Die Diagnose ADHS/ADS im Erwachsenenalter kann unterschiedliche Auswirkungen haben, die sowohl positiv als auch negativ sein können.
Entlastung und Verständnis:
Oftmals erleben Erwachsene, die im Erwachsenenalter die Diagnose ADHS/ADS erhalten, eine grosse Erleichterung. Die Diagnose kann dazu beitragen, dass sie endlich verstehen, warum sie in bestimmten Bereichen ihres Lebens immer wieder auf Schwierigkeiten gestoßen sind. Das Wissen um die neurobiologischen Hintergründe ihrer Schwierigkeiten kann ein Gefühl der Entlastung und Selbstakzeptanz bewirken.
Neue Perspektiven und Strategien:
Mit der Diagnose eröffnen sich neue Perspektiven und Möglichkeiten, um die Herausforderungen des Alltags besser zu bewältigen. Betroffene können sich über ihre spezifischen Bedürfnisse informieren und Strategien entwickeln, um mit ihren Schwierigkeiten umzugehen.
- Umgang mit Impulsivität und Hyperaktivität: Sie lernen, ihre Impulsivität zu kontrollieren und ihre Energie in positive Bahnen zu lenken.
- Verbesserung der Konzentration und Aufmerksamkeit: Sie können Techniken erlernen, um ihre Konzentration zu verbessern und Ablenkungen zu minimieren.
- Entwicklung von Organisationsstrategien: Sie können lernen, ihren Alltag besser zu strukturieren und ihre Zeit effektiver zu nutzen.
Unterstützung und Nachteilsausgleich:
Die Diagnose ADHS/ADS kann auch dazu führen, dass Betroffene Unterstützung und Nachteilsausgleich erhalten.
- Berufliche Rehabilitation: Die IV kann Unterstützung bei der beruflichen Integration oder Umschulung bieten.
- Nachteilsausgleich im Studium: Studierende mit ADHS/ADS können Nachteilsausgleich bei Prüfungen erhalten, z.B. mehr Zeit oder die Möglichkeit, in einem separaten Raum zu schreiben.
- Psychotherapie: Eine Psychotherapie kann helfen, mit den emotionalen und sozialen Folgen von ADHS/ADS umzugehen und die eigene Persönlichkeit zu stärken.
Herausforderungen und Stigmatisierung:
Trotz der positiven Aspekte kann die Diagnose ADHS/ADS im Erwachsenenalter auch mit Herausforderungen und Stigmatisierung verbunden sein.
- Vorurteile und Unverständnis: ADHS/ADS ist in der Gesellschaft oft noch wenig bekannt und wird häufig mit Vorurteilen und Unverständnis begegnet.
- Schwierigkeiten in Beziehungen und am Arbeitsplatz: Die Symptome von ADHS/ADS können zu Konflikten in Beziehungen und am Arbeitsplatz führen.
- Selbstzweifel und Scham: Betroffene können unter Selbstzweifeln und Scham leiden, weil sie ihre Schwierigkeiten oft als persönliches Versagen interpretieren.
Fazit:
Die Diagnose ADHS/ADS im Erwachsenenalter kann ein wichtiger Schritt sein, um sich selbst besser zu verstehen und die Herausforderungen des Alltags besser zu bewältigen. Es ist jedoch wichtig, sich der möglichen Herausforderungen bewusst zu sein und sich Unterstützung zu suchen, um die positiven Aspekte der Diagnose optimal nutzen zu können.
https://ganglion.ch/pdf/adhs-bei-jugendlichen-wendepunkt-1.3.2022-1.pdf