Die Aussagen von Dr.med. Ursula Davatz, bieten Einblicke in die Auswirkungen, wenn eine Mutter zu viel Verantwortung übernimmt. Es zeigt sich, dass dies negative Folgen sowohl für die Mutter selbst als auch für das Kind haben kann.

Auswirkungen auf die Mutter:

  • Druck und Überforderung: Wenn eine Mutter ständig versucht, alles perfekt zu machen und die gesamte Verantwortung für die Familie und den Haushalt auf sich nimmt, führt dies zu enormem Druck und Überforderung. Eine Mutter beschrieb, dass sie seit der Geburt ihres Kindes keinen heissen Kaffee mehr trinken konnte, weil sie ständig unter Druck stand, alles richtig zu machen.
  • Erschöpfung und Burnout: Die ständige Anspannung und der Druck, allen Erwartungen gerecht zu werden, können zu emotionaler und körperlicher Erschöpfung führen und im schlimmsten Fall ein Burnout verursachen.
  • Negative Emotionen: Die Überforderung kann negative Emotionen wie Angst, Frustration und Unzufriedenheit hervorrufen. Die Mutter, die keinen heissen Kaffee mehr trinken konnte, sagte, sie habe schönere Jahre vor der Geburt ihres Kindes gehabt, ein Gedanke, den sie sich selbst nicht erlauben wollte.
  • Zwangsverhalten: In extremen Fällen kann die Überforderung zu Zwangsverhalten führen, als Versuch, die Angst zu kontrollieren und die Situation zu bewältigen. Dr. Davatz erwähnt eine Mutter, die sieben Jahre lang zwanghaft versuchte, schwanger zu werden, und dabei fünf künstliche Befruchtungen durchmachte.
  • Verlust des Selbstwertgefühls: Wenn die Mutter das Gefühl hat, den eigenen Ansprüchen und den Erwartungen der Umgebung nicht gerecht zu werden, kann dies zu einem Verlust des Selbstwertgefühls führen.

Auswirkungen auf das Kind:

  • Druck und Überforderung: Das Kind spürt den Druck, der auf der Mutter lastet, und kann sich dadurch ebenfalls überfordert und unter Druck gesetzt fühlen. Je mehr Druck auf das Kind ausgeübt wird, desto schwieriger wird es für das Kind.
  • Hemmung der Entwicklung: Wenn die Mutter zu viel Verantwortung übernimmt und dem Kind keine Möglichkeit gibt, eigene Erfahrungen zu machen und selbstständig zu handeln, kann dies die Entwicklung des Kindes hemmen.
  • Probleme in der Pubertät: Kinder, die von überfürsorglichen Müttern erzogen wurden, haben häufig Probleme in der Pubertät, da sie sich nicht ausreichend abgrenzen und ihre eigene Identität entwickeln konnten.
  • Rollenumkehr: In manchen Fällen kann es zu einer Rollenumkehr kommen, bei der das Kind die Verantwortung für die emotionale Stabilität der Mutter übernehmen muss.
  • Spätfolgen im Erwachsenenalter: Die Auswirkungen der Übernahme von zu viel Verantwortung durch die Mutter können sich bis ins Erwachsenenalter des Kindes auswirken, z.B. in Form von Bindungsproblemen, mangelndem Selbstvertrauen oder Schwierigkeiten, eigene Entscheidungen zu treffen.

Mögliche Lösungen:

  • Unterstützung durch Fachpersonen: Mütterberaterinnen können betroffenen Müttern helfen, ihre Situation zu reflektieren und neue Strategien zu entwickeln, um die Verantwortung gerechter zu verteilen.
  • Entlastung im Alltag: Die Mutter sollte Möglichkeiten finden, sich im Alltag zu entlasten, z.B. durch die Unterstützung von Familie, Freunden oder professionellen Hilfen.
  • Zeit für sich selbst: Es ist wichtig, dass die Mutter Zeit für sich selbst und ihre eigenen Bedürfnisse einplant, um neue Energie zu tanken und den Druck abzubauen.
  • Abbau von Perfektionsansprüchen: Die Mutter sollte lernen, ihre Perfektionsansprüche abzubauen und sich selbst und dem Kind mehr Freiraum zu gewähren.
  • Stärkung des Selbstwertgefühls: Durch die Stärkung des Selbstwertgefühls kann die Mutter lernen, sich selbst mehr zu vertrauen und die Verantwortung auch mal abzugeben.

Es ist wichtig, dass Mütter lernen, die Verantwortung zu teilen und sich selbst nicht zu überfordern. Nur so können sie eine gesunde und ausgeglichene Beziehung zu ihren Kindern aufbauen und ihnen die bestmögliche Entwicklung ermöglichen.

https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf