Erziehungsschäden

Erziehungsschäden_21.3.2026

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz
Lika – Erziehungsschäden
21.3.2026
Audio

[31:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich begrüsse Sie alle ganz herzlich zu diesem
Seminar "Erziehungsschäden". Als Psychiaterin bin ich immer wieder konfrontiert mit
Erziehungsschäden. Der Freud hat schon die Erziehung des kleinen Hans
verwendet als eine gewisse Grundlage für seine Theorien. Er ist dann zwar aus
meiner Sicht ein bisschen abgeschweift, aber ich denke, Erziehung ist etwas ganz
Wichtiges.

Heute Morgen habe ich gerade gehört, wie sie Anne Frank am Radio gebracht
haben. Das war ein Teenager, der im Konzentrationslager gelebt hat, auf sehr
engem Raum, und als Ausläufer ihrer Emotionen hat sie ein Tagebuch geführt. Das
ist etwas, wo ich allen Teenagern natürlich sage.

Buben machen es weniger als Mädchen.

Aber ich gebe es auch immer den erwachsenen Personen zum Auftrag, dass, wenn
sie in einer ganz schwierigen Situation sind, dass sie probieren, ihre Gefühle in
Worte zu fassen und noch niederzuschreiben. Das ist eine Regel, dass, wenn man
aufwühlende Gefühle in Worte fasst, aufschreibt, dass dann 50 % vom Stress, von
der Aufgewühltheit weggeht.

Das ist natürlich ein ganz wichtiges neuropsychologisches Ergebnis. Ich komme von
einer Tagung über Makrokriminalität, Schweizerische Arbeitsgruppe Kriminologie.

Erziehung ist eigentlich dazu da, die Individuen zu sozialisieren. Erziehung ist
eigentlich eine Sozialisierung. Diese Sozialisierung ist natürlich immer ausgerichtet
auf ein bestimmtes Kollektiv, eine bestimmte Ethnie, eine Religion etc.

Die Justiz probiert dann, wenn ein Mensch sich fehlentwickelt, probiert sie, mit
Bestrafung den Menschen wieder zurück zum Kollektiv zu holen.

Bestrafung ist aus meiner Sicht keine gute Erziehung.

Bestrafung setzt immer dann ein, wenn man nicht weiter weiss.
[2625:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man überfordert ist. Das können
wahrscheinlich alle Mütter bestätigen, wenn sie ehrlich mit sich sind, dass sie in die
Bestrafung ausarten, wenn sie nicht weiterwissen. Ich möchte jetzt mit Ihnen so ein

bisschen Erziehungsschädigungen anschauen und dann aber auch, und wie kann
man sie beheben.

Denn ich bin ja Therapeutin und ich möchte immer helfen, korrigieren, aber sicher
nicht bestrafen.

Ich habe einmal einen Vortrag gehalten, in Brügg.
[3183:00] Dr.med. Ursula Davatz: Bestrafung als Erziehungsmethode?

Meine Haltung war natürlich ganz klar: Nein, das geht nicht.

Ich hatte dort falsch parkiert und habe mein Auto irgendwo eben rausgestellt und
habe dann eine Busse bekommen. Und dann habe ich den Vortrag an die Polizei
geschickt, an die Brugger Polizei, und gesagt, ob sie mir diese Strafe nicht erlassen.

Haben sie natürlich nicht gemacht. Aber mindestens konnte ich ihnen einen kleinen
Denkzettel geben.

Das ist für mich eine gewisse Befriedigung.
[3786:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die Erziehung findet statt, an erster Stelle
natürlich zu Hause, also bei den Eltern oder bei den Erziehungspersonen. Wenn
man im Heim aufwacht, sind es dann diese Personen. Sie passiert in der Schule. Sie
passiert im Klassenzimmer. Dort ist dann die Erziehung der Gruppe. Wie tut sich die
Lehrerin in der Gruppe oder der Lehrer behaupten und seine Regeln durchsetzen?
Auf dem Pausenplatz. Also Kinder tun sich auch gegenseitig erziehen.
[4314:00] Dr.med. Ursula Davatz: Früher hat es eher wenige Familien gegeben mit
vielen Kindern. Heute gibt es viele Familien mit wenigen Kindern. Das heisst, die
Erziehung durch die Gleichaltrigen oder durch die Geschwister passiert nicht mehr.
Die Kinder sind viel mehr den Eltern ausgeliefert und die Eltern sind viel mehr
präsent bei dem Einzelkind oder bei zwei Kindern. Unsere Fruchtbarkeit, oder nein,
unser Reproduktions- oder das Reproduktionsverhalten geht ja zurück. Also in allen
höher entwickelten Staaten hat man wenige Kinder. Und die nicht so kulturell
entwickelten Länder haben eher viele Kinder. Und dadurch haben wir dann viel
Einwanderung und dann müssen wir die dann neu erziehen. Dann passen die zum
Teil nicht in unsere Gesellschaft.
[5377:00] Dr.med. Ursula Davatz: In der Kindheit lernt das Kind Regeln. Es lernt
Verhaltensmuster und es lernt auch Denkmuster. Früher ist die Erziehung, jetzt
spreche ich vom westlichen Kulturraum, von der Religion gemacht worden. Also die
ersten Schulen waren religiöse Schulen. Ich war in Engelberg, dort habe ich noch
das grosse Internat gesehen, wo die Kinder erzogen wurden von den Mönchen.

Das Kind wird bei dieser Erziehung erzogen, damit es sich dann in dem Kollektiv,
wo es dazugehört, gut bewegen kann, nicht zu viel Anstoss, also dass es möglichst
reibungslos läuft. Aber in unserer westlichen individualisierten Gesellschaft erwartet
man auch, dass das Kind individuelle Leistungen erbringt. Das geht nicht immer
miteinander, stimmt nicht immer miteinander überein.

Wir wollen, dass die einzelnen Individuen, wir sind eine stark individualisierte
Gesellschaft, und wir wollen, dass die sich auch durchsetzen. Von dort her ist dann
immer eine Art Balance zu finden zwischen anpassen und durchsetzen.

Die Mädchen passen sich in der Regel mehr an, oft zu Ungunsten von sich selber.
Also sie passen sich an, damit das Kollektiv gut funktioniert. Die Mütter müssen auch
schauen, dass die Familie gut funktioniert.

Die Jungen trauen sich eher, ein bisschen aggressiv zu sein und neben
rauszugehen.
[6989:00] Dr.med. Ursula Davatz: Bei einem Mädchen erlaubt man das nicht so
oder hat es nicht so gerne. Also es ist einfach keine Tradition. Während Männer, die
sich nicht anpassen und durchschätzen, die werden dann manchmal zu Helden. Es
gibt nur ganz wenige Heldenfiguren bei den Frauen, die sich nicht angepasst haben.
Die Erziehung, wie ich schon gesagt habe, ist also geprägt durch die bestehende
Kultur, unsere westliche Kultur. Sie ist geprägt durch die Religion.
[7501:00] Dr.med. Ursula Davatz: Sie ist geprägt durch die Ethnie. Also ja, wenn
man aus dem Balkan kommt, hat man ein bisschen andere Regeln.

Sie ist geprägt durch die Nationalität. Also unsere schweizerische Erziehung gilt als
sehr gute Erziehung.

In dem Sinne haben Diktatoren ihre Kinder in die Schweiz geschickt, um zu
erziehen. Der Kim Jong-un war drei Jahre in Bern unter einem Decknamen im
Internat und hat die schweizerische Erziehung genossen.

Der ehemalige… Und ich geniere mich natürlich, dass er sich so benimmt. Also seine
Herkunft hat mehr durchgeschlagen als unsere schweizerische Erziehung.

Der Schah, der ehemalige Chef vom Iran, der war fünf Jahre in einem Internat im
Welschland. Er berichtet dort darüber auch, dass das sehr prägende Jahre waren,
dass er sehr viel Kollegialität gelernt hat. Hat dadurch eine enge Beziehung
bekommen zur Schweiz, ist dann immer wieder nach St. Moritz, hat dort immer in
einem schönen Haus gewohnt.

Dann sind die Schweizer nicht an seine grosse Feier gegangen, dann war er
beleidigt und dann ist die Beziehung zwischen der Schweiz und dem Schah von
Persien ein bisschen kaputt gegangen.

Die Schweizer haben sich damals nicht getraut, sie waren dann natürlich auf der
anderen Seite, auf der demokratischen und sicher nicht auf der autoritären.

Solche Sachen passieren dann über Erziehungsprägungen.

Heutzutage läuft die Erziehung sehr stark über elektronische Medien. Das heisst,
Kinder gehen schon früh ans Natal. Viele Eltern verwenden auch das Mobile um das
Kind zu unterhalten. Das funktioniert immer. Wenn man ruhig innen Arbeit machen
will, gibt man dem Kind das Mobile.

Dann funktioniert. Das Kind kann es dann besser als die Eltern.
[9794:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es werden natürlich Inhalte präsentiert, die alle
zusammen auf Konsum ausgerichtet sind. Das heisst, die Medienanbieter verdienen
an dem. Die Einschaltquote. Die Kinder, also speziell, jetzt komme ich zu den
Teenagern, also ich denke, die Teenagerphase ist eine der wichtigsten Phasen. Da
entwickelt man seine Persönlichkeit, man sollte sie entwickeln. Da wird man
programmiert von diesem Internet.
[10309:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es wird eigentlich alles so ein bisschen
egalisiert. Was zählt, ist der Verkauf, das heisst, die Erscheinung in den Medien. Die
Visibility, die Öffentlichkeitserscheinung. Es buhlen eigentlich alle auf die
Aufmerksamkeit vom Kollektiv. Man muss sich irgendwie entweder ganz nach dem
letzten Trend anlegen, benehmen und so weiter, oder dann wieder rausstechen.
[10905:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist eine fatale Angelegenheit. In diesem
Augenblick haben dann die Eltern nicht mehr so viel zu sagen. Die Lehrer kommen
auch nicht durch. Man hört jetzt schon von Schulen, Gewerbeschule und Gymi, dass
Kinder in der Stunde, an ihrem Mobile herum machen, dass sie Aufgaben lösen mit
ChatGPT, also dass sie gar nicht nicht mehr denken lernen. Sie entwickeln von dort
her gar keine eigene Persönlichkeit mehr. Das sind zukünftige Erziehungsschäden.
[11490:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich schaue die an, die ich erlebe in meiner
Praxis. Die KI und es wird ja viel diskutiert. Ich will sie überhaupt nicht verteufeln. Sie
kann in vielen Momenten sehr hilfreich sein. Aber dadurch, dass so viel angeboten
wird an Routinearbeit, alles Wissen kann man aus dem Internet holen, ist eigentlich
die Wissensvermittlung in der Erziehung nicht mehr das Wichtigste.
[12091:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die Moralvermittlung, die sozialen Gesetze, die
Menschlichkeit. Die kommt nicht durch über das Internet. Man weiss auch, also
wenn ein Mensch, wenn ein menschliches Hirn sich mit dem Mobile, also mit dem

Internet, auseinandersetzt, werden viel weniger Hirnaktivitäten ausgelöst, als wenn
sich der Mensch mit einem anderen Menschen auseinandersetzt.
[12621:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die menschliche Auseinandersetzung verlangt
noch feinere Sachen. Das Hirn muss mit mehr Sachen reagieren. Das erlebe ich
jetzt auch, wenn ich zum Beispiel Therapien am Telefon mache. Dann kann ich
neben dran, ich kann zwar reden, aber ich kann immer noch anderes Zeugs
anschauen, sodass ich ein bisschen abwesend bin. Das ist natürlich nicht das
Gleiche. Hingegen, wenn man sich einander gegenübersetzt, steht, dann nimmt der
Mensch alle möglichen feinen Sachen wahr, die wieder eingespiesen werden in die
Erziehung. Früher waren die Lehrer und Pfarrer und die Ärzte so die, die alles
gewusst haben. Heute weiss das Internet alles. Man geht sofort recherchieren, was
sagt das Internet. Aber das Angebot, das vom Internet kommt, ist immer so ein
bisschen ein egalisiertes, ein geschmeidig gemachtes. Auch die Sprache ist so ein
bisschen egalisiert. Da fehlen dann ganz spezielle menschliche Sachen.
[13657:00] Bemerkung 1: Ich habe gerade eine Kollegin gehabt, die in Australien
war. Die Kinder sind ganz anders. Bis 16 Jahre keine Mobiltelefone. Das ist seit
Dezember so. Das sagt auch unsere Tochter, die auf einer Schule arbeitet. Es ist
fast wie früher.
[15051:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ein autoritärer Erziehungsstil hat sich
durchgesetzt. Australien, England. Mit Duden, wieder in einem Buch lesen.
[15597:00] Dr.med. Ursula Davatz: Australien hat das sehr radikal gemacht. Sehr
mutig, viele bewundern das. Frau Martina Bircher setzt das in der Schule ein.
[16145:00] Bemerkung 2: In Australien ist das Mobile verboten bis 16 Jahre,
komplett verboten.
[16647:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das limbische System und das emotionale
System hat sich ausgebildet bei allen sozialen Tieren. Speziell natürlich bei den
Säugetieren und zu denen gehören wir. Wenn das Lernen, das soziale Lernen, nicht
mehr über eine Beziehung läuft, sondern über ein kaltes Internet, dann fehlt da
etwas. Da sagt man sogar, dass das der Hippocampus im emotionalen Hirn, im
limbischen System, dass der ein bisschen geschrumpft ist.
[17188:00] Bemerkung 4: Das glaube ich sofort. Ich konnte alle Telefonnummern
auswending.
[17748:00] Bemerkung 3: Das Bindungsverhalten, das Beziehungsverhalten ist
etwas ganz Wichtiges für das soziale Lernen. Man hat das ja auf eine Art ein
bisschen festgehalten. Man hat immer von IQ, also Intelligenzquotient, geredet. Jetzt
spricht man auch von EQ. Aber angeschaut wird der nicht. Das ist ein theoretisches
Konzept. Also EQ ist der emotionale Intelligenzquotient. Eigentlich müsste man da
sagen: soziale Intelligenzquotient. Wir haben ja das Beispiel von Elon Musk.
[18253:00] Bemerkung 3: Hochintelligent, schrecklich aufgewachsen, mit einem
ganz, ich sage jetzt mal, schwierigen Vater, der stolz ist, dass die Kinder ihn hassen.
Also er hat gesagt, ich bin stolz darauf, wenn meine Kinder mich hassen. Das kann

es ja nicht sein. Er reproduziert dann, weiss ich nicht, was, 14 Kinder, alles künstlich.
Also das ist schon ein bisschen ein Degenerationseffekt.
[18716:25] Dr.med. Ursula Davatz: Man hat in der westlich gebildeten Gesellschaft
sehr viel Wert auf IQ gelegt, also auf die Hirnaktivität von unserem Grosshirn, und
relativ wenig auf die soziale Erziehung. Und das hat dann mit sich gebracht, dass
Menschen, die emotional zu kurz gekommen sind, dass man die leicht mit
Massenbewegungen, also mit diesen ganzen populistischen Bewegungen abholen
kann.
[19305:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich mache dann immer das Bild vom
Rattenfänger von Hameln, wo der Rattenfänger schöne Musik gespielt hat und alle
Kinder sind hinten reingelaufen. Das hat die Gesellschaft, das Kollektiv, befreit von
den Sorgen, die man hat mit Kindern, aber auch von den Kindern. Das ist ein
bisschen das Bild, das mir jetzt so ein bisschen aufkommt. Ich finde, es ist absolut
wichtig, dass wir uns wieder um die Erziehung kümmern und um die menschliche,
die soziale Sozialisation. Das Wissen nicht alles ist. Das kann man ja heutzutage
alles holen.
[19946:00] Dr.med. Ursula Davatz: Was man mit dem Wissen macht und wie man
das verknüpft, das ist dann wieder eine individuelle Angelegenheit. Da, wenn ich von
der akademischen Welt spreche, auch jetzt wieder von dieser Tagung, wir tun uns,
also die Akademiker holen sich Wissen über Statistiken. Das heisst, man macht
Zählungen von, wer macht wie viel von was.
[20459:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die Statistik ist dann die Wahrheit. Das ist keine
individuelle Wahrheit. Ich habe keine einzige Statistik, ich habe ein paar gemacht,
aber ich plädiere natürlich immer für die persönliche Erkenntnis und persönliche
Wahrheit und nicht einfach nur die gezählte Wahrheit. Da tue ich dann den Albert
Einstein, der ja Physiker war und Nobelpreis bekommen hat, der in den Aarauer
Kantonsschule gegangen ist, zitiere ich den und der sagt:
[20968:00] Dr.med. Ursula Davatz: Nicht alles was zählbar ist zählt und nicht alles
was zählt kann man zählen.
[21538:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn ich mich nicht an die Statistiken halte,
punkto IV-Zeugnis oder Arbeitsunfähigkeitszeugnis, dann zählt das nicht. Die halten
mir dann immer die Diagnose vor Augen. Sie haben nicht die richtige Diagnose
aufgeschrieben und dann wird ich immer verrückt. Dann fange ich dann so ein
bisschen an, aufzählen. Aber als Erstes probiere ich immer, die menschliche
Geschichte dieser Person zu erzählen und ein bisschen einsehbar auf einfache Art.
[22056:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich möchte eigentlich ans menschliche
Gewissen von denen appellieren, aber ich komme nicht immer durch und dann muss
ich dann halt auch aufzählen. Dann kommt eine Litanei von Diagnosen, damit man
ernst genommen wird. Aber den Menschen nimmt man nicht ernst, nur die Diagnose.
Das ist natürlich auch wieder, das ist eine Riesenkritik an der heutigen Medizin. Ich
habe ja in dem Sinne auch ein Buch publiziert im letzten Jahr. Da sage ich, ADHS/

ADS, Folgekrankheiten. https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhsads-folgekrankheiten/[22637:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich leite fast alle, ich könnte sagen allen, alle
Krankheiten von… In der Psychiatrie leite ich aus dem ADHS ab. Das ist überhaupt
nicht durch bei den Psychiatern. Es wird dann immer von Komorbidität geredet.
Gerade jetzt an dieser Tagung habe ich einen getroffen, ein Heimleiter war das, der
gesagt hat er hat noch die Diagnose manisch-depressiv, also bipolare Störung. Die
bipolare Störung sei das Wichtige und das ADS sei das Kleine hintendran. Da habe
ich gesagt: genau umgekehrt. Genau umgekehrt. Das ADHS ist eine genetisch
vererbte Veranlagung. Heute spricht man ja eher von divergenten Neurotypen, die
mehr sensibel sind, die mehr stresssensibel sind, und dann kann es alle möglichen
Krankheiten entwickeln. Und das habe ich probiert, auseinanderzunehmen in
meinem neuen Buch.
[23800:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich komme natürlich überhaupt nicht durch bei
den Psychiatern. Man bleibt so sehr stark auf der vorgefassten Meinung. Da kann
ich nochmal etwas dazu sagen, das ist jetzt wieder eine Statistik. Man sagt,
Fachleute, also Wissenschaftler, sind bornierter als der Durchschnittsmensch. Weil
sie natürlich ihre Theorie entwickeln wollen. Das Gleiche kann man von der Politik
sagen.
[24414:00] Dr.med. Ursula Davatz: Man macht Arbeitsgruppen, wo Leute aus dem
gewöhnlichen Volk gewählt werden, die sich äussern sollten zu einem Thema. Auf
der anderen Seite hat man die professionelle Arbeitsgruppe. Die Ideen, die aus dem
allgemeinen Volk kommen, sind nicht schlechter als die Ideen der Fachleute.
Vielleicht sind sie weniger voreingenommen, weniger verdreht. Das wäre jetzt mal so
ein bisschen eine allgemeine Einleitung, also Bindungsverhalten.
[25000:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich bin spezialisiert auf das ADHS, oder das ist
eines meiner Steckenpferde. Ich sage, nicht jeder Erziehungsstil passt zu jedem
Kind. Ich bringe die Bauern und Akademikerfamilien. Wenn man in der
Akademikerfamilie ein handwerklich talentiertes Kind hat, aber es hat eine
Legasthenie, dann kommt das ein bisschen unter die Räder. Denn die
Akademikerfamilien wollen ja, dass ihre Kinder auch studieren und da hohe Sachen
erreichen.
[25576:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man in einer Bauernfamilie intellektuelle
Fähigkeiten hat, aber zwei linke Hände, dann kommt man in der Bauernfamilie
darunter. Weil man dort nicht gut ist, nicht helfen kann. Es geht immer um die
Passung. Wenn etwas nicht passt, also wenn der Erziehungsstil und das Wissen des
Kindes nicht passt. Man hat einen sehr sportlichen Vater und der hat einen Sohn,
der gar nicht gerne Sport hat. Dann hat der Vater immer Probleme mit dem Sohn,
weil der nicht mitmacht.
[26146:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann haben wir schon eine gewisse
Erziehungssperre. Es gibt ein Buch, es ist zwar vergriffen, die Passung. Wenn die

Passung zwischen Naturell vom Kind nicht stimmt, dann kann das Kind völlig kaputt
gemacht werden. Aus der Tierwelt weiss man das. Wenn man ein Rennpferd, ein
arabisches Rennpferd, erzieht wie eine Kuh, dann kommt nichts Gutes raus. Dann
wird es kaputt gemacht. Wenn man einen sehr sensiblen Hund anschreit, dann lernt
er auch nichts.
[26738:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dann sagt man der Erzieher, also der Dresseur,
der kann das nicht. Jetzt bei uns Menschen erwartet man immer, dass das Kind sich
im eigenen Erziehungsstil anpasst. Das ist Gehorsam. Da gibt es jetzt sogar eine
neue Diagnose, die von Amerika kommt. PDA: Pathological Demand Avoidance.
[27251:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da wird nichts anders, also pathologische
Ungehorsam, also Ungehorsam wird schon pathologisiert. Es ist eine Sendung
gekommen am SRF1, PDA, Pathological Demand Avoidance, die Sendung heisst:
Familien am Limit. https://www.srf.ch/play/tv/dok/video/familien-am-limit—wenn-kinder-alle-grenzen-sprengen?urn=urn:srf:video:05fa55a5-dbbf-40a2-9029-4b8f5b81f2b8 – Ich habe diese Sendung geschaut. Ich habe
gesehen, also es waren alles nette Mütter, aber die haben sich nicht dem Kind
entsprechend verhalten.
[27772:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die haben sofort erziehen wollen und nicht
zuerst das Kind abgeholt. Ich habe jetzt einige solche Situationen, wo Kinder die
Schule verweigern. Dann kommt die Schule, die sagt, also wenn das Morgen nicht in
die Schule kommt, dann schalten wir das KESB ein. Oder man holt das Kind sogar
mit der Polizei ab. Aber man fragt das Kind nie, was hat dir nicht gepasst? Was hat
dich gestört? In der therapeutischen Sprache sagt man, man muss immer zuerst das
Gegenüber, also den Patienten, den Menschen validieren.
[28374:00] Dr.med. Ursula Davatz: Erst dann darf man sagen, ich will das. Wir
überfahren diese Menschen, diese Kinder und sagen gerade, was wir wollen von
ihnen. Wir wollen gerade zur Erziehung gehen, ohne dass wir das Kind
kennenlernen. Wir leben natürlich in einer sehr effizienten und leistungsorientierten
Gesellschaft und dann will man dem Kind gerade die Leistung aufzwingen, damit es
dann erfolgreich ist.
[28899:00] Dr.med. Ursula Davatz: Viele machen den Gymnasiumabschluss und
nachher kommt nichts. Das gibt es in Japan. Also diese starke Intellektualisierung in
der Erziehung, in der westlichen Gesellschaft, die ist zum Teil zum Schaden der
Kinder.
[29234:36] Bemerkung 5: Wenn zum Beispiel jetzt eben wegen dem Validieren
zuerst, wenn jetzt zum Beispiel ein zweijähriges Kind immer die grosse Schwester
beisst, was macht man da?
[29492:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da kann man nicht validieren. Da muss man
selber beobachten. Wenn ein Kind die Schwester beisst, dann will das Kind mit
dieser Schwester interagieren. Ich habe mal in einer Pflegefamilienweiterbildung

gesagt, das ist eine ungeschickte Art, Kontakt aufzunehmen. Da komme ich, ich
mache ja diese vier Stressverhalten: Fight, Flight, Freeze and Tease.
[30003:00] Dr.med. Ursula Davatz: Teasing ist Necken, und das ist jetzt auf der
intellektuellen Ebene. Aber Tiere können ja nicht necken, aber das Beissen ist
Necken. Das ist eine Kontaktaufnahme. Ich will mit dir spielen, ich will etwas von dir.
[30247:43] Bemerkung 6: Es ist von meiner Tochter, die hat Kinder.
[30585:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das entsteht häufig, also man hat ja immer
Angst, wenn man ein Kind hat, dann kommt ein Neues auf die Welt,
[31144:00] Dr.med. Ursula Davatz: Dort hat man beim Älteren Angst, dass es mit
dem Kleinen nicht umgehen kann. Dann trennt man die oft. Also zwischen dem
Kleinen, der beisst, und dem anderen, der gebissen wird, muss man vermitteln. Da
muss man schauen, wie kann man vermitteln kann. Was will sie von ihr? Sie will
spielen mit ihr. Ich würde sagen, weisst du, die will spielen mit dir.
[31546:21] Bemerkung 7: Das hat sie alles schon gemacht. Alles. Es ist immer nur
am Freitag, wo die Grosse den ganzen Tag zu Hause ist.
[31678:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist dann wie Futterneid. Wenn man zwei
Hunde hat oder Katzen…
[31769:41] Bemerkung 8: Samstag und Sonntag geht es wieder. Dann hat sie sich
schon daran gewöhnt, dass sie auch wieder Samstag/Sonntag da ist. Am Ende geht
es wieder. Es ist jeden Freitag.
[31998:59] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, also da wäre ich sehr aufmerksam und
würde die Kleine begleiten, validieren. Was möchtest du von deiner Schwester, was
machen wir miteinander?
[32245:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die will etwas, das sie nicht recht sagen kann.
Die weiss ihre Bedürfnisse nicht, die kann sie nicht intellektualisieren, die macht
einfach.
[32420:08] Bemerkung 9: Die Grosse ist natürlich dann klar, die flippt dann aus und
wird bestraft, weil sie älter ist.
[32799:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist alles schon intellektuelle Erziehung. Es
muss Beziehungserziehung sein. Man muss die Grosse natürlich auch begleiten, wie
macht sie das mit dem. Sie weiss ja, die kommt jetzt zum Beissen. Da kann man ihr
einen Knochen hinhalten und sagen, schau, du darfst hier beissen. Bei Hunden
macht man das auch. Wenn die einen Schuh verknetschen, dann sagt man, nimm
da deinen Knochen, und dann kannst du beissen.
[33188:22] Bemerkung 10: Die Hunde machen nur etwas kaputt, wenn es ihnen
langweilig ist.
[33342:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das Beissen ist Spielverhalten. Das ist eben
Teasing. Teasing ist Necken, also wir sagen, was sich liebt, das neckt sich im
Liebesverhalten, kommt es auch wieder. Teasing ist Annäherungsverhalten, ich
mache irgendetwas und schaue dann, wie der andere reagiert. Wenn der andere

einen abstosst, dann kommt man ja nicht zum Resultat, dass man mit dem spielen
kann.
[33808:30] Bemerkung 11: Sie macht es nur von hinten. Es wird schnell zu einem
Zirkus.
[34035:00] Dr.med. Ursula Davatz: Man muss in das Spiel einsteigen und mit
denen zusammen hier die Annäherung ein bisschen begleiten. Nicht mit Bestrafung,
nicht mit intellektuell, sondern wirklich praktisch.
[34231:37] Bemerkung 12: Ins Spiel reingehen, wie ein Hund und einzeln
schnappen.
[34304:19] Dr.med. Ursula Davatz: Jetzt spielen wir mal Hündchen. Die jungen
Hunde, wenn ich denen die Hand hinhalte, dann beissen die meine Hand aber mit
Milchzähnen, das ist nicht schlimm. Das ist Spiel, das ist lustig. Ja, das ist
Spielverhalten.
[34703:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das natürliche Spielverhalten haben wir ein
bisschen verloren. Man spielt nur noch nach, ich weiss auch nicht, Spielkonsolen,
Computerregeln usw.
[34853:11] Bemerkung 13: Sie hat sehr viel Aufmerksamkeit, es passt einfach nicht.
[35227:00] Dr.med. Ursula Davatz: Mitspielen, mitspielen, Hündchen spielen und
so das Ganze ein bisschen, wie soll ich sagen, entlasten. Man muss ein bisschen
die eigene Fantasie walten lassen. Alle jungen Hündchen spielen miteinander. Da
sagt man dann, wenn das Kleine die Erwachsenen beisst, dann hat das
Welpenschutz. Da beissen wir nicht zurück. Die Hunde erzieht man nicht mit, du
darfst das nicht, du hast jetzt genug gehabt, weiss ich noch nicht. Ich kenne natürlich
viele Leute, die ihre Hunde so erziehen, da muss ich sagen, das geht nicht.
[35870:16] Bemerkung 14: Der Welpenschutz hat den Welpen nur im eigenen
Rudel.
[36048:00] Bemerkung 14: Wenn die Welpen beissen und man lacht, zeigt man die
Zähne. Die Hunde zeigen dir Zähne, wenn sie dich fern halten wollen, dich angreifen
wollen. Wenn der Mensch lacht, macht er, hä, ist lustig, oder?
[36271:03] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist falsch. Das ist ein falsches Signal. Ja,
das ist interessant. Das muss man der Menschheit beibringen. Das ist natürlich
Clan-Verhalten. Die haben immer Clan-Verhalten.
[36505:33] Bemerkung 14: Die Mutter tut immer den Welpen erziehen, nicht mit
Strafe. Wenn die Mutter zum Beispiel etwas nicht will, dann steht sie auf und läuft
weg. Sie steht auf und läuft weg. Genau. Sie beisst nicht zurück.
[36844:00] Bemerkung 14: Ich habe zwei Hunde. Ich verstehe Hunde sehr gut.
Menschen reissen oft am Hund oder Bellen den Hund an.
[37344:00] Dr.med. Ursula Davatz: Mitspielen, nicht moralisieren, nicht
intellektualisieren, mitspielen und schauen, was geht.
[37502:57] Bemerkung 15: Gestern ist es eskaliert.

