ADHS/ADS-Kinder zeichnen sich durch eine besondere Reizverarbeitung aus, die massgeblich ihr Verhalten und ihre Interaktionen mit der Umwelt beeinflusst. Verschiedene Aspekte dieser Besonderheiten:

1. Breite Aufmerksamkeit:

  • ADHS/ADS-Kinder haben einen weiten Aufmerksamkeitsradius und nehmen viele Reize gleichzeitig wahr.
  • Dies führt dazu, dass sie schnell abgelenkt sind, wenn die Reize aus ihrer Umgebung nicht ausreichend interessant oder stimulierend sind.

2. Reizsuche (Sensation Seeking):

  • ADHS/ADS-Kinder benötigen starke Reize, um ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren und sich zu motivieren.
  • Sie sind ständig auf der Suche nach neuen und aufregenden Erlebnissen, was sich in ihrem Verhalten (z.B. Zappeligkeit, Impulsivität, Risikobereitschaft) zeigen kann.

3. Hochsensibilität:

  • ADHS/ADS-Kinder sind sehr sensibel und reagieren empfindlicher auf Reize als andere Kinder.
  • Was für andere harmlos erscheint, kann für sie störend oder sogar schmerzhaft sein.
  • Diese erhöhte Reizempfindlichkeit kann sich in verschiedenen Bereichen zeigen, z.B. bei Berührungen, Geräuschen, Gerüchen, Geschmack oder visuellen Reizen.

4. Emotionale Reizverarbeitung:

  • Die Reizverarbeitung bei ADHS/ADS-Kindern läuft primär über das emotionale Gehirn.
  • Das bedeutet, dass sie stärker auf emotionale Reize reagieren als auf rein intellektuelle Informationen.
  • Emotionale Ansprache ist daher im Umgang mit ADHS/ADS-Kindern essenziell, um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen und sie zum Lernen zu motivieren.

5. Hyperfokussierung:

  • ADHS/ADS-Kinder können sich bei Interesse extrem fokussieren und sind dann nur schwer von der Sache abzubringen.
  • Diese Hyperfokussierung kann jedoch auch zu Problemen führen, wenn sie starr und unflexibel wird.

6. Bedeutung von Struktur und Ritualen:

  • ADHS/ADS-Kinder benötigen klare Strukturen und Rituale, um mit der Reizflut in ihrer Umgebung zurechtzukommen.
  • Vorhersehbarkeit und Verlässlichkeit helfen ihnen, sich sicher zu fühlen und ihr Verhalten zu regulieren.
  • Unvorhersehbare Veränderungen oder unstrukturierte Situationen können hingegen zu Stress und Überforderung führen.

7. Bewegung als Emotionsregulation:

  • Hyperaktivität bei ADHS/ADS-Kindern ist oft ein Ausdruck ihres Bedürfnisses nach Emotionsregulation durch Bewegung.
  • Durch Bewegung können sie überschüssige Energie abbauen und sich von negativen Emotionen befreien.

**Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ADHS/ADS-Kinder eine besondere Art der Reizverarbeitung haben, die sich durch eine breite Aufmerksamkeit, Reizsuche, Hochsensibilität und eine starke emotionale Komponente auszeichnet.

Eltern und Lehrpersonen sollten diese Besonderheiten berücksichtigen und dem Kind einen strukturierten und unterstützenden Rahmen bieten, in dem es lernen kann, mit seiner Reizverarbeitung umzugehen und seine Stärken zu entfalten.**

https://ganglion.ch/pdf/Umgang_mit_ADHS-ADS_19.9.2024.m4a.pdf