Dr.med. Ursula Davatz betont die entscheidende Rolle des Umfelds bei der Entwicklung von Folgeerkrankungen bei ADHS/ADS. Sie beschreibt ADHS/ADS nicht als Krankheit, sondern als „sensiblen Neurotyp“ und „verletzlichen Persönlichkeitstyp“. Menschen mit ADHS/ADS sind demnach anfälliger für Folgeerkrankungen, wenn sie in einem Umfeld aufwachsen oder leben, das ihre Bedürfnisse nicht erfüllt und ihre Besonderheiten nicht akzeptiert.
Folgende Punkte verdeutlichen den Einfluss des Umfelds:
- Stress und Druck: Die heutige Leistungsgesellschaft mit ihrem ständigen Stress und Druck ist für ADHS/ADSler besonders anstrengend. Sie leiden häufiger unter System Overload und können ihre Emotionen dann nicht mehr so gut verarbeiten. Ein Umfeld, das Ruhe und Entspannung bietet, kann helfen, Stress zu reduzieren und das Risiko von Folgeerkrankungen zu senken.
- Kritik und Ablehnung: Wenn ADHS/ADSler ständig kritisiert und abgelehnt werden, kann dies zu Frustration, einem schlechten Selbstwertgefühl und Suchtverhalten führen. Ein Umfeld, das Verständnis, Akzeptanz und Unterstützung bietet, kann dazu beitragen, dass Menschen mit ADHS/ADS sich selbst akzeptieren und ihre Stärken entwickeln.
- Umerziehung und Anpassungsdruck: Der Versuch, ADHS/ADSler zu umerziehen und in ein normgerechtes Verhalten zu zwingen, ist kontraproduktiv. Dies führt zu inneren Konflikten und kann psychische Probleme verstärken. Ein Umfeld, das Individualität und Andersartigkeit zulässt, ermöglicht es Menschen mit ADHS/ADS, sich authentisch zu entfalten.
- Mangelnde Validierung: Wenn die Gefühle und Bedürfnisse von ADHS/ADSlern nicht ernst genommen und validiert werden, kann dies zu Verunsicherung und psychischen Problemen führen. Ein Umfeld, das auf die individuellen Bedürfnisse eingeht und emotionale Unterstützung bietet, ist entscheidend für das Wohlbefinden von Menschen mit ADHS/ADS.
- Fehlende Unterstützung im Bildungssystem: Das Schulsystem ist oft nicht ausreichend auf die Bedürfnisse von ADHS/ADSlern eingestellt. Mangelnde Unterstützung und Unverständnis seitens der Lehrkräfte können zu Schulproblemen, Frustration und negativem Selbstbild führen. Dr.med. Ursula Davatz fordert daher eine bessere Ausbildung von Lehrkräften im Umgang mit ADHS/ADS, um Schäden und Fehlentwicklungen zu verhindern.
**Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein unterstützendes, akzeptierendes und verständnisvolles Umfeld entscheidend ist, um das Risiko von Folgeerkrankungen bei ADHS/ADS zu reduzieren. **
Menschen mit ADHS/ADS brauchen ein Umfeld, das ihnen hilft, ihre Stärken zu nutzen, ihre Herausforderungen zu meistern und ein erfülltes Leben zu führen.
https://ganglion.ch/pdf/nebelspalterinnen_ADHS_ADS_23.9.2024.mp3.pdf