kuschelhormon verhindert bei den Frauen, dass wir uns durchsetzen.

[00:11:34.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Warum sind nur so wenige Frauen in führenden Positionen?

[00:11:41.750] – Dr.med. Ursula Davatz

Frauen haben mehr Oxytocin und weniger androgene Hormone und weniger Dopamine.

[00:11:47.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Männern Oxytocin gibt, werden die auf einmal auch ganz liebevoll, besorgt
und empathisch.

[00:11:58.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Frauen mehr Dopamin gibt oder Androgene, dann werden sie auch
kämpferischer.

[00:12:01.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben alle beides in uns. Von unserem Geschlecht her werden wir doch ein
bisschen gesteuert von diesen Hormonen.

[00:12:13.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das spielt eine Rolle beim Sozialverhalten.

[00:12:31.290] – Bemerkung 1
Ritalin bewirkt, dass das Dopamin erhöht ausgeschüttet wird. Ist das korrekt?

[00:12:31.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin keine Pharmakologin, ich mache mir Bilder.

[00:12:45.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Ritalin greift bei den Bahnen des limbischen Systems zum Vorderhirn an.

[00:12:53.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Präfrontale Cortex macht, dass man zielgerichtet ist.

[00:13:00.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer sind sehr zielgerichtet.

[00:13:03.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADS Kindern, wo man dann Ritalin gibt, die sind nicht so zielgerichtet.

[00:13:10.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich sind die Multi-Tasking schon wie Hausfrauen, könnte man sagen.

[00:13:15.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die nehmen alles auf was um sie geht und können sich nicht auf etwas fokussieren.

[00:13:20.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man den ADHS/ADSlern Ritalin gibt, das regt die Dopaminbahnen an, dann
können sie mehr fokussiert sein. Dann können sie mehr leisten.

[00:13:24.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist immer die grosse Diskussion.

[00:13:35.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Darf man das?

[00:13:37.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Schulsystem verlangt die zielgerichtete Leistung.

[00:13:44.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Schulsystem wird unsere Gesellschaft natürlich schon reflektiert, abgebildet.

[00:13:49.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Eltern und Lehrer sagen: wenn wenn du das nicht recht machst, dann schaffst du es nie
im Leben.

[00:13:57.630] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich denke evolutiv.

[00:13:57.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein 3 monatiges Kind schon auf die Beine stellt, lernt es nicht besser laufen,
als wenn es erst dann auf die Beine steht, wenn es soweit ist.

[00:14:11.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das männliche Denken ist: mehr ist besser, je schneller umso besser, das Wettrennen.

[00:14:19.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin greift genau dort ein.

[00:14:19.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ärzte haben früher Ritalin genommen um Prüfungen besser zu bestehen, die ganze
Nacht durchzuarbeiten und am nächsten Tag doch noch wach sein.

[00:14:37.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Ritalin ist ein Amphetamin, ein Weckamin, es macht einem wach.

[00:14:39.650] – Bemerkung 2
Es ist auch ein Mittel zum abnehmen, ursprünglich.

[00:14:39.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man auf Sympathikoton eingestellt ist, wenn man Adrenalin stimulierende
Medikamente nimmt, wachmachende Medikamente, dann hat man keinen Hunger.

[00:15:02.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sehr gestresst ist kompensieren gewisse Leute ihren Stress mit Essen.

[00:15:02.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Der erste Stressreflex ist: ich mag jetzt nicht essen, ich muss jetzt rennen.

[00:15:03.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Marathonläufer essen während dem Marathonlauf gar nichts, dann ist der Magen
völlig geschlossen. Trinken muss man, sonst kann man nicht, aber essen mag man
nicht.

[00:15:21.700] – Dr.med. Ursula Davatz
So wird Ritalin auch als Abnehmmittel verwendet. Das ist alles die gleiche Wirkung. Ich
gehe auf Aktivität, dann brauche ich nichts zu Essen.

[00:15:33.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein soziales Wesen, er gehört zu einer Gruppe, er braucht eine Gruppe.

[00:15:43.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man von der Gruppe abgehängt wird, dann hat man Panik.

[00:15:47.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie bei einer Führung mitmachen durch eine Stadt, die sie nicht kennen auch
wenn sie vielleicht sogar selber einen Stadtplan haben, wenn die Gruppe irgendwo
verschwindet hinter der nächsten Ecke, dann macht man eine kleine Panikreaktion,
Huch, jetzt habe ich den Anschluss an die Gruppe verloren.

[00:16:04.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit die Gruppe zusammenhält braucht es die Empathie, braucht es das Oxytocin,
das soziale Hormon, sonst kann man gar nicht miteinander kooperieren.

[00:16:22.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Oxytocin fördert an erster Stelle die Kooperationsfähigkeit.

[00:16:27.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch hat auch eine andere Wesensart, das Kompetitive, das Wettkämpferische.

[00:16:37.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist bei den Männern wohl stärker.

[00:16:39.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch Frauen können wettkämpfen, Mütter können wettkämpfen mit ihren Kindern.
Welches Kind kann früher laufen? Welches Kind geht früher auf die Toilette? Welches
ist besser in der Schule?

[00:16:45.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen machen ihren Wettkampf häufig über die Kinder.

[00:16:54.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist auch ein kompetitives Wesen, das kommt über das Dopamin heraus,
die androgenen Hormone.

[00:17:04.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man einen Raum mit Leuten betritt, die man alle nicht kennt, dann beschnüffelt
man sich gegenseitig und stellt eine Hackordnung her.

[00:17:13.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Männer stellen die Hackordnung sehr viel schneller her, wer ist das Alphatier und wer ist
unten.

[00:17:46.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Frauen sagt man, wenn man die in einen Raum sperrt und man muss eine
Hackordnung herstellen, dauert das sehr lange.

[00:17:46.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen werfen die Hackordnung immer wieder über den Haufen.

[00:17:47.070] – Dr.med. Ursula Davatz

Männer finden das schrecklich und verlieren ihre Geduld und sagen: Frauen können
sich nicht an die Hierarchie halten.

[00:18:05.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das können die Frauen nicht so gut und wollen es auch nicht können. Wenn wir
Kinder aufziehen, dann ändert sich die Hierarchie ständig.

[00:18:28.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind wird immer grösser, man kann einen Säugling nicht gleich behandeln wie
einen Teenager.

[00:18:36.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Situationen sind immer ein bisschen anders.

[00:18:37.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen entscheiden viel eher situativ.

[00:18:38.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater geht arbeiten und setzt einfach die Regeln.

[00:18:44.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter, welche zu Hause ist macht es dann aber anders.

[00:18:45.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es Streit zwischen Mann und Frau, wegen den unterschiedlichen
Vorstellungen.

[00:18:53.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen hätten nie Gesetze erfunden. Die Gesetze wurden von den Männern, von
den Römern erfunden.

[00:19:03.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Gesetze haben auch ihre Vorteile. Klare Strukturen, klare Hackordnungen, Seilschaften
der Männer haben unsere Gesellschaften auch vorwärts gebracht.

[00:19:14.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn alles nur nach der Frau gelaufen wäre, wäre die westliche Gesellschaft nicht so
weit wie sie heute ist.

[00:19:41.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kombination von Zusammenarbeit und Wettkampf untereinander, die Männer
machen einen Wettkampf untereinander und tun sich natürlich auch wieder in
Seilschaften zusammen, im Kollektiv zusammen, dann kämpfen sie untereinandern.

[00:19:57.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben wir heute.

[00:20:01.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben die Grossfirmen, die in den Wirtschaftskrieg gegeneinander gehen.

[00:20:08.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder will der Schnellste, der Grösste, der Billigste , der Gescheiteste, der
Interessanteste sein.

[00:20:12.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Idee aufkommt, dass diese Idee multipliziert wird, dazu braucht es eine gute
Struktur, eine sogenannte Hackordnung, eine Hierarchie, damit der Ablauf immer schön
gleich ist, damit man möglichst keine Energie verbraucht.

[00:20:37.250] – Dr.med. Ursula Davatz
So funktionieren grosse Firmen.

[00:20:37.850] – Dr.med. Ursula Davatz

In der Evolution kommen immer wieder neue Sachen von aussen her.

[00:20:53.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf einmal ist das was einmal gut gewesen ist, ist nicht mehr gut.

[00:20:57.670] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle braucht es neue Impulse. Das wäre die Kreativität.

[00:20:58.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Therapeuten sollten mit der Kreativität des Menschen arbeiten.

[00:21:09.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Menschen, welche aus den grossen Gruppen herausfallen, die passen nicht in die
grossen Gruppen und haben die Eigenschaften von Menschen, welche unter diesem
grossen Druck untergehen. Die müssten man pflegen.

[00:21:28.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Gesetz aus der Biologie: heterogene Gesellschaften überleben viel besser als
homogene Gesellschaften.

[00:21:36.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Homogen, das heisst alle haben die gleichen Gene.

[00:21:41.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist immer die gleiche Eigenschaft.

[00:21:44.240] – Dr.med. Ursula Davatz
In einem stabilen Umfeld, in einem stabilen Habitat ist das eine gut eingespielte Aktion,
interaktion.

[00:21:56.380] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn das Habitat, wenn das Umfeld ändert, einmal ist das was einem vorher geholfen
hat zu überleben, ist dann der Untergang.

[00:22:07.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt ein neuer Virus rein, alle haben die gleichen Gene und dann sind sie alle
anfällig.

[00:22:13.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gesetz der Evolution sagt: Survival of the fittest.

[00:22:13.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Fit wird im Deutschen oft mit stark übersetzt.

[00:22:13.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist falsch.

[00:22:13.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Fit bedeutet nicht stark.

[00:22:31.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Fit heisst angepasst, man kann gut mit dem Umfeld umgehen.

[00:22:31.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Evolution.

[00:22:47.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Bakterium oder ein Virus hineinkommt, wo die Gene sich nicht dagegen
wehren können, stirbt alles aus.

[00:22:56.020] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man nur die gleichen Bienen züchtet, es kommt ein Virus rein, dann sterben
plötzlich alle Bienen aus.

[00:22:56.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein homogene Population ist viel gefährdeter als eine heterogene Population.

[00:23:16.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Wettkampfgesellschaften, wo sich immer grosse Firmen zusammen schliessen
und dann sogenannt rationalisieren, die steuern eher auf homogene Gesellschaften zu
und die sind dann gefährdet.

[00:23:34.520] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle braucht es ab und zu wieder ein kreatives Individuum, wie der Steve
Jobs gewesen ist, bei Apple.

[00:23:43.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Steve Jobs wäre untergegangen, wenn diejenigen welche die Hierarchie aufgebaut
haben nicht auch mitgearbeitet hätten.

[00:23:44.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir brauchen alle drei Dinge.

[00:23:55.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir brauchen den Zusammenhang der Empathie, wir brauchen den Wettkampf und wir
brauchen auch immer wieder Raum für neue Entwicklungen, also für individuelle
Menschen, welche dann etwas Neues entwickeln können.

[00:24:17.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Wettkämpferische wird über Testosteron und Dopamin gefördert. Über Ritalin auch.

[00:24:24.240] – Dr.med. Ursula Davatz

Dank der kooperativen und dank der kompetitiven Eigenschaft ist der Mensch so weit
gekommen, konnte der Mensch die ganz Welt erobern und hat sehr vieles verdrängt.

[00:24:35.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Verhaltensweisen, welche zu den Kriegszeiten gut gewesen sind, sind heute in der Zeit
des Überflusses nicht mehr gut.

[00:24:58.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Du musst deinen Teller ausessen: das war nützlich in Kriegszeiten, dann hatte man
nichts zum wegschmeissen.

[00:24:59.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man heute den Teller ausessen muss, wo es riesige Portionen gibt, dann wird
man übergewichtig.

[00:25:13.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln, welche man in der Familie gelernt hat zu Kriegszeiten, du musst deinen
Teller aus Essen, ist heute keine gute Regeln mehr.

[00:25:17.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute muss man das Essen auch stehen lassen können, man muss das Essen auch
wegwerfen können. Es tut mir nicht gut, wenn ich übergewichtig werde.

[00:25:18.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ein Buch: Survival of the sickest.

[00:25:35.850] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.amazon.de/Survival-Sickest-Surprising-Connections-Longevity/dp/0060889667

[00:25:35.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das berühmte Beispiel ist die Sichelzellanämie.

[00:25:43.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das lernt man auch in der Medizin.

[00:25:47.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Krankheit der roten Blutkörper, d.h. die roten Blutkörper sind nicht ganz so
gut, sie haben keine runde sondern eine Sichelform.

[00:26:02.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Malaria wird über die Blutkörper übertragen.

[00:26:02.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine Sichelzellanämie hat, ist man mein kein guter Wirt für Malaria.

[00:26:11.740] – Dr.med. Ursula Davatz
So überlebt man die Malaria-Gebiete.

[00:26:11.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher gab es rund um das Mittelmeer Malariagebiete.

[00:26:20.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Habsburger hatten Sichelzellanämie und haben gut überlebt. Die Krankheit hat
ihnen geholfen zu überleben.

[00:26:20.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt nichts Fixes. Das ist immer schlecht, das ist immer gut.

[00:26:40.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nach den Umständen wird auf einmal das was schlecht ist, wird gut, hilft einem zu
überleben.

[00:26:48.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der Begriff von fit.

[00:26:51.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ein anderes Beispiel aus der Medizin.

[00:26:51.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Frauen nehmen einen Eisenspritze.

[00:27:02.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin so müde, ich bin so krank, ich bin schwach, mein Eisen ist unten. Das hat wohl
auch etwas mit Stress zu tun.

[00:27:02.380] – Bemerkung 3
Frauen mit Schizophrenie haben auch einen tiefen Eisenwert.

[00:27:02.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, dann hat es auch mit Stress zu tun.

[00:27:20.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen den Eisenwert immer aufdosieren bei den Frauen.

[00:27:20.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Frauen in der Wüste in Afrika gesehen hat man eine Anämie festgestellt.

[00:27:38.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Frauen hatten zu wenig rote Blutkörperchen. Man hat diese Frauen dann von
80% auf 100% hochdosiert.

[00:27:39.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist dann passiert?

[00:27:39.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Frauen haben dann viel mehr Infektionskrankheiten bekommen.

[00:27:46.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Bakterien brauchen für ihre Vermehrung Eisen. Wenn man zu viel Eisen hat, dann wird
das Eisen von diesen Bakterien verwendet. Dann hat man eine Entzündung.

[00:27:46.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frauen mit einer leichten Anämie haben viel besser überlebt, als die Frauen welche
keine Anämie hatten.

[00:28:10.340] – Bemerkung 4
Ich verstehe, was sie damit meinen, dass man den Teller nicht ausessen muss. Ich
vertrete diese Haltung schon seit 20 Jahren. Ich komme mit dieser Haltung bei
Institutionen nicht gut an. Es gibt keine Wertschätzung für die Lebensmittelhersteller
und wir haben viele Leute, die am verhungern sind. Was soll ich dann sagen?

[00:28:20.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Mir wurde gesagt, iss das auf, denke an die Armen, welche nichts zu essen haben.

[00:29:10.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Ok, keine Wertschätzung dem Essen gegenüber, aber ich muss ja auch mir
Wertschätzung geben.

[00:29:10.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist jetzt wichtiger: das Essen oder meine Gesundheit?

[00:29:20.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf mich hören.

[00:29:29.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn du den Teller nicht ausessen kannst, schöpfe dir das nächste Mal einfach
weniger.

[00:29:31.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder Sozialverhalten. Man schöpft oft viel, aus Angst, die Anderen essen es
einem Weg. Das ist Kompetition um das Essen.

[00:29:58.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Denen muss man beibringen: Schöpfen weniger, du kannst ein zweites mal Schöpfen,
dann musst du nichts stehen lassen.

[00:30:03.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre eine längere Problemlösung, lernen aus dieser Situation.

[00:30:06.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kind zu zwingen, etwas aufzuessen, wenn es nicht mehr mag, ist für mich ein
Übergriff, ein Übergriff auf die Persönlichkeit des Kindes.

[00:30:17.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite häufig mit Personen mit Essstörungen.

[00:30:17.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Essen ist Intimsphäre.

[00:30:17.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Einem Kind Essen aufzuzwingen ist ein Eingriff in die Intimsphäre und das sollte man
nicht tun.

[00:30:32.950] – Bemerkung 5

Gewisse Mütter sagen, dann isst du es zum Frühstück oder später. Man sollte es aber
weg tun und neu anfangen.

[00:30:33.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finde ich auch.

[00:30:50.970] – Dr.med. Ursula Davatz
So verwendet man Essen als Bestrafung.

[00:30:52.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Methode um schlussendlich eine Essstörung hervorzurufen.

[00:30:57.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wäre so frech und würde sagen: wenn ihr jetzt unsere Bewohner so behandelt, dann
fördert ihr eine Essstörung. Das will ich nicht.

[00:31:08.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann dann mit der Krankheit drohen.

[00:31:08.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht aus dem leeren Bauch geholt. Das ist tatsächlich so.

[00:31:09.090] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesen Familien, wo Essstörungen auftreten, ist das Essen immer ein Thema.

[00:31:24.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das gleiche Essen dann zum Abendessen und zum Frühstück wieder
bekommt, dann bekommt das Essen eine zu grosse Wichtigkeit, es wird falsch
verwendet.

[00:31:27.090] – Dr.med. Ursula Davatz

Essen sollte ein Vergnügen sein.

[00:31:38.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist evolutionsgeschichtlich gedacht.

[00:31:41.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles was Aufrechterhalten werden muss, macht eigentlich Spass.

[00:31:46.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Natur ist so eingerichtet, dass wir das gerne machen, was wichtig ist.

[00:31:50.540] – Bemerkung 6
Das verliert auch an Wert. Früher hat man das in der Gruppe gemacht. Heute nimmt
man das aus dem Kühlschrank, was man essen möchte und sitzt nicht mehr am Tisch.
Was ist jetzt Essen? Ist es eine Notwendigkeit? Ist Essen ein soziales Ereignis? Das
vermisse ich. Man hat keine Zeit mehr, man hat keine Lust mehr, man ist immer
gestresst. Man muss, 24h Tag. Jeder arbeitet anders. In einer Patchworkfamilie
empfinden wir das nicht als schön. Bringen wir das nicht mehr zustande, dass wir alle
an einem Tisch sitzen können?

[00:32:44.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder ein Wert, den wir als Frauen und Mütter einbringen müssen und dafür
eintreten müssen.

[00:33:02.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Es stimmt. Essen und Reden gehört zusammen.

[00:33:09.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon die Affen die tun gemeinsam Essen. Die tun Essen teilen.

[00:33:13.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Wölfe, Löwen, Hyänen teilen ihre Beute.

[00:33:17.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele der sozialen Arten teilen ihr Essen, sie verwenden Essen als Freundlichkeitsgeste,
als Friedensbotschaft. Wenn man Streit hat untereinander, dann bietet man sich
nachher Essen an und macht danach wieder Frieden.

[00:33:35.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir machen Frieden.

[00:33:36.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen sollten dafür eintreten, dass wir sagen, Essen ist ein gemeinsamer Akt, das
sollten wir pflegen, das ist eine soziale Angelegenheit.

[00:33:49.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Essen und Reden kann sich gegenseitig austauschen.

[00:33:53.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man gesagt: rede nicht so viel, iss.

[00:33:56.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Allen übergewichtigen Menschen muss ich sagen: iss nicht so viel, sprich mehr.

[00:34:03.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche nicht zum Reden kommen oder das Gefühl haben, man hört ihnen
nicht zu, die müssen sich Gewicht verschaffen, aber im Wort und nicht mit dem Körper.

[00:34:16.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Leute, die übergewichtig sind, die Verstehen das eigentlich schon. Man muss ihnen
wirklich helfen Gewicht zu verschaffen.

[00:34:32.530] – Dr.med. Ursula Davatz

Sagen sie nicht: das können wir nicht erreichen. Das ist schon eine negative
Formulierung. Sagen sie: ich will das erreichen.

[00:34:44.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eher eine männliche, eine führende Argumentation.

[00:34:47.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Das andere ist eher eine weibliche Opfer Formulierung.

[00:34:50.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Können wir das eigentlich nicht mehr erreichen?

[00:34:53.770] – Bemerkung 7
Bringen wir das eigentlich nicht zustande, dass wir alle am gleichen Tisch essen?

[00:34:53.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will das erreichen, auch wenn es nur einmal pro Woche ist. Bei vielen ist es am
Sonntagabend, bevor man wieder in die Woche einsteigt. Der Sonntagabend ist heilig.
Man trifft sich zum Essen und austauschen.

[00:35:30.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch politische Dinge werden über das Essen ausgehandelt.

[00:35:30.900] – Bemerkung 7
Jeder arbeitet in einer anderen Schicht. Dann erreicht man es auch wieder nicht. Man
muss 24 Stunden präsent sein. Das macht es auch nicht einfach.

[00:35:41.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man nur Familientherapie mit der ganzen Familie gemacht. Falls nicht alle
anwesend waren, hat man die ganz Familie wieder nach Hause geschickt, die sind
ungehorsam, die boykottieren meine Therapie.

[00:36:14.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Mara Selvini Palazzoli hat das so gemacht.

[00:36:17.776] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Mara_Selvini_Palazzoli

[00:36:17.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin völlig weggekommen von dem.

[00:36:25.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage, ich arbeite mit dem Rumpfstück, welches anwesend ist.

[00:36:27.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite als ob alle anwesend wären.

[00:36:30.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich beziehe diese gedanklich mit ein.

[00:36:34.350] – Dr.med. Ursula Davatz
So würde ich es wahrscheinlich als Mutter machen.

[00:36:37.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Mir ist es ein Anliegen, ich will einen gemeinsamen Familientisch und ich will den
mindestens einmal in der Woche, wenn die Wahrscheinlichkeit am grössten ist.

[00:36:44.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache den auch, wenn jemand nicht kommen kann.

[00:36:55.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Zusammensetzung ist immer ein bisschen anders.

[00:36:56.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Idee des Gemeinsamen ist vorhanden. Das ist wie das heilige Feuer.

[00:36:58.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das heilige Feuer in der Kirche.

[00:36:59.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wahrscheinlich hatte das heilige Feuer in der Kirche diese Bedeutung.