[37528:11] Dr.med. Ursula Davatz: Ich bin mit einer Mutter auf den Spielplatz
gegangen. Die hat einen Buben, der sehr aktiv ist und sicher ein ADHS-Kind, sie ist
auch eines. Dann hat er irgendetwas gemacht und sie hat nein, nein, das nicht, das
nicht. Die werfen dann gleich mal mit Wasser. Dann habe ich dann mit ihm gespielt.
Dann habe ich gesagt, jetzt renne ich dir nach und werfe dir auch Wasser an. Dann
ist er davon gesprungen und so hin und her. Also spielen. Wir haben spielen verlernt.
Man muss spielen mit diesen Kindern. Im Spiel gibt es dann die Regeln. Eben die
grossen Familien, da haben die Kinder miteinander gespielt und haben von den
Grösseren gelernt.
[38496:00] Dr.med. Ursula Davatz: Manchmal fürsorglich. Manchmal hart, das fällt
alles weg.
[38553:44] Bemerkung 16: Das bestätigt es mir jetzt gerade. Am Montag, wenn wir
hüten, haben wir die volle Zeit für die Kinder. Wir spielen immer.
[39073:00] Dr.med. Ursula Davatz: Man kann das Gen untersuchen. indem man
Gene richtig analysieren kann und dann schaut, was für körperliche Reaktionen
dieser Mensch hat auf irgendeine Medizin, dann sagt man personalisierte Medizin.
Wir Psychiater, der Professor Hell und ich, hatten mal davon gehabt, wir sind
verrückt, dass man das personalisierte Medizin benennt. Gene sind nicht
personalisiert.
[39574:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wir haben zu 99% gleiche Gene wie der Affe
und sind ganz anders. Da hat es noch andere Prozesse dazwischen. Das ist wieder
der Glaube an die, wie soll ich sagen, mechanische, mechanistische Medizin.
[40083:00] Dr.med. Ursula Davatz: Die prägende Phase in der Erziehung wo das
Kind langsam die Regeln lernt und internalisiert, die läuft zwischen 9 und 13 Jahren
ab, sagt man. Da tun viele Kinder ja auch so Spiele machen, aber eben heute halt
eher so. Wir haben noch Hüpfspiele gemacht, Ballspiele usw., also alles kombiniert
mit Motorik. Das ist nur noch kombiniert mit dem Daumen.
[40584:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da sagt man sogar, das Areal der Finger wird
kleiner und nur noch das Daumenareal im Hirn ist gross. Das wird sehr geschickt.
Also die meisten schreiben, ich kann es nicht, die schreiben ja so auf dem Mobile.
Der Mensch ist eine seelisch-körperliche Einheit.
[41089:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der Körper müsste mit einbezogen sein. Um
den Körper zu betätigen, geht man dann ins Fitnesszentrum und macht lauter
gleiche Bewegungen. Irgendwie haben wir ein komisches Verständnis vom
Menschen. Anstatt dass man ja noch Arbeiten macht von Hand oder bastelt oder halt
spazieren geht, baut man dann relativ mechanisch seinen Muskelkörper auf. Ich bin
jetzt ein bisschen kritisch.
[41657:00] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist eine sehr prägende Phase. Die zweite
wichtige Phase wäre die Pubertät. In der Pubertät, der Mensch wird geboren mit
ganz vielen Synapsen, also sehr vielen Verbindungen im Hirn. Mit unendlich vielen

Möglichkeiten. Was Sprache und Erkennung der Sprache oder die Tonalität der
Sprache betrifft.
[42195:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ein Kind von 0 bis 2 hört noch alles. Ab 2 fängt
das Kind an, zu reduzieren auf die Muttersprache. Damit es die erkennt und das
andere aushalten kann. Sonst hat es einfach immer Lärm, wie der Staubsauger. Man
tut ja Kinder auch mit Staubsaugern beruhigen. Das ist ein undifferenzierter Lärm,
einfach ein Geräusch. Da lernt das Kind die Muttersprache zu hören.
[42716:00] Dr.med. Ursula Davatz: Schlussendlich dann sprachlich wiederholen.
Man sagt, man kann Sprache nur akzentfrei lernen vor der Pubertät. Wenn man in
die Pubertät kommt, dann ist das Hirn schon so fixiert, dass unser Kehlkopf das nicht
mehr so gut kann. Es gibt sehr begabte Leute, die es auch dann noch können, eine
Sprache akzentfrei lernen, aber der Durchschnitt nicht.
[43245:00] Dr.med. Ursula Davatz: In der Pubertät, das habe ich vielleicht auch
schon gesagt, da werden dann die vielen Synapsen, die wir haben im Hirn, die
werden zum Teil gehabt, man sagt Synaptic Pruning, also die werden zerstört und es
werden Bahnen gemacht im Hirn. Zu diesen Bahnen gehört natürlich dann, das sind
dann Gewohnheiten, das ist Persönlichkeit, also in der Pubertät muss das Kind
seine Persönlichkeit herausbilden, der Jugendliche.
[43797:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man den Jugendlichen ständig stört in
seinen Eigenheiten oder ihn zu etwas ummodellieren will, also wenn ein Akademiker
aus seinem eigentlich handwerklich begabten Sohn einen Akademiker machen will,
dann scheitert man. Wenn ein Bauer seinen intelligenten Sohn nicht ins Gymnasium
gehen lässt und für ihn hat man das nicht zahlen können, dann ist man auf
Engelberg gegangen, ins religiöse Gymnasium.
[44300:00] Dr.med. Ursula Davatz: So konnte er dann noch diese Bahn verfolgen.
Wenn er das nicht lässt, dann vermodert diese Fähigkeit und es gibt eine
Fehlentwicklung. Dort gibt es dann Krankheiten, Delinquenz, weiss ich nicht was
alles. Also indem wir die natürlichen Ressourcen eines Kindes umerziehen wollen,
machen wir es kaputt und haben Krankheiten. Dann hat man eine psychiatrische
Krankheit.
[44808:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der, den ich gestern angetroffen habe, der
gesagt hat, er sei bipolar. Da habe ich gefragt, wann ist das zum ersten Mal
aufgetreten? Dann hat er gesagt, er habe einfach zu viel Arbeit gehabt. Das ist auch
typisch wieder für die ADHSler, wenn sie fokussiert sind, etwas machen wollen,
können sie nicht mehr aufhören. Schlussendlich hat er durchgedreht. Jetzt ist er voll
mit Medikamenten.
[45308:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wenn man nicht persönlichkeitsgerecht oder
ich könnte jetzt sagen, genomgerecht mit dem Kind umgeht, wenn man das
wegerziehen will, dann hat man ein Problem und hat man alle möglichen
Krankheiten. Das wäre so eine kleine Einleitung. Jetzt möchte ich Sie eigentlich

fragen, zuerst mal persönlich, haben Sie in Ihrem Kinder- und Jugendleben
erziehungsschädigende Massnahmen erlebt und was für welche?
[45834:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wer hat Kinder gekannt oder Erwachsene
gekannt oder in der Schule so Menschen gesehen, die sogenannten
Erziehungsschäden hatten?
[45986:35] Bemerkung 17: Ich musst ohne das Abendessen ins Bett.
[46035:31] Dr.med. Ursula Davatz: Das ist ein Erziehungsschaden. Das sagt man
heute, das darf man nicht mehr machen.
[46148:11] Bemerkung 17: Nein, das wollte ich sagen. Also ich finde das eine der
schlimmsten Strafen, die es gibt.
[46270:21] Dr.med. Ursula Davatz: Haben Sie es als schlimm empfunden?
[46319:13] Bemerkung 17: Extrem. Ja, extrem.
[46362:00] Dr.med. Ursula Davatz: Können Sie ein bisschen sagen, was haben Sie
für Bilder entwickelt? Sie sind von der Gesellschaft aus, also nein, vom Kollektiv
ausgeschlossen worden?
[46514:36] Bemerkung 17: Ja, ich bin unehelich geboren. Das ist durch mein Leben
durchgegangen. In der Pubertät war es dann ganz schlimm, weil die ganze Familie
hast du gehört am Tisch, das Salatbesteck erst recht noch gehört, oder den Löffel.
Ich bin aus einer Bagatelle gestraft worden. Mhm. Ich weiss nicht mehr, was für
Strafen das waren. Also warum ich die Strafe bekommen habe. Ich weiss einfach,
dass es mindestens einmal im Monat passiert ist.
[47039:00] Bemerkung 17: Irgendwann mal konnte ich offiziell dann einen Vorrat
anschaffen, via einer Kollegin, die mir mein Dessert gebracht hat. Wirklich ohne das
Abendessen ins Bett, das wünsche ich wirklich niemandem.
[47306:31] Dr.med. Ursula Davatz: Sie sind zweimal gestraft worden. Auf einer
ethisch-moralischen Ebene. Sie konnten ja nichts dafür. Sie waren ein uneheliches
Kind. Unehelich geboren. Da haben Sie nicht ins religiöse Schema gepasst. Obwohl
Sie gar nichts dafür konnten.
[47662:00] Dr.med. Ursula Davatz: Da sind Sie schon von Geburt her, sind Sie
stigmatisiert worden, dass Sie ein falsches Kind sind. Da gibt es ja dann auch Wörter
dafür und Namen. «out of wedlock», sagen sie, glaube ich, die Engländer oder die
Amerikaner. Ja, also da hat schon die Erziehung angefangen. Also Ihre Mutter hat
etwas falsch gemacht. In den Augen von…
[48019:16] Bemerkung 17: Man kann sich dann durch das, wir kennen uns ja schon
lange, aber durch das kann man ja dann eben auch Positives daraus machen.
[48218:00] Bemerkung 17: Letztens im Migros habe ich das gehört. Es ist immer
noch allgegenwärtig. Dann bin ich ins Gespräch rein.
[48431:42] Dr.med. Ursula Davatz: Erziehungsschäden sind alles Prägungen. Die
verliert man in diesem Fall in diesem Sinne nicht. Aber man, wie soll ich sagen, man
kann sie verarbeiten, sodass sie einem nicht mehr schaden. Aber die Erinnerung hat

man. Wenn man es dann hört, noch einmal, dass jetzt man… Das ist ein Trigger. Das
ist klar. Ja. Was haben andere für Erziehungsschäden bei sich oder bei anderen?
[48927:16] Bemerkung 18: Ich musste auch ohne Essen ins Bett. Mir war das
schässegal.
[49007:27] Dr.med. Ursula Davatz: Ah ja, das ist lustig.
[49038:22] Bemerkung 18: Meine Schwester hat mir immer Essen gebracht. Für
mich war es dann viel schlimmer, dass sie mir später den Vorwurf gemacht hat, ich
habe dir immer Essen bringen müssen. Der Vater hat geschlagen, also mit dem
Suppenlöffel auf den Kopf. Das war für mich viel schlimmer. Ich bin nie ins Bett.
Einfach neben dem Bett oder auf dem Sofa oder auf dem Stuhl.
[49818:00] Bemerkung 19: Wenn ich mich mit meinem Bruder gestritten habe, bin
ich geschlagen worden und immer ich habe den Teppichklopfer bekommen.
[49951:56] Dr.med. Ursula Davatz: Sind Sie älter oder jünger gewesen?
[49991:08] Bemerkung 19: Älter. Vom Vater geschlagen. Er meinte, der Bub ist
mehr wert? Heute setze ich mich sehr für die Frauen ein. Der Bruder war ein Jahr
jünger.
[50367:00] Dr.med. Ursula Davatz: Und was hat man gesagt dazu, wenn Sie
gestritten haben mit dem kleineren Bruder? Nur ein Jahr jünger.
[50457:40] Bemerkung 19: Irgendwann habe ich gesagt, du kannst mich schon
schlagen, das macht mir nicht mehr weh. Ich habe das Po hingestreckt. Ich habe
rebelliert.
[50884:00] Dr.med. Ursula Davatz: Was da für ein Konstrukt hintendran ist, ist
wahrscheinlich, also das tue ich jetzt so überlegen, man schlägt nicht, also man
streitet nicht. Man ist immer nett und lieb. Sie waren die Ältere, Sie müssen doch
vernünftig sein und der Bruder kann alles machen. Sie sind die Ältere, man will mit
Vernunft erziehen. Man will ihnen beibringen und dann noch dazu als Mädchen, man
streitet nicht. Aber es ist natürlich falsch, auch Mädchen dürfen streiten.
[51498:00] Dr.med. Ursula Davatz: Was haben Sie für Überreste davon?
[51539:05] Bemerkung 19: Ein Kampfwillen, ein extremer Kampfwillen. Ich kann
Männer nicht immer ernst nehmen, wenn sie narzisstisch sind oder von oben herab
sind.
[51779:23] Dr.med. Ursula Davatz: Da machen Sie dann das, was Sie gemacht
haben mit dem Bruder. Bei narzisstischen Männern kann das sehr gefährlich sein.
Wenn die sich nicht wahrgenommen fühlen, oh je. Das ist dann bei denen wieder
eine Kränkung. Wenn der narzisstische Mann in einer Hierarchie ist, die oben an
ihnen ist, dann kann er ausschlagen. Sehen Sie das?
[52263:07] Bemerkung 19: Ich sehe das. Ich habe ein Kind, das schulabsent ist
und wir werden nicht ernst genommen. Ich habe so einen Psychiater, der innerhalb
von fünf Minuten ein Urteil fällt. Ich könnte ihn treten.
[52752:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ja, das glaube ich. Sagen Sie, es dem
Psychiater? Eigentlich müssten Sie eine Rückmeldung geben. Jetzt tun wir eine

Lernsituation konstruieren. Eigentlich müssten Sie sagen, aber Sie dürfen es erst
sagen, wenn Sie wieder bei sich sind und ruhig sind. An sich müssten Sie dem
Psychiater sagen, ich erzähle Ihnen jetzt etwas. Ich bin so behandelt worden als
Kind. Und wenn Sie so schnell über meinen Sohn urteilen, ich könnte Sie treten. Ja!
Sagen Sie es! Sagen Sie es! Sie gehen nicht hin treten, Sie sagen: ich könnte Sie
treten. Ich werde so verrückt. Der merkt sonst nichts.
[53533:06] Bemerkung 19: Er hat einen Einweisungsbericht an die Klinik
geschrieben, dreiviertel war falsch. Ich habe diesen Bericht vier Stunden
auseinander genommen und retour geschickt. Er will meinen Sohn in die Klinik tun,
aber er hört mir nicht zu. Mein Sohn gehört nicht in die Klinik.
[53985:00] Dr.med. Ursula Davatz: Geben Sie doch dem Psychiater eine
emotionale Rückmeldung.
[54313:00] Dr.med. Ursula Davatz: Eine gefühlsmässige Rückmeldung. Ohne
Emotionen. Sie müssen absolut ruhig sein, aber Sie sagen ganz ruhig, ganz kühl,
hören Sie, ich muss Ihnen etwas erzählen, ich muss Ihnen etwas sagen, ich muss
etwas loswerden, ich habe etwas auf dem Herzen, und dann sagen Sie, wenn Sie so
mit meinem Sohn umgehen, ich könnte Sie treten.
[54722:45] Bemerkung 19: Beim zweiten Gespräch hat er gesagt, zum Glück ist die
Mutter dabei, ich weiss gar nicht, was ich mit dir machen soll.
[54943:00] Dr.med. Ursula Davatz: Viele wissen nicht, was mit Kindern machen.
[54998:51] Bemerkung 19: Zu meinem Mann habe ich gesagt, ich gehe nicht mehr
alleine, der hört mir nicht zu. Der behandelt mich von oben herab, wie mein Vater.
Dann war mein Mann dabei. Da hat er ganz anders reagiert. Ja, klar. Weil mein
Mann dabei war. Zu dem gehe ich nie mehr. Beim herausgehen sagt mein Mann: der
ist dement, der hört nicht zu.
[55495:00] Dr.med. Ursula Davatz: Der ist nicht dement.
[56040:00] Dr.med. Ursula Davatz: Ich würde es nicht nur im Brief machen. Ich
würde es persönlich machen, sonst ist es wieder Papier, und sagen, Sie, ich habe
etwas auf dem Herzen, ich muss Ihnen etwas sagen. Und dann erzählen Sie das
kleine Ding, wie Sie behandelt worden sind von Ihrem Vater, und sagen, wenn Sie so
meinem Sohn behandeln, ich könnte Sie treten. Das ist aber schwierig, das im Fall
umzusetzen. Ich weiss, es ist schwierig, aber wir machen jetzt eine Lektion für den
Psychiater.
[56542:00] Bemerkung 19: Er kann mir die Fürsorgepflicht wegnehmen. Der droht
mir mit einer Zwangseinweisung von meinem Sohn. Der Sohn ist 13 Jahre alt.
[56720:51] Dr.med. Ursula Davatz: Wir können nachher das Beispiel anschauen.
[57251:00] Bemerkung 20: Was denken sie, wie der Psychiater reagieren wird?
[57304:05] Dr.med. Ursula Davatz: Der staunt zuerst. Feedback. Nach jeder
Weiterbildung wird man nach einer Rückmeldung gefragt.
[57796:00] Dr.med. Ursula Davatz: Wichtig ist, dass Sie absolut ruhig sind und
dass Sie das sehr intellektuell rüberbringen

[57893:05] Bemerkung 21: Im Spital wird zu allem eine Rückmeldung gefragt, aber
nicht zum Arzt. Als würde man sich nicht getrauen.
[58386:00] Dr.med. Ursula Davatz: Es lohnt sich.
[58402:17] Bemerkung 22: Aber es können es ja nicht alle Menschen annehmen.
Die einen reagieren dann noch mehr gegen einem.
[58511:34] Dr.med. Ursula Davatz: Muss nicht sein. Wenn sie überhaupt nicht
emotional ist, sondern das absolut, ich sage jetzt, kalt sagt. Also sie beschreibt
Gefühle, Dichter haben das gemacht, Gefühle sehr gut beschrieben. Sie beschreibt
Gefühle, ist aber nicht emotional. Man sagt ja, Gefühle ohne Emotionen. Gefühle
ohne Emotionen, da beschreibt man Gefühle, aber wenn man Emotionen reinlegt,
dann will man beim anderen etwas bewirken. Das darf man nicht wollen. Da wehrt er
sich ab. Man stellt es nur in den Raum.
[59068:00] Dr.med. Ursula Davatz: Er ist sicher erstaunt. Sie sagen ja, aber ich
mache es nicht. Ich mache es nicht.
[59153:31] Bemerkung 21: Seit dem Januar kann ich das.
[59199:47] Dr.med. Ursula Davatz: Gut. Super.
[59218:17] Bemerkung 23: Ich arbeite als Sonderpädagogin.

Emotionskontrolle

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/02/Emotionskontrolle_14.1.2026.m4a.pdf

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

14.1.2026
Emotionskontrolle
Audio

[00:00:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte Sie alle herzlich begrüssen und mich bedanken, dass ich da über mein
Buch reden darf.

[00:00:06.983] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhsads-folgekrankheiten/

[00:00:07.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche zuerst so eine allgemeine Überlegung zur Psychiatrie.

[00:00:14.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Untertitel vom Buch heisst: Psychiatrie im Offside.

[00:00:19.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Sohn hat mich gefragt: weisst du überhaupt, was Offside ist?

[00:00:22.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe gesagt: nein nicht genau.

[00:00:22.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber es klingt richtig.

[00:00:28.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Für mich ist Offside neben draussen. Es funktioniert nicht.

[00:00:35.140] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn Offside richtig interpretiert wird, gehen die Angreifer über die Verteidiger raus,
dann gilt das Goal nicht.

[00:00:45.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mir überlegt: das kann man auch für die Psychiatrie übersetzen.

[00:00:51.960] – Dr.med. Ursula Davatz
In meinem Buch hat es einen kleinen historischen Abriss, wie sich die Psychiatrie
entwickelt hat.

[00:00:58.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Als 18-Jährige habe ich mich mit C.G. Jung beschäftigt.

[00:01:06.950] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Gustav_Jung

[00:01:06.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Tochter von C.G. Jung hat Horoskope gemacht.

[00:01:14.251] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ein Horoskop von ihr.

[00:01:14.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich früh mit der Psychiatrie und mit der Esoterik beschäftigt.

[00:01:29.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Psychiatrie bin ich geblieben.

[00:01:29.740] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Theorien, welche die Psychiatrie entwickelt hat, angefangen bei Sigmund Freud,
sind immer stark vom Denken der damaligen Oberschicht, von der Philosophie
beeinflusst gewesen.

[00:01:43.670] – Dr.med. Ursula Davatz
Auch von der Thermodynamik und so weiter und halt nicht so nahe beim Patienten.

[00:01:52.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Sigmund Freud hat sich Mühe gegeben, nahe beim Patienten zu sein, darum hat er sich
hinter den Patienten gesetzt, damit er den Patienten ja nicht stört.

[00:02:01.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Es sollte wissenschaftlich rauskommen, was der Patient sagt. Der Patient hat frei
assoziieren müssen.

[00:02:09.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Definition von der Kommunikation: mit der Kommunikation wollen wir immer den
anderen beeinflussen.

[00:02:17.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht zu reden ist eine starke Beeinflussung.

[00:02:22.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Menschen sind soziale Wesen. Wir wollen kommunizieren.

[00:02:27.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Experiment von René Spitz ging so: die Kinder wurden genährt, gefüttert, Wärme,
aber keine Beziehung.

[00:02:38.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Die wären gestorben.

[00:02:40.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir brauchen soziale Beziehungen.

[00:02:43.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Leute, welche in die analytische Therapie gehen, erzählen wie sie Lechzen nach einer
Reaktion ihres Therapeuten und es kommt nichts.

[00:02:49.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch Kommunikation.

[00:02:59.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die schlimmste Art und Weise, das Kind zu bestrafen, ist der Liebesentzug.

[00:03:11.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht-Kommunikation ist wie Liebesentzug, dem Empfinden nach.

[00:03:11.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychiater haben viele Theorien aus der Philosophie reingebracht und damit verpasst,
den Patienten genau anzuschauen.

[00:03:21.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Lehrer aus den USA, Murray Bowen, dort haben ich ein dreijähriges
Ausbildungsprogramm gemacht, war ein Schizophrenie-Spezialist.

[00:03:41.080] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Murray_Bowen

[00:03:41.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat auch elf Jahre Analyse gemacht für sich selbst.

[00:03:44.270] – Dr.med. Ursula Davatz

Am NIMH hat er Schizophreniefamilien eingeladen, Vater, Mutter und das schizophrene
Kind.

[00:03:54.179] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.nimh.nih.gov/

[00:03:54.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Dem Personal hat er befohlen: sie dürfen gar keine technische Ausdrücke verwenden,
sie dürfen nur mit der ganz normalen Sprachen beschreiben.

[00:04:10.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bringt mit sich, dass man die Theorie nicht verfärben kann mit seinen vorgestellten
Ideen.

[00:04:16.820] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Neuropsychologie nennt man das Prediction-Error.

[00:04:28.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Man hat eine Vorstellung, wie etwas läuft, dann hat man ein Signal und dann geht man
gleich mit seiner Vorstellung.

[00:04:28.135] – Dr.med. Ursula Davatz
https://en.wikipedia.org/wiki/Mean_squared_prediction_error

[00:04:28.270] – Dr.med. Ursula Davatz
So baut man in der psychiatrischen Behandlung viele Fehler ein.

[00:04:37.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wollte Murray Bowen rausnehmen.

[00:04:57.860] – Dr.med. Ursula Davatz

Wir müssen von den Patienten lernen, nicht sie von uns.

[00:04:58.230] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Begriff: der Patient hat keine Krankheitseinsicht finde ich schrecklich!

[00:05:03.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Da wollen wir, dass der Patient unsere Vorstellung von seiner Krankheit übernimmt.

[00:05:12.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Unsere Vorstellung von seiner Krankheit ist eine Vorstellung.

[00:05:16.510] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich müssen wir bei jedem Patienten wieder herausfinden: was stört ihn? Wer ist
er? Was für eine Geschichte hat er?

[00:05:19.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir dürfen dem Patienten nicht voraus rennen.

[00:05:28.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre das Offside.

[00:05:28.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr schwierig.

[00:05:28.458] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Gehirn funktioniert so.

[00:05:48.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe jetzt gerade ein Buch gelesen über Neuroplastizität.

[00:05:51.453] – Dr.med. Ursula Davatz

https://normandoidge.com/?page_id=1042

[00:05:51.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Er zeigt, wie das Gehirn einerseits sehr formbar und veränderbar ist.

[00:06:03.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man einen Hirnschlag hat, dann wird die gesunde Hand verbunden, dass man
mit der nicht nichts machen kann.

[00:06:19.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Die kranke Hand muss dann wieder lernen zu funktionieren, vom Gehirn her.

[00:06:40.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Nach 14 Tagen schon wieder unglaublich viel besser.

[00:06:43.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann auch negatives Zeugs lernen. Man kann auch Krankheiten lernen.

[00:06:49.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Deshalb hat Murray Bowen verboten, dass man Krankheitsbegriffe verwendet.

[00:06:55.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss alles beschreiben.

[00:06:57.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser Haltung bin ich nachgegangen.

[00:06:58.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche mit jedem Patienten, mit jeder Familie herauszufinden, was läuft jetzt
schief.

[00:07:10.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue viel mehr die Interaktion an als einzelne Symptome des Patienten.

[00:07:15.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich sage: Psychiatrie im Offside, dann kritisiere ich an der heutigen Psychiatrie,
dass sie nur beim Einzelnen die Symptomen beschreiben, dass sie einen
Symptomkatalog machen und anhand von dem Symptomkatalog eine Diagnose stellen.

[00:07:39.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe so viele Patienten, die sagen, wie sie unter dieser Technik leiden.

[00:07:49.100] – Dr.med. Ursula Davatz
1980, als ich aus Amerika zurückgekommen bin, als Familientherapeutin ausgebildet,
war es noch Mode, Familientherapie zu machen.

[00:08:00.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt ist es eigentlich sehr stark verschwunden.

[00:08:04.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Speziell die Ärzte kümmern sich nicht mehr darum.

[00:08:06.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt Psychologen, es gibt Sozialarbeiter, die systemisch arbeiten und auch so
denken, aber in der Psychiatrie ist es weitgehend verschwunden.

[00:08:17.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur die Betrachtung von Symptomen oder von der Symptomkette im Individuum ist für
mich das Offside in der Psychiatrie, welches nicht funktioniert.

[00:08:27.270] – Dr.med. Ursula Davatz

Als Familientherapeutin schaue ich immer die ganze Familie an und verwende in dem
Sinn auch ganzheitliches Denken.

[00:08:41.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich befasse mich seit über 40 Jahren mit dem ADHS/ADS.

[00:08:47.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin dem ADHS/ADS das erste mal in Samedan begegnet, im Praktikum der inneren
Medizin, als Assistenzärztin.

[00:09:03.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Kinderarzt gekommen und hat über ADHS/ADS berichtet.

[00:09:09.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Damals nannte man es noch POS, frühkindliches POS, frühkindliches
Psychoorganisches Syndrom.

[00:09:18.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich damals schon für Schizophrenie interessiert und wollte immer meine
Spezialisierung in der Psychiatrie machen.

[00:09:18.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Als der Kinderarzt von den Symptomen erzählt hat, dachte ich: das klingt ähnlich wie
bei den Schizophrenen.

[00:09:27.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Herausgestochen ist die hohe Sensibilität.

[00:09:40.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Reaktivität habe ich damals noch nicht so wahrgenommen.

[00:09:41.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat man immer auch von den Schizophrenen gesagt.

[00:09:45.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Eugen Bleuler hat 1911 von den Schizophrenen gesagt: die merken mehr Sachen als
wir Durchschnittsmenschen. Das ist der hypersensiblen ADHS/ADS Persönlichkeitstyp,
der Neurotyp vom ADHS/ADS.

[00:10:12.633] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_Bleuler

[00:10:13.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat dem keinen Namen gegeben.

[00:10:14.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Damals habe ich noch mehr POS-Menschen im Gefängnis verfolgt. Dort findet man
viele ADHS/ADSler.

[00:10:34.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ich 1980 in den Aargau nach Königsfelden zurück gekommen bin, hatte ich immer
das ADHS/ADS im Kopf.

[00:10:43.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort habe ich ein paar Schizophrene-Patienten getroffen, welche die Diagnose ADHS/
ADS im Kindesalter hatten.

[00:10:57.080] – Dr.med. Ursula Davatz
So habe ich 14 Jahre lang das erste Buch geschrieben. ADHS/ADS und Schizophrenie,
Grenzzerfall.

[00:10:58.520] – Dr.med. Ursula Davatz

https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie/

[00:10:58.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Am neuen Buch habe ich vier Jahre geschrieben: ADHS/ADS Folgekrankheiten,
Psychiatrie im Offside.

[00:10:58.729] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhsads-folgekrankheiten/

[00:10:58.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ersten Buch habe ich nur ADHS/ADS mit Schizophrenie verglichen.

[00:11:15.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Im zweiten Buch habe ich ADHS/ADS mit sämtlichen psychiatrischen Krankheitsbildern
in Kontakt gebracht.

[00:11:24.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt aus der Wissenschaft, es kommen immer mehr Daten, wie ADHS/ADSler
nicht nur psychiatrische Krankheiten entwickeln, sondern auch somatische.

[00:11:37.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Herzinfarkt sind die Männer höher als Frauen, die Männer leben weniger lang als
Frauen.

[00:11:48.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Beim ADHS/ADS sind es die Frauen, die weniger lang leben.

[00:11:52.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen mit ADHS/ADS sterben zehn Jahre früher und die Männer mit ADHS/ADS nur
sieben Jahre.

[00:12:03.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist noch verrückt. Es ist das Erscheinungsbild, welches bei den Frauen mehr
schadet.

[00:12:12.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man erklären.

[00:12:15.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Lange Zeit hat man behauptet, es gibt fünf Knaben mit ADHS/ADS auf ein Mädchen mit
ADHS/ADS.

[00:12:22.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war die Statistik.

[00:12:25.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt wird die Statistik immer mehr geändert.

[00:12:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt gibt es noch 1,5 Knaben auf ein Mädchen.

[00:12:34.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Warum?

[00:12:37.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Stuten sind einfacher zu Reiten als die Hengste.

[00:12:37.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist ein frecher Satz.

[00:12:39.790] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Stuten müssen nicht kastriert werden. Die Hengste werden kastriert, damit sie dann
besser folgen, damit sie sich nicht so wehren.

[00:12:46.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Menschen ist der Nachteil, dass die Frauen mit ADHS/ADS viel mehr
Anpassungsleistungen machen.

[00:13:07.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen sind dafür prädestiniert, uns anzupassen. Wir müssen das auch.

[00:13:13.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir Kinder haben, die würden nicht gedeihen, wenn wir uns nicht ständig der
Altersstufe anpassen könnten.

[00:13:22.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Frauen passen uns den Kindern an und wir passen uns den Männern an.

[00:13:22.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Attribute, wenn ich sehe wie die jungen Mädchen mit 12 und 13 Jahren bereits
lange Fingernägel haben und schön geschminkt sind, das ist alles Anpassung als
Sexobjekt für die Männer.

