Die Hypersensibilität ist eine der zentralen Eigenschaften des Neurotyps ADHS/ADS und spielt eine entscheidende Rolle im Umgang mit diesen Menschen. Dr. med. Ursula Davatz betont in ihrem Vortrag immer wieder die Wichtigkeit eines angepassten Umfelds für die positive Entwicklung von ADHS/ADS-Betroffenen.

Hypersensibilität als Stärke und Herausforderung:

Hypersensible Menschen nehmen ihr Umfeld sehr intensiv wahr und reagieren besonders empfindlich auf Reize, die andere kaum bemerken. Dies kann sowohl eine Stärke als auch eine Herausforderung sein.

  • Vorteile:
    • Schnelle Auffassungsgabe: Sie erfassen Situationen und Stimmungen oft schneller als andere.
    • Ausgeprägtes Einfühlungsvermögen: Sie spüren die Emotionen in ihrem Umfeld sehr genau.
    • Gerechtigkeitsempfinden: Sie reagieren stark auf Ungerechtigkeiten und setzen sich oft für Fairness ein.
  • Nachteile:
    • Erhöhte Verletzlichkeit: Sie sind anfälliger für Stress, negative Emotionen und Kritik.
    • Schnelle Überforderung: Lärm, Hektik und viele Reize gleichzeitig können sie schnell überfordern.
    • Schwierigkeiten in „robusten Umgebungen“: In Umgebungen, die wenig Rücksicht auf ihre Sensibilität nehmen, stossen sie oft auf Unverständnis und Ablehnung.

Die Rolle des Umfelds:

Das Umfeld spielt eine entscheidende Rolle, ob die Hypersensibilität sich positiv oder negativ auswirkt. Ein unterstützendes Umfeld kann die Stärken hypersensibler Menschen fördern, während ein ungünstiges Umfeld zu Problemen und Leid führen kann.

  • Schaffung eines sicheren Raumes:
    • Verständnis und Akzeptanz: Es ist wichtig, die Hypersensibilität als Teil der Persönlichkeit zu akzeptieren und nicht als Schwäche zu betrachten.
    • Reduktion von Reizen: Lärm, Hektik und visuelle Ablenkungen sollten minimiert werden, um Überforderung zu vermeiden.
    • Klare Strukturen und Regeln: Klare Strukturen und Abläufe geben Sicherheit und Orientierung.
  • Kommunikation und Interaktion:
    • Achtsame Kommunikation: Auf eine wertschätzende und respektvolle Kommunikation achten, die die Sensibilität des Gegenübers berücksichtigt.
    • Feedback einholen: Regelmäßig nachfragen, wie die Person sich fühlt und ob bestimmte Dinge sie stören.
    • Konflikte konstruktiv lösen: Konflikte sollten nicht unterdrückt, sondern offen und respektvoll angesprochen werden.
  • Stärkung der Eigenständigkeit:
    • Verantwortung übertragen: Hypersensible Menschen sollten ermutigt werden, eigene Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen.
    • Eigeninitiative fördern: Sie sollten in Entscheidungsprozesse einbezogen und ihre Meinung respektiert werden.
    • Raum für individuelle Entfaltung: Ihre Bedürfnisse und Interessen sollten ernst genommen und unterstützt werden.

Fazit:

Die Hypersensibilität ist eine wichtige Eigenschaft von ADHS/ADS-Betroffenen, die sowohl positive als auch negative Seiten haben kann. Ein angepasstes Umfeld, das Verständnis, Rücksichtnahme und Unterstützung bietet, ist entscheidend, damit sich die Hypersensibilität positiv entfalten kann und die Betroffenen ihre Stärken nutzen können.

https://ganglion.ch/pdf/adhs-bei-jugendlichen-wendepunkt-1.3.2022-1.pdf