[00:37:07.700] – Dr.med. Ursula Davatz
In Griechenland ist man früher zum Bäcker gegangen. Zu Hause gab es keinen Ofen.
Der Bäcker hat es für einen gebacken.

[00:37:10.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heilige Feuer ist die Zusammengehörigkeit, das Abendmahl, das Weihnachtsessen,
Thanksgiving.

[00:37:14.930] – Bemerkung 8
Gehen diesen Rituale nicht immer mehr verloren in unserer Gesellschaft?

[00:37:22.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so.

[00:37:46.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen sollten für diese plädieren und für diese einstehen. Nicht nur die
Kompetitionsritule sollten wichtig sein.

[00:37:46.330] – Bemerkung 9
Mütter haben oft eine Diskussion untereinander wegen dem gesunden Essen, wegen
dem Gemüse. Gewisse Mütter sagen: ich zwinge mein Kind nicht zum Gemüse essen.
Ich habe dann gewisse Kinder, die essen weder Früchte noch Gemüse.

[00:38:26.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Haltung ist: nicht Zwingen, dass das Kind so und so viel essen muss. Probieren
muss das Kind aber schon.

[00:38:31.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will immer wieder die geschmackliche Neugier des Kindes wecken.

[00:38:34.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Der kindliche Geschmack ist anders als der erwachsene Geschmack.

[00:38:37.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat gewisse Sachen wie Bitterstoff, Spinat, Fenchel nicht so gerne. Als Kind habe
ich gar keinen Fenchel gegessen. Heute liebe ich Fenchel. Ich habe Fenchel über eine
Freundin kennengelernt im Salat. So hat er nicht mehr ganz so stark gerochen.

[00:38:43.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer probieren um zu sehen, was der Geschmack dazu sagt.

[00:39:10.266] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Geschmack kann sich ändern.

[00:39:10.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Zwingen eine ganze Portion zu essen, das würde ich auch nicht tun.

[00:39:11.210] – Bemerkung 10
Essen hat mit Ernährung zu tun und ist etwas ganzheitliches. Ein Mensch kann satt sein
mit dem Essen aber er kann ungenährt sein.

[00:39:15.030] – Bemerkung 10

Hinter dem Essen ist das nähren verborgen. Ein Wunsch kann auch mit dem
Familienritual verbunden werden. Weg von dem Vitamin A und Vitamin B hin zum
nähren und ernähren.

[00:40:12.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein sehr schönes Bild und unterstreicht das heilige Feuer, den heiligen Herd.

[00:40:13.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Systemisch ausdrückt sagt man: das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Das
ist genau das nähren. Das ist die Ganzheitlichkeit, die Gesellschaft, die Familie als
Ganzes. Das Kollektiv als Ganzes hat etwas nährendes. Dann ist man viel mehr wert
als nur das einzelne Individuum.

[00:40:33.340] – Bemerkung 10
Wenn man so die Familie zusammenführt, zusammenruft, könnte es besser fruchten.

[00:41:07.600] – Bemerkung 10
Fondue oder Hot-Pot, wo alle aus einem Topf essen, unterstreicht das auch wieder.
Man gehört zusammen, man teilt.

[00:41:31.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Hochproblematische Dinge sollen nicht während dem Essen diskutiert werden, sonst
wollen die Kinder nicht mehr zum Essen kommen.

[00:41:56.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Hochproblematische Sachen müssen bilateral angeschaut werden und nicht in der
Gruppe.

[00:42:02.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Hochproblematische Dinge muss man auf den Hauptkonflikt reduzieren.

[00:42:04.840] – Dr.med. Ursula Davatz

Der Hauptkonflikt muss auf zwei Personen reduziert werden.

[00:42:09.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch etwas wichtiges. Das ist auch wieder eine Regel.

[00:42:17.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Falls so hochproblematische Sachen diskutiert werden, angerissen werden beim Essen,
dann ist die Regel, dass die Mutter oder der Vater sagen kann: Nein, das will ich jetzt
hier nicht diskutieren, das verdirbt mir sonst den Hunger oder die Freude, das müssen
wir extra diskutieren.

[00:42:24.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Fit ist wer in der richtigen Situation kämpfen kann für sich und wer in der richtigen
Situation kooperieren kann.

[00:42:55.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das herauszufinden ist nicht immer so einfach.

[00:43:04.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Welt ist vielmehr vom Kampf bestimmt. Man redet auch so.

[00:43:04.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch in der Medizin spricht man vom Kampf gegen die Krebszellen.

[00:43:11.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kämpft gegen alles, das ist alles eine männliche Sprache.

[00:43:26.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Weiblich wäre: wir unterstützen den Körper, dass er fertig wird mit den Krebszellen. So
ist es auch in der Natur.

[00:43:37.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir genügend Widerstand haben bei uns, Ressourcen nähren, dann können wir
mit viel fertig werden, ohne dass wir mit der Faust kämpfen müssen.

[00:43:44.830] – Dr.med. Ursula Davatz
In was für einer Situation stecken wir jetzt gerade? Es heisst ja Gesellschaft unter
Hochdruck.

[00:43:57.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe vorher schon gesagt: die verschiedenen Grossunternehmen kämpfen alle
miteinander, die ziehen alle in den Krieg miteinander.

[00:44:14.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie schauen von einander ab. Sie machen voneinander Wirtschaftsspionage und
versuchen dann sich noch ein bisschen zu verbessern.

[00:44:16.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der globalen Weltwirtschaft ist die ganze Welt im Wirtschaftskrieg miteinander.

[00:44:31.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Man macht dann immer wieder Zusammenschlüsse also Wirtschaftsräume, wo dann
freier Austausch ist, um sich wieder zu verbessern, dass wäre dann die Kooperation.
Dann bricht immer wieder der Krieg aus.

[00:44:41.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Mensch sich anpasst an seine selber produzierte Gesellschaft, wir bauen uns
eine technische Welt auf, wir produzieren Sachen, wir brauchen das alles und dann
passen wir uns wieder dem an, was wir selber produziert haben.

[00:45:29.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Systemisch gesehen ist das ein Feedback Zyklus, welcher davon läuft.

[00:45:46.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es läuft eine Beschleunigung. Man macht mehr vom gleichen und wird stimuliert mehr
vom gleichen zu machen.

[00:45:54.160] – Bemerkung 11
Ist das positiv?

[00:46:01.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, das ist nicht positiv.

[00:46:04.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Mechanismen haben wir auch in unserem Gehirn.

[00:46:05.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind Eskalationsmechanismen.

[00:46:14.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man macht etwas und das wird zurück gefüttert auf uns und zwingt uns dazu, dass wir
uns noch mehr anpassen. Es ist die Geschichte des Zauberlehrlings.

[00:46:17.490] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Zauberlehrling

[00:46:17.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wird schlussendlich der Sklave von dem was man selbst geschaffen hat.

[00:46:17.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher musste man für das Überleben arbeiten, um die Familie zu ernähren.

[00:46:34.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute muss man überleben damit man arbeiten kann.

[00:46:42.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst bricht das ganze Gebäude zusammen.

[00:46:46.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geschieht bei den Versicherungen.

[00:46:53.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Versicherungen sind daran interessiert, dass sie möglichst kurz Taggeld bezahlen
müssen.

[00:46:56.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Versicherungen wissen, dass wenn jemand depressiv ist, man Antidepressiva
geben kann, dass man bei Kindern und Erwachsenen Ritalin geben kann, dann kommt
man schneller auf die Füsse, ist man schneller leistungsfähig.

[00:47:10.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Antidepressiva sind nichts anderes als Stimulanzien.

[00:47:11.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Antidepressiva frisieren den Motor.

[00:47:28.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch bricht zusammen mit einem Burnout, man gibt ihm Antidepressiva,
Stimulanzien, er mag wieder, er steigt wieder in die Leistungsgesellschaft, in die
Kompetition ein.

[00:47:31.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es liegt im Interesse der Versicherungen, dass sie möglichst wenig Geld ausgeben
müssen.

[00:47:36.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen den Menschen gesund machen.

[00:47:36.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Ärztin werde dann unter Druck gesetzt: sie haben den nicht optimal behandelt.
Sie haben den nicht nach der heutigen Kunst der Psychiatrie behandelt. Einer der
depressiv ist, muss Antidepressiva erhalten.

[00:47:45.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Der will das aber nicht und ich will das auch nicht und ich mache es jetzt so.

[00:48:02.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss ich mit der Versicherung und mit den Versicherungsärzten kämpfen.

[00:48:03.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die laufen alle in dem Feedback Zyklus: schneller, besser, schneller wieder zurück zur
Arbeit.

[00:48:06.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Professor hat mal eine Studie gemacht: wenn man Rückenprobleme hat und länger
als drei Wochen von der Arbeit fern bleibt, dann will man nicht mehr zur Arbeit gehen.
Folglich muss man die Person möglichst schnell wieder zur Arbeit zurückbringen. Alle
Versicherungsmediziner haben das inthronisiert. Die sagen jetzt: es ist bekannt, dass
wenn jemand lange von der Arbeit fern bleibt, dass der nie mehr zur Arbeit zurückkehrt.
Wir müssen die Person sofort wieder zur Arbeit zurückbringen.

[00:49:03.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nur bedingt richtig.

[00:49:03.250] – Dr.med. Ursula Davatz

Derjenige, welcher zur Arbeit raus geflogen ist, weil die Anpassung von seiner
Persönlichkeit, von seiner Arbeit völlig schlecht ist, der wird auch wenn man ihn nach
drei Wochen zurückschickt, wird er wieder rausfallen. Es wird nicht gehen.

[00:49:21.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Tatsache, dass jemand nach drei Wochen wieder zurückkehrt, ist schon wieder eine
andere Anpassung. Das hat man in dieser Studie gar nicht angeschaut.

[00:49:21.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Man meint, in dem man jemanden oberflächlich anschaut und jemanden zur Arbeit
zwingt würde es besser funktionieren. Das stimmt überhaupt nicht.

[00:49:37.198] – Bemerkung 12
Das stimmt vielleicht kurzfristig.

[00:49:37.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann arbeitet er kurzfristig und die müssen nicht bezahlen. Es hat aber primär nicht
gestimmt. Man muss über die Bücher gehen und man muss mit ihm etwas anderes
suchen. Das ist unsere Aufgabe herauszufinden, was es eigentlich ist.

[00:50:00.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er nur Angst hat und sich etwas nicht zutraut, dann stimmt das mit den drei
Wochen.

[00:50:07.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn diese Passung schlecht ist, dann stimmt es nicht.

[00:50:26.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wurde in der Studie überhaupt nicht angeschaut.

[00:50:32.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Rein numerisch, statistisch haben die nach drei Wochen einen besseren Verlauf.

[00:50:36.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Der bessere Verlauf hängt nicht von den drei Wochen sondern von der anderen
Konstitution/Situation ab.

[00:50:36.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Der gleiche Professor hat jetzt ein Buch über Burnout herausgegeben.

[00:50:48.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist verrückt. So läuft unsere Welt.

[00:50:48.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Menschen in dieser endlos Schlaufe sind, wenn sie sich immer mehr an das
eigenproduzierte anpassen, unser Körper hat Grenzen.

[00:51:15.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen sind keine Computer und können nicht Tag und Nacht laufen.

[00:51:20.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir brauchen Leistungszeiten und wir brauchen Erholungszeiten.

[00:51:25.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir alle Jetset Manager von den grossen Firmen sehen, dann gibt es keine
Erholung mehr.

[00:51:25.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in den Teufelskreis gerät, wo sich unsere Wirtschaft befindet, dann
geschieht irgendwann ein Burnout, ein Herzinfarkt, eine Depression (das gleiche wie ein
Burnout) oder man wird sonst irgendwie krank.

[00:51:30.110] – Dr.med. Ursula Davatz

In dem man mit dem Wettkampf mitgeht, steigt man in einen Suchtmechanismus ein.

[00:51:38.930] – Bemerkung 13
Man muss mitmachen. Man wird ja manipuliert von diesen homogenen Gruppen.

[00:52:08.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine gute Frage!

[00:52:08.290] – Bemerkung 13
Man ist abhängig und geht automatisch diesen Weg.

[00:52:08.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mitmachen, aus diesem Zusammengehörigkeitsgefühl aus dem
Kooperationsgefühl heraus, muss man mitmachen.

[00:52:26.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier geht es um die therapeutische Frage: Wo kann man aussteigen?

[00:52:27.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein riesiger Druck. Wir sind alle in dem Hamsterrad.

[00:52:40.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir den Irrsinn anschauen, auf der einen Seite schickt man den Menschen in das
kompetitive Hamsterrad, man muss sich anpassen, alle die Clans, die grossen Firmen,
die miteinander kämpfen.

[00:52:58.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es ein Burnout, man wird krank.

[00:53:03.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann verdient der Mensch wieder Geld an den Burnout Kliniken.

[00:53:09.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein grosser, lukrativer Zweig von Privatkliniken, die wunderbar Werben mit tollen
Broschüre: Burnout Klinik.

[00:53:19.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Burnout Klinik ist zuerst von den Privatkliniken entdeckt worden und jetzt kommen
auch die staatlichen und jeder macht jetzt eine Burnout Abteilung.

[00:53:27.000] – Dr.med. Ursula Davatz
So verdient man wieder Geld.

[00:53:27.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich war in einer Burnout Klinik in Susch.

[00:53:27.070] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.clinica-holistica.ch/

[00:53:27.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine deutsche Kette interessanterweise, investiert in der Schweiz mit Burnout
Kliniken. Es werden bald noch mehr Burnout Kliniken eröffnet. Es läuft sehr gut.

[00:53:48.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wieder das gleiche Hamsterrad.

[00:53:49.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie verwenden Medikamente, die Atemtherapie und auch Wellness.

[00:53:49.740] – Dr.med. Ursula Davatz

Bei der Krankenkasse wird dann Wellness verkauft, wo die Krankenkasse nicht merkt,
was das Wellness ist und dann müssen sie es zahlen, denn es ist ja eine offizielle
Klinik.

[00:54:11.000] – Dr.med. Ursula Davatz
So sind wir wieder im gleichen Zyklus drinnen.

[00:54:11.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist irr.

[00:54:11.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss aus dem Anpassungszwang heraus aus mitmachen, wegen dem
Zugehörigkeitsgefühl.

[00:54:20.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo kann man hier sagen: nein, da mache ich nicht mit.

[00:54:20.550] – Bemerkung 14
Viele haben Angst und wollen angepasst sein.

[00:54:25.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Es besteht ein gewisser Druck.

[00:54:25.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir befinden uns im Suchtmechanismus von mehr Wachstum, mehr Umsatzsteigerung,
mehr Effizienz.

[00:54:38.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Effizienzdenken kommt auch schon in das Gesundheitswesen rein.

[00:55:10.120] – Dr.med. Ursula Davatz

Grosse Konzerne machen riesige Kliniken auf, über die ganze Welt.

[00:55:10.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle sind kompetitiv, wer hat die bessere Klinik.

[00:55:12.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht mehr um das empathische und diesen Menschen zu helfen. Es geht nur
um das Business und dann ist man schon wieder im Suchtmechanismus.

[00:55:20.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Suchtmechanismus bei einem Süchtigen läuft auf dem Vergnügen, auf dem
Belohnungszentrum, Endorphin.

[00:55:47.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man etwas macht, das man gerne macht, dann gibt das eine
Endorphinausschüttung, dann fühlen wir uns wohl.

[00:55:48.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Suchtmechanismus greift dort ein.

[00:55:48.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Suchtmittel verdrängt sämtliche anderen Verhaltensweisen, welche das Wohlgefühl
auch erbringen könnte.

[00:55:48.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Wohlgefühl kann durch ein gemeinsames Abendessen am Sonntagabend erreicht
werden, durch das Gemeinsamkeitsgefühl.

[00:56:19.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sitzen so traulich beisammen und haben einander so lieb. Erheitern einander das
Leben. Ach, wenn es doch immer so blieb!

[00:56:19.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt ein Wohlgefühl. Es gibt ein gutes Gefühl.

[00:56:37.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein gutes Gespräch gibt ein gutes Gefühl.

[00:56:41.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas geleistet zu haben, gibt ein gutes Gefühl.

[00:56:45.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Anerkennung bekommen gibt ein gutes Gefühl.

[00:56:47.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine sportliche Leistung gibt ein gutes Gefühl.

[00:56:49.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein schönes Buch lesen gibt einfach ein gutes Gefühl.

[00:56:52.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Instrument zu spielen, schöne Musik hören gibt ein gutes Gefühl.

[00:56:55.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man einmal in den Suchtmechanismus eingestiegen ist, dann gibt nur noch
Heroin ein gutes Gefühl und alles ist darauf ausgerichtet, wieder diesen Stoff zu
bekommen.

[00:56:56.790] – Dr.med. Ursula Davatz
In unserer Wettbewerbsgesellschaft ist nur noch der Wettbewerb wichtig, nur noch der
Wettbewerb gibt ein gutes Gefühl.

[00:57:11.680] – Dr.med. Ursula Davatz

Davon müssen wir wegkommen.

[00:57:11.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Wettbewerb äussert sich nur darin: wer hat mehr Geld?

[00:57:24.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ja viel Geld hat, dann weiss man nicht mehr, was man damit tun soll. Dann
muss man es wieder in eine gute Stiftung tun. AIDS in Africa bekämpfen, wie es Bill
Gates macht.

[00:57:35.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Milliardäre, welche viel Geld haben, müssen sich ein gutes Gefühl machen, indem
sie in eine gute Sache investieren. Das ist völlig in Ordnung.

[00:57:36.080] – Bemerkung 15
Das ist alles Leistung. Man leistet etwas für die Gesellschaft.

[00:57:47.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht wieder in den Endorphin Zyklus rein, auf einer höheren Ebene.

[00:57:59.460] – Dr.med. Ursula Davatz
ich bezahle Geld für eine gute Sache. In dem ich Geld bezahle für eine gute Sache, tue
ich etwas für die Menschheit. Indem ich sozial bin, empathisch bin, auf hoher Ebene,
fühle ich mich gut. Darum tun sie es auch.

[00:57:59.730] – Bemerkung 16
Das ist auch wie ein Suchtverhalten. Wo kriege ich noch Anerkennung? Sich gut fühlen.

[00:58:24.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Suchtverhalten greift in das Belohnungssystem ein und beutet das aus. Wenn wir mit
verschiedenen Dingen uns das Belohnungssystem aktivieren, dann ist das gesund.

[00:58:35.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir unser Belohnungssystem nur auf Geld verdienen oder Heroin anschaffen
reduzieren, dann sind wir ein Krüppel.

[00:58:50.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Merkantilistisch läuft es darauf heraus, dass man nur noch ein gutes Gefühl hat, wenn
man viel Geld hat.

[00:58:58.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Dagegen muss man sich wehren.

[00:59:01.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Kein Geld kann einem schlussendlich Zufriedenheit verschaffen.

[00:59:09.250] – Bemerkung 17
Bei vielen geht es auch nur noch um das Überleben.

[00:59:09.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt, das ist dann die andere Seite.

[00:59:09.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Teufelskreis, welcher mehr vom gleichen produziert, ist ein Suchtmechanismus.

[00:59:44.350] – Dr.med. Ursula Davatz
So läuft die Gesellschaft überall auf Hochdruck. Wir werden immer wieder überall damit
konfrontiert.

[00:59:48.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir werden jetzt auch im Gesundheitswesen damit konfrontiert.

[00:59:52.300] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Chefärzte der Kliniken sagen einfach: ist mir egal, die Zahlen müssen einfach
stimmen.

[00:59:53.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ökonomie hat den Einzug gehalten im Gesundheitswesen.

[01:00:00.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ursprünglich ist das Gesundheitswesen eine Dienstleistung gewesen um die
Gesundheit zu erhalten.

[01:00:09.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute wird damit Geld verdient.

[01:00:10.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Beispiel vom Manager, welcher ein ein Burnout hat, dort verdient der Betrieb an
ihm, dass er so einen grossen Umsatz macht, dann hat er ein Burnout und dann
verdient wieder die Burnout Klinik an ihm, dass er wieder gesund wird.

[01:00:10.190] – Bemerkung 18
Ich kann zu den Versicherungen etwas sagen. Jede Versicherung muss ihre Abteilung
selber finanzieren. Sie schauen den Menschen nicht in das Gesicht. Die wollen einfach
Papier sehen. Der Mensch spielt im ganzen Prozess keine Rolle. Es geht nur noch um
Fakten und Abläufe. Das ist sehr brutal zum zuschauen.

[01:01:11.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so und ich rege mich manchmal auch immer wieder auf. Es mobilisiert jeweils
meine Emotionen.

[01:02:03.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem, in welcher Verfassung, dass ich bin, handle ich es einfach ganz schnell ab
oder beantworte auch gewisse Fragen nicht, weil ich die Fragen blöde finde. Oder ich
gebe ihnen dann einen Lektion.

[01:02:19.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Was das bewirkt, weiss ich nicht. Mir hilft es Dampf abzulassen.

[01:02:20.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Versicherungen und die IV gehen rein numerisch vor, rein zahlenmässig.

[01:02:26.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die IV rechnet dann etwas Hochkompliziertes, mit Paragraphen dazwischen.

[01:02:26.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann Vögel bekommen.

[01:02:26.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine juristische Sprache, die man oft zehn mal lesen muss, bis man es endlich
versteht.

[01:02:26.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche dem einen Fetzen Menschlichkeit gegenüber zustellen, in sehr
kondensierter Form.

[01:02:42.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage zum Beispiel: Dieser Mensch hatte eine sehr schwierige Kindheit, er ist dabei,
sein Leben besser in den Griff zu kriegen. Das ist eine grosse Leistung. Sie geben ihm
jetzt einfach den Todesstoss. Sie fragen etwas, das in die Intimsphäre reingeht.

[01:03:07.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird immer gefragt: Nimmt er die Medikamente? Lügt er? Täuscht er etwas vor?

[01:03:11.520] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann sage ich: das ist eine Frechheit, das ist eine Schuldvermutung. Das geht nicht.
Sogar im Gericht heisst es: In dubio pro reo. Im Zweifelsfall für den Angeklagten.

[01:03:23.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie respektieren nicht einmal das Gesetz. Sie sind jenseits.

