Reformierte Kirche Turgi, Kirchweg, 5300 Turgi
10.03.2017 um 19.30 Uhr bis 21.00 Uhr
Religion, Psychiatrie und soziale Verantwortung
Dank der sozialen Medien wie Facebook, Twitter, Linkedin und
Wikipedia hat der moderne Mensch die Möglichkeit, sich rund
um den ganzen Erdball eine Stimme zu verschaffen und gleich-
zeitig Informationen einzuholen. Diese Demokratisierung der
Kommunikation bringt einerseits enorme Vorteile mit sich. Der
Transfer von Wissen und Informationen ist nicht mehr an das
Monopol von staatlichen Kommunikations- und Bildungsinstitu-
tionen oder etablierten Medien gebunden.
Die sozialen Medien bringen aber auch die Gefahr mit
sich, über Fehlinformationen bewusste Täuschungen in die
Welt zu setzen. Über die Streuung von “FakeNews“, sogenann-
te “alternative Fakten“, die sich über hohe Einschaltquoten Le-
gitimation verschaffen, können destruktive emotionale Massen-
bewegungen ausgelöst werden, ohne dass sich jemand dafür
verantwortlich fühlt, und auch niemand dafür juristisch verant-
wortlich gemacht werden kann: eine kollektive soziale Verant-
wortungslosigkeit.
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Wie können wir in der heutigen Zeit die individuelle soziale Ver-
antwortung eines jeden Menschen stärken und vor psychologi-
scher Manipulation und Missbrauch schützen, damit uns die
Glaubensfreiheit und das liberale Denken innerhalb unserer
aufgeklärten Gesellschaft erhalten bleibt und nicht von der kol-
lektiven sozialen Verantwortungslosigkeit weggeschwemmt
wird?
[00:00:00.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann würde ich Ihnen jetzt ein paar Gedanken über die Religion sagen und am Schluss
schauen wir dann auch noch den Umgang mit der Religion an.
[00:00:12.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst möchte ich die Bedeutung der Religion anschauen.
[00:00:15.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Einer von meinen Hauptsätzen, wenn ich den Menschen anschaue, ist: der Mensch ein
soziales Wesen.
[00:00:21.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen sind soziale Wesen.
[00:00:22.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Folglich haben wir auch soziale Gene.
[00:00:28.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Sozialverhalten ist nicht nur durch die Religion geprägt, sondern durch die ganze
Evolution.
[00:00:38.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieses Sozialverhalten kann man auch bei den Tieren anschauen.
[00:00:44.390] – Dr.med. Ursula Davatz
An erster Stelle natürlich bei den Primaten.
[00:00:48.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort schaue ich es auch an über Frans de Waal.
[00:00:52.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Frans de Waal habe ich auch schon ein paar Mal zitiert.
[00:00:55.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Eines der berühmten Bücher von Frans de Waal ist: Die wilden Diplomaten (Englisch:
Peacemaking among Primates, ISBN 9780674659216).
[00:01:02.470] – Dr.med. Ursula Davatz
Das neuste Buch von Frans de Waal heist: The Bonobo and the Atheist: In Search of
Humanism Among the Primates.
[00:01:11.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort befasst sich Frans de Waal auch mit der Religion. Das ist interessant.
[00:01:15.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Religion hat immer die Funktion von: Sozialverhalten, Regeln innerhalb der Gruppe.
Wie geht man damit um ausserhalb der Gruppe.
[00:01:34.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Innerhalb der Gruppe sind diese Regeln: gut miteinander umgehen, sodass das
Kollektiv zusammenhält.
[00:01:52.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Religion hat die Funktion ein Kollektiv zusammenzuhalten.
[00:02:00.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dadurch, dass der Mensch ein soziales Wesen ist, bildet er innerhalb einer Gruppe
auch soziale Regeln heraus.
[00:02:11.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese sozialen Regeln kann man bei religiösen Gruppen finden, bei Familiengruppen,
bei Corporate Identities, bei Ethnien (Völkergruppen) und bei Rassen.
[00:02:31.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die religiösen Regeln halten immer das Kollektiv zusammen.
[00:02:34.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Staaten sind auch ein Kollektiv.
[00:02:37.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kleinste Kollektiv ist die Familie.
[00:02:42.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort lernt man die ersten sozialen Regeln.
[00:02:45.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wird man auch erzogen, dort wird man zu sozialen Regeln erzogen.
[00:02:49.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Familie hat ein wenig andere Regeln.
[00:02:52.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kleinen Kollektive sind nicht alle gleich.
[00:02:57.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Familien innerhalb eines gewissen Kulturkreises, stimmen überein in ihren sozialen
Regeln.
[00:03:06.480] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Kollektiv teilt man die sozialen Regeln, man teilt die Sprache.
[00:03:15.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sprache ist auch von Regeln bestimmt.
[00:03:18.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kommunikation an sich trägt Regeln in sich.
[00:03:23.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Sprache sagt man: keine Regeln ohne Ausnahme.
[00:03:28.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln sind ein wichtiges Element, welche das Kollektiv zusammenhalten.
[00:03:35.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Essen, die Geschmäcker teilt man auch.
[00:03:36.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt den Spruch: Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.
[00:03:39.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Bauern sind sehr sesshaft, sehr traditionell in ihren Regeln.
[00:03:51.760] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne sagt man auch: die Regeln in der Agrarwirtschaft sind die
schwierigsten zum verändern, weil die von den Bauern gemacht sind, weil die
verbunden sind mit unserem Überleben, unserem Essen.
[00:04:04.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort hat man Angst vor Veränderungen.
[00:04:07.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das mit den Regeln des Essens erlebt man auch in der Familie.
[00:04:14.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will dem Kind beibringen, dass es mehrere Dinge isst.
[00:04:18.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Kinder, die mehr Angst haben.
[00:04:21.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Familien, die nur bei ihren alten Essgewohnheiten bleiben und andere, die eher
explorieren und Neues probieren.
[00:04:37.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Länder sind soziale Kollektive.
[00:04:39.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage sind auch die Grosskonzerne, die internationalen Firmen sind Kollektive.
[00:04:49.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Innerhalb der Firmen gibt es Leitbilder.
[00:04:52.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Leitbilder sind ähnlich wie die zehn Gebote in der Religion.
[00:04:56.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Regeln haben immer die Aufgabe, innerhalb des Kollektivs die Interaktionen
flüssig zu machen.
[00:05:21.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ethnische Kollektive, Rassen, die teilen nicht nur die Regeln, sie teilen auch die Regeln
der Gene.
[00:05:33.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Heutzutage kann man mit dem Gencode die Ethnizität nachschauen,
auseinandernehmen.
[00:05:44.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Gruppe, die miteinander verwandt ist, teilt nicht nur die Handlungen und die
Regeln, sondern auch die Gene.
[00:05:57.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort wären dann die sozialen Genen und die sozialen Regeln innerhalb des gleichen
Kollektivs.
[00:06:03.320] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne teilen sie dann auch meistens mentale Regeln.
[00:06:11.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht von der Mentalität.
[00:06:11.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Die schweizerische Mentalität, die italienische Mentalität, das sind dann internalisierte
Regeln, soziale Regeln.
[00:06:25.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man die Religion anschaut und was die Religion speziell an sich hat, dann hat ein
Kollektiv über die Religion ein enormes Wachstumspotenzial.
[00:06:44.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst, über die Religion und das Missionieren kann man vermehren.
[00:06:48.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ausser die Juden, die dürfen das nicht.
[00:06:51.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Juden können sich nur über die Fortpflanzung vermehren.
[00:06:54.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Christen, Moslems, Buddhismus, über die religiösen Regeln kann man sein
Kollektiv vergrössern.
[00:07:14.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss nicht verwandt sein miteinander.
[00:07:16.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kann auch völlig Rassen überschreitend sein.
[00:07:18.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Grossfirmen können das auch.
[00:07:23.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Grossfirmen müssen nicht genetisch miteinander verwandt sein, die müssen nicht
voneinander abstammen, die können auch länderübergreifend sein.
[00:07:32.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein Vorteil der Religion.
[00:07:34.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Religion kann Gene, Grenzen und Länder überschreiten.
[00:07:35.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Religionen haben grosse Kollektive angesammelt.
[00:07:46.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das lief über das Missionieren.
[00:07:47.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Von der Geschichte her gab es zuerst das Judentum.
[00:07:53.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Christentum spaltete sich vom Judentum davon ab.
[00:07:56.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Christentum missionierte gross über die ganze Welt.
[00:08:01.670] – Dr.med. Ursula Davatz
400-500 Jahre später kam der Islam.
[00:08:01.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Islam hat das wahrgenommen, dass man über die Religion so grosse Kollektive
bilden kann.
[00:08:18.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache jetzt einen Sprung zum Kriegerischen: die Religion ist auch ein
Rekrutierungsinstrument von Soldaten, von Kämpfern.
[00:08:27.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das erfahren wir jetzt bei den Moslems.
[00:08:27.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hatten wir das auch bei Christen.
[00:08:37.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Die religiösen Kämpfe waren sehr schreckliche Kriege.
[00:08:42.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Christentum hat das schon ein wenig hinter sich.
[00:08:46.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Islam macht das immer noch.
[00:08:49.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Das spezielle an den religiösen Kollektiven ist, dass sie grenzüberschreitend sein
können und sich vermehren können.
[00:09:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt ein Buch von Elias Canetti: Masse und Macht.
[00:09:04.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Elias Canetti sagt: ein Kollektiv müsse immer wachsen, sonst bricht es zusammen.
[00:09:10.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald das Kollektiv nicht missionieren und wachsen kann, erfüllt es seine Funktion
nicht mehr.
[00:09:14.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Wirtschaft hat das übernommen, die sagt auch, es müsse immer wachsen, sonst
bricht alles zusammen.
[00:09:24.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat Elias Canetti in seinem Buch "Masse und Macht" beschrieben, nur in Bezug auf
das Kollektiv.
