Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz, heben die Bedeutung der emotionalen Regulation für Menschen mit ADHS hervor, insbesondere im Kontext der Depression und der Selbstfindung.
Herausforderungen der emotionalen Regulation bei ADHS:
- Hohe Sensitivität: ADHS ist eng verbunden mit einer hohen Sensitivität und Empathie. Menschen mit ADHS nehmen die Emotionen und Bedürfnisse ihrer Umgebung intensiver wahr als andere.
- Schwierigkeiten beim Filtern: Diese erhöhte Sensibilität kann dazu führen, dass es ADHSlern schwerfällt, Reize und Emotionen zu filtern. Sie werden leicht überwältigt und reagieren impulsiv.
- Fokus nach Aussen: Die starke Empathie führt oft zu einem übermässigen Fokus auf das Umfeld. ADHSler engagieren sich stark für andere, vernachlässigen dabei aber oft ihre eigenen Bedürfnisse.
- Emotionale Dysbalance: Diese Dynamik kann zu einem Ungleichgewicht im emotionalen Haushalt führen. Die eigenen Emotionen werden unterdrückt, während die Emotionen der anderen dominieren.
Die Depression als Folge mangelnder emotionaler Regulation:
- Ausbrennen: Die ständige Investition in das Umfeld, ohne auf die eigenen Bedürfnisse zu achten, kann zu emotionaler Erschöpfung, Burnout und schliesslich zur Depression führen.
- Negative Gedankenspiralen: Menschen mit ADHS neigen in der Depression dazu, sich in negativen Gedankenspiralen zu verfangen und sich mit anderen zu vergleichen, was das emotionale Tief weiter verstärkt.
Emotionale Regulation als Weg aus der Depression und zur Selbstfindung:
Dr. Davatz sieht die Depression als Chance zur Selbstfindung. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg ist das Erlernen der emotionalen Regulation.
Strategien zur emotionalen Regulation:
- Innehalten und Verlangsamen: ADHS ist geprägt von Impulsivität und Rastlosigkeit. Um die eigenen Emotionen besser zu verstehen und zu regulieren, ist es wichtig, innezuhalten, zu verlangsamen und den Fokus nach innen zu richten.
- „Consulter votre Coeur“: Das eigene Herz zu konsultieren bedeutet, sich Zeit zu nehmen, um die eigenen Bedürfnisse und Wünsche wahrzunehmen. Was will ich wirklich? Was macht mich glücklich?
- Selbstfürsorge: Sich selbst Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken, die eigenen Bedürfnisse zu respektieren und Grenzen zu setzen, sind wichtige Schritte zur emotionalen Regulation.
- Schreiben: Das Aufschreiben von Gedanken und Gefühlen kann helfen, emotionale Belastungen zu verarbeiten, Klarheit zu gewinnen und die eigenen Emotionen besser zu verstehen.
Unterstützung bei der emotionalen Regulation:
- Professionelle Hilfe: Therapeuten, die sich mit ADHS und emotionaler Regulation auskennen, können wertvolle Unterstützung bieten.
- Familie und Freunde: Vertraute Personen können als emotionale Stütze dienen.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Menschen mit ADHS kann hilfreich sein, um Erfahrungen und Strategien zur emotionalen Regulation zu teilen.
Zusammenfassend:
Emotionale Regulation ist ein Schlüssel zur Selbstfindung und zum Umgang mit Depression bei ADHS. Indem Menschen mit ADHS lernen, ihre Emotionen besser zu verstehen, zu regulieren und ihre eigenen Bedürfnisse zu priorisieren, können sie aus der Depression gestärkt hervorgehen und ein authentisches und erfülltes Leben führen.
https://ganglion.ch/pdf/Depression%20ist%20der%20Anfang%20zur%20Selbstfindung.m4a.pdf