8.4.2023

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Dr.med. Ursula Davatz

8.4.2023
Zeitungsartikel zum Thema ADHS/ADS
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[00:00:00.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Zeitungsartikel zum Thema ADHS/ADS.

[00:00:06.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor 50 Jahren wurde ich per Zufall in meiner Weiterbildung als Assistenzärztin auf das
Thema frühkindliches POS, (Psychoorganisches Syndrom) aufmerksam gemacht.

[00:00:22.107] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Organisches_Psychosyndrom

[00:00:23.055] – Dr.med. Ursula Davatz
https://chatgpt.com/share/9e645590-efd1-42d9-91cc-f82015176dee

[00:00:23.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Als die verschiedenen Kennzeichen dieses Syndroms vom vortragenden Kinderarzt
vorgestellt wurden, fiel mir plötzlich auf, dass viele dieser Eigenschaften mit den
spezifischen Charakterzügen der Schizophrenie-Kranken erstaunlich stark
übereinstimmen.

[00:00:49.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter anderem war dies die hohe Sensitivität, die bei beiden Erscheinungen betont
wurde.

[00:00:56.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute wird der Begriff des frühkindlichen psychoorganischen Syndroms nicht mehr
verwendet in der psychiatrischen Fachsprache.

[00:01:09.800] – Dr.med. Ursula Davatz
POS wurde durch den Begriff ADHS/ADS ersetzt.

[00:01:20.950] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivit%C3%A4tsst%C3%B6rung

[00:01:29.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Idee eines möglichen Zusammenhangs zwischen ADHS/ADS und Schizophrenie ist
mir seither nicht mehr aus dem Kopf gegangen.

[00:01:36.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe sämtliche Anamnesen meiner Schizophreniepatienten und ihrer Familien unter
diesem Blickwinkel analysiert.

[00:01:50.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte einen Schizophrenie-Patienten in Behandlung, bei welchem in der Kindheit ein
ADHS/ADS diagnostiziert worden war.

[00:02:13.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Nun ging ich mit einer kleinen Studie auf die Suche nach dem von mir angenommenen
Zusammenhang zwischen diesen beiden Erscheinungsbildern.

[00:02:26.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich untersuchte 75 Familien mit einem an Schizophrenie erkrankten erwachsenen Sohn
oder einer Tochter.

[00:02:36.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich suchte durch die Befragung mittels Fragebogen ihrer Eltern retrospektiv nach
Symptomen des ADHS/ADS und verglich die Resultate mit den Kontrollfamilien.

[00:02:52.110] – Dr.med. Ursula Davatz

Dabei kam heraus, dass in den Schizophrenie-Familien signifikant mehr ADHS/ADS
Symptome vorkamen im Vergleich zu den Kontrollfamilien.

[00:03:05.850] – Dr.med. Ursula Davatz
So fand ich meine Hypothese des Zusammenhangs zwischen ADHS/ADS bestätigt.

[00:03:14.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Unterdessen haben habe ich anhand einer Beschreibung von Schizophrenie-Patienten
durch Eugen Bleuler, der Begründer des Begriffs der Schizophrenie, festgestellt, dass
auch er ein Verhalten bei seinen Patientinnen bemerkt hat.

[00:03:40.170] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_Bleuler

[00:03:40.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Erscheinungsbild trifft auf das ADHS/ADS zu.

[00:03:45.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Eugen Bleuler beschreibt die Schizophrenie-Patienten als Menschen, welche viele
Details in ihrer Umgebung wahrnehmen, welche wir normale Menschen gar nicht
wahrnehmen.

[00:04:06.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Dies trifft auch für die Personen mit ADHS/ADS zu und wird als
Aufmerksamkeitsstörung bezeichnet.

[00:04:16.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen mit ADHS/ADS lassen sich von sogenannt "unwichtigen" Reizen in ihrem
Umfeld leicht ablenken.

[00:04:26.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bezeichne dieses Verhalten als eine breite Aufmerksamkeit, die wenig fokussiert ist.

[00:04:36.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben Mühe, dem Lehrer in der Schulstunde zu folgen, wenn seine Ausführungen
nicht packend genug vorgetragen werden oder sie der Stoff des Unterrichts gar nicht
interessiert.