[00:09:33.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wechsle zurück in die körperliche Welt.
[00:09:38.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas, das immer nur wächst, ist krankhaft. Der Krebs.
[00:09:39.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Krebs wächst, ungeachtet der Dinge, überschreitet alle Grenzen und ist eigentlich
nichts Gesundes.
[00:09:55.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus meiner ärztlichen Sicht, die Vorstellung, es muss etwas unendlich wachsen, ist
eigentlich nicht sehr gesund.
[00:10:03.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe zurück zur Evolution.
[00:10:09.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Wachstum in der Evolution ist die Differenzierung und die Weiterentwicklung.
[00:10:19.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird alles immer komplizierter.
[00:10:21.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist ein soziales Organ.
[00:10:26.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn regelt sämtliche Interaktionen, die Denkweise, die Verhaltensweise, der
Umgang miteinander, die Empathie.
[00:10:39.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kommt alles vom Gehirn aus.
[00:10:41.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist das soziale Organ.
[00:10:42.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das soziale Organ, das Gehirn, sich mit der Umwelt auseinandersetzt, dann wird
es immer komplexer, es wird nicht immer grösser.
[00:10:54.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser menschliches Gehirn ist gewachsen im Vergleich zum primaten Gehirn.
[00:11:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn wächst nicht unendlich weiter.
[00:11:02.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn kann nicht unendlich weiter wachsen.
[00:11:07.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn vom Kleinkind wächst noch.
[00:11:07.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Nachher geht es nicht mehr um Wachstum in der Grösse und der Menge.
[00:11:14.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Nachher geht es um die Differenzierung, um die Komplexität.
[00:11:19.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Je mehr das Gehirn sich auseinandersetzt mit der sozialen Umgebung, umso
komplexer wird es und umso anpassungsfähiger wird es.
[00:11:31.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn ist das anpassungsfähigste Organ.
[00:11:37.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist die anpassungsfähigste Art, abgesehen von den Insekten, die sich als
Kollektiv schnell anpassen können.
[00:11:47.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Individuen sind wir den Insekten weit überlegen.
[00:11:51.960] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Bibel heisst es auch: Seid fruchtbar und mehret euch.
[00:12:06.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Idee bei den Juden war: wir müssen wachsen, um stärker zu werden, über Kinder
produzieren.
[00:12:21.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Judentum entstand vor ca. 3000 Jahren.
[00:12:36.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Christentum entstand vor ca. 2000 Jahren.
[00:12:36.870] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Zeit, wo das Christentum entstanden ist und der Islam entstanden ist, haben sich
die Römer stark ausgebreitet.
[00:12:50.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Davor gab es alle möglichen Herrertümer, z.B. in Syrien, die Assyrer.
[00:13:03.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Im alten Irak, in Mesopotamien, ist die Wiege der Kultur des Getreides.
[00:13:17.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort hat man zum ersten Mal Getreide kultiviert.
[00:13:23.950] – Dr.med. Ursula Davatz
So konnte man sesshaft werden.
[00:13:24.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die goldene Wieger der Welt.
[00:13:24.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt solche goldigen Wiegen auch in Asien, in China.
[00:13:36.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Europäer beziehen uns auf die goldene Wiege in Mesopotamien.
[00:13:39.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Davor waren die Menschen eher Jäger und Sammler.
[00:13:43.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick, wo man das Getreide kultivieren konnte, konnte man viel mehr
Menschen mit dem Getreide ernähren.
[00:13:51.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Dadurch gab es allmählich eine Überbevölkerung.
[00:13:55.440] – Dr.med. Ursula Davatz
So sind Kriege entstanden.
[00:14:00.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gab verschiedene Stadtstaaten, die ersten Feudalherrschaften.
[00:14:04.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben sich gegenseitig bekriegt.
[00:14:15.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Davor herrschte das Matriarchat, davor waren die Kollektive in einem Matriarchat
organisiert.
[00:14:15.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Man nimmt auch an, dass die Frauen die Kultivierung vom Getreide erfunden haben.
Die haben zuerst Getreide kultiviert.
[00:14:34.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Überbevölkerung führte zu immer mehr kriegerischen Auseinandersetzungen.
[00:14:41.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Die verschiedenen Kollektive haben dann miteinander gekämpft, Dominanzkämpfe
geführt über das Territorium und das Essen, die Ernährung.
[00:14:58.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Kämpfen waren die Männer besser.
[00:15:01.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer waren Jäger, die Frauen Sammler.
[00:15:05.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Über dieses Kämpfen hat es dann zum Patriarchat gewechselt.
[00:15:10.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Matriarchat gabe es viele Götter. Man eher an verschiedene Götter geglaubt.
[00:15:28.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Für jede Gelegenheit gab es einen anderen Gott, einen Beschützer.
[00:15:32.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Die alten Götter, welche diese Kulturen hatten, wurden verteufelt.
[00:15:41.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Teufel, den wir bei uns in der Religionsgeschichte erleben, mit Kuhfüssen und
Hörnern und einem Kuhschwanz.
[00:15:53.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war der Wassergott in Syrien, der geholfen hat, dass es regnet und sie pflügen
können.
[00:16:13.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Gott der damaligen matriarchalen Religion, ist dann natürlich sogenannt verteufelt
worden. Ein Teufel ist daraus gemacht worden.
[00:16:23.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe diese Figur noch gesehen in Syrien. Die sieht genauso aus, wie die Figure,
welche ich im Sonntags Schulunterricht im Büchlein gesehen habe.
[00:16:32.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Teufel mit dem Hörner und dem Schwanz.
[00:16:35.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist absolut der Wassergott von der Syrern.
[00:16:39.920] – Dr.med. Ursula Davatz
So machen es die Religionen.
[00:16:42.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine neue Religion kommt, dann tut sie die Kultgegenstände der alten Religion,
verteufeln, schlecht darstellen als Götze.
[00:16:53.500] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Zweistromland in dieser Zeit wurde viel gekämpft.
[00:16:57.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Wahrscheinlich gab es viele Familien, die dann ohne Väter waren, viele Frauen waren
auch alleine.
[00:17:09.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Vorher gab es nur Clan-Systeme mit Vätern, Müttern, mit Ältesten etc., es war nach
einer Familienstruktur organisiert.
[00:17:20.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Als dann so viele lose Elemente rumgelaufen sind, hat man auf eine Art den Patriarch,
also die Vaterfigur in den Himmel hochgesetzt.
[00:17:33.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sage ich jetzt.
[00:17:35.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat die monotheistische Religionen erfunden.
[00:17:42.060] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem der Gott im Himmel ist, ist er in die weite Ferne gerückt.
[00:17:47.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann ihn nie mehr bekriegen. Man hat ihm unendliche grosse Fähigkeiten
zugeschrieben.
[00:17:55.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf ihn nicht sehen, man kann ihn nicht sehen, er ist unendlich gross, er ist
unendlich stark, er ist zum Teil kriegerisch, zum Teil auch sehr gütig.
[00:18:07.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Also man hat die Idee eines Beschützers, einer Vaterfigur, eines Feldherrens, einfach
ins Unendliche versetzt.
[00:18:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort ist er nicht mehr angreifbar.
[00:18:18.280] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne hat man ihn natürlich auch ins Gehirn hinein versetzt.
[00:18:24.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Beschützerfunktion hat ihn jeder mit sich tragen können.
[00:18:29.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch in der Wüste, wenn man niemanden hatte.
[00:18:34.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Die monotheistischen Religionen sind eine enorme Erfindung der damaligen Zeit
gewesen.
[00:18:47.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Islami habe es den Christen abgeschaut.
[00:18:47.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Christen haben ihre monotheistische Religion wie eine Marktidee sehr gut auf der
ganzen Welt verkauft.
[00:18:47.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich vergleiche jetzt das Christentum mit dem Judentum.
[00:19:19.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Juden haben die Religion stark mit ihren Büchern und den Schriftgelehrten
verbunden.
[00:19:28.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Pharisäer wussten, wie es ist, sagten einem wie es ist , lehrten einem wie es ist.
Man muss das lange lernen, damit man in diese Religon reinkommt.
[00:19:33.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesus Christus hat dann die Religion popularisiert. Jeder kann an diesem Kollektiv
teilhaben.
[00:19:51.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist nicht einfach eine erlauchte Gesellschaft, sondern jeder Arme, alle können
teilhaben.
[00:19:55.070] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne hat er dann gesagt: Kommet alle her, die ihr mühselig und beladen
seid.
[00:19:59.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Kommt alle zu mir.
[00:20:00.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder das Rekrutierungsinstrument.
[00:20:04.380] – Dr.med. Ursula Davatz
So konnte Jesus Christus sein Kollektiv gross erweitern.
[00:20:07.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Es war auch etwas sehr humanistisches darinnen.
[00:20:10.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ging nicht mehr nur darum gescheit, auserlesen und gebildet zu sein sein.
[00:20:12.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesus Christus hat auf eine Art auch den Humanismus unter das Volk gebracht.
[00:20:20.620] – Dr.med. Ursula Davatz
All die christlichen Ideen, sind zum Teil von den Griechen gekommen.
[00:20:29.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Griechen hatten ja viele Philosophen, die viele gescheite Dinge gesagt haben, wo
wir heute noch darauf aufbauen.
[00:20:40.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Römer haben auch darauf aufgebaut.
[00:20:40.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin baut auch darauf auf. Die Mediziner richten sich auch noch nach dem
Aeskulap, dem griechischen Arzt mit der Schlange. Asklepios, der Gott der Heilkunst.
[00:20:42.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist Gedankengut reingekommen in die Religion des Christentums.
[00:21:02.300] – Dr.med. Ursula Davatz
In dem man den Stammesführer in den Himmel verlegt haben, ist er unantastbar und
überall hin transportierbar.
[00:21:28.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wie ein Kompass, den man kann von überall her abrufen kann.
