Der Umgang mit ADHS/ADS wird in den Quellen als entscheidender Faktor für die gesunde Entwicklung und das Wohlbefinden dieser Menschen betrachtet, die als spezifischer Neurotyp gelten.
Da das Gehirn ein plastisches Organ ist und durch die Interaktion mit dem Umfeld beeinflusst wird, ist der richtige Umgang essenziell, um die Entwicklung von Folgekrankheiten zu verhindern.
1. Grundprinzipien des Umgangs und der Führung
Der Umgang mit ADHS/ADS-Betroffenen muss hochgradig angepasst sein, da sie einen sensiblen Neurotyp darstellen, der zur schwierigeren Stressverarbeitung neigt [2, 53:49.220].
Persönlichkeits- und Temperamentgerechte Behandlung
Es ist entscheidend, dass mit diesen Kindern artgerecht, persönlichkeitsgerecht und temperamentgerecht umgegangen wird. Geschieht dies nicht, werden sie krank und entwickeln Folgekrankheiten.
Wird das Potential jedoch nicht zerstört, kann der artgerechte Umgang Spitzenleistungen in Bereichen wie Sport oder Wissenschaft hervorbringen.
Führung und Begleitung
ADHS/ADS-Kinder benötigen Führung und Begleitung [58, 41:55.161]. Sie müssen lernen, mit ihrem Temperament umzugehen.
Man muss Geduld haben und ein Vorbild sein. Da sie sehr begeisterungsfähig sind, sich stark verausgaben und dann zusammenbrechen, müssen sie lernen, selbst „Stop“ zu sagen.
Beruhigung vor Erziehung
ADHS/ADS-Kinder sind sehr emotional und sehr impulsiv.
- Im Augenblick, in dem sie hoch erregt sind, kann man sie nicht erziehen.
- Man muss sie immer zuerst beruhigen, bevor man Regeln aufstellen kann.
2. Kritik an gängigen Erziehungsmethoden
Methoden, die in der Pädagogik oft verwendet werden, funktionieren bei diesem Neurotyp nicht und sind schädlich:
- Belohnung und Bestrafung: Erziehungsmethoden wie das Smiley-System funktionieren bei ADHS/ADS-Kindern nicht. Bestrafung macht sie schlechter und gibt ihnen ein schlechtes Selbstwertgefühl.
- Kein Argumentieren mit dem Reflex: Da ihre Verhaltensweisen oft reflexartig ablaufen, kann man nicht mit dem Reflex argumentieren.
- Langeweile und Potentialzerstörung: Wenn hochintelligente ADHS/ADSler sich langweilen, stören sie und werden dafür bestraft, was zu dem Gefühl führt: „Ich bin nicht in Ordnung“. Man müsste sie stattdessen mit mehr Aufgaben füttern. Dadurch wird großes menschliches Potential zerstört.
3. Unterstützung des Umfelds und der sozialen Entwicklung
Der Fokus im Umgang muss auf dem ganzen System und der Persönlichkeitsentwicklung liegen.
Förderung des Selbst
Es ist wichtig, die Persönlichkeitsentwicklung der ADHS/ADS-Menschen zu fördern [30, 41:44.820]. Der Grundsatz sollte sein: „Das Beste, was ein Kind werden kann, ist sich selbst“.
- Soziale Anpassung: Nur wenn ein Kind sich selber werden darf, kann es sich auch sozial anpassen.
- Kritik: Wenn das Kind immer als falsch kritisiert wird, ist es nicht in der Lage, sich anzupassen.
Rolle des Umfelds und der Prävention
Das erzieherische Umfeld muss so früh wie möglich unterstützt werden, idealerweise bereits im Kindergarten. Wenn das Umfeld nicht frühzeitig beraten wird und Eltern keine Hilfe bekommen, entwickelt sich im Laufe der Zeit eine Krankheit.
Die Psychiatrie wird kritisiert, weil sie das Umfeld wenig bis gar nicht in die Behandlung einbezieht und nur das Individuum sowie die Symptome bekämpft.
Umgang mit Autismus (ADS)
Da autistische Kinder oft ADS-Kinder sind, die sich zurückziehen, wenn das Umfeld zu hyperaktiv ist, muss das Umfeld beruhigt und verlangsamt werden. Es muss lernen, besser zu beobachten und nicht „gleich drauf los zu schießen“.
4. Umgang im Berufsleben und bei Entscheidungen
ADHS/ADS-Menschen müssen ihren Fokus und ihr Leben finden.
- Berufswahl: Bei der Berufswahl sollte man nicht nach dem Geld, sondern nach der Stimmigkeit gehen (ob das Klima passt). Wenn das Umfeld nicht stimmt, geht es gar nicht. Es ist besser, keine Stelle anzunehmen als eine falsche.
- Kommunikation: Im Berufsleben können Betroffene kommunizieren, welche Bedingungen sie für gutes Funktionieren brauchen, ohne unbedingt die Diagnose nennen zu müssen: „Wenn sie mit mir so und so umgehen, dann funktioniere ich nicht. Sie wollen, dass ich gut funktioniere“.
- Nachteilsausgleich: An Schulen und Universitäten kann ein Nachteilsausgleich verlangt werden, beispielsweise mehr Zeit für Prüfungen oder ein ruhiger Raum.
- Selbstoffenbarung: Wenn man einen Chef hat, dem man es sagen kann, kann es hilfreich sein, das ADHS/ADS offenzulegen.
5. Therapie und Medikamente
Medikamente und Therapie ergänzen sich.
- Medikamente: Sie sind enorm hilfreich in Akutsituationen und werden zur Stimmungsregulation (dämpfen/runterfahren oder hochfahren/motivieren) eingesetzt.
- Lernprozess: Allerdings lernen die Menschen, die Medikamente nehmen, nicht besser mit ihrem Temperament umzugehen, da das Umfeld unverändert bleibt.
- Therapeutisches Ziel: Das Ziel sollte sein, die Medikamente immer mehr zu reduzieren. Die systemische Therapie, welche das Umfeld einbezieht, ist in diesem Kontext sehr wichtig.
Hinweis zur Schule und Ritalin: Obwohl Ritalin für Kinder hilfreich sein kann, um die Handhabung zu erleichtern, dürfen Lehrer nicht verlangen, dass ein Kind Ritalin nehmen muss. Die Entscheidung liegt bei den Eltern.
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/10/Rigi_Buchvorstellung_2.10.2025.m4a.pdf