Dr.med. Ursula Davatz betont in ihren Ausführungen die zentrale Rolle der Gefühlsbenennung in der Konfliktlösung bei Kindern. Sie erklärt, dass das Benennen von Gefühlen den emotionalen Stress reduziert und somit die Konfliktlösung positiv beeinflusst.

Reduktion des emotionalen Drucks:

Wenn Kinder ihre Gefühle benennen können, sinkt der emotionale Druck, der mit diesen Gefühlen verbunden ist, um die Hälfte. Das bedeutet, dass sie in Konfliktsituationen ruhiger und besonnener reagieren können, anstatt von ihren Emotionen überwältigt zu werden.

Selbstreflexion und Regulation:

Die Verbalisierung von Gefühlen fördert die Selbstreflexion und hilft dem Kind, seine Emotionen besser zu verstehen und einzuordnen. Dieser Prozess ermöglicht es dem Kind, seine Gefühle zu regulieren und angemessener auf Konfliktsituationen zu reagieren.

Abbau von Stress:

Dr.med. Ursula Davatz vergleicht das Benennen von Gefühlen mit dem Ablegen von Büchern in einer Bibliothek. Durch die Verbalisierung werden die Emotionen geordnet und „abgelegt“, was zu einer emotionalen Entlastung führt. Sie zieht einen Vergleich zu Analphabeten, die aufgrund ihrer geringeren Fähigkeit, Informationen zu ordnen und abzulegen, ein höheres Risiko für Alzheimer haben.

Vorbilder und Kommunikation:

Die Fähigkeit, über Gefühle zu sprechen, wird durch Vorbilder im Umfeld des Kindes gefördert. Wenn Eltern und Erzieher offen über ihre Gefühle sprechen, lernt das Kind, dies ebenfalls zu tun. Wichtig ist hierbei, dass die Erwachsenen authentisch sind und ihre eigenen Gefühle ernst nehmen. Kinder spüren, wenn Erwachsene unehrlich sind oder ihre Gefühle nicht ernst nehmen, und reagieren dann oft mit Widerstand.

Konfliktstrategien:

In einer individualisierten Gesellschaft ist die Fähigkeit, Konflikte konstruktiv zu lösen, besonders wichtig. Die Gefühlsbenennung ist dabei ein zentraler Baustein, da sie es ermöglicht, Konflikte auf einer emotionalen Ebene zu verstehen und zu bearbeiten. Anstatt die Gefühle einfach auszuagieren, lernen Kinder durch die Benennung ihrer Emotionen, alternative Konfliktstrategien zu entwickeln.

Zusammenfassung:

Die Gefühlsbenennung spielt eine entscheidende Rolle in der Konfliktlösung bei Kindern. Sie reduziert den emotionalen Druck, fördert die Selbstreflexion und ermöglicht eine bessere Regulation der Emotionen. Durch das Benennen von Gefühlen können Kinder Konflikte besser verstehen und lernen, konstruktive Strategien zur Konfliktlösung anzuwenden.

https://ganglion.ch/pdf/Umgang_Kindern_schwierigem_privatem_Umfeld.pdf