[00:21:33.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine sehr raffinierte Idee gewesen.
[00:21:42.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Soviel zur Entstehung der jüdischen, christlichen und islamischen Religionen.
[00:21:51.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Gibt es Fragen dazu?
[00:21:51.940] – Bemerkung 1
Kann die Religion auch missbraucht werden?
[00:21:52.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie ich es jetzt geschildert habe, ist es ein Rekrutierungsinstrument und ein
Machtinstrument.
[00:22:05.240] – Dr.med. Ursula Davatz
So kann die Religion missbraucht werden, so wurde die Religion missbraucht und so
wird sie immer noch missbraucht.
[00:22:12.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Spirituelle tragen alle Religionen in sich, auch die nicht monotheistischen, die
buddhistischen, taoistischen.
[00:22:27.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Religionen kümmern sich über ihre Rituale um sich selber.
[00:22:31.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Rituale die man anwenden kann, wenn man in Not ist.
[00:22:42.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Rituale, die man anwenden kann um sich zu zentrieren.
[00:22:48.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt mache ich einen Sprung zur heutigen Therapie.
[00:22:53.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Achtsamkeit ist zur Zeit grosse Mode.
[00:22:54.730] – Dr.med. Ursula Davatz
In allen Religionen gibt es Übungen zur Achtsamkeit.
[00:23:00.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Meditationsübungen sind Übungen zur Achtsamkeit.
[00:23:03.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das christliche Gebet ist auch eine Übung der Achtsamkeit.
[00:23:09.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sich konzentrieren, sich herunterholen, sich bewegen, sich etwas unterwerfen.
[00:23:13.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Muslime unterwerfen sich dem Gott.
[00:23:21.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat ein Ritual, eine Struktur.
[00:23:34.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Meditieren, Gebete, Rituale feiern, zum Teil einzeln und zum Teil dann natürlich auch
wieder im Kollektiv.
[00:23:43.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Man feiert Feste, man feiert Ostern, man feiert Weihnachten.
[00:23:47.880] – Dr.med. Ursula Davatz
In Griechenland wurde gerade die Maria Himmelfahrt gefeiert (Kοιµηση της θεοτοκου).
[00:23:53.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Man feiert zusammen. Man huldigt etwas, man ist demütig, man unterwirft sich einer
Regel, einem Ritual.
[00:24:04.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Naturreligionen enthalten auch Übergangsrituale, von einem Zustand zum anderen.
[00:24:26.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Germanen haben den heiligen Graal, das Gold gesucht. Die absolute Wahrheit
finden.
[00:24:36.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Wissenschaftler wollten das Atom, die Urmaterie finden.
[00:24:42.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher ist es das Gold oder der Diamant gewesen.
[00:24:44.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Atom, das ist schon sehr wissenschaftlich, wurde als Urmaterie angeschaut, bis
man herausgefunden hat, dass das Atom auch zusammengesetzt ist.
[00:25:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Den verschiedenen Kräften im Atom ordnet man auch wieder menschliche
Eigenschaften zu.
[00:25:03.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sechs Quarks heissen: up (u), down (d), strange (s), charm (c), bottom (b) und top
(t).
[00:25:15.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch hat ein Bedürfnis nach innerer Geborgenheit und die Religionen liefern
einem das Instrument, um sie zu finden.
[00:25:28.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Rein neuropsychologisch sagt man: die Religion sitzt im Temporallappen.
[00:25:37.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Temporallappen ist eigentlich ein Teil des Grosshirns. der ist vernetzt mit dem
emotionalen Gehirn.
[00:25:46.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bringe immer das Gehirnmodell anhand meiner Hand.
[00:25:48.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Daumen ist das limbische System. Die Finger sind das Grosshirn, das
Handgelenk ist das Stammhirn.
[00:25:49.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Temporallappen sitzt zwischen dem limbischen System und dem Grosshirn.
[00:26:14.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Carl Gustav Jung hat das Wort Unificatio Mystica (mystische Hochzeit) geprägt.
[00:26:19.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich ganzheitlich verbunden fühlt, mit einem Gott, mit einer Maria oder mit
der Welt.
[00:26:25.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Naturreligionen fühlt man sich verbunden mit der Welt.
[00:26:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei ganzheitlichen Erlebnissen wird der Temporallappen aktiviert.
[00:26:35.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht nur das Grosshirn, das ist nicht nur die Kognition, das ist auch ein Gefühl.
[00:26:35.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gefühl ist im limbischen System zu Hause.
[00:26:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gefühl und die Ganzheits-Vorstellung sind miteinander verbunden.
[00:26:50.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Die epileptischen Anfälle kommen auch von dort.
[00:26:57.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Fjodor Michailowitsch Dostojewskis Epilepsie lässt ihn immer wieder sein Schreiben.
[00:27:08.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Fjodor Michailowitsch Dostojewski hatte auch epileptische Anfälle.
[00:27:10.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Fjodor Michailowitsch Dostojewski hat vor seinen Epilepsie-Anfällen ein ganzheitliches
Gefühl.
[00:27:14.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Fjodor Michailowitsch Dostojewski sagte oft, er wolle das Gefühl der Epilepsie-Anfälle
gerne haben, um sich mit der Welt verbunden zu fühlen.
[00:27:22.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Verrückte ist, bei der Epilepsie wird das ganze Hirn entladen. Das ist auch
ganzheitlich.
[00:27:32.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach aussen sieht es etwas komisch aus.
[00:27:36.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Der epileptische Anfall ist eine ganzheitliche Reaktion des Gehirns, eine Überreizung
des Gehirns, sodass alles entladen wird.
[00:27:39.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Der epileptische Anfall ist wie ein Wiedergeburtserlebnis.
[00:28:13.940] – Bemerkung 2
Früher sagte man zum epileptischen Anfall, dass es ein Gottesblitz ist, man meinte,
dass es mit dem höheren Bewusstsein etwas zu tun hat.
[00:28:14.240] – Bemerkung 3
Im Mittelalter hat man Epileptiker weggesperrt, man dachte sie seien vom Teufel
geritten.
[00:28:24.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Entweder haben sie etwas göttliches in sich, hören die Stimmen vom Gott, oder sie sind
vom Teufel besessen.
[00:28:32.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles fremdartige ist vom Teufel besessen.
[00:28:32.220] – Bemerkung 4
Drogen, z.B. Ecstasy gibt eine ähnliche Erfahrung.
[00:28:32.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Ecstasy macht das entaktogene Gefühl, das ganzheitliches Gefühl.
[00:28:57.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin mit der ganzen Welt im Frieden.
[00:29:01.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ecstasy ist eine religiöse Droge.
[00:29:03.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei allen religiösen Ritualen werden auch Drogen verwendet.
[00:29:07.950] – Dr.med. Ursula Davatz
In der christlichen Religion wird Wein verwendet, für die heilige Wandlung.
[00:29:11.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Schamanen in Sibirien wird der Fliegenpilz verwendet.
[00:29:20.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Mexikanern wird Peyote verwendet.
[00:29:23.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich dachte immer die Inder würden immer so ganz rein ohne irgendeinen Stoff
meditieren.
[00:29:31.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt nicht.
[00:29:32.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Inder verwenden die Engelstrompete, die auch halluzinogen sind.
[00:29:40.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Haschisch ist natürlich auch halluzinogen, nicht ganz so stark.
[00:29:46.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Religionen verwenden gewisse Substanzen, um das Ganzheitsgefühl noch so ein
bisschen zu verstärken.
[00:29:54.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Und wir Psychiater verwenden jetzt nur noch Chemie.
[00:30:00.000] – Bemerkung 5
Der Weihrauch auch. Sie haben auch Wein und Weihrauch zusammen genommen.
[00:30:03.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, der Weihrauch hat auch so eine Wirkung.
[00:30:09.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Mürre, Wein und Weihrauch.
[00:30:31.420] – Bemerkung 6
Gewisse werden auch ohnmächtig.
[00:30:42.570] – Bemerkung 7
Es gibt auch den Schmerz und die Kasteiung.
[00:30:42.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Selbstverletzung, die ganze Kasteiung, welche die Schiiten haben und die Christen
zum Teil auch haben.
[00:30:49.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man sich Schmerz zufügt, kann man auch in Ohnmacht fallen und das gibt
wahrscheinlich auch ein ganzheitliches Erlebnis.
[00:31:02.380] – Bemerkung 8
Fasten.
[00:31:04.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Fasten macht auch eine Endorphin Ausschüttung und gibt dann auch das ganzheitliche
Erlebnis.
[00:31:12.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Letztens habe ich gerade auch über Stress einen Vortrag angehört, auf English.
[00:31:14.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will immer dem Stress ausweichen, das muss man aber gar nicht, man muss die
Einstellung verändern.
[00:31:29.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Stress werden Hormone ausgeschüttet.
[00:31:32.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Einerseits Adrenalin, alle diese Stresshormone, andererseits aber auch Oxytocin.
[00:31:40.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder die Religion.
[00:31:41.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Oxytocin macht, dass wir zusammenrücken.
[00:31:47.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Schafherde Angst hat, rückt sie zusammen und hält sich aneinander.
[00:31:53.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Indem man zusammenrückt, ist man stärker nach aussen, gegen ein anderes Kollektiv.
[00:31:59.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Stress bewirkt, dass wir einander mehr helfen.
[00:32:04.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Muss immer einen gemeinsamen äusseren Feind haben, dann kann man
zusammenrücken und hat man es gut miteinander.
[00:32:11.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man keinen Feind hat, kommen auf einmal die Unterschiede im Kollektiv heraus.
[00:32:15.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das Kollektiv nicht mehr so gut funktioniert, muss man nichts anderes machen als
einen gemeinsamen Feind ausdenken und dann rückt es wieder zusammen.
[00:32:25.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind Endorphine, die unter Stress ausgeschüttet werden.
[00:32:29.260] – Bemerkung 9
In Kuba funktioniert das auch gut mit dem Feind. So hält man das Land zusammen.
