Dr.med. Ursula Davatz verwendet das Hirnmodell von Paul D. MacLean, um die starke Reaktivität von Menschen mit ADHS/ADS zu erklären. MacLeans Modell, auch bekannt als das „Triune Brain“, beschreibt das menschliche Gehirn als Ergebnis eines evolutionären Prozesses, in dem sich drei Hauptbereiche entwickelt haben:
- Reptiliengehirn (Stammhirn): Dieser Teil des Gehirns ist der älteste und steuert grundlegende, überlebenswichtige Funktionen wie Atmung, Herzschlag und Reflexe.
- Limbisches System (emotionales Gehirn): Dieser Bereich entwickelte sich später und ist für die Verarbeitung von Emotionen, Motivation und sozialem Verhalten zuständig.
- Grosshirn (Neocortex): Der jüngste und komplexeste Teil des Gehirns, der für höhere kognitive Funktionen wie Sprache, Denken und Planung verantwortlich ist.
Dr. Davatz argumentiert, dass bei Menschen mit ADHS/ADS die Verarbeitung von Reizen im limbischen System intensiver abläuft als bei neurotypischen Menschen. Dies führt zu einer gesteigerten emotionalen Reaktion und erklärt, warum ADHS/ADS-Kinder oft impulsiver, emotionaler und sensibler auf Reize aus ihrer Umgebung reagieren.
Die Bedeutung des Modells für den Umgang mit ADHS/ADS:
Das Hirnmodell von MacLean bietet eine neurobiologische Erklärung für die Herausforderungen, mit denen ADHS/ADS-Kinder konfrontiert sind. Es hilft, die Ursachen für ihr Verhalten besser zu verstehen und weg von der Vorstellung zu kommen, dass diese Kinder einfach „unartig“ oder „faul“ sind.
Praktische Implikationen:
Das Modell unterstreicht die Bedeutung einer reizarmen und strukturierten Umgebung für ADHS/ADS-Kinder. Es zeigt auch, dass Bestrafung kontraproduktiv ist, da sie das limbische System zusätzlich aktiviert und die emotionale Belastung erhöht. Stattdessen sollten Lehrpersonen und Eltern auf positive Verstärkung, Verständnis und Empathie setzen, um den Kindern zu helfen, ihre Emotionen zu regulieren und ihr volles Potenzial zu entfalten.