Psychiatrie im Offside

Der Ausdruck „Psychiatrie im Offside“ dient als Untertitel des Buches von Dr. med. Ursula Davatz und fasst ihre grundlegende Kritik an der aktuellen Herangehensweise der Psychiatrie im Umgang mit dem ADHS/ADS-Neurotyp zusammen.

Die Hauptthese ist, dass die Psychiatrie im Verständnis und in der Behandlung von ADHS/ADS hinterherhinkt und systemische Aspekte, die für diesen Menschentyp entscheidend sind, vernachlässigt.

Hier sind die zentralen Kritikpunkte, die das „Offside“ der Psychiatrie begründen:

1. Fokussierung auf das Individuum und die Symptome

Die Psychiatrie wird dafür kritisiert, dass sie sich fast ausschließlich auf den Einzelnen (das Individuum) konzentriert und nur die Symptome bekämpft und behandelt.

  • Vernachlässigung des Umfelds: Dies ist das größte Problem: Die Psychiatrie geht wenig bis gar nicht mit dem Umfeld um. Wenn psychische Störungen auftreten, werden die Betroffenen zwar an die Psychiatrie weitergegeben, diese kann jedoch nicht sehr gut damit umgehen.
  • Systemische Notwendigkeit: Bei ADHS/ADS muss man hingegen immer den ganzen Menschen und das ganze System unterstützen, wenn man etwas erreichen möchte.

2. Mangel an systemischer und präventiver Unterstützung

Dr. Davatz sieht ein großes Manko darin, dass die Psychiatrie noch nicht so weit vorgedrungen ist, das Umfeld zu unterstützen.

  • Fehlende Familientherapie: Obwohl die systemische Therapie und Familientherapie zeitweise in Mode war (in den USA in den 1970er und 1980er Jahren und danach in der Schweiz), findet man heute sehr wenige systemisch ausgebildete Ärzte mehr, die mit der Familie umgehen können.
  • Prävention als Lösung: Die Prävention von psychischen und körperlichen Krankheiten beginnt viel früher, nicht erst, wenn der Patient eine Krankheit hat – dann sei es oft schon zu spät. Das Umfeld müsste bereits in den Entwicklungsjahren (schon im Kindergarten) unterstützt werden, damit sich gar keine Krankheit entwickelt.

3. Fehlinterpretation von Folgeerkrankungen

Die Psychiatrie hält an einem veralteten Verständnis fest, was ADHS/ADS betrifft:

  • Kritik an der Komorbidität: Die Psychiatrie spricht immer noch von Komorbidität (dem gleichzeitigen Vorliegen mehrerer Krankheiten, z. B. ADHS/ADS und Schizophrenie).
  • Folgekrankheiten: Dr. Davatz hingegen betont, dass psychische Störungen wie Schizophrenie, bipolare Störungen, Delinquenz, Essstörungen und Borderline-Persönlichkeitsstörung immer Folgekrankheiten sind, die entstehen, wenn der sensible Neurotyp stark gestresst oder nicht artgerecht behandelt wird.

4. Ausschließlich medikamentöser Ansatz

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Fixierung auf Medikamente ohne entsprechende begleitende Maßnahmen:

  • Medikamenten-Fokus: Medikamente sind zwar in Akutsituationen enorm hilfreich, um die Stimmung zu regulieren. Dr. Davatz kritisiert jedoch die Psychiatrie, wenn sie bei den Medikamenten stehen bleibt.
  • Unverändertes Umfeld: Allein durch Medikamente wird das Umfeld nicht verändert, und die Menschen lernen nicht besser, mit ihrem Temperament umzugehen. Manche Ärzte fragen den Patienten nur, wie es mit den Medikamenten geht.