[00:32:36.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, so hält man das Land zusammen.
[00:32:39.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Vladimir Putin ist auch daran, sein Land zusammen zu halten, in dem er alles Mögliche
über den Westen erzählt.
[00:32:47.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Westen macht es auf der anderen Seite.
[00:32:50.870] – Bemerkung 10
Das ist ja das Problem seit dem Ende des Kalten Krieges, dass die Feindbilder fehlen.
[00:32:56.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann hält man nicht mehr so zusammen, dann fällt man auseinander.
[00:33:00.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Stress bewirkt, dass man zusammenrückt.
[00:33:04.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben wir schon bei der Fusions-Beziehung angeschaut.
[00:33:07.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter Angst holt die Mutter das Kind zurück und das Kind geht zur Mutter. Das sind die
Oxytocin.
[00:33:13.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Fusionsbewegung der Angst gilt nicht nur zwischen Mutter und Kind, sondern auch
im Kollektiv.
[00:33:20.500] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne hat Murray Bowen den Begriff geprägt: Undifferentiated family ego
mass.
[00:33:26.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre das Kollektiv, das zusammenhält und der Einzelne nicht einzeln denken darf.
[00:33:37.110] – Bemerkung 11
Nach der Geburt ist doch die Oxytocinausschüttung, das was Mutter und Kind bindet.
Dort ist es absolut erwünscht, zum überleben.
[00:33:53.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mutter ist viel sensibler auf Beziehungen und auch auf Beziehungsstörungen.
[00:34:02.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Oxytocinausschüttung geschieht die Mutter und Kind Bindung, das Bonding
Behavior wird da gesteuert.
[00:34:13.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieses Bonding Behavior gibt es eben nicht nur zwischen Mutter und Kind, sondern
auch zwischen der Gruppe.
[00:34:20.210] – Dr.med. Ursula Davatz
In dieser Ausstellung im Stapferhaus in Lenzburg, haben sie das auch gezeigt mit den
verschiedenen Hormonen: entscheiden.
[00:34:26.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Oxytocin ist das Kuschelhormon.
[00:34:31.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen haben mehr davon, weil wir natürlich auch Kinder haben.
[00:34:39.550] – Bemerkung 12
Beim Kuscheln wird das Oxytocin ausgeschüttet. Die Frau erträgt mehr Stress wenn der
Mann dabei ist und man ein bisschen Kuscheln kann.
[00:34:49.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz genau.
[00:34:51.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Oxytocin wird auch ausgeschüttet, wenn man das Kind stillt, dann hat man die nahe
Beziehung.
[00:34:57.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird aber auch ausgeschüttet bei einer Grossmutter, wenn sie das Kind hält, oder
bei einer Amme, die nicht mehr Milch gibt.
[00:35:06.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man dem Kind den Schoppen gibt und das kleine Baby hält, das kleine, hilflose
Wesen schüttet in einem das Kuschelhormon aus.
[00:35:15.530] – Bemerkung 13
Bei den Männer auch.
[00:35:16.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, vielleicht etwas weniger. Die Männer haben es auch.
[00:35:17.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir Neuroleptika geben, haben manche Männer auch Milchausschüttung.
[00:35:39.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle diese Hormone wirken auch im Gehirn.
[00:35:43.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir Medikamente geben, machen wir das alles durcheinander.
[00:35:49.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir machen sie auch zahmer.
[00:35:49.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Neuroleptika versuchen wir, Menschen runterzuholen. Gewissen Männer haben
dann auch Milcheinschuss.
[00:36:00.820] – Bemerkung 14
Dasselbe geschieht auch bei Antidepressiva.
[00:36:06.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, dort läuft es über das Serotonin. Das macht einem stabiler, nicht so sensibel auf
Kampf und alle diese Dinge. Man wird ruhiger, aber man entfremdet sich auch ein
bisschen.
[00:36:30.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Religionen haben das Mystische in sich.
[00:36:41.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil holt die Therapie das auch wieder ein bisschen rein, über die
Achtsamkeitsübungen.
[00:36:46.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man ein kleines Baby auf dem Arm hat, das ist sehr zerbrechlich, man kann nicht
so wild mit dem kleinen Baby umgehen.
[00:36:55.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wird dem kleinen Kind gegenüber auch achtsam und das macht dann auch wieder
die Oxytocinausschüttung.
[00:37:02.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man einen Verletzten sieht oder jemanden, der leidet, jemanden, der Hilfe
braucht, dann wird man auch gleich empathisch.
[00:37:16.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Oxytocin macht Empathie.
[00:37:21.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann unser Helfersyndrom. Da müssen wir helfen gehen.
[00:37:25.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das haben auch die Tiere.
[00:37:25.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle soziale Wesen reagieren auf Artgenossen, die in Not sind, in dem sie helfen gehen.
[00:37:50.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben soziale Genen.
[00:37:53.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Religion benutzt diese sozialen Gene wieder als Machtinstrument.
[00:38:03.600] – Bemerkung 15
Die Mystik ist wie ein menschliches Grundbedürfnis. Das hat es schon immer gegeben.
Religionen verwenden die Mystik als niedriges Machtinstrument.
[00:38:16.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, so kann man das sagen.
[00:38:16.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Bedürfnis nach Zusammengehörigkeit, nach dem Ganzheitsgefühl, nach der
inneren seelischen Ruhe, das ist ein menschliches Bedürfnis.
[00:38:31.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wie Schlafen und Essen müssen.
[00:38:45.530] – Bemerkung 15
Die mystischen Ausprägungen dieser Religionen sind eigentlich identisch.
[00:38:50.880] – Bemerkung 15
Über die Quantenphysik, über das Atom kann man dem jetzt auch Namen geben. Es
kommt immer mehr zusammen. Das sind alles Gleichungen. Auf der religiösen Ebene
bekämpft man sich wieder.
[00:39:21.200] – Bemerkung 15
Man sagt von vielen Physikern, dass sie im hohen Alter noch einmal religiös werden.
[00:39:30.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Physiker suchen immer nach der letzten Wahrheit.
[00:39:30.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Wissenschaftler suchen nach der letzten Wahrheit.
[00:39:37.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Religiösen suchen auch nach der letzten Wahrheit.
[00:39:38.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Wahrheitssuche ist ein menschliches Bedürfnis.
[00:39:42.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das findet man auf der religiösen Ebene und auf der wissenschaftlichen Ebene.
[00:39:54.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei jedem Kollektiv und so auch bei der Religion, und das ist dann das Zerstörerische
an den Religionen, gibt es Regeln für das Ingroup Verhalten und Regeln für Outgroup
Verhalten.
[00:40:11.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ganz klar, das Ingroup Verhalten, alle sozialen Arten haben das.
[00:40:17.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben Regeln, wie man miteinander umgeht.
[00:40:22.440] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Ingroup Verhalten gibt es immer eine Erstellung von einer Hierarchie.
[00:40:27.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Tierarten, die eine steilere Hierarchie haben und solche, die eine flachere
Hierarchie haben.
[00:40:35.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird in einer Gruppe immer eine Hierarchie gemacht.
[00:40:40.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hierarchie heisst natürlich, der Oberste ist der Mächtigste.
[00:40:44.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hierarchie kann rein nach dem Alter sein.
[00:40:48.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gorillas sind sehr hierarchisch strukturiert.
[00:40:57.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Älteste hat immer recht, die alten Weisen haben immer recht, denen gibt man auch
den Platz, denen gibt man die Ehre.
[00:41:03.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Chinesen geben den alten Weisen den Platz.
[00:41:07.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Toten gibt man ein Platz im Haus.
[00:41:11.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Alter spielt eine grosse Rolle.
[00:41:13.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind heute eher in einer Jugendkultur. Die Jungen haben recht.
[00:41:18.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles wird nach ihnen ausgerichtet.
[00:41:21.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch wieder ein ganz unterschiedlich.
[00:41:23.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hierarchie kann nach dem Stärksten sein, dem körperlich Stärksten.
[00:41:27.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hierarchie kann nach dem Gescheitesten sein.
[00:41:31.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Hierarchien werden ausgefochten.
[00:41:34.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat männliche Studenten in einen Raum getan. Die fechten dann schnell
untereinander die Hierarchie, die Hackordnung (Pecking Order) aus. Wer ist der Beste,
der Gescheiteste und der Tollste.
[00:41:57.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Studentinnen in einen Raum stellt, und die auch die Hackordnung herstellen
wollen, dann haben die viel länger.
[00:42:03.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen machen viel flachere Hierarchien. Die Frauen schmeissen die Hierarchien auch
immer wieder über den Haufen.
[00:42:07.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer schimpfen dann über die Frauen: Ihr hält Euch nie an die Regeln, ihr macht
immer was ihr wollt.
[00:42:17.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Antwort der Frauen lautet: Ja, wir machen situationsbezogen das, was wir für richtig
finden. Was soll denn das?
[00:42:24.820] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Zeiten des Krieges musste man alles immer aufessen. Die Regel war: Essen
wird nicht weggeworfen. Oft wurde gesagt: Die Armen verhungern und isst nicht einmal
deinen Reis fertig. Das geht doch nicht.
[00:42:44.740] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Zeiten des Überflusses und Übergewichtes muss man sagen: Iss ja nicht deinen
Teller aus, wenn du zuviel bekommen hast, sonst wirst Du krank, sonst wirst Du zum
Diabetiker.
[00:43:00.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nach Situation sind die Regeln nicht mehr passend.
[00:43:03.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Mutter muss das Kind erziehen vom Baby bis zum Erwachsensein.
[00:43:08.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Mutter mit dem 16 Jährigen gleich umgeht wie mit dem Dreijährigen, kommt
sie nicht so gut an.
[00:43:14.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Regeln ändern ständig mit dem Erwachsenen des Kindes.
[00:43:19.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen müssen in der Funktion des Kinderaufziehens flexibler sein.
