Dr.med. Ursula Davatz thematisiert in ihren Ausführungen die Bedeutung der sozialen Vererbung für das Verständnis psychischer Probleme. Sie betont, dass neben der genetischen Vererbung auch die Weitergabe von erlernten Verhaltensmustern innerhalb der Familie eine zentrale Rolle spielt.
Soziale Vererbung als prägender Faktor:
- Weitergabe von Verhaltensmustern: Soziale Vererbung beschreibt die Weitergabe von erlernten Verhaltensmustern, sowohl positiven als auch negativen, von einer Generation zur nächsten.
- Einfluss auf Entwicklung: Diese Muster prägen die Entwicklung des Kindes und beeinflussen seine Wahrnehmung, sein Denken und sein Verhalten.
- Traditionen und negative Muster: Dr. Davatz nennt Traditionen als Beispiel für positive soziale Vererbung. Negative Muster, die weitergegeben werden können, sind z.B. ungesunde Kommunikationsformen, Konfliktlösungsstile oder der Umgang mit Stress und Emotionen.
Auswirkungen der sozialen Vererbung:
- Psychische Krankheiten: Negative Verhaltensmuster, die innerhalb der Familie weitergegeben werden, können die Entstehung psychischer Probleme begünstigen.
- Verletzungen und Traumata: Dr. Davatz betont, dass die Art und Weise, wie Eltern mit Stress, Konflikten und Traumata umgehen, von ihren Kindern übernommen wird. Diese erlernten Muster können die Resilienz des Kindes gegenüber zukünftigen Herausforderungen beeinträchtigen.
- Beziehungsgestaltung: Die sozialen Interaktionsmuster, die ein Kind in seiner Familie erlebt, prägen seine Fähigkeit, Beziehungen zu gestalten und Konflikte zu lösen.
- Selbstbild und Selbstwertgefühl: Die Art und Weise, wie Eltern mit ihrem Kind interagieren und auf seine Bedürfnisse reagieren, hat einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Selbstbildes und des Selbstwertgefühls des Kindes. Negative Erfahrungen können zu einem negativen Selbstbild und einem geringen Selbstwertgefühl führen.
Umgang mit sozialer Vererbung in der Pflegefamilie:
- Bewusstmachung der Muster: Pflegeeltern sollten sich der eigenen Verhaltensmuster und der Muster im Herkunftssystem des Kindes bewusst machen.
- Reflektion und Hinterfragung: Es ist wichtig, die eigenen erzieherischen Handlungsweisen zu reflektieren und zu hinterfragen. Wie reagiere ich in Stresssituationen? Wie gehe ich mit Konflikten um? Welche Werte und Normen möchte ich dem Kind vermitteln?
- Positive Vorbilder: Pflegeeltern können dem Kind positive Vorbilder sein, indem sie gesunde Kommunikationsformen, Konfliktlösungsstile und einen positiven Umgang mit Emotionen vorleben.
- Unterstützung des Kindes: Pflegeeltern sollten das Kind unterstützen, indem sie ihm helfen, negative Verhaltensmuster aus seiner Herkunftsfamilie zu erkennen und neue, positive Strategien zu entwickeln.
- Professionelle Hilfe: In manchen Fällen kann es hilfreich sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um negative Verhaltensmuster aufzuarbeiten und neue, gesunde Interaktionsmuster zu erlernen.
Zusammenfassung: Soziale Vererbung spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Probleme. Pflegeeltern sollten sich der Macht der sozialen Vererbung bewusst sein und aktiv daran arbeiten, dem Kind ein positives und unterstützendes Umfeld zu bieten, in dem es neue, gesunde Verhaltensmuster erlernen kann.