Dr.med. Ursula Davatz unterscheidet zwischen zwei Arten der Erziehung: explizite und implizite Erziehung. Diese Unterscheidung bezieht sich darauf, wie Werte, Normen und Verhaltensmuster von einer Generation an die nächste weitergegeben werden.

  • Explizite Erziehung:
    • Beinhaltet das bewusste Vermitteln von Regeln, Wertvorstellungen und Verhaltensweisen.
    • Geschieht durch direkte Anweisungen, Erklärungen, Verbote und Belohnungen.
    • Beispiel: Eltern erklären ihrem Kind, dass es nicht stehlen darf, und begründen dies mit moralischen Prinzipien.
  • Implizite Erziehung:
    • Geschieht unbewusst durch Vorleben und Nachahmung.
    • Kinder lernen durch Beobachtung der Bezugspersonen, wie man sich in bestimmten Situationen verhält, welche Emotionen angemessen sind und welche Rollen man einnimmt.
    • Beispiel: Ein Kind, dessen Eltern in Stresssituationen immer laut werden, lernt implizit, dass Schreien ein akzeptables Mittel der Konfliktlösung ist.

Zusammenfassend:

Explizite Erziehung ist das, was wir aktiv lehren, während implizite Erziehung das ist, was wir unbewusst vorleben. Beide Formen der Erziehung prägen die Entwicklung eines Kindes und beeinflussen seine Wertvorstellungen, Verhaltensmuster und seine Fähigkeit, sich an soziale Situationen anzupassen.

Kritik an der expliziten Erziehung:

Dr. Davatz kritisiert, dass Eltern in der expliziten Erziehung oft dazu neigen, ihre eigenen Wertvorstellungen und Verhaltensmuster ihren Kindern aufzudrücken, ohne deren individuelle Begabungen und Bedürfnisse zu berücksichtigen. Dies kann zu Konflikten und psychosomatischen Problemen führen, wenn das Kind sich gezwungen fühlt, gegen seine eigene Natur zu handeln.

Bedeutung der impliziten Erziehung:

Dr. Davatz betont die Bedeutung der impliziten Erziehung durch Vorleben und emotionale Prägung. Sie argumentiert, dass Kinder am meisten durch das lernen, was sie bei ihren Bezugspersonen beobachten. Daher ist es wichtig, dass Eltern sich ihrer eigenen Verhaltensmuster und emotionalen Reaktionen bewusst sind und ein positives Vorbild für ihre Kinder darstellen.

https://ganglion.ch/pdf/Wann_laesst_die_Seele_den_Koerper_sprechen.m4a.pdf