[00:43:19.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen haben nicht die Gesetze gemacht.
[00:43:24.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gesetze wurden bei den Römern von Männern gemacht.
[00:43:36.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen würden wahrscheinlich auch nie so viele Gesetze machen. Das ist uns eher
fremd.
[00:43:42.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen funktionieren eher über Kuschelhormone, im Moment regeln.
[00:43:49.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Männer wollen eher feste Strukturen.
[00:43:53.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Militär braucht feste Strukturen.
[00:43:56.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Soldaten müssen alle einem folgen.
[00:44:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Selbst die Schweiz, die eine sehr ausgeprägte Demokratie ist, zu Kriegszeiten wird
jemand zum General gemacht, der darf dann alles bestimmen.
[00:44:06.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist männlich.
[00:44:11.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Für die Funktionen, welche die Männer erfüllen mussten, hat es das gebraucht.
[00:44:20.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kollektiv macht die Regeln nach innen.
[00:44:32.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Christentum, im Islam hilft man seinem Bruder, dem anderen, etc. Das sind soziale
Regeln.
[00:44:41.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt aber auch Regeln von Verboten.
[00:44:41.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man diese Verbote übertritt, dann wird man bestraft.
[00:44:51.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist man nicht mehr konform.
[00:44:54.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wird bestraft in der Religion, man wird auch bestraft in einem Firmenkollektiv,
allenfalls wird man entlassen.
[00:44:59.290] – Dr.med. Ursula Davatz
In meinem Buch "Fusion and Differentiation" sage ich: Je ängstlicher das Kollektiv ist,
umso strenger werden die Regeln, umso schneller wird man bestraft. Je angstfreier das
Kollektiv ist, umso mehr Regelübertretungen lässt das System zu, je mehr verschiedene
Varianten werden zugelassen.
[00:45:26.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man einen Feind hat, wird straffer organisiert, wenn man Angst hat.
[00:45:32.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sich einen äusseren Feind vorstellt, tut sich das Kollektiv wieder zusammen.
[00:45:32.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt den Augenblick wo ein Individuum zu viele Regeln überschreitet, dann wird es
bestraft.
[00:45:46.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder überschreiten natürlicherweise viele Regeln, das gehört zu ihrem
Explorationsverhalten.
[00:45:55.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sich das Individuum dann immer noch nicht an die Regeln hält, wird es staatlich
im Gefängnis weggesperrt.
[00:46:18.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine absolut archaische Methode, um Verhalten zu verändern.
[00:46:23.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Wüstenvölkern, Judentum, Islam, wenn sich das Individuum schlecht verhält,
dann wird es zum Sündenbock, zum Schwarzen Schaf.
[00:46:39.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Das schwarze Schaf ist auch aus der Religion entstanden.
[00:46:39.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das schwarzen Schaf, den Sündenbock kann man in die Wüste schicken.
[00:46:44.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man das schwarze Schaf in die Wüste schickt, dann wird es von den wilden
Tieren gerissen, dann geniesst den Schutz vom Kollektiv nicht mehr.
[00:46:54.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein menschliches Kollektivverhalten.
[00:47:00.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Kollektivverhalten, das man ein schwarzes Schaf in die Wüste schickt oder lyncht,
tötet, das wurde beim Mobbing wieder aufgegriffen.
[00:47:10.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Mobbing geschieht dem Individuum, welches aus dem Kollektiv heraussticht, zu stark
aus dem Kollektiv heraussticht, das wird gemobbt.
[00:47:23.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim Mobbing ist es nie nur das Kollektiv, das böse ist.
[00:47:27.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Klar, ein Kollektiv, das ängstlicher ist, mobbt schneller.
[00:47:31.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Kollektiv, das eher ruhig ist, das erlaubt viel mehr andersartiges Verhalten.
[00:47:39.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Mobbing Opfer hat immer etwas dazu beigetragen, dass es gemobbt wurde, indem
es sich anders verhalten hat.
[00:47:47.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht einfach der böse Mob und das arme Individuum, sondern das Individuum ist
zu fest herausgestochen für das Kollektiv herausgestochen, für das Kollektiv wovon es
Teil war und dann wird es entsprechend zum schwarzen Schaf, zum Sündenbock und in
die Wüste geschickt.
[00:48:02.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Von dort kommen die Redewendungen: schwarzes Schaf und Sündenbock.
[00:48:07.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Es war ein Bock, der in die Wüste geschickt wurde.
[00:48:12.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Kollektive haben Säuberungsrituale.
[00:48:18.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat alle seine Sünden und bösen Gedanken auf ein schwarzes Schaf projiziert.
[00:48:28.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Den hat man dann wirklich in die Wüste geschickt.
[00:48:30.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auf eine Art das Opfer.
[00:48:36.140] – Dr.med. Ursula Davatz
An Ostern isst man noch Lamm. Das ist das Opferlamm.
[00:48:41.200] – Dr.med. Ursula Davatz
In diese Rolle kam dann Jesus Christus.
[00:48:44.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesus Christus wurde von den Juden auch in die Wüste geschickt. Er wurde von dem
Kollektiv nicht geschützt.
[00:48:45.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Römer haben ihn dann geopfert. Jesus Christus wurde den Römern zum Frass
vorgeworfen, damit die in kreuzigen.
[00:48:45.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt sogar: die Römer wollten Jesus Christus nicht kreuzigen.
[00:49:01.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesus Christus wollte die Rolle des Märtyrers übernehmen.
[00:49:01.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Das schwarze Schaf, der Sündenbock ist auch wieder Märtyrer, welches das ganze
System/Kollektiv wieder erlöst.
[00:49:24.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Das schwarze Schaf, der Sündenbock stirbt dann für alle Sünden dieser Menschheit.
[00:49:28.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher war es das Schaf.
[00:49:33.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat seine bösen Taten oder böse Gedanken auf das Schaf projiziert und hat das
Schaf in die Wüste geschickt.
[00:49:39.130] – Bemerkung 16
In den östlichen Religionen kommt das nicht vor?
[00:49:50.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Das stimmt.
[00:49:51.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Die östlichen Religionen sind keine monotheistischen Religionen sondern sondern sind
pluralistische Religionen. Es gibt keinen stellvertretenden Sündenbock.
[00:49:55.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich muss sich jeder selbst reinigen, mit der Meditation.
[00:50:03.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht das Individuum verantwortungsvoller.
[00:50:16.920] – Bemerkung 17
Wie gehen die um, mit jemandem, der sich nicht an die Regeln hält?
[00:50:27.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wird immer wieder angemahnt.
[00:50:28.020] – Bemerkung 18
Es gibt keine Beichte wie im Christentum. Es gibt den Karma Begriff, dass man es
abarbeiten muss. Es bleibt beim Individuum. Man macht die Schuldensanierung mit sich
selbst.
[00:51:02.150] – Bemerkung 19
Das bestimmt dann derjenige selbst?
[00:51:04.000] – Bemerkung 18
Der Mechanismus bestimmt es selbst. Nach dem Karma Gedanken kommen die guten
und schlechten Taten immer wieder auf einem zurück.
[00:51:15.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine internalisierte Regel, das weiss man, das ist eine Mentalität und nach dem
verhält man sich dann.
[00:51:47.530] – Bemerkung 20
Man wird automatisch gestraft, wenn man sich so verhält?
[00:51:55.490] – Bemerkung 18
Es fällt auf einem zurück, z.B. wenn man die Steuererklärung nicht ausfüllt.
[00:51:56.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Auge Allahs, das Auge Gottes, das auf alle herunterschaut.
[00:52:00.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der östlichen Religionen ist es eher internalisiert.
[00:52:05.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Man lebt nach den Naturregeln.
[00:52:10.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die glauben an die Wiedergeburt.
[00:52:12.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man schlechte Taten vollbringt, dann kommt man als minderwertiges Wesen auf
die Welt.
[00:52:17.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben ein bisschen die Evolution internalisiert.
[00:52:19.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man gute Taten tut, dann kommt man als besseres Wesen auf die Welt.
[00:52:26.560] – Bemerkung 21
Oder man kommt als heilige Kuh wieder.
[00:52:26.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, die heilige Kuh wird gut behandelt, die ist heilig.
[00:52:42.760] – Bemerkung 21
Eine Kuh darf man nicht beleidigen, weil eine Kuh ist wirklich etwas sinnvolles.
[00:52:51.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kuh ernährt uns. Du blöde Kuh. Eigentlich müsste man sagen: du heilige Kuh.
[00:53:10.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt auch: Du falsche Ratte. Du Schlange.
[00:53:18.580] – Bemerkung 22
Kühe sind nicht so intelligent.
[00:53:23.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt sicher intelligentere Tiere als Kühe.
[00:53:36.230] – Bemerkung 23
Der Organismus der Kühe ist sehr intelligent. Die fressen ja Gras. Die Kühe können nur
aus Gras alles rausholen, was sie brauchen. Das ist sehr intelligent.
[00:53:51.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie verwenden wir das Wort Intelligenz?
[00:53:53.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Von der Natur her ist das sehr gut eingerichtet. Es ist ein sehr effizientes Tier.
[00:54:00.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kuh ist ein sehr guter Nahrungsspender, bei uns in der Schweiz, in Indien.
[00:54:10.300] – Bemerkung 24
Kann man mit einer Kuh einen Intelligenztest machen?
[00:54:10.590] – Bemerkung 25
Es gibt diese Live-Stallungen, wo die Tiere sehr viel selbständig machen.
[00:54:26.190] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Tierwelt tötet kein Tier aus religiösen Gründen.
[00:54:29.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Tiere sind nicht so intelligent, sie können die Religion, das abstrakte Konzept gar
nicht aufbauen.
[00:54:30.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Tiere töten zum abwehren, zum fressen. Wenn sie als Jäger das brauchen.
[00:54:46.070] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen, wir töten aus religiösen Gründen.
[00:54:49.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ursprünglich war das wohl gedacht um unser Territorium zu behalten, genügend Essen
zu haben, die Kinder verteidigen, die Frauen zu behalten.
