Dr.med. Ursula Davatz betrachtet ADHS/ADS als Neurotyp und nicht als Krankheit. Sie hebt die Sensitivität und hohe Reaktivität von ADHS/ADS-Betroffenen hervor, die sich sowohl positiv als auch negativ auf Beruf und Psyche auswirken können.
Auswirkungen auf den Beruf:
- Schwierigkeiten in Anstellungen: ADHS/ADS-Betroffene haben oft Schwierigkeiten, sich in traditionelle Arbeitsstrukturen einzufügen, da sie intrinsisch motiviert sein müssen und nicht blind gehorchen können. Hieraus resultiert der Wunsch vieler Betroffener, selbstständig zu arbeiten.
- Erfolg als Unternehmer: Wenn ADHS/ADS-Betroffene ihren Fokus finden, können sie als Unternehmer sehr erfolgreich sein. Ihre Kreativität und ihr Sucherinstinkt ermöglichen es ihnen, Grenzen zu überschreiten und neue Dinge zu entdecken. Beispiele hierfür sind Erfinder, Business-Leute und Künstler.
- Einfluss der Medikation auf die Karriere: Medikamente wie Ritalin können die intellektuelle Leistung und Konzentration steigern, was sich positiv auf die Karriere auswirken kann. Dr. Davatz betont jedoch, dass Medikamente nicht bei der Fokusfindung helfen und die Selbstwahrnehmung sogar beeinträchtigen können.
Auswirkungen auf die Psyche:
- Folgekrankheiten: Wenn ADHS/ADS-Betroffene ihren Fokus nicht finden oder in ihrer Entwicklung gestört werden, können Folgekrankheiten entstehen. Dr.med. Ursula Davatz nennt Depressionen, bipolare Störungen, Schizophrenie und Suchtkrankheiten als Beispiele. Sie sieht einen Zusammenhang zwischen ADHS/ADS und diesen Krankheiten, der durch genetische Studien gestützt wird. Sie betont aber auch, dass diese Sichtweise in der Medizin und Psychiatrie noch nicht allgemein anerkannt ist.
- Störbarkeit und Überforderung: Die hohe Sensitivität führt zu erhöhter Störbarkeit und Überforderung. ADHS-Typen reagieren mit Aggression, ADS-Typen mit Rückzug, der im Extremfall bis zum Autismus führen kann.
- Schwierigkeiten in der Pubertät: Die Pubertät ist eine kritische Phase für die Persönlichkeitsentwicklung von ADHS/ADS-Betroffenen. Wenn sie in dieser Zeit stark gestört werden oder keine Unterstützung erhalten, kann dies die Entstehung von Folgekrankheiten begünstigen.
- Hochsensibilität: Manche ADHS/ADS-Betroffene sind hochsensibel, was sich auf verschiedene Sinne auswirken kann. Dies kann zu weiteren Herausforderungen im Alltag führen.
Dr.med. Ursula Davatz betont, dass ein persönlichkeitsgerechter Umgang mit ADHS/ADS-Betroffenen wichtig ist, um die Entstehung von Folgekrankheiten zu verhindern. Dazu gehören intrinsische Motivation, Unterstützung bei der Fokusfindung und Verzicht auf Bestrafung. Sie plädiert für eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen und seines sozialen Umfelds und kritisiert die einseitige Fokussierung auf Kognition im Schulsystem.
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