[00:13:38.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht in eigener Sache. Ich muss schön sein, ich muss toll aussehen, dann habe ich
Erfolg.

[00:13:44.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eigentlich ein altes Modell.

[00:13:55.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich staune, wie stark die jungen Mädchen noch nach dem Modell gehen.

[00:14:03.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus dem Grund verwenden ADHS/ADS Frauen sehr viel Energie um sich allen
Bedürfnissen von ihrem Umfeld anzupassen. Zuerst bei den Eltern, bei der Lehrperson,
beim Chef, beim Mann. Mit 40 Jahren, wenn die Kinder aus dem Haus gehen, merken
sie: etwas läuft falsch.

[00:14:08.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Darum werden Frauen häufig erst mit 40 diagnostiziert.

[00:14:37.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kann man sehen.

[00:14:39.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt natürlich Wissen über ADHS/ADS im Internet.

[00:14:46.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle tun sich auch selber diagnostizieren.

[00:14:48.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit habe ich kein Problem.

[00:14:48.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Wichtig ist, dass sie lernen, mit sich selber umzugehen.

[00:14:54.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist der Grund, weshalb Frauen mit ADHS/ADS früher sterben.

[00:14:54.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Männer ADHS/ADS haben, werden sie schon delinquent im Pubertätsalter und
landen auf einer schiefen Bahn.

[00:15:14.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie eine gute Umgebung haben mit dem familiären Umfeld, können sie
Überflieger werden.

[00:15:15.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Im IT-Bereich gibt es viele Männer mit ADHS/ADS.

[00:15:29.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Bill Gates, Steve Jobs, Elon Musk, Larry Ellison, Richard Branson sind alles Beispiele.

[00:15:29.596] – Dr.med. Ursula Davatz
Richard Branson ist aus allen Schulen geflogen. Seine Eltern haben ihn immer
unterstützt, nie fallen gelassen.

[00:15:29.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Schluss war er mit seinen verrückten Ideen erfolgreich.

[00:16:11.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt sehr viele erfolgreiche ADHS/ADSler im Business. Die schaffen es nur, wenn sie
als Kinder und im Adoleszentenalter genug Platz und Raum haben, für ihr Denken, das
über die Grenzen hinaus geht.

[00:16:52.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Eugen Bleuler hat gesagt: die ADHS/ADSler nehmen mehr war, als wir
Durschnittsmenschen.

[00:16:52.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: und die denken mehr über die Grenzen hinaus. Die können Grenzen
zerstören.

[00:16:52.930] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist eine Mode. Elon Musk hat das mit seiner Kettensäge demonstriert.

[00:17:17.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Idee, dass man Sachen zerstören muss, die kommt sogar von einem Schweizer,
Federico Sturzenegger.

[00:17:28.710] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Federico_Sturzenegger

[00:17:37.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Seine Familie ist nach Argentinien ausgewandert. Er wollte in Argentinien Präsident
werden und hat es dann nicht geschafft.

[00:17:44.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat alle seine Theorien, welche er verwirklichen wollte als Präsident, auf das Internet
gestellt.

[00:17:55.276] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat Javier Milei wahrgenommen und ihn reingeholt.

[00:17:55.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Federico Sturzenegger hat bei Javier Milei die gleiche Rolle, wie Elon Musk bei Donald
Trump.

[00:18:09.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Er durfte das System verändern.

[00:18:14.170] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler sind Systemveränderer.

[00:18:14.360] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie müssen auf das richtige Feld fallen, damit das funktioniert, sonst zerstören sie das
System und das geht nicht.

[00:18:27.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir Therapeuten müssen schauen, dass wir, wenn wir so eine Familie haben, dass wir
das Mass finden.

[00:18:42.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen den Leuten helfen, das Mass zu finden.

[00:18:42.740] – Bemerkung 1
Kann man sagen: Anpassung ist Scheisse? Gerade bei den Frauen?

[00:18:42.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das kann man sagen.

[00:18:46.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Den mittelalterlichen Frauen, wenn die zu mir kommen, dann sage ich: sie müssen
etwas machen, das niemandem etwas nützt, das nur für sie ist.

[00:19:06.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eben sich nicht angepassen, sondern einfach sich selber sein.

[00:19:11.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Frauen muss man da viel mehr Unterstützung geben, dass sie sich getrauen,
das zu machen.

[00:19:17.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ich einen Vortrag gehalten über: Empathie versus Selbstfürsorge.

[00:19:22.981] – Dr.med. Ursula Davatz

https://ganglion.ch/pdf/youtube_empathie_vs_selbst.pdf

[00:19:26.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen sind immer stark bei der Empathie.

[00:19:28.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie beschreiben das auch. Ich spüre das alles und ich helfe dann und ich reagiere
darauf und bla bla bla.

[00:19:35.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Und die Selbstfürsorge: wo bin ich? Ich bin verloren gegangen.

[00:19:35.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder sie hoffen, dass der Mann für sie sorgt, das tut er aber nicht.

[00:19:40.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Oder sie hoffen, dass die Kinder für sie sorgen, das ist ungesund.

[00:19:40.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Kinder müssen für sich selber schauen.

[00:19:45.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich in die Familie reinkomme, muss ich den Kindern immer sagen: ich schaue
jetzt für die Mutter. Du darfst deinen Weg gehen.

[00:19:57.081] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist gar nicht so einfach.

[00:19:58.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Frauen haben es viel schwerer, sich nicht anzupassen und für sich selber zu schauen.

[00:20:08.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst nicht, dass sie rücksichtslose Frauen werden, aber das Gleichgewicht muss
ein bisschen verschoben werden.

[00:20:18.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich setze ADHS/ADS mit allen psychiatrischen Krankheiten in Zusammenhang.

[00:20:28.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Die bipolare Störung, eine manisch-depressive Krankheit: himmelhoch jauchzend, zu
Tode betrübt.

[00:20:41.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Im adoleszenten Alter haben das alle bis zu einem gewissen Grad.

[00:20:47.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ADHS/ADS-ler haben das stärker, weil sie sensibler sind und sensibler auf Sachen
reagieren.

[00:20:57.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Dadurch kommen sie auch schneller aus dem Gleichgewicht.

[00:20:59.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Schaut man genau hin, ist die bipolare Störung ein extremes Ausagieren vom ADHS/
ADS.

[00:21:10.380] – Dr.med. Ursula Davatz
So habe ich alle psychiatrischen Krankheiten angeschaut und geschaut wo überall ein
ADHS/ADS dahinter steckt.

[00:21:13.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Schaut man mehr hinter die Fassaden, sieht man das ADHS/ADS dahinter.

[00:21:26.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiater streiten: was muss ich jetzt zuerst behandeln?

[00:21:37.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Man spricht von Komorbidität.

[00:21:41.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Da ist ein ADHS/ADS und dort ist eine bipolare Störung.

[00:21:45.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: der Mensch hat nur ein Hirn und das Hirn funktioniert ganzheitlich.

[00:21:52.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ADHS/ADS kann ausarten in eine bipolare Störung.

[00:21:58.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Wann artet es aus in ein bipolare Störung?

[00:21:58.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Erziehung zu restriktiv ist und dem ADHS/ADS Kind nicht genügend Platz
gelassen wird, um seine Emotionen auszuleben.

[00:22:12.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Am 1. April 1980, nach meiner Rückkehr auf den USA dachte ich: wir Schweizer sind
Erzieher, Lehrer. Wir sind eine Lehrernation. Ich hatte das Gefühl ich werde überall
kritisiert und korrigiert, zurechtgewiesen. Ich wäre beinahe wieder abgereist, aber das
konnte ich nicht. Ich bin gelieben. Jetzt bin ich froh, dass ich nicht in den USA bin. Ich
habe richtig entschieden.

[00:22:22.290] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ADHS/ADS Temperament, die Knaben sind hyperaktiv, die Mädchen ziehen sich
eher zurück, passen sich an und machen dann etwas bei sich kaputt.

[00:22:50.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das ADHS/ADS Temperament zu streng erzogen wird, kann es seine
Persönlichkeit nicht entwickeln. Das ist eine Gefahr. Dann vermodert das Temperament.
Es geht etwas kaputt.

[00:23:18.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann treten all diese Krankheiten auf.

[00:23:28.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die meisten psychiatrischen Krankheiten entstehen in der Pubertät; 50%, und 75% bis
zum 25 Lebensjahr.

[00:23:43.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist immer noch Pubertät. Das Gehirn verändert sich immer noch.

[00:23:49.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das zu eng ist, dann müssen sie schlussendlich sich befreien mit Krankheiten.

[00:23:55.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich zuschaue, wie ein Teenager oder eine 20-jährige Frau in die manische Phase
reinkommt, dann ist das eigentlich immer das Sprengen von Fesseln und Sprengen von
den erzieherischen Fesseln.

[00:24:10.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es liegt mir sehr am Herzen, dass sie als Institution diesen Familien helfen, dass das
nicht passiert.

[00:24:13.220] – Dr.med. Ursula Davatz

Man muss den Müttern und Vätern helfen, dass sie ihre ADHS/ADS Kinder nicht
verkrüppeln.

[00:24:24.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die brauchen mehr Platz, die brauchen mehr Auslauf.

[00:24:38.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Araber Pferd muss sich mehr bewegen als ein Bierbrauer Gaul.

[00:24:45.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt es auch verschiedene Sorten.

[00:24:49.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Helfen wir der Familie mit ADHS/ADS Kinder, mit ihnen umzugehen, können wir sehr
viel Prävention betrieben und können sehr viel Geld sparen.

[00:24:49.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Kümmern wir uns erst um die ADHS/ADS Kinder, wenn sie schon psychiatrische
Symptomen entwickeln, dann kommen sie in die stationäre Psychiatrie.

[00:25:17.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort ist die Restriktion noch grösser.

[00:25:20.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich anpassen an alle möglichen Regeln.

[00:25:24.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe lange jemanden begleitet, der in der adoleszenten Psychiatrie gearbeitet hat.
Es ist schlimm, was mit diesen Menschen gemacht wird.

[00:25:29.060] – Dr.med. Ursula Davatz

Nicht aus Bosheit. Aus Unvermögen und aus Nichtwissen.

[00:25:29.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin gegen ein Spital für Adoleszente, ich bin für die Familienbegleitung, Familie
unterstützen, Krisenbewältigung und so weiter.

[00:25:50.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt vier Stressreflexe.

[00:26:03.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Kampf, Flucht, Todschnittreflex und Necken.

[00:26:07.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Necken heisst Spotten, Flirten.

[00:26:45.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Necken ist Annäherungsverhalten, an etwas unbekanntes.

[00:26:59.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist Spielverhalten.

[00:27:06.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Man nähert sich spielerisch an etwas an, wo man nicht weiss, wie der reagiert.

[00:27:10.010] – Dr.med. Ursula Davatz
So testet man seine Grenzen.

[00:27:21.630] – Bemerkung 2
Das Verlegenheitslachen. Wenn man in einer ganz schwierigen Situation ist, dann
lächelt man, ob wohl das völlig inadäquat ist für die Situation.

[00:27:31.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist ein Annäherungsverhalten in unbekannten Situationen.

[00:27:36.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Necken ist das Verhalten, welches in der Pubertät sehr stark praktiziert wird.

[00:27:43.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gehört normal zur Pubertät.

[00:27:43.788] – Dr.med. Ursula Davatz
Junge Hunde necken sich auch.

[00:27:43.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Affe spielt mit dem Löwen. Wenn der Löwe aggressiv wird, steigt der Affe auf den
Baum.

[00:28:06.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Necken ist ein Verhalten, das artübergreifend praktiziert wird.

[00:28:22.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erwachsenen verurteilen das Necken der Jugendlichen untereinander oft. Man
spricht dann von Respekt.

[00:28:49.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Erwachsenen muss ich dann immer sagen: das ist Necken.

[00:29:05.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ihr Teenager sie beschimpft, dann sollten sie nicht denken, dass das ein
Qualifikationsgespräch ist.

[00:29:05.760] – Dr.med. Ursula Davatz

Der will herausfinden wie sie reagieren.

[00:29:05.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Mädchen flirten eher.

[00:29:11.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Teenager Mädchen verwenden schnell ihre Sexualität.

[00:29:20.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das tritt bei den Borderline Patientinnen auf.

[00:29:32.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderline Patientinnen sind professionelle Teenager.

[00:29:35.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Die schizophrenen Patienten sind maligne Teenager.

[00:29:36.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Die bleiben in einer krankhaften Verhaltens- und Denkweise stecken.

[00:29:49.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderliner provozieren immer.

[00:29:49.310] – Dr.med. Ursula Davatz
Männliche Therapeuten lassen sich mehr provozieren.

[00:29:49.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Borderliner arbeiten auch mit der Sexualität, mit der Eroktik.

[00:29:53.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Borderline Patienten darf man nicht erziehen.

[00:30:03.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf Interaktion machen, gut bei sich bleiben, sagen zu was man steht, was man
tut, was man nicht tut.

[00:30:18.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Nie nie nie erziehen.

[00:30:18.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schwierig, speziell bei einem Schweizer Volk von Erziehern, mit Pestalozzi.

[00:30:24.414] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Heinrich_Pestalozzi

[00:30:24.806] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite immer mit dem Hirnmodell von Paul D. MacLean.

[00:30:26.006] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_D._MacLean

[00:30:41.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ihn kennengelernt am NIMH in den USA.

[00:30:51.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Paul D. MacLean. hat das Gehirn in drei Teile eingeteilt.

[00:30:52.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Der primitivste Teil ist das Reptilienhirn, welches die Reptilien schon sehr gut
ausgebildet haben.

[00:31:05.440] – Dr.med. Ursula Davatz

Der mittlere Teil ist das limbische System, das ist bei den Säugern ausgebildet worden.

[00:31:10.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Grosshirn wurde bei den Affen und den Primaten sehr stark ausgebildet.

[00:31:10.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Reflexe laufen alle über das limbische System ab, das emotionale Hirn, das
Reptilienhirn. Man spricht vom Reflex, das wird nicht reflektiert.

[00:31:11.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt ein Reiz und es kommt eine Gegenreaktion.

[00:31:46.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Erziehung möchte man diese Reflexe unterdrücken, über das Grosshirn, über
das Denken, über die Vernunft.

[00:31:47.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den ADHS/ADSlern ist das limbische System so leicht emotional erregbar, dass es
alles überflutet und dass dann das Grosshirn gar nichts mehr machen kann. Es kann
nicht mehr kontrollieren.

[00:32:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei der Schizophrenie wie das Grosshirn überflutet von den emotionalen Erlebnissen,
sodass dann das Grosshirn im Dienst von der Emotionalität Ideen entwickelt. Das ist
dann der Grössenwahn, Verfolgungswahn und so weiter.

[00:32:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Grosshirn wird dann versklavt vom emotionalen Hirn, dass es so Sachen sagen
muss, dass es einem besser geht.

[00:32:40.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Lügen gehört dazu.

[00:32:41.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle die Fake News und das Lügen, das dient immer der Emotionalität dieser
Menschen.

[00:32:50.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Limbische System ist der mittlere Hirnteil.

[00:33:04.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles, was an Reiz reinkommt, wird als erstes von dem Limbische System prozessiert.

[00:33:14.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Es prozessiert in Bezug auf: ist die Person mir freundlich geneigt oder ist das ein
Feind?

[00:33:24.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Aversion, Ablehnung oder: ja, da kann ich Vertrauen haben.

[00:33:31.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Weil das limbische System beim ADHS/ADS so hypersensibel ist und auf alle Reize
reagiert, ist es schnell überfordert.

[00:33:37.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann gibt es Abwehrreaktionen.

[00:33:48.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Abwehrreaktion ist bei den Knaben der Kampf, aggressiv, zuschlagen.

[00:33:58.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei den Mädchen ist die Abwehrreaktion die Flucht und Flucht nach innen.

[00:34:05.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese Reflexe kann man nicht unterbinden, die geschehen einfach.

[00:34:07.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind alles Schutzreflexe.

[00:34:41.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Pathological Demand Avoidance (PDA).

[00:35:01.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Pathologische Abwehrreaktion, Abwehrreaktion gegen Befehle.

[00:35:15.961] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute macht man eine Krankheit aus dem.

[00:35:16.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Leute die mit ADHS/ADSlern umgehen sage ich: man darf denen keinen Befehl geben.

[00:35:28.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Jesper Juul sagt: ich möchte, dass Du Deine Schuhe immer dorthin stellst.

[00:35:36.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will.

[00:35:53.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht: du musst immer deine Schuhe dorthin stellen.

[00:35:55.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man bei den ADHS/ADSler sagt: du musst, du sollst, warum hast du immer noch
nicht?

[00:36:01.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann bewegt man sich auf Glatteis.

[00:36:02.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann geht gar nichts.

[00:36:09.860] – Dr.med. Ursula Davatz
In meinem Buch habe ich 13 Benimmregeln für Eltern im Umgang mit ADHS/ADS
Kindern, was sie nicht tun dürfen und was sie an Stelle von dem tun sollen.

[00:36:10.091] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs.expert/wp-content/uploads/2024/06/13-TIPPS-FUeR-ERZIEHENDE.pdf

[00:36:10.280] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler müssen intrinsisch motiviert sein. Ich will das, mir ist das wichtig, wegen
der Geselleschaft, etc.

[00:36:33.214] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf seine Überzeugung klar sagen.

[00:36:33.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht sagen: du musst.

[00:36:40.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles was ein Befehl ist, löst Pathological Demand Avoidance (PDA) aus.

[00:36:40.340] – Dr.med. Ursula Davatz
So sind die ADHS/ADSler.

[00:36:40.460] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn sie mit ADHS/ADSler und deren Familien umgehen, z.B. wenn der Junge sein
Zimmer nicht aufräumt, kann das Necken hilfreich sein.

[00:36:40.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann Dinge sagen und sogar lachen, wenn etwas schief geht.

[00:37:08.281] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann immer sagen: wir üben wieder.

[00:37:27.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Keine bestrafende Erziehung anwenden. Eine führende Erziehung. Mit einem Vorbild
vorgehen. Man sagt was man denkt. Man übt immer wieder.

[00:37:45.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist interessant, wenn man etwas zusammen üben kann.

[00:37:49.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss es sich selber vornehmen.

[00:37:50.090] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit einer negativen Haltung muss man gar nicht beginnen.

[00:37:54.840] – Bemerkung 3
Die Eltern müssen die Führung übernehmen und das wollen sie nicht.

[00:38:18.240] – Bemerkung 4
Die Mutter hat auch ein ADHS/ADS. Wir sagen: du musst es so machen.

[00:38:18.440] – Bemerkung 5
In deinem Buch hast du das total clever gemacht. Du hast die Familiensysteme
geschildert und sagst: dann fange ich erst mal mit der Grossmutter an zu arbeiten.

[00:38:42.460] – Bemerkung 5
Wir haben oft mit den betroffen Eltern zu tun. Professionelle Teenager haben wir ohne
Ende, Borderline Mütter.

[00:38:57.740] – Bemerkung 5
Das PDA macht plötzlich ein grosses Feld aus und spricht die Eltern frei von jeglicher
Verantwortung.

[00:39:02.240] – Bemerkung 5
Dort steige ich durch. Wer soll dann diese Kinder führen?

[00:39:26.780] – Bemerkung 6
So wird den Kindern die Sicherheit genommen.

[00:39:31.780] – Bemerkung 7
Die Eltern sind auch betroffen. Die Kinder brauchen Raum. Die Kinder kriegen jeden
Raum. Es gibt überhaupt keine Führung mehr.

[00:39:44.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist das Drei-Generation-Schema, wo ich sofort zur Erziehungserfahrung komme.

[00:39:57.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Was haben sie für eine Erziehung gehabt? Wie ist das gewesen?

[00:39:59.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Familie, zwei Knaben und ein Mädchen, die Mädchen wurde sehr streng erzogen,
dort ging es noch. Bei den Knaben hat das nicht funktioniert.

[00:40:04.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss ich langsam die Erziehungsmuster aufweichen.

[00:40:24.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gehe immer gleich zurück und frage: was hat ihr Vater für einen Erziehungsstil
gehabt. Welchen Erziehungsstil hatte ihre Mutter?

[00:40:24.948] – Dr.med. Ursula Davatz
Was davon haben sie übernommen?

[00:40:25.110] – Dr.med. Ursula Davatz
Was gab es an Wertvorstellungen?

[00:40:39.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich scanne die Erziehungsmuster der Eltern und Grosseltern und schaue, wo die mit
dem ADHS/ADS nicht kompatibel sind.

[00:40:56.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss eine Generation hoch. ADHS/ADS wird vererbt.

[00:40:56.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei Autismus ist der Vererbungsfaktor es noch deutlicher, über 80%.

[00:40:56.340] – Bemerkung 8
Die Frage: wie sind sie erzogen worden? Die stellen wir auch.

[00:41:12.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wurde angefragt über Emotionsregulation und Erziehungsstil zu sprechen.

[00:41:42.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Emotionsregulation bei ADHS/ADS-Kinder ist ein bisschen schwieriger.

[00:41:51.880] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie schiessen darüber hinaus und sind bockig.

[00:41:52.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss wissen: im Augenblick von starker Erregung/Stress, fällt man in seine
Reflexe zurück, die man nicht gut kontrollieren kann.

[00:42:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn der Erziehungsstil sehr stark kontrollierend ist, ensteht der narzisstische
Persönlichkeitstyp daraus. Der lässt sich von nichts mehr etwas sagen und macht
einfach alles selber.

[00:42:30.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wichtig, dass man den Eltern und den Grosseltern beibringt: diese Kinder
brauchen etwas länger, um ihre Emotionen zu regulieren.

[00:42:48.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja nicht erziehen wollen, wenn die Emotionen an der Decke sind, im heissen Zustand.

[00:43:05.476] – Dr.med. Ursula Davatz
Zuerst beruhigen lassen.

[00:43:05.687] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann später mit der Erziehungsmethode kommen.

[00:43:14.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele Schulkinder, die Schulverweigerung machen. Die Lehrer und Eltern habe
ich dann auch.

[00:43:17.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erlebe immer wieder, wie die Schule mit Bestrafung und Belohnung arbeitet.

[00:43:28.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist schwierig.

[00:43:28.568] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit machen wir uns nur Probleme.

[00:43:28.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Hier darf sich das ganze Schulsystem verändern.

[00:43:28.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht alles durchlassen, sondern führen.

[00:43:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Man bestraft immer dann, wenn man mit seiner Führung am Ende ist. Auch die Eltern.

[00:43:49.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Sobald man mit der Bestrafung beginnt, weiss man: jetzt ist es mir aus der Hand
gerutscht.

[00:44:03.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Lehrpersonen muss man mehrFührungsfähigkeiten beibringen.

[00:44:03.748] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse haben diese Fähigkeit natürlicherweise.

[00:44:03.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Andere haben diese Fähigkeit nicht.

[00:44:03.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir machen mit unserer Erziehung und gleichzeitig der demokratischen individuellen
Entwicklung in der Gesellschaft, unsere Jugendlichen kaputt.

[00:44:22.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist nicht sehr schön.

[00:44:23.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sonntagspresse ist voll davon: es gibt immer mehr Jugendliche, welche psychisch
krank sind.

[00:44:36.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie ist dann überfordert. Man hat zwei Jahre Wartezeit.

[00:44:44.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Bis dann ist schon alles schiefgelaufen.

[00:44:47.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen früher ansetzen.

[00:44:52.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann ein Loblied auf die Hota singen. Sie machen etwas ganz wichtiges. Sie haben
Freude daran.

[00:44:52.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn das ADHS/ADS Temperament auf einen ungünstigen Erziehungsstil trifft, dann
entstehen Krankheiten daraus.

[00:45:18.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie sind diejenigen, welche helfen, den Erziehungsstil dem Neurotyp anzupassen.

[00:45:36.390] – Dr.med. Ursula Davatz
Führen, nicht sagen: ist dir das recht so?

[00:45:36.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine unsichere Führung.

[00:45:37.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ob es gut ist für das Kind oder nicht, muss man an seiner Reaktion erkennen.

[00:45:37.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, vielleicht überfordere ich dich jetzt mit dem Auftrag, dann gehen wir eine Stufe
zurück.

[00:45:57.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss selber sehen, wenn man daneben greift.

[00:45:57.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht das Kind fragen, ob man daneben gegriffen hat. Das muss man selber wissen.

[00:46:36.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sagen Sprichwörter?

[00:46:37.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Medizin hat sich ja immer mehr differenziert in verschiedene Bereiche, in
Spezialitäten und auch in der Psychiatrie.

[00:46:47.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist nur für Depressionen zuständig.

[00:46:49.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn funktioniert immer ganzheitlich.

[00:46:49.950] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich schaue den Zusammenhang zwischen dem Gehirn und der körperlichen Krankheit
an.

[00:47:13.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe lange Zeit Spitex Personal betreut.

[00:47:13.993] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Krankheit ist die MS, Multiple Sklerose.

[00:47:14.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt mehr Frauen die MS haben.

[00:47:20.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Mein Leitsatz zu MS (Multiple Sklerose) ist: Frauen mit MS sind verhinderte
Managerinnen.

[00:47:20.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Zu viele Ideen, die sie verwirklichen wollen, welche sie mit zwei Händen erfüllen
könnten.

[00:47:44.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen lernen zu delegieren.

[00:47:44.676] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn die Frauen MS haben, müssen die Spitex Schwestern für sie arbeiten.

[00:47:44.725] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Spitex Schwestern, welche das Manager-Naturell in den MS-Patientinnen akzeptiert
haben, die sind als Dienerinnen gekommen in kurzen Hosen: was muss ich heute tun?

[00:47:44.730] – Dr.med. Ursula Davatz

Diejenigen, welche der MS Patientin sagen wollten, was sie zu tun hat, sind
rausgeflogen.

[00:48:13.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur diejenigen Spitex Schwestern, welche sich an das Naturell der MS-Patientin
angepasst haben, haben funktioniert, die anderen nicht.

[00:48:23.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte zwei männliche Schizophreniepatienten, welche zuerst Schizophrenie hatten
und dann MS.

[00:48:38.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe Prof. Dr.med. Jürg Kesselring gefragt, ob er einen Zusammenhang sieht?

[00:48:53.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wollte ihn vor 14 Jahren besuchen und mit ihm darüber sprechen. Dann ist eine
Lawine runter gekommen. Ich bin nie gegangen.

[00:48:53.440] – Dr.med. Ursula Davatz
14 Jahre später habe ich ein Interview mit ihm gemacht.

[00:49:04.810] – Dr.med. Ursula Davatz
https://ganglion.ch/pdf/Kesselring_Davatz_27.11.2025.m4a.pdf

[00:49:05.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute denke ich über MS und ADHS/ADS nach.

[00:49:15.958] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher habe ich nur über MS und Schizophrenie nachgedacht.

[00:49:16.120] – Dr.med. Ursula Davatz

Heute habe ich zwei Patienten, die MS und ADHS/ADS haben.

[00:49:27.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich erkläre mir das so: ADHS/ADS Patienten haben eine breite Aufmerksamkeit. Sie
haben Mühe zu fokussieren.

[00:49:34.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Man gibt den ADHS/ADSlern Amphetamine, damit sie besser fokussieren.

[00:49:52.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie nicht fokussieren können, immer abgelenkt werden, dann sind die ständig am
Suchen und das führt dann auch zur MS.

[00:50:08.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will immer mehr, als man eigentlich machen kann.

[00:50:12.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Man weiss nicht, was man will.

[00:50:13.410] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die ganze Ambivalenz, die dann auftritt.

[00:50:16.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Daher kann ich auch einen Zusammenhang sehen zwischen ADHS und MS.

[00:50:22.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Frau, die das hat und ein Mann, der das hat.

[00:50:26.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Beide haben ihren Beruf noch nicht gefunden.

[00:50:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
ADHS/ADSler werden früher dement.

[00:50:30.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nicht fokussiert, wenn man sein Gehirn nicht strukturiert, wenn dann die
Fähigkeiten nachlassen, besteht die Gefahr, dass man den Fokus ganz verliert.

[00:50:46.120] – Bemerkung 9
Das ist eine neurologische Reaktion.

[00:51:29.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja genau.

[00:51:29.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gehirn wird geboren mit vielen Synapsen. In der Pubertät geschieht das Synaptic
Pruning. Dann werden Autobahnen gemacht, Dinge werden verschaltet, es werden
Netzwerke gebildet.

[00:51:29.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man nie ein funktionierendes Netzwerk bildet, dann hat man einfach immer Heu
im Kopf, ein Durcheinander im Kopf, Turbulenz im Kopf.

[00:51:44.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Fokussieren kann nur jeder selber.

[00:51:49.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Er/Sie muss selber entscheiden, was er/sie will und zu dem stehen.

[00:51:54.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das darf nicht durch die Erziehung zerstört werden.

[00:51:58.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist die schwierige Zeit in der Pubertät, wo man als Eltern das Vertrauen haben
muss, dass die Kinder ihren Fokus finden. Man muss eine klare Person darstellen für
die Auseinandersetzung. Die muss man leben.

[00:52:21.200] – Bemerkung 10
Ein Mädchen sagte zu mir: ich habe ganz viel im Kopf. Sie hat das ganz reizend und toll
erzählt. Sie fand das auch gut. Ich bin kreativ, ich habe viel im Kopf.

[00:52:52.590] – Bemerkung 10
Die kleine Schwester hat noch viel mehr im Kopf. Die beiden Schwester sind sehr
lebhaft.

[00:52:53.090] – Bemerkung 10
Die Mutter sagte: am Abend wird es schwer, die die Medikamente aufhören.

[00:53:06.140] – Bemerkung 10
Die Tochter antwortete: ja Mama, aber dann kann das frei strömen. Dann strömt das!

[00:53:12.680] – Bemerkung 10
Die nimmt das als elfjähriges Mädchen sehr gut wahr.

[00:53:26.760] – Bemerkung 10
Jetzt geht es darum: was machen wir mit dem Storm.

[00:53:26.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man hinhört, dann hört man es.

[00:53:32.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Das mit dem Strömen, das ist der Flow. Das sagen auch die Sportler.

[00:53:50.480] – Bemerkung 11
Das kann man lernen.

[00:53:52.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Psychopharmaka, die verschrieben werden, die tun entweder dämpfen oder
raufsetzen.

[00:54:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache mich lustig über Psychopharmakotherapie.

[00:54:08.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben da tolle Diagnosen, aber bei allem wird alles geben.

[00:54:15.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, so ist es, wenn man genau hinschaut.