[00:55:08.150] – Bemerkung 26
Geht es in der Religion nicht auch um Wirtschaftskriege, Ressourcen, Vorteile, etc.?
[00:55:24.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Religionskriege sind ähnlich wie die Wirtschaftskriege.
[00:55:28.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Wirtschaft ist auf eine Art auch eine Religion.
[00:55:32.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gesetz, es muss sich immer alles vermehren.
[00:55:37.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird fast mit religiösen Gefühlen daran festgehalten.
[00:55:44.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage nochmals etwas über Ingroup und Outgroup.
[00:55:50.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Innerhalb der Gruppe gelten soziale Regeln. Es gibt immer eine Hierarchie. Es gibt
auch Dominanzkämpfe zwischen wer ist der Stärkere und wer ist der Schwächere.
[00:56:02.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird es meist akzeptiert.
[00:56:04.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wer als Sieger hervorgeht, ist dann akzeptiert als der Stärkere.
[00:56:09.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem, wie das Kollektiv ist, wird es besser und schneller akzeptiert.
[00:56:16.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Gorillas sind sehr hierarchisch organisiert.
[00:56:21.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Schimpansen machen sich gegenseitig immer wieder die Kompetenzen streitig.
[00:56:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Schimpansen-Beispiel von Frans de Waal: Einer war der Starke, der andere war der
Gescheite. Der Gescheite hat einen Wasserkanister genommen und darauf
herumgetrommelt. Das hat einen grossen Lärm verursacht. Das hatte eine grosse
Wirkung. So wurde der Gescheite zum Dominanten.
[00:56:30.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der Beginn der Musik und der Militärmusik.
[00:57:00.640] – Bemerkung 27
Den finde ich gut!
[00:57:01.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Kriege wurden mit Musik gemacht.
[00:57:07.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Man zieht mit Trompeten und Fanfaren in den Krieg.
[00:57:12.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit schreckt man die anderen ab und demonstriert seine Dominanz.
[00:57:20.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das konnte der Schimpanse erst, als er das Instrument verwendet hat.
[00:57:21.830] – Bemerkung 28
Die Indianer haben auch einen Tanz und Lärm gemacht.
[00:57:34.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kommunikation, Krach machen, Musik machen, das spielt eine Rolle im
Dominanzkampf.
[00:57:48.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Primaten bestrafen auch, wenn sich Teenager nicht an die Regeln halten.
[00:57:54.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Franz de Waal beschreibt das wie folgt: Teenager sind am Abend nicht reingegangen.
Die Gruppe wurde erst gefüttert, wenn alle drinnen waren im Haus, das war die Regel.
Die Teenager haben draussen noch gespielt und die anderen haben kein Essen
bekommen. Dann wurden die verrückt und haben die anderen verprügelt. Am nächsten
Tag, war die anderen dann zuerst zu Hause.
[00:58:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch Tiere disziplinieren ihre Artgenossen.
[00:58:32.150] – Bemerkung 29
Im Militär macht man die Kollektivstrafen noch. Sonst ist das sehr verpönt.
[00:58:36.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Offensichtlich haben die Wärter im Zoo das so gemacht, dass die Primaten nur das
Fressen erhalten haben, wenn alle drinnen waren.
[00:58:49.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat schon eine calvinistische, puritanische Behandlungsweise gegriffen bei den
Zoologen, die das so gehandhabt haben.
[00:59:03.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Sozialverhalten wurde genetisch präferiert.
[00:59:11.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die sozialen Arten, die ein gutes Sozialverhalten hatten und dadurch ein gut
funktionierendes Kollektiv aufbauen konnten, waren im Vergleich zu anderen Arten
stärker.
[00:59:25.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Evolutionstechnisch hat es einen Vorteil, wenn man eine Gruppe machen kann, die gut
funktioniert.
[00:59:33.640] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne wurde das dann auch selektioniert.
[00:59:38.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Je nachdem, wo sich menschliche oder tierische Stämme aufgehalten haben, war das
soziale Verhalten wichtiger oder dann halt auch wie das kämpferische Verhalten.
[00:59:52.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Von den Spartanern sagt man, die sind so aufgezogen worden, dass der Lehrer sie in
den Finger gebissen hat, wenn sie nicht gefolgt haben.
[00:59:58.330] – Dr.med. Ursula Davatz
So wurden die abgehärtet. Die waren stolz, wenn sie einen Finger abgebissen hatten,
das war ein Zeichen für einen strengen Lehrer. Ein strenger Lehrer ist ein guter Lehrer
und ich bin ein guter Schüler.
[01:00:10.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Spartaner wurden zu Kriegern erzogen.
[01:00:10.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Kampf zwischen dem östlichen Rom und dem westlichen Rom, die orthodoxe Kirche
und die katholische Kirche, hat man im Balkan möglichst kämpferische Leute
angesiedelt, damit die gut gegen die andere Religion kämpfen können.
[01:00:38.690] – Dr.med. Ursula Davatz
in diesem Sinne werden auch über die menschliche Geschichte, Geschichtsführung,
Politik, gewisse Verhaltensmuster, mehr aggressiv oder mehr sozial, werden gefördert,
die will man sogar.
[01:00:57.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Hunde kann man auch eher zu Kampfhunden erziehen.
[01:00:58.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Nochmals zu Ingroup und Outgroup.
[01:01:02.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich interessiere mich immer für das Thema Kannibalismus.
[01:01:02.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Bücher von Anthropologen gelesen. Es gab einen afrikanischen
Naturvölkerstamm, die fischen mit dem Boot, konnten aber nicht schwimmen.
[01:01:26.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn jemand über Board gefallen ist, dann war das kein Mensch mehr sondern ein
Fisch.
[01:01:48.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wieder Ingroup und Outgroup.
[01:01:49.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man vom Kollektiv weggeht, kann man gerissen werden. Dann ist man ein
Sündenbock.
[01:01:58.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist jetzt ein Fisch und den kann man jetzt essen. Der war nicht mehr zu retten.
[01:01:58.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist verrückt.
[01:02:02.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Das menschliche Sündenbockverhalten, das Mobbing einem Outcast gegenüber, wenn
man nicht mehr zum Kollektiv gehört, dann kann man gerissen werden, dann ist man
Freiwild.
[01:02:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Freiwild kann man jagen.
[01:02:30.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein ur-menschliches und soziales Gruppenverhalten.
[01:02:51.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Seit wir die Globalwirtschaft haben und um die ganze Welt handeln, gibt es keine
Ingroup und keine Outgroup mehr.
[01:03:06.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir uns als Menschen anschauen auf diesem Globus, dann dürfen wir gegen
niemanden mehr vorgehen.
[01:03:09.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles, was wir in dieser hoch vernetzten Welt zerstörerisches tun, geht dann irgendwie
um die ganze Welt herum.
[01:03:28.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann die Dinge nicht mehr lokal behalten.
[01:03:33.540] – Dr.med. Ursula Davatz
In der heutigen Zeit darf die Religion nicht mehr in die Politik reinkommen.
[01:03:42.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Religion ist Privatsache und gehört in die Privatwelt hinein.
[01:03:49.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf der ganzen Welt haben wir dort wo es klappt die Religion ersetzt mit
Menschenrechten.
[01:03:56.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist dann wieder das Gesetz, das man eine Achtung hat vor dem Menschen, dass
man gewisse Dinge mit dem Menschen nicht tut.
[01:04:06.790] – Dr.med. Ursula Davatz
In den Menschenrechtskonventionen ist das alles festgelegt und das ist dann wieder
das Gesetz.
[01:04:15.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Augenblick einer so vernetzten Welt kann man eigentlich kein Outgroup Verhalten
mehr haben.
[01:04:26.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles was Outgroup ist, ist um den Globus herum wieder Ingroup.
[01:04:33.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein bisschen hat man das wieder in der Chaostheorie gezeigt.
[01:04:36.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ein Schmetterling auf dieser Seite der Erde seine Flügel schlägt, gibt es auf der
anderen Seite der Welt einen Tsunami.
[01:04:36.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt nichts, das nicht eine Auswirkung hat auf das ganze System, weil alles so
vernetzt ist.
[01:04:40.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sieht man im Finanzsystem, das sieht man natürlich im Handelssystem, bei Viren
sieht man das auch. Wir können kein Outgroup Verhalten mehr an den Tag legen.
[01:04:58.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können trotzdem lokale Unterschiede haben. Das ist die Differenzierung.
[01:05:08.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können in der Familie unsere eigenen Regeln haben, solange die nicht total
destruktiv gegen alles sind.
[01:05:24.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können in einem Land unsere Eigenheiten haben, wir können unsere
Essgewohnheiten haben. Wir können unsere Musik haben und wir haben immer noch
unsere Sprache. Die bleibt.
[01:05:38.120] – Bemerkung 30
Das Geld haben wir nicht mehr.
[01:05:40.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Geld ist etwas absolut Kollektives auf der ganzen Welt. Das Geld ist überhaupt
nicht mehr lokal.
[01:05:53.290] – Bemerkung 31
Es gibt noch den Schweizer Franken.
[01:05:53.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben noch den Schweizer Franken. Wir sind nicht in der EU. Einige Währungen
halten sich. Die Tendenz ist da, dass man sich wieder differenzieren möchte.
[01:05:54.140] – Bemerkung 32
Die SVP Bestrebungen gehen immer wieder in die andere Richtung. Landesrecht vor
dem Kollektivrecht.
[01:06:21.600] – Dr.med. Ursula Davatz
In meinem Buch "Fusion and Differentiation" habe ich das folgende ein wenig
theoretisiert: die Evolution läuft eigentlich immer so, wenn man beim Einzeller beginnt,
man hat einen Organismus, der schliesst sich zusammen in ein Kollektiv, es geschieht
eine Differenzierung und dann wieder eine Trennung und dann wieder ein
Zusammenschluss, eine Differenzierung etc.
