Dr. med. Ursula Davatz, eine erfahrene Psychiaterin und Familientherapeutin, erklärt in ihrem Vortrag, dass alle suchterzeugenden Substanzen die Aufgabe haben, Emotionen zu regulieren. Sie wirken als schnelle Emotionsregler, die uns helfen, unangenehme Gefühle wie Schuld, Angst oder Aggression zu unterdrücken.

  • Als Kinder übernehmen Bezugspersonen die Emotionsregulation für uns.
  • In der Pubertät müssen wir lernen, unsere Emotionen selbst zu regulieren.
  • Dieser Prozess ist nicht immer einfach und kann für Menschen mit Impulsivität, wie z.B. ADHS-Betroffene, besonders schwierig sein.
  • Statistiken zeigen, dass ADHS-Betroffene häufiger unter Abhängigkeitserkrankungen leiden.

Wenn wir Stress erleben, geraten unsere Emotionen aus dem Gleichgewicht. Dies kann sich in Form von Schuldgefühlen, Aggression oder anderen unangenehmen Emotionen äussern.

  • Suchtmittel bieten einen schnellen Ausweg aus diesen unangenehmen Gefühlen.
  • Sie wirken euphorisierend, schmerzstillend und vermitteln ein Gefühl der Pseudo-Sicherheit.
  • Dies führt zu einem künstlichen Gleichgewicht, das jedoch nicht nachhaltig ist.

Dr. Davatz kritisiert die Definition von Gesundheit der WHO, die auf Gefühlen basiert. Jemand, der Heroin konsumiert, könnte sich nach dieser Definition als gesund betrachten, obwohl er abhängig ist.

Statt auf Suchtmittel zurückzugreifen, sollten wir lernen, mit unseren Emotionen umzugehen und die Ursachen unserer negativen Gefühle zu ergründen.

  • Indem wir unsere Emotionen verarbeiten, stärken wir unser Grosshirn und werden anpassungsfähiger.
  • Suchtmittel hingegen verhindern das Lernen und die Entwicklung von Bewältigungsstrategien.

Dr. Davatz betont die Bedeutung des sozialen Lernens im Umgang mit Suchtverhalten. Anstatt Süchtige zu bestrafen, sollten wir sie dazu anregen, über ihr Verhalten und die dahinterliegenden Ursachen zu reflektieren.

  • Fragen wie „Was ist vorgefallen?“, „Was hast du daraus gelernt?“ oder „Wie hast du das Suchtmittel eingesetzt?“ können den Lernprozess fördern.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Suchtverhalten oft mit Scham verbunden ist. Süchtige schämen sich für ihren Kontrollverlust und genieren sich, Hilfe zu suchen.

  • Ein verständnisvoller und nicht-verurteilender Umgang ist daher essenziell.

Zusammenfassend: Emotionsregulation spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung und Überwindung von Suchtverhalten. Anstatt unsere Gefühle mit Suchtmitteln zu betäuben, sollten wir lernen, sie zu verstehen und konstruktiv mit ihnen umzugehen.

https://ganglion.ch/pdf/Substanzmissbrauch.m4a.pdf