[01:03:35.510] – Dr.med. Ursula Davatz
So verschaffe ich mir Luft. Was es an dieser Stelle bewirkt, weiss ich nicht.

[01:03:36.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse hassen mich sicherlich. Mir tut es gut.

[01:03:36.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem rein Juristischen, Zahlenmässigen versuche ich etwas entgegenzustellen.

[01:03:44.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich argumentiere dann mit meinem medizinischen Wissen, in den Ecken zu
argumentieren.

[01:03:57.280] – Bemerkung 19
Ich habe schon Ärzte erlebt, welche Rede und Antwort stehen müssen gegenüber der
Versicherung, zu einer Schuhgrösse des Patienten. Die Ärzte werden von den
Versicherungen wie kleine Kinder behandelt.

[01:04:17.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sage ich: das mache ich nicht.

[01:04:21.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den Ärzten gibt es auch eine Hierarchie.

[01:04:36.340] – Dr.med. Ursula Davatz

Die praktizierenden Ärzte haben die Haltung, alle Ärzte, welche zur Versicherung
gehen, sind ein Verrat.

[01:04:51.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Prostitution, wüst ausgedrückt, die Versicherungsärzte haben die Ethik der
Ärzte, dass man dem Menschen helfen muss, verraten, zugunsten der Ökonomie.

[01:04:54.580] – Bemerkung 19
Man fragt sich dann, ob die jemals einen Menschen behandelt haben oder nicht.

[01:05:10.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, eben nicht. Das ist ein grosses Problem. Mein Sekretariat kann hier viele
Geschichten erzählen, als ich wütend war.

[01:05:17.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo ich kann, versuche ich für den Patienten zu argumentieren und für den Patienten zu
kämpfen.

[01:05:41.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche beim Gericht.

[01:05:42.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das juristische System kommt auch immer mit der Bestrafung.

[01:05:42.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt habe ich so hart gearbeitet, dass der wieder funktioniert und sie wollen ihn jetzt
bestrafen und alle meine Arbeit kaputt machen, das geht doch nicht.

[01:05:54.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich drücke dann auch auf den Schuldknopf, argumentiere moralisch.

[01:06:11.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es heftig tun, damit es einen Eindruck macht.

[01:06:20.620] – Bemerkung 20
Daran verdienen gewisse Leute dann auch wieder Geld. Man muss sich einen Anwalt
nehmen, welche gegen die Sozialinstitution kämpft. Es ist ein Rattenschwanz.

[01:06:21.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, es ist ein grosser Kampf.

[01:06:21.290] – Bemerkung 20
Das dies rechtlich überhaupt geht, ist furchtbar.

[01:06:21.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss, ich ärgere mich aus häufig darüber.

[01:06:21.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der IV gibt es nur ein Kämpfen auf intellektueller Ebene, also auf juristischer Ebene.

[01:07:04.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kämpfen mit Paragrafen. Anwälte sind professionelle Kämpfer und die kämpfen
natürlich für ihre Partei.

[01:07:06.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kämpfe auf meiner Seite und gib den Anwälten, mit denen ich zusammenarbeite die
wichtigen medizinischen Argumente.

[01:07:13.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche alles Geschütz aufzufahren, dass wir trotzdem durchkommen.

[01:07:22.280] – Dr.med. Ursula Davatz

Manchmal hat man Erfolg, manchmal hat man keinen Erfolg.

[01:07:26.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte jemanden mit einer schweren Augendegeneration. Eine ganz schwierige
Geschichte. Er hat nichts mehr gesehen, er hatte immer Blitze vor den Augen. In einem
IV Bericht habe ich geschrieben, dass er ein bisschen besser mit seiner Krankheit
umgehen kann. Dann hat die IV gleich die Unterstützung gekündigt. Dann haben wir
Rekurs gemacht und gesagt: das geht nicht.

[01:07:29.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hat auch das Gesetz, das Gericht gesagt, es geht nicht an, dass der Fall einfach
aufgrund von einem Bericht von mir ohne dass die IV den je gesehen hat, beurteilt,
dass er wieder arbeiten könnte. Wir haben die IV wieder bekommen.

[01:08:12.750] – Bemerkung 21
Die IV rechnet jedes Mal neu. Das macht mich sehr sauer. Es geht nicht um die
Gesundheit. Es geht nur um die Neuberechnung der IV.

[01:08:12.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie rechnen neu und kommen dann auf das.

[01:08:49.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist motiviert von dem, dass die IV in den roten Zahlen ist. Unsere AHV muss dann
das bezahlen.

[01:08:50.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Die IV will aus den roten Zahlen rauskommen. Die IV tut alles, um das einfach
runterzusetzen.

[01:08:50.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Leute landen dann wieder bei der Sozialversicherung und bei der Gemeinde, es
bleibt im gleichen System.

[01:09:03.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ärzte können nicht dagegen ankämpfen, weil die Versicherungsärzte juristisch
argumentieren und gegen uns arbeiten. Die lachen auch über uns.

[01:09:08.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Versicherungsärzte sind mehr Juristen als Ärzte.

[01:09:47.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich immer für Schizophrenie interessiert.

[01:09:47.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein zwanzigjähriger Mann oder eine Frau die Diagnose Schizophrenie erhalten
hat gibt es gleich die IV Rente.

[01:09:54.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort hat die Psychiatrie versagt, dass sie nichts anderes gemacht hat mit diesen
Menschen.

[01:10:04.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Schweregrad für die Diagnose hat gleich eine Rente gegeben.

[01:10:04.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist falsch.

[01:10:04.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eingliederungsmassnahmen, welche die IV jetzt anbietet, sind nicht
Patientengerecht.

[01:10:04.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind wie wenn man mit einem Holzvergaser auf der Autobahn fährt. Altmodisch.

[01:10:20.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt noch viel zu tun.

[01:10:20.600] – Bemerkung 22
Die Finanzierbarkeit von unserem System ist jetzt an der Grenze. Wer ist von uns bereit
jeden Monat noch 1000 Franken einzubezahlen für die IV?

[01:10:27.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke systemisch. Seit ich 1980 aus den USA zurück bin, habe ich immer auch
präventiv gedacht. Mit dem Systemischen kann man präventiv denken.

[01:10:27.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Systemisch gedacht verhindert man keine Krankheit sondern man schaut das System
an, man verändert das System, sodass es weniger Kranke produziert.

[01:10:27.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das muss man tun.

[01:11:22.890] – Dr.med. Ursula Davatz
ich habe schon immer die Gesundheitsversorgung angeschaut.

[01:11:26.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe schon seit Jahren immer gesagt: das Gesundheitswesen könnte sparen, wenn
es die unnötigen Leistungen weglassen würde.

[01:11:38.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, jetzt muss mit dem Gesundheitswesen verdient werden.

[01:11:39.250] – Dr.med. Ursula Davatz

Es müssen alle Nierensteinzertrümmerer und MRIs amortisiert werden. Es wird immer
sofort ein MRI gemacht für jede Kleinigkeit.

[01:11:47.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht immer der Patient, der das möchte. Es sind auch die Ärzte, welche das
einfach machen.

[01:11:48.590] – Bemerkung 23
Auch die Ärzte schauen nicht immer für nur das Wohl vom Patienten.

[01:11:57.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind Interessensgruppen die sehr stark auch für das andere schauen. Es steckt
eine Interessengruppe hinten dran. Sie müssen es tun.

[01:12:07.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die medizinische Gesellschaft der Internisten sagt zum ersten Mal: fünf
Untersuchungen könnte man weglassen.

[01:12:27.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist jetzt ganz neu.

[01:12:34.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre der Spareffekt.

[01:12:48.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird viel, viel gemacht, das man eigentlich nicht braucht.

[01:12:55.190] – Bemerkung 23
Mit 67 darf man Rückenschmerzen haben, hat der Arzt meiner Mutter gesagt. Klar
könnte man es operieren.

[01:13:09.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Röntgenbild nach einer Woche Rückenschmerzen muss man nicht machen.

[01:14:01.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt brauchen wir praktische Fälle.

[01:14:59.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Was können wir Therapeuten dazu beitragen für uns selber natürlich und für unsere
Patienten, dass wir nicht einfach in den Suchtmechanismus in den Strudel mit rein
gerissen werden und untergehen, also ein Burnout machen, eine Krankheit machen
oder einfach sagen, ich will nichts mehr damit zu tun haben und ich höre jetzt einfach.

[01:15:20.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige Kollegen, die nicht mehr arbeiten, Ärzte die das Gefühl haben, das
Gesundheitssystem zu dem kann ich nicht mehr ja sagen, da steige ich aus und
Schluss.

[01:15:32.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin die Kämpferin. Ich möchte immer ein bisschen etwas verändern.

[01:15:32.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum bin ich hier.

[01:15:32.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Jedes Individuum kann als Bremse gegen den Beschleunigungsfaktor wirken, wenn das
Individuum, wenn die Person genügend Mut hat.

[01:15:57.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man darauf angewiesen ist akzeptiert zu werden, dann kann man es nicht. Dann
macht man mit, dann passt man sich an.

[01:16:07.530] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn man den Mut hat, ein bisschen den Kopf hinaus zustecken, dann kann man auch
etwas ändern.

[01:16:14.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man sogar je nachdem wenn es ganz gut geht ein Trendsetter sein.

[01:16:19.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann wirklich etwas ändern.

[01:16:19.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Text von Hermann Hesse der von Andy Warhol herausgegeben wurde, sagt: Wir
müssen immer ein Gleichgewicht finden zwischen wie viel passen wir uns an die
Gemeinschaft an die Gesellschaft, an unsere Familie, an unsere Umgebung an und wie
viel sind wir eigenständig und machen Sachen, die nicht ganz hier rein passen.

[01:16:54.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man aus der Gruppe heraussticht, kann man zum Anführer werden oder zum
Sündenbock.

[01:17:07.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder beides zusammen.

[01:17:15.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gruppe hat den Mechanismus, derjenige welcher heraussticht, auf den schauen wir
natürlich, der streckt seinen Kopf hinaus und wenn man sich getraut, den Kopf hinaus
zu strecken, dann muss man wissen, dann bekommt man auch Anfeindungen und die
muss man aushalten.

[01:17:30.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Angst hat vor dem, dann macht man es gescheiter nicht.

[01:17:34.230] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss vorher überlegen, bin ich stark genug. Bin ich bereit dazu?

[01:17:36.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man seinen Kopf herausstreckt, dann kann es eine Veränderung geben.

[01:17:52.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Evolution hat immer wieder Entwicklungen gemacht aus sogenannten Fehlern.

[01:17:55.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Der schottische Wissenschaftler Alexander Fleming entdeckte im Jahr 1928 zufällig
Penicillin, als er beobachtete, wie ein Schimmelpilz namens Penicillium das Wachstum
von Bakterien in einer Petrischale hemmte. Diese Entdeckung führte schließlich zur
Entwicklung von Penicillin als Antibiotikum.

[01:17:55.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Ganze ist aus Schlampigkeit heraus entstanden.

[01:18:31.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die starken Affen haben den Menschen in die Wüste vertrieben. Der Mensch war eine
randständige Figur.

[01:19:09.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus der ranständigen Figur hat sich etwas neues entwickelt.

[01:19:20.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man im Mainstream läuft, dann entwickelt sich nichts mehr.

[01:19:24.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist die Gefahr gross, dass alles gleich bleibt. Dann muss man alles gleich
behalten.

[01:19:31.270] – Dr.med. Ursula Davatz
So kommen viele neue Erfindungen auch in der Industrie von den KMUs.

[01:19:40.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Aargau ist auch ein Beispiel für viele KMUs und Kleinbetriebe.

[01:19:44.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Italiener haben viel so Firmen.

[01:19:46.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele neue Erfindungen, die haben noch Zeit zum tüfteln, überlegen und machen.

[01:19:58.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Machen sie sich zu einem KMU und erfinden sie mit ihrem Patienten neue Dinge.

[01:19:59.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder kann dem Strom, dem Hochdruck entgegen halten, in dem er etwas anderes
macht. Gegen den Strom schwimmen.

[01:20:08.030] – Bemerkung 24
Handelt es sich um Entwicklungsfortschritt oder geht es wieder rückwärts?

[01:20:08.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Penicillin war damals ein Fortschritt.

[01:20:51.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die amerikanische Nobelpreisträgerin Barbara McClintock hat mit 40 Jahren etwas über
Genmutation am Maiskolben herausgefunden.

[01:20:55.092] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Barbara_McClintock

[01:20:55.290] – Dr.med. Ursula Davatz
40 Jahre lang hat man das in der Genetik nicht akzeptiert.

[01:21:20.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit 80 Jahren hat sie den Nobelpreis bekommen. Sie war eine Frau.

[01:21:23.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein schönes Beispiel.

[01:21:23.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Genetiker haben damals alles für falsch erklärt. Heute sprechen alle davon.

[01:21:35.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erfindung ging in die Epigenetik ein.

[01:21:38.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Gene haben gewissen Anlagen.

[01:21:39.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gene, welche für das Gehirn zuständig sind, die sind sehr variabel, die können über
das Umfeld sehr stark beeinflusst werden.

[01:21:51.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist interessant.

[01:21:51.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es wagen, den Strom zu verlassen.

[01:21:58.490] – Dr.med. Ursula Davatz

Man darf nicht verbittert sein, sonst vergeudet man alle Energie innerlich gegen den
Strom zu kämpfen. Das bringt nichts.

[01:21:58.840] – Bemerkung 25
Das braucht ganz viel Ressourcen. Ich bin oft gegen den Strom geschwommen. Das
gibt auch eine Einsamkeit. Die Kollegen gehen dann so auf einem los, dass man dann
alleine da steht. Das ist mir oft passiert. Man hört nicht gerne etwas anderes oder einen
Widerspruch. Es kommt auf die persönliche Verfassung an. Wie geht es mir? Wenn ich
schon müde und mutlos bin, mache ich nur innerlich weiter, gegen aussen sage ich
dann aber nichts mehr. Körperlich gibt es dann wie einen Rückzug. Es ist eine Frage
der Ressourcen.

[01:22:57.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das ist richtig.

[01:23:03.370] – Bemerkung 25
Ich habe mit dem Genderthema nicht so Mühe. In der Arbeitswelt ist es auch ein Thema
gewesen. Als Frau habe ich mehr Widerspruch geerntet als die männlichen Kollegen.
Das ermüdet sehr auf die Länge.

[01:23:39.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist so, das habe ich auch erlebt. Das ist eine Realität. Die muss man akzeptieren.

[01:23:39.570] – Bemerkung 25
Ich bin oft an meine Grenzen gekommen. Je länger je mehr. Ich bin unzufrieden mit mir,
wenn ich hier so zuhöre. Ich weiss was ich tun müsste.

[01:23:52.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Buch von Hermann Hesse heisst: Eigensinn macht Spass.

[01:24:29.520] – Bemerkung 25
Es macht Spass und es macht müde.

[01:24:29.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Bevor man den Kopf rausstreckt muss man wissen: erträgt man es oder nicht, denn es
gibt Reaktionen.

[01:24:53.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Murray Bowen spricht vom Konzept der Differenzierung seiner Ursprungsfamilie. Man
muss einen eigenen Stand einnehmen als Individuum gegenüber dem Familienclan.

[01:25:03.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann einen eigenen Stand einnehmen in Bezug auf sein Arbeitssystem.

[01:25:10.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Differentiate yourself out of your work system.

[01:25:11.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man einen zu grossen eigenen Stand einnimmt, auf einmal hat man die
Kündigung.

[01:25:11.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich auch schon erlebt.

[01:25:11.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe es gewagt, den Herr Professor zu kritisieren, in der demokratischen Schweiz.
Am nächsten Tag hatte ich die Kündigung.

[01:25:31.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat mir nicht geschadet.

[01:25:31.620] – Bemerkung 26

Das geht wenn man jung ist. Es ist immer eine Gratwanderung. Es hat auch etwas
Gutes.

[01:25:31.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss wissen was man ertragen kann. Manchmal braucht es auch einen kreativen
Rückzug.

[01:26:08.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist so wie schwanger mit einer Idee.

[01:26:10.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man schwanger ist, ist man auch ein bisschen mehr bei sich.

[01:26:14.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Künstler haben das auch, dass sie sich eher zurückziehen, wenn sie an etwas neuem
arbeiten.

[01:26:14.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss mit seinen Ideen haushalten. Es ist eine Sache der Ressourcen.

[01:26:15.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man mag nicht immer kämpfen.

[01:26:24.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Beantwortung der Formulare, lasse ich es durchgehen. Ich ereifere mich auch
nicht jedes Mal, sonst verbrauche ich zu viel Energie.

[01:26:35.580] – Bemerkung 27
Der Mut ist ein sehr wichtiges Thema. Das vernetzen mit den Gleichgesinnten, keine
fixe Liste, den Frust rauslassen.

[01:27:13.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Man nimmt eine eigenständigen Position, ein bisschen differenziert zu seinem Umfeld.

[01:27:22.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt wieder die Zusammenarbeit. Man muss sich wieder vernetzen.

[01:27:22.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen sind gut im Networking.

[01:27:22.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich gedanklich oder direkt vernetzen mit Gleichdenkenden.

[01:27:36.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann wieder ein sehr ein schönes Wohlgefühl.

[01:27:40.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche mich auch über die Bücher zu vernetzen.

[01:27:43.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich lese etwas, das mich in meinen Gedanken bestätigt.

[01:27:47.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich lese Frans de Waal und denke: wunderbar, das ist genau das, was ich mir schon
lange gedacht habe und jetzt noch wissenschaftlich untermauert.

[01:27:47.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss all diese Forschungen gar nicht machen.

[01:27:47.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schön.

[01:27:59.330] – Bemerkung 28
Es kommt auf die Voraussetzungen an. Wenn man in Anstellung ist, dann kann man
schon von Mut sprechen. Klar hat man den Mut, etwas loszuwerden, etwas zu
platzieren. Man darf heute gar nichts sagen, die Hierarchiestufen sind so eng, dass man
den Mut gar nicht mehr haben kann, etwas zu platzieren, ohne dass man nicht mit der
Kündigung rechnen muss. Das finde ich so schlimm.

[01:28:05.120] – Bemerkung 29
Ist das wirklich so?

[01:28:10.050] – Bemerkung 28
Ja, das erlebe ich jetzt gerade so.

[01:28:10.260] – Bemerkung 29
Ich bin der Meinung, dass ich alles sagen darf. Ich kommt darauf an wann und es
kommt darauf an wie, dass ich das sage. Ich möchte nicht mit so einer Haltung durch
das Leben gehen. Ich denke, dass ich alles sagen darf.

[01:28:28.100] – Bemerkung 28
Es ist der Druck, den man sich selber macht. Man muss ein Einkommen erzielen. Wenn
man frei ist und nicht unter dem Druck ist, dann kann man sich auch frei bewegen und
den Mut haben. Das Sicherheitsdenken wird in der heutigen Zeit oftmals ausgenutzt.

[01:30:00.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich motiviere die Leute eher dazu, es darauf ankommen zu lassen. Da bin ich eher
risikofreudig.

[01:30:09.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erste ist, dass man seine persönliche Situation formuliert. Nicht kritisch, nicht
hierarchisch, nicht wertend, nicht demütigend. Absolut aus der Ich-Position.

[01:30:11.090] – Dr.med. Ursula Davatz

Als Mutter können sie sagen: ich will es wieder erreichen, dass …

[01:30:36.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Mitarbeiterin können sie das nicht sagen.

[01:30:46.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Mitarbeiterin können sie nur sagen: ich als Sozialpädagogin in dem Beruf, wenn ich
das und das und das machen muss, dann geht das voll gegen meine Ethik. Ich kann
das nicht.

[01:30:58.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann zitiere ich Martin Luther: Hier stehe ich und kann nicht anders.

[01:30:58.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wirklich nur von sich her argumentieren. Ich kann das nicht.

[01:31:08.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Drogensüchtige sind die besten Verkäufer.

[01:31:09.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Drogensüchtige sagen: wenn sie mir nicht das Rezept geben, dann verliere ich diese
Stelle, dann kann ich diese Stelle nicht antreten.

[01:31:09.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann bin ich eine sehr böse Ärztin, wenn ich ihm das nicht gebe.

[01:31:09.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss ich mich auf mich zurückziehen und sagen: hören sie, ich sehe, was sie
sagen. Ich mit meiner Berufsethik kann ihnen in diesem Moment keine Drogen
verschreiben. Es geht gegen meine Ethik. Ich kann es nicht.

[01:31:44.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können nicht von mir verlangen, dass ich gegen meine Ethik vorgehe.

[01:31:44.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas ganz Existentielles.

[01:31:58.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Versicherungsärzte haben ihre Ethik längstens verloren, die stehen nicht mehr hin
für ihre Ethik.

[01:32:04.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle von ihnen dürfen für ihre Ethik einstehen.

[01:32:06.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es so formuliert und so sagt, je nachdem wenn es gut läuft, dann kann das
System gar nichts gegen sie machen.

[01:32:14.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das System kann sie dann auch nicht raus schmeissen.

[01:32:15.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht eine Befehlsverweigerung.

[01:32:18.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Da verlangt man von ihnen gegen ihre Ethik vorzugehen.

[01:32:22.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist existenziell.

[01:32:26.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie dann trotzdem herausfallen, dann sage ich, dann muss es sein.

[01:32:32.690] – Bemerkung 30
Ich hatte jetzt auch den Mut und habe gekündigt.

[01:32:33.130] – Bemerkung 30
In der Schule lernt man Sozialkompetenz, die man später gar nicht mehr braucht. In der
Geschäftswelt sind die Hierarchiestufen ein Machtinstrument. Wenn es dir nicht passt,
dann kannst du gehen. Es ist nur die Fachkompetenz gefragt.

[01:33:30.870] – Bemerkung 31
In der Privatwirtschaft kann man das machen, nicht aber bei einem staatlichen Betrieb.
Ich habe gesagt: ich kann es nicht machen und ich mache es nicht. Dann war fertig. Sie
hatten mir keine Freude, aber sie haben mich nicht entlassen.

[01:33:42.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn einem gesagt wird, wenn es dir nicht passt, dann kannst du gehen, dann sagt
man: nein, ich gehe nicht.

[01:33:59.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es für sie nicht erträglich ist, dann müssen sie mir kündigen. Das würde ich nicht
einmal sagen, sondern abwarten.

