Dr.med. Ursula Davatz beschreibt die Gehirnentwicklung bei ADHS/ADS in ihrem Vortrag als andersartig, aber nicht als defekt. Sie betont, dass ADHS/ADS-Gehirne später reifen und weniger früh Synapsen abschliessen, was zu einer verstärkten Vernetzung führt, insbesondere im Bereich des emotionalen Gedächtnisses.

Besondere Merkmale der Gehirnentwicklung bei ADHS/ADS:

  • Spätere Reifung: Das Gehirn von ADHS/ADS-Kindern schliesst seine Synapsen weniger früh ab als bei Menschen ohne ADHS/ADS. Dies führt dazu, dass sie länger flexibel und lernfähig bleiben.
  • Verstärkte Vernetzung: Das emotionale Gedächtnis von ADHS/ADS-Menschen ist mehr mit dem gesamten Gehirn vernetzt. Dies könnte ihre hohe Sensibilität und Intensität der emotionalen Wahrnehmung erklären.
  • Kreativität: Dr.med. Ursula Davatz sieht die Andersartigkeit des Gehirns als Grund für die ausgeprägte Kreativität von ADHS/ADS-Menschen. Sie betont, dass diese Kreativität eine wertvolle Ressource ist, die gefördert und nicht unterdrückt werden sollte.

Folgen für die Erziehung:

  • Geduld und Verständnis: Die spätere Reifung des Gehirns erfordert Geduld und Verständnis von Eltern und Lehrpersonen. ADHS/ADS-Kinder brauchen mehr Zeit und Unterstützung, um ihre Fähigkeiten zu entwickeln.
  • Förderung der Kreativität: Die verstärkte Vernetzung des Gehirns bietet ein grosses kreatives Potenzial. Eltern und Lehrpersonen sollten kreative Aktivitäten fördern und den Kindern Raum für Experimente und selbstständiges Lernen geben.

Dr.med. Ursula Davatz‘ Beschreibung der Gehirnentwicklung bei ADHS/ADS unterstreicht ihre Sichtweise, dass ADHS/ADS kein Defizit, sondern eine Neurodiversität mit besonderen Stärken ist. Sie plädiert für einen respektvollen Umgang mit dieser Andersartigkeit und eine Erziehung, die die individuellen Bedürfnisse und Talente der Kinder fördert.