[00:54:19.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychopharmaka sind zum Teil sehr hilfreich, die tun die Symptome bekämpfen.

[00:54:26.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie tun die Hyperaktivität von den ADHS/ADSlern runterdrücken.

[00:54:31.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind Neuroleptika.

[00:54:34.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man im Loch ist, dann tut man sie wieder hochholen mit Antidepressiva, mit
Stimulierenden oder mit Reizabschirmenden. SSRI, das sind die modernen
Antidepressiva, die tun den Reiz abschirmen.

[00:54:50.820] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann wird man ein bisschen stumpfer, dann ist mir alles ein bisschen egal.

[00:54:54.370] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann falle ich nicht in ein Loch oder werde auch nicht übertrieben euphorisch.

[00:55:03.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die tun immer nur Symptome bekämpfen und das Lernen verhindern.

[00:55:08.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin natürlich ehrgeizig und ich will den Leuten beibringen, dass sie lernen, mit ihren
emotionalen Setting umzugehen.

[00:55:18.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann lernen, man kann lernen, aber es ist ein bisschen anstrengend.

[00:55:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Können wir mit den ADHS/ADSlern besser umgehen, können wir viele Krankheiten
verhindern.

[00:55:46.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss schon früh anfangen.

[00:55:56.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe jahrelang Mütterberaterinnen beraten, als Prävention der ersten Stunde.

[00:56:02.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe eine Zeichnung gemacht: Mütterberatung als Sparschwein.

[00:56:12.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Familienberatung als Sparschwein.

[00:56:19.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man Familienberatung macht, verhindert man, dass sich psychische Krankheiten,
auch somatische Krankheiten entwickeln.

[00:56:29.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit hat man sehr viel Gesundheitskosten gespart.

[00:56:33.290] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt läuft es genau umgekehrt.

[00:56:35.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Alles geht in die Krankheitskosten, in die Reparationskosten und bei der Schule wird
gespart.

[00:56:42.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist so dumm.

[00:56:45.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte mit Martina Bircher Kontakt. Ich bin zu ihr gegangen. Sie ist auch eine ADHS/
ADSlerin. Sie steht dazu.

[00:57:00.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie war recht offen.

[00:57:11.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Dagmar Rösler habe ich ein Interview gemacht.

[00:57:12.788] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.youtube.com/watch?v=O3rNcumGbAE

[00:57:13.040] – Dr.med. Ursula Davatz

Sie ist Präsidentin vom Schweizerischen Lehrerverband.

[00:57:36.971] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.blick.ch/community/leser-ueber-fehlende-deutschkenntnisse-wer-hier-in-die-schule-geht-muss-deutsch-koennen-id21364332.html

[00:57:37.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Dagmar Rösler lehnt sich jetzt auch an Martina Bircher an. Sie verwendet die
Nomenklatur von Martina Bircher.

[00:57:41.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird jetzt von der Inklusion gesprochen.

[00:57:51.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder mit speziellen Bedürfnissen gibt es nicht. Die Lehrer haben spezielle
Bedürfnisse, zu lernen mit diesen Kindern umzugehen.

[00:58:23.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Der flexible Austausch innerhalb vom Bildungssystem ist wichtig. Ich bleibe in Kontakt
mit Martina Bircher und Dagmar Rösler.

[00:58:59.160] – Bemerkung 11
Als Privatschule funktionieren wir anders als die Regelschule. Wir haben keinen Druck,
die Kinder haben viel Platz, wir können dort all die Kinder super begleiten. Wir haben
jetzt 50 Schüler dort. Mehr Platz, mehr Freiheit, mehr Raum, für das was sie im Kopf
haben.

[00:59:19.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt immer mehr Privatschulen, weil die Staatsschule versagt hat.

[00:59:39.040] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Staatsschule hinkt den ganzen Bewegungen hinten drein. Daher bin ich total für
diese solche Privatschule.

[00:59:46.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Problem ist, die müssen dann rentieren und dann können sich die Kinder von
armen Familien die Schule nicht leisten.

[00:59:58.420] – Bemerkung 11
Ja, die Finanzen sind ein grosses Thema.

[00:59:58.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Geht zum Kanton Geld holen.

[00:59:58.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Martina Bircher muss das Geld vom Gesundheitsdepartement bei Jean-Pierre Gallati
holen. Dort wird das Geld oft verschwendet.

[00:59:58.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Bratsch, ein Dorf macht Schule, kennen sie diesen Film?

[01:00:30.815] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.playsuisse.ch/de/show/2473306

[01:00:30.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Da haben zwei Lehrer ein Schulhaus gemietet im Wallis und haben die Schule anders
aufgezogen.

[01:00:37.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Einfach Arbeitsgruppen und innerhalb von dieser Zusammenarbeit, lernen die kinder
alles.

[01:00:47.990] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie lernen auch Führung. Es führt ein Mädchen die Sitzung und sagt dem
Gemeindepräsidenten wie sie vorgehen möchte. Sie lernen Führung.

[01:01:06.340] – Bemerkung 12
Sie lernen auch auf einem anderen Weg, viel natürlicher.

[01:01:09.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein total anderer Weg. Sie wollen auch Unterstützung vom Staat bekommen.

[01:01:20.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige Kinder in Privatschulen gehabt. Die einen haben es gut gemacht, die
anderen haben wieder das Gleiche verwendet.

[01:01:44.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein Umdenken muss stattfinden.

[01:01:56.060] – Bemerkung 13
Wenn man es überdenkt, das ist ja etwas immer Wiederkehrendes.

[01:02:04.300] – Bemerkung 13
Wenn man diese psychologischen, psychotherapeutischen Strömungen anschaut. Du
hast ja angefangen mit den Herren Freud, Jung und Bowen.

[01:02:13.230] – Bemerkung 13
Wie es sich entwickelt hat, ist ja heute eine der aktuellsten Strömungen diese
Schematherapie.

[01:02:19.051] – Bemerkung 13
https://de.wikipedia.org/wiki/Schematherapie

[01:02:19.420] – Bemerkung 13
Du hast in deinem Buch das ziemlich clever gemacht, du bist nicht zurück zum Freud
gegangen.

[01:02:28.490] – Bemerkung 13
Deine Theorie ist schon dieses Regelwerk: was habe ich für Werte? Was habe ich für
Regeln? Wie habe ich die selber gelernt? Und wie gebe ich es an meine Kinder weiter?

[01:02:46.200] – Bemerkung 13
Dieses Wissen kann man mittlerweile auch über Podcasts überall abholen, nicht offiziell
als Patient, nicht diagnostiziert, nicht in irgendeiner Therapie.

[01:03:00.740] – Bemerkung 13
Es geht darum: wie gehe ich auch im erwachsenen Alter mit diesem Erbe um? Was ich
mutmachend fand, war: du kannst in jeder Zeit noch nachlernen und nachreifen.

[01:03:14.360] – Bemerkung 13
Wir arbeiten mit den Eltern. Eigentlich helfen wir den Eltern nachzureiten.

[01:03:22.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Absolut.

[01:03:24.620] – Bemerkung 13
Ihr kommt nicht mit diesen Regeln. Du bist alleine schon eine Institution. Wir arbeiten
beschreibend, nach Marte Meo. Wir machen Interaktions-Mikro-Analysen. Es geht um
das Beschreiben.

[01:04:34.500] – Bemerkung 13
Freud ist nicht so weit entfernt von der Schematherapie. Wie gehst Du mit dem
Erworbenen, genetisch mitgegeben, Erlerntem um?

[01:04:55.870] – Dr.med. Ursula Davatz

Ganz genau.

[01:04:56.620] – Bemerkung 13
Deine 13 Erziehungstipps am Schluss, Positives Leiten.

[01:05:16.220] – Bemerkung 13
Nicht, du musst deine Schuhe dahin stellen, sondern „Aha" so geht es.

[01:05:21.200] – Bemerkung 13
Ich selber bin auch eher jemand Direktiveres, lustigerweise.

[01:05:31.000] – Bemerkung 13
Zu mir kommen auch Eltern mit ganz kleinen Kindern. Ich sage es wird gut, es kommt
gut. Ihr macht das gut. Da wirken die Eltern selber wie Kinder wieder, weil sie
unerfahren sind.

[01:05:31.670] – Bemerkung 13
Das ist das, was in eurer Arbeit manchmal so schwierig ist: wo müsst ihr führen und
direktiv sein, ohne eine Ursula Davatz sein zu können.

[01:06:02.350] – Bemerkung 13
Wo kann man einfach zuschauen und einfach mal beschreiben.

[01:06:07.430] – Bemerkung 13
Ein missbrauchtes Kind, das dem Vater abends helfen muss oder nachts aufs WC und
so weiter.

[01:07:07.340] – Bemerkung 13
Was brauchen die ADHS/ADS Borderline Mütter? Du bringst alles miteinander in
Verbindung, weil du auch Muster siehst.

[01:08:03.800] – Bemerkung 14
Mit ADHS/ADS Mütter muss ich laufen gehen. Ich kann mit denen nicht an einem Tisch
sitzen.

[01:08:17.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Jung ging mit seinen Leuten auch laufen. Es kommt etwas in Gang.

[01:08:35.420] – Bemerkung 14
Ich brauche auch weniger Energie, wenn ich mit ihnen laufen gehe.

[01:08:40.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das glaube ich sofort.

[01:08:45.720] – Bemerkung 14
Die Gespräche kommen mehr in den Flow.

[01:08:57.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe zum Teil Eltern von schwierigsten Schizophreniepatienten.

[01:09:09.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle verzweifeln, die Behörden und alles funktioniert nicht.

[01:09:14.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann muss ich manchmal auch sagen: laufen lassen.

[01:09:18.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann nichts machen, aber ich begleite den Vater oder die Mutter einfach weiter.

[01:09:25.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Von Anfang an mit ihnen laufen zu gehen tut denen gut und tut dir gut!

[01:09:26.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt etwas in Gang, ohne dass man weiss, was es ist. Eine gute Technik.

[01:09:42.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine psychotische Patientin habe ich besucht und bin mit ihr laufen gegangen. Die
funktioniert heute wieder.

[01:10:18.920] – Bemerkung 15
Mütter mit Borderline kann man gut Necken und zum Lachen bringen. Das tut mir gut.
Einen Witz darüber machen. Das bringt Ruhe rein.

[01:10:58.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Einen neuen Fokus setzen mit Necken und Humor. Super.

[01:11:36.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Leute im KZ haben besser überlebt, wenn sie sich immer Witze erzählt haben.

[01:12:23.200] – Bemerkung 16
Ein narzisstischer Vater mit ADHS/ADS Tochter. Der Vater müsste eine Führung
übernehmen. Er lässt die Tochter machen, was immer sie möchte.

[01:13:08.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde ihn fragen: was hat sein Vater für eine Führungsrolle gehabt? Wie hat er das
Empfunden? Was empfand er gut daran? Was nicht? Das ist persönlich. Man geht in
die Dritte Generation hoch.

[01:13:27.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Die patriarchale Führung sieht man heute in der Politik aus agiert.

[01:13:49.640] – Dr.med. Ursula Davatz

Gebildete Väter wollen das wahrscheinlich nicht; sie dürfen nicht alles über Bord
werfen.

[01:13:51.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sieht er idealerweise für eine männliche Führungsrolle?

[01:14:11.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Verkäufer muss er verführen können.

[01:14:17.730] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Vater, wie stellen sie sich idealerweise eine väterliche Führungsrolle vor?

[01:14:37.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Prinzipien, welche Wertvorstellungen haben sie?

[01:14:43.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Was wollen sie ihren Kindern weitergeben?

[01:14:45.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein philosophisches Gespräch, ein theoretisches Gespräch.

[01:14:50.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Was von dem fällt ihnen am leichtesten und was fällt ihnen am schwersten?

[01:14:51.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man führt, stosst man auf Widerstand und dann hat einem das Kind nicht mehr
gern.

[01:15:07.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor dem hat man Angst.

[01:15:09.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Vater-Tochter-Beziehung, die geht nie kaputt.

[01:15:20.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die darf auch ein bisschen Wirbel enthalten.

[01:15:21.330] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss den Vater stützen, dass er nicht Angst hat, dass er die Liebe von seiner
Tochter verliert.

[01:15:21.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Vater-Tochter-Liebe beschreibe ich in meinem anderen Buch als Trojanisches
Pferd.

[01:15:41.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Einerseits ist eine gute Vater-Tochter-Beziehung toll für die Tochter, aber wenn da gar
keine Führung mehr drin ist, dann ist es gar nicht gesund.

[01:15:56.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde ganz theoretisch daran heran gehen.

[01:16:01.000] – Bemerkung 17
Das haben wir auch schon angedacht.

[01:16:11.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann sagen: heute möchte ich mit ihnen einmal über die Vaterrolle sprechen.
Absolut theoretisch.

[01:16:19.030] – Bemerkung 18
Die Tochter verweigert den Kontakt zur Mutter.

[01:16:36.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann ist sie ganz auf der Seite vom Vater. Dort hat sie eine Macht.

[01:16:41.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Da darf man sagen: das ist schön, aber es braucht auch noch eine Führungsrolle, sonst
tun wir der Tochter keinen Dienst. Sie wollen zusammen mit ihm eine tolle Tochter
machen. Eine tolle Tochter, die erfolgreich ist. Dazu braucht es auch noch ein wenig
Führung.

[01:16:50.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Somit haben sie zusammen das Ziel, eine ganz tolle Tochter zu machen.

[01:16:51.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das gibt dann eine erfolgreiche ADHS/ADS Frau. Bisher haben es oft nur die Männer
geschafft!

[01:17:49.200] – Bemerkung 19
Ich beobachte die Provokationen oft schon bei jüngeren Kindern, schon vor der
Pubertät. Das provozieren sehe ich auch oft bei den unsicheren Kindern. Die suchen oft
so auch die Beziehung.

[01:18:26.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Unsicherheit wird damit auch überdeckt.

[01:18:29.010] – Bemerkung 20
Das kommt schon im Kindergarten vor.

[01:18:29.230] – Bemerkung 21
Die Erwachsenen benötigen Worte um das Verhalten der Teenager fassbarer zu
machen, damit sie das Verhalten der Teenager besser einordnen können.

[01:18:29.350] – Bemerkung 22

Darum brauchen wir auch all diese Diagnosen.

[01:19:25.960] – Bemerkung 22
Wir brauchen was im Aussen, was nicht damit zu tun hat, dass wir irgendwas falsch
machen. Es muss so trianguliert werden. Wenn das eine Diagnose ist oder ein
Fachbegriff ist, dann ist das nicht mehr für uns gefährlich.

[01:19:50.980] – Bemerkung 22
Das finde ich spannend.

[01:19:51.270] – Bemerkung 22
Es geht immer um diese Emotionen, um die emotionale Monsterwelle. Der Papa will
lieb gehabt werden. Eigentlich will der nur lieb gehabt werden.

[01:20:13.880] – Bemerkung 22
Emotionen, Überforderung, Anstrengung, die Eltern sind erschöpft, die Eltern sind
genervt, die Eltern verstehen die Sachen nicht.

[01:20:24.160] – Bemerkung 22
Nur alleine, dass ihr da seid, helft ihr schon, dieses Emotionale einzudämmen. Dann ist
es nicht mehr so unüberschaubar.

[01:20:29.750] – Bemerkung 22
Das Hirn muss strukturieren, es muss lernen, sich zu strukturieren, damit es nicht heiss
glüht, damit es keinen Overload gibt.

[01:20:37.330] – Bemerkung 22
Wir sind auch ganz oft bei dem gewesen, dass man viele Sachen aushalten muss.

[01:21:15.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Ganz genau.

[01:21:16.460] – Bemerkung 22
Pathological Demand Avoidance: keiner in diesen Systemen hält noch schwierige
Gefühle aus.

[01:21:25.180] – Bemerkung 22
Wenn das Kind schreit, geht es nicht, dann machen die Eltern was falsch. Die Mama
sagt: ist es Recht so?

[01:21:27.200] – Bemerkung 22
Dann kommen die Bulldozer, wie Trump.

[01:21:27.200] – Bemerkung 22
Hey, wir halten das aus. Ja, das sind blöde Gefühle.

[01:21:56.940] – Bemerkung 22
Allein diese Überwindung.

[01:22:19.420] – Bemerkung 22
Allein der Schritt zu sagen: wir lassen das zu, glaube ich, das ist schon eine grosse
Eintrittspforte, dass die wirklich spüren, wir sind in Not, wir müssen jemanden haben
und sie lassen euch rein und ihr seid zu Hause und ihr dürft das alles miterleben und ihr
haltet das mit aus.

[01:22:37.190] – Bemerkung 22
Ich glaube, es gibt zu wenig Hota. Für mich stimmen im Moment auch die Bedingungen,
unter denen wir Hota anbieten können, überhaupt nicht mehr.

[01:22:45.460] – Bemerkung 22
Man müsste eigentlich Galatti und Bircher zusammenstecken und mit denen wirklich
mal schauen, um was geht es eigentlich in der Psychiatrie und was brauchen die
Menschen eigentlich.

[01:22:57.180] – Bemerkung 22
Wann nehmen wir das zu uns, dass das einfach auch ein normales Verhalten ist?

[01:23:08.640] – Bemerkung 22
Es gibt so einen Verlegenheitslachen, oder?

[01:23:13.040] – Bemerkung 22
Hey, schau dieses Kind an. Wie geht es dem? Was braucht es? Und dann bist du da.

[01:23:18.720] – Bemerkung 22
Ich kann keine Bücher schreiben und kann das auch nicht wissenschaftlich, aber von
der Erfahrung her, finde ich, bin ich sehr bei dem, dass man da eben gar nicht so viel
Diagnosen bräuchte.

[01:23:32.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Nein, brauchen wir nicht.

[01:23:33.810] – Bemerkung 22
Dass man einfach schaut: wie geht es dir? Was brauchst du? Was tut dir gut?

[01:23:38.280] – Bemerkung 23
Wenn man die Eltern fragt: wozu brauchen sie die Diagnose? Das gibt immer sehr
spannende Gespräche. Oft geht es nur um das, dass ich nicht alles falsch mache. Man
nimmt sich nicht die Zeit. Es nimmt den Druck von der Warteliste weg.

[01:24:15.000] – Bemerkung 24
Man muss auf dem Spielplatz sagen können: mein Kind hat das und das.

[01:24:20.040] – Bemerkung 25
Ich gehe mit dem ADHS/ADS Kind auch nicht ins Restaurant. Die müssen sich dort
abends um 19.00 Uhr nicht performen.

[01:24:35.520] – Bemerkung 26
In Italien ist das normal. Wir haben fünf Minuten zusammen gegessen und dann sind
wir spielen gegangen. Wir haben auch gestritten. Man durfte Kind sein, es ist eine
Gabel runter gefallen, kein Problem. Ich kann das aushalten.

[01:25:35.640] – Bemerkung 26
Alle Babys sind perfekt gekleidet.

[01:25:43.460] – Bemerkung 27
Die jungen Mädchen, die sich schön machen, die machen sich nicht nur für die Männer
schön, die machen sich für die Welt schön, für Instagram, für jeden. Das ist ein grosser
Druck.

[01:26:01.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das stimmt, aber es ist das alte Modell. Eine Frau muss sich durch ihre Schönheit
profilieren. Die konkurrenzieren auch untereinander. Wer ist die schönste.

[01:26:19.720] – Bemerkung 28
Wer kriegt am meisten Likes. Die Likes kann man auch kaufen.

[01:26:33.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Rund um das Mittelmeer hat es mehr ADHS/ADSler. Das ist der Handelsraum gewesen.
Dort ist das Multi-Tasking von Vorteil gewesen.

[01:27:14.450] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wurde auch aus der Steinzeit Gene untersucht. Dort hat man noch 50% ADHS/ADS
Genom gefunden. Heute sind es noch 5%. Das wird selektioniert.

[01:27:24.190] – Dr.med. Ursula Davatz
In der intellektuellen, westlichen Gesellschaft werden die ADHS/ADSler zum Teil raus
sortiert.

[01:27:36.267] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe viele ADHS/ADS Familien mit sehr viel Talent, aber alle sind irgendwie
verkommen.

[01:27:36.567] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist sehr tragisch.

[01:27:36.597] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn sie den Weg durch den pubertären Flaschenhals nicht finden, werden sie raus
selektioniert, dann kann alles schief gehen.

[01:27:36.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt einen Anlass im Bundeshaus zum Thema ADHS/ADS.

[01:28:05.760] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs20plus.ch/events/jugendliche-mit-adhs-bringen-ihre-anliegen-ins-bundeshaus/

[01:28:23.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dort eine Arbeitsgruppe zum Thema: Übergang im Beruf.

[01:28:24.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir wollen im Bundeshaus, dort wo die Politik gemacht wird, ein bisschen
Aufmerksamkeit schaffen für das Thema ADHS/ADS.

[01:29:07.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir es bei den Schulen nicht schaffen, dann machen wir es halt jetzt im
Bundeshaus.

[01:29:13.020] – Dr.med. Ursula Davatz

Es läuft etwas.

[01:29:15.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele ADHS/ADSler sind natürlich nach Amerika ausgewandert, weil es ihnen in Europa
zu eng war.

[01:29:21.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort gab es auch Erfolge und Misserfolge.

[01:29:26.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort ist viel mehr Raum gewesen um sich entfalten zu können. Das Land der
unendlichen Möglichkeiten.

[01:29:41.100] – Bemerkung 29
In den USA ist der Überlebenskampf härter. Dort musst Du leisten.

[01:30:04.920] – Bemerkung 29
Es ist schwierig eine intrinsische Motivation aufzubauen, wenn du in diesen Ecken, wo
du schlecht lebst oder diskriminiert lebst. Du musst dich eigentlich nicht mehr um die
eigene Leistung bemühen.

[01:30:18.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde, das ist die Kehrseite.

[01:30:21.200] – Bemerkung 30
Wenn du es in den USA schaffst, musst du dich wirklich sturkturieren.

[01:30:28.990] – Bemerkung 30
Wo ist der Anreiz?

[01:30:29.946] – Bemerkung 30

Dort beissen wir uns an bestimmten Familien die Zähne aus. Wir sind nicht die, die
dann sagen können: du musst. Wir wollen auch nicht drohen: wenn du nicht, dann! Die
Macht haben wir nicht.

[01:30:30.000] – Bemerkung 30
Wenn es um die Kindeswohl Gefährdung geht, dann nützen wir die Macht.

[01:31:11.500] – Dr.med. Ursula Davatz
In den USA ist der Überlebenskampf viel härter als hier in Europa. Man kämpft.

[01:31:20.110] – Bemerkung 30
Es ist immer zwischen Können und Müssen. Wie kannst du die Leute motivieren, dass
die in eine eigene Verantwortung und in eine eigene Handlung kommen?

[01:31:30.000] – Bemerkung 30
Ihr helft nachzureifen. Ihr helft Emotionen auszuhalten, zu kanalisieren. Ganz oft macht
ihr auch Strukturierung. Ihr helft das Gewimmel im Kopf zu sortieren.

[01:31:30.080] – Bemerkung 30
Das ist viel Arbeit.

[01:32:01.380] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Beziehung bleiben mit den Familien, aushalten, nicht untergehen dabei, klar
aushalten und sanft interagieren oder manchmal auch hart, aber nicht so ehrgeizig sein,
gleich etwas ändern zu können.

[01:32:25.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Rein vom systemischen Denken her, in In der Familientherapie sind viele systemische
Theorien reingekommen.

[01:32:34.560] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn ihr in dem System drinnen seid, für euch strukturiert seid, seid ihr da wie ein
Kristall in einer Lösung.

[01:32:48.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit der Zeit tut sich dann das System nach dem auch ein bisschen ordnen.

[01:32:54.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal ist nichts machen, mehr.

[01:32:57.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Doch präsent und wachsam sein.

[01:33:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Sozialpsychiatrie in Königsfelden habe ich gesagt: wachsam begleiten.

[01:33:07.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man ist immer da, man ist wachsam, man hört zu, man hört, man interagiert, man
schläft nicht ein.

[01:33:14.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Analytiker sind zum Teil eingeschlafen hinter dem Rücken vom Patienten.

[01:33:21.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Man darf nicht einschlafen. Man muss wachsam begleiten.

[01:33:26.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Gegenüber merkt es.

[01:33:32.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht so viel wollen.

[01:33:35.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Nur schon dort sein, wachsam begleiten, ist eine riesige Leistung.

[01:33:41.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich natürlich auch in der Sozialpsychiatrie gelernt.

[01:33:44.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben Patienten gehabt, die 40 Jahre in der Klinik waren.

[01:33:48.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Einige davon haben wir rausgebracht.

[01:33:51.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Man durfte nicht zu ehrgeizig sein, sonst hat es einem immer überstellt.

[01:34:00.860] – Bemerkung 31
Du hast wirklich auch Fallbeschreibungen drinnen. Das hat mir persönlich als
Psychiaterin sehr gut getan, wo es einfach nicht geklappt hat.

[01:34:15.160] – Bemerkung 31
Da sind Patienten doch gestorben, haben nicht den Eintritt geschafft.

[01:34:20.840] – Bemerkung 31
Das ist das, was für uns alle so schwierig ist.

[01:34:26.380] – Bemerkung 31
Sie steht auch dazu, dass man eben nicht alles finden kann. Wir können nicht alles
richten.

[01:34:31.520] – Bemerkung 31

Wenn wir alle in diese Berufe gehen, in diese Helferberufe, da ist die Messlatte da
oben.

[01:34:36.880] – Bemerkung 31
Da darf man auch dazu stehen. Da helfe ich nicht, da kann ich nichts mehr tun.

[01:34:58.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann es nicht vorhersagen und ich kann es auch nicht herbei zwingen.

[01:35:03.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kann die Veränderung nicht herbei zwingen.

[01:35:06.720] – Bemerkung 32
Ich kann es nicht voraussagen. Ich höre immer wieder die Frage: können wir nicht nur
die Familien begleiten, wo wir wissen, dass es etwas bringt.

[01:35:09.520] – Bemerkung 32
Es gibt gewisse Hinweis, wo man vielleicht sagen kann, dass es schwieriger werden
kann oder einfacher sein kann. Es gibt keine klaren Kriterien. Wir können beim In-Take
nicht besser schauen. Es gibt viele Überraschungen.

[01:36:06.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Es bleibt ein Abenteuer.

[01:36:34.570] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen zum sokratischen Lernen zurück. Der Therapeut lernt von seiner Familie.

Jugend heute

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/01/Jugend-heute-25.1.2026.mp4.pdf

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz

25.1.2025
Jugend heute
Audio

[00:00:02.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommt ein Text für einen neuen Podcast.

[00:00:08.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Jugend von heute geht es psychisch zunehmend schlechter.

[00:00:14.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie als Gesundheitsversorgungssystem hat lange Wartezeiten.

[00:00:24.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Der psychiatrische Nachwuchs fehlt.

[00:00:27.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen in der Schweiz ausländische Psychiater einführen, quasi Migranten, um
unser Versorgungssystem aufrecht erhalten zu können.

[00:00:47.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Des Weiteren haben wir Lehrermangel.

[00:00:49.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer mehr Lehrer steigen aus, lassen sich frühzeitig pensionieren, werden krank mit
Burnout und es müssen Quereinsteiger reingeholt werden, um das Schulsystem noch
versorgen zu können.

[00:01:21.300] – Dr.med. Ursula Davatz

Auf politischer Ebene streitet man sich darüber, was die richtige Schule ist von heute
oder sein sollte, integrativ oder separativ.

[00:01:34.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Zeit vergeht und die Kinder und Jugendlichen leiden weiter.

[00:01:41.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schule stellt also ein politisches Kampffeld dar, was nicht gerade hilfreich ist.

[00:01:51.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Frage: Was läuft falsch in unserem System, in unserer sozialen Versorgung, in unserer
Schulversorgung?

[00:02:19.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein paar systemische Überlegungen:

[00:02:35.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychische Krankheiten entstehen aus fehl gelaufenen menschlichen Beziehungen, die
chronischen Stress erzeugen.

[00:02:44.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Sozialisierung des Menschen beginnt in der Familie und später innerhalb des
öffentlichen Schulsystems.

[00:02:53.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Gehirn ist ein soziales Organ mit starker Beeinflussbarkeit durch menschliche
Beziehungen, die leider die bei der heutigen Jugend vermehrt über digitale Medien
massiv beeinflusst wird.

[00:03:14.720] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Medien sind jedoch an erster Stelle am Verkauf interessiert, auf Erhöhung des
Konsums und Gewinnmaximierung, aber nicht an einer gesunden Erziehung unserer
nächsten Generation.

[00:03:37.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Gewinnmaximierung geht vor gesunder Erziehung und Sozialisierung.

[00:03:45.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Politiker ihrerseits sind auf Wiederwahl ausgerichtet und ebenfalls nicht auf das
gesundheitliche Wohl unserer Kinder und Jugendlichen, das heißt, unserer Zukunft.

[00:04:03.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Die medizinische Versorgung wurde kommerzialisiert.

[00:04:10.750] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie ist somit ebenfalls vermehrt auf Profit ausgerichtet.

[00:04:17.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Gesundheitsprävention hat einen kleinen Stellenwert innerhalb unseres
Versorgungssystems, obwohl die Prävention viele Kosten sparen könnte.

[00:04:46.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wollen wir uns um unsere Jugend und unsere Zukunft nachhaltig kümmern, müssen wir
bei den Familien und in der Schule beginnen.

[00:05:06.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen die Eltern, verantwortlichen Erziehungspersonen in den Schulsystemen
vermehrt unterstützen, dass sie in der heutigen, anspruchsvollen, herausfordernden
Zeit gesunde Kinder und Jugendliche erziehen können, die den Herausforderungen des
heutigen anspruchsvollen Lebens gewachsen sind.

[00:05:37.370] – Dr.med. Ursula Davatz

Wie die Statistik leider zeigt, ist dies nicht mehr der Fall.

[00:05:47.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Erziehungspersonen haben eine starke Konkurrenz durch die digitalen Medien.

[00:05:53.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie müssen sich also das Interesse der Jugend hart erkämpfen.

[00:06:02.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Dazu braucht es Kreativität, Experimentierfreudigkeit, Austausch untereinander zur
Anregung neuer Ideen, sogenannte Quer-Befruchtung.

[00:06:19.590] – Dr.med. Ursula Davatz
Es braucht eine Förderung der Best Practices.

[00:06:28.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Schulsystem müsste vermehrt vernetzt und flexibilisiert werden, statt bürokratisch
reglementiert zu sein.

[00:06:47.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Die psychiatrische Versorgung als Stützung der Erziehungspersonen von ADHS/
ADSlern, Professionelle sowie Familien, müssen vermehrt dafür eingesetzt werden, für
diese Unterstützung.