[01:34:05.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn mir gekündigt wird, kann ich gleich wieder Geld beziehen, so lautet das
Arbeitsgesetz.

[01:34:10.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst muss ich als Ärztin ein Zeugnis machen: sie mussten aus gesundheitlichen
Gründen kündigen.

[01:34:19.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie krank werden, dann würde ich sagen: ja kündigen.

[01:34:26.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die müssen den Mut haben, ihnen zu kündigen.

[01:34:26.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine blöde Herausforderung: wenn es dir nicht passt, dann kannst du gehen.

[01:34:30.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, ich gehe nicht. Ich sage was mir nicht passt und ich bleibe.

[01:34:30.310] – Bemerkung 32
Dann läuft es auf das Mobbing raus. Dann wird es ganz dunkel. Man fühlt sich dann gar
nicht mehr wahrgenommen. Es ist jetzt ganz klar, das was sie braucht, das bekommt
sie und da kannst du nichts machen. Gewisse Leute üben einfach nur ihre Macht aus in
ihren Positionen.

[01:35:23.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das machen diese Personen und da haben diese Personen das Machtsystem
bereits in sich integriert.

[01:35:23.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Einsamkeitsproblem. Wenn man einen eigenen Standpunkt einnimmt, ist man
alleine. Das stimmt, man ist alleine.

[01:35:24.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Frau erwartet man immer Verständnis. Das Verständnis ist nirgends.

[01:35:41.306] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Frau muss man kein Verständnis für sich erwarten. Man muss für sich einstehen.

[01:35:41.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Indem wir für uns einstehen wie Martin Luther: hier stehe ich und kann nicht anders.

[01:35:54.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn dann der andere sagt: wenn es dir nicht passt, kannst du gehen. Dann sagen
nein: eben genau nicht.

[01:35:59.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Mut haben, dann zu kündigen ist gar nicht so einfach.

[01:36:15.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn in grossen Firmen einem hohen Tier gekündigt werden sollte, dann macht es nie
der grosse Chef. Es wird an das HR delegiert. Die müssen dann die Kündigung
ausführen. Der grosse Chef hat dann Angst, dass der Gekündigte dann Selbstmord
macht.

[01:36:36.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass sie gar keine Erwartung haben, dass der Chef irgendetwas versteht.
Sie stehen nur für sich ein.

[01:36:36.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen scheitern immer daran, dass wir Verständnis erwarten.

[01:36:36.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder das Oxytocin, unser Kuschelhormon.

[01:36:58.260] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Moment dürfen wir nicht mit dem Kuschelhormon funktionieren in dem
Moment müssen wir das Dopamin haben und sagen, ich stehe jetzt hier für mich ein.
Man darf gar nichts erwarten.

[01:37:04.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird es sehr viel schwieriger, ihnen zu kündigen.

[01:37:05.020] – Bemerkung 33
An dieser Stelle raten wir zum Arbeitsgericht zu gehen. Die haben kostenlose
Beratungen. Die haben zwei Mal sehr gute Unterstützung gegeben, wo gesagt wurde:
kündigen sie nicht. Dann hat es angefangen etwas zu ändern. Wenn dann gekündigt
wurde, konnte man Geld bei den Sozialwerken holen.

[01:37:05.330] – Bemerkung 34
Ich hatte den Mut und habe gekündigt.

[01:37:34.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie waren folgsam. Sie sollten nicht so folgsam sein.

[01:38:40.930] – Bemerkung 34
Mein Umfeld hat dann sehr komisch reagiert. Was du hast gekündigt? Ich hatte den Mut
loszulassen. Der Perfektionismus hat mir immer gequält.

[01:38:41.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der Mut, aus einer Stelle heraus zu gehen, ohne dass man eine neue hat. Das
ist Mut.

[01:39:20.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn einem der Arbeitgeber sagt: wenn es dir nicht passt, dann kannst du gehen.
Dann ist die Antwort: jetzt wird noch ein bisschen gewartet, ich halte das jetzt noch aus,
ich will dem nicht folgen.

[01:39:32.850] – Bemerkung 34
Dann geht es ins Mobbing. Meine Arbeitskollegin ist jetzt noch mit 50% dabei. Sie ist in
Behandlung. Sie hat ein Burnout gehabt. Sie hat jetzt wieder stundenweise mit der
Arbeit begonnen. Ihr geht es ganz schlecht. Ihr Arzt sagt, sie darf nicht mehr zur Arbeit
gehen. Es ist ein grosses Mobbing.

[01:39:39.220] – Bemerkung 35
Es hat mit der inneren Haltung zu tun. Wenn man zu sich selber steht, dann geht wie
eine andere Türe auf. Wenn man das Spiel immer mitspielt, hat man noch mehr
verloren. Man hat noch viel mehr verloren. Es ist nicht der Druck: jetzt muss ich zu mir
stehen. Es ist ganz wichtig, dass man die Haltung hat: ich bin hier: diese Haltung ist so
stark, man lässt sich nicht runterdrücken. Diese Meinung habe ich, diese Haltung habe
ich im Leben. Dann wird es auch weicher, weil man die Dinge anders angeht.

[01:40:23.300] – Bemerkung 36
Alle erwarten, dass man authentisch sein muss, aber man darf es trotzdem nicht sein.

[01:41:40.530] – Bemerkung 35
Man muss authentisch sein, sonst lügt man sich an, dann dreht sich nichts auf dieser
Welt.

[01:41:40.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt haben wir genau die Auseinandersetzung zwischen diesen beiden Kräften. Wir
müssen zu uns stehen und anpassen.

[01:42:16.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Hermann Hesse sagt: Eigensinn macht Spass! Gegen die Infamitäten des Lebens sind
die besten Waffen: Tapferkeit, Eigensinn und Geduld.

[01:42:30.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Man steht immer wieder vor dieser Auseinandersetzung: wieviel passe ich mich an,
damit ich dazugehöre, dass es mir wohl ist, wie viel stehe ich für mich selber hin und
kann zu mir stehen.

[01:42:47.030] – Bemerkung 37
Mit dieser Haltung ist man schon bei sich.

[01:42:47.270] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss Lernen kritisch zu konsumieren, immer wieder schauen, überlegen möchte
ich, das möchte ich das nicht.

[01:43:19.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Passt das zu mir, passt das nicht.

[01:43:21.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Bin ich das?

[01:43:23.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich zu fest anpasst, dann passiert schlussendlich, dass man nicht mehr in
den Spiegel schauen kann.

[01:43:26.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine junge Patientin aus einer sehr impulsiven Familie. Sie wurde von ihrem
Chef verletzt. Sie wollte nicht mehr zur Arbeit gehen.

[01:43:39.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Systemisch gesehen, stellt man die Situation wieder her. Wenn sie das und das zu mir
gesagt haben, hat es das und das mit mir gemacht. Das hat mich verletzt, das hat mich
beleidigt, das hat mir Angst gemacht. Das habe ich nicht gerne. Nicht sagen: sie sind
ein unmöglicher Chef.

[01:44:24.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Chef hat dann darauf geantwortet: Ah, das ist gut, dass du mir das sagst. Doch, das
werde ich mir überlegen.

[01:44:24.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hatten ein sehr gutes, erwachsenes Gespräch, auf Augenhöhe.

[01:44:29.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat mir dann ihren Vater geschickt, dass der sich auch so wehren lernt.

[01:44:34.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat ihre Lehre dort fertig gemacht und ist jetzt eine sehr selbständige Berufsfrau.

[00:00:00.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich in einem solchen Konflikt befindet: Wie stark stehe ich zu mir, wie stark
passe ich mich an und verliere mich dann? Das ist immer eine Auseinandersetzung.

[00:00:02.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schauen wo man steht. Zu sich stehen. Wenn man findet: nein das Umfeld
ist nicht gut für mich, ich muss über die Bücher gehen, ich will etwas anderes, dann
muss man künden, das ist in Ordnung.

[00:00:25.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich rate gewissen Personen zu künden, bevor sie eine neue Stelle haben.

[00:00:26.250] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Moment kann man gar nicht eine neue Stelle suchen.

[00:00:36.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Für ihre eigene Gesundheit für ihre Authentizität.

[00:00:41.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wo ich eher ein Problem damit habe ist, dass wenn einem vor die Füsse geworfen wird:
wenn es ihnen nicht passt, können sie gehen und dann geht man.

[00:00:47.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt man auf eine Art denen recht.

[00:00:49.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Da bin ich so ehrgeizig, ich will ja denen nicht recht geben.

[00:00:52.720] – Bemerkung 38
Mir wurde ein Aufgabe erteilt, ich habe die Aufgabe gemacht. Dann wurde mir gesagt,
dass die Aufgabe mir nie zugeteilt wurde, ich müsse die Aufgabe anders lösen. Das
Mobbing war nicht mehr ertragbar.

[00:01:07.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht es nicht mehr. Dann muss man wirklich weggehen.

[00:01:53.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass man den Betrieb verlässt aus eigenem Entscheid und nicht aus Flucht.
Man soll nicht von etwas davon rennen. Man soll auf etwas zugehen können. Im Sinne
von: ich will jetzt etwas neues.

[00:01:55.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor jedem wichtigen Entscheid müssen sie nicht rational entscheiden, sondern intuitiv.
Das Herz fragen.

[00:02:02.994] – Dr.med. Ursula Davatz
Antoine de Saint-Exupéry sagt: On ne voit bien qu'avec le coeur.

[00:02:26.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine komische Parabel. Man sieht nur mit dem Herzen gut.

[00:02:32.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Herz hat keine Augen.

[00:02:42.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Herz verkörpert den intuitiven Entscheid.

[00:02:43.500] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Empathie zu sich selber.

[00:02:51.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind soziale Wesen.

[00:02:52.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir sehen, dass es jemandem schlecht geht, dann haben wir Empathie mit dem.
Dann wenden wir uns dem zu.

[00:02:52.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Mütter ein Kind schreien hören, dann wollen wir dem Kind helfen. Wir sind alle
auch im Helferberuf.

[00:03:03.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Äffchen sehen, dass es einem anderen Affen schlecht geht und sie haben den
sozialen Instinkt und wollen dem helfen, dann schlägt dessen Herz höher.

[00:03:24.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie reagieren mit dem Herz.

[00:03:27.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Antoine de Saint-Exupéry hat es pathophysiologisch richtig gesagt, wenn er sagt: On ne
voit bien qu'avec le coeur.

[00:03:27.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Herz sagt uns, wo wir emotional stehen, zu uns jetzt, in dem Fall.

[00:03:27.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie einen wichtigen Entscheid treffen, kalkulieren sie nicht nur rational.

[00:03:48.970] – Dr.med. Ursula Davatz

Kalkül versus Gefühl.

[00:03:54.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Kalkulieren sie nicht nur mit dem Kopf.

[00:03:57.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragen sie immer auch ihr Herz, ihren Bauch, den Plexus Solaris.

[00:03:57.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Gehen sie gefühlsmässig zu sich in Beziehung. Das wäre bei sich sein.

[00:04:10.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragen sie sich: stimmt das oder stimmt das nicht?

[00:04:11.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielleicht muss man noch ein paar Mal darüber schlafen und dann macht man einen
kongruenten Entscheid, der zu einem stimmt, als wenn man nur kalkuliert.

[00:04:25.010] – Dr.med. Ursula Davatz
An sich sind wir Frauen hier nicht so schlecht, aber wir müssen das immer wieder
Hervorholen.

[00:04:32.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Fragen sie ihr Herz, fragen sie ihren Bauch.

[00:04:38.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das was im Entscheid drinnen ist, in dem intuitiven Entscheid, der nicht nur einfach
kalkuliert wie viel Geld und wie lange und welche Pensionskasse.

[00:04:48.340] – Dr.med. Ursula Davatz

In dem Gefühlsentscheid vom Herzen, dem intuitiven Entscheid da sind X Erfahrungen
drin, welche im limbischen System gespeichert sind, die ganz schnell verarbeitet
werden und die wieder verwendet werden.

[00:05:05.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist das gleiche wie: you never have a second chance to make your first impression.

[00:05:08.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie einen Menschen zum ersten Mal sehen, haben sie ganz schnell einen
Entscheid, der ist mir sympathisch, der ist mir unsympathisch.

[00:05:19.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann dann das schon wieder ein bisschen revidieren, aber das ist ganz ein starker
Entscheid.

[00:05:24.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser Entscheid läuft über das limbische System und auch über das Herzgefühl.

[00:05:29.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Herz sagt einem wie man zu dem gefühlsmässig steht.

[00:05:31.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich rate ihnen, gehen sie in den Rückzug, überlegen sie und fragen sie ihr Herz.

[00:05:48.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Machen sie nicht nur rationale Entscheide.

[00:05:48.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man auch das rationale anschaut, aber eigentlich laufen Entscheide
über das Gefühl.

[00:05:59.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Mental rein rational kognitiv kann man gar nicht entscheiden.

[00:06:03.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Leute, welche nur im Kopf drinnen sind, die können sich überhaupt nicht
entscheiden.

[00:06:04.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind zum Teil auch die Schizophrenen, die ganz in der Ambivalenz drinnen sind,
soll ich so, soll ich so.

[00:06:12.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gefühl, das sagt ganz klar, das will ich jetzt.

[00:06:15.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Herzen ist beides drinnen. Dort ist natürlich die soziale Erfahrung drinnen und auch
die Erfahrung von sich selber.

[00:06:33.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das Herz fragt, sind natürlich auch alle Erfahrungen, die man gemacht hat,
im sozialen Netzwerk, das ist auch dort drinnen und die Erfahrung mit sich selber.

[00:07:25.250] – Bemerkung 39
Als Therapeuten begleiten wir die Menschen damit im limbischen System ein neues
Programm entsteht, damit sie standhalten können.

[00:07:27.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Kernaufgabe des Therapeuten, dass wir die Leute zu sich zurückführen,
damit sie dann aus sich heraus entscheiden können.

[00:07:28.510] – Dr.med. Ursula Davatz

Manchmal ist das ein langer Weg. Manchmal haben sich die Leute sehr verloren.

[00:07:37.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man eine Entscheidung schon einmal getroffen hat und dann merkt oh je, es läuft
gar nicht gut, ich werde gemobbt, ich komme in eine schwierige Situation rein, dann
muss man die Entscheide wieder hinterfragen. Dann sage ich: nochmals über die
Bücher gehen.

[00:07:54.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein komisches Bild: über die Bücher laufen.

[00:07:54.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein kognitiver Ausdruck. Ich muss nochmal in die Bücher hineinschauen und
schauen, was möchte ich jetzt von dem.

[00:08:19.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit meint man über die eigenen Bücher gehen.

[00:08:26.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre wieder das limbische System unter der Herzentscheid.

[00:08:29.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man schaut: was will eigentlich mein Herz, wo will mein Herz eigentlich hin? Was gehört
zu mir, was gehört nicht zu mir. Wer bin ich eigentlich?

[00:08:32.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Da sind sehr viele existenzielle Grundfragen drinnen.

[00:08:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist kognitiv ausgedrückt.

[00:08:47.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke wenn man in so einer Situation ist von einer inneren Kündigung, man steckt
noch drinnen und man möchte eigentlich nicht drinnen sein.

[00:08:59.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Emotional wehrt man sich dagegen.

[00:09:02.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat nicht den Mut, einen neuen Entscheid zu treffen. Das ist der Moment, wo wir
selber über die Bücher gehen müssen oder unseren Klienten helfen, über die Bücher zu
gehen, was stimmt eigentlich?

[00:09:13.960] – Bemerkung 40
Diese Situation erlebe ich oft bei Frauen in einem gewissen Alter, wenn sie so 60 Jahre
alt werden. Eigentlich wollen sie raus aus der zweiten oder dritten Ehe aber der Mut
fehlt ihnen, vorallem aus finanziellen Gründen.

[00:09:14.120] – Bemerkung 40
Das ist genau das: wer bin ich eigentlich, ich muss über die Bücher, ich muss meine
Buchhaltung anschauen. Es ist alle minus unter dem Strich. Der Mut fehlt. Das ist
besonders bei Ausländerinnen der Fall. Können wir das auch anschauen?

[00:09:34.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gerne anhand von einem Fall.

[00:10:06.130] – Bemerkung 41
Was ist dann besser? Wenn man die Scheidung fällt oder wenn sie einem
abgenommen wird? Dann fällt man auch in ein Loch rein.

[00:10:41.900] – Bemerkung 41
Das ist ganz schwierig und sehr komplex.

[00:10:51.780] – Bemerkung 41
Wenn man jünger ist, dann ist man noch mutiger. Dann fallen einem solche
Entscheidungen einfacher. Es gibt viele Menschen, die kein solches Netz mehr haben.

[00:11:06.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Der jugendliche Mut ist weg.

[00:11:20.010] – Bemerkung 41
Die Chancen sind dann auch weg, wenn man mit 50 Jahren keinen Job mehr findet.

[00:11:20.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen mit 50 Jahren, die in einer Ehe sind, wo sie raus wollen, die sich wahnsinnig
gegen diese Ehe auflehnen, jedoch den Mut nicht haben hinzugehen, die werden dann
psychotisch, schizophren.

[00:11:54.660] – Bemerkung 41
Meine werden depressiv.

[00:12:03.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die andere Variante.

[00:12:03.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Häufig werden sie zuerst depressiv und psychotisch.

[00:12:11.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alle haben die Kraft zum psychotisch werden.

[00:12:14.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kämpfen innerlich emotional noch ohne dass sie es merken.

[00:12:24.480] – Dr.med. Ursula Davatz

Die lehnen sich auf gegen die Situation, machen aber nichts. Das ist fatal.

[00:12:27.540] – Bemerkung 41
Zum zuschauen ist es sehr schlimm.

[00:12:33.510] – Bemerkung 42
Das gehört doch dazu, zu einen gewissen Prozess zur Verarbeitung, dass man sich
zuerst einmal auflehnt.

[00:12:33.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich Jahre lang dagegen auflehnt, dann dreht das Gehirn durch. Dann wird
man noch mehr disqualifiziert, dann hat man noch weniger Mut.

[00:13:00.440] – Bemerkung 43
Der Mann sagt dann auch: du bist ja völlig verrückt. Du spinnst.

[00:13:03.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer der Ausgleich zwischen Anpassung und Eigenständigkeit.

[00:13:22.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht schlussendlich immer um die eigene Unabhängigkeit.

[00:13:27.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sich immer wieder eine Unabhängigkeit erarbeiten.

[00:13:31.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Rein vom Stress her, sagt man, wenn Leute in einer Stresssituation drinnen sind, die sie
selber gewählt haben, ein Manager, der Top ist, der das erreicht hat, was er wollte im
Zeugs herum jetten für den ist der Stress nicht so schlimm, weil er ja dazu sagt, er geht
immer mit, er ist immer dort wo er ist. Es ist eine Sache der Einstellung. Der hat sich
eingestellt, das läuft einfach so. Dann macht es auch mit dem Körper nicht so viel
Stress.

[00:13:55.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Selber gewählter Stress ist nicht der gleiche Stress wie wenn einem der Stress von
aussen her aufgedrückt wird , aufdiktiert wird, Contre Coeur.

[00:14:11.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt nein, ich will das eigentlich nicht, aber ich muss halt.

[00:14:15.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht krank.

[00:14:17.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer macht Bluthochdruck?

[00:14:22.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein körperliches Zeichen. Das sind nicht die Topmanager. Es sind diejenigen,
welche nicht hochkommen, diejenigen, welche mit dem Kopf an der Decke anstossen,
sie wollen eigentlich mehr, aber jemand schlägt ihnen immer eines auf den Kopf. Die
müssen dann verändern und schauen: ist das gar nicht das Ziel, welches für mich gut
ist? Muss ich nicht etwas anderes suchen?

[00:14:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann einige Krankheiten psychosomatisch anschauen. Ich mache das natürlich bei
allen.

[00:14:53.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dann die Lebenssituation verändert, läuft es auch anders mit der
somatischen Krankheit.

[00:15:00.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Stress ist nicht gleich Stress.

[00:15:02.870] – Bemerkung 44
Stress ist eigentlich gesund. Man muss ihn auch verarbeiten können.

[00:15:05.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Stress ist gesund, wenn man ihn selber gesucht hat. Wenn er einem aufgedrückt wird,
dann wehrt man sich dagegen und dann ist es nicht gut.

[00:15:05.510] – Bemerkung 44
Dann kann man den Stress auch nicht verarbeiten. Sport wirkt sich positiv aus. Das
hatten die Jäger auch in der Steinzeit.

[00:15:20.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind auch früher gestorben.

[00:15:50.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher gab es sicher noch vielmehr Stress von aussen.

[00:15:57.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute ist auch viel von aussen, aber man macht sich auch viel selber.

[00:16:03.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich den Stress von aussen macht, aus Anpassung, weil man meint, man
müsse, aber innerlich sagt das Herz nicht ja, dann wird es schwierig.

[00:16:13.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das versuche ich aufzuzeigen.

[00:16:14.990] – Bemerkung 45
Es gibt auch eine Studie, die sagt es kommt auf die Entscheidungsmöglichkeiten an.
Die Topmanager haben gewaltig viel Spielraum. Je mehr Spielraum sie haben, umso

älter werden sie und umso zufriedener sind sie. Je weniger Spielraum, desto schneller
sterben sie.

[00:16:19.320] – Bemerkung 45
Das ist genau das was ich meine.

[00:16:38.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man viel Spielraum hat, ist alles selber gewählter Stress, dann steht man zu dem
und dann macht es einen eigentlich wenig Stress.

[00:16:54.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man gar keinen Spielraum hat, ist man immer eingeengt im Käfig. Man wehrt sich
irgendwo immer dagegen und dann wird man krank.

[00:17:01.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht Herzinfarkt, Burnout usw.

[00:17:01.590] – Bemerkung 46
Die Schwierigkeit ist oft auch so, dass der Vater der Managertyp ist und er geniesst
seinen Stress und seine Anerkennung. Der ganze Stress wirkt sich jedoch negativ auf
die Familie aus. Die kann sich fast nicht wehren.

