Dr.med. Ursula Davatz spricht in ihrem Vortrag vom 19. September 2024 explizit das Thema der Bloßstellung von ADHS/ADS-Kindern vor der Klasse an und erklärt, warum dies absolut zu vermeiden ist.
Warum Blamagen schädlich sind:
- Verletzung der Sensibilität: ADHS/ADS-Kinder sind hochsensibel und reagieren besonders empfindlich auf Kritik und Ablehnung. Öffentliche Bloßstellungen verletzen sie in ihrem Selbstwertgefühl zutiefst und können traumatische Erfahrungen verursachen.
- Blockade der Lernfähigkeit: Beschämung führt zu Angst und Stress, was die Lernfähigkeit blockiert. In einer solchen Situation kann sich das Kind nicht mehr auf den Lernstoff konzentrieren und wird innerlich verschlossen.
- Verstärkung negativer Verhaltensweisen: Anstatt das gewünschte Verhalten zu fördern, kann Bloßstellung negative Verhaltensweisen wie Aggression, Rückzug oder Trotz verstärken. Das Kind fühlt sich ungerecht behandelt und wehrt sich gegen die perceived Ungerechtigkeit.
Alternative Umgangsformen:
- Validierung und Empathie: Nehmen Sie das Kind und seine Gefühle ernst. Zeigen Sie Verständnis für seine Schwierigkeiten und bestätigen Sie seine Bemühungen.
- Klare Regeln und Erwartungen: Definieren Sie klare Regeln und Erwartungen für das Verhalten im Unterricht. Kommunizieren Sie diese Regeln klar und deutlich, und setzen Sie sie konsequent durch.
- Einzelgespräche: Sprechen Sie mit dem Kind unter vier Augen, wenn es die Regeln bricht. Erklären Sie ruhig und sachlich, warum sein Verhalten nicht in Ordnung war, und suchen Sie gemeinsam nach Lösungen.
- Positive Verstärkung: Loben und belohnen Sie das Kind für positives Verhalten. So stärken Sie sein Selbstvertrauen und motivieren es, sich weiterhin anzustrengen.
- Kooperation statt Konfrontation: Arbeiten Sie mit dem Kind zusammen, um Lösungen für Probleme zu finden. Beziehen Sie es in Entscheidungsprozesse ein und geben Sie ihm die Möglichkeit, Eigenverantwortung zu übernehmen.
Beispiel aus der Praxis:
Dr. Davatz erzählt die Geschichte eines Lehrers, der eine „unführbare“ Klasse übernahm. Anstatt die Schüler zu maßregeln, liess er sie zunächst gewähren und wartete ab. Erst als die Schüler von selbst den Wunsch nach Unterricht äußerten, begann er mit dem Unterricht. Dieses Beispiel zeigt, dass es manchmal sinnvoller ist, geduldig zu sein und den Kindern Zeit und Raum zu geben, sich selbst zu regulieren, anstatt sie mit Druck und Strafen zu konfrontieren.
Fazit:
Blamagen und Beschämungen sind im Umgang mit ADHS/ADS-Kindern kontraproduktiv und schädlich. Stattdessen sollten Eltern und Lehrpersonen auf Verständnis, Empathie und Kooperation setzen, um den Kindern einen sicheren und unterstützenden Rahmen zu bieten, in dem sie ihre Stärken entwickeln und erfolgreich lernen können.
https://ganglion.ch/pdf/Umgang_mit_ADHS-ADS_19.9.2024.m4a.pdf