Dr.med. Ursula Davatz betrachtet ADHS/ADS nicht als Krankheit, sondern als Neurotyp, der anders funktioniert als der Normotyp. Sie betont, dass ADHS/ADS-Kinder keinen „falschen“ Weg gehen, sondern einfach anders funktionieren. Dies erfordert einen angepassten Erziehungsstil, der die Bedürfnisse dieser Kinder berücksichtigt und ihre Stärken fördert.
Hier sind die wichtigsten Punkte ihrer Empfehlungen:
- Wenige, aber klare Regeln: Anstelle von vielen Verboten, die das Kind einengen, sollten wenige, aber dafür konsequente Regeln aufgestellt werden. Dies gibt dem Kind Struktur, ohne es in seiner Bewegungsfreiheit und Kreativität einzuschränken.
- Etablierte Routine: Ein fester Tagesablauf mit vorhersehbaren Strukturen hilft dem Kind, sich zu orientieren und Sicherheit zu gewinnen. Veränderungen im Tagesablauf sollten gut vorbereitet und erklärt werden, da viele ADHS/ADS-Kinder Schwierigkeiten mit Wechseln haben.
- Ausreichend Bewegung und Freiraum: ADHS/ADS-Kinder brauchen viel Bewegung und Möglichkeiten, ihren „System Overload“ abzureagieren. Ein zu strenger und einengender Erziehungsstil kann dazu führen, dass die Kinder unterdrückt werden und sich nicht frei entfalten können. Dies erhöht das Risiko für die Entwicklung von psychischen Problemen.
- Reflektion des eigenen Erziehungsstils: Eltern sollten sich ihres eigenen Erziehungsstils bewusst werden und offen über ihre Unterschiede sprechen. Oft haben Mütter und Väter unterschiedliche Ansätze, was zu Konflikten führen kann. Wichtig ist, dass die Eltern an einem Strang ziehen und dem Kind ein klares und konsistentes Bezugssystem bieten.
- Konflikte offen ansprechen: Verdeckte Konflikte zwischen den Eltern belasten das Kind und können zu Stress führen. Es ist besser, Konflikte offen anzusprechen und zu klären. Kinder, auch ADHS/ADS-Kinder, spüren Spannungen zwischen den Eltern, auch wenn diese versuchen, sie zu verbergen.
- Unterschiedliche Erziehungsstile zulassen: Es ist wichtig, sowohl den männlichen als auch den weiblichen Erziehungsstil zuzulassen und zu akzeptieren. Väter und Mütter haben oft unterschiedliche Stärken und Herangehensweisen. Wichtige Entscheidungen sollten gemeinsam getroffen werden.
- Förderung der Sozialkompetenz: ADHS/ADS-Kinder haben oft Schwierigkeiten im sozialen Umgang und geraten leicht in Konflikte. Eltern sollten ihre Kinder im Umgang mit Konflikten unterstützen und ihnen helfen, ihre Sozialkompetenz zu entwickeln.
Dr.med. Ursula Davatz ist überzeugt, dass ADHS/ADS-Kinder, wenn sie richtig erzogen und unterstützt werden, ihre Talente und Stärken voll entfalten können. Eine neurogerechte Erziehung ist der Schlüssel dazu, dass diese Kinder ein erfülltes und glückliches Leben führen können.
https://ganglion.ch/pdf/ADHS_ADS_Grenzzerfall_29.11.2024.mp4.pdf