Dr.med. Ursula Davatz beschreibt die „therapeutische Administration“ im Kontext ihrer Arbeit im Dingleton Hospital in Schottland, einer therapeutischen Gemeinschaft unter der Leitung von Maxwell Jones. Die Grundidee dieses Ansatzes besteht darin, die Patienten aktiv in administrative und therapeutische Entscheidungen einzubeziehen.

Konkrete Beispiele der therapeutischen Administration im Dingleton Hospital:

  • Gemeinsame Entscheidungsfindung: Anstelle von einseitigen Entscheidungen durch das Personal wurden wichtige Entscheidungen in gemeinsamer Beratung mit den Patienten getroffen.
  • „Community Council“ (CC): Regelmäßige Sitzungen mit Patienten und Personal, in denen Probleme, Konflikte und Entscheidungen offen diskutiert wurden.
  • Einbezug der Patienten in Entscheidungen über Ausgang und Einschränkungen: Wenn ein Patient beispielsweise keinen Ausgang hatte, wurde im „Community Council“ gemeinsam besprochen, ob er bereit für mehr Freiheit ist.

Philosophie hinter der therapeutischen Administration:

  • Arbeit auf Augenhöhe: Die „therapeutische Administration“ fördert die Gleichberechtigung zwischen Patienten und Personal und stärkt die Autonomie der Patienten.
  • Verantwortungsübernahme: Die Patienten werden aktiv in die Gestaltung ihrer Therapie einbezogen und übernehmen Verantwortung für ihre Genesung.
  • Gemeinschaftssinn: Die gemeinsame Entscheidungsfindung fördert den Zusammenhalt und das Vertrauen innerhalb der therapeutischen Gemeinschaft.

Bedeutung für Dr. Davatz‘ Arbeit:

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass sie die „therapeutische Administration“ zunächst als „uneffizient“ empfand . Im Laufe der Zeit erkannte sie jedoch die Vorteile dieses Ansatzes und integrierte die Prinzipien der gemeinsamen Entscheidungsfindung und der Arbeit auf Augenhöhe in ihre eigene Arbeit.

https://ganglion.ch/pdf/Geschichte-der-Sozialpsychiatrie.pdf