[01:06:55.630] – Dr.med. Ursula Davatz
So läuft es heutzutage auch mit der Menschheit.
[01:07:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind eine Einheit als Land, aber wir müssen uns auch wieder mit der Aussenwelt
auseinandersetzen.
[01:07:09.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Dadurch entwickeln wir uns.
[01:07:12.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen uns aber nicht ganz gleich machen.
[01:07:15.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir können uns dann wieder differenzieren und abgrenzen.
[01:07:17.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre dann wieder die Differenzierung innerhalb des eigenen Familiensystems.
[01:07:25.150] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesen Massenkollektiven darf es eigentlich kein Individuum geben.
[01:07:34.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Individuen werden relativ stark in das Kollektiv, zu dem sie gehören, eingestampft,
angeglichen.
[01:07:42.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man zu fest angeglichen wird, dann gibt es ein homogenes Kollektiv und das gibt
wieder keine Weiterentwicklung.
[01:07:51.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Jedes Kollektiv braucht auch wieder unterschiedliche Individuen innerhalb von sich, die
sich anders benehmen dürfen, aber in Kontakt mit dieser Gruppe bleiben.
[01:08:08.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen nicht mehr den Sündenbock einfach rausschicken, dann verlieren wir auch
Erneuerungskräfte.
[01:08:17.940] – Bemerkung 35
These, Antithese, das braucht es immer.
[01:08:22.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das macht die Weiterentwicklung aus. Das ist nicht eine reine massenmässige
Weiterentwicklung, sondern eine qualitative Weiterentwicklung.
[01:08:33.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Evolution, dass ständig eine Differenzierung geschieht.
[01:08:53.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kehre ich zurück zur Religion und Familientherapie. Was hat das alles mit der
Familientherapie zu tun?
[01:08:53.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Familie ist die kleinste Einheit, die Familie ist die kleinste politische Einheit.
[01:09:03.880] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Familie lernt man sein Sozialverhalten.
[01:09:20.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Jede Familie hat auch wieder Ingroup Regeln und Outgroup Regeln.
[01:09:25.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Je ängstlicher die Familie ist, desto mehr grenzt sie sich gegen aussen ab, desto mehr
kapselt sie sich ab.
[01:09:31.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Je ruhiger die Familie funktioniert, umso eher kann sie auch wieder Einflüsse von
aussen aufnehmen und sich weiterentwickeln.
[01:09:44.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit etwas lebendig bleibt, sollte sich natürlich das Familienkollektiv immer
weiterentwickeln.
[01:09:50.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir Therapeuten an Patienten herankommen, dann sind das meistens Patienten,
Menschen, die sich ihrem Kollektiv, sei es jetzt Familienkollektiv, Arbeitskollektiv, nicht
ganz so wohl fühlen.
[01:10:09.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere therapeutische Aufgabe ist, denen zu helfen, den Rücken zu stärken, dass sie
sich selber sein dürfen, ohne dass sie in die Wüste geschickt werden.
[01:10:16.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sollen sich mit den Kollektiv auseinandersetzen können.
[01:10:16.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sollen in Kontakt bleiben mit einem Kollektiv.
[01:10:31.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind und bleiben soziale Wesen. Wir können nicht alle Einsiedler werden.
[01:10:34.140] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Religion wurde das auch gemacht. Das Einsiedlertum wurde zum Teil auch sehr
hoch gelobt.
[01:10:42.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht die Regel.
[01:10:45.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere therapeutische Aufgabe ist es, dem Menschen zu helfen, sich selbst sein zu
dürfen und aber doch noch in Kontakt zu sein mit seinem Zugehörigkeitssystem, sei es
die Familie, sei es der Arbeitsplatz, sei es die Religion oder was auch immer.
[01:11:03.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen wollen zu einem Kollektiv gehören.
[01:11:05.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Religio kommt von religere: binden.
[01:11:12.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Religiöses Verhalten ist Bindungsverhalten.
[01:11:14.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Bindungsverhalten im Kollektiv, Bindungsverhalten in einer Partnerschaft,
Bindungsverhalten auch mit sich selber.
[01:11:24.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das man mit sich in Verbindung bringt.
[01:11:26.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort kommt dann immer das Wort Liebe mit ins Spiel.
[01:11:28.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Liebe wird in den Religionen auch gepredigt.
[01:11:28.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Liebe ist Bindungsverhalten.
[01:11:38.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Liebe ist empathisches Verhalten. Hier kommt wieder das Oxytocin rein.
[01:11:45.120] – Bemerkung 36
Wie verhält es sich mit den Aussteigern aus der Gesellschaft?
[01:11:56.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Aussteiger haben offensichtlich den Eindruck, sie können ihr Individuum nicht leben
innerhalb dieses Kollektivs.
[01:12:06.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Franz von Assisi war auch ein Aussteiger.
[01:12:10.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Buddha war ein Brahmane und ist aus seiner reichen Kaste ausgestiegen.
[01:12:19.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich war er der Vorläufer von Jesus Christus. Buddha war 400 Jahre vor der Zeit.
[01:12:25.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Man nimmt an, dass die ganze Idee über die Karawane zu uns gekommen ist.
[01:12:37.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Einsiedler nehmen sich aus der Gesellschaft raus, um etwas neues zu Brüten.
[01:12:40.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit die Geschichte, die Gesellschaft und die Evolution weitergeht, müssen sie sich
wieder in Verbindung setzen und auseinandersetzen mit ihrer Umwelt.
[01:12:44.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nur aussteigt, wird man selbstherrlich. Dann wird man selber auch zu einer
Gottesvorstellung.
[01:13:07.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt eine starke Verbindung mit sich selber, man genügt sich selber, man braucht
nichts mehr, das Fasten ist dort auch drinnen.
[01:13:14.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich landet man dann auf einer asozialen Seite.
[01:13:22.610] – Bemerkung 36
Oder man verbindet sich wieder mit anderen Aussteigern.
[01:13:25.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es wieder ein Kollektiv.
[01:13:48.540] – Bemerkung 37
Was ist das Ziel der Evolution? Soll das Kollektiv angehoben werden oder das
Individuum? Ist es ein sowohl als auch? Beim Buddhismus geht es um die
Reinkarnation, das ist ein individueller Weg.
[01:14:09.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Individuum steigt mit dem Tod aus.
[01:14:18.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann sind wir auch draussen.
[01:14:20.770] – Bemerkung 37
Jeder Selbstmörder ist ein Aussteiger.
[01:14:25.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Dahinter steckt eine Aussteigermentalität.
[01:14:38.160] – Bemerkung 38
Was ist jetzt ein Therapeut, eine Therapeutin? Die befindet sich auch nicht in einem
Kollektiv?
[01:14:46.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind Vermittler zwischen Individuum und Kollektiv.
[01:14:58.770] – Bemerkung 39
Wenn man aussteigen will, muss man Therapeut werden?
[01:15:08.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Unter den Therapeuten gibt es sicher viele Aussteiger.
[01:15:09.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen einem Menschen weiterhelfen, das seelische Gleichgewicht zu finden. Wir
sind soziale Wesen, wir sind keine Einzelwesen.
[01:15:27.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Bärin muss nicht aussteigen, die lebt gut alleine, das ist einfach so.
[01:15:33.480] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne ist eine Bärin kein soziales Wesen.
[01:15:38.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir sind soziale Wesen, wir haben soziale Genen.
[01:15:41.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch lebt am besten, wenn er das Gleichgewicht zwischen Einzelwesen und
Zugehörigkeit hat.
[01:15:51.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Religion fördert eher die Zugehörigkeit.
[01:15:54.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele Leute finden in der Religion ihre Zugehörigkeit, weil die Familie nicht mehr so gut
funktioniert.
[01:16:04.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Leute brauchen mehr von dieser Schafherde und andere sind lieber alleine.
[01:16:04.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht immer eine Wechselwirkung.
[01:16:04.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder braucht sein Gleichgewicht zwischen alleinsein und Zugehörigkeit.
[01:16:30.000] – Bemerkung 39
Ich denke an alle diese Kleinbetriebe. Früher gab es diese mehr. Meine Freunde wollen
aufsteigen.
[01:16:52.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Es läuft eine Entwicklung in der wirtschaftlichen Welt, von lauter grossen Religionen,
multinationalen Firmen, die ihre Leute ganz nach ihren Bedürfnissen bestimmen.
[01:17:15.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist dann innerhalb von diesem grossen Gebilde ein Herdentier. Es gibt
immer mehr Menschen, die sagen: Ich will das nicht.
[01:17:16.190] – Bemerkung 40
Ich schaue das als evolutionären Prozess an. Früher gab es nur die grossen
Biermarken. Jetzt tauchen viele kleine Brauereien auf. Nicht jeder will Heineken trinken.
Die kleinen Bierbrauereien sind auch Aussteiger. Das ist wieder These, Antithese. Je
mehr Einheitsbrei dass es gibt, desto mehr gibt es wieder eine Gegenbewegung. Das
genormte entspricht nicht jedem menschlichen Individuum. Das finde ich positiv. Das
gibt ein Gleichgewicht.
[01:18:40.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Darüber habe ich in meinem Buch "Fusion and Differentiation" geschrieben.
[01:18:40.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Es schliesst sich zusammen und dann differenziert, trennt es sich wieder und schliesst
sich wieder auf eine neue Art zusammen. So entsteht immer wieder etwas neues.
[01:18:50.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist für mich der Glaube an die Evolution, dass sich alles natürlich weiterentwickelt.
[01:18:53.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein schönes Beispiel mit den Biermarken.
[01:19:06.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist absolut richtig.
[01:19:08.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Schlussendlich braut jeder sein eigenes Bier. Es gibt immer wieder kleinere, das gibt
einen gewissen Kult. Dann müssen sich die grossen Firmen wieder etwas anderes
einfallen lassen.