[00:17:08.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Solche Familien habe ich auch erlebt. Ich habe die Frauen gecoacht, dass sie sich
wehren für die Zeit. Dass sie hinstehen. Viele Ärztefrauen sind in dieser Situation. Ich
habe auch die Ärzte selber beraten. Als Arzt kann man immer noch ein bisschen mehr
machen und noch ein bisschen helfen. Die Frauen müssen sich gegen den Sog
wehren. Viele Frauen habe ich darin unterstützt, dass sie etwas eigenes gemacht
haben.

[00:18:02.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus dieser Mühle aussteigen und dann selbstbestimmt den Stress regulieren.

[00:18:37.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Statistiken, Leute in freiem Beruf, die ihr eigener Chef sind, leben länger als
solche, die irgendwo zwischen drinnen in der Hierarchie sind.

[00:18:52.750] – Bemerkung 47
Das spricht ja auch wieder für den Mut, das zu tun, was einem wirklich Spass macht,
was auch immer das ist.

[00:18:53.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muntere alle dazu auf, etwas eigenes zu tun, wo man dann wirklich selber
bestimmen kann.

[00:19:08.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht nicht immer.

[00:19:08.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo wir zu fest in der Anpassung drinnen sind, uns innerlich dagegen
auflehnen, wo wir eigentlich über die Bücher gehen müssten und dann eine
Veränderung machen.

[00:19:25.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Da stellt sich dann auch wieder die Frage, wie stark sind wir geprägt von unserer
Familie her?

[00:19:38.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie stark sind wir immer noch unserer Familie loyal?

[00:19:43.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe festgestellt, dass immer dort, wo man eigentlich disloyal werden muss zur
eigenen Familie, aber sich das nicht getraut, dass man dann eher seinen Körper
stresst, krank macht.

[00:19:59.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort tritt dann die psychosomatische Krankheit auf.

[00:20:02.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Man plagt eher seinen Körper, als dass man seinen Eltern disloyal wird.

[00:20:07.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das merkt man gar nicht. Das ist ein Programm im Kopf.

[00:20:13.130] – Dr.med. Ursula Davatz
An dieser Stelle muss man wieder beginnen über die Bücher zu gehen.

[00:20:13.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie viel mache ich aus Anpassung, aus Loyalität zu meinen Eltern, wieviel will ich
eigentlich selber?

[00:20:21.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre dann wieder das Prinzip der Differenzierung von der Herkunftsfamilie, dass
man nochmal ein Stück Ablösung vollzieht von seiner Herkunftsfamilie.

[00:20:33.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich dann ein längerer Prozess.

[00:20:37.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst muss man es überhaupt merken.

[00:20:39.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Die meisten Dinge, die machen wir einfach so, das ist einfach so Gewohnheit. Man hat
es gar nie hinterfragt.

[00:20:43.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch ein über die Bücher gehen in Bezug auf: wie viel bin ich geprägt von
meiner Herkunftsfamilie.

[00:20:53.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Was passt eigentlich gar nicht zu meinem Wesen?

[00:20:59.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann als Persönlichkeit gut in seine Familie passen, genau in dieser Schiene
laufen, alles die gleichen Eigenschaften haben, dann läuft das alles gut.

[00:21:11.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann ein Fremdkörper sein. Dann passt man nicht so gut rein, dann hat man es ein
bisschen schwieriger und dann muss man mehr auf sich achten und für sich hinstehen
und da gibt es auch ein bisschen mehr Auseinandersetzung.

[00:21:25.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Differenzierung der Herkunftsfamilie, dass man seine Person wie ein
Skulpteur ein bisschen ausarbeitet.

[00:21:28.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Krankheitsentstehung aus dieser evolutiven Sicht.

[00:21:56.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Krankheit aus evolutiver Sicht betrachtet.

[00:22:10.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin hat nicht die Sicht. Die Medizin sagt, da ist ein Organ und das macht eine
Krankheit.

[00:22:18.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Innerhalb des Körpers hat man einen Zusammenhang zwischen Herz und Gefässe.

[00:22:25.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon zwischen den verschiedenen Organen sieht man manchmal nicht mehr recht
einen Zusammenhang, obwohl das alles zusammen funktionieren muss.

[00:22:33.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Innerhalb von der Familie schaut man es schon gar nicht an.

[00:22:38.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das so anschaut, hat man natürlich viel vielmehr Möglichkeiten auf eine
Krankheit einzuwirken.

[00:22:45.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem Systemischen, kann man die Krankheit immer evolutiv anschauen, das heisst
entstanden in dem Menschen, in dieser Person, an dem Platz in der Familie, in dieser
Geschichte, in dieser Zeit, wo er aufgewachsen ist, in dieser Kultur.

[00:23:04.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht immer weiter.

[00:23:06.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz einfach gesagt, wird ein Individuum krank, wie ich vorher gesagt habe wegen dem
Psychosomatischen.

[00:23:14.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Gleichgewicht nicht mehr stimmt zwischen sich selber treu sein und
Anpassung.

[00:23:22.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zu viel angepasst ist und sich zu viel verleugnet, dort entsteht die Krankheit.

[00:23:25.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich das Individuum zu stark an sein Umfeld anpasst und sich zu stark
verleugnet.

[00:23:33.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt: neben den Schuhen stehen, man ist nicht mehr im Gleichgewicht.

[00:23:50.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sich nur so weit aus dem Gleichgewicht begeben, bis man umfällt.

[00:23:53.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Krankheit ist eigentlich immer ein verlorenes Gleichgewicht.

[00:24:04.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Sämtliche Krankheiten kann man so anschauen.

[00:24:06.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zurückgeht zum Begriff vom Stress von Hans Selye

[00:24:10.300] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Selye

[00:24:11.860] – Dr.med. Ursula Davatz
dann tritt die Krankheit erst dann auf, wenn der Anpassungsmechanismus ausgeschöpft
ist.

[00:24:19.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Anpassung an sich ist etwas normales.

[00:24:22.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen uns immer anpassen.

[00:24:24.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man immer den gleichen Anpassungsmechanismus verwendet, dann wird der
irgendwann ausgeschöpft. Dann ist nichts mehr da.

[00:24:32.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird man krank.

[00:24:33.120] – Bemerkung 48
Nur Burnout oder auch strukturelle Krankheit? Bronchitis ist ein lebenslanger Frust.

[00:24:33.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein lebenslanger Frust kann zu einer Krankheit führen.

[00:24:58.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Da passt man sich immer an.

[00:24:59.900] – Dr.med. Ursula Davatz
An den Gefrusteten sieht man, der ist eigentlich nicht zufrieden. Die Person ist nicht im
Gleichgewicht. Die Person passt sich immer an. Sie weiss nicht wie sie es anders
machen kann.

[00:25:00.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ständige Anpassen, der ständige Frust, der vergiftet den Körper.

[00:25:07.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Krebs hat auch etwas damit zu tun.

[00:25:07.480] – Bemerkung 49
Vielen Personen kann man das so nicht sagen.

[00:25:15.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man nicht so sagen, das darf man nicht so sagen aber man kann so denken.

[00:25:15.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann schauen, wo der Mensch in seinem Leben steht.

[00:25:32.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Inwiefern ist er nicht im Gleichgewicht?

[00:25:35.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen zuerst herausfinden, wer ist dieser Mensch eigentlich?

[00:25:38.250] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Psychiatrie je kränker jemand ist, umso weniger finden wir heraus, wer diese
Person ist.

[00:25:45.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat so eine dicke Krankheitsgeschichte und man weiss gar nichts von denen ihrem
Leben.

[00:25:50.560] – Bemerkung 50
Ich höre oft ein Gejammer, man sieht was ist. Dann spricht man die Psychologie an. Die
Antwort lautet dann immer: nein, mir fehlt nichts, ich bin zufrieden. Das macht mich
fertig.

[00:25:50.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Krankheits- und Gesundheitskonzept ist sehr materialistisch.

[00:26:14.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist eine Schande etwas seelisches zu haben und nicht ganz zufrieden sein.

[00:26:18.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gesteht man etwas ein.

[00:26:20.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist überhaupt nicht gut akzeptiert.

[00:26:23.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist unser Auftrag, diese Menschen langsam zu dem hinzuführen, ohne dass wir es
benennen.

[00:26:30.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kunst im systemischen ist, dass man so denkt, dass man so Fragen stellt, dass
man so Ratschläge gibt, ohne dass man den Kurzschluss macht: du bist krank wegen
deinem Frust.

[00:26:42.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man es gut macht, wenn man das System gut abfragt, gute Sachen sagt, dann
kommen die Leute selber drauf, dann macht es auf einmal: Aha!

[00:26:52.060] – Bemerkung 51
Das wäre das Ziel. Ich versuche es mit Atemtherapie.

[00:26:53.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Atemtherapie sind sie natürlich sehr nahe am Existenziellen am Zentralen.

[00:27:10.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Atem nicht recht funktioniert, dann weiss man da funktioniert generell etwas
nicht.

[00:27:15.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Was das ist, sieht man nicht sofort.

[00:27:17.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das können sie mit systemischen Fragen herausfinden.

[00:27:17.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie an eine Party gehen, können sie jeden Fragen: was machst Du, wo wohnst
du? Bist du verheiratet?

[00:27:28.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man alles auch als Atemtherapeutin fragen, im Sinne von: ich will dich besser
kennenlernen.

[00:27:34.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht um eine Krankheit herausfinden. Ich will dich nur kennenlernen.

[00:27:40.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie die Person besser kennenlernen, wie man das Macht an einer Party, auf
einmal: aha, dort …

[00:27:48.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen ihre Einsicht nicht gleich unter die Nase reiben, sondern sorgfältig an die
systemische Veränderung herantreten.

[00:27:58.280] – Bemerkung 52
Wie weit ist das meine Aufgabe? Irgendwo gibt es einen Punkt und dann bin ich auch
überfordert.

[00:27:58.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht ihre Aufgabe.

[00:27:59.300] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich berate zum Beispiel auch Mütterberaterinnen.

[00:28:14.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sind im System an einem ganz wichtigen Moment, wo ein neues Leben auf die Welt
kommt.

[00:28:20.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sagen dann auch: es ist doch nicht meine Aufgabe.

[00:28:22.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wollen sie die überforderte Mutter zu Psychotherapeut schicken. Die geht nie.

[00:28:26.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sage ich: stellen sie die Fragen, reden sie mit ihr. Sie machen schon sehr viel,
auch wenn sie nicht den therapeutischen Auftrag haben.

[00:28:31.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier kommt wieder etwas Systemisches rein.

[00:28:41.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie als gesunde, helfende, empathische Person mit dieser Person in Kontakt
sind, ohne dass sie mit agieren, ohne dass sie Angst bekommen und irgendwelche
sinnvollen Fragen stellen, tun sie sehr viel Therapeutisches für diese Person.

[00:29:02.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Unterschätzen sie an dieser Stelle ihre Funktion nicht.

[00:29:02.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sofort sagen: gehen sie doch bitte zur Psychologin oder zum Psychiater dann
sagen die: nein sicher nicht.

[00:29:12.480] – Bemerkung 53
Ich habe eine Patientin mit einem sehr berühmten Mann, den alle kennen. Sie
telefoniert mit mir und die war schon bei jedem Psychologen in der Schweiz. Ich jedes
Mal schweissgebadet danach.

[00:29:13.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen den Fall anschauen um zu Schauen, wie sie systemisch korrekt
interagieren können mit dieser Person, sodass es ihnen nicht schadet und ihr etwas
bringt.

[00:29:47.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Offensichtlich haben all diese Therapeuten ihr nichts gebracht. Dass sie immer wieder
zu ihnen kommt, hat irgendeinen Grund.

[00:29:56.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir beginnen bei der Fussarbeit. Es ist biblisch.

[00:30:13.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere therapeutische Grundaufgabe ist, herauszufinden, wo stehen die Menschen da
mit ihrem Gleichgewicht zwischen Anpassung und zu sich stehen?

[00:30:34.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie weit verleugnen die sich aus der Meinung heraus sie müssen sich anpassen?

[00:30:40.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Anpassung, der Zwang zu dieser Anpassung kommt natürlich sehr stark von der
Herkunftsfamilie.

[00:30:46.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum ist es gut und hilfreich herauszufinden: wie ist denn dort gelaufen?

[00:30:51.190] – Dr.med. Ursula Davatz

Wie viel ist dort mit Anpassung gearbeitet worden?

[00:30:53.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie hat man sie zur Anpassung gezwungen?

[00:30:55.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht es darum, die Persönlichkeit zu befreien.

[00:30:55.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie meisseln die Persönlichkeit aus einem vielleicht ein bisschen amorphen
Familienkollektiv heraus, zu einer Persönlichkeit.

[00:31:11.250] – Bemerkung 54
Sind das gut Erfolgschancen?

[00:31:11.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Sicher!

[00:31:15.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Je besser sie die Person wirklich erfassen können, umso mehr fühlt die sich natürlich
wahrgenommen, gesehen.

[00:31:27.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Umso mehr Ressourcen holt sie aus sich selber heraus und macht den Rest dann
selber.

[00:31:34.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir auf diese Person zugehen und sagen: sie haben ein krankes Gehirn, ihr
Gehirn funktioniert nicht genau und ich muss ihnen jetzt da ein bisschen Medikamente
geben, dann hat die Person das Gefühl, ich bin einfach ein bisschen defekt, nur das
Medikament kann mich gesund machen.

[00:31:50.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe zwei Jahre innere Medizin gemacht und ein Jahr bei einem Allgemeinpraktiker
gearbeitet. Das Interessanteste war immer: ich mache etwas und gebe ein Medikament.

[00:32:08.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Soviel Selbstheilung ist im Menschen drinnen. Wir müssen mit der Selbstheilung
arbeiten können.

[00:32:08.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Selbstheilung können wir auslösen, indem wir die Person möglichst gut erkennen.

[00:32:10.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Person lernen wir nur kennen über die Fragestellung, über ihre Geschichte,
evolutiv.

[00:32:11.160] – Bemerkung 55
Man sagt ja, es ist typenbedingt, es ist die Prägung. Man hat eine Zahl oder Prozent.
Ich wurde so erzogen, dass ich allen helfen muss, man hilft allen. Man ist wie ein
Diener, das ist die Aufgabe von uns Menschen.

[00:32:23.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Fast ein bisschen zu viel Kuschelhormone.

[00:33:06.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder das Gleichgewicht, dem Dogma folgen und sagen nein, ich will das jetzt
ein bisschen ändern. Das geht nicht so schnell. Das geht nicht in fünf Minuten und
schon gar nicht mit einem Medikament. Es braucht Übung.

[00:33:19.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Selber der beste Tennisspieler, Roger Federer schlägt in das Netz und macht einen
falschen Anschlag.

[00:33:20.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen Fehler machen. Es braucht Übung.

[00:33:31.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen wissen, das wir lernen können weniger der Prägung zu gehorchen,
egoistischer zu sein, besser zu schauen.

[00:33:48.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Herz fragen: ist jetzt das gut für mich in diesem Moment oder ist das nicht so gut?

[00:33:52.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit schwerem, gewichtigem Herzen sagen: nein, ich mache es jetzt nicht.

[00:33:53.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Anfang gibt es einem noch ein schlechtes Gewissen, Schuldgefühle, mit der Zeit
kann man es.

[00:33:53.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage die Leute: Wieviel Schuldgefühle haben sie noch?

[00:33:59.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann es üben mit: ich muss meine Mutter besuchen gehen, weil sie krank ist. Ich
gehe sie nur besuchen, wenn ich will, wenn es für mich stimmt.

[00:33:59.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage sie dann: wenn sie ihre Mutter nicht besuchen gehen, wie gut konnten sie es,
wie stark hatten sie noch Schuldgefühle?

[00:34:17.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Antwort: Ich habe noch sehr viele Schuldgefühle gehabt.

[00:34:22.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind wir noch nicht so weit.

[00:34:22.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn man keine Schuldgefühle hat oder nur noch wenig Schuldgefühle hat, dann
beginnt man eigenständig zu werden.

[00:34:37.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schuldgefühle sind der Hirtenhund, welcher uns immer wieder zur Anpassung
zurück zur Herde, zum Kollektiv, zum Clan bringt.

[00:34:41.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen lernen mit diesen Schuldgefühlen umzugehen und eigenständig werden,
sodass wir frei entscheiden können: jetzt will ich dazu gehören und jetzt will ich etwas
anderes machen.

[00:34:58.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Daran arbeitet man bis zum Tod.

[00:34:58.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man nie vollständig erreichen.

[00:35:10.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ganz schlecht ist, wenn man in einer Situation bleibt, innerlich ständig dagegen
kämpft, nichts unternimmt um irgendetwas zu ändern.

[00:35:23.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man innerlich immer ständig dagegen kämpft, geht man immer von der
Erwartungshaltung aus, die sollten anders sein.

[00:35:33.030] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Politiker sollten anders sein, die Ärzte sollten anders sein. Das System sollte anders
sein und es ist nicht anders.

[00:35:40.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Erwartungshaltung prägt unser Verhalten.

[00:35:46.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann rennen wir immer wieder in die Erwartungshaltung hinein. Das ist eine abhängige
Haltung.

[00:35:51.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Man erwartet, dass es die anderen für uns tun.

[00:35:52.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht nicht, die machen es nie.

[00:35:56.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen schauen, das wir es selber machen können.

[00:36:00.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick wo man schaut, was kann ich machen und was nicht, muss man nicht
mehr gegen Windmühlen kämpfen.

[00:36:05.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst kämpft man ständig gegen Windmühlen.

[00:36:07.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht krank.

[00:36:09.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Im schlimmsten Fall, die Frau, welche immer gegen ihren Mann kämpft.

[00:36:11.410] – Bemerkung 56
Dann ist der Mann schuld.

[00:36:11.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man psychotisch oder depressiv werden.

[00:36:16.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Depression ist eine Verliererkrankheit. Man kämpft gegen etwas, das man nicht
ändern kann.

[00:36:27.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer wieder ertappt man sich dabei, dass man dagegen kämpft und es nützt gar
nichts. Man kann nur für sich kämpfen.

[00:36:36.490] – Bemerkung 57
Als Kind habe ich das so gelernt. Ich musste mich immer anpassen, sonst hätte man
mich nicht gerne gehabt.

[00:36:50.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ständig gegen Windmühlen kämpft, sich wehrt innerlich gegen etwas ohne
dass man verändert, ständig frustriert ist, dann vernichtet man unheimlich Ressourcen.

[00:37:03.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Aufgabe als Therapeut ist, diese Ressourcen zu befreien. Den Leuten Mut zu
machen, dass sie zu sich stehen so weit wie es geht.

[00:37:11.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen auch nicht zu viel verlangen.

[00:37:14.140] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann werden unglaublich Ressourcen frei.

[00:37:16.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Ärztin erlebe ich täglich, wieviel Ressourcen vorhanden sind.

[00:37:18.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Der grösste Teil, auch bei allen Medikamenten, ist die Selbstheilung.

[00:37:24.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Medikament ist wirksam, wenn es in 50% der Fälle wirkt.

[00:37:28.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Der andere Teil ist der Mensch selber.

[00:37:28.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Ressourcen möchte ich befreien.

[00:37:29.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier gehört auch das Wort "Mut" dazu. Wir müssen diesen Leuten Mut machen. Wir
müssen uns Mut machen. Wir dürfen die Leute auch nicht zu mutig machen.

[00:37:29.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Therapeuten, die sagen: scheiden sie doch. Dann scheiden diese Frauen, ohne
dass sie die Kraft haben. Dann steht die Frau alleine da und es hilft wieder niemand
mehr. Dann können sie nicht einmal mehr gegen etwas kämpfen und dann haben sie
gar nichts mehr. Das ist auch nicht so gut.

[00:37:48.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Menschen, die gegen eine Situation kämpfen.

[00:38:14.700] – Dr.med. Ursula Davatz

Zum Beispiel Eltern, die ein behindertes Kind haben.

[00:38:19.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr schwer zum Verdauen, zum akzeptieren.

[00:38:23.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe dann Eltern, wenn das Kind schon 40 Jahre alt ist, welche das noch nicht
akzeptiert haben und immer noch dagegen kämpfen.

[00:38:26.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern dagegen kämpfen, dann verschwenden sie Ressourcen.

[00:38:26.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Es stellt sich oft die Frage: Wurde die Trauerarbeit gemacht, dass sie ein behindertes
Kind haben oder nicht?

[00:38:42.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist es immer die Aufgabe, noch die Trauerarbeit nachzuholen, um den Kampf
gegen die Windmühlen auszuschalten.

[00:38:44.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Querschnittsgelähmte kämpfen dagegen, dass sie querschnittsgelähmt sind.

[00:38:53.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie frustrieren und tyrannisieren ihr ganzes Personal um sich herum, weil sie den
Verlust nicht akzeptiert haben.

[00:39:06.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort geht es darum zu helfen: Ja es ist so und ich muss jetzt aus dem etwas machen.

[00:39:08.320] – Dr.med. Ursula Davatz

Gewisse können das gut und andere können das weniger gut.

[00:39:13.730] – Bemerkung 58
Ist die Verdrängung auch eine Form der Verarbeitung? Wenn man ein behindertes Kind
hat und denkt, dass dieses Kind einmal studieren gehen kann.

[00:39:25.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Art der Verarbeitung, welche auf die Länge nicht funktioniert.

[00:39:54.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein Trauma hat, im Sinne einer Naturkatastrophe oder einen Autounfall und
dann geht man schnell darüber hinweg und geht wieder in die Funktion hinein, so wie
wenn ein Ritter vom Ross fällt, und er sofort wieder aufsteigt, damit er wieder die gute
Erfahrung hat.

[00:40:12.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort hilft die Verdrängung.

[00:40:14.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei so einer Realität ist das natürlich ein ganz ein schlechter Anpassungsmechanismus,
aber es ist ein Versuch.

[00:40:20.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychose ist auch eine Verdrängung der Realität.

[00:40:23.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Schizophrene verdrängt die Realität und geht in eine eigene Welt hinein.

[00:40:24.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Massenpsychose, wenn die denken, dass das Kind einmal an die
Universität gehen kann. Sie verdrängen die Realität und konstruieren eine neue Realität
auf einer Metaebene. Auf die Länge geht das nicht.

[00:41:31.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind immer in einem Gleichgewicht zwischen Anpassen und Selbstbehandlung.

[00:41:37.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Anpassen und sich durchsetzen.

[00:41:37.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Anpassung, das ist die Veränderung, versus die Stabilität.