[00:07:34.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Reparationsinterventionen einzuführen über die offizielle Psychiatrie, wenn schon alles
fehlgelaufen ist, ist viel zu teuer.

[00:07:48.120] – Dr.med. Ursula Davatz
D i e G e l d e r m ü s s e n v e r m e h r t i n d i e P r ä v e n t i o n , d i e Ve r h ü t u n g v o n
Krankheitsentwicklungen bei Individuen mit neurodivergentem Gehirn, ADHS/ADS,
fliessen.

[00:08:18.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Die ungünstige Gen-Umfeld-Interaktion zwischen einer mangelnden Passung des
Erziehungsstils zum neurodivergenten Kind, müsste unbedingt angegangen werden,
wahrgenommen werden.

[00:08:35.720] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Systemveränderung muss stattfinden.

[00:08:39.250] – Dr.med. Ursula Davatz
Es wird beklagt, dass immer mehr Kinder einen Nachteilsausgleich erhalten und man
spricht dann von inflationärer Verwendung der ADHS/ADS Diagnose.

[00:08:57.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage es umgekehrt.

[00:09:00.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ganze System muss den neurodivergenten Kindern vermehrt angepasst werden.

[00:09:16.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine Erziehung, die den neurodivergenten Kindern gerecht wird, kommt auch allen
anderen Normotypen zugute.

[00:09:30.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Unser Erziehungssystem hinkt hinter der schnellen Digitalen Entwicklung und der
Berieselung durch das Internet hinterher.

[00:09:50.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Dies muss korrigiert werden.

[00:09:58.000] – Dr.med. Ursula Davatz

Eine Netzwerkbildung unter Erziehungspersonen zum Thema Umgang mit ADHS/ADS
Kindern und Jugendlichen, wäre von großem Vorteil und würde langfristig, nachhaltig
große reparative Gesundheitskosten sparen.

Bildungspolitische Ressourcenplanung

Die bildungspolitische Ressourcenplanung wird in den Quellen als ein Spannungsfeld zwischen ökonomischem Spardruck und der notwendigen pädagogischen Qualität beschrieben. Eine effektive Planung muss demnach über die reine Budgetierung hinausgehen und langfristige gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Folgen berücksichtigen.

Hier sind die zentralen Aspekte der bildungspolitischen Ressourcenplanung:

1. Personelle Ressourcen und Ausbildung

Ein kritischer Punkt in der Ressourcenplanung ist der Fachkräftemangel, insbesondere bei Lehrkräften mit heilpädagogischer Zusatzausbildung.

  • Grundausbildung erweitern: Die Quellen fordern, dass Wissen über Neurodiversität (ADHS, Autismus) und Heilpädagogik kein freiwilliger Zusatz, sondern ein verpflichtender Teil der Grundausbildung für alle Lehrpersonen sein muss.
  • Support-Teams: Zur Entlastung der Regellehrpersonen müssen Ressourcen für spezialisiertes Personal wie Heilpädagogen, Logopäden und Schulassistenten fest eingeplant werden. Besonders die Schulsozialarbeit wird als essenziell für die Bewältigung von Gruppenprozessen hervorgehoben.

2. Klassengrössen als limitierender Faktor

Die Quellen betonen, dass die beste pädagogische Strategie an unzureichenden Ressourcen scheitert, wenn die Klassen zu gross sind.

  • Obergrenzen: Eine Klassengrösse von 27 Schülern wird als „unmöglich“ bezeichnet, um den individuellen Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden oder eine erfolgreiche integrative Schule zu führen.
  • Individualisierung: Ressourcen müssen so geplant werden, dass Raum für Lerninseln bleibt, die eine kurzzeitige Entlastung des Kindes und der Klasse ermöglichen, ohne dass der Anschluss an den Lernstoff verloren geht.

3. Prävention als wirtschaftliche Strategie

Ein wesentlicher Aspekt der Ressourcenplanung ist die ökonomische Weitsicht. Dr. Davatz und Colette Basler argumentieren, dass Investitionen im Bildungsbereich massive Einsparungen im Gesundheitswesen zur Folge haben.

  • „Unten buttern“: Wenn Probleme frühzeitig durch niederschwellige Beratung und Förderung (z. B. frühe Förderung, Deutschkurse vor dem Kindergarten) aufgefangen werden, verhindert dies teure spätere Behandlungen von psychischen Erkrankungen.
  • Fehlgeleitete Ökonomisierung: Es wird kritisiert, dass das aktuelle System eher Geld mit der Behandlung von Krankheiten verdient, anstatt in die gesundheitsfördernde Sozialisation im Schulsystem zu investieren.

4. Politische Sicherung von Ressourcen

Ressourcenplanung ist massiv von politischen Mehrheiten abhängig. Am Beispiel des Aargauer Kinder- und Jugendhilfegesetzes zeigen die Quellen, wie schnell Ressourcen durch kurzfristige Sparanträge (z. B. Streichung von 800.000 Franken) gefährdet sein können.

  • Politisches Engagement: Fachpersonen müssen politisch aktiver werden, um den Wert von Bildungsressourcen zu verteidigen.
  • Zusammenarbeit statt Kompetition: Erfolgreiche Ressourcenplanung gelingt besser, wenn Verbände, Schulen und Fachleute gemeinsam auftreten, anstatt gegeneinander um Mittel zu konkurrieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine nachhaltige Ressourcenplanung nicht nur Geld verwaltet, sondern Strukturen für interdisziplinäre Zusammenarbeit schafft und den Fokus von der Reparatur (Medizin) zur Prävention (Bildung) verschiebt.

Man kann sich bildungspolitische Ressourcenplanung wie das Fundament eines Hauses vorstellen: Wer beim Fundament (der frühen Förderung und Grundausbildung) spart, muss später ein Vielfaches ausgeben, um die Risse im Gebälk (psychische Folgeschäden und soziale Ausgrenzung) mühsam zu flicken.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/01/Basler_Davatz_10.12.2025.m4a.pdf

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit wird in den Quellen als das entscheidende Gegenmodell zur reinen Konkurrenz (Kompetition) dargestellt, um die komplexen Herausforderungen im Bildungs- und Gesundheitssystem zu bewältigen. Sie ist kein optionaler Zusatz, sondern eine notwendige Voraussetzung für das Wohlbefinden der Kinder und die psychische Gesundheit der Lehrpersonen.

Hier sind die zentralen Aspekte der interdisziplinären Zusammenarbeit, wie sie in den Quellen diskutiert werden:

1. Akteure und Ebenen der Vernetzung

Eine erfolgreiche Zusammenarbeit muss berufsübergreifend stattfinden. Zu den beteiligten Gruppen gehören:

  • Schulintern: Lehrpersonen, Schulleitungen, Heilpädagogen, Logopäden, Schulassistenten und insbesondere die Schulsozialarbeit.
  • Externes Fachpersonal: Psychiater, Psychologen und Familientherapeuten, die eine systemische Sicht einbringen und Lehrkräfte im Umgang mit speziellen Fällen (z. B. Neurodiversität) beraten.
  • Politik und Verbände: Fachpersonen müssen sich politisch engagieren, um Ressourcen zu sichern und gesetzliche Rahmenbedingungen (wie das Kinder- und Jugendhilfegesetz) zu beeinflussen.

2. Die zentrale Rolle der Schulsozialarbeit

Die Quellen heben die Schulsozialarbeit als unverzichtbares Bindeglied hervor. Sie ermöglicht es, niederschwellige Beratungen anzubieten und schwierige Gruppenprozesse (z. B. Mobbing oder Konflikte in Mädchengruppen) aufzufangen, während die Lehrperson mit dem Rest der Klasse weiterarbeiten kann. Dies verhindert, dass einzelne Konflikte den gesamten Unterricht blockieren.

3. Hürden und psychologische Barrieren

Trotz der Vorteile gibt es oft Widerstände gegen externe Beratung:

  • Angst vor Kritik: Lehrpersonen empfinden den Blick von aussen oft als Bedrohung oder Kritik an ihrer Kompetenz.
  • Gefühl der Überforderung: Angesichts grosser Klassen (z. B. 27 Schüler) haben Lehrpersonen oft das Gefühl, eine „Lawine“ rolle auf sie zu, wenn zusätzliche therapeutische Ratschläge umgesetzt werden sollen.
  • Institutionelle Abschottung: Es wird berichtet, dass Ausbildungsinstitute (wie Pädagogische Hochschulen) teilweise wenig Offenheit für externes Expertenwissen zeigen.

4. Ökonomische und präventive Relevanz

Ein besonders wichtiger Punkt ist die wirtschaftliche Effektivität. Wenn Schulen, Familienberatung und medizinisches Personal Hand in Hand arbeiten, können Probleme frühzeitig erkannt und gelöst werden (Prävention). Dies würde massiv Geld im Gesundheitswesen sparen, da spätere teure Behandlungen aufgrund von „rausgedrückten“ oder psychisch erkrankten Kindern vermieden werden.

5. Best Practice und Voneinander-Lernen

Anstatt dass jede Schule für sich kämpft, sollten Schulen als Teams zusammenarbeiten und von Erfolgsmodellen (Best Practice) lernen. Der Austausch über funktionierende Konzepte wie Lerninseln oder erfolgreiche Teambildung ist effektiver als ein top-down verordnetes Schema.

6. Politisches Zusammenstehen

Die Quellen belegen am Beispiel des Aargauer Kinder- und Jugendhilfegesetzes, dass Zusammenarbeit auch auf politischer Ebene Früchte trägt. Durch den Zusammenschluss von Politikern, Verbänden und Fachleuten konnten drohende Kürzungen verhindert werden. Zusammenhalt und gemeinsame Überzeugung sind hierbei stärker als Einzelinteressen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass interdisziplinäre Zusammenarbeit bedeutet, das Kind nicht isoliert, sondern als Teil eines Systems (Schule, Familie, Gesellschaft) zu sehen und dieses System durch gebündeltes Fachwissen zu stützen.

Man kann sich interdisziplinäre Zusammenarbeit wie ein Sicherheitsnetz bei einem Seiltanz vorstellen: Die Lehrperson steht zwar auf dem Seil, aber das Netz – geknüpft aus Sozialarbeitern, Therapeuten und unterstützender Politik – sorgt dafür, dass ein Fehltritt nicht zum Absturz führt, sondern alle Beteiligten sicher aufgefangen werden.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/01/Basler_Davatz_10.12.2025.m4a.pdf

Neurodiversität im Unterricht

Die Neurodiversität im Unterricht umfasst Kinder mit unterschiedlichen neurologischen Funktionsweisen, wie etwa ADHS/ADS oder Autismus-Spektrum-Störungen. In den Quellen wird betont, dass ein erfolgreicher Umgang mit diesen Kindern eine Abkehr von rein medizinischen Defizit-Modellen hin zu einer stärkenorientierten Pädagogik erfordert.

Hier sind die zentralen Punkte zur Gestaltung eines neurodiversitäts-sensiblen Unterrichts:

1. Verständnis der neurologischen Ursachen

Der wichtigste Schritt für Lehrpersonen ist das Wissen, dass neurodivergente Kinder bestimmte Dinge nicht mit Absicht tun. Ihr Gehirn funktioniert schlichtweg anders, was oft als Provokation missverstanden wird. Eine Sensibilisierung für diese Unterschiede – etwa zwischen Jungen und Mädchen oder die spezifischen Bedürfnisse bei Autismus – hilft Lehrkräften, Situationen adäquat einzuschätzen.

2. Praktische Anpassungen der Lernumgebung

Oft können bereits kleine, niederschwellige Massnahmen im Klassenzimmer die Belastung für neurodivergente Kinder massiv senken:

  • Licht und Schatten: Ein Kind mit ADHS sollte beispielsweise nicht am Fenster sitzen, wo es durch Lichtreize oder das Geschehen draussen abgelenkt wird; ein Platz im Schatten ist oft besser.
  • Reizreduktion: Der bewusste Umgang mit visuellem und akustischem Lärm ist entscheidend, um eine Überreizung zu vermeiden.
  • Individualisierung: Starre Schemata funktionieren nicht. Dies betrifft auch die Hausaufgaben: Manche Kinder benötigen die Freiheit, Aufgaben dann zu erledigen, wenn sie die nötige Konzentration aufbringen können, anstatt einem festen Zeitplan zu folgen.
  • Lerninseln: Die Nutzung von sogenannten Lerninseln ermöglicht es, sowohl das Kind als auch die restliche Klasse kurzzeitig zu entlasten, ohne dass der Anschluss an den Lernstoff verloren geht.

3. Pädagogische Strategien und Haltung

  • Verzicht auf Strafen: Klassische Erziehungsmethoden wie Belohnung und Bestrafung greifen bei neurodivergenten Kindern oft nicht und können die Situation sogar verschlechtern.
  • Beziehung vor Stoffvermittlung: Wenn die Beziehung zwischen Lehrperson und Schüler beschädigt ist, findet kein Lernen mehr statt. In eskalierenden Fällen kann es zum Schutz beider Parteien notwendig sein, sie räumlich zu trennen.
  • „Sein lassen“: Manchmal besteht die beste Unterstützung darin, den Druck herauszunehmen und das Kind „einfach mal sein zu lassen“, damit es seine eigenen Strategien entwickeln kann.

4. Systemische Unterstützung und Kooperation

Neurodiversität im Unterricht ist keine Aufgabe, die eine Lehrperson allein bewältigen kann.

  • Fachpersonal: Der Einsatz von Schulsozialarbeit, Heilpädagogen und Assistenten ist essenziell, um Gruppenprozesse zu begleiten und die Lehrkraft zu entlasten.
  • Einbezug der Familie: Kinder bringen immer eine Familiengeschichte mit. Eine Zusammenarbeit zwischen Schule, Eltern und Therapeuten (systemischer Ansatz) ist notwendig, um das Kind ganzheitlich zu stützen.
  • Ausbildung: Es wird gefordert, dass Wissen über Neurodiversität und Heilpädagogik ein verpflichtender Teil der Grundausbildung für alle Lehrpersonen wird, nicht nur eine freiwillige Zusatzqualifikation.

5. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Relevanz

Dr. Davatz weist darauf hin, dass eine bessere Unterstützung neurodivergenter Kinder im Schulsystem massiv Kosten im Gesundheitswesen sparen würde. Wenn Talente nicht „abgeklemmt“ werden, nur weil Kinder nicht ins Schema passen, können sie sich zu erfolgreichen Erwachsenen entwickeln. Prävention in der Schule ist somit effektiver als eine spätere Behandlung von psychischen Folgeschäden durch Ausgrenzung.

Man kann sich ein neurodiverses Klassenzimmer wie einen Garten vorstellen: In einem herkömmlichen Beet erwartet man, dass alle Pflanzen gleichzeitig und in die gleiche Richtung wachsen. Ein neurodiverser Garten hingegen erkennt an, dass der Farn Schatten braucht, während die Sonnenblume das Licht sucht – und dass der Gärtner nur dann eine reiche Ernte einfährt, wenn er jeder Pflanze den Boden und die Pflege gibt, die ihrer Natur entsprechen.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/01/Basler_Davatz_10.12.2025.m4a.pdf

Integrative Schule

Die Integrative Schule wird in den Quellen als das derzeit erfolgreichste, aber auch herausforderndste Bildungsmodell beschrieben. Es geht dabei um das Ziel, Kinder mit unterschiedlichen Bedürfnissen gemeinsam zu unterrichten, anstatt sie von vornherein in Sonderschulen auszugliedern.

Hier sind die zentralen Aspekte der integrativen Schule, wie sie in der Diskussion zwischen Dr. Ursula Davatz und Colette Basler beleuchtet werden:

1. Grundsatz: Integration, aber nicht um jeden Preis

Obwohl die integrative Schule als Ideal gilt und auch von der UNO-Behindertenrechtskonvention gestützt wird, betonen die Quellen, dass das Wohl des Kindes im Zentrum stehen muss.

  • Es gibt Kinder mit so schweren Beeinträchtigungen, dass eine Regelschule ihnen nicht gerecht werden kann.
  • In solchen Fällen ist eine Sonderschule mit spezialisiertem Fachpersonal die bessere Wahl für die individuelle Förderung.

2. Die Rolle der Neurodiversität und Individualisierung

Ein Kernstück der integrativen Schule ist der Umgang mit neurodiversen Kindern (z. B. ADHS, ADS oder Autismus-Spektrum).

  • Wissen als Werkzeug: Lehrpersonen müssen verstehen, dass bestimmte Verhaltensweisen nicht absichtlich geschehen, sondern auf einer anderen Funktionsweise des Gehirns beruhen.
  • Anpassung der Lernumgebung: Oft helfen schon kleine Massnahmen, wie ein Platz im Schatten (statt am ablenkenden Fenster) oder der Schutz vor visuellem und akustischem Lärm.
  • Stärkenorientierung: Dr. Davatz kritisiert, dass oft nur die Behinderung gesehen wird (medizinisches Modell). Stattdessen sollten die Stärken der Kinder gefördert werden.

3. Ressourcen und strukturelle Hindernisse

Die erfolgreiche Umsetzung scheitert laut den Quellen oft an den Rahmenbedingungen:

  • Klassengrösse: Klassen mit 27 Schülern werden als „unmöglich“ für eine echte Integration bezeichnet, da die Zeit für das einzelne Kind fehlt.
  • Fachkräftemangel: Es gibt zu wenig Lehrpersonen mit heilpädagogischer Zusatzausbildung.
  • Zusatzpersonal: Integration benötigt die Unterstützung durch Heilpädagogen, Logopäden, Schulassistenten und insbesondere die Schulsozialarbeit, um Gruppenprozesse zu begleiten und die Lehrperson zu entlasten.

4. Best Practice und Zusammenarbeit

Anstatt das Rad neu zu erfinden, sollten Schulen von „Best Practice“-Modellen lernen. Erfolgreiche integrative Schulen nutzen beispielsweise:

  • Lerninseln: Diese dienen dazu, ein Kind und die Klasse kurzzeitig zu entlasten, ohne dass das Kind den Anschluss an den Stoff verliert.
  • Teambildung: Eine starke Schulkultur, in der Lehrpersonen fachübergreifend zusammenarbeiten, ist essenziell.
  • Frühe Förderung: Massnahmen wie Deutschkurse vor dem Kindergartenstart helfen, die Schere zwischen den Kindern bereits beim Schuleintritt zu verkleinern.

5. Wirtschaftliche und politische Relevanz

Dr. Davatz weist darauf hin, dass eine gute Unterstützung im Schulsystem massiv Geld im Gesundheitswesen sparen würde. Wenn Kinder frühzeitig sozialisiert und integriert werden, anstatt durch das System „rausgedrückt“ zu werden, verhindert dies spätere psychische Erkrankungen und hohe Behandlungskosten.

Zusammenfassend lässt sich die integrative Schule als ein „Blumenstrauss“ an Herausforderungen und Chancen beschreiben: Sie spiegelt die Diversität unserer Gesellschaft wider und erfordert ein engmaschiges Netz aus pädagogischem Wissen, personellen Ressourcen und politischem Rückhalt.

Man kann sich die integrative Schule wie ein Orchester vorstellen: Jedes Instrument ist anders und hat seine eigene Lautstärke und Spielweise. Damit kein Chaos entsteht, braucht es nicht nur einen fähigen Dirigenten, sondern auch die richtigen Notenblätter für jeden Einzelnen und Assistenten, die beim Stimmen der Instrumente helfen, damit am Ende eine gemeinsame Harmonie entsteht.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/01/Basler_Davatz_10.12.2025.m4a.pdf

Selbstfürsorge für Lehrpersonen

Die Selbstfürsorge für Lehrpersonen ist ein zentraler Aspekt, um in einem anspruchsvollen Beruf langfristig gesund und leistungsfähig zu bleiben. Die Quellen betonen, dass Lehrpersonen lernen müssen, sich selbst Sorge zu tragen, um ein Ausbrennen zu verhindern.

Hier sind die wichtigsten Säulen der Selbstfürsorge, wie sie in den Quellen diskutiert werden:

1. Aktive Abgrenzung (Grenzen setzen)

Ein wesentlicher Faktor für die psychische Gesundheit ist die Fähigkeit zur Abgrenzung. Dies betrifft verschiedene Ebenen:

  • Gegenüber Eltern: Lehrpersonen sollten nicht das Gefühl haben, rund um die Uhr erreichbar sein zu müssen. Es ist wichtig, klare Kommunikationszeiten zu definieren (z. B. Erreichbarkeit nur bis 18 Uhr), um Zeit für sich selbst zu haben.
  • Gegenüber Behörden und Politik: Es wird davor gewarnt, sich zu stark nur nach den Vorgaben „von oben“ auszurichten oder den Drang zu verspüren, alles perfekt machen zu wollen. Ein gewisser Freiraum und die Rücksprache mit Behörden zur individuellen Gestaltung können helfen.
  • Innerhalb der Berufsrolle: Man muss nicht auf jede Frage von Schülern sofort eine Antwort parat haben. Die Erlaubnis, sich Bedenkzeit zu erbitten („Ich sage es dir morgen“), entlastet den unmittelbaren Leistungsdruck.

2. Pädagogische Haltung und emotionale Balance

Selbstfürsorge bedeutet auch, eine Balance zwischen Empathie und Durchsetzungskraft zu finden.

  • Klarheit und Humor: Eine klare Linie, gepaart mit Viel Liebe, Empathie und Humor, schützt davor, sich in Konflikten aufzureiben.
  • Mut zur Unvollkommenheit: Lehrpersonen sollten den Mut haben, auch mal streng zu sein, ohne Angst vor externer Kritik zu haben.

3. Zusammenarbeit statt Einzelkampf

Die Quellen machen deutlich, dass Selbstfürsorge nicht nur eine individuelle Aufgabe ist, sondern durch Zusammenarbeit (Kooperation) gestützt wird.

  • Teamkultur: Eine gute Schulkultur und Teambildung sind essenziell, damit Lehrpersonen sich gegenseitig stützen können.
  • Nutzung von Fachpersonal: Um sich selbst zu entlasten, sollten Lehrpersonen Aufgaben an Spezialisten delegieren, wie etwa die Schulsozialarbeit bei schwierigen Gruppenprozessen. Das verhindert, dass die gesamte Klasse durch einzelne Konflikte blockiert wird.
  • Voneinander lernen: Anstatt in Konkurrenz zu treten, sollten Lehrpersonen von „Best Practice“-Modellen anderer Schulen profitieren.

4. Strukturelle Herausforderungen erkennen

Ein Teil der Selbstfürsorge besteht darin, zu erkennen, wenn Belastungen systembedingt sind. Beispielsweise wird eine Klassengröße von 27 Schülern als unmöglich bezeichnet, um jedem Kind gerecht zu werden. Lehrpersonen neigen in solchen Situationen dazu, eine „Lawine“ an Anforderungen auf sich zukommen zu sehen, was Ängste und Unsicherheiten schürt. Hier ist es wichtig, die eigenen Belastungsgrenzen zu kommunizieren und Unterstützung einzufordern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Selbstfürsorge eine Mischung aus persönlichem Zeitmanagement, emotionaler Abgrenzung und der Einbettung in ein unterstützendes Team ist.

Man kann sich die Selbstfürsorge einer Lehrperson wie das Tragen einer Sauerstoffmaske im Flugzeug vorstellen: Nur wer zuerst für den eigenen Atem sorgt, hat genug Kraft und Ausdauer, um auch den Schülern in ihrer Entwicklung effektiv beizustehen.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/01/Basler_Davatz_10.12.2025.m4a.pdf

Zusammenarbeit statt Kompetition

Dr.med. Ursula Davatz im Gespräch mit Colette Basler.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2026/01/Basler_Davatz_10.12.2025.m4a.pdf

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz, Colette Basler

10.12.2025
Zusammenarbeit statt Kompetition
Audio

[00:00:06.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Liebe Colette Basler, es freut mich sehr, dass du gekommen bist.

[00:00:10.400] – Colette Basler
Merci.

[00:00:10.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Du bist ja als Lehrerin ausgebildet worden, so wie deine Schwester.

[00:00:21.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe deine Schwester Patti Basler schon früher nicht kennengelernt.

[00:00:25.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe sie zu meinem 80. Geburtstag eingeladen, weil ich gefunden habe, die passt
noch zu dem Fest und wir haben es sehr lustig gehabt miteinander.

[00:00:33.499] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.youtube.com/playlist?list=PLx8ORGwBUsmAeZA5lJs95ngsP57Nr3Tcj

[00:00:33.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie hat das super gemacht und wir haben am Schluss auch noch miteinander ein
bisschen getrunken und uns ein wenig persönlich ausgetauscht.

[00:00:41.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Deine Schwester, also Patti Basler, hat auch Lehrerin gelernt, aber sie ist dann ins
Unterhaltungsgeschäft gegangen.

[00:00:56.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrerberuf hat auch immer ein bisschen was vom Unterhaltungsgeschäft. Aber
nicht nur.

[00:01:03.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Die guten Lehrer, welche die Klasse faszinieren können, die haben immer auch einen
Hauch der Unterhaltung.

[00:01:10.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Du bist jetzt nicht mehr im Lehrerberuf. Du bist ausgestiegen und gehst einen anderen
Weg. Du hast doch wie viel Jahre Erfahrung im Lehrerberuf?

[00:01:25.740] – Colette Basler
Ich habe 20 Jahre die Schule gegeben.

[00:01:27.430] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, das reicht.

[00:01:30.320] – Dr.med. Ursula Davatz
In diesem Sinne hast du Erfahrung im Lehrerberuf.

[00:01:33.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt aus einer ein bisschen distanzierterer Sicht: was würdest du Lehrpersonen raten,
dass sie in ihrem Beruf drinnenbleiben können, damit ihnen der Atem reicht.

[00:01:52.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Auf was müssen Lehrpersonen allgemein achten, damit sie nicht ausbrennen?

[00:01:57.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir hören immer von Kündigungen und von Burnouts der Lehrer.

[00:02:02.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wollte nie Lehrerin werden, aber ich habe die Lehrer immer unterstützt und möchte
auch Lehrer weiter unterstützen.

[00:02:12.780] – Dr.med. Ursula Davatz
In der heutigen Zeit ist es eine schwierige Arbeit, eine anspruchsvolle Arbeit.

[00:02:17.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte jetzt aus deiner Erfahrung fragen: was würdest du den Lehrpersonen raten?

[00:02:24.700] – Colette Basler
Ich bin Lehrerin und Bäuerin.

[00:02:29.140] – Colette Basler
Das sind beides die schönsten Berufe der Welt, weil sie beide unglaublich vielseitig
sind.

[00:02:38.390] – Colette Basler
Bei beiden, insbesondere auch als Lehrperson, ist es wichtig, dass man sich selber
Sorge trägt.

[00:02:46.870] – Colette Basler
Die sogenannte Selbstfürsorge, ich denke, ist mich etwas ganz wichtiges.

[00:02:54.110] – Colette Basler
Sich abgrenzen können. Nicht das Gefühl haben, dass man bis um 22 Uhr für die Eltern
erreichbar sein muss.

[00:02:59.080] – Colette Basler
Manchmal muss man auch die Eltern erziehen. Das funktioniert sehr gut.

[00:02:59.179] – Colette Basler
Wenn die Eltern wissen, dass man bis um 18 Uhr anrufen kann. Das ist ganz wichtig,
dass man Grenzen setzt und auch Zeit für sich selber hat.

[00:02:59.260] – Colette Basler
Man kann nicht einfach 24 Stunden Lehrerin sein. Sonst brennt man aus.

[00:03:25.660] – Colette Basler
Man muss auch nicht auf alles immer gerade eine Antwort haben.

[00:03:31.170] – Colette Basler
Man kann auch bei Schülerinnen und Schülern sagen, dass man es sich nochmals
überlegen muss.

[00:03:37.560] – Colette Basler
Da muss ich jetzt drüber nachdenken. Ich sage es dir morgen.

[00:03:41.960] – Colette Basler
Ich glaube, das ist wirklich extrem wichtig, so ein bisschen auch zu spüren, was man
selber braucht und morgen es nicht zu verlieren.

[00:03:55.000] – Colette Basler
Manchmal muss man auch streng sein.

[00:04:00.590] – Colette Basler
Den Mut haben, das zu sein. Nicht Angst haben, von allem, was von aussen kommen
könnte. Eine klare Linie haben aber gleichzeitig mit viel Liebe, Empathie und Humor.

[00:04:20.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr schön. Ich kann das nur unterstützen.

[00:04:24.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Empathie versus Selbstfürsorge.

[00:04:26.893] – Dr.med. Ursula Davatz
https://adhs.expert/2018/03/01/empathie-versus-selbstfursorge/

[00:04:26.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrperson muss gut schauen, dass sie auch für sich schaut.

[00:04:27.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Abgrenzung gegen die Eltern ist ein grosses Thema.

[00:04:34.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage auch: abgrenzen gegen das, was von oben verlangt wird.

[00:04:48.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe ein Seminar geleitet für Lehrer und war dann erstaunt, wie stark die sich nach
oben ausrichten.

[00:05:01.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie stark sie es richtig machen wollen.

[00:05:06.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Ende dieser Tagung haben wir einen Abend gehabt und ich hätte gerne mit allen
geplaudert und es ist alles durchorganisiert gewesen.

[00:05:15.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie würdest du den Lehrern raten, dass sie sich auch abgrenzen gegen die
Bedingungen von oben, gegen die politischen Strukturen?

[00:05:27.540] – Colette Basler

Deutschland kann man nicht mit der Schweiz vergleichen.

[00:05:34.700] – Colette Basler
Das ist bei uns anders.

[00:05:36.880] – Colette Basler
Bei uns ist Schule vor Ort, das gibt es in anderen Ländern viel weniger.

[00:05:47.720] – Colette Basler
Dort ist es viel zentralistischer organisiert und darum sind die Sachen, die von oben
kommen, vielleicht auch die Befehle, die von oben kommen, durchaus nicht in jeder
Schule gleich.

[00:06:03.040] – Colette Basler
Da gibt es natürlich Schulen, wo viel mehr befohlen wird.

[00:06:09.760] – Colette Basler
Es kommt ganz stark auf die Schulkultur drauf an.

[00:06:17.520] – Colette Basler
Es gibt natürlich schon Schulen, wo sowohl Lehrpersonen als auch Schulleitungen sehr,
sehr viel Freiheit haben.

[00:06:28.280] – Colette Basler
Es funktioniert.

[00:06:29.900] – Colette Basler
Andere werden stärker geführt.

[00:06:30.960] – Colette Basler
Es steht und fällt immer mit den Leuten, die vorne dran stehen.

[00:06:42.140] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Schulbehörde hat es oft politisch orientierte Leute.

