Dr.med. Ursula Davatz erläutert in ihrem Vortrag, dass sich Folgekrankheiten von ADHS/ADS bei Frauen und Männern unterschiedlich manifestieren können. Sie betont, dass ihre Aussagen auf ihren Erfahrungen in der Praxis basieren und sie keine Statistiken zu diesem Thema hat.

Folgekrankheiten bei Frauen:

  • Depressionen, sogar schwere Depressionen: Frauen mit ADHS/ADS neigen dazu, sich zu sehr anzupassen und sich selbst zu vernachlässigen, was zu Depressionen führen kann.
  • Bipolare Störungen: Diese können bei beiden Geschlechtern auftreten, werden aber in Familiendiagrammen oft bei Frauen beobachtet.
  • Schizophrenie: Auch Schizophrenie kann bei beiden Geschlechtern auftreten. Dr.med. Ursula Davatz hat sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt und ein Buch darüber geschrieben.
  • Suchtkrankheiten: Sucht ist ebenfalls eine Folgekrankheit, die bei beiden Geschlechtern vorkommt.
  • Borderline-Persönlichkeitsstörung: Diese Diagnose wird häufiger bei Frauen gestellt. Dr.med. Ursula Davatz vermutet, dass es sich dabei oft um temperamentvolle Frauen handelt, die zu eng erzogen wurden und in der Pubertät „die Fesseln sprengen“.

Folgekrankheiten bei Männern:

  • Narzisstische Persönlichkeitsstörungen: Dr.med. Ursula Davatz beobachtet in ihrer Praxis, dass Männer mit ADHS/ADS eher zu narzisstischen Persönlichkeitsstörungen neigen.
  • Delinquenz/Kriminalität: Männer mit ADHS/ADS, die ihren Fokus nicht finden, landen laut Dr.med. Ursula Davatz oft im Gefängnis. Sie schätzt den Anteil von ADHS/ADS-Betroffenen in Gefängnissen auf 40-50% oder mehr.

Zusammenhang zwischen verschiedenen psychischen Erkrankungen:

Dr.med. Ursula Davatz vertritt die Ansicht, dass ADHS/ADS die Ursache für verschiedene psychische Erkrankungen ist. Sie bezieht sich dabei auf genetische Studien (GWAS), die einen gemeinsamen Gen-Lokus bei fünf psychiatrischen Krankheitsbildern feststellten: Schizophrenie, bipolare Störung, schwere Depression, Autismus und ADHS/ADS.

Bedeutung der Fokusfindung:

Dr.med. Ursula Davatz betont die Bedeutung der Fokusfindung für Menschen mit ADHS/ADS. Wenn es ihnen gelingt, ihren Fokus zu finden, sei es im Beruf, in Hobbys oder Beziehungen, können sie ein erfolgreiches und erfülltes Leben führen. Gelingt die Fokusfindung nicht, steigt das Risiko für Folgekrankheiten.

Rolle der Umgebung:

Die Umgebung spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Folgekrankheiten. Dr. Davatz plädiert für persönlichkeitsgerechten Umgang mit ADHS/ADS-Betroffenen, sowohl im familiären als auch im schulischen Umfeld. Bestrafung und Druck sind kontraproduktiv, stattdessen brauchen ADHS/ADS-Kinder Unterstützung und intrinsische Motivation, um ihren eigenen Weg zu finden.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

Folgekrankheiten von ADHS/ADS können bei Frauen und Männern unterschiedlich aussehen. Die Fokusfindung und ein unterstützendes Umfeld sind entscheidend, um die Entstehung von Folgekrankheiten zu verhindern.

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