Wenn eine Mütterberaterin das Gefühl hat, dass eine Mutter ihr Kind gefährdet, befindet sie sich in einer sehr schwierigen Situation. Die Ausführungen von Dr.med. Ursula Davatz, betonen die Wichtigkeit des Vertrauensaufbaus und der Unterstützung der Mutter, gleichzeitig aber auch die Verantwortung für das Kindeswohl.

1. Intuition ernst nehmen und Austausch suchen:

  • Bauchgefühl als Warnsignal: Wenn die Mütterberaterin ein ungutes Bauchgefühl hat und befürchtet, dass das Kind gefährdet ist, sollte sie diese Intuition ernst nehmen.
  • Austausch im Team: Sie sollte sich unbedingt mit Kolleginnen austauschen und ihre Beobachtungen und Sorgen teilen, um eine weitere Einschätzung der Situation zu erhalten.
  • Konsultation von Experten: Bei Unsicherheiten ist es sinnvoll, Experten wie Psychiater hinzuzuziehen, um deren Einschätzung und Rat einzuholen.

2. Vertrauensverhältnis aufrechterhalten:

  • Unterstützung der Mutter: Der Auftrag der Mütterberaterin ist es primär, die Mutter zu unterstützen.
  • Vertrauen nicht gefährden: Ein zu schnelles Melden an Behörden kann das mühsam aufgebaute Vertrauen zerstören und die Mutter in die Defensive drängen.
  • Gefahr des „Verschleppens der Brut“: Wenn die Mutter merkt, dass die Mütterberaterin kritisch wird und ein Misstrauen entsteht, besteht die Gefahr, dass sie mit dem Kind in einen anderen Bezirk umzieht, um der Kontrolle zu entgehen.

3. Beziehung zur Mutter stärken:

  • Direkte Kommunikation: Die Mütterberaterin kann die Ängste und Sorgen der Mutter direkt ansprechen, z.B. indem sie fragt: „Denken Sie, dass ich Sie verurteile?“
  • Positive Aspekte hervorheben: Es ist wichtig, die Mutter für ihre Bemühungen zu loben und die positive Beziehung zum Kind zu bestärken.
  • Verständnis für die Situation zeigen: Die Mütterberaterin sollte Verständnis für die schwierige Situation der Mutter zeigen und ihr vermitteln, dass sie nicht alleine ist.

4. Verantwortungsvolle Entscheidung treffen:

  • Abwägung der Risiken: Die Mütterberaterin muss die Situation sorgfältig abwägen und die Risiken für das Kind einschätzen.
  • Keine Checkliste: Es gibt keine allgemeingültige Checkliste, die eine Entscheidung erleichtern würde.
  • Eigenes Gewissen und Intuition: Die Mütterberaterin muss letztendlich auf ihr eigenes Gewissen und ihre Intuition hören, um zu entscheiden, ob sie die Situation noch verantworten kann oder ob eine Meldung an die Behörden notwendig ist.
  • Schneller Wechsel bei Gefahr: Wenn die Entscheidung zur Meldung gefallen ist, muss diese schnell und konsequent umgesetzt werden, um das Kind zu schützen.

5. Selbstschutz und professionelle Distanz:

  • Austausch und Supervision: Der Austausch im Team und die Inanspruchnahme von Supervision sind wichtige Instrumente, um mit der emotionalen Belastung umgehen zu können.
  • Verantwortung für die Beziehung: Die Mütterberaterin ist primär für die Beziehung zur Mutter verantwortlich, nicht für die gesamte Situation.
  • Eigene Grenzen erkennen: Wenn die Mütterberaterin das Gefühl hat, dass sie die Situation emotional nicht mehr bewältigen kann, sollte sie den Fall abgeben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Situation für eine Mütterberaterin sehr komplex ist, wenn sie das Gefühl hat, dass die Mutter ihr Kind gefährdet. Sie muss zwischen dem Schutz des Kindeswohls und dem Erhalt des Vertrauensverhältnisses zur Mutter abwägen. Letztendlich muss sie eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen, die auf ihrer professionellen Einschätzung und ihrer Intuition basiert.

https://ganglion.ch/pdf/muetterberaterinnen_Teil_eins_5.5.2014.pdf