[00:41:37.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit der Mensch oder ein Wesen gut überlebt, muss es auch so ein bisschen im
Gleichgewicht sein zwischen: eine Konstanz erreichen und eine Veränderung
zuzulassen.

[00:42:00.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das läuft auf genetischer Ebene.

[00:42:03.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man gemeint, die Gene seien alle fix und tun alle Eigenschaft gleich fest
bestimmen.

[00:42:05.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute weiss man, dass das nicht stimmt.

[00:42:05.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gene bringen eine gewisse Stabilität mit sich, sie haben eine grosse Stabilität.

[00:42:13.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Sprache hat eine gewisse Stabilität.

[00:42:13.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir lernen Sprachregelungen, wir müssen so reden.

[00:42:27.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Sprache entwickelt sich auch.

[00:42:28.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es zu starr ist und immer nur gleich bleibt, dann ist keine Veränderung, keine
Erneuerung möglich.

[00:42:39.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es zu beweglich ist und zu verändernd, dann ist keine Konstanz da, dann hat
man ständig Chaos.

[00:42:47.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schweiz ist ein Einwanderungsland, wo viele fremde Kulturen zusammenkommen.

[00:42:54.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schweiz ist sowieso ein Unikum mit vier Nationalsprachen.

[00:42:59.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Dokumente müssen in die vier Landessprachen übersetzt werden.

[00:43:00.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schon ein grosse Anforderung bezüglich der Anpassung.

[00:43:00.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Schweizer kann in der Regel mindestens zwei Sprachen.

[00:43:07.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Amerikaner können nur Englisch und das kann man überall gebrauchen.

[00:43:07.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die SVP lancierte die Initiative: Gegen Masseneinwanderung.

[00:43:29.990] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Eidgen%C3%B6ssische_Volksinitiative_%C2%ABGegen_Masseneinwanderung%C2%
BB

[00:43:29.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier ist man mit der Situation konfrontiert: wieviel Veränderung ertragen wir? Wie stark
müssen wir uns an die fremden Einflüsse anpassen? Wieviel ist gefährlich, weil wir
dann unsere Identität verlieren?

[00:44:05.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Schulklassen wo 80%-90% Ausländer sind. Ein Kind ist gemischt. Die
Schweizer Kinder haben dann Angst vor all diesen Ausländern, sich genieren dafür,
dass sie Schweizer sind und das eher verstecken.

[00:44:26.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat es sogar in der Sprache schon gemerkt. Unter den Junge wird albanisches
Schweizerdeutsch gesprochen. Die Kinder und Jugendlichen sprechen
Schweizerdeutsch mit einem albanischen Ductus, mit der albanischen Intonation. Die
albanische Intonation hat sich in unser Schweizerdeutsch eingenistet.

[00:44:42.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss sprechen, wenn man dazu gehören möchte.

[00:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Erwachsene können es gar nicht richtig.

[00:00:00.200] – Dr.med. Ursula Davatz

Hier ist bereits eine Sprachveränderung geschehen.

[00:00:08.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit dem vielen Einfluss wird eine Xenophobie ausgelöst.

[00:00:19.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Je ängstlicher ein System ist, umso weniger kann es sich anpassen.

[00:00:23.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Je besser das System in sich ruht, umso mehr kann das System assimilieren, wenden
und sich anpassen.

[00:00:29.420] – Dr.med. Ursula Davatz
In der heutigen Zeit der globalisierten Weltwirtschaft gehen Produkte überall herum.

[00:00:41.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Seele kann sich nicht so schnell verändern. Sie soll das auch nicht können,
sonst verliert sie die Identität.

[00:00:45.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wieviel Veränderung ertrage ich?

[00:00:45.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wieviel Traditionen ertrage ich? Familientisch, Gespräch am Tisch.

[00:00:51.200] – Dr.med. Ursula Davatz
An den Traditionen festhalten und diese auf pflegen.

[00:00:57.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Jean Piaget sagt: Ein Kind ist egozentrisch (nicht egoistisch).

[00:01:14.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kind schaut die Welt aus seiner Weltsicht an.

[00:01:15.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man ausdehnen auf ethnozentrisch.

[00:01:15.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Schweizer haben gewissen Wertvorstellungen und denken, die ganze Welt hat die
gleichen Wertvorstellungen.

[00:01:20.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Amerikaner haben gewisse Vorstellungen der Demokratie und wollen das überall
missionieren gehen.

[00:01:21.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit wir gut kooperieren können mit all den anderen Ländern – kooperieren heisst
nicht anpassen – damit man kooperieren kann, muss man sehen wo der andere steht
und wo man selber steht.

[00:01:46.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit man kooperieren kann mit Leuten aus anderen Kulturen, anderen Religionen,
anderen ethnischen Gruppen, muss man dezentrieren können, von seinem ethnischen
Denken.

[00:02:10.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen vom helvetischen denken weggehen können und sagen: ich sehe es zwar
so, wenn ich mich in dich hineinversetze, dann kann ich sehen wie du es siehst.

[00:02:21.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Jean Piaget sagt dem: dezentrieren.

[00:02:21.268] – Dr.med. Ursula Davatz

https://de.wikipedia.org/wiki/Dezentrierung#:~:text=Er%20bezeichnet%20einen%20wesentlichen%20Schritt,in%20B
eziehung%20zueinander%20zu%20setzen.

[00:02:21.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Dezentrieren können nur ungefähr 50% bis 60 % der Bevölkerung.

[00:02:38.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Die anderen die anderen Leute bleiben immer egozentrisch, d.h. im Kinderstadium der
Weltanschauung.

[00:02:48.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Anstrengungen, das man von sich weggehen kann, ohne dass man sich
verliert.

[00:02:59.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre auch wieder Differenzierungsarbeit.

[00:03:02.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann für sich einstehen.

[00:03:04.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann aber auch sehen, was der andere sieht und denkt und man muss sich wegen
dem nicht aufgeben.

[00:03:09.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht sofort um Anpassung.

[00:03:13.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin so und plötzlich spricht man wie die anderen und merkt gar nicht, wie man sich
angepasst hat.

[00:03:14.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Entwicklungen geschehen unbemerkt.

[00:03:22.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Überall wo es Probleme gibt, wir haben mit Menschen zu tun, die Probleme haben,
muss man zuerst dezentrieren.

[00:03:23.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon zwischen Mann und Frau läuft das sehr stark in der Ehe.

[00:03:38.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin unter vier Mädchen aufgewachsen. Ich habe 20 Jahre versucht aus meinem
Mann eine Frau zu machen. Dann würde ich meinen Mann besser verstehen. Meine
Schwestern verstehe ich gut, mit ihnen bin ich aufgewachsen.

[00:03:38.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe jetzt eingesehen, dass das nicht geht.

[00:03:50.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Andersartigkeit wahrnehmen.

[00:03:50.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin so, aber deshalb müssen nicht alle anderen Leute auch so sein.

[00:03:50.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Unterschied sehen.

[00:04:04.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr wichtig, dass man lernt die Unterschiede zu sehen, aus den verschiedenen
Perspektiven.

[00:04:04.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Hat jemand einen Fall mit nicht schweizerischem Hintergrund, wo das Schwierigkeiten
gibt?

[00:04:19.250] – Bemerkung 59
Die Gesellschaftsschicht in der Ausländerfamilie spielt auch eine Rolle. Die gut
gebildeten sind hier sehr gut integriert.

[00:05:19.400] – Bemerkung 59
Es ist sehr schwierig mit einer anderen Kultur zusammen mit unserer Kultur eine
Einigung oder Kompromiss zu finden.

[00:05:45.400] – Bemerkung 59
Es kommt das Ganze hintennach. Man wird überrannt. Wie kann da funktionieren hier
in unserem Land?

[00:05:58.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich therapeutisch an solch Situationen herantrete, systemisch.

[00:06:51.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einen türkischen Psychiater gekannt in Basel.

[00:06:59.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat auch Familientherapie gelernt.

[00:06:59.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit solchen ethnischen Problemen zu tun hat, ist es wichtig, dass man nicht
gerade sofort zum integrieren, anpassen, also zu einer gemeinsamen Lösung schreitet.

[00:07:16.870] – Dr.med. Ursula Davatz

Es ist ganz wichtig, dass man zuerst einmal erkennt, aus welchem System kommen die,
was für Wertvorstellungen gibt es dort? Was gibt es bei uns?

[00:07:22.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Uns wird oft erst an Hand vom anderen bewusst, was wir automatisch machen.

[00:07:32.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, das wir zuerst die Unterschiede sehen.

[00:07:33.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein typisches Beispiel ist: wir haben eine türkische Familie, die türkischen Mädchen
unter dem islamischen System dürfen nicht alleine in den Ausgang gehen.

[00:07:51.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen nur mit dem Bruder in den Ausgang gehen oder sie müssen zuhause bleiben
und der Mutter helfen.

[00:07:54.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sehen natürlich, dass die anderen Mädchen das alles dürfen. Die haben einen
Vorteil.

[00:07:55.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommen sie in ein Dilemma.

[00:08:06.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will das, denn die anderen Schulkolleginnen dürfen auch und ich darf nicht.

[00:08:14.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt haben wir einen Clinch zwischen der türkischen Tradition, islamischer Tradition
und der Schweizer emanzipierten Tradition für junge Teenager, die schon in den
Ausgang gehen dürfen.

[00:08:20.620] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem Augenblick, wenn man eine Problemfamilie hat, muss man den kleinsten
gemeinsamen Nenner suchen.

[00:08:38.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Anliegen als Therapeutin ist, dass das Mädchen möglichst gut überlebt und
Strategien lernt, damit sie hier in der Schweiz überlebt.

[00:08:47.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Familie ist ja hierher gekommen.

[00:08:48.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Haltung des türkischen Vaters ist: die Tochter soll überleben.

[00:08:48.082] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass die Tocher überlebt, ist unser gemeinsamer kleiner Nenner. Dort können wir uns
treffen. Der Vater will, dass das Kind überlebt und ich will, dass das Kind überlebt.

[00:08:59.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt geht man weiter.

[00:09:00.300] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Türkei überlebt man nur, wenn das Kind geschützt wird.

[00:09:00.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier überlebt das Kind besser, wenn es eigenständig wird.

[00:09:00.920] – Dr.med. Ursula Davatz
So arbeitet man sich langsam voran.

[00:09:01.230] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann muss man seine Wertvorstellungen und was wichtig ist, muss man denen sagen,
man muss aber ihre Wertvorstellungen auch immer wertschätzen und ja nicht zu schnell
einen Mix haben wollen.

[00:09:36.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Zusammenarbeit geht langsam.

[00:09:36.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte eine türkische Familie. Das hat sehr komisch begonnen.

[00:09:36.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich sind die Mädchen in den Ausgang gegangen, der Vater hat die Kinder
über einen Cousin aus der Discothek gewaltsam entführen lassen.

[00:09:46.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach Schweizer Recht ist das Freiheitsberaubung, das muss bestraft werden.

[00:09:58.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater ist bestraft worden vom Schweizer Staat. Es war ein Offizialdelikt.

[00:10:07.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater musste eine Strafe bezahlen.

[00:10:08.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben mit der ganzen Familie gearbeitet, mit Vater und Mutter.

[00:10:15.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich hat dann die jüngste Tochter, die noch keine Stelle hatte, hat eine Stelle
im Putzinstitut des Vaters gefunden.

[00:10:18.990] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Töchter haben dann gesagt: wir bezahlen die Strafe für unseren Vater. Wir haben
das verursacht. Wir wollen nicht, dass der Vater Schaden nimmt.

[00:10:26.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben wir zusammengearbeitet.

[00:10:37.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Vater hat gesagt: wir sind mehr Teil der Familie, als ihre Verwandten, weil wir ihnen
mehr geholfen haben.

[00:10:37.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht ein sehr sorgfältiges, langsames Vorgehen.

[00:10:38.110] – Bemerkung 60
Ich merke, dass Clans, welche in die Schweiz kommen, in ein neues System kommen,
aber noch im alten System leben. Das geht dann bis zur Zwangsverheiratung der
Tochter. Wie findet man die Grenzen? Muss ich da zwei Schritte Retour gehen und
sagen, dass es nicht an mir liegt, hier etwas zu machen?

[00:11:27.120] – Bemerkung 60
Es kann ja auch wieder falsch ausgelegt werden.

[00:11:27.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe hier die Haltung: wichtig ist, dass man ihrem System wertschätzend
entgegentritt und nicht sagt: das ist falsch und unser System ist korrekt.

[00:11:27.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die beiden System nebeneinander stellen.

[00:11:47.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes ihr System wertschätzen.

[00:11:50.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Als zweites sagen: ja, ich habe verstanden und jetzt sage ich, wie es bei uns ist. Hier
haben wir jetzt ein Problem.

[00:11:51.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach welchem Prinzip soll das Kind jetzt sozialisiert werden?

[00:12:04.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir das Kind nach türkischer, islamischer Vorstellung streng sozialisieren und das
soll dann hier in der Schweiz überleben, dann überlebt es nicht gut. Das ist wieder ein
Problem.

[00:12:14.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind hierher gekommen, damit ihre Kinder hier ein gutes Leben haben können.

[00:12:16.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es herrscht die Vorstellung: wir haben hier den Wohlstand aber alle anderen Traditionen
können wir genau gleich weiterführen.

[00:12:26.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss man sagen: ich weiss, das ist schmerzlich, wenn man das ein wenig ändern
muss, aber es ist eine Realität.

[00:12:43.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man in ein Land immigriert, dann gelten in dem Land andere Regeln. Das ist die
Realität.

[00:12:47.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann auch nicht mit dem Pelzmantel im Urwald umherlaufen.

[00:12:56.000] – Bemerkung 60

Liegt es an mir als Therapeutin das zu sagen?

[00:13:05.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde ja, sie dürfen. Natürlich immer soviel wie sie sich getrauen.

[00:13:21.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Albaner gehabt. Das ist ein absolut männliches System. Die dürfen noch ihre
Frauen umbringen, wenn die fremd gehen oder etwas falsches machen.

[00:13:30.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe von denen immer Würste bekommen. Sie haben mich aufgenommen und
wertgeschätzt, als Mediator zwischen ihrem System und dem System hier.

[00:13:30.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde man draf es tun. Man muss es einfach sorgfältig und vorsichtig tun.

[00:13:48.840] – Bemerkung 61
Man führt sie zu einer Verantwortung hin. Diese Leute haben auch Pflichten, sie sind
emigriert.

[00:13:59.610] – Bemerkung 62
Das kommt aber nicht in den Medien durch. In den Medien steht: kommt, wir sind hier.
Wir passen uns überall an. Ich bin nicht für Kreuze an der Wand. Es herrscht eine
grosse Wut.

[00:13:59.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medien verstehen nichts davon.

[00:14:13.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Skinheads und die Neonazis wurden von Dr.med. Josef Sachs eingeladen.

[00:14:47.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sagen ganz klar: Wir stehen gar nicht mehr für unsere Werte ein, darum müssen wir
es tun, auf eine sehr primitive, kindliche Art und Weise.

[00:14:47.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Alarmzeichen, dass wir nicht genug für unsere Werte einstehen.

[00:14:55.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Masseneinwanderungs-Abstimmung hat man das gemerkt.

[00:14:55.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schweiz hat eine starke Tendenz zum anpassen.

[00:15:04.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand eine andere Sprache spricht, passen wir uns sofort an. Wir sprechen
sofort Hochdeutsch, wir sprechen Französisch, Englisch. Wir können das ohnehin gut.

[00:15:32.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Swissness, muss zum Teil wieder ein bisschen erfunden werden. Man muss auf der
bestehen.

[00:15:35.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Die SVP nützt das reaktionär aus, dass man zu wenig Stabilität geboten hat.

[00:15:48.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat Angst, dass man altmodisch ist, nicht fortschrittlich genug.

[00:15:49.370] – Bemerkung 63
Wir haben das schon, aber wir haben einfach Angst. Wir Lehrpersonen werden ständig
bedroht.

[00:15:54.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Von wem werden sie bedroht? Von den Vätern?

[00:15:58.720] – Bemerkung 63
Ja. Sprachliche dürfen wir nicht mit den Müttern sprechen, weil es die Väter nicht
erlauben. Die Väter drohen uns. Die sagen dann, wie es läuft und nicht die
Lehrpersonen. Das ist eine Zeitbombe. Das sind eher die Ungebildeten Ausländer. Der
Islam drückt sehr stark durch. Nichts steht darüber. Kein Gesetz von uns steht darüber.
Das höchste Gesetz ist Allah.

[00:16:48.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Diskutieren kann man nicht. Man kann ein Joining machen.

[00:16:57.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kenne eine Oberstufenlehrerin. Sie hat viel Ausländerkinder. Die dürfen alle nicht auf
die Schülerreise kommen, nicht mitkommen zu baden.

[00:16:58.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie geht zu den Eltern nach Hause.

[00:17:02.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie gibt dem Patriarch die Hand. Sie schaut ihm tief in die Augen und sagt: ich schaue
für ihre Tochter, aber sie muss mit auf die Schülerreise kommen.

[00:17:10.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Lehrerin setzt sich durch.

[00:17:23.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier setzt man sich nicht mit diskutieren durch.

[00:17:29.980] – Dr.med. Ursula Davatz

Sobald man diskutieren will, will man ein kognitives Einverständnis.

[00:17:35.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wird nicht gehen.

[00:17:36.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht mit der eigenen Mutter, welche dement ist nicht. Das geht mit dem Vater nicht.

[00:17:36.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss hin stehen, man muss sich durchsetzen.

[00:17:39.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht auf eine emotionale Ebene.

[00:17:39.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Anschauen, die Hand geben, da sein und sagen: ich schaue.

[00:17:45.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder kleinste gemeinsame Nenner.

[00:17:51.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ihnen ist ihre Tochter ganz wichtig, mir auch. Ich schaue für sie. Ich schaue, dass ihr
nichts passiert.

[00:17:51.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das emotionale Joining, das erlaubt dem anderen nicht mehr gegen einem vorzugehen.
Man muss ein Joining machen.

[00:18:11.180] – Bemerkung 64
Was ist ein Joining?

[00:18:11.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hiesst auf Englisch sich zusammentun.

[00:18:11.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre wieder der kleinste gemeinsame Nenner.

[00:18:18.900] – Bemerkung 64
Mir sagen die Acht- und Neunjährigen: du hast mir nichts zu sagen. Du bist nur eine
Frau.

[00:18:19.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder nützen das aus.

[00:18:19.510] – Bemerkung 64
Man kann ein Elterngespräch führen mit einem Übersetzer.

[00:18:19.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Kind einem das sagt: du musst mir nichts sagen, du bist eine Frau, dann kann
man antworten: ja das ist in deiner Wertvorstellung so, bei uns ist das anders.

[00:18:46.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind hier in der Schweiz. Wir haben das Frauenstimmrecht spät bekommen, aber
wir haben es.

[00:18:59.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei uns darf die Frau etwas sagen.

[00:18:59.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei dir zu Hause gilt das so. Hier gilt es so.

[00:18:59.880] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich bin deine Lehrerin und ich darf dir etwas sagen. Weisst du, wir befinden uns in der
Schweiz hier.

[00:19:05.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Konkurrenz zwischen dem Glauben der Familie und was hier in der Schweiz
ist.

[00:19:19.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir treten zu wenig für unsere Sachen ein.

[00:19:20.230] – Bemerkung 65
Nach dieser Abstimmung wurde festgehalten, dass man die Sprache und die Sitten
kennen muss und dass das auch kontrolliert wird. Man kommt hierher zum konsumieren
und will die eigenen Normen durchsetzen. Das können wir nicht machen.

[00:20:04.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist immer die Auseinandersetzung: zwischen das ist deine Welt und das ist unsere
Welt.

[00:20:11.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind jetzt aber hier und darum erwarte ich das.

[00:20:20.940] – Bemerkung 65
Für die Kinder ist das sehr verwirrend.

[00:20:25.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder können sehr wohl bei den Grosseltern diese Regel haben, in der Schule diese
Regeln und zu Hause diese Regeln.

[00:20:25.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder sind immer Opportunisten.

[00:20:51.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kinder merken, dass nur der Vater zählt, dann probieren es die Kinder aus.

[00:20:51.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Systemisch gedacht muss man immer bei den Starkten beginnen und denen das auch
sagen.

[00:20:52.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen nicht einverstanden sein mit einem. Sie müssen einem nur spüren. Sie
müssen es hören.

[00:20:57.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier geht es wieder um das durchsetzen.

[00:21:33.380] – Bemerkung 66
Wir sind auch ein bisschen naiv gewesen. Ich bin nicht bei der SVP aber so kann es
nicht weitergehen.

[00:21:33.500] – Bemerkung 66
Wir sind viel weicher. Wenn ich die Kinder im Sport sehe, wie die ein Ziel vor Augen
haben, wie genetisch vererbt von der Kultur.

[00:22:11.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man denen zu viel Raum gibt, dann wird einfach mehr genommen. Das ist jetzt
wieder überleben.

[00:22:45.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines ist Zusammenarbeiten und das andere ist durchsetzen.

[00:22:49.990] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn wir uns für unser eigenes Land nicht mehr durchsetzen können, für unsere
Wertvorstellungen nicht durchsetzen können, dann gehen wir unter.

[00:22:56.210] – Bemerkung 66
Wir brauchen mehr Selbstvertrauen für unsere Traditionen, wie alle andere es auch
ausleben.

[00:22:56.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Da geht es nicht ohne, dass wir für uns hinstehen, wir müssen uns durchsetzen.

[00:23:03.620] – Bemerkung 67
Die Medien generieren nur Aggressionen.

[00:24:12.130] – Bemerkung 68
Das haben wir der SVP zu verdanken. Ich darf die SVP gar nicht benennen. Darf ich
noch SVP sein?

[00:24:14.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man sagt: ich bin SVP, gesinnt man sich wieder einem Kollektiv zu.

[00:24:47.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann ja einfach sagen, in dem bin ich mit dem Einverstanden.

[00:24:51.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde, die Schweiz hat ihre Traditionen, ihre mentale Selbstverteidigung etwas
vernachlässigt.

[00:24:59.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen mehr hinstehen für unsere Werte und für was wir wichtig finden.

