Dr.med. Ursula Davatz beschreibt den Übergang von normalem Narzissmus zu einer Störung als fliessend und schwer zu definieren. Sie betont, dass jeder Mensch narzisstische Anteile hat, die im Grunde ein natürliches Bedürfnis nach Anerkennung, Wertschätzung und Respekt darstellen. Problematisch wird es erst dann, wenn diese Bedürfnisse übermässig stark ausgeprägt sind und das Verhalten und die Interaktionen mit anderen Menschen negativ beeinflussen.
Ein wichtiger Faktor bei der Beurteilung, ob es sich um eine Störung handelt, ist die eigene Toleranzgrenze. Dr. Davatz erläutert, dass es keine festen Grenzen gibt und die Einschätzung, ob ein Verhalten pathologisch ist, auch von der subjektiven Wahrnehmung des Gegenübers abhängt.
Zusammenfassend lässt sich sagen:
- Gesunde narzisstische Anteile sind wichtig für ein gesundes Selbstwertgefühl und die Fähigkeit, sich durchzusetzen.
- Erst wenn die narzisstischen Bedürfnisse übermässig stark ausgeprägt sind und zu Problemen in zwischenmenschlichen Beziehungen und im Arbeitsleben führen, spricht man von einer Störung.
- Die Grenze zwischen gesundem Narzissmus und einer Störung ist fliessend und hängt auch von der Toleranzgrenze des Gegenübers ab.
Dr.med. Ursula Davatz warnt davor, im Konfliktfall vorschnell eine Diagnose zu stellen. Stattdessen empfiehlt sie, die eigenen Grenzen zu erkennen und zu kommunizieren, wenn ein Verhalten nicht mehr tolerierbar ist.
https://ganglion.ch/pdf/Narzissmus%20und%20pers%C3%B6nliche%20Identit%C3%A4t.m4a.pdf