5. Fehlendes Engagement und fehlendes Wissen

Die Ärzteschaft und die Psychiatrie hinken hinterher, was das Wissen und die Verbreitung von Informationen über ADHS/ADS angeht. Dies zeigte sich unter anderem darin, dass bei einer Tagung der Schweizerischen Psychiatriegesellschaft kein Referat zum Thema ADHS/ADS gehalten wurde.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/10/Rigi_Buchvorstellung_2.10.2025.m4a.pdf

ADHS/ADS Folgeerkrankungen

Die Diskussion der Folgekrankheiten ist zentral für das Verständnis des ADHS/ADS-Neurotyps in den vorliegenden Quellen. Dr. Davatz stellt klar, dass ADHS/ADS selbst keine Krankheit ist, sondern ein spezifischer sensibler Neurotyp [69, 53:49.220]. Folgeerkrankungen entstehen, wenn dieser genetisch determinierte Typ starkem Stress ausgesetzt ist oder nicht artgerecht behandelt wird.

Hier ist eine detaillierte Darstellung der Folgeerkrankungen, deren Mechanismen und der Unterscheidung von gängigen psychiatrischen Konzepten:

1. Definition und Abgrenzung von Komorbidität

Dr. Davatz vertritt die Position, dass die in der Psychiatrie oft verwendete Bezeichnung Komorbidität (gleichzeitiges Vorliegen mehrerer unabhängiger Krankheiten) im Zusammenhang mit ADHS/ADS unzutreffend ist.

  • Folgekrankheit vs. Komorbidität: Sie argumentiert, dass andere psychische Störungen, die bei diesem Menschentyp auftreten, immer eine Folgekrankheit sind.
  • Hierarchie der Störungen: Der genetisch vererbte ADHS/ADS-Typ ist übergeordnet, während die daraufhin auftretenden Krankheiten als untergeordnet betrachtet werden.
  • Auslösender Mechanismus: Wird ein Mensch mit diesem Neurotyp stark gestresst oder wird nicht persönlichkeitsgerecht, temperamentsgerecht oder artgerecht mit ihm umgegangen, kann er mit der Zeit körperliche und psychische Folgeerkrankungen entwickeln [4, 6, 43:1:1].

Der ADHS/ADS-Mensch ist aufgrund seiner genetischen Disposition und seiner hohen Sensibilität vulnerabler (verletzlicher) in Bezug auf Stress.

2. Spezifische psychische und soziale Folgeerkrankungen

Folgekrankheiten können sich in der Blutlinie über Generationen manifestieren, bevor in der jüngeren Generation ADHS/ADS diagnostiziert wird.

A. Schwerwiegende psychische Störungen

Zu den Folgekrankheiten, die aus der Belastung des ADHS/ADS-Typs entstehen können, zählen:

  • Schizophrenie (Fälle in der Familie sind ein Risikoindikator).
  • Bipolare Störung.
  • Borderline-Persönlichkeitsstörung.
  • Essstörungen.

B. Suchterkrankungen

Suchterkrankungen sind bei ADHS/ADSlern viel häufiger anzutreffen.

  • Alkoholismus taucht oft in den vorherigen Generationen auf, wenn man die drei Generationen umfassende Familiengeschichte analysiert.
  • Drogenkonsum (wie Kiffen) sollte vermieden werden, da psychoaktive Substanzen etwas im Gehirn bewirken können.

C. Verhaltensauffälligkeiten und Delinquenz

Ein ungeeigneter Umgang kann zur Zerstörung des Potenzials und zu kriminellen Entwicklungen führen:

  • Aggressivität und Delinquenz: Knaben (im Gegensatz zu Mädchen, die sich eher anpassen) wehren sich mehr, werden aggressiv und können delinquent werden.
  • Misslungene ADHS/ADSler: In Gefängnissen sind viele „misslungene ADHS/ADSler“ zu finden.

D. Soziale und gesundheitliche Folgen

Der Umgang mit dem ADHS/ADS-Typ führt in Familien häufiger zu Konflikten, Scheidungen und Jobabbrüchen [60, 44:45.560].

Besonders hervorzuheben ist der Unterschied in der Lebenserwartung:

  • Frauen mit ADHS/ADS sterben 10 Jahre früher.
  • Männer sterben 7 Jahre früher.

