Dr.med. Ursula Davatz erklärt in ihrem Vortrag, dass in der Forschung ADHS und ADS noch nicht getrennt werden. In der Praxis hingegen, so Dr. Davatz, sehen die Fachleute den Unterschied sehr wohl. Obwohl beide Störungen viele Gemeinsamkeiten haben, unterscheiden sie sich deutlich in ihren Reaktionsweisen.

ADHS:

  • Kinder mit ADHS fallen durch ihre Hyperaktivität, Impulsivität und Unfähigkeit, ruhig zu sitzen auf.
  • Sie werden oft schnell erkannt.
  • Sie zeigen ihre starken Reaktionen auf störende Reize direkt und nach aussen, was sich in aggressivem Verhalten, Schimpfen oder Unhöflichkeit äussern kann.

ADS:

  • Kinder mit ADS sind eher verträumt und ziehen sich in ihre innere Welt zurück.
  • Sie fallen oft weniger auf und erhalten ihre Diagnose häufig erst viel später, manchmal erst mit 40 Jahren.
  • Ihre Hyperaktivität ist innerlich, ihre Gedanken kreisen ständig und sind schwer zu kontrollieren.
  • Anstatt sich aggressiv nach aussen zu wenden, reagieren sie auf Verletzungen mit Rückzug.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

  • ADHS äussert sich durch äusserliche Hyperaktivität und Impulsivität.
  • ADS hingegen ist durch innere Hyperaktivität und Rückzug gekennzeichnet.

Obwohl Dr. Davatz die Unterscheidung zwischen ADHS und ADS in der Praxis als relevant erachtet, stellt sie die gängige Praxis der Diagnosefindung in Frage. Sie plädiert dafür, ADS sowie Autismus und Asperger unter dem Begriff ADS zusammenzufassen. Ihrer Ansicht nach handelt es sich bei diesen Diagnosen um unterschiedliche Ausprägungen eines gemeinsamen Grundmusters, das durch eine erhöhte Sensibilität und Reizverarbeitung im emotionalen Gehirn gekennzeichnet ist.

https://ganglion.ch/pdf/Umgang_mit_ADHS-ADS_19.9.2024.m4a.pdf