Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz, bieten Einblicke in die Beziehung zwischen ADHS und Autismus. Dr. Davatz vertritt die Ansicht, dass ADHS und Autismus eng miteinander verwandt sind und sich überschneiden.

Gemeinsamkeiten:

  • Basisstörungen: Dr. Davatz betrachtet sowohl Autismus als auch ADHS als neurologische Basisstörungen.
  • Genetische Überschneidungen: Studien haben gezeigt, dass ADHS, Autismus, Schizophrenie und andere psychische Störungen ähnliche genetische Grundlagen haben. Sie teilen ein ähnliches Genset, wobei ein bestimmter Locus innerhalb der Gene verändert ist. Dies unterstützt Dr. Davatz‘ Ansicht, dass die Bezeichnung „Autismus“ als Basis zutreffend ist und ADHS ebenfalls als Basis betrachtet werden kann.
  • Hirnstruktur: Dr. Davatz erwähnt, dass Autisten und Schizophrene ähnliche Muster in der Hirnstruktur aufweisen, insbesondere in Bezug auf den Hippocampus, einen Bereich im emotionalen Gehirn. Sie erklärt jedoch nicht explizit, ob diese Ähnlichkeiten auch für ADHS gelten.
  • Überempfindlichkeit: Sowohl Autisten als auch Menschen mit ADHS können überempfindlich auf Reize reagieren.
  • Kommunikationsschwierigkeiten: Beide Gruppen können Schwierigkeiten in der sozialen Kommunikation haben.

Unterschiede:

  • Verhalten: Während ADHS oft mit Hyperaktivität und Impulsivität verbunden ist, neigen Autisten eher zu Rückzug und Vermeidung. Dr. Davatz beschreibt diese Verhaltensweisen als „Fight“ (ADHS) und „Flight“ (Autismus).
  • Soziale Interaktion: Menschen mit ADHS suchen oft intensiven sozialen Kontakt, können aber aufgrund ihrer Impulsivität Schwierigkeiten haben, ihn aufrechtzuerhalten. Autisten hingegen bevorzugen oft Ruhe und Einzelaktivitäten und können sozialen Situationen überfordert sein.
  • Wahrnehmung: Autisten zeichnen sich oft durch eine detaillierte und fokussierte Wahrnehmung aus, während Menschen mit ADHS eher ablenkbar sind und Schwierigkeiten haben, ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren.

Umgang mit ADHS und Autismus:

  • Individuelle Bedürfnisse: Dr. Davatz betont die Wichtigkeit, sowohl bei ADHS als auch bei Autismus auf die individuellen Bedürfnisse der Person einzugehen.
  • Verständnis und Geduld: Geduld, Verständnis und Einfühlungsvermögen sind im Umgang mit beiden Gruppen unerlässlich.
  • Förderung von Stärken: Sowohl bei ADHS als auch bei Autismus sollten die individuellen Stärken der Person gefördert werden.
  • Anpassung der Umgebung: Es kann hilfreich sein, die Umgebung an die Bedürfnisse der Person anzupassen, um Überforderung zu vermeiden.

Zusätzliche Anmerkungen:

  • Hochsensibilität: Dr. Davatz betrachtet Hochsensibilität nicht als eigenständige Diagnose, sondern als eine Eigenschaft, die bei Autismus und anderen Störungen auftreten kann.
  • Diagnose und Therapie: Dr. Davatz weist auf die Schwierigkeiten bei der Diagnose von Autismus und ADHS hin, insbesondere bei Mädchen. Sie kritisiert die langen Wartezeiten für eine Diagnose und therapeutische Unterstützung.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Dr.med. Ursula Davatz betrachtet ADHS und Autismus als eng verwandte neurologische Basisstörungen mit genetischen Überschneidungen und ähnlichen Herausforderungen im Alltag. Sie betont jedoch auch die individuellen Unterschiede und die Wichtigkeit eines einfühlsamen und verständnisvollen Umgangs, der auf die jeweiligen Bedürfnisse der Person abgestimmt ist.

https://ganglion.ch/pdf/Autismus%20u%20Psychiatrie,%20was,%20wenn%20nichts%20mehr%20geht.m4a.pdf