Dr.med. Ursula Davatz argumentiert in den Quellen, dass aggressives Verhalten bei Kindern mit ADHS oft eine Reaktion auf eine erlebte Verletzung ist. Aufgrund ihrer hohen Sensibilität nehmen diese Kinder Reize und Signale aus ihrer Umgebung intensiver wahr als neurotypische Kinder. Was für andere vielleicht eine unbedeutende Geste oder Bemerkung ist, kann für ein Kind mit ADHS wie eine tiefe Kränkung wirken. Die schwächelnde Impulskontrolle führt dazu, dass diese Kinder ihre Emotionen, in diesem Fall Wut und Ärger, oft unkontrolliert und impulsiv in Form von aggressivem Verhalten ausdrücken.

Bestrafung verstärkt die Problematik:

Anstatt das aggressive Verhalten zu unterbinden, kann Bestrafung die Situation sogar verschlimmern. Das Kind fühlt sich missverstanden und ungerecht behandelt, was zu noch mehr Frustration und Wut führt. Es lernt nicht, mit seinen Emotionen konstruktiv umzugehen, sondern verbindet Aggression mit negativen Konsequenzen. Dies kann zu einem Teufelskreis führen, in dem das Kind immer wieder aggressiv reagiert, bestraft wird und sich dadurch in seinem Verhalten bestätigt fühlt.

Was stattdessen helfen kann:

Verständnis und Empathie: Statt zu bestrafen, sollten Bezugspersonen versuchen, das aggressive Verhalten des Kindes zu verstehen. Wichtig ist, die erlebte Verletzung ernst zu nehmen und dem Kind zu vermitteln, dass seine Gefühle verstanden werden.

Hintergründe des Verhaltens erkunden: Versuchen Sie herauszufinden, was dem aggressiven Verhalten vorausgegangen ist. Fragen Sie das Kind: „Was ist passiert? Was hat dich so wütend gemacht?“

Ruhe bewahren: Reagieren Sie selbst nicht mit Wut oder Aggression. Bewahren Sie Ruhe und versuchen Sie, die Situation zu deeskalieren.

Alternativen zum Ausdruck von Aggression aufzeigen: Helfen Sie dem Kind, alternative Wege zu finden, um mit seinen Emotionen umzugehen. Sprechen Sie mit ihm darüber, wie es seine Wut und seinen Ärger anders ausdrücken kann, zum Beispiel durch Sport, kreative Aktivitäten oder durch verbale Kommunikation.

Problemlösungsstrategien entwickeln: Arbeiten Sie gemeinsam mit dem Kind an Strategien, um Konflikte konstruktiv zu lösen.

Konsequente Begleitung: Kinder mit ADHS brauchen klare Regeln und Strukturen, aber auch liebevolle und geduldige Begleitung.

Positive Verstärkung: Loben und belohnen Sie das Kind, wenn es gelingt, seine Impulse zu kontrollieren und mit seinen Emotionen angemessen umzugehen.

Zusammenfassend: Aggressives Verhalten bei Kindern mit ADHS ist oft ein Hilfeschrei, der Ausdruck einer erlebten Verletzung. Bestrafung ist in diesen Situationen kontraproduktiv und kann die Problematik sogar verstärken. Verständnis, Empathie und die Entwicklung konstruktiver Strategien sind der Schlüssel zu einem besseren Umgang mit aggressivem Verhalten.

https://ganglion.ch/pdf/shelter_schweiz_1+2.pdf