Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz, bieten interessante Einblicke in die Funktionsweise des Gehirns, speziell im Zusammenhang mit Autismus und ADHS. Dr. Davatz beleuchtet verschiedene Aspekte der Gehirnfunktionen, die für das Verständnis dieser neurologischen Basisstörungen relevant sind.
Vernetzung und Entwicklung:
- Dr. Davatz verweist auf neuere Forschungsergebnisse, die zeigen, dass bei Autisten bestimmte Hirnareale stärker vernetzt sind als bei Nicht-Autisten.
- Sie erklärt, dass der Prozess des Synaptic Pruning, bei dem in der Pubertät überschüssige neuronale Verbindungen abgebaut werden, bei Autisten verzögert abläuft. Dies führt dazu, dass Autisten mehr Zeit benötigen, um Informationen zu verarbeiten und Entscheidungen zu treffen.
- Dr. Davatz erwähnt den Hippocampus, einen Bereich im emotionalen Gehirn, der bei Autisten mit viel mehr Hirnarealen vernetzt ist. Ob diese verstärkte Vernetzung auch bei ADHS vorliegt, wird in den Quellen nicht explizit erwähnt.
Systemüberlastung:
- Dr. Davatz erklärt, dass Autisten aufgrund ihrer erhöhten Sensibilität anfälliger für Systemüberlastungen (System Overload) sind.
- Diese Überlastung entsteht, wenn das emotionale Gehirn zu viele Impulse aussendet, was zu einem Zusammenbruch im Grosshirn führen kann. Dies kann sich in verschiedenen Symptomen äussern, wie z.B. Angstattacken, Zusammenbrüchen oder psychosomatischen Erkrankungen.
Einfluss der Gene:
- Dr. Davatz betont, dass unsere Gene die Funktionsweise unseres Gehirns massgeblich beeinflussen.
- ADHS und Autismus sind vererbt, d.h. die Veranlagung zu diesen Störungen wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben.
- Studien haben gezeigt, dass verschiedene psychische Störungen, darunter ADHS, Autismus und Schizophrenie, ein ähnliches Genset aufweisen. Ein bestimmter Locus innerhalb der Gene ist bei diesen Störungen verändert.
Flexibilität des Gehirns:
- Dr. Davatz kritisiert die Tendenz in der Psychiatrie, sich zu sehr an der somatischen Medizin zu orientieren und auf eine fixe Diagnose zu fokussieren.
- Sie betont, dass sich das Gehirn im Laufe der Zeit ständig verändert, u.a. durch Therapie, Interaktionen und Medikamente.
Zusammenspiel von Gehirn und Umwelt:
- Dr. Davatz unterstreicht, dass die Interaktion zwischen Gehirn und Umwelt eine zentrale Rolle spielt.
- Sowohl die Art und Weise, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen, als auch die Art und Weise, wie wir mit unserer Umwelt interagieren, beeinflussen die Funktionsweise unseres Gehirns.
Bedeutung des Lernens:
- Dr. Davatz ist überzeugt, dass wir alle lebenslang lernfähig sind.
- Dies gilt auch für Menschen mit Autismus und ADHS, die möglicherweise mehr Zeit und Unterstützung benötigen, um neue Fähigkeiten zu erlernen.
- Sie plädiert für einen respektvollen Umgang mit Autisten, der auf Validierung, Akzeptanz und Förderung ihrer individuellen Stärken basiert.
Fazit:
Der Vortrag von Dr.med. Ursula Davatz bietet wertvolle Einblicke in die komplexe Funktionsweise des Gehirns und verdeutlicht, wie neurologische Besonderheiten zu den Herausforderungen führen können, die Autisten und Menschen mit ADHS im Alltag erleben. Sie betont die Wichtigkeit eines individuellen und verständnisvollen Umgangs sowie die Anpassung der Umwelt an die Bedürfnisse dieser Personengruppen.
https://ganglion.ch/pdf/Autismus%20u%20Psychiatrie,%20was,%20wenn%20nichts%20mehr%20geht.m4a.pdf