Dr.med. Ursula Davatz beschreibt in ihren Ausführungen drei Kerneigenschaften, die den Neurotyp ADHS auszeichnen:

  • Breite Aufmerksamkeit: Anders als oft angenommen, liegt bei ADHS keine Aufmerksamkeitsstörung, sondern eine breite Aufmerksamkeit vor. Menschen mit ADHS nehmen viele Reize gleichzeitig wahr und lassen sich leicht ablenken, besonders wenn die Hauptaufgabe als langweilig empfunden wird. Dies kann sowohl als Störung gesehen werden, wenn es um die Konzentration auf eine bestimmte Aufgabe geht, als auch als Fähigkeit, da ADHS-Betroffene dadurch oft einen guten Überblick über ihre Umgebung haben.
  • Hohe Sensitivität: Menschen mit ADHS zeichnen sich durch eine hohe Sensitivität in der Wahrnehmung ihrer Umwelt aus . Sie nehmen Details und Nuancen wahr, die anderen Menschen oft entgehen. Diese Sensibilität bezieht sich sowohl auf die kognitive als auch auf die emotionale Ebene. ADHS-Betroffene sind daher oft sehr empathisch und fühlen die Stimmungen ihrer Mitmenschen intensiv.
  • Starke Reaktivität: Die dritte Kerneigenschaft ist eine starke Reaktivität, die sich in Impulsivität und einer schnellen Emotionsverarbeitung äussert . Dies wird oft als mangelnde Impulskontrolle interpretiert. Dr. Davatz betont jedoch, dass diese Reaktivität auch positive Seiten hat: ADHS-Betroffene sind oft begeisterungsfähig und können andere Menschen mitreissen. Die starke Reaktivität kann sich jedoch auch in aggressiven Abwehrreaktionen zeigen, wenn sich die Betroffenen angegriffen fühlen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ADHS nach Dr.med. Ursula Davatz durch eine breite Aufmerksamkeit, hohe Sensitivität und starke Reaktivität gekennzeichnet ist. Diese Eigenschaften können sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringen. Es ist wichtig, die individuellen Bedürfnisse von Menschen mit ADHS zu berücksichtigen und ein Umfeld zu schaffen, in dem sie ihre Stärken entfalten und ihre Herausforderungen bewältigen können.

https://ganglion.ch/pdf/Wie%20und%20wann%20entgleisen%20Jugendliche.pdf