[01:19:23.930] – Bemerkung 40
Die kaufen dann wieder die Kleinen auf. Aber die wollen sich nicht kaufen lassen.
[01:19:32.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Dinosaurier waren riesig und hatten nicht viele Feinde.
[01:19:34.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Irgendwann war das nicht mehr effizient, die sind ausgestorben, wegen einem
Meteoriteneinschlag. Dann kamen die Kleinen.
[01:19:46.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Säugetiere sind aus den kleinen Beuteltieren entstanden.
[01:20:02.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Etwas ähnliches läuft auch in der Wirtschaft.
[01:20:13.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kommt der neue Trend: Small is beautiful oder Black is beautiful.
[01:20:23.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Kanton Aargau hat viele kleine Firmen.
[01:20:23.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kleinfirmen werden zum Teil von den Grossen gefressen.
[01:20:34.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Kleinfirmen neues Zeugs entwickeln, können sie wieder einen Trend in Gang
bringen.
[01:20:42.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Kleinfirmen oder Individuen sind viel flexibler und ideenreicher.
[01:20:48.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben viel Kreativitätsmöglichkeiten.
[01:20:51.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ganz Grossen werden oft träge und sind dann nicht mehr sehr kreativ, nicht mehr
sehr erneuerungsfähig.
[01:21:25.510] – Bemerkung 41
Die KMUs haben auch wieder Auftrieb.
[01:22:15.840] – Bemerkung 42
Ich habe den Film Lucy gesehen mit Scarlett Johansson. Die Geschichte dreht sich um
Lucy, eine junge Frau, die wider Willen zu einer Drogenschmugglerin wird. Ein neues
synthetisches Drogenmittel wird in ihrem Körper versteckt, doch es gelangt
versehentlich in ihren Blutkreislauf und verleiht ihr übermenschliche Fähigkeiten. Mit
jedem Prozent mehr, das ihr Gehirn nutzt, destabilisiert sie jedoch die Welt um sich
herum. Ein Primaten Professor kommt auch vor. Der Film erforscht die Idee, was
passieren würde, wenn ein Mensch die Fähigkeit hätte, 100% seines Gehirns zu
nutzen, und kombiniert Action mit philosophischen und wissenschaftlichen Themen.
[01:22:55.220] – Dr.med. Ursula Davatz
"Lucy", das ist der gebräuchliche Name für das Fossil eines weiblichen Australopithecus
afarensis. Lucy ist kein Schädel, sondern ein etwa 40% vollständiges Skelett, was für
ein so altes Fossil sehr bemerkenswert ist. Sie wurde 1974 in Äthiopien entdeckt und ist
etwa 3,2 Millionen Jahre alt. Der Name "Lucy" stammt von dem Beatles-Song "Lucy in
the Sky with Diamonds", der zufällig im Lager der Paläoanthropologen gespielt wurde,
als das Fossil entdeckt wurde.
[01:23:28.380] – Bemerkung 41
Das wird auch im Film erwähnt.
[01:23:28.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Im Film spielt die Phantasie, wenn wir Menschen dem Gehirn viele Medikamente
geben, dann wird das Hirn so gross und so verrückt und kann so viele Dinge machen.
[01:24:08.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist unsere transzendentale Art.
[01:24:14.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch hat einen transzendentalen Treib. Er will immer weiter und noch mehr.
[01:24:20.220] – Bemerkung 42
Ja, das wir mit Drogen versucht.
[01:24:46.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal wird das auch ins Offsite getrieben.
[01:24:52.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie haben gefragt: Wie geht man mit Religion um?
[01:24:52.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man mit einem religiösen Individuum umgeht, ist es ganz wichtig, dass man nicht
gegen das Religiöse vorgeht. Nicht dagegen missionieren. Die Religion nicht dem
Menschen wegnehmen wollen.
[01:25:40.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Man soll aber auch nicht einfach blind zu allem Ja sagen.
[01:25:40.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist Differenzierungsarbeit.
[01:25:41.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe das so, du siehst das so und ich übersetze das in meine Sprache so.
[01:25:49.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche all diese religiösen Sachen auf eine psychologische Ebene zu holen und
so für mich zu übersetzen, ohne dass ich die religiösen Begriffe irgendwie verurteile
oder verteufeln muss.
[01:26:19.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie machen sie es?
[01:26:19.790] – Bemerkung 43
Für mich stellt sich immer die Frage: geht man in das Kollektiv rein wo die drinnen sind
und versucht irgendwie die Sprache von denen zu erreichen, oder bleibe ich draussen?
Gerade das Thema Erziehung, wenn die Eltern das Gefühl haben, es sei alles Gott
gegeben, was dem Sohn oder der Tochter gerade passiert.
[01:26:45.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Im neuen Testament gibt es Sprüche zum Begriff Talent.
[01:26:55.010] – Dr.med. Ursula Davatz
Talent ist das, was man mitbringt. Früher, im neuen Testament war es eine
Geldwährung.
[01:26:55.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt das Gleichnis. Der eine vergräbt es, der andere vermehrt es und der dritte
verliert es.
[01:27:07.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch die gottgegebenen Talente kann man nutzen oder nicht nutzen, kann man sinnvoll
einsetzen oder nicht.
[01:27:24.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Erziehung wäre, die gottgegebenen Talente sinnvoll zu nutzen.
[01:27:28.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre dann wieder die Aufgabe der Eltern.
[01:27:32.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Eltern nicht an Erziehung glauben, aber sie glauben an die Erziehung und
finden es etwas Wichtiges.
[01:27:37.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche immer, aus dieser Religion herauszuholen, was ich weiss.
[01:27:46.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schlage sie mit den eigenen Mitteln.
[01:27:49.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Verstehen Sie, wie ich meine?
[01:27:51.410] – Bemerkung 44
Sie versuchen ihre Sprache zu sprechen?
[01:27:56.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche nach Möglichkeit, den kleinsten, gemeinsamen Nenner zu finden und
dann in dieser Sprache zu sprechen.
[01:27:57.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gleiche ist die Ethnopsychiatrie.
[01:28:12.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben eine Schweizer Mentalität.
[01:28:13.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Araber hat eine andere Mentalität.
[01:28:17.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche herauszufinden, was sind deine Regeln bei Dir in Bezug auf das? Aha,
das ist bei dir so.
[01:28:23.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei mir, was ich in der Schweiz gelernt habe, ist in Bezug auf das diese Regel gültig.
[01:28:30.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann kann die unterschiedlichen Regeln anschauen. Das ist dann wieder die
Differenzierung.
[01:28:36.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich breche die Religion auf Regeln, Mentalität, Glaubensbilder runter und versuche das
zu verstehen und versuche dann zu erklären wie in meiner Kultur damit umgegangen
wird.
[01:28:45.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche, die beiden Regeln einander gegenüber zu stellen, aber nicht feindlich
einander gegenüber zu stellen sondern einfach anders.
[01:29:05.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Differenzierung ist auch, dass man die Andersartigkeit des Anderen zulässt, sich
nicht einfach eingliedern lässt ins Andere und auch die Andersartigkeit des Andern nicht
zu missionieren versucht.
Auch nicht zu ängstlich sein und gar nichts sagen.
[01:29:49.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Je unruhiger das Gegenüber ist, umso weniger kann man anderes sagen.
[01:29:56.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Je besser die Beziehung ist, umso besser kann man dann seine eigenen Regeln
einbringen.
[01:30:04.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer zuerst die Regeln des Anderen validieren und dann die eigenen bringen. Einfach
gegenüber stellen.
[01:30:19.090] – Bemerkung 46
Wie kann ich als Aussenstehende ein Loch finden? Ich bin ja in der Outgroup.
[01:30:42.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin relativ lange vorsichtig, dass ich relativ wenig anderes sage, bis ich nicht wirklich
das Gefühl habe, dass ich mein Gegenüber verstehe und ein gewisses
Vertrauensverhältnis vorhanden ist.
[01:30:45.890] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst dann komme ich mit anderen Sachen.
[01:30:58.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man andere Dinge zu früh bringt, geht es sofort wieder Ingroup/Outgroup.
[01:31:02.520] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Therapeutensprache sagt man, man muss zuerst eine therapeutische Allianz
bilden.
[01:31:12.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn sie das Gefühl haben: ich habe jetzt die therapeutische Allianz, dann können
sie etwas andere Dinge sagen.
[01:31:20.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Solange sie keine therapeutische Allianz haben, macht es nur Angst.
[01:31:21.640] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Beziehungssprache sagt man zuerst ein Bonding machen.
[01:31:32.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Erst wenn ein gewisses Bonding da ist, dann kann man auch etwas sagen.
[01:31:37.720] – Bemerkung 47
Das alleine ist schon sehr schwierig, die Outgroup zu binden, weil ich aus ihrer Sicht
nicht wirklich geeignet bin.
[01:31:49.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Welche Religion haben ihre Klienten?
[01:31:56.840] – Bemerkung 47
Sie sind in einer Freikirche. Afrikanische Könige, Schweizer. Der Priester ist ein
Afrikaner.
[01:32:38.810] – Bemerkung 48
Die Religion ist immer ein Ressource. Ich mache keinen Unterschied zwischen der
Religion und den persönlichen Glaubenssätzen und Überzeugungen. Es ist wie eine
Software. Ich bin ein Hacker, der sich in die Software einloggt, bis ich es verstanden
habe wie es funktioniert. Wenn ich verstanden habe, wie es funktioniert, versuche ich
das was ich als hilfreich empfinde in dieser Sprache rüberzubringen. Religionen sind
grundsätzlich nicht negativ. Die Religion ist immer ein Regelwerk. Irgendwo in der
Religion findet man dann häufig einen Hinweis, der einen Impuls geben kann.
[01:32:55.530] – Bemerkung 48
Ich frage immer in der ersten Sitzung schon: was haben sie für ein Weltbild, was haben
sie für ein Glaubenssystem? Ich will nicht in den Fettnapf trampen.
[01:33:34.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau.
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