[00:04:54.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie nehmen Dinge und Stimmungen in ihrem sozialen Umfeld wahr, welche von
anderen Menschen gar nicht erst wahrgenommen werden.

[00:05:12.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe noch einen Schritt weiter.

[00:05:16.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Seit der Analyse des menschlichen Genoms, der Entschlüsselung des menschlichen
Genoms, werden nun in riesig angelegten Studien verschiedene psychiatrische
Krankheitsbilder mit den Genomen dieser Menschen verglichen.

[00:05:39.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Dabei hat sich gezeigt, dass das ADHS/ADS nicht nur mit der Schizophrenie-Krankheit
einen genetischen Zusammenhang aufweist, sondern dass noch drei andere
psychiatrische Krankheitsbilder dazukommen: die schwere Depression, manisch-
depressiv (bipolare Störung) und die Autismus Spektrums Störung (ASS).

[00:06:11.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie erkläre ich diese Zusammenhänge?

[00:06:24.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Gehen wir zum ADHS/ADS zurück und greifen die spezifische Eigenschaft der hohen
Sensitivität auf, welche zusammenhängt mit ihrer breiten Aufmerksamkeit und fügen
noch die andere hervorstechende Eigenschaft auf emotionaler Ebene hinzu: die starke
Impulsivität, negativ ausgedrückt als mangelnde Impulskontrolle, können wir uns leicht

vorstellen, dass Menschen mit diesen genetisch vererbten Eigenschaften schneller in
Konflikte mit ihrem sozialen Umfeld geraten.

[00:07:08.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Menschen mit ADHS/ADS werden schneller verletzt und reagieren auf Verletzungen
entweder mit impulsiver Aggression abwehrend, was häufig bei Männern mit ADHS/
ADS der Fall ist oder sie ziehen sich zurück in eine innere Flucht, was vermehrt für
Frauen mit ADHS/ADS zutrifft.

[00:07:32.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aggression löst eine Gegen-Aggression im sozialen Umfeld aus.

[00:07:39.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Rückzug löst Unverständnis aus.

[00:07:40.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Beides erzeugt psychischen Stress bei den ADHS/ADS Betroffenen.

[00:07:48.990] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler fallen durch die soziale Ablehnung aus ihrem emotionalen Gleichgewicht.

[00:07:57.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieses muss dann mittels künstlicher Hilfsmittel oder kompensatorischen
Verhaltensweisen mühsam wieder hergestellt werden.

[00:08:14.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann der Konsum von Suchtmitteln wie Alkohol und/oder Drogen oder medizinisch
verschriebener Beruhigungsmittel sein.

[00:08:24.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann auch exzessiv betriebener Sport sein, mittels dessen das emotionale
Gleichgewicht wieder hergestellt wird.

[00:08:39.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Essstörungen und Selbstverletzungen können zur Emotionsregulation zugezogen
werden.

[00:08:51.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Essstörungen und Selbstverletzungen sind Verhaltensweisen, welche vermehrt bei
Frauen auftreten.

[00:09:01.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen mit ADHS/ADS setzen häufig auch auf vermehrtes Anpassungsverhalten an ihr
Umfeld.

[00:09:11.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Frauen fällt die Anpassung leichter als den männlichen Personen.

[00:09:18.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Stuten sind leichter zu reiten, das heißt an den Reiter anzupassen als Hengste.

[00:09:34.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Nachteil des weiblichen Anpassungsverhaltens ist aber, dass sie sich selbst
verlieren, das heißt ihre Selbstfürsorge markant darunter leidet.

[00:09:47.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Endresultat ist ein Burnout, eine schwere Depression.

[00:09:56.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Krankheitsbilder teilen sich einen ähnlichen Gensatz mit ADHS/ADS in den
großen Kohortenstudien.

[00:10:16.020] – Dr.med. Ursula Davatz

https://chat.mistral.ai/chat/018c96c4-f4f1-45d2-a360-fe99cc0ac661

[00:10:20.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt noch weitere Zusammenhänge zwischen ADHS/ADS und weiteren
Krankheitsentwicklungen.