[00:25:04.270] – Dr.med. Ursula Davatz

Dafür brauche ich keine SVP, ich kann das auch selber für mich.

[00:25:04.830] – Bemerkung 69
Das ist lauwarm. Heute muss man religionslos sein. Man getraut sich nicht mehr zu
seiner Religion zu stehen.

[00:25:05.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die Übertoleranz, an alles angepasst. Am Schluss ist es gedankenlos, formlos.

[00:25:35.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Das will ich ihnen beibringen. Sie dürfen zu sich stehen, auch wenn es anders ist, als
was der grosse Trend sagt.

[00:25:46.350] – Bemerkung 70
Ich habe eine Sendung über Dubai gesehen. Dubai hat sich gewandelt von einer
Beduinenstadt in eine Grossstadt. Die haben alle Ruinen ersetzt mit den neuen
Hochhäusern. Der Mensch hat in Dubai in Identitätsproblem bekommen. Ich habe das
Gefühl, wenn wir nicht aufpassen, wird das auch in diese Richtung gehen. Es wird
natürlich auch sehr viel gebaut. Die Schweiz hat sich noch nie so stark verändert wie in
den letzten 10 Jahren, auch optisch. Das gibt irgendwo einen Identitätsverlust. Wie geht
man mit dem Identitätsverlust konstruktiv um?

[00:25:48.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit wir gut überleben, müssen wir nicht unsere Identität verlieren.

[00:26:56.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen für die Dinge, welche für uns wertvoll sind, hinstehen, uns einsetzen.

[00:26:56.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das was wir denken soll man über Bord schmeissen, das darf man über Board
schmeissen. Das ist die Veränderung.

[00:27:15.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein System sich zu stark wehrt gegen die Veränderung, dann kommt die
Revolution.

[00:27:15.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben wir in den ganzen arabischen Ländern. Die wehren sich gegen jegliche
Veränderung.

[00:27:20.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur das Materielle wird verändert. Im Kopf nicht so stark.

[00:27:28.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir uns zu stark wehren, haben wir eine Revolution.

[00:27:29.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir uns zu stark verändern, haben wir einen Identitätsverlust.

[00:27:29.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier müssen wir unsere Balance finden zwischen: woran halten wir fest, was ist es uns
etwas wert. Bei was können wir uns ändern.

[00:27:38.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder Einzelne soll sich überlegen: welche Traditionen, welche Rituale sind mir wichtig
und ich will daran festhalten. Wo kann ich neues dazu lernen?

[00:28:08.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt die grösste Stabilität.

[00:28:10.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich wieder zum Gehirn gehe.

[00:28:10.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist das anpassungsfähigste Organ.

[00:28:10.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Leber oder eine Milz kann sich nie so anpassen wie das Gehirn. Das Gehirn kann
am besten mit ganz unterschiedlichen Situationen umgehen.

[00:28:10.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich das Gehirn immer wieder neuen Situationen aussetzt und die integriert, dann
wird es immer komplexer und immer anpassungsfähiger.

[00:28:38.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Gehirn zu stark überfordert wird, dann fällt alles zusammen, dann gerät man
in eine Psychose, dann kann das Gehirn gar nichts mehr.

[00:28:42.200] – Dr.med. Ursula Davatz
So müssen wir alle wissen, wieviel wir ertragen.

[00:28:42.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher gab es noch Analphabeten.

[00:28:42.510] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man Schreiben lernt, Dinge aufschreibt, hat man mehr Speicherkapazität und
verfällt weniger schnell in eine Demenz im späteren Alter.

[00:28:57.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir uns mit dem Umfeld auseinandersetzen, ohne dass wir unsere Strukturen
verlieren, dann werden wir komplexer und anpassungsfähiger.

[00:28:57.725] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen schauen, dass wir gewisse Strukturen behalten.

[00:28:57.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst haben wir Chaos.

[00:29:24.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht um die Auseinandersetzung, nicht nur um die Anpassung.

[00:29:25.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Auseinandersetzung ist immer wieder zwischen dem, was ich am Anfang gesagt
habe: wieviel muss ich standhaft bleiben, mich durchsetzen und wieviel muss ich mich
anpassen, verändern an die Realität.

[00:29:45.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich mich nur dagegen wehre, gehe ich in eine autistische Welt. Am Schluss
überlebe ich gar nicht mehr.

[00:29:46.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Jean Piaget spricht von Accommodation und Assimilation.

[00:30:10.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Accommodation: man passt sich an das Umfeld an.

[00:30:10.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Assimilation: man integriert die Dinge von aussen und integriert das ins Gehirn.

[00:30:12.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle die assimilierten Dinge im Gehirn, die machen das Gehirn komplexer und dann
wieder anpassungsfähiger.

[00:30:14.880] – Bemerkung 71

Eine Ehepaar aus dem Kosovo. Der Mann ist 43 Jahre alt. Die Frau ist 41 Jahre alt. Der
Sohn ist 6 Jahre alt. Die Frau ist Schweizerin. Sie sind verheiratet. Beide haben in tiefes
kognitives Niveau. Die Frau war in einer Sonderschule. Er ist ein einfacher Arbeiter. Er
ist der zweitälteste. Die Geschwister leben in anderen Ländern. Wo die Eltern leben,
weiss ich nicht. Die Mutter ist ein Einzelkind. In ihrer Familie ist die Mutter nicht
anerkannt. Ihre Freundinnen finden, sie müsse noch mehr putzen. Er hat vor 10 Jahren
einen Unfall und ist im Rollstuhl. Er hatte einen Unfall und ist Tetraplegiker. Er kann
noch selber essen. Sonst kann er praktisch nichts. Sie hatten einen Kinderwunsch, sie
wurde schwanger. Der Sohn ist auch in einer Sonderschule. Er ist sehr retardiert. Sie
will sich trennen von ihrem Mann. Sie macht es nicht so, wie es in seinem Kulturkreis
erwartet wird. Er ist jetzt in einer WG drinnen. Er isst praktisch nichts mehr, weil er
Angst davor hat, dass er nach Hause muss. Sie hat eine Depression weil sie Angst hat,
dass er wieder nach Hause kommt. Es geht immer über sieben Ecken. Sie suchen sich
immer Verbündete, die den Kampf für sie austragen sollen.

[00:33:40.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Problematik dieser Familie wurde jetzt auf das Gesundheitssystem übertragen. Sie
sind nicht daran interessiert, ihre Probleme zu lösen. Sie wollen ihre Probleme
aufrechterhalten, weil sie etwas nicht anschauen wollen.

[00:35:41.500] – Bemerkung 71
Seit Jahren will sie eine Trennung und klagt auch immer. Kaum will man zu dritt
zusammensitzen, will sie das nicht. Die Familie der Mutter war mit der Heirat nicht
einverstanden.

[00:36:36.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie sich trennt, will sie dann den Jungen mitnehmen?

[00:36:44.390] – Bemerkung 71
Das könnte sie auch. Er ist auch sehr tragend vom emotionalen her.

[00:37:11.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Ethnizität ist überlagert von der Tetraplegie.

[00:37:11.180] – Bemerkung 71
Er hat ein gewisses Bild von der Rolle der Frau.

[00:37:11.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Er erwartet jetzt in dieser Situation, dass sie eine brav dienende Frau ihm gegenüber
ist.

[00:37:43.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man schaut, für was sie ihn eingesetzt, ursprünglich. Sie hat ihn geheiratet um
von ihrer Familie wegzukommen. Sie wollte sich aufbessern mit ihm. Das hat nicht
funktioniert. Genau das Gegenteil ist passiert. Das sind wir in einer blöden Situation.

[00:37:48.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage in die Runde: was würden sie machen mit diesem System? Was ist ihr
Ratschlag?

[00:38:09.660] – Bemerkung 72
Sie arbeitet nicht. Sie hat auch Angst, dass sie arbeiten muss.

[00:38:09.750] – Bemerkung 71
Sie hatte einmal IV. Die IV ist jetzt aber wieder abgelehnt worden. Er hat eine IV und
eine Unfallrente.

[00:38:09.840] – Bemerkung 71
Sie ist extrem abhängig. Sie müsste jetzt arbeiten gehen. Er war vorher Hilfsarbeiter.
Sein altes Einkommen ist noch vorhanden. Sie hat keine Ausbildung.

[00:40:00.290] – Bemerkung 72
Damit man weiss, wie es weitergeht muss man schauen wo die Ressourcen sind. Die
erste Ressource ist eine Ausbildung und die Möglichkeit zum selbständig sein.

[00:40:00.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Er ist vom Kosovo und sie ist von der Schweiz. Sie war nicht akzeptiert in ihrem
Familiensystem. Sie hat sich die Akzeptanz über einen Ausländer geholt. Das wird
häufig so gemacht. Wenn man sich nicht richtig akzeptiert fühlt, dann heiratet man
ausserhalb der eigenen Ethnie, ausserhalb der eigenen Religion. Das ist ein Versuch
sich abzugrenzen, gegen das System.

[00:40:01.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum will sie das jetzt auch nicht aufgeben. Das war ihr Anker um sich von ihren Eltern
abzugrenzen. Sie hat sich nicht abgelöst und das funktioniert auch nicht mehr. Die sind
arm an Ressourcen.

[00:40:29.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die können jetzt noch jahrelang alle Gesundheitssystem und Sozialsysmtem
beschäftigen. Es bleibt immer gleich. Alle tanzen um das System. Es verändert gar
nichts. Es ist eine gross Energie- und Geldverschwendung.

[00:40:52.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte gerne auf eine Lösung zusteuern.

[00:41:10.080] – Bemerkung 73
Müsste man nicht bei ihr in ihrer Ursprungsfamilie Dinge klären gehen? Dinge, welche
ihr Standhaftigkeit geben. All das, was sie eigentlich aufgibt. Daraus kann sich eine
Perspektive entwickeln.

[00:41:38.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde zuerst mit ihr schauen, wieso sie in die Sonderschule gegangen ist.

[00:41:39.590] – Dr.med. Ursula Davatz
In welchen Bereichen ist sie minderbegabt und in welchen Bereichen hat sie
Ressourcen?

[00:41:39.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gehen viele Kinder durch die Sonderschule.

[00:41:43.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte einen Deutschen Psychologieprofessor. Der war drei Jahre lang in der
Sonderschule, bis ein Nachbar gesagt hat: dieser Junge gehört nicht in die
Sonderschule. Dann ist er wieder in die Regelschule, hat die Matur gemacht und
Psychologie studiert. Ich habe immer gesagt: mein Sonderschüler.

[00:42:04.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Die wird jetzt vielleicht nicht gleich Professorin.

[00:42:15.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss wirklich mal ihre Ressourcen anschauen.

[00:42:15.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte mir ihr einen Intelligenztest machen, schauen wo ist sie stark, wo ist sie
schwach.

[00:42:32.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann eine erste Ausbildung für sie suchen, in dem Bereich wo sie stark ist.

[00:42:32.960] – Bemerkung 74
Vielleicht etwas anhängen. Ich hatte mehrere Menschen in der Sonderschule. Die
haben dann ein Haushaltslehrjahr gemacht, dass man etwas anhängt und dort eine
gute Beratung macht.

[00:42:40.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Eltern haben nie akzeptiert, dass das Kind eine Sonderschule braucht, dass das
Kind in der Schule nicht so gut ist, wie sie es sich vorgestellt haben.

[00:43:06.110] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Eltern müssen der Tochter gegenüber noch Trauerarbeit machen.

[00:43:23.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frau soll ihren Fähigkeiten entsprechend eine kleine Ausbildung machen, damit sie
dann für sich finanziell schauen kann. An dieser Stelle ist die IV zuständig, die
berufliche Eingliederung.

[00:43:23.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie finanziell für sich schauen kann, dann kann sie sich auch besser trennen.

[00:43:39.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann braucht sie ihren Mann nicht mehr um sich von ihrer Familie zu trennen.

[00:43:43.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss die Beziehungen zu ihrer Familie anschauen. Ihr helfen eigenständig zu
werden, nicht über einen Mann aus dem Kosovo, sondern über ihre Ausbildung.
Eigentlich nach dem Schweizerischen Modell.

[00:43:57.060] – Bemerkung 75
Der Mann ist auch unter Druck.

[00:44:08.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mann wäre besser dran, wenn er eine Wohnmöglichkeit hat, die für ihn eingerichtet
ist, mit professionellen Krankenschwestern. Nicht sein Frau als Krankenschwester
verwenden. Das geht vermutlich nicht.

[00:44:09.120] – Bemerkung 75
Beim ihm ist noch der ganze Clan dahinter im Kosovo. Er darf sich nicht scheiden
lassen. Das sitzt ganz tief bei diesen Kulturen.

[00:45:14.930] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn Männer ihre Frauen bedrohen, weil die Frau sie verlassen will, das haben wir bei
Schweizer Männer, die bringen dann ihre Frau um. Dann geht es darum diese Männer
als erstes zu unterstützen. Seine Geschwister sind in Deutschland. Man muss
genügend Unterstützung für ihn auffahren, damit er nicht Panik macht. Die
professionelle Krankenschwester ist besser als die Frau als Krankenschwester. Es ist
ein Prozess.

[00:45:15.130] – Bemerkung 75
Ich würde gerne die Eltern von ihr kennenlernen. Das müsste sie zulassen.

[00:45:54.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie meint, dass sie von ihren Eltern losgelöst ist. Das ist sie nicht. Durch die
Pseudoablösung klebt sie fest und holt das ganze System mit rein.

[00:46:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben das Recht, die Eltern kennenzulernen.

[00:46:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Mann soll es nie hinter dem Rücken machen. Man muss es immer sagen.

[00:46:33.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sich nicht vom Krankheitssymptom oder von der Pathologie her als
Therapeut bestimmen lassen.

[00:46:46.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frau will das wohl nicht, aber das gehört dazu, ich muss das als Therapeutin
machen, ich brauche es.

[00:46:46.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt haben wir den Stillstand. Sie ist depressiv, er verweigert das Essen. Er muss im
Spital bleiben, man erhält alles aufrecht, es kostet unheimlich viel und es bringt gar
nichts.

[00:46:46.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen das System in den Gang bringen, möglichst nach der Vorstellung wie es
geht.

[00:46:58.990] – Bemerkung 71
Er hat Spitex zu Hause.

[00:47:03.500] – Bemerkung 71
Das ist nicht das ursprüngliche Problem. Sie hat ihn als Problemlösung verwendet. Wir
müssen an der Problemlösung arbeiten, am Ursprungsproblem.

[00:47:39.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man systemisch nachhaltig arbeiten möchte, muss man die beiden Eltern
einladen, kennenlernen, schauen was mit dieser Beziehung ist, schauen wieso sie in
die Sonderschule musste. Gab es vielleicht einen Geburtszwischenfall? Was ist
überhaupt gewesen?

[00:47:49.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen ihr noch etwas zukommen lassen.

[00:48:12.210] – Bemerkung 76
Wenn er eine Essverweigerung macht, darf man ihn dann zu ihr nach Hause tun?

[00:48:12.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre fachtechnisch völlig falsch. Das ist systemtechnisch völlig falsch, das darf
man nicht. Rein medizinisch, juristisch darf man es. Wenn man das System anschaut,
ist es falsch. Es wird dann scheitern und irgendwo kommt dann wieder ein Problem
raus.

[00:48:39.110] – Bemerkung 80

Die Frau hat ein sehr klares Bild von allem. Sie hat ein sehr klares Bild zum Thema
Ferien. Sie haben zusammen Spanienferien geplant. Dann ist etwas dazwischen
gekommen. Die Ferien müssen jetzt einfach sein. Wenn der Vater nach Hause kommt,
dann können sie nicht sofort in die Ferien gehen.

[00:51:18.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt muss das Kind alles tragen.

[00:51:18.520] – Bemerkung 80
Was ich von diesen Kulturen kenne ist, dass sie sehr viel versprechen, sehr viel zu
ihren Vorteilen drehen, damit man die Leute manipulieren kann.

[00:52:04.600] – Bemerkung 81
Sie möchte etwas mit den Ferien einfordern, das gar nicht machbar ist.

[00:53:14.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Cinderella Syndrom. Sehr kindlich.

[00:53:14.820] – Bemerkung 81
Hier kann man auch in die Ursprungsfamilie gehen. Sie hat noch etwas zu Gute, etwas
das sie wieder von ihm möchte.

[00:53:15.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir bringen am meisten Dynamik rein, wenn wir mit diesen Eltern sprechen, damit sie
ihre Tochter anerkennen und mithelfen die Tochter zu unterstützen. Die Tochter wurde
einfach fallengelassen.

[00:53:56.360] – Bemerkung 81
Sie ist sehr bedürftig. Wenn man sie in ihrer Bedürftigkeit abholt, wird sie auch offener
und erzählt vielleicht auch ein bisschen wo man beginnen könnte.

[00:53:56.480] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich arbeite mit einigen Eltern von behinderten Kindern. Das ist ein wichtiger Punkt, dass
man mit ihnen die Trauerarbeit macht.

[00:54:47.150] – Bemerkung 81
Auch wenn das Kind schon 40 Jahre alt ist?

[00:54:47.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja.

[00:54:47.520] – Bemerkung 82
Das Grosskind ist jetzt auch wieder in einer Sonderschule.

[00:54:51.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass die Frau einfach in Ferien gehen will ohne dass die Möglichkeit vorhanden ist,
zeigt auch die kindliche Phantasie. Ich habe das einfach zu Gute.

[00:55:23.100] – Bemerkung 82
Besteht überhaupt die Möglichkeit, dass die Eltern in die Therapie kommen?

[00:55:23.260] – Bemerkung 81
Die Eltern sind 1.5 Stunden entfernt.

[00:55:38.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Man könnte mal mit ihnen Telefonieren.

[00:55:53.860] – Bemerkung 71
Ja auf jeden Fall.

[00:56:04.380] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann man auch schon viel herausfinden.

[00:56:06.120] – Bemerkung 82
Wie wird das Kind gestärkt?

[00:56:07.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hoffnung wird von Vorstellungen genährt. Die Hoffnung wird von vererbten,
geprägten Vorstellungen aus dem Kulturraum genährt.

[00:56:24.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Lebensplanungen können verkehrt sein.

[00:56:26.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hoffnung aufzugeben ist auch eine Trauerarbeit. Man muss loslassen, alte Zöpfe
abschneiden. Man muss die Dinge loslassen, an denen man krampfhaft festhält.

[00:56:44.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Festhalten verhindert eine Entwicklung und verhindert eine nachhaltige
Veränderung.

[00:56:50.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Hoffnung ist nicht gesund.

[00:56:52.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Hoffnung geht nur in Richtung Luftschlösser und endet schlussendlich immer in
der enttäuschten Erwartungshaltung.

[00:57:00.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht gut, das macht wieder krank.

[00:57:02.220] – Bemerkung 83
Eine Familie hat geschäftlich alles erreicht. Es sind alle verheiratet und es haben alle
eine Familie. Sie machen jetzt zusammen Velofahrten. Auf jeder Velofahrt geht es um

Leistung. Die erste Person hatte einen Kreislaufkollaps auf der Langlaufloipe. Die
zweite Person hatte während einer Tour einen Kreislaufkollaps. Der wurde alleine
zurückgelassen. Die Frau musste dann aus der Schweiz nach Frankreich fahren um ihn
abzuholen. Alle haben einen Schuss vor den Bug bekommen. Die Reaktion der Frau:
spinnt ihr eigentlich? Überall wo die hinkommen, sagen alle immer: wow!

[00:58:13.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage in die Frauenrunde: wie würden sie sich diesen kompetitiven Männern, die
sich im Sport üben, herausstellen und kollabieren, stellen?

[01:00:15.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe das auch erlebt in Samedan, dort ist ein 35 jährigen Familienvater kollabiert
und gestorben auf der Langlaufloipe.

[01:00:46.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie soll sich die Frau diesem kompetitiven, männlichen Verhalten gegenüber stellen?

[01:00:47.360] – Bemerkung 84
Ich möchte nie mit denen unterwegs sein. Ich möchte nicht zurückgelassen werden.

[01:01:11.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Warum wollen sie mit denen nie unterwegs sein? Wie würden sie das erklären?

[01:01:11.260] – Bemerkung 84
Es wäre mir alles viel zu stressig.

[01:01:53.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuviel Leistung und zu wenig Genuss.

[01:01:53.490] – Bemerkung 85
Würde die Ehefrau auch einfach im Stich gelassen werden?

[01:01:53.660] – Bemerkung 86
Denjenigen fragen, wie er sich gefühlt hat, als er so alleine zurückgeblieben ist.

[01:03:14.830] – Bemerkung 87
Ich würde mir dazu keine Gedanken machen. Ich würde sagen, macht das und kommt
am Abend wieder zufrieden nach Hause. Ich bin so aufgewachsen. Wer gewinnt, wer ist
der schnellste. Das ist wie ein Codex.

[01:04:10.140] – Bemerkung 84
Warum werden die immer bewundert? Solange die immer bewundert werden, können
wir nichts ändern.

[01:04:11.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer dürfen bewundert werden. Wir Frauen müssen uns aber auch Gehör
verschaffen. Für gewisse stimmt das, für andere stimmt es nicht.

[01:04:12.110] – Bemerkung 88
Um was geht es diesen Männern im Leben? Geht es nur darum, dass man seine
Grenzen spürt? Spüre ich mich nur über Leistung?

[01:04:36.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie die Sinnfrage stellen, dann stellen sie das ein bisschen in Frage.

[01:05:16.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist ihr Sinn, welchen sie dem gegenüber stellen?

[01:05:17.210] – Bemerkung 89
Die Bewegung scheint sehr wichtig zu sein. Es könnte eine lustvollerer Bewegungsform
sein, mit mehr Entspannung darin. Man darf nicht in ein machen reinkommen, das nicht
mehr mit der eigenen Leistungsfähigkeit verbunden ist. Ein Teil Sport, ein Teil Musik
oder Tanz. Bewegung mit lustvollem Aspekt.

[01:05:38.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich können sagen: ich als Frau, so wie ich geartet bin, ich würde eher irgendetwas nicht
Bewegung machen, das mir noch mehr Lust gibt mehr Spass, mehr Freude. Sie können
mit der Frau tanzen. Dann können sie sich lustvoll im Kreis drehen mit der Frau.

[01:06:40.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss etwas entgegen stellen und nicht nur etwas in Frage stellen.

