Dr. med. Ursula Davatz‘ Ausführungen im Interview zeigen, dass Suchtmittel oft als schnelle und einfache Problemlöser eingesetzt werden. Sie ermöglichen es dem emotionalen Gehirn, schnell wieder ins Gleichgewicht zu kommen, indem sie negative Emotionen unterdrücken und ein Gefühl der Euphorie erzeugen. Diese Art der Problemlösung ist jedoch kurzsichtig und kontraproduktiv, da sie den Betroffenen daran hindert, sich mit den eigentlichen Ursachen ihrer Probleme auseinanderzusetzen und langfristige Lösungen zu entwickeln.

Der Schlüssel zu einer nachhaltigen Problemlösung liegt darin, die zugrundeliegenden emotionalen Probleme zu erkennen und zu bearbeiten. Anstatt zu Suchtmitteln zu greifen, sollten Betroffene lernen, ihre Emotionen wahrzunehmen, zu verstehen und auf gesunde Weise auszudrücken. Dies erfordert einen aktiven Lernprozess, in dem neue Bewältigungsstrategien entwickelt und erprobt werden.

Dr. med. Ursula Davatz betont die Bedeutung des sozialen Umfelds in diesem Prozess. Durch offene und wertschätzende Kommunikation mit anderen Menschen können Betroffene ihre Erfahrungen und Emotionen reflektieren, Unterstützung erhalten und neue Verhaltensweisen erlernen.

Im Arbeitskontext können Vorgesetzte und Kollegen eine wichtige Rolle spielen, indem sie Betroffene ermutigen, über ihre Probleme zu sprechen und ihnen Hilfestellung anbieten. Anstatt zu moralisieren oder zu verurteilen, sollten sie offene Fragen stellen, die den Mitarbeiter zum Nachdenken anregen und ihm helfen, seine eigenen Lösungen zu finden.

Beispiele für hilfreiche Fragen:

  • „Was hat dich verletzt, dass du das runterschlucken musstest?“
  • „Was hat dich geärgert?“
  • „Wann konsumierst du meistens – wenn du wütend oder traurig bist, oder beides?“
  • „Was musst du mit deinen Suchtmitteln bewirken?“
  • „In welcher Situation konsumierst du?“

Rückfälle sind Teil des Lernprozesses:

Es ist wichtig zu verstehen, dass Rückfälle zum Prozess der Problemlösung und des sozialen Lernens gehören. Sie sollten nicht als Versagen betrachtet werden, sondern als Gelegenheit, aus den gemachten Erfahrungen zu lernen und die eigenen Bewältigungsstrategien zu verbessern.

Langfristiges Ziel: Entwicklung von neuen Verhaltensmustern:

Das langfristige Ziel der Problemlösung im Kontext der Sucht besteht darin, neue Verhaltensmuster zu entwickeln, die es den Betroffenen ermöglichen, ein erfülltes Leben ohne Suchtmittel zu führen. Dies erfordert Zeit, Geduld und die Bereitschaft, sich den eigenen emotionalen Herausforderungen zu stellen und neue Wege zu finden, mit ihnen umzugehen.

Die Quellen betonen die Wichtigkeit der Eigenverantwortung und des aktiven Lernens im Prozess der Problemlösung. Letztendlich müssen die Betroffenen selbst die Entscheidung treffen, ihr Suchtverhalten zu ändern und die notwendigen Schritte unternehmen, um ihre Probleme auf gesunde Weise zu lösen.

https://ganglion.ch/pdf/Substanzmissbrauch%20und%20Umgang%20am%20Arbeitsplatz.m4a.pdf