Dr.med. Ursula Davatz betont den grossen Einfluss des Umfelds, einschliesslich der Familie, auf die Entwicklung eines Kindes. Insbesondere die Erwartungshaltung der Eltern bezüglich des Geschlechts ihres Kindes kann sich stark auf das Kind auswirken, vor allem wenn das Kind sich nicht gemäss dem gewünschten Geschlecht verhält.
- Geschlechtsspezifische Erwartungen: Die Quellen erwähnen, dass die Gesellschaft bestimmte Erwartungen an das Verhalten von Jungen und Mädchen hat. Von Jungen wird beispielsweise erwartet, dass sie stark und nicht emotional sind, während Mädchen eher als emotional und sensibel gelten.
- Druck durch unerfüllte Erwartungen: Wenn ein Kind nicht den geschlechtsspezifischen Erwartungen entspricht, kann dies zu Enttäuschung und Druck seitens der Eltern führen. Die Eltern könnten dem Kind unbewusst oder sogar bewusst übelnehmen, dass es nicht ihren Wünschen entspricht. Dies kann zu einem lebenslangen Konflikt zwischen Eltern und Kind führen.
- Beispiel: Wunsch nach einem Jungen: Dr. Davatz beschreibt ein Beispiel, bei dem eine Mutter während der Schwangerschaft davon ausging, einen Jungen zu bekommen. Als dann ein Mädchen geboren wurde, hatte die Familie Schwierigkeiten, dies zu akzeptieren. Das Kind spürte diese Ablehnung und äusserte den Wunsch, einen Penis zu haben.
- Übertragung der Enttäuschung: Die Eltern könnten ihre eigene Enttäuschung und Frustration auf das Kind projizieren, indem sie es für das unerwünschte Geschlecht verantwortlich machen.
- Schwierigkeiten bei der Identitätsfindung: Die Ablehnung des Geschlechts durch die Eltern kann die Identitätsfindung des Kindes erschweren. Das Kind könnte sich unsicher und ungeliebt fühlen, was zu psychischen Problemen führen kann.
- Verleugnung der eigenen Gefühle: Die Eltern könnten ihre eigenen Gefühle der Enttäuschung verleugnen und versuchen, das Kind in eine Rolle zu drängen, die nicht seiner Persönlichkeit entspricht. Dies kann zu weiteren Konflikten und Spannungen führen.
- Bedeutung der Aufarbeitung: Dr. Davatz betont die Wichtigkeit der Aufarbeitung der elterlichen Erwartungshaltung und der damit verbundenen Enttäuschung. Sie empfiehlt den Eltern, sich mit ihren eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen und dem Kind unbedingt Unterstützung zu bieten.
Zusammenfassung:
Die Erwartungshaltung der Umgebung, insbesondere der Eltern, spielt eine entscheidende Rolle in der Entwicklung eines Kindes. Wenn das Kind nicht dem gewünschten Geschlecht entspricht, kann dies zu Enttäuschung, Druck und Ablehnung führen. Die Eltern müssen lernen, ihre eigenen Gefühle aufzuarbeiten und dem Kind bedingungslose Liebe und Unterstützung zu geben, unabhängig von seinem Geschlecht oder seiner Geschlechtsidentität.
https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf