Dr.med. Ursula Davatz spricht sich in ihren Ausführungen deutlich gegen die stationäre Unterbringung von Jugendlichen mit ADHS aus und plädiert stattdessen für ambulante Therapieformen und die Unterstützung des Umfelds. Sie kritisiert, dass in Institutionen die „Krankheit“ im Individuum verortet und mit Therapie versucht wird, die Jugendlichen an die Norm anzupassen. Dies führe zu Widerstand und Verweigerung, da die Jugendlichen die Therapie als Übergriff und Fremdbestimmung empfinden.
Statt die Jugendlichen in Kliniken zu schicken, sollte das Umfeld, also Eltern, Lehrer und andere Bezugspersonen, im Umgang mit den Jugendlichen geschult und unterstützt werden. Dr. Davatz vergleicht dies mit der artgerechten Tierhaltung: So wie Tiere in einer Umgebung leben sollten, die ihren natürlichen Bedürfnissen entspricht, sollten auch Menschen mit ADHS in einem Umfeld aufwachsen, das ihren individuellen Bedürfnissen gerecht wird.
Konkret nennt Dr.med. Ursula Davatz folgende alternative Behandlungsmöglichkeiten:
- Ambulante Therapie: Hier kann ein Therapeut die Rolle einer zusätzlichen Bezugsperson übernehmen, die die Jugendlichen versteht und unterstützt.
- Unterstützung des Umfelds: Eltern und Lehrer sollten lernen, „artgerecht“, also persönlichkeitsgerecht mit den Jugendlichen umzugehen. Dazu gehört:
- Schaffung eines unterstützenden und verständnisvollen Umfelds
- Verzicht auf übermässige Kontrolle und Kritik
- Förderung von Eigeninitiative und Selbstbestimmung
- Anleitung zur konstruktiven Konfliktlösung
- Stärkung des Selbstwertgefühls durch positive Bestätigung
- „Richtiges Handeln im kritischen Augenblick“: Prävention bedeutet laut Dr. Davatz nicht, eine Krankheit vorherzusehen, sondern im entscheidenden Moment richtig zu reagieren. Besonders in der Pubertät, einer sensiblen Phase für die Entwicklung psychischer Erkrankungen, ist es wichtig, die Jugendlichen adäquat zu unterstützen.
Dr.med. Ursula Davatz ist überzeugt, dass durch die Unterstützung des Umfelds und eine „massgeschneiderte Problemlösungsstrategie“ viele Einweisungen in Erziehungsheime, Jugendgefängnisse und psychiatrische Kliniken verhindert werden könnten.
https://ganglion.ch/pdf/Wie%20und%20wann%20entgleisen%20Jugendliche.pdf