Die Diagnose ADHS/ADS wird bei Frauen oft erst spät erkannt, da sie ihre Symptome häufig besser verbergen und kompensieren können als Männer. Dies liegt unter anderem an den gesellschaftlichen Erwartungen und Geschlechterrollen, die Frauen dazu erziehen, sich anzupassen und ihre Bedürfnisse zurückzustellen.

  • Anpassung und Kompensation: Mädchen und Frauen lernen früh, sich an die Erwartungen ihrer Umgebung anzupassen und ihre ADHS/ADS-Symptome zu verbergen. Sie entwickeln Strategien, um in einer Welt zu funktionieren, die nicht auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Dies führt dazu, dass die typischen Symptome, wie Hyperaktivität und Impulsivität, oft nicht so stark ausgeprägt sind wie bei Jungen und daher von Eltern, Lehrern und Ärzten seltener erkannt werden.
  • Untypische Symptomatik: Die Symptome von ADHS/ADS können sich bei Frauen anders äußern als bei Männern. Während Jungen eher externalisierende Verhaltensweisen wie Aggressivität und Impulsivität zeigen, neigen Mädchen zu internalisierenden Symptomen wie innerer Unruhe, Angst, Unsicherheit und Hypersensibilität. Diese Symptome werden oft fehlinterpretiert und nicht mit ADHS/ADS in Verbindung gebracht.
  • Fehlende Sensibilisierung: Lange Zeit galt ADHS/ADS als eine „Jungenkrankheit“, was dazu führte, dass die spezifischen Herausforderungen von Mädchen und Frauen mit ADHS/ADS nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Auch im medizinischen Bereich fehlte es an Sensibilisierung für die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Symptomatik. Dies hat dazu beigetragen, dass die Diagnose bei Frauen oft erst spät gestellt wird.
  • Folgen der späten Diagnose: Die späte Diagnose hat oft negative Folgen für die betroffenen Frauen. Sie leiden jahrelang unter unerklärlichen Schwierigkeiten im Alltag, im Beruf und in Beziehungen. Viele entwickeln Folgeerkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen oder psychosomatische Beschwerden.

Dr. Ursula Davatz beschreibt in den Quellen, dass Frauen mit ADHS/ADS oft erst im Alter von 40 Jahren diagnostiziert werden, wenn sie bereits unter einer Depression leiden. Sie erklärt dies damit, dass Frauen so lange versuchen, den Erwartungen ihres Umfelds gerecht zu werden und ihre eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen, bis sie irgendwann zusammenbrechen.

Die späte Diagnose ist daher nicht nur ein individuelles Problem, sondern auch ein gesellschaftliches. Es braucht mehr Aufklärung, Sensibilisierung und eine geschlechtersensible Diagnostik, um Frauen mit ADHS/ADS frühzeitig zu erkennen und ihnen die notwendige Unterstützung zu bieten.

https://ganglion.ch/pdf/Generationen_ADHS_31.5.2024.m4a.pdf