Die Quellen, insbesondere die Ausführungen von Dr.med. Ursula Davatz, beleuchten eindrücklich die vielfältigen Folgen, die ADHS im Laufe eines Lebens haben kann. Es wird deutlich, dass ADHS nicht nur eine isolierte „Störung“ ist, sondern weitreichende Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche haben kann, wenn die betroffenen Personen nicht die notwendige Unterstützung und Verständnis erfahren.

Folgen im Schulsystem:

  • Schulische Schwierigkeiten: Die typischen ADHS-Eigenschaften wie Ablenkbarkeit, Impulsivität und Konzentrationsschwierigkeiten können zu schlechteren Schulleistungen führen. Häufig haben ADHS-Kinder auch mit Lernproblemen wie Legasthenie oder Dyskalkulie zu kämpfen.
  • Negative Erfahrungen und Schulverweigerung: Strenge Erziehung, mangelndes Verständnis und Beschämung durch Lehrpersonen können dazu führen, dass ADHS-Kinder negative Erfahrungen im Schulsystem machen und im schlimmsten Fall sogar den Schulbesuch verweigern.

Folgen im Erwachsenenalter:

  • Psychische Probleme: ADHS erhöht das Risiko für verschiedene psychische Probleme wie Depressionen, Burnout, Angststörungen und Zwangsstörungen. Dies ist oftmals eine Folge der ständigen Anpassungsleistung und der negativen Erfahrungen, die ADHS-ler im Laufe ihres Lebens machen.
  • Beziehungsprobleme: Die Impulsivität und emotionale Sensibilität von ADHS-lern kann zu Konflikten in Beziehungen führen. Männer mit ADHS neigen eher zu aggressivem Verhalten, während Frauen sich oft anpassen und ihre eigenen Bedürfnisse vernachlässigen, was zu Unausgeglichenheit und Spannungen in der Partnerschaft führen kann.
  • Berufliche Schwierigkeiten: ADHS-ler wechseln häufiger den Beruf und haben ein höheres Risiko, arbeitslos zu werden. Dies liegt oft an den Schwierigkeiten mit der Konzentration, der Organisation und der Impulskontrolle.
  • Suchtverhalten: ADHS erhöht das Risiko für die Entwicklung von Suchtverhalten, sowohl in Bezug auf Substanzen wie Alkohol oder Drogen als auch in Bezug auf Verhaltensweisen wie Computerspiele oder Glücksspiel. Dies dient oft der Regulierung der Emotionen und der Stressbewältigung.
  • Physische Gesundheit: Studien zeigen, dass ADHS-ler eine geringere Lebenserwartung und ein erhöhtes Risiko für verschiedene physische Erkrankungen haben. Dies kann mit dem erhöhten Stresslevel, dem ungesunden Lebensstil und den Schwierigkeiten bei der Inanspruchnahme von medizinischer Versorgung zusammenhängen.

Der Einfluss des Umfelds:

Dr. Davatz betont, dass die Folgen von ADHS stark vom Umfeld des Betroffenen abhängen. Ein verständnisvolles und unterstützendes Umfeld kann dazu beitragen, dass die positiven Aspekte von ADHS zum Tragen kommen und negative Folgen minimiert werden.

Wichtige Punkte:

  • ADHS ist nicht gleich ADHS: Die Folgen von ADHS sind individuell verschieden und hängen von vielen Faktoren ab, wie z.B. der Schwere der Ausprägung, dem Geschlecht, dem sozialen Umfeld und den persönlichen Ressourcen.
  • Nicht jeder ADHS-ler entwickelt alle genannten Folgen: Viele Menschen mit ADHS führen ein erfolgreiches und zufriedenes Leben.
  • Frühzeitige Diagnose und Intervention sind wichtig: Je früher ADHS erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Chancen, negative Folgen zu verhindern.

Dr.med. Ursula Davatz plädiert für ein gesellschaftliches Umdenken im Hinblick auf ADHS. Anstatt die „Störung“ zu bekämpfen, sollte man die individuellen Stärken von Menschen mit ADHS fördern und ihnen helfen, ihre Potenziale zu entfalten.

https://ganglion.ch/pdf/fachhochschule_ost.pdf