Dies wird dadurch erklärt, dass Frauen die Tendenz haben, sich mit ihrer Sensibilität immer anzupassen und sich ausbeuten zu lassen. Sie geben anderen viel Unterstützung und Empathie, kommen aber selber zu kurz.

3. Prävention von Folgeerkrankungen

Die Entwicklung von Folgekrankheiten kann verhindert werden, indem man den ADHS/ADS-Neurotyp adäquat behandelt.

  • Frühzeitige Unterstützung: Die Prävention von psychischen und körperlichen Krankheiten beginnt viel früher – nicht erst, wenn der Patient krank ist. Das erzieherische Umfeld (Eltern, Lehrpersonen) muss so früh wie möglich, idealerweise schon im Kindergarten, unterstützt werden, damit sich gar keine Krankheit entwickelt.
  • Ganzheitlicher Ansatz: Man muss immer den ganzen Menschen und das ganze System unterstützen, wenn man bei ADHS/ADSlern etwas erreichen möchte.
  • Vermeidung von Überlastung: ADHS/ADS-Kinder sind sehr sensibel und übernehmen oft zu viel emotionale Verantwortung für dysfunktionierende Eltern oder das soziale System. Wenn dies zu viel wird, explodieren sie oder werden krank.

4. Die Rolle von Medikamenten

Obwohl Medikamente in Akutsituationen hilfreich sind, um die Stimmung zu regulieren, führen sie allein nicht zur Verhinderung von Folgekrankheiten. Medikamente verändern das Umfeld nicht, und die Menschen lernen nicht besser, mit ihrem Temperament umzugehen, was die Ursache für die Entwicklung von Krankheiten sein kann. Das therapeutische Ziel sollte sein, die Medikamente immer mehr zu reduzieren.

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Umgang mit ADHS/ADS

Der Umgang mit ADHS/ADS wird in den Quellen als entscheidender Faktor für die gesunde Entwicklung und das Wohlbefinden dieser Menschen betrachtet, die als spezifischer Neurotyp gelten.

Da das Gehirn ein plastisches Organ ist und durch die Interaktion mit dem Umfeld beeinflusst wird, ist der richtige Umgang essenziell, um die Entwicklung von Folgekrankheiten zu verhindern.

1. Grundprinzipien des Umgangs und der Führung

Der Umgang mit ADHS/ADS-Betroffenen muss hochgradig angepasst sein, da sie einen sensiblen Neurotyp darstellen, der zur schwierigeren Stressverarbeitung neigt [2, 53:49.220].

Persönlichkeits- und Temperamentgerechte Behandlung

Es ist entscheidend, dass mit diesen Kindern artgerecht, persönlichkeitsgerecht und temperamentgerecht umgegangen wird. Geschieht dies nicht, werden sie krank und entwickeln Folgekrankheiten.

Wird das Potential jedoch nicht zerstört, kann der artgerechte Umgang Spitzenleistungen in Bereichen wie Sport oder Wissenschaft hervorbringen.

Führung und Begleitung

ADHS/ADS-Kinder benötigen Führung und Begleitung [58, 41:55.161]. Sie müssen lernen, mit ihrem Temperament umzugehen.

Man muss Geduld haben und ein Vorbild sein. Da sie sehr begeisterungsfähig sind, sich stark verausgaben und dann zusammenbrechen, müssen sie lernen, selbst „Stop“ zu sagen.

Beruhigung vor Erziehung

ADHS/ADS-Kinder sind sehr emotional und sehr impulsiv.

  • Im Augenblick, in dem sie hoch erregt sind, kann man sie nicht erziehen.
  • Man muss sie immer zuerst beruhigen, bevor man Regeln aufstellen kann.