[01:06:47.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen stellen oft etwas in Frage und dann hört es auf. Das ist nicht hilfreich. Wir
müssen etwas anderes entgegen stellen. Gehen sie den ganzen Weg und sagen sie,
was sie eher machen würden.

[01:06:47.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde viel lieber eine Woche lang tanzen gehen. Viele neue Schritte lernen, mich
üben. Nicht tanzen bis zum Kollaps, wenn man müde ist, hört man auf.

[01:06:47.720] – Bemerkung 89
Die Personen sind zwischen 55 und 60 Jahren alt. Die definieren sich nur über
Leistung. Für die Sinnfrage haben sie keinen Mut. Die haben Mühe abzugeben. Die
haben sich nur über die Leistung orientiert.

[01:07:28.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann man eine kritische Frage stellen: was machen sie dann mit 70 Jahren? Geht
ihr dann noch auf den Mt. Everest?

[01:07:52.290] – Bemerkung 90
Sie könnten die Enkelkinder mitnehmen, dann wäre es auch lustvoll und sie könnten
nicht so Gas geben.

[01:08:11.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann dürfen sie nicht so Gas geben.

[01:08:11.140] – Bemerkung 83
Dann würden auch nicht alle 4 gehen. Mit Frauen, Kinder, Patenkindern etc nehmen sie
schon Rücksicht. Dann ist das Testosteron nicht vordergründig.

[01:08:34.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen etwas entgegen stellen.

[01:08:34.270] – Bemerkung 91
Wenn man für den Genuss gerne stirbt, dann bitte mach es.

[01:10:14.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind wir nur im Kritischen aber stellen selber nichts hin. Machen sie ein Bild
davon.

[01:10:46.620] – Bemerkung 91
Mich interessieren solche Männer nicht.

[01:10:46.910] – Bemerkung 91
Wettkampf steht über dem Leben, mit interessiert das nicht.

[01:12:02.220] – Bemerkung 89
Diese Männer sind wirklich glücklich.

[01:12:02.460] – Bemerkung 92
Mich erstaunt es, dass die noch so eine Herausforderung brauchen in der Freizeit. Die
lebt ihr doch schon im Business. Andere möchten Wellnessen gehen. Ich bin erstaunt,
dass ihr das braucht.

[01:12:02.590] – Bemerkung 93

Höchstens den Frauen und Kindern steht es zu, das zu hinterfragen. Ich würde mich
nicht getrauen, dem ein anderes Modell entgegenzusetzen, das zu hinterfragen. Die
können machen was sie wollen. Wenn ich verheiratet bin und drei kleine Kinder habe,
dann würde ich sagen: das macht mir sorgen. Ich möchte das gerne mit dir anschauen.

[01:12:58.520] – Bemerkung 94
Ich habe auch Mühe, wenn die Männer mit 70 Jahren und hochrotem Kopf an mir
vorbeifahren. Wo ist denn da die Seele?

[01:13:26.880] – Bemerkung 95
Mich erstaunt wie weit du gehst, das ist mir zu flach, das ist mir zu wenig Inhalt. Das ist
einfach nur Leistung, strampeln. Mir fehlt da die Kreativität.

[01:14:48.770] – Bemerkung 96
Ich würde gerne mit dir etwas machen, wo wir beide Spass haben. Wandern, etwas
zusammen tun.

[01:16:02.510] – Bemerkung 97
Er hat schon zwei Schüsse vor den Bug bekommen. Er ist die treibende Kraft

[01:16:21.490] – Bemerkung 97
Sie hat Angst, dass ihr man stirbt.

[01:16:37.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sagt sie zu ihm? Wie formuliert sie sich als Frau von ihm?

[01:16:37.900] – Bemerkung 97
Ich denke, sie hat ihm das schon gesagt. Die andere Frau hat eine siebenjährige
Tochter. Sie hat Angst.

[01:17:09.280] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Aussage: mit so einem würde ich nie unterwegs sein, ist eine Abwertung. Die
Aussage: von dem möchte ich nicht die Partnerin sein, ist eine Abwertung.

[01:17:40.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sinnfrage stellt wieder in Frage. Bist du verrückt, spinnst du? Macht das noch Sinn
was du da machst?

[01:17:55.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aussage: interessiert mich nicht, ist eine Abwertung.

[01:18:15.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aussage: ich bin erstaunt, dass ihr das braucht, ist auch ein in Frage stellen.

[01:18:34.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist alles weiblich. Wir werten ab. Wir müssen gegen etwas vorgehen, aber wir
stehen nicht selber hin.

[01:19:05.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aussage: ich will lieber tanzen gehen, wäre eine Gegenüberstellung.

[01:19:05.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen stellen die männliche Hochdruck Welt in Frage. Wir stellen aber nichts
gegenüber. Das ist das Problem.

[01:19:26.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen etwas gegenüberstellen.

[01:19:26.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen nicht nur den Mann in Frage stellen. Dann muss sich der Mann nochmals
wehren.

[01:19:27.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben das Thema: Gesellschaft unter Hochdruck. Wir wollen ein bisschen etwas
machen.

[01:19:43.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie als Frauen müssen viel mehr eine eigene Position beziehen.

[01:19:49.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht nur den Mann in Frage stellen. Hinten dran sollte noch eine eigene Position
kommen.

[01:20:13.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nur in Frage stellt, ist einfach nichts da.

[01:20:13.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Gesellschaftsmässig, in der Öffentlichkeit wow, toll, alles läuft gut, immer höher,
schneller, mehr. Zum Teil noch mit Doping, usw. Es wird alles bewundert.

[01:20:41.620] – Bemerkung 98
Das ist identisch mit dem Geschäftsleben. Wir stellen in Frage, aber wir stellen dem
nichts gegenüber und bewundern alles.

[01:20:41.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wandern und Wellness. Wellness wird wohl belächelt.

[01:20:58.160] – Bemerkung 98
Dann sagt der Mann: mach Du das.

[01:21:54.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht darum, dass wir den Mann überzeugen. Es geht nicht darum, dass wir
den Mann verändern.

[01:21:54.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nicht darum, dass wir uns gleich schalten.

[01:22:05.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht darum, dass wir etwas anderes gegenüberstellen.

[01:22:15.090] – Dr.med. Ursula Davatz
In Frage stellen, sich lächerlich machen, das darf man alles machen. Hinterher muss
man aber noch sagen was man will.

[01:23:04.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss noch etwas gegenüberstellen. Man darf es nicht nur in Frage stellen.

[01:23:04.430] – Bemerkung 99
Ich würde lieber das und er ignoriert es. Das ist als Frau sehr frustrierend.

[01:23:04.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie kommen immer vom mütterlichen her: ich will jetzt diesen Mann verändern.

[01:23:04.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen den Mann nicht verändern. Ich habe auch versucht während 20 Jahren eine
Frau aus meinem Mann zu machen. Das hat nicht geklappt. Jetzt bin ich so einsichtig
an meinem Hochzeitstag, dass ich das nicht kann.

[01:23:15.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen beklagen uns immer nur und machen uns lustig aber das bringt es nichts.

[01:23:16.620] – Bemerkung 100
Die Frau muss auch herausfinden was ihr gut tut und das dann auch machen. Die Frau
sollte sich nicht nur kommunikativ behaupten.

[01:23:17.190] – Bemerkung 100
Wenn ich mich wirklich wohl fühle ohne ständig zu schauen, was der Mann denkt, das
hast eine Wirkung. Alles andere ist nur manipulieren.

[01:23:37.880] – Bemerkung 100
Die Verantwortung der Frauen hat eine lange Geschichte.

[01:24:08.260] – Bemerkung 100
Die Frau muss für sich zuerst das eigenen Licht haben.

[01:24:16.430] – Bemerkung 100
Nur verbal immer in der Ehetherapie zu streiten, das ist Schade für die Zeit. Mach es,
tue es.

[01:24:42.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen nicht nur in Frage stellen, wir dürfen nicht nur ängstlich sagen: oh je, ich
mache mir Angst.

[01:25:08.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen müssen einen anderen Wert hinstellen und auch danach handeln.

[01:25:08.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen auch Taten zeigen, das ist klar.

[01:25:09.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Sonst wollen wir die Männer einfach nur von etwas anderem überzeugen. Das geht
nicht.

[01:25:12.640] – Bemerkung 100
Du musst schauen, dass es mir gut geht. Du bist verantwortlich für meine Befindlichkeit.

[01:25:20.060] – Bemerkung 101
Wie ist das im Büro? Ich habe einen Chef, das ist ein hyperaktiver, leistungsfähiger Typ.
Er zeigt mir jeden Tag wie gut, dass er ist und wie leistungsfähig. Ich leiste auch mein
Bestes, bin aber nicht gleich leistungsfähig. Was stelle ich dem dort entgegen? Es geht
mir nicht darum, dass ich ihn verändern möchte. Er soll auch akzeptieren, dass ich auch
das Maximum gebe.

[01:25:20.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie setzt dieser Chef sie unter Druck, unter Hochdruck, der dann für ihr Naturell
schädlich ist? Was macht es mit ihnen, wenn dieser Chef sich immer ins Rampenlicht
stellt und zeigt wie leistungsfähig, dass er ist? Wo schadet es ihnen, wo geht es dann
an das Lebendige?

[01:26:02.250] – Bemerkung 101
Mich betrifft es jetzt nicht. Ich sehe andere, die sehr viel leisten. Dadurch, dass sie nicht
gleich viel leisten wie der Chef, kommen sie nie auf einen grünen Zweig. Der Chef
spiegelt dann vor, wie es noch besser gehen könnte.

[01:26:49.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können als Zuschauerin, auch wenn sie nicht betroffen sind, dürfen sie auch einen
Kommentar abgeben.

[01:27:03.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein möglicher Kommentar ist: eine Gruppe ist immer nur so gut wie das schwächste
Glied.

[01:27:04.590] – Dr.med. Ursula Davatz
So wie sich der männliche Chef präsentiert, gibt es keine schwachen Glieder, das ist
nicht die Realität.

[01:27:05.440] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist für mich nicht das Leben.

[01:27:18.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind Mitglieder dieser Gruppe. Jedes Mitglied hat das Recht, etwas zu sagen.

[01:27:18.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen nicht sagen: du bist ein unmöglicher Chef.

[01:27:37.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie dürfen beobachten und sagen: Ein Kollektiv ist immer nur so stark wie das
schwächste Glied.

[01:27:48.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kollektiv wird daran gemessen, wie es mit dem schwächsten Glied umgeht.

[01:27:53.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind sehr schlecht umgegangen mit dem schwächsten Glied. Sie haben das
schwächste Glied einfach an die Frau abdelegiert. Das ist kein gutes Kollektiv.

[01:27:58.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Tiere pflegen die kranken Mitglieder auch. Tiere verhalten sich absolut sozial.

[01:28:17.200] – Dr.med. Ursula Davatz
In dieser Gesellschaft hat sich nur das kompetitive Verhalten durchgesetzt. Das ist eine
Selbstselektion.

[01:28:17.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie können eine Bemerkung machen und sagen: jedes Kollektiv ist nur so stark wie ihr
schwächstes Glied.

[01:28:50.500] – Dr.med. Ursula Davatz

Wie ein Kollektiv mit seinen schwächsten Gliedern umgeht, sagt etwas über das
Kollektiv aus. Daran kann man das Kollektiv messen, daran kann man da Kollektiv
bewerten.

[01:28:50.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Kollektive, welche gut umgehen mit ihren schwächsten Mitgliedern, das sind gut
funktionierende Kollektive.

[01:28:56.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Kollektive, welche menschlichen Abfall produzieren, sind nicht gut funktionierende
Kollektive. Auf die Länge funktioniert das nicht.

[01:29:11.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Wissen, welches sie so weitergeben können.

[01:29:12.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Chef dann sagt: greifst du mich jetzt an, findest du, dass ich zu stark
leistungsorientiert bin?

[01:29:22.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Antwort: du kannst damit machen, was du möchtest.

[01:29:22.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Gehen sie aus dem persönlichen Angriff raus.

[01:29:29.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist systemisch gedacht.

[01:29:33.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie beschreiben, was da läuft.

[01:29:33.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie benennen ihre Vogelperspektive. Sie beschreiben es ehrlich, nach ihrer
Wahrnehmung, wahrheitsgetreu. Er kann damit machen, was er möchte.

[01:29:34.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn er es als persönlichen Angriff nimmt, zeigt dies, dass es ihn getroffen hat. Das ist
sein Problem.

[01:29:47.740] – Bemerkung 102
Ich finde es wichtig, dass man sagt, wie man mit dem schwächsten Glied umgehen
muss.

[01:30:55.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist langfristig nachhaltig gedacht.

[01:31:13.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir alle unsere schwachen Glieder ausscheiden: survival of the sickest. Die
Sichelzellanämie, dort sieht man, der Schwache ist plötzlich wieder stark. Die letzten
werden die ersten sein.

[01:31:17.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Langfristig überlebt die Gesellschaft so gut wie sie mit ihre Schwächsten Gliedern
umgeht.

[01:31:39.230] – Bemerkung 103
Das Selektionieren ist sehr kurzfristig. Man muss im Moment die Zahlen bringen.

[01:31:40.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kaufen sie das System. Sie müssen das System nicht kaufen. Man kann anders
sein.

[01:32:27.720] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss verstehen wie das System denkt aber man muss sich nicht mit dem System
vereinen. Man muss auch zu sich stehen.

[01:32:40.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zuviel versteht, dann sagt mein einfach: es ist halt so, ich kann nichts mehr
machen.

[01:32:56.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das männlich-kompetitive darf sein, das hat uns weit gebracht.

[01:32:57.070] – Bemerkung 104
Wir Frauen müssen nicht in die Kompetition gehen, wir müssen ein Gegengewicht
bringen.

[01:32:57.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen sind gut im Netzwerken, die spinnen auch soziale Netze. Netzwerken ist sehr
wichtig.

[01:34:22.270] – Dr.med. Ursula Davatz
In England gibt es das Mumsnet.

[01:34:22.470] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.mumsnet.com/

[01:34:22.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Mumsnet wurde sozial so populär, dass auch David Cameron beitreten musste, sonst
wäre er out gewesen.

[01:34:22.690] – Bemerkung 105
Ich habe zwei Freundinnen, die sind zusammen in das Yoga gegangen. Irgendwann hat
das die Männer zu interessieren begonnen und die wollten dann auch ins Yoga gehen.
Die beiden Männer gehen jetzt auch ins Yoga und finden das etwas gutes. Die Frauen

haben sich nicht damit gebrüstet. Sie haben einfach gewartet und selber etwas
gemacht.

[01:35:11.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Selber, überzeugt mit Genuss etwas zu machen, das braucht es. Auf einmal steckt es
an.

[01:36:04.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder Sozialverhalten. Jemand macht etwas anderes, selber wird man
neugierig und schaut zu. Es braucht seine Zeit.

[01:36:09.160] – Bemerkung 106
Man hat wenig gesprochen, man hat es einfach gelebt. Ich fand es interessant, wie die
Männer das erzählt haben. Es war sehr grosszügig, es gab kein: ich bin besser als du.

[01:37:34.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Beispiel aus der Tierwelt. Die Jungen sind oft experimentierfreudig. Man hat den
Affen dreckige Süsskartoffeln und Getreide mit Sand vermischt gegeben. Eine junge
Äffin hat das Getreide mit Sand und die dreckigen Süsskartoffeln ins Wasser geworfen
und gemerkt, dass die Körner oben aufschwimmen und man diese essen kann. Die
Süsskartoffeln kann man im Fluss waschen, dann kann man sie essen.

[01:37:35.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder haben das neue Verhalten untereinander schnell gelernt, die Mütter haben
es auch gelernt.

[01:38:02.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Der dominante Affe hat es nie gelernt.

[01:38:03.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Der dominante Affe war damit beschäftigt, die Hierarchie zu erhalten. Er hatte kein
Interesse an neuen Techniken.

[01:38:17.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen nicht am dominanten Affen rum doktoren. Wir müssen selber Dinge tun,
sodass sich neue Techniken verbreiten.

[01:38:23.680] – Bemerkung 107
Das ist ein Anspruch, welcher man als Frau hat. Man will teilen. Man will zusammen
etwas machen.

[01:38:39.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Networking, zusammenarbeiten, kooperieren und so lernen voneinander.

[01:38:53.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Velofahren dominiert man nur, man ist stark, man fährt schneller, aber es kommt
nichts neues dazu.

[01:38:54.090] – Bemerkung 108
Es gibt einen Adrenalinkick. Die Frau hat den Anspruch mit dem Mann etwas zu teilen.
Der Man geht gerne auf Las Vegas zocken.

[01:39:45.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Problem der Frau, dass sie sich immer in einer Abhängigkeit sieht und nicht
getraut alleine etwas zu tun.

[01:39:45.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Frauen sagen nein, ich gehe nie alleine ins Kino, ich würde mich nie getrauen
alleine in den Ausgang zu gehen.

[01:39:53.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu den Frauen sage ich immer: sie müssen das Gefühl entwickeln: ich und die Welt.

[01:39:54.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich alleine etwas mache, dann kann ich mich ganz alleine mit allem
auseinandersetzen und muss auf niemanden Rücksicht nehmen.

[01:40:09.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Frauen trauen sich das nicht zu.

[01:40:14.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Iris von Roten war eine Frauenrechtlerin. Sie hat das Buch geschrieben: Frauen im
Laufgitter.

[01:40:25.510] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Iris_von_Roten

[01:40:25.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt gab es den Film: verliebte Feinde.

[01:40:29.106] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.youtube.com/watch?v=U4JbAzhvAbE

[01:40:29.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Iris von Roten hat gesagt: die Frauen sehen sich immer nur als 0.

[01:40:29.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Mann eine 5 ist, dann ergibt das 50. Wenn der Mann eine 9 ist, dann ergibt
es 90. Wenn der Mann eine 10 hat, dann gibt es 100.

[01:40:29.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Hinter jedem starken Mann steht einen starke Frau.

[01:40:45.790] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Frau kann nur der Schürger sein.

[01:40:50.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen sind in vielen Dingen bei dieser Rolle geblieben.

[01:40:50.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Entweder kritisch, ich habe Angst, nicht eigenständig.

[01:40:58.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frau muss sich viel mehr eigenständig darstellen.

[01:41:05.430] – Bemerkung 109
Ist die jüngere Generation nicht schon weiter?

[01:41:06.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich weiss es nicht. Wahrscheinlich schon ein bisschen.

[01:41:12.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke es hinkt noch stark hinterher.

[01:41:13.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt ist es ein Mann der als Conchita Wurst auftritt.

[01:41:33.745] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Conchita_Wurst

[01:41:33.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Mann spielt die Rolle der Frau und wir jubeln.

[01:41:36.400] – Bemerkung 110

Sie haben einen Vortrag an der Fachhochschule Aarau über Familiensysteme, Frau und
Mann gehalten.

[01:41:37.630] – Bemerkung 110
Sie sagen, bei den Kindern soll man sagen: ich möchte, ich will.

[01:41:59.750] – Bemerkung 110
Gibt es auch eine Formel, welche wir Frauen uns aneignen sollten, wenn wir mit den
Männern sprechen?

[01:42:00.110] – Bemerkung 110
Wir Frauen neigen dazu, den Mann sehr genau so zu sehen, wie unser Kind.

[01:42:00.300] – Bemerkung 110
Das spürt ein Mann, auch wenn es der Frau nicht bewusst ist.

[01:42:00.490] – Bemerkung 110
Dann muss der Mann sich eine Geliebte zulegen, weil er nicht mit der Mutter ins Bett
gehen möchte.

[01:42:21.750] – Bemerkung 110
Jemand von der Schulklasse hat gesagt: könntest du nicht einmal.

[01:42:28.080] – Bemerkung 110
Dann haben sie geantwortet: das "nicht" können sie weglassen.

[01:42:28.170] – Bemerkung 110
Mich würde jetzt die Formel interessieren, welche wir Frauen uns aneignen können,
damit wir nicht einen kleinen Jungen neben uns haben.

[01:42:38.990] – Bemerkung 110

Wir Frauen wollen alle einen Mann neben uns haben.

[01:42:39.100] – Bemerkung 110
Wir sind dann immer selber Schuld, dass wir einen Jungen neben uns haben.

[01:43:25.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Frau, wenn man nicht gehört wird, rettet man sich oft auf die mütterliche Ebene.

[01:43:26.330] – Dr.med. Ursula Davatz
All das bemitleiden und lächerlich machen ist ein herunterschauen auf die dummen
Jungs, welche miteinander wettkämpfen.

[01:43:26.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Frau muss man auf Augenhöhe vorgehen.

[01:43:26.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu einem Mann kann man nicht sagen: ich möchte, dass du das lernst. So spricht man
zu einem Kind.

[01:43:26.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Anstatt zu sagen: ich mache mir sorgen und ich habe Angst, dann ist man schon wieder
abhängig davon, dass der Mann etwas ändert.

[01:43:27.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf als Frau sagen, mir passt das nicht, dass ihr da so Wettkämpfe macht und du
dein Leben auf das Spiel setzt.

[01:43:42.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das passt mir nicht als deine Frau. Es passt mir nicht, weil du der Vater von deinen
Kinder bist. Ich habe das nicht gern.

[01:43:57.070] – Dr.med. Ursula Davatz
So gibt es wieder eine Auseinandersetzung.

[01:44:03.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe das nicht gerne, mich stört das, mich plagt das.

[01:44:03.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Frau sagt: ich habe Angst, dann will die Frau mit dem Gefühl den Mann
manipulieren.

[01:44:03.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mann lässt sich dann nicht manipulieren.

[01:44:16.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Frau kann auch sagen: mich macht es verrückt.

[01:44:16.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Mich macht es verrückt, dass du soviel Zeit für das verwendest und so wenig Zeit für
uns hast.

[01:44:22.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Dein Wettkampf konkurrenziert mit meinen Bedürfnissen für unsere Familie.

[01:44:38.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich nicht gerne.

[01:44:38.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine eigene Position: ich habe das nicht gern, mich stört es.

[01:44:38.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann stopp.

[01:44:38.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht manipulieren wollen, dass es der Mann anders macht. Sobald die Frau
manipulieren möchte, gehen die Ohren und Augen zu.

[01:44:54.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mann hört dann nicht mehr zu.

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