[00:06:51.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht in die Schulbehörde, das ist das erste Sprungbrett für eine politische Karriere.

[00:07:03.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Das kritisiere ich natürlich.

[00:07:04.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich finde die Schulbehörde muss dafür da sein, für die Kinder zu schauen, für unsere
Jugend zu schauen und für die das Beste machen und nicht, dass man die Schule
verwendet als Sprungbrett.

[00:07:19.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Schulen sind so ein bisschen harmonisiert worden, weil man wollte, dass die Kinder
von einem Kanton in den anderen welchseln können.

[00:07:37.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt ganz drauf an, bei welcher Schule man ist und mit welcher Behörde man zu
tun hat.

[00:07:42.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich wäre sehr dafür, dass man mit seiner Behörde Rücksprache nimmt und individueller
das Ganze gestaltet.

[00:07:52.190] – Dr.med. Ursula Davatz
Manchmal braucht es etwas Hartes und manchmal braucht es auch viel mehr Freiraum.

[00:07:57.220] – Dr.med. Ursula Davatz

Da sprichst du mir eigentlich aus dem Herzen.

[00:08:01.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin vor vielen Jahren in einer Kommission gewesen: Aargauische Lehrplanrevision,
Arbeitsgruppe Gesundheitserziehung.

[00:08:09.830] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben lange darüber geredet, was jetzt wichtig ist, was macht man damit die Kinder
sogenannt gesund werden?

[00:08:17.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Am Schluss sind wir beim Satz gelandet: leben und leben lassen.

[00:08:22.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Satz kommt mir immer wieder in den Sinn und ich denke, das ist genau wichtig.

[00:08:29.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Du sagst, die beiden Berufe, Bäuerin und Lehrerin sind eigentlich die schönsten Berufe.

[00:08:35.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Man geht mit Leben um.

[00:08:36.530] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit den Tieren kann man auch schwatzen, aber sie verstehen nicht alle unsere
Sprache.

[00:08:39.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss emotional mit ihnen umgehen können.

[00:08:46.700] – Dr.med. Ursula Davatz

Kinder sind auch sehr lebendig. Man muss mit ihrem Leben und ihrer Lebendigkeit
umgehen können.

[00:08:47.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Kinder kann man nicht schon zu Computern machen oder KI Maschinen.

[00:09:01.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, da ist es schwierig, wenn man zu eng ist. Man muss wirklich immer mit dem
Leben gehen.

[00:09:13.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Politisch wird diskutiert, Lehrplan 21. Gewisse sind Feuer und Flamme dafür.

[00:09:23.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt kommen die Politiker wieder und sagen: nein, das geht gar nicht. Wir müssen
zurück zu den Hilfsschulen und zur Ausgliederung.

[00:09:33.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Man wollte eingliedern und jetzt muss man wieder zurück zur Ausgliederung.

[00:09:36.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist deine Vorstellung oder dein Rezept oder deine Idee?

[00:09:42.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie muss man mit all diese unterschiedlichen Bedürfnissen, die man in einer Klasse
hat, umgehen?

[00:09:51.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wie kann man am optimalsten damit umgehen? Was für ein Schulkonzept würdest du
bevorzugen?

[00:10:01.020] – Colette Basler
Ein Rezept gibt es ja eben leider nicht. Sonst hätten wir es schon lange umgesetzt.

[00:10:08.860] – Colette Basler
Der Bildungsbericht sagt: am erfolgreichsten wäre die integrativen Schule.

[00:10:21.970] – Colette Basler
Da haben wir grosse Herausforderungen.

[00:10:25.780] – Colette Basler
Das sehen wir jetzt bei uns.

[00:10:27.480] – Colette Basler
Wir haben politische Strömungen, die wieder mehr Separation wollen.

[00:10:35.260] – Colette Basler
Dort einen guten Weg zu finden, das ist wirklich eine Herausforderung.

[00:10:39.820] – Colette Basler
Ich habe an einer Schule unterrichtet, wo die Devise war: wir unterrichten integrativ,
aber keine Integration um jeden Preis.

[00:10:49.700] – Colette Basler
Das sagt auch die UNO Behindertenrechtskonvention.

[00:10:52.800] – Colette Basler
https://www.ebgb.admin.ch/de/uebereinkommen-der-uno-ueber-die-rechte-von-menschen-mit-behinderungen

[00:10:52.800] – Colette Basler

Sie sagen nicht, es müssen alle Kinder integriert sein, sondern sie sagen, man muss
das machen, was das Beste ist für das Kind.

[00:11:06.580] – Colette Basler
Es gibt tatsächlich Kinder, die so schwere Beeinträchtigungen haben, dass eine
Regelschule ihnen nicht gerecht werden kann und sie nicht so fördern kann, wie sie das
haben müssten, damit sie vorwärts kommen.

[00:11:20.740] – Colette Basler
Was sicher richtig ist, wenn sie in einer Sonderschule sind und dort das Fachpersonal
haben, welches sich adäquat um sie kümmern kann.

[00:11:30.000] – Colette Basler
Sonst finde ich, man soll den integrativen Weg wählen, aber dann brauchen wir
Fachpersonen.

[00:11:40.540] – Colette Basler
Dort haben wir eine weitere Herausforderung.

[00:11:43.620] – Colette Basler
Wir haben einfach viel zu wenig Lehrpersonen, die eine heilpädagogische
Zusatzausbildung haben oder die eine pädagogische Ausbildung haben.

[00:11:55.970] – Colette Basler
Unsere Gesellschaft hat sich verändert.

[00:11:59.540] – Colette Basler
Wir sind so divers geworden, aus verschiedenen Gründen natürlich.

[00:12:03.740] – Colette Basler
Schlussendlich ist die Schule immer auch ein Abbild der Gesellschaft.

[00:12:08.680] – Colette Basler
Es ist ein ganzer Blumenstrauss an Gründen, was zu dem führt, dass die Schule so
unterwegs ist, wie sie es im Moment ist und dass wir diese Herausforderungen haben.

[00:12:18.860] – Colette Basler
Der Lehrplan 21 ist eigentlich nicht so schlecht, aber er muss richtig umgesetzt werden.

[00:12:29.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Von meinem Herz her, bin ich auch für die integrative Schule.

[00:12:35.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt sicher Ausnahmen und wie du sagst, nicht um jeden Preis.

[00:12:40.100] – Dr.med. Ursula Davatz
In die Schule kommen zu viele Zusatzpersonen.

[00:12:50.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind Heilpädagogen, vielleicht Logopäden.

[00:12:53.550] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt hat man auch noch Schulassistentinnen/Assistenten.

[00:13:05.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Lehrpersonen muss man viel mehr Unterstützung geben im Umgang mit diesen
schwierigen Kindern.

[00:13:15.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist nicht immer so eine riesige Kunst, mit denen umgehen zu können.

[00:13:19.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss gewisse Sachen lernen.

[00:13:22.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich würde dafür plädieren, dass die Lehrpersonen mehr Unterstützung bekommen.

[00:13:23.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann könnten sie einige Kindern, ohne dass sie ein Burnout bekommen, in der Schule
behalten.

[00:13:30.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Teil sind aus meiner Sicht die pädagogischen Modelle zu sehr dem medizinischen
Modell angelehnt.

[00:13:45.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird nur die Behinderung angeschaut und nicht die Stärken.

[00:13:52.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Den Lehrpersonen muss man noch mehr Freiheit geben, die Sache vielleicht ein
bisschen anders zu handhaben, und ganz generell die Lehrpersonen mehr
unterstützen.

[00:14:05.220] – Colette Basler
Das sehe ich absolut genau gleich.

[00:14:07.930] – Colette Basler
Ich war an einem Vortrag an der Kantonalkonferenz zum Thema neurodiverse Kinder.

[00:14:13.200] – Colette Basler
https://kantonalkonferenz.ch/

[00:14:13.200] – Colette Basler
Das wünsche ich mir.

[00:14:19.240] – Colette Basler
Eigentlich müssten alle Lehrpersonen in der Ausbildung diese Themen auch noch
haben.

[00:14:27.380] – Colette Basler
Die Heilpädagogik kann man, glaube ich, freiwillig, wenn ich es richtig im Kopf habe,
noch als Zusatz machen, aber eigentlich müssten es alle haben.

[00:14:41.420] – Colette Basler
Kinder sind, wie sie sind, weil sie eine Geschichte haben.

[00:15:01.120] – Colette Basler
Es gibt immer einen Grund.

[00:15:06.460] – Colette Basler
Sie machen nicht einfach irgendwas anders oder machen nicht mit.

[00:15:13.860] – Colette Basler
Es gibt immer ein Grund, wieso sie so sind.

[00:15:16.340] – Colette Basler
Es trägt jeder seinen Rucksack und der ist bei jedem unterschiedlich gross.

[00:15:16.670] – Colette Basler
Hinten dran gibt es immer noch eine Familiengeschichte.

[00:15:23.360] – Colette Basler
Wenn man sich darum kümmert und das auch wissen will, dann kann man Kinder auch
anders behandeln und adäquat behandeln.

[00:15:37.370] – Colette Basler
Die Kinder vor die Türe zu stellen hilft den Kindern nicht.

[00:15:49.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Strafe als Erziehungsmethode, funktioniert nicht.

[00:15:56.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Schon gar nicht bei den neurodiversen Kindern.

[00:15:59.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Dort funktioniert es gerade noch mal nicht.

[00:16:02.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Die alte Erziehungsmethode und die kommt immer wieder hervor.

[00:16:10.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Bestrafen und Belohnen.

[00:16:12.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Lehrer und die Lehrerin müssen die Kinder führen.

[00:16:16.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Du sagst sehr schön, die haben auch immer eine Familiengeschichte.

[00:16:20.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich als Familientherapeutin, schaue natürlich die immer an.

[00:16:24.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche dann auch das System zu unterstützen.

[00:16:27.130] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich gehe auch auf die Eltern ein.

[00:16:27.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich versuche dann den Lehrern anzurufen und zu sagen: man muss es so oder so
machen.

[00:16:32.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann stosse ich oft auf Widerstand, also dass die Lehrer sich dann nichts sagen lassen
wollen.

[00:16:47.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Was würdest du mir da raten, wie ich vorgehen muss, dass mir die Lehrer eher
zuhören?

[00:16:57.160] – Colette Basler
Ich glaube, es hat immer auch mit der eigenen Unsicherheit und mit Angst zu tun, dass
man so reagiert.

[00:17:03.820] – Colette Basler
Auch bei den Erwachsenen gibt es so einen Grund, wieso die so reagieren, wie sie
reagieren.

[00:17:14.040] – Colette Basler
Um das umsetzen zu können wie ich mir das vorstelle, müssten wir viel kleinere
Klassen haben.

[00:17:21.790] – Colette Basler
Ich habe jetzt zwei Leute im Kollegenkreis, die beide 27er-Klassen haben.

[00:17:34.790] – Colette Basler
Das geht nicht.

[00:17:35.880] – Colette Basler
Das ist unmöglich.

[00:17:37.170] – Colette Basler
Man kann sich gar nicht die Zeit nehmen, wie man es soll für die einzelnen Kinder.

[00:17:44.150] – Colette Basler
Ich kann mir gut vorstellen, als Lehrperson, wenn jemand sie so beratet, die Angst hat:
oh, wenn ich das mache, muss ich nachher bei diesen Kindern auch, und das geht gar
nicht.

[00:17:59.060] – Colette Basler
Die haben das Gefühl, die Lawine überrollt sie.

[00:18:05.240] – Colette Basler
Vielleicht auch die Angst: ja, jetzt kommt da jemand und sagt mir alles, was ich nicht
richtig mache, oder führt mir das vor Augen.

[00:18:13.960] – Colette Basler
Die Lehrpersonen können nicht akzeptieren, dass jemand von aussen einen anderen
Blick hat, eine andere Erfahrung, weil sie in dem Thema mehr zuhause ist.

[00:18:28.620] – Colette Basler
Es hat immer mit Ängsten zu tun.

[00:18:38.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich denke, das stimmt. Es ist Unsicherheit und von daher muss ich dann noch ein
bisschen mehr Geduld haben und noch ein bisschen länger warten.

[00:18:48.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Schulleiter hat gesagt: sie kritisieren meinen Lehrer.

[00:18:49.930] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich will nicht kritisieren. Ich sage einfach: die Beziehung zwischen dem Schüler und
dem Lehrer ist kaputt.

[00:18:59.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn eine Beziehung kaputt ist, dann kann man nicht mehr lernen.

[00:19:03.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann wird es sogar gefährlich bei den Jugendlichen.

[00:19:06.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Zum Schutz vom Lehrer und vom Schüler, muss ich die auseinandernehmen, denn
sonst kann es eskalieren.

[00:19:13.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht mir nicht um falsch, sondern es funktioniert nicht mehr.

[00:19:17.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn etwas nicht mehr funktioniert zwischen zwei Personen und der eine ist ein
Jugendlicher und der andere ein erfahrener Lehrer, dann muss ich die
auseinandernehmen.

[00:19:28.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht einfach nicht.

[00:19:30.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich probiert habe im Aargau, an der PH irgendwas anzubieten, hat es immer
geheissen, wir haben das alles schon.

[00:19:39.460] – Dr.med. Ursula Davatz

Ich habe dann nicht genügend insistiert.

[00:19:43.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn ich eine Lehrerweiterbildung mache wollte, mein Oberarzt hat eine Zeit lang eine
Lehrerweiterbildung gemacht. Die sind sogar ins Tessin gegangen, für einen Workshop.

[00:19:58.260] – Dr.med. Ursula Davatz
In die Lehrerweiterbildung habe ich es nicht geschafft. Vielleicht habe ich nicht lange
genug antichambriert.

[00:20:08.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gebe es nicht auf.

[00:20:10.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Einige Schulen haben mich selber reingeholt.

[00:20:12.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Gewisse Schulen wollten eine Lehrerweiterbildung. Das war immer super!

[00:20:15.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige Einzellehrer gehabt, die mich in die Schule geholt haben. Die habe ich
beraten im Umgang mit speziellen Schülern. Zum Teil habe ich die Schüler gar nicht
gesehen. Ich habe nur die Lehrer beraten und wir haben alle durchgebracht.

[00:20:31.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das war an einer Bezirksschule.

[00:20:31.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat einem natürlich grosse Freude gemacht.

[00:20:37.670] – Dr.med. Ursula Davatz

Ein Teil dieser Schüler sind später dann als Erwachsene auch wieder zu mir
gekommen, weil sie gewusst haben, ich habe sie unterstützt während sie in der Schule
waren.

[00:20:48.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Einer hat mir dann gesagt, ich habe dem Lehrer gesagt: lass doch den mal einfach sein.

[00:20:55.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Macht nicht so viel an dem herum.

[00:20:59.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat funktioniert.

[00:21:04.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Der studiert jetzt und hat X Abschlüsse gemacht.

[00:21:04.990] – Colette Basler
Das glaube ich sofort. Ich habe so einen Sohn, den man einfach sein lassen muss.
Dann funktioniert es.

[00:21:05.170] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin Systemikerin, Familientherapeutin.

[00:21:21.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue mir den Gruppenprozess an, ich schaue immer die Interaktionen an.

[00:21:24.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Die haben alle ein Familiensystem hinten dran.

[00:21:28.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist meistens kaputt, wenn es ganz schief läuft.

[00:21:31.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Nicht immer.

[00:21:33.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich schaue die Interaktionen zwischen den Menschen an.

[00:21:36.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Der Mensch ist ein soziales Wesen.

[00:21:39.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Sowohl in der Medizin, als auch in der Schule geht das vergessen.

[00:21:44.810] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Lehrer werden beauftragt, nur nach einem Schema zu sozialisieren.

[00:21:53.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht nicht.

[00:21:54.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Alle Kinder sind verschieden.

[00:21:57.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Da laufen heutzutage auch Prozesse auf dem Pausenplatz.

[00:22:02.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige Kinder, die sich gemobbt gefühlt haben in der Schule, nicht vom Lehrer,
sondern von anderen Kindern.

[00:22:11.820] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn ich das angehe, erlebe ich auch oft wieder ein Widerstand von den
Lehrpersonen, von den Schulleitern.

[00:22:20.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich frage mich: was könnte man machen, dass Lehrpersonen ein bisschen erfahrener
werden im Umgang mit einem Gruppenprozess und dass sie den Gruppenprozess mit
einbeziehen ins soziale Lernen?

[00:22:38.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Schule besteht nicht nur aus Fachwissen, sondern auch aus Sozialisation.

[00:22:45.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Was könnte man da machen, dass die Lehrer da achtsamer sind und auf dem
Pausenplatz nicht nur miteinander schwatzen und den Gruppenprozess verpassen und
auch den Gruppenprozess zum Teil in der Klasse nicht so gut handhaben können?

[00:23:01.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Was ist da deine Idee?

[00:23:03.600] – Colette Basler
Wir haben ja ganz viele Schulen, die das hervorragend machen und wo das gut
funktioniert.

[00:23:09.410] – Colette Basler
Wir sollten viel mehr von den Best Practice Schulen lernen und die zeigen.

[00:23:25.680] – Colette Basler
Schulleiter und Lehrpersonen sollten Vorträge vor den anderen Lehrpersonen halten.

[00:23:32.740] – Colette Basler
Es wäre so wichtig.

[00:23:36.250] – Colette Basler
Wir haben Schulen, die mit so unglaublich gutem Modell unterwegs sind.

[00:23:41.240] – Colette Basler
Sie individualisieren, haben Lerninseln. Das Kind und die Klasse entlasten, ohne den
Stoff zu verpassen. Das Kind kommt in die Klasse zurück und es geht normals weiter.

[00:23:44.390] – Colette Basler
Das geht ein halber Tag.

[00:23:45.590] – Colette Basler
Wir haben im ganzen Kanton leider noch keine verbindliche Schulsozialarbeit.

[00:23:46.790] – Colette Basler
Wir merken, welche Schulen eine Schulsozialarbeit haben und welche keine
Schulsozialarbeit haben. Das ist wichtig für die Gruppenprozesse.

[00:24:38.070] – Colette Basler
Mit einer Gruppe von Mädchen habe ich das gemerkt. Ich kann damit nicht umgehen
und gleichzeitig mit den anderen weiter arbeiten.

[00:24:41.780] – Colette Basler
Das hat mir die ganze Klasse blockiert.

[00:24:49.800] – Colette Basler
Ich habe die ganze Gruppe der Schulsozialarbeiterin mitgegeben.<

[00:25:04.820] – Colette Basler
Sie hat mit den Mädchen geredet und verhandelt.

[00:25:10.550] – Colette Basler

Wir mussten mit ihnen Verträge machen.

[00:25:10.661] – Colette Basler
Während dieser Zeit konnte ich mit dem Resten der Klasse weiterarbeiten.

[00:25:10.760] – Colette Basler
Es gibt Schulen wo das gut funktioniert, weil die Schule eine gute Kultur hat, weil die
Lehrpersonen zusammenarbeiten.

[00:25:10.880] – Colette Basler
Der Schulleitung und der Schulbehörde ist die Teambildung ein grosses Anliegen. Das
Team in einem Schulhaus ist sehr wichtig.

[00:25:46.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Eigentlich sollte man die Best Practice Schulen, zum Teil staatliche, zum Teil auch
private, die sollte man alle ein bisschen aufspüren und dass man dann die Modelle den
anderen zeigt.

[00:26:02.150] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heisst nicht, dass alle das Gleiche machen, aber dass man lernt voneinander.

[00:26:06.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre genau auch meine Vorstellung, dass man nicht von oben runter irgendwas
drüber stülpt sondern die, die gute Erfahrungen machen, und die gut funktionieren als
Team, dass die Vorzeigeobjekt sind.

[00:26:21.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Würden Schule mitmachen, wenn man das machen würde?

[00:26:24.880] – Colette Basler
Ja.

[00:26:25.600] – Colette Basler
Ich kenne Schulen, wo es Filme drüber gibt, die einen Preis bekommen haben.

[00:26:25.900] – Colette Basler
Für die Medien ist das nicht spannend. Man berichtet lieber über das, was nicht
funktioniert.

[00:26:26.060] – Colette Basler
Wir haben grossartige Schulen.

[00:26:55.220] – Colette Basler
Ich wehre mich gegen das, was wir jetzt immer hören.

[00:26:59.620] – Colette Basler
Man könnte meinen, unsere Schulen sind alle total am Abgrund. Das stimmt nicht.

[00:27:10.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Das freut mich.

[00:27:11.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Würdest du das auch der Frau Martina Bircher, der Bildungsdirektorin im Aargau
sagen?

[00:27:21.060] – Colette Basler
Ja.

[00:27:21.400] – Colette Basler
Das habe ich schon mehrmals gemacht.

[00:27:22.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist wunderbar.

[00:27:25.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Hast du schon mit ihr geredet über das?

[00:27:27.720] – Colette Basler
Wir sprechen über die Herausforderungen.

[00:27:34.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay, bring das vor.

[00:27:36.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Das finde ich sehr gut.

[00:27:37.360] – Colette Basler
Ich will nicht, dass man so etwas über den ganzen Kanton stülpt und sagt: so muss es
jetzt sein.

[00:27:50.440] – Colette Basler
Die Schulen, die gut arbeiten und gut unterwegs sind, die müssen wir einfach arbeiten
lassen.

[00:27:55.080] – Colette Basler
Den anderen müssen wir helfen.

[00:28:01.600] – Colette Basler
Die Schulen, die Schwierigkeiten haben, die müssen wir unterstützen, denen müssen
wir Fachleute an die Seite stellen, denen müssen wir helfen.

[00:28:09.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Überbring ihr das ganz persönlich.

[00:28:15.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe mich mit Martina Bircher getroffen und habe dann auch ein bisschen von
meinen Ideen erzählt.

[00:28:24.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Du kommst natürlich aus der Schule. Du hast da noch mehr.

[00:28:26.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre wunderbar, wenn man mit dem Best Practice Modell im Aargau funktionieren
würde.

[00:28:34.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich arbeite nicht mehr im Aargau, aber es ist immer noch mein Heimatkanton und dort
ist es mir nicht egal.

[00:28:42.060] – Colette Basler
Ja.

[00:28:43.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ein weiteres Thema noch, das sind die neurodivergenten Kinder: ADHS/ADS.

[00:28:54.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Da kommt jetzt in den Medien ganz viel.

[00:29:00.210] – Dr.med. Ursula Davatz
Es geht nur so weit, dass man die Diagnose stellt und die dann toll findet.

[00:29:05.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Es hat unter den erfolgreichen Leuten sehr viele ADHS/ADSler, speziell unter den
Unternehmern.

[00:29:12.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe zum Teil Familien, wo ich sehe, wo die Talente in der Schule abgeklemmt
worden sind, nicht gefördert worden sind.

[00:29:24.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn es reichere Familien sind, dann haben die oft eine Chance.

[00:29:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Da geht so viel Talent verloren, in dem man nicht umgehen kann mit denen, weil sie halt
nicht ins Schema passen.

[00:29:37.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Was würdest du als Lehrerin mit 20 Jahren Erfahrung sagen, was man da den Lehrer
und Lehrerinnen für Unterstützung geben müsste, dass sie besser mit diesen Kindern
umgehen können.

[00:29:54.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Bei mir landen die tragischen Fälle, mit vielen Krankheiten.

[00:29:58.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe auch solche, die es geschafft haben.

[00:29:59.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Was rätst du?

[00:30:07.200] – Colette Basler
Ich glaube es ist wichtig, dass Lehrpersonen wissen, was das mit so einem Kind macht.

[00:30:12.830] – Colette Basler
Die Kantonalkonferenz war voll.

[00:30:16.050] – Colette Basler
Das waren 300 Lehrpersonen.

[00:30:20.400] – Colette Basler
Nur schon der Morgen hat all diesen Lehrpersonen extrem geholfen, weil wir dort gehört
haben, was Kinder mit Autismusspektrumsstörung, ADHS/ADS, was das mit denen
machen kann und was die Unterschiede zwischen Mädchen und Buben sind.

[00:30:42.620] – Colette Basler
Es sind dann ganz viele Fragen von Lehrerinnen gekommen.

[00:30:46.160] – Colette Basler
Wenn man weiss, dass das Kind etwas nicht absichtlich macht, sondern es funktioniert
einfach vielleicht anders. Es gibt einen Grund dafür.

[00:30:58.180] – Colette Basler
Dann kann man ganz anders damit umgehen.

[00:31:07.980] – Colette Basler
Es ist vielleicht nicht so gut, wenn man so ein Kind an das Fenster setzt.

[00:31:10.460] – Colette Basler
So ein Kind muss an einen Ort, wo es im Schatten ist, weil es ist sonst entweder vom
Licht gestört oder abgelenkt ist.

[00:31:21.330] – Colette Basler
Der Umgang mit dem Lärm oder mit dem Visuellen ist auch ganz wichtig.

[00:31:29.480] – Colette Basler
Wenn man das weiss, kann auch mit ganz vielen Massnahmen im Schulzimmer die
Situation zumindest ein bisschen entschärfen.

[00:31:52.920] – Colette Basler
Es ist das Thema vom Individualisieren. Es geht nicht, dass man alle über die gleiche
Leiste schlägt. Das geht nicht. Ich habe so einen Sohn.

[00:31:54.695] – Colette Basler
Ich habe auch an der Realschule unterrichtet, mit Kinder, die man nicht nach dem
Büchlein unterrichten konnte. Unser Sohn hat ein ADHS/ADS. Wir sind auf dem Hof.
Dort kann er sich genügend abregen. Man muss ihn machen lassen. Ich kann ihm nicht
sagen, dass er nach der Schule die Hausaufgaben machen muss. Er muss die
Hausaufgaben machen, wenn es für ihn stimmt.

[00:33:19.320] – Colette Basler
Mein Sohn hat sich im Alter von 20 Jahren selber abklären lassen.

[00:33:24.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Oh Wunder. Er hat die Diagnose immer gehabt.

[00:33:26.960] – Colette Basler
Er hat ein starkes ADHS/ADS. Er geht damit selber um. Er will keine Medikamente. Er
hat sich selber seine Strategie zurecht gelegt. Ich finde das grossartig.

[00:33:45.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gut!

[00:33:46.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin immer noch Psychiaterin und Familientherapeutin.

[00:33:52.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Was würdest du als Lehrerin der Fachgruppen von den Psychiatern sagen, wie sie es
machen müssen, dass die Lehrer ein bisschen mehr Unterstützung bekommen, damit
das Wissen ein bisschen mehr verbreitet wird?

[00:34:06.480] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Wissen über ADHS/ADS soll nicht nur in den Medien als Reklame verwendet
werden, sondern dass tatsächlich auch eine Sensibilisierung passiert und ein besserer
Umgang.

[00:34:22.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Was würdest du unserer Fachrichtung raten, wie wir machen können?

[00:34:29.000] – Colette Basler
Das Thema muss in die Ausbildung der Lehrpersonen. Das ist klar. Um das kommen wir
nicht herum.

[00:34:32.720] – Colette Basler
Wir haben jetzt gerade Budgetdebatten im Aargau und wir wollen ganz viel sparen,
auch in der Bildung.

[00:34:54.140] – Colette Basler
Wir wollten das Jugend-und Kinderhilfegesetz den Bach runter schicken.

[00:35:00.910] – Colette Basler
https://sp-aargau.ch/kampagne/kinder-und-jugendhilfegesetz-retten/

[00:35:00.910] – Colette Basler
Das haben wir gestern gerade noch geschafft, mit viel Arbeit im Hintergrund, damit das
nicht passiert.

[00:35:07.730] – Colette Basler
Die politischen Mehrheiten sind schwierig und verhindern genau solche Dinge.

[00:35:21.360] – Colette Basler

Das Thema in der Politik war der Sexualkunde Unterricht.

[00:35:28.730] – Colette Basler
Das geht für mich in eine ähnliche Richtung.

[00:35:34.780] – Colette Basler
Dort brauchen wir Fachleute.

[00:35:36.460] – Colette Basler
Die Aussage oder die Meinung von gewissen Leuten ist: das kann die Lehrperson
selber machen.

[00:35:45.340] – Colette Basler
Nein, das kann nicht jede Lehrperson selber machen.

[00:35:46.270] – Colette Basler
Das psychologische Wissen, das kann man haben, zu einen gewissen Teil, rudimentär.

[00:35:56.700] – Colette Basler
Man ist nicht ausbildet als Psychologin oder Psychologe.

[00:36:01.740] – Colette Basler
Also muss man für gewisse Sachen Fachleute haben.

[00:36:09.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Medizinerin schaue ich kritisch zu, wo in der Medizin Geld ausgegeben wird.

[00:36:12.800] – Dr.med. Ursula Davatz
In der Medizin gehen die Prämien immer hoch. Alle Gesundheitskosten gehen immer
hoch.

[00:36:24.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn wir in der Schule mehr Lehrer unterstützen würden, mit den ADHS/ADS Kindern
besser umzugehen, würden wir massiv Geld sparen im
Gesundheitsversorgungssystem.

[00:36:42.880] – Colette Basler
Natürlich.

[00:36:43.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt läuft es genau anders.

[00:36:45.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie werden rausgedrückt.

[00:36:45.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt immer noch etwas dazu.

[00:36:45.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Medizinisch wird wahnsinnig viel Geld ausgegeben.

[00:36:51.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Zusätzlich wird dann die medizinische Versorgung noch ökonomisiert.

[00:36:57.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir verdienen Geld damit und wir verdienen Geld, wenn man möglichst viel behandelt
und nicht, wenn man gesund macht.

[00:37:05.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Damit ADHS/ADS Kinder gesund aufwachsen können, muss man schon in der Krippe,
im Kindergarten, in der Primarschule, also im Schulsystem ansetzen.

[00:37:19.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin hundertprozentig überzeugt, man könnte ganz viel Geld sparen.

[00:37:23.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Aber wie bringt man das den Politikern bei?

[00:37:27.580] – Colette Basler
Das sage ich schon immer: Was wir unten nie buttern, haben wir oben nicht und oben
haben wir viel mehr.

[00:37:35.620] – Colette Basler
All die niederschwelligen Beratungen. Darum ist Schulsozialarbeit so wichtig.

[00:37:41.380] – Colette Basler
Alles, das man niederschwellig abfangen kann, hat man nachher nicht.

[00:37:45.360] – Colette Basler
Wenn die Kinder nicht dann eine Beratung bekommen, wenn sie sie eigentlich
bräuchten, dann wird das Problem einfach grösser und nachher braucht man mehr
Beratung.

[00:37:57.000] – Colette Basler
Wir haben jetzt immerhin erreicht, dass man sich einig ist in der Politik, dass die frühe
Förderung wichtig ist.

[00:38:10.230] – Colette Basler
Da sind wir jetzt dran.

