Die Dezentralisierung von Klinikstandorten war ein Thema, das die Entwicklung der psychiatrischen Versorgung in Königsfelden und im Kanton Aargau massgeblich prägte.
Dr. Saameli erwähnt, dass sich die Forderung nach einer Dezentralisierung von ambulanten Einrichtungen im Jahr 1981 noch schwierig gestaltete. Trotzdem bestand auch aus Sicht des SPD der Wunsch nach einer solchen Dezentralisierung. Die konziliarischen Dienstleistungen des SPD waren über den ganzen Kanton verteilt, von Murimoos bis Aarburg, was die Teilnahme an Angeboten wie der Tagesklinik Königsfelden für Patienten ausserhalb der näheren Umgebung, beispielsweise aus Zofingen, illusorisch machte.
Öffentliche Vorbehalte gegen die Dezentralisierung ambulanter psychiatrischer Institutionen kamen im Zusammenhang mit der Gründung des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes (KJPD) zum Ausdruck. Ein Kolumnist im Badener Tagblatt äusserte Bedenken hinsichtlich der Notwendigkeit eines kantonsweiten Netzes der Kinder- und Jugendpsychiatrie und dessen finanziellen Folgen. Es wurde sogar die Tendenz kritisiert, dass Psychiater eine immer grösser werdende Zahl von Kindern und Jugendlichen zu Menschen mit schwerwiegenden psychiatrischen Störungen stempeln könnten, und der Verdacht geäussert, dass der KJPD zum Selbstzweck existiere.
Dr. Saameli argumentierte, dass der Einbezug des familiären und beruflichen Umfeldes deutlich mache, dass es sinnvoll sei, die Behandlung psychisch Kranker möglichst nahe an ihrer Wohngemeinde durchzuführen, wo sie leben und arbeiten [13:08, 13:27]. Dies würde eine interprofessionelle Zusammenarbeit vor Ort ermöglichen und eine Hospitalisation in der zentralen Klinik verhindern oder zumindest verkürzen. Er sprach sich dafür aus, die institutionellen Dienstleistungen im Sinne von Ambulanz und Übergangseinrichtungen zu dezentralisieren, anstatt viel Geld in einen zentralen Neubau für stationäre Behandlungen zu investieren.
Die damalige Kantonsärztin hatte jedoch eine andere Auffassung und glaubte ernsthaft, dass die Klinik mit ihrem Pavillonsystem bereits genügend dezentralisiert sei. Der zuständige Regierungsrat vertrat aus politischen Überlegungen die Ansicht, dass der Kanton auf das historische Zentrum von Königsfelden angewiesen sei, um den Zusammenhalt zu gewährleisten, und dass den psychisch Kranken der lange Weg zur ambulanten Behandlung in Königsfelden als Beitrag zur Kohäsion des Kantons zuzumuten sei.
Trotz dieser anfänglichen Schwierigkeiten und Widerstände kam es später zu einer Regionalisierung des Erwachsenenpsychiatrischen Dienstes (EPD) unter der Leitung von Dr. Urs Fromm ab 1995. Es wurden Standorte in Baden, Aarau, Wohlen und im Fricktal geschaffen. Dr. Davatz übernahm die Leitung in Baden [30:44, 46:00]. Die Teams an diesen Aussenstandorten bestanden aus Sekretärinnen, Assistenzärzten, Sozialarbeitern/Sozialpädagogen und Psychiatriepflegern. Dr. Vogt berichtete, dass sie im Fricktal sehr warm willkommen geheissen wurden und dort relativ frei Aufbauarbeit leisten konnten. Die Kräfte schienen sich jedoch auch auf der Achse Baden, Aarau, Königsfelden abgerieben zu haben.
Die Entwicklung hin zu regionalen Standorten kann als eine späte Umsetzung der bereits in den 1980er-Jahren geäusserten Wünsche nach Dezentralisierung betrachtet werden, um die Zugänglichkeit der psychiatrischen Versorgung für die Bevölkerung im ganzen Kanton zu verbessern.
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