Die Pubertät ist eine entscheidende Phase für die Persönlichkeitsentwicklung, in der das Gehirn grundlegend umstrukturiert wird. Dieser Prozess, Synaptic Pruning genannt, verläuft bei Jugendlichen mit ADHS/ADS-Symptomen oft anders als bei neurotypischen Jugendlichen, was die Herausbildung einer stabilen Persönlichkeit erschweren und zu psychischen Problemen führen kann.
Besonders die hohe Sensitivität und Reaktivität, die für Menschen mit ADHS/ADS charakteristisch sind, spielen in dieser Phase eine wichtige Rolle. .
- Störungen und Stress: Die erhöhte Störbarkeit von ADHS/ADS-Betroffenen, die durch die enge Verknüpfung des emotionalen und kognitiven Gehirns entsteht, kann den Synaptic Pruning negativ beeinflussen. In der Pubertät sind Jugendliche ohnehin vielen neuen Reizen und Herausforderungen ausgesetzt. Für ADHS/ADS-Betroffene kann dies schnell zu Überforderung und Stress führen.
- Fokusfindung: In der Pubertät beginnt die Suche nach der eigenen Identität und dem Platz in der Welt. ADHS/ADS-Betroffenen fällt es oft schwer, ihren eigenen Fokus zu finden. Sie brauchen Unterstützung und Freiräume, um ihre Interessen und Stärken zu entdecken und zu entwickeln.
- Reaktionsmuster: Die typischen Reaktionsmuster von ADHS/ADS-Betroffenen, wie Impulsivität, Aggression (ADHS-Typ) oder Rückzug (ADS-Typ), können die Interaktion mit dem sozialen Umfeld erschweren und zu Konflikten führen. Dies kann die Persönlichkeitsentwicklung zusätzlich belasten.
- Emotionale Unterernährung: Dr. Davatz sieht einen Zusammenhang zwischen der emotionalen Unterernährung in unserer Gesellschaft und der Zunahme psychischer Probleme bei Jugendlichen. . Der Fokus auf Leistung und die ständige Verfügbarkeit von „verbalem Junkfood“ über digitale Medien erschweren es, sich mit den eigenen Emotionen auseinanderzusetzen. Gerade für ADHS/ADS-Betroffene, die ohnehin sensibler auf Reize reagieren, ist dies eine zusätzliche Belastung.
- Schulsystem: Das Schulsystem ist laut Dr. Davatz oft zu stark auf die kognitive Leistung ausgerichtet und vernachlässigt die emotionale Entwicklung. ADHS/ADS-Kinder brauchen aber intrinsische Motivation und persönlichkeitsgerechten Umgang , um ihren Platz zu finden. Strafen und Druck führen eher zu Widerstand und Abwehr.
Fazit:
Die ADHS/ADS-Symptome können die Persönlichkeitsentwicklung in der Pubertät massgeblich beeinflussen. Die erhöhte Sensibilität und Reaktivität, Schwierigkeiten bei der Fokusfindung und ungünstige Umweltfaktoren erhöhen das Risiko für die Entwicklung psychischer Probleme. Eine unterstützende Umgebung, die die individuellen Bedürfnisse von ADHS/ADS-Betroffenen berücksichtigt, ist daher besonders in dieser Phase wichtig.