[00:38:10.600] – Colette Basler
Auch das Thema: Deutsch vor dem Kindergarten.

[00:38:10.800] – Colette Basler
All die Geschichten, welche dazu führen, dass die Schere weniger gross ist beim Eintritt
in die Schule, in den Kindergarten.

[00:38:17.400] – Colette Basler
Ich hoffe stark, dass diese Massnahmen nicht zusammengestrichen werden.

[00:38:34.010] – Colette Basler
Aufgrund von diesen politischen Vorstössen, muss auch etwas gemacht werden bei der
Ausbildung von den Krippenleiterinnen und Betreuerinnen von Kindern, in den
Kinderkrippen.

[00:38:52.650] – Colette Basler
Die müssen jetzt in der Ausbildung auch andere Sachen lernen. Das ist richtig, aber für
das braucht es auch die Ressourcen.

[00:39:05.000] – Colette Basler
Das ist tatsächlich die Herausforderung.

[00:39:08.170] – Colette Basler
Die Mehrheit muss glauben, dass es wichtig ist.

[00:39:16.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Immer wieder, das ist die Prävention.

[00:39:17.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Seit ich im Aargau gearbeitet habe 1980, war ich immer für Prävention.

[00:39:17.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Das wäre eine sehr effektive Prävention, nicht schon bei einem Symptom anzufangen.

[00:39:35.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich mache mich lustig und sage: viel Wissen zur Krankheit macht nicht gesund. Sonst
wären wir Ärzte alle gesund.

[00:39:36.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sind wir überhaupt nicht. Wir sind eine Risikogruppe.

[00:39:36.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Man muss viel früher investieren in die Erziehung, in die Sozialisierung, in die
Unterstützung von fehlgelaufenen oder unterstützungsbedürftigen Familensystemen
und natürlich auch Schulsystemen.

[00:40:03.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Hast Du noch eine Frage an mich? Hast Du einen Ratschlag für mich?

[00:40:17.880] – Colette Basler
Der mit den Ratschlägen finde ich immer schwierig.

[00:40:24.710] – Dr.med. Ursula Davatz
Ratschläge sind auch Schläge.

[00:40:25.760] – Colette Basler
Genau. Etwa so.

[00:40:27.160] – Colette Basler
Ich finde das wirklich sehr herausfordernd, wo wir gerade drinnen stecken.

[00:40:37.660] – Colette Basler
Mein Unfall hat sicher auch das Seine dazu getan, dass ich die Sachen klarer sehe.

[00:40:46.046] – Dr.med. Ursula Davatz

https://www.aargauerzeitung.ch/aargau/kanton-aargau/sp-grossraetin-es-ist-ein-wunder-dass-ich-ueberlebt-habe-colette-basler-spricht-erstmals-seit-ihrem-schweren-unfall-ld.2755251

[00:40:46.190] – Colette Basler
Wir müssen einander wieder mehr Sorge tragen. Für einander schauen.

[00:40:46.277] – Colette Basler
Ja richtig.

[00:40:46.340] – Colette Basler
Wir können es nur zusammen tun.

[00:40:46.430] – Colette Basler
Wir müssen unsere Energie brauchen, um zu schauen, dass wir das, was wir können,
beeinflussen und verändern, dass wir uns da drin reinbegeben und daran glauben, dass
es gut kommt und an das Positive glauben, wirklich.

[00:41:49.040] – Colette Basler
In der ganzen Schulthematik, die Kinder sind unsere Zukunft.

[00:41:57.220] – Dr.med. Ursula Davatz
Richtig.

[00:41:58.560] – Colette Basler
Ich bin natürlich sich sehr froh um Leute wie dich, die sich um genau das Klientel, sage
ich jetzt mal, ganz fest kümmern wollen und die auch möchten, dass eure Botschaften
und eure Erkenntnisse in die Schulen rauskommen.

[00:42:20.410] – Colette Basler
Was ich euch mitgeben kann:

[00:42:25.270] – Colette Basler
Ich hatte ein Erlebnis mit dem Kinder-und Jugendhilfegesetz, wo die letzte Woche, zehn
Minuten vor Sitzungsende, der Entwicklungsschwerpunkt herausgeflogen ist auf einen
Antrag, der geheissen hat: mit der Deutschförderung vor dem Kindergarten haben wir
eigentlich alle Themen Kinder-und Jugendhilfe schon erledigt und jetzt kann man den
Entwicklungsschwerpunkt streichen. Das ist obsolet geworden, dann sparen wir
800'000 Franken.

[00:43:02.640] – Colette Basler
Dann hat die politische Mehrheit das durch gewunken.

[00:43:05.900] – Colette Basler
Alle sind auf dem falschen Fuss erwischt worden, weil das ist unankündiget gekommen
ist und niemand konnte sich darauf vorbereiten.

[00:43:14.140] – Colette Basler
Es ging ein Raunen durch alle.

[00:43:14.750] – Colette Basler
Die einen Verbände haben reagiert.

[00:43:28.240] – Colette Basler
Dann haben wir innerhalb von einer Woche eine Gruppierung zusammengebracht aus
Politikerinnen und Politikern und den Verbänden. Alle, die unter dem Dach von Avusa
sind, die 52 Stiftungen, das ist schon richtig viel. Plus Bildung Aargau, plus der
Schulleiterverband.

[00:43:54.600] – Colette Basler
Die haben alle auf ihrem Weg und mit ihren Möglichkeiten geredet mit Politikerinnen
und Politikern. Wir haben es geschafft, gestern ein Rückkommen zu Stande zu bringen.

[00:44:05.450] – Colette Basler

Wir haben eine Petition abgegeben mit über 8'000 Unterschriften.

[00:44:05.450] – Colette Basler
Wir haben sogar nachher, es sind zwei Abstimmungen gewesen, den
Entwicklungsschwerpunkt, also die Streichung wieder rückgängig gemacht.

[00:44:28.780] – Colette Basler
Das hat mir gezeigt, das ist mein Learning, dass wenn man zusammenhält und
zusammenarbeitet und daran glaubt, dass es gelingen kann.

[00:44:38.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Toll.

[00:44:38.740] – Colette Basler
Das war grossartig.

[00:44:44.790] – Colette Basler
Es ist ganz wichtig, dass all die Menschen, die so viel gut machen, sich kümmern um
die Kinder, denen ihr Weiterkommen, ihr Wohlbefinden, sei es Psychiaterinnen, sei es
Therapeutinnen, sei es was auch immer, die Lehrpersonen, sie müssen politischer
werden.

[00:45:15.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Okay.

[00:45:17.620] – Colette Basler
Das hat nichts zu tun mit Parteipolitik, überhaupt nicht.

[00:45:21.220] – Colette Basler
Sondern sich interessieren darum, was die Politik macht.

[00:45:28.400] – Colette Basler
Wenn sie merken, es geht in eine völlig falsche Richtung, reden mit den Leuten und
sagen: hey, aber denkst du daran? Und so.

[00:45:41.600] – Colette Basler
Ich glaube, eben schon, dass es etwas hilft und wir können so viel bewirken, wenn man
zusammensteht, so unglaublich viel.

[00:45:52.900] – Colette Basler
Der Bauernverband kann das und wir sind ganz wenig.

[00:46:08.980] – Colette Basler
Es ist, weil wir zusammenhalten.

[00:46:13.860] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr schön. Ich denke, das ist ganz toll.

[00:46:17.200] – Dr.med. Ursula Davatz
Es tut mich bekräftigen, wenn du sagst, wir Fachpersonen sollten politischer werden.

[00:46:23.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor Jahren habe ich eine Gesundheitstagung geplant und habe dann Gesundheitspolitik
im Kanton Aargau gemacht.

[00:46:31.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat der Politiker gesagt: ich habe keine Politik zu betrieben, das macht nur er.

[00:46:37.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Da habe ich dann die Tagung umbenannt: Gesundheitsversorgung.

[00:46:42.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Dann konnte er nichts mehr sagen.

[00:46:43.460] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit einem späteren Regierungsrat habe ich dann die Tagung durchgeführt.

[00:46:47.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Das Stichwort, was du sagst: wir müssen zusammenarbeiten.

[00:46:55.770] – Dr.med. Ursula Davatz
Über die Zusammenarbeit, berufsübergreifend zusammenarbeiten.

[00:47:06.790] – Dr.med. Ursula Davatz
Lehrer, Psychiater, Psychologen, Politiker, in dem wir fachübergreifend
zusammenarbeiten, gibt es noch mal etwas Besseres.

[00:47:17.520] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich danke ich dir ganz herzlich, dass du mir das Keyword gegeben hast:
zusammenarbeiten.

[00:47:25.080] – Colette Basler
Sehr gerne.

[00:47:30.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Zusammenarbeit bringt mehr als nur die Kompetition.

[00:47:31.160] – Colette Basler
Die Kompetition bringt uns einfach nicht weiter, wie lösen kein einziges Problem damit.

[00:47:36.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen zusammenarbeiten, verschiedene Bereiche, verschiedene Situationen, aus
verschiedenen Erfahrungen heraus.

[00:47:39.630] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Zusammenarbeit unter den Schulen, die erfolgreich sind, mit anderen Schulen,
nicht die Kompetition, der ist besser und der ist schlechter, sondern zusammenarbeiten,
lernen voneinander. Das denke ich, ist eine ganz wichtige Aufgabe.

[00:48:01.960] – Colette Basler
Ich bringe das gerne weiter.

[00:48:02.970] – Dr.med. Ursula Davatz
Danke dir, dass du gekommen bist.

[00:48:03.770] – Colette Basler
Ja, sehr gerne.

[00:48:05.490] – Dr.med. Ursula Davatz
Dass wir beim Thema "Zusammenarbeit" aufhören können.

Genetische Vererbung ist keine Mode

Genetische Vererbung ist keine Mode.

Transkript

Dr.med. Ursula Davatz, Prof. Jürg Kesselring
27.11.2025
Genetische Vererbung ist keine Mode.
Audio

[00:00:02.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Herzlich willkommen, Herr Professor Jürg Kesselring.

[00:00:09.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Es freut mich unglaublich, dass Sie es gewagt haben, zu mir in meine Praxis zu
kommen und mir einige Fragen zu beantworten.

[00:00:19.080] – Prof. Jürg Kesselring
Ich bin gern gekommen und bin gespannt auf diese Fragen, die ich ja eben noch nicht
kenne, aber das ist das Wesen eben.

[00:00:27.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Vor vielen Jahren habe ich sie mal per Telefon kontaktiert.

[00:00:31.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich hatte zwei Patienten, die hatten Schizophreniekrankheit und haben dann als zweite
Krankheit MS entwickelt.

[00:00:42.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich ihn angerufen und sie gefragt: sehen Sie da irgendeinen
Zusammenhang?

[00:00:49.700] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann haben Sie am Telefon gesagt: ja, vielleicht kann da etwas dran sein.

[00:00:56.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich gefragt, ob ich Sie besuchen kann in Valens.

[00:00:59.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir hatten einen Termin abgemacht, aber dann kam eine Lawine dazwischen, an jenem
Tag, als wir abgemacht hatten, und dann habe ich nicht kommen können und dann
haben wir alles fallen lassen und Jahre lang nichts mehr voneinander gehört.

[00:01:17.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe sie etwas verfolgt, wenn sie irgendeinen Kommentar gegeben haben in der
Ärztezeitung oder so, aber sie haben nichts mehr von mir gehört.

[00:01:27.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Frage ist nun: in der Zwischenzeit sind sicher ungefähr 20 Jahre vergegangen.
Was haben Sie für neue Erkenntnisse zur MS und allenfalls einen Zusammenhang mit
Schizophrenie?

[00:01:45.000] – Prof. Jürg Kesselring
Es sind sogar, wenn Sie das erwähnen, wegen der Lawine, kann ich genau sagen, im
Februar 1999 ist das gewesen.

[00:01:52.660] – Prof. Jürg Kesselring
Das war nämlich der schneereiche Winter, wo ich dann eben auch wegen dieser Lawine
ein Gedicht schreiben musste oder wollte, das den Titel "Schutzengel" trägt.

[00:02:05.960] – Prof. Jürg Kesselring
Unser Postauto, das die Mitarbeitenden nach Valens bringt, wo ich jahrzehntelang
mitgefahren bin, das ist 50 Meter, bevor die große Lawine die Straße verschüttet hat,
dort vorbeigekommen.

[00:02:23.600] – Prof. Jürg Kesselring
Ich habe mir immer vorgestellt, wenn jetzt der Postfahrer sechs Sekunden länger
gehabt hätte, die Ketten ans Postauto zu montieren, dann wären 40 von unseren
Mitarbeitenden in dieser riesigen Lawine geblieben.

[00:02:40.140] – Prof. Jürg Kesselring
Darum weiß ich, dass es Februar 1999 war.

[00:02:43.620] – Prof. Jürg Kesselring
Ihre Frage geht ja nicht um das, sondern darum, ob bei der Multiplen Sklerose – das ist
ja die ausführliche Benennung von der MS – Symptome vorkommen können, wie sie
sonst für euch, Psychiater, bei der Schizophrenie bekannt sind.

[00:03:02.360] – Prof. Jürg Kesselring
Ich glaube schon, dass die Multiple Sklerose, die eben eine Entzündungskrankheit des
Gehirns ist, auch zu Symptomen führen kann, wie sie bei der Schizophrenie
vorkommen.

[00:03:17.420] – Prof. Jürg Kesselring
Es ist sicher ein ganz, ganz großer Ausnahmefall, dass das vorkommt. Aber es ist nicht
ausgeschlossen.

[00:03:24.240] – Prof. Jürg Kesselring
Ich glaube schon auch, dass die Schizophrenie eben hirnorganische Grundlagen hat,
wobei es natürlich noch nicht so genau geklärt ist, wie viel jetzt an
Gewebeveränderungen im Gehirn zu den Symptomen führen, die sie als Schizophrenie
bezeichnen.

[00:03:45.480] – Prof. Jürg Kesselring
Ausgeschlossen ist ein Zusammenhang nicht, aber sicher nur ganz selten.

[00:03:51.140] – Prof. Jürg Kesselring
Also nicht so, dass man Multiple Sklerose Kranken darauf hinweisen müsste, es könnte
sich eine Schizophrenie entwickeln oder es sei ja ähnlich wie eine Schizophrenie.

[00:04:02.740] – Prof. Jürg Kesselring

Die Koinzidenz, das Zusammenfallen, ist sicher eine Möglichkeit.

[00:04:09.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich komme nachher noch mal zurück auf das Thema und sage Ihnen auch meine
Theorie.

[00:04:15.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Als erstes möchte ich jetzt sagen: die Psychiatrie hat sich ja ursprünglich von Freud her
aus der Neurologie entwickelt.

[00:04:28.600] – Dr.med. Ursula Davatz
In letzter Zeit, so wie ich es beobachte, kommt die Psychiatrie wieder der Neurologie
etwas näher, denn neuropsychologische und neurobiologische Forschung wird immer
mehr betrieben. Wir können das Gehirn auch immer genauer untersuchen. Also in der
Grundlagenforschung, denke ich, kommen wir uns wieder etwas näher, was ich
interessant finde.

[00:04:55.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Da frage ich Sie: wie sehen Sie dieses Zusammenrücken und was für Erwartungen
haben Sie an die Psychiatrie?

[00:05:06.360] – Prof. Jürg Kesselring
An diese Forschung? Ich finde das sehr interessant.

[00:05:09.400] – Prof. Jürg Kesselring
Ich habe mich schon immer auch mit den biologischen Grundlagen der Multiplen-
Sklerose befasst, habe also auch MRI richtig gelernt, als es in der Schweiz noch keine
solchen Apparate gab.

[00:05:23.640] – Prof. Jürg Kesselring
Mich hat immer interessiert, wie viel ist organisch bedingt und darum sichtbar mit diesen
Methoden und wie viel ist aber genetisch bedingt, sozial bedingt vor allem? Also wie viel

tun die Lebensumstände oder die Herkunft, also die Prägung in der Kindheit, in der
Schule, eine Verhaltensweise, wie wir sie als Krankheit, zum Beispiel MS, kennen, wie
beeinflussen die das?

[00:05:57.010] – Prof. Jürg Kesselring
Dieses Wechselspiel, das hat mich immer besonders mich interessiert.

[00:06:00.540] – Prof. Jürg Kesselring
Mich hat nie interessiert, einer konkreten Patientin zu sagen, das und das sei genetisch
bedingt, das und das seien die Flecken im MRI oder die Blutveränderungen oder die
Veränderungen von Parametern im Liquor, sondern das Zusammenspiel von allem.

[00:06:22.000] – Prof. Jürg Kesselring
Die Grundhaltung, die war mir immer wichtig, dass wir eben auch Gegebenheiten
verändern können.

[00:06:30.240] – Prof. Jürg Kesselring
Also, dass ich nicht nur Opfer meiner Mutter bin. Es ist ja aus der Mechanik bekannt:
wenn eine Schraube locker ist, liegt sie ja immer an der Mutter. Nein, eben nicht,
sondern ich habe auch eine Verantwortung, etwas zu verändern von dem, was mir
gegeben ist.

[00:06:51.440] – Prof. Jürg Kesselring
Mit meinem Rucksack, der genetisch determiniert ist durch die Erlebnisse von früher,
meine Wanderung zu machen und diese auch zu rechtfertigen.

[00:07:02.480] – Prof. Jürg Kesselring
Neben der Statue of Liberty hätte ich immer gern noch eine Statue für Responsibility
gehabt, dass man eben nicht nur die Freiheit sieht, die man hat, zu tun, was einem in
die Krone fällt, sondern eben auch eine Verantwortung für das, was geschieht.

[00:07:23.130] – Prof. Jürg Kesselring

Man ist nicht nur Opfer von dem, was vorgegeben ist, sondern hat auch die Möglichkeit,
eine Gestalterperspektive zu versuchen, zumindest.

[00:07:33.640] – Prof. Jürg Kesselring
Das kann man halt allein fast nicht. Darum braucht man Profis, die einem da anleiten.
Man braucht Freunde, die einem helfen, eben auch als Spiegel von einem selbst um
weiterzukommen.

[00:07:46.200] – Prof. Jürg Kesselring
Dass diese Möglichkeit besteht, auch bei Krankheiten und gerade dort besonders
wichtig ist, das war immer mein Grundanliegen.

[00:07:55.780] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr schön. Da treffen sich unsere Interessen sehr gut. Sie sprechen mir total aus dem
Herzen und ich versuche, den Menschen immer zu helfen, dass sie sich nicht als Opfer
sehen, sondern als aktive Menschen, die auch etwas geschalten können.

[00:08:12.100] – Prof. Jürg Kesselring
Wir haben ja die Neurologie noch so gelernt, dass eigentlich alle Krankheitsbegriffe mit
einem Alpha Privativum versorgt waren.

[00:08:21.620] – Prof. Jürg Kesselring
Man hat immer von der Aphasie gesprochen, also wenn Leute nicht reden können, und
der Alexie, wenn sie nicht lesen und so weiter.

[00:08:30.280] – Prof. Jürg Kesselring
Unsere Einstellung, gerade auch in Valens, und das macht die Rehabilitation aus, hat
man immer sich bemüht darum: was kann ich trotzdem machen?

[00:08:41.610] – Prof. Jürg Kesselring
Diese pubertäre Trotzhaltung, die haben wir fördern wollen.

[00:08:46.560] – Prof. Jürg Kesselring
Dann kann man sagen: Ja, es ist eine MS. Wir haben es gesehen im MRI, im Liquor.
Wir wissen das. Die Diagnose ist richtig. Was machen wir jetzt trotzdem? Und zwar
miteinander.

[00:08:59.160] – Prof. Jürg Kesselring
Das ist eine grundsätzliche Haltung, die man hat und die man versucht zu transferieren
auf diejenigen, die es schwerer im Leben haben, als wir.

[00:09:10.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr schön. Ich muss wieder sagen, es spricht mir aus dem Herzen.

[00:09:15.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich nehme jetzt noch mal ein Ereignis auf, wie wir uns begegnet sind, ohne dass Sie es
gemerkt haben.

[00:09:22.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Die zweite Begegnung mit Ihnen war über Ihren Artikel, den Sie in der Ärztezeitung
verfasst haben, über die Biografie von Oliver Sacks.

[00:09:33.919] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Oliver_Sacks

[00:09:34.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja der habe ich sehr angesprochen.

[00:09:37.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe das Buch dann gekauft. Ich habe es gelesen. Es ist ja von einem Journalisten
geschrieben, der ihn über längere Zeit begleitet haben.

[00:09:48.000] – Dr.med. Ursula Davatz

Die Biografie ist noch unheimlich interessant. Er war ja ein ganz spezieller Mensch.

[00:09:55.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Psychiater haben ihn auch wahrgenommen. Er ist auch ein Neurologe.

[00:10:01.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hatte einen Bruder, der schizophrene war, soweit ich das verstanden habe.

[00:10:08.050] – Dr.med. Ursula Davatz
Als ich das gelesen habe, dann habe ich wieder an Sie gedacht. Habe gedacht, wir
müssen unbedingt noch mal ein Interview machen.

[00:10:16.280] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich zitiere jetzt nur etwas von ihm. Er hat da spezielle, außergewöhnliche Versuche
gemacht mit Patienten, die in Anstalten absolut vernachlässigt waren und die er dann
behandelt hat mit Dopamin.

[00:10:31.880] – Prof. Jürg Kesselring
Wir diagnostizieren das als Parkinson.

[00:10:36.640] – Prof. Jürg Kesselring
Solche Patienten, die hatten halt gar nichts als Medikament damals und dann kamen
die ersten Dopa-und Dopamintherapien und er hat in diesen Pflegeheimen diese ersten
Infusionen gemacht.

[00:10:49.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Genau.

[00:10:50.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Aus dem ist dann der Film Awakenings entstanden.

[00:10:55.431] – Dr.med. Ursula Davatz
https://en.wikipedia.org/wiki/Awakenings

[00:10:55.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Das hat großes Aufsehen erregt bei Laien und auch natürlich wieder bei Fachpersonen.
Er war nicht vom Mainstream akzeptiert unter den Fachpersonen.

[00:11:09.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Da frage ich Sie auch heute: Was sagen Sie zu diesen Experimenten und wie würden
Sie diese einordnen?

[00:11:18.000] – Prof. Jürg Kesselring
Die sind natürlich sehr interessant.

[00:11:19.900] – Prof. Jürg Kesselring
Dass etwas vorher Ende der 1960er-Jahre diese Walther Birkmayer (Neurologe) und
Oleh Hornykiewicz (Biochemiker) gefunden haben, in den Gehirnen von Leuten, die zu
Lebenszeiten Parkinson-Kranke waren, haben sie gefunden, dass diese
Dopaminspiegel anders sind als bei uns Gesunden.

[00:11:41.910] – Prof. Jürg Kesselring
Daraus hat sich diese Therapie abgeleitet, die aber enorm viele Nebenwirkungen hatte,
weil man erst die Substanz direkt verabreicht hat, ohne einen Schutz, sodass also diese
Substanz schon gewirkt hat auf dem Weg zum Gehirn, also im ganzen Körper.

[00:12:02.870] – Prof. Jürg Kesselring
Das Geniale dann später war die Kombination mit einem sogenannten
Decarboxylasehemmer.

[00:12:09.560] – Prof. Jürg Kesselring
Das ist ein Stoff, der den Abbau des Dopamin verhindert auf dem Weg zum Gehirn.

[00:12:17.340] – Prof. Jürg Kesselring
Dieser Schutzstoff kann dann aber selber nicht durch die Bluthirnschranke hindurch und
so haben wir dann die Substanz hier richtig drin.

[00:12:25.860] – Prof. Jürg Kesselring
Bei Oliver Sacks, seinen Experimenten war das noch nicht so differenziert.

[00:12:30.000] – Prof. Jürg Kesselring
Heute ist die Therapie diesbezüglich viel eindrücklicher.

[00:12:34.320] – Prof. Jürg Kesselring
Bei diesem Awakening ist es eben sehr interessant.

[00:12:37.940] – Prof. Jürg Kesselring
Da lernt man eben sehr viel. In Valens haben wir alles, was der Oliver Sacks beschreibt,
auch gesehen.

[00:12:47.260] – Prof. Jürg Kesselring
Auch diese eingemauerten Parkinson-Patientinnen und Patienten, die dann erwacht
sind, der Awakenings, und zwar ganz eindrücklich.

[00:12:57.220] – Prof. Jürg Kesselring
Das Beispiel, das er bringt, ist ein Ausflug aus diesem Pflegeheim mit diesen ganz stark
motorisch eingeschränkten Patienten.

[00:13:11.620] – Prof. Jürg Kesselring
Dann sieht einer, der sich Jahre und Jahrzehnte nicht bewegt hat, sieht ein Kindlein in
den Fluss fallen, springt aus dem Rollstuhl, rettet das Kind und ist für die nächsten
Jahre wieder total blockiert.

[00:13:30.000] – Prof. Jürg Kesselring

Das ist eben sehr interessant, gerade im Hinblick auf Ihre zuerst gestellte Frage,
nämlich über den Zusammenhang von Persönlichkeit, vom Dasein und eben
organischer Bedingtheit.

[00:13:44.350] – Prof. Jürg Kesselring
Es ist also möglich, dass eben dieses Bewusstsein fokussiert wird auf bestimmte
Muskelgruppen.

[00:13:53.100] – Prof. Jürg Kesselring
So habe ich das verstanden.

[00:13:55.860] – Prof. Jürg Kesselring
Ein Beispiel, das mir natürlich besonders nahe ging, war der Herr zu dem ich gerufen
wurde auf die Intensivstation in Chur, mit dem Ziel, wir sollen hier die Beatmung
abstellen, weil er ist ja Hirntod.

[00:14:11.240] – Prof. Jürg Kesselring
Ich habe ihn sorgfältig untersucht und festgestellt, nein, er ist wach, aber er kann nichts
bewegen, außer den Augen und der großen Zehe an einem Fuß.

[00:14:24.560] – Prof. Jürg Kesselring
Ich habe gesagt: abstellen können wir nur, wenn er da einverstanden ist, und er hat
dann sich da so geäußert.

[00:14:32.220] – Prof. Jürg Kesselring
Über Wochen haben wir nur über seine Zehe kommuniziert.

[00:14:37.090] – Prof. Jürg Kesselring
Er hat später ein Buch geschrieben, wie er das erlebt hat, auch gehört hat, dass man
abstellen will und er sich nicht wehren konnte und wie er dann froh war, dass ich, dank
meiner neurologischen Untersuchung ohne MRI, einfach von Hand gekitzelt und
geredet über Wochen mit ihm kommuniziert habe.

[00:15:00.840] – Prof. Jürg Kesselring
Er hat das beschrieben.

[00:15:03.040] – Prof. Jürg Kesselring
Dann war er wieder einmal Jahre später bei uns zur Rehabilitation und ich habe auf der
Visite den Mitarbeitenden diese Großzehe zeigen wollen, mit der hat er sein Leben
gerettet.

[00:15:17.760] – Prof. Jürg Kesselring
Dann hat er gesagt, nein, vom Moment an, wo er wieder reden konnte, hat er keine
Kontrolle über die Großzehe mehr.

[00:15:25.440] – Prof. Jürg Kesselring
Das ist natürlich sehr interessant.

[00:15:27.220] – Prof. Jürg Kesselring
Leute so sorgfältig zu begleiten, dass man eben lernt, dieses Bewusstsein kann so
fokussiert sein, wenn es dem Überleben dient, dass jetzt halt deine Zehe funktioniert
und wenn es dann andere Teile des Organismus wieder versorgen will, wird das anders
verteilt.

[00:15:51.480] – Prof. Jürg Kesselring
Das ist sehr interessant.

[00:15:53.520] – Prof. Jürg Kesselring
Dass man eben so die Personen immer auch richtig ernst nimmt und immer lieber sich
selber fragt: ja, verstehe ich jetzt genug von ihr, von ihrer Ausdrucksfähigkeit?

[00:16:07.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Hochinteressant.

[00:16:09.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn Sie diesen Zustand beschreiben, dass er zwar alles wahrgenommen hat, aber
nichts mehr sagen konnte, außer der Zehenbewegung. Das geht ja etwas in den
Bereich der Katatonie.

[00:16:22.500] – Prof. Jürg Kesselring
Ja, aber psychisch ist wahrscheinlich bei der Katatonie der Zustand anders, aber da
kenne ich mich zu wenig aus.

[00:16:29.720] – Prof. Jürg Kesselring
Es ist eine Starrheit der Bewegung. Das ist schon so.

[00:16:36.220] – Prof. Jürg Kesselring
Wir nennen jetzt das, was ich beschrieben habe, ein Locked-in-Syndrom, wo die Person
eben eingeschlossen ist und eben nur wenige Ausdrucksmöglichkeiten findet.

[00:16:48.420] – Prof. Jürg Kesselring
Ich habe immer unsere Aufgabe als Therapeuten oder Ärzte so verstanden, dass wir
quasi Schlupflöcher in die Mauer treiben müssen, wenn das Gehäuse jetzt
beeinträchtigt ist, damit die Person sich doch ausdrücken kann.

[00:17:06.720] – Prof. Jürg Kesselring
Ich finde das eben so schön, dass wir in unseren Sprachen, die vom Lateinischen
abgeleitet sind, den Ausdruck der Person haben, Persönlichkeit.

[00:17:15.590] – Prof. Jürg Kesselring
Ich habe das immer so verstanden, es geht darum, was das Personare kann, also
hindurchtönen. So verstehe ich dann, das Ich oder das Du, das ein Körper benutzt und
nicht nur das Produkt ist von den Stoffwechselvorgängen im Gehirn oder im Herzen
oder im Darm oder so.

[00:17:39.900] – Dr.med. Ursula Davatz

Das ist sehr interessant.

[00:17:41.900] – Dr.med. Ursula Davatz
Dieser Mann wurde ja angeregt, indem er gesehen hat, dass ein Kind sterben könnte.
Das hat ihn aktiviert.

[00:17:51.120] – Prof. Jürg Kesselring
Ja, genau.

[00:17:51.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist durch die Person hindurch gegangen. Die Katatonie, ich nenne das eine
Totenstarre.

[00:18:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die erstarren, nehmen aber alles noch wahr, aber können sich nicht mehr ausdrücken.

[00:18:10.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit den Beschreibungen von diesem Patienten kommen wir in den Bereich der
Neuroplastizität.

[00:18:22.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich lese gerade ein Buch Norman Doidge.