[00:10:20.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Statistik zeigt auf, dass lediglich 5-10 % der Menschen, bei denen im
Erwachsenenalter ein ADHS/ADS festgestellt wird, keine zusätzliche psychische
Krankheit aufweisen.

[00:10:58.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder mit ADHS/ADS benötigen zu Hause und in der Schule eine besondere
Aufmerksamkeit durch die Eltern und Lehrpersonen, damit sie keine psychischen oder
psychosomatischen Krankheiten entwickeln im Laufe ihres Lebens.

[00:11:29.240] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADS Kinder und Erwachsene sind auf eine persönlichkeitsgerechte ihrem
Neurotyp entsprechende Erziehung und Beziehung angewiesen.

[00:11:48.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Will man den ADHS/ADS Kindern gesundheitspolitische Hilfe und Unterstützung
anbieten, so dass sie keine Krankheit im Erwachsenenalter entwickeln, muss an erster
Stelle ihr erzieherisches Umfeld unterstützt und beraten werden.

[00:12:09.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gene dieser ADHS/ADS Kinder kann man nicht erziehen, auch nicht mit
Verhaltenstherapie. Nach dem Motto von Gerhard Polt: wenn eine Sache genetisch
versaut ist, kann man sie mit Prügeln allein nicht korrigieren.

[00:12:34.170] – Dr.med. Ursula Davatz

Es braucht vermehrt Know-How und Wissen im Umgang mit ADHS/ADS Kindern im
erzieherischen Umfeld.

[00:12:49.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Die genetische Veranlagung von Kindern mit ADHS/ADS hat nicht nur negative
Konsequenzen.

[00:12:56.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einige Beispiele von erfolgreichen Persönlichkeiten, die ganz spezielle
Begabungen haben.

[00:13:11.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Dabei ist vorausgesetzt, dass ihr erzieherisches Umfeld mit ihnen
persönlichskeitsgerecht umgehen konnte.

[00:13:27.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS ist keine psychiatrische Krankheit, sondern ein genetisch veränderter
Neurotyp, welcher in Bezug auf Wahrnehmung, Wahrnehmungsverarbeitung,
Lernverhalten und emotionaler Reaktionsweise vom Durchschnitt eines menschlichen
Gehirntyps etwas abweicht.

[00:13:58.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erzieherische Umfeld muss lernen, mit den ADHS/ADS Kindern, mit diesem
Neurotyp adäquat umzugehen, damit sich bei ihnen keine psychischen oder auch
körperlichen Krankheiten entwickeln.

[00:14:24.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Betroffenen selbst müssen lernen, sich zu verstehen.

[00:14:33.920] – Dr.med. Ursula Davatz

Sobald sie reflektieren und dezentrieren können, das heißt in der Pubertät sich lernen
zu akzeptieren, Freundschaft mit sich zu schließen und nicht gegen sich vorzugehen,
wie es das Umfeld ihnen gegenüber häufig getan hat.

[00:15:01.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch im Erwachsenenalter können sie noch lernen, mit ihrem Wesen besser
umzugehen.

[00:15:09.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus diesem Grunde ist es mein großes Anliegen, möglichst viel Wissen und Know-How
über einen kompetenten Umgang mit den ADHS/ADS Kindern ins erzieherische Umfeld
zu tragen im Sinne der Frühprävention von psychischen und körperlichen Krankheiten.

[00:15:36.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Umgang mit den vulnerablen ADHS/ADS Kindern und Erwachsenen darf nicht
einfach nur dem medizinischen Versorgungssystem überlassen werden.

[00:15:57.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht um eine Sozialisierungsproblematik.

[00:16:03.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese kann nicht nur vom Gesundheitsversorgung System mittels
Medikamentenabgabe geregelt werden.

[00:16:14.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht vielmehr unbedingt den zusätzlichen psychosozialen Ansatz der
Erziehungsbehörden, die sich einsetzen für eine erfolgreichere Sozialisierung dieser
speziellen Kinder mit speziellen Bedürfnissen.

[00:16:38.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir stehen diesbezüglich erst ganz am Anfang unserer Aufgabe als Gesellschaft.