Dr.med. Ursula Davatz spricht in ihrem Vortrag viele Herausforderungen an, mit denen Eltern und Erzieher beim Umgang mit ADHS/ADS-Kindern konfrontiert sind.

Die Herausforderungen lassen sich in drei Hauptkategorien einteilen:

1. Besonderheiten des ADHS/ADS-Gehirns:

  • Breite Aufmerksamkeit und Ablenkbarkeit: ADHS/ADS-Kinder haben eine breite Aufmerksamkeitsspanne und sind leicht ablenkbar. Dies kann im schulischen Kontext zu Problemen führen, da sie sich nur schwer auf eine Sache konzentrieren können.
  • Hohe Sensitivität und emotionale Verletzlichkeit: ADHS/ADS-Kinder sind hochsensibel und nehmen Reize intensiver wahr als andere Kinder. Sie sind daher leichter verletzlich und reagieren empfindlicher auf Kritik und negative Emotionen im Umfeld.
  • Schwierigkeiten mit Impulskontrolle und Emotionsregulation: ADHS/ADS-Kinder haben oft Schwierigkeiten, ihre Impulse zu kontrollieren und ihre Emotionen zu regulieren. Dies kann zu aggressivem Verhalten, Wutausbrüchen und Konflikten mit anderen führen.
  • Intrinsische Motivation: ADHS/ADS-Kinder lassen sich nur schwer zu etwas zwingen. Sie müssen intrinsisch motiviert sein, um zu lernen und sich zu entwickeln.

2. Umgang mit den Besonderheiten:

  • Fehlende Anpassung des Umfelds: Dr. Davatz kritisiert, dass das Schulsystem und die Gesellschaft nicht ausreichend auf die Bedürfnisse von ADHS/ADS-Kindern vorbereitet sind. Lehrer und Erzieher sind oft überfordert und wissen nicht, wie sie mit den Kindern umgehen sollen.
  • Ungeschickter Erziehungsstil: Ein zu enger, rigider Erziehungsstil kann die Energie der Kinder unterdrücken und die Entwicklung von Folgekrankheiten begünstigen. Andererseits kann ein zu lascher Erziehungsstil dazu führen, dass die Kinder keine Grenzen lernen und Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen haben.
  • Fehlende Geduld und Langsamkeit: Die Entwicklung von ADHS/ADS-Kindern braucht Zeit und Geduld. Eltern und Erzieher müssen lernen, mit den Kindern in ihrem eigenen Tempo zu gehen und sie nicht zu überfordern.

3. Konsequenzen für das Kind und das Umfeld:

  • Entwicklung von Folgeerkrankungen: Dr. Davatz sieht einen klaren Zusammenhang zwischen einem ungünstigen Erziehungsstil und der Entwicklung von Folgeerkrankungen bei ADHS/ADS-Kindern. Zu diesen Folgeerkrankungen zählen unter anderem Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen und Persönlichkeitsstörungen.
  • Belastung des Familiensystems: Der Umgang mit einem ADHS/ADS-Kind kann das gesamte Familiensystem stark belasten. Eltern und Geschwister müssen lernen, mit den Besonderheiten des Kindes umzugehen.
  • Soziale Ausgrenzung: ADHS/ADS-Kinder werden oft missverstanden und ausgegrenzt. Dies kann zu einem negativen Selbstbild und psychischen Problemen führen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Eltern und Erzieher im Umgang mit ADHS/ADS-Kindern vor vielfältigen Herausforderungen stehen. Es ist wichtig, die Besonderheiten des ADHS/ADS-Gehirns zu verstehen und einen angepassten Erziehungsstil zu entwickeln, der die Kinder in ihrer Individualität fördert und ihnen gleichzeitig hilft, mit ihren Schwierigkeiten umzugehen.

https://ganglion.ch/pdf/Hilfesuchende_ADHS_1.10.2024.m4a.pdf