[00:18:30.000] – Dr.med. Ursula Davatz
https://en.wikipedia.org/wiki/Norman_Doidge

[00:18:37.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Neuroplastizität ist was hochinteressantes. Er beschreibt da auch, wie lange die
Psychiater, vielleicht auch die Neurologen, ich weiß nicht, festgehalten haben an ihrer
alten Theorie, dass sich da gar nichts verändern kann. Dabei ist das Gehirn so
lernfähig, so veränderbar, wenn wir es entsprechend interagieren lassen.

[00:19:08.300] – Prof. Jürg Kesselring
Das war die Grundlage von unserer ganzen beruflichen Tätigkeit. Ich habe dem immer
die angewandte Neuroplastizität gesagt.

[00:19:17.810] – Prof. Jürg Kesselring
Wir haben die Kollegen hier gerade in der Nähe in der Uni, im Institut für Hirnforschung
oder im Zentrum für Neurowissenschaften, die haben auf Gewebeebene, so
neuroplastische Vorgänge beschrieben.

[00:19:33.900] – Prof. Jürg Kesselring
Unser Anliegen war eben immer, das praktisch umzusetzen.

[00:19:38.640] – Prof. Jürg Kesselring
Die Grundüberzeugung, die sie uns auch eben auf Gewebeebene bewiesen haben, ist
die, dass zwar das Gehirn schon die Neuronen, mit denen wir auf die Welt kommen,
von denen gibt es nicht viel mehr neue im erwachsenen Leben.

[00:19:55.980] – Prof. Jürg Kesselring
Vielleicht so bis zwei Jahre noch neue und bei uns noch so 17 pro Tag, aber im
Verhältnis zu dieser ganzen Fülle, die wir da oben haben, ist das nicht so wichtig.

[00:20:06.420] – Prof. Jürg Kesselring
Aber die Verbindungen zwischen diesen Neuronen, die Synapsen, da sind wir
überzeugt, die bilden sich großzügigerweise bis zum Tod immer wieder neu, aber wir
müssen sie nutzen.

[00:20:20.320] – Prof. Jürg Kesselring
Das Kurzgedichtlein: "use it or lose it" hat wirklich eine Berechtigung.

[00:20:26.300] – Prof. Jürg Kesselring
Nicht so, dass man jemandem, der jetzt Schwierigkeiten hat mit seinen Neuronen
sagen müsste: sie müssen halt mehr trainieren.

[00:20:34.310] – Prof. Jürg Kesselring
Ein Training, das kann man eben anleiten und das kann man selber nicht genug.

[00:20:39.400] – Prof. Jürg Kesselring
Da muss man Hilfen haben von Therapeutinnen und Helfern und Ärzten, die einem
eben fördern und lehren. Das ist ganz wichtig.

[00:20:49.160] – Prof. Jürg Kesselring
Wir haben immer auch versucht, das was im Kind in der Entwicklung zum Erfolg führt,
nämlich, dass wir uns recht bewegen können, dass wir uns anständig benehmen, dass
wir etwas wissen können.

[00:21:04.040] – Prof. Jürg Kesselring
Diese Neuroplastizität des Kindes und Jugendlichen, diese Situation möchten wir
anwenden in der Therapie von Leuten, bei denen eben durch einen Unfall, eine
Krankheit, etwas im Gehirn verändert ist.

[00:21:20.000] – Prof. Jürg Kesselring
Die Lernfähigkeit, die besteht weiterhin.

[00:21:24.180] – Prof. Jürg Kesselring
Nun ist die große Aufgabe die, dass wir nicht die Lernfähigkeit, die dem Gehirn
einverleibt ist, die gegeben ist, dass die nicht behindert werden soll.

[00:21:37.140] – Prof. Jürg Kesselring
Ich glaube eben, dass es verschiedene Faktoren gibt, die die Lernfähigkeit beeinflussen
und beeinträchtigen.

[00:21:45.780] – Prof. Jürg Kesselring
Das sind ganz heikle Themen in unserer Gesellschaft.

[00:21:50.560] – Prof. Jürg Kesselring
Da müssen wir eine offene Diskussion führen.

[00:21:55.300] – Prof. Jürg Kesselring
Ich finde, auf Grundlage von dem, was man in der Wissenschaft in der Psychologie, in
der Pädagogik, in der Neurowissenschaft erarbeitet, so müssen wir diese Diskussionen
führen: was fördert die Lernfähigkeit und was schränkt sie ein?

[00:22:15.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, da reden Sie mir wieder aus dem Herzen.

[00:22:19.580] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt komme ich mit der nächsten Frage: ich beschäftige mich schon seit über 40
Jahren mit dem Phänomen des ADHS/ADS.

[00:22:27.950] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe vor Jahren festgestellt, dass es gewisse ähnliche Symptome gibt bei ADHS/
ADS und Schizophrenie.

[00:22:44.280] – Prof. Jürg Kesselring
Ja!

[00:22:44.540] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe dann ein Buch geschrieben über ADHS/ADS und Schizophrenie.

[00:22:53.525] – Dr.med. Ursula Davatz
https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhs-und-schizophrenie/

[00:22:53.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher sprach ich von der Schizophrenie und der Monsterwelle.

[00:23:03.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Heute spreche ich vom Grenzzerfall.

[00:23:05.760] – Prof. Jürg Kesselring
Ja, ein sehr schöner Titel.

[00:23:07.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist so bei den Schizophrenen, ist es ein Grenzzerfall zwischen den verschiedenen
Hirnzentren, dass diese Menschen die Vernunft verwirren.

[00:23:21.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Sie operieren nicht mehr mit der gleichen Logik, wie wir Durchschnittstypen.

[00:23:31.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Früher hat man immer gestritten: nature versus nurture.

[00:23:36.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Ist alles genetisch, ist alles Umfeld?

[00:23:39.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage ganz klar: das ADHS/ADS aus meiner Sicht ist die Nature, also die
angeborene Genetik.

[00:23:48.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Man sagt ja, das ist bis zu 80% oder mehr vererbt.

[00:23:52.650] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann die Interaktion mit dem Umfeld, die tut dann das ihre dazu, dass aus den ADHS/
ADS-Kindern, Jugendlichen Störungen entstehen.

[00:24:05.840] – Dr.med. Ursula Davatz

So habe ich dann ein weiteres Buch geschrieben: ADHS/ADS Folgekrankheiten.

[00:24:15.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Als Untertitel habe ich gesagt: Psychiatrie im Offside.

[00:24:20.270] – Dr.med. Ursula Davatz
Mit Offside meine ich in dem Sinn: wir Psychiater hinken da etwas hinterher. Wir
schauen die Interaktion des Patienten mit seinem Umfeld nicht an.

[00:24:37.050] – Prof. Jürg Kesselring
Das ist halt eben ganz wichtig.

[00:24:39.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Eben, und das sage ich auch.

[00:24:41.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin ausgebildet als Familientherapeutin in Amerika bei Professor Murray Bowen. Er
war einer der Schizoprenieforscher, der ganze Familien hospitalisiert hat am NIMH und
dann die Interaktion beobachtet hat.

[00:24:57.800] – Dr.med. Ursula Davatz
Er hat seinen Beobachtern vorgeschrieben, sie dürfen keine Fachausdrücke
verwenden, sondern nur beschreiben, nur beobachten.

[00:25:07.690] – Dr.med. Ursula Davatz
Das, was sie vorher auch etwas gesagt haben.

[00:25:10.380] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sehe viele Patienten, die in ihrem Umfeld, in der Schule, in der Familie ungünstige
Interaktionen erlebt haben, die dann zu einer Fehlentwicklung geführt haben, sodass
sie schlussendlich in einer psychiatrischen Krankheit gelandet sind.

[00:25:34.100] – Dr.med. Ursula Davatz
In letzter Zeit kommen sogar Geschichten heraus, also Statistiken, die zeigen, dass
somatische Krankheiten entstehen können, dass sie vermehrt psychiatrische
Krankheiten bekommen.

[00:25:53.640] – Dr.med. Ursula Davatz
Da gibt es jetzt eine Statistik, dass Frauen zehn Jahre früher sterben und Männer
sieben Jahre. Es ist ein Phänomen, bei dem die Frauen mehr Schaden nehmen als die
Männer.

[00:26:11.900] – Prof. Jürg Kesselring
Das wäre jetzt speziell beim ADHS/ADS?

[00:26:15.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Da frage ich jetzt: Sie als Neurologe, wie stehen Sie zum Thema ADHS/ADS?

[00:26:29.400] – Dr.med. Ursula Davatz
Es kommt heutzutage in vielen Medien.

[00:26:32.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Jeder weiß etwas davon. Die Journalisten sagen dann: das ist nur eine Modekrankheit.

[00:26:41.660] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage: nein, sicher nicht.

[00:26:45.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Genetische Vererbung ist keine Mode.

[00:26:50.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Die nimmt ihren Lauf.

[00:26:52.000] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Untersuchungen sagen: 80% ist beim ADHS/ADS vererbt.

[00:26:57.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Was sagen Sie als Neurologe zum Thema ADHS, ADS und Autismus?

[00:27:06.760] – Prof. Jürg Kesselring
Die Grundfrage vom genetischen Nature und Nurture, das ist natürlich eine ganz
grundlegend wichtige.

[00:27:16.390] – Prof. Jürg Kesselring
Ich könnte jetzt in solchen Fällen, die mir bekannt sind, nicht eine Prozentangabe
machen, wie viel genetisch ist.

[00:27:24.660] – Prof. Jürg Kesselring
Ich kann als Illustration, was mir völlig einleuchtet und ich komme nachher auf das
ADHS/ADS speziell zurück, ist das Beispiel einer Kinderkrankheit der Phenylketonurie.

[00:27:37.880] – Prof. Jürg Kesselring
https://de.wikipedia.org/wiki/Phenylketonurie

[00:27:37.880] – Prof. Jürg Kesselring
Da weiß man, das Gen, das defekt ist, kennt man genau und man weiß, welches
Enzyme von diesem Gen gesteuert wird und wenn das Enzyme fehlt, welcher
Stoffwechselvorgang nicht laufen kann.

[00:27:52.620] – Prof. Jürg Kesselring
Kinder mit diesem Gendefekt haben ganz schwere neurologische Schäden.

[00:27:58.160] – Prof. Jürg Kesselring

Wenn man aber nun, und das kann in der gleichen Familie sein, wo das genau gleiche
Gen vorhanden ist, das Enzyme fehlt, aber man achtet in der Ernährung darauf, dass
dieses Kind kein Phenylalanin bekommt, dann wird das völlig gesund daher wachsen,
obwohl der genetische Hintergrund genau der gleiche war.

[00:28:23.280] – Prof. Jürg Kesselring
Da sieht man die Illustration von dem, was von außen kommt.

[00:28:27.760] – Prof. Jürg Kesselring
Bei dem ADHS/ADS, da ist für mich und bei der Schizophrenie auch ein wesentlicher
Punkt, dass eben bei einer genetischen Disposition die Konzentrationsfähigkeit anders
ist.

[00:28:40.680] – Prof. Jürg Kesselring
Die kann eben auch von außen her gesteuert werden

[00:28:44.720] – Prof. Jürg Kesselring
Das ist für mich ein großes Problem und ich bin froh, dass ich darum weiterhin auch in
dieser Kommission des Bundesamtes für Umwelt bin, die sich mit den
nichtionisierenden Strahlen befasst.

[00:28:58.200] – Prof. Jürg Kesselring
NIS, das sind die nichtionisierenden Strahlen.

[00:29:01.680] – Prof. Jürg Kesselring
Ich habe keine Sorgen wegen der Strahlen als Strahlen als physikalische Größe, aber
der Verwendung dieser Handys und speziell der Social Media als Ablenkungsfaktor und
damit eben als Faktor aus der Umwelt der bei genetisch disponierten Leuten eben diese
Unruhe fördert, weil sie sich nicht mehr konzentrieren können oder dürfen. Das ist für
mich die große Sorge in diesem Zusammenhang.

[00:29:32.420] – Prof. Jürg Kesselring

Darum wundert es mich nicht, dass die Zahl der ADHS/ADS-Leute zunimmt.

[00:29:39.500] – Prof. Jürg Kesselring
Wir wissen schon, dass es immer Zappelphilippe gegeben hat, aber wie das zunimmt.

[00:29:46.050] – Prof. Jürg Kesselring
Das Zappeln selber würde mir nicht einmal so viel Sorgen machen, wie die
Depressionen, die resultieren aus diesem Social-Media-Gebrauch.

[00:29:55.650] – Prof. Jürg Kesselring
Das muss man sehr ernst nehmen und nicht einfach sagen: ja, das ist ein alter
weißhaariger Mann, der altmodisch ist, weil er noch Briefe schreibt, sondern er weiß
eben, dass diese Ablenkbarkeit und das sich Konzentrieren auf Banalitäten und auf
Unsinn für die Neuroplastizität speziell etwas Schädliches ist.

[00:30:19.140] – Prof. Jürg Kesselring
Das muss man wissen, als Eltern, als Lehrerinnen und auch als Kolleginnen und
Kollegen in der Peer-Group.

[00:30:27.080] – Prof. Jürg Kesselring
Das muss man wissen, dass das ein sehr ernstes Thema ist, dem man sich annehmen
muss.

[00:30:31.860] – Prof. Jürg Kesselring
Ich finde es interessant und eigentlich auch richtig, wenn wir jetzt von anderen Ländern
hören, wie von Australien, dass sie sagen, bis 16 Jahren sind diese verboten.

[00:30:44.240] – Prof. Jürg Kesselring
Ich habe dann die Diskussion in England verfolgt, in den Medien, in den London Times,
wo sie sagen: super, was die Australier machen, aber warum nur bis 16 und nicht bis 18
verbieten? Verbieten ist eine heikle Sache. Argumente bringen, warum es wirklich

gefährlich ist, als Faktor aus der Umwelt für die Entwicklung von Störungen, die wir
früher als Krankheiten bezeichnet haben.

[00:31:13.180] – Dr.med. Ursula Davatz
Ja, da sprechen Sie mir auch wieder aus dem Herzen.

[00:31:17.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Doch, ich bin ganz Ihrer Meinung.

[00:31:20.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Noch mal zurück zum ADHS/ADS und der Genetik.

[00:31:23.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Es gibt die Genome-Wide-Association-Studies, GWAS.

[00:31:27.837] – Dr.med. Ursula Davatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Genomweite_Assoziationsstudie

[00:31:28.350] – Dr.med. Ursula Davatz
Da hat man fünf sogenannte Krankheitsbilder genetisch untersucht und dann
festgestellt, dass sie alle den gleichen oder ähnlichen Gen-Lokus verändert haben.

[00:31:44.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Diese fünf Krankheitsbilder waren: Schizophrenie, manisch-depressiv, bipolare Störung,
schwere Depression, ADHS und Autismus.

[00:31:58.620] – Dr.med. Ursula Davatz
Das bestätigt meine Theorie, dass zwischen ADHS/ADS und diesen Krankheitsbildern
ein Zusammenhang besteht.

[00:32:08.940] – Prof. Jürg Kesselring

Die Eingangsfrage war ja auch, ob ich einen Zusammenhang sehe mit der Multiplen
Sklerose (MS).

[00:32:14.870] – Prof. Jürg Kesselring
Die Ist ja auch bei diesen Worldwide Genetic Studies sehr sorgfältig untersucht worden,
aber man findet nicht genug Hinweise, auch bei sorgfältigen Untersuchungen, dass
man eben die Genetik von der MS genau determinieren könnte.

[00:32:31.680] – Prof. Jürg Kesselring
Darum sind diese fünf genannten Krankheitsbilder eigentlich interessanter in diesem
genetischen Zusammenhang.

[00:32:41.080] – Prof. Jürg Kesselring
Es gibt bei der MS schon auch genetisch … Wir kennen alle Familien, in denen mehr
als ein Fall vorkommt, aber es ist doch insgesamt so selten, dass man nicht von einer
genetisch determinierten Krankheit sprechen darf.

[00:32:56.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich gebe Ihnen jetzt eine Theorie von mir zum Thema MS.

[00:33:02.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige Frauen mit MS behandelt. Ich habe in der Spitex Krankenschwestern
begleitet, die MS-Patienten zu Hause betreut haben.

[00:33:14.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Meine Theorie ist, weibliche MS-Patientinnen sind verhinderte Managerinnen.

[00:33:22.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das heißt, sie wollen mehr erreichen im Leben, als ihre zwei Hände bewerkstelligen
können.

[00:33:31.740] – Dr.med. Ursula Davatz

Wenn sie dann MS bekommen, dann sind sie, also von ihrer Motorik her, verhindert, die
Sachen selbst zu erledigen und dann befehlen sie ihrem Umfeld, befehlen sie denen,
was die machen müssen.

[00:33:51.910] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Spitexkrankenschwestern, die dann willige Befehlsempfängerinnen waren, die
können es gut mit denen.

[00:34:06.140] – Dr.med. Ursula Davatz
Diejenigen, welche den MS-Patienten befehlen wollen und sagen wollen, wie es gehen
muss, die müssen aufhören, das geht nicht.

[00:34:15.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich habe einige solche Spitex-Krankenschwestern begleitet und die haben sofort darauf
reagiert auf den Begriff "verhinderte Managerinnen".

[00:34:28.420] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich kannte einen Fall, die hat dann eine Managerrolle übernommen, die war vorher
Kantenschwester und hat dann etwas organisiert und dann ist da die MS lange nicht
mehr gekommen.

[00:34:42.740] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist eine Hypothese von mir.

[00:34:45.440] – Prof. Jürg Kesselring
Ja, die könnte man auch überprüfen natürlich, weil so Einzelfälle sind immer
eindrücklich im einzelnen Fall und müssen als solche auch wirklich gerechtfertigt
werden. Aber wenn man es eben statistisch weiter erhärten wollte, dann müsste man
das in einem größeren Zusammenhang anschauen.

[00:35:07.040] – Prof. Jürg Kesselring

Diesbezüglich wäre das, wo ich jetzt gerade herkomme, dieses MS-Register, eine
interessante Forschungsquelle, die machen ausgezeichnete Studien zu
epidemiologischen Fragen im Zusammenhang mit der Multiplen Sklerose und die haben
fast 3000 Leute, die bereitwillig Auskunft geben.

[00:35:31.930] – Prof. Jürg Kesselring
Eine solche Frage könnte man durchaus stellen.

[00:35:35.120] – Prof. Jürg Kesselring
Ich habe Hemmungen, Einzelfälle dann zu übertragen auf andere in Bezug auf die
psychische Disponiertheit von MS-Patienten, weil das dann oft auch mit Schuldgefühlen
verknüpft ist, die ich eben speziell vermeiden möchte.

[00:35:53.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Das verstehe ich gut, das will ich natürlich auch. Aber könnten Sie eine solche Frage in
diese Studien reinbringen?

[00:36:01.700] – Prof. Jürg Kesselring
Ja, man müsste überlegen, wie man sie geschickt formuliert.

[00:36:06.420] – Prof. Jürg Kesselring
Dass es bei klar organisch-neurologischen Krankheiten immer einen psychologischen
Untergrund gibt, das ist ja jedem klar.

[00:36:15.990] – Prof. Jürg Kesselring
Jede Einzelperson hat ihr persönliches Psychogewand.

[00:36:24.280] – Prof. Jürg Kesselring
Mich haben immer diese Krankheiten speziell interessiert, die eigentlich als
Hirnkrankheiten gelten, Epilepsie oder Migräne, auch anfallsartige Krankheiten, die auf
einer organischen Grundlage beruhen.

[00:36:39.540] – Prof. Jürg Kesselring
Dann interessiert mich eben, wie sich diese Personen verhalten während der Zeit
außerhalb dieses einen Anfalls.

[00:36:51.240] – Prof. Jürg Kesselring
Dann kommt man eben der Persönlichkeit näher und das kann man mit
psychologischen Methoden schon auch erfassen oder halt mit literarischen.

[00:37:00.590] – Prof. Jürg Kesselring
Darum haben solche Leute wie der Oliver Sacks eben auch viel Resonanz gefunden,
weil er eigentlich literarisch beschrieben hat, was man sonst in statistischen
Untersuchungen darlegen will.

[00:37:13.640] – Prof. Jürg Kesselring
Es ist eine Art der Realitätsbeschreibung, die ich außerordentlich schätze und die ich
gleich hochwerte wie die statistisch ausgewerteten Ergebnisse von groß untersuchten
Zahlenkohorten.

[00:37:31.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr interessant.

[00:37:33.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich komme noch mal zurück zum ADHS/ADS.

[00:37:38.160] – Dr.med. Ursula Davatz
Eine weitere Erkenntnis war, dass ADHS/ADS-Menschen vermehrt Demenz entwickeln
oder früher Demenz entwickeln.

[00:37:52.850] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist auch in einer Studie.

[00:37:58.137] – Dr.med. Ursula Davatz

https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2810766

[00:37:58.560] – Dr.med. Ursula Davatz
Dann habe ich wieder überlegt, wenn ich ADHS/ADS-Patienten behandle, dann muss
ich ihnen immer helfen, ihren eigenen Fokus zu finden, ihren intrinsischen Fokus.

[00:38:09.870] – Dr.med. Ursula Davatz
Da läuft unsere Erziehung häufig denen zuwider.

[00:38:14.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Man will sie in die Norm eingliedern und das geht nicht.

[00:38:19.060] – Dr.med. Ursula Davatz
Das geht einfach nicht.

[00:38:20.600] – Dr.med. Ursula Davatz
Wenn man sie zu sehr in die Norm eingliedern will, dann finden sie ihren eigenen Fokus
nicht.

[00:38:27.340] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich muss dann den Eltern sagen: lassen sie das Kind. Es muss seinen Fokus finden.

[00:38:33.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Man kann da behilflich sein, aber wenn man immer dagegen geht, dann schadet man
diesem Kind so.

[00:38:41.020] – Dr.med. Ursula Davatz
Viele der Erwachsenen ADHS/ADS Patienten die sagen: ich war immer falsch, ich war
immer falsch. Das ist eine Katastrophe.

[00:38:49.320] – Dr.med. Ursula Davatz

Da mache ich jetzt die Verbindung zur Demenz. Wenn man seinen Fokus nicht finden
kann, dann irrt man ewig weiter und dann wird man dement.

[00:39:01.130] – Dr.med. Ursula Davatz
Also eigentlich ist es einleuchtend.

[00:39:03.860] – Prof. Jürg Kesselring
Ich habe ja die Abkürzung für die multiple Sklerose, MS, immer wesentlich genommen
als Abkürzung für "mehr Selbstvertrauen".

[00:39:14.240] – Prof. Jürg Kesselring
Das ist, was wir schulen möchten an uns selber, weil Selbstvertrauen meint ja nicht,
dass ich mich besser fühle als irgendjemand anders, sondern dass ich mit dem
Rucksack, den ich mitbekommen habe, genetisch von frühkindlich und mit späteren
Einflüssen, dass ich mit dem Rucksack auf eine Wanderung gehe, wo ich eben auch
eine Verantwortung habe für das, was passiert, bei allen Einschränkungen, die wir alle
haben und die mir auch über mich selber schmerzlich bewusst sind. Die
Grundeinstellung, die habe ich noch nicht aufgegeben, dass ich eben etwas damit
machen kann.

[00:39:57.940] – Dr.med. Ursula Davatz
Mehr Selbstvertrauen. Sehr schön gesagt. Das ist das, was ich versuche, allen meinen
Patienten beizubringen.

[00:40:05.610] – Prof. Jürg Kesselring
Auch mir selber, das ist wichtig.

[00:40:07.820] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt noch eine letzte Frage.

[00:40:15.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich sage in meinem Buch: Psychiatrie im Offside.

[00:40:19.920] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich bin meiner Disziplin gegenüber kritisch.

[00:40:26.030] – Dr.med. Ursula Davatz
Die Psychiatrie steckt in einer Sackgasse.

[00:40:32.240] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben immer mehr Publikationen in der Sonntagszeitung, in allen Zeitungen, wie es
der Jugend schlechter geht, wie sie unglücklich sind und wie alle psychiatrischen
Beratungsstellen, wie die Versorgung nicht nachkommt, also Wartezeiten und so weiter.

[00:40:57.760] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir haben kaum mehr Schweizer Nachkommenschaft bei den Psychiatern.

[00:41:02.960] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen alles Psychiater aus dem Ausland reinholen oder dann zu Psychiatern
machen bei uns.

[00:41:10.080] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist natürlich eine schwierige Situation.

[00:41:14.360] – Dr.med. Ursula Davatz
Da möchte ich Sie fragen: was läuft falsch in unserem Fachbereich, in der Psychiatrie,
aus Ihrer Sicht?

[00:41:24.300] – Dr.med. Ursula Davatz
Was müssten wir da ändern, damit wir eine bessere Versorgung wieder bekommen.

[00:41:31.680] – Prof. Jürg Kesselring

Ich glaube eben auch eine breite Wirkung der Psychiatrie, die scheint mir wichtig, dass
sie eben auch die Allgemeinbevölkerung so informieren, dass das verstanden werden
kann, was ihnen am Herzen liegt, wie Sie sagen.

[00:41:46.220] – Prof. Jürg Kesselring
Da bemühe ich mich selber auch immer damit, zum Beispiel auch, indem ich in der
Schweizerischen Hirnliga aktiv bin, wo es ein Ziel von uns ist, dass wir das, was in der
Wissenschaft läuft, und da läuft vieles sehr Interessantes, so formulieren können, dass
es die Allgemeinheit versteht.

[00:42:03.840] – Prof. Jürg Kesselring
Wesentlich: die Lehrerinnen und Lehrer müssen das auch wissen und kennen und die
Elternvereinigungen müssen solche Dinge wissen, damit sie es ihren Kindern
weitergeben können.

[00:42:16.980] – Prof. Jürg Kesselring
Die grundlegende Perspektive ist so entscheidend, ob man nur das Opfer ist von dem,
was geschieht, eben in der Gesellschaft, oder ob man das Gefühl noch hat, für dieses
Wunder, das jeder von uns mit sich herumträgt, nämlich unseren Organismus und wie
man den pflegen kann.

[00:42:37.280] – Prof. Jürg Kesselring
Da kann man in verschiedensten Bereichen sehr sorgfältig umgehen, im körperlichen
Bereich, im emotionalen Bereich, aber auch im spirituellen Bereich.

[00:42:48.380] – Prof. Jürg Kesselring
Das ist etwas, was in der heutigen Psychiatrie kaum noch angesprochen wird, aber das
ist zentral wichtig. Ich meine damit nicht, dass man miteinander Gebete aufsagen soll
oder Psalmen singen, aber dass man weiß, in welcher Art dieser Wunderorganismus
eben auch entstanden ist und wo er dann einmal hingeht.

[00:43:10.280] – Prof. Jürg Kesselring

Das sind Fragen, die viel wichtiger sind, als nur aufzuzählen, wann man es, was genau
verdienen will und essen will.

[00:43:18.900] – Prof. Jürg Kesselring
Das ist ein grundlegender Auftrag an uns alle, uns auch diesen großen Themen, die Sie
jetzt eben hier netterweise ansprechen, wie man mit denen umgehen soll.

[00:43:31.880] – Dr.med. Ursula Davatz
Das sprechen sie mir auch wieder aus dem Herzen. Ich habe in vielen
Elternvereinigungen Vorträge gehalten.

[00:43:39.260] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich richte mich jetzt stark auf die Schule.

[00:43:42.980] – Dr.med. Ursula Davatz
Ich möchte den Lehrern Unterstützung geben, Wissen weitergeben, dass sie lernen, mit
diesen Kindern, ich sage dann, persönlichsgerechter umzugehen.

[00:43:55.120] – Dr.med. Ursula Davatz
Es ist wahnsinnig wichtig und wir könnten so viel Geld sparen.

[00:44:00.680] – Dr.med. Ursula Davatz
Das habe ich auch in meinem Buch am Schluss etwas beschrieben.

[00:44:05.440] – Dr.med. Ursula Davatz
Jetzt möchte ich Sie noch fragen: Haben Sie eine Frage an mich?

[00:44:13.100] – Prof. Jürg Kesselring
Ja, ob es Ihnen weiterhin Freude macht, diese Erkenntnisse, die Sie da
zusammentragen, eben so zu formulieren, dass es die anderen Leute verstehen.

[00:44:24.380] – Prof. Jürg Kesselring
Ich habe das eindeutig erlebt, dass Freude einer der stärksten Motivationen ist.

[00:44:31.340] – Prof. Jürg Kesselring
Ihr Psychologen und Psychiater studiert Freud und Jung und Adler und alle die, aber zu
wenig wird beschrieben, was Freude bedeutet.

[00:44:41.380] – Prof. Jürg Kesselring
Das ist die Motivation, die man haben kann und welche Methoden man anwendet,
welches Rezept man für sich selber verwendet, um Freude erhalten zu können.

[00:44:54.280] – Prof. Jürg Kesselring
Wenn man mir dann sagt: ja, du bist einfach ein alter Romantiker, dass du meinst, in
dieser schlechten Welt und in diesem Jammertal, soll man noch Freude haben, dann
kann ich sagen: doch, ich habe Grund dafür, und zwar am eigenen Erleben und an der
Freude, an der Begegnung mit anderen Menschen, speziell mit den kleinen Kindern.

[00:45:14.460] – Prof. Jürg Kesselring
Da kommt man ja aus dem Staunen nicht heraus.

[00:45:17.330] – Prof. Jürg Kesselring
Die alten Griechen haben das ja auch so formuliert und ich finde das weiterhin
brauchbar.

[00:45:24.360] – Prof. Jürg Kesselring
Der Anfang der Weisheit ist das Staunen, aber das muss man üben, dass man das
kann, weil zu sagen: alles ist scheiße, Mann, das ist einfach, aber das wird der Realität
nicht gerecht.

[00:45:38.840] – Dr.med. Ursula Davatz
Doch, also ich gebe mein Wissen sehr gerne weiter in einfachen Worten, in Vorträgen
und so weiter, wenn ich angefragt werde.

[00:45:48.100] – Dr.med. Ursula Davatz
Das mit dem Staunen finde ich toll.

[00:45:52.320] – Dr.med. Ursula Davatz
Wir müssen unsere Neugier behalten, unser Staunen, und nicht meinen, wir wissen
alles schon.

[00:46:00.000] – Dr.med. Ursula Davatz
So sage ich auch meinen Gesprächspartnern: wir sind ständig am Lernen und wir sind
weiter am Lernen bis zum Tode.

[00:46:10.610] – Dr.med. Ursula Davatz
Das ist etwas vom Schönsten. Das hält uns jung.

[00:46:15.500] – Dr.med. Ursula Davatz
Sehr gut.

[00:46:16.040] – Dr.med. Ursula Davatz
Vielen Dank für Ihren Beitrag. Es war sehr interessant für mich und ich freue mich
darüber.

[00:46:24.730] – Prof. Jürg Kesselring
Sehr schön. Danke Ihnen vielmals!