2. Kritik an gängigen Erziehungsmethoden

Methoden, die in der Pädagogik oft verwendet werden, funktionieren bei diesem Neurotyp nicht und sind schädlich:

  • Belohnung und Bestrafung: Erziehungsmethoden wie das Smiley-System funktionieren bei ADHS/ADS-Kindern nicht. Bestrafung macht sie schlechter und gibt ihnen ein schlechtes Selbstwertgefühl.
  • Kein Argumentieren mit dem Reflex: Da ihre Verhaltensweisen oft reflexartig ablaufen, kann man nicht mit dem Reflex argumentieren.
  • Langeweile und Potentialzerstörung: Wenn hochintelligente ADHS/ADSler sich langweilen, stören sie und werden dafür bestraft, was zu dem Gefühl führt: „Ich bin nicht in Ordnung“. Man müsste sie stattdessen mit mehr Aufgaben füttern. Dadurch wird großes menschliches Potential zerstört.

3. Unterstützung des Umfelds und der sozialen Entwicklung

Der Fokus im Umgang muss auf dem ganzen System und der Persönlichkeitsentwicklung liegen.

Förderung des Selbst

Es ist wichtig, die Persönlichkeitsentwicklung der ADHS/ADS-Menschen zu fördern [30, 41:44.820]. Der Grundsatz sollte sein: „Das Beste, was ein Kind werden kann, ist sich selbst“.

  • Soziale Anpassung: Nur wenn ein Kind sich selber werden darf, kann es sich auch sozial anpassen.
  • Kritik: Wenn das Kind immer als falsch kritisiert wird, ist es nicht in der Lage, sich anzupassen.

Rolle des Umfelds und der Prävention

Das erzieherische Umfeld muss so früh wie möglich unterstützt werden, idealerweise bereits im Kindergarten. Wenn das Umfeld nicht frühzeitig beraten wird und Eltern keine Hilfe bekommen, entwickelt sich im Laufe der Zeit eine Krankheit.

Die Psychiatrie wird kritisiert, weil sie das Umfeld wenig bis gar nicht in die Behandlung einbezieht und nur das Individuum sowie die Symptome bekämpft.

Umgang mit Autismus (ADS)

Da autistische Kinder oft ADS-Kinder sind, die sich zurückziehen, wenn das Umfeld zu hyperaktiv ist, muss das Umfeld beruhigt und verlangsamt werden. Es muss lernen, besser zu beobachten und nicht „gleich drauf los zu schießen“.

4. Umgang im Berufsleben und bei Entscheidungen

ADHS/ADS-Menschen müssen ihren Fokus und ihr Leben finden.

  • Berufswahl: Bei der Berufswahl sollte man nicht nach dem Geld, sondern nach der Stimmigkeit gehen (ob das Klima passt). Wenn das Umfeld nicht stimmt, geht es gar nicht. Es ist besser, keine Stelle anzunehmen als eine falsche.
  • Kommunikation: Im Berufsleben können Betroffene kommunizieren, welche Bedingungen sie für gutes Funktionieren brauchen, ohne unbedingt die Diagnose nennen zu müssen: „Wenn sie mit mir so und so umgehen, dann funktioniere ich nicht. Sie wollen, dass ich gut funktioniere“.
  • Nachteilsausgleich: An Schulen und Universitäten kann ein Nachteilsausgleich verlangt werden, beispielsweise mehr Zeit für Prüfungen oder ein ruhiger Raum.
  • Selbstoffenbarung: Wenn man einen Chef hat, dem man es sagen kann, kann es hilfreich sein, das ADHS/ADS offenzulegen.

5. Therapie und Medikamente

Medikamente und Therapie ergänzen sich.

  • Medikamente: Sie sind enorm hilfreich in Akutsituationen und werden zur Stimmungsregulation (dämpfen/runterfahren oder hochfahren/motivieren) eingesetzt.
  • Lernprozess: Allerdings lernen die Menschen, die Medikamente nehmen, nicht besser mit ihrem Temperament umzugehen, da das Umfeld unverändert bleibt.
  • Therapeutisches Ziel: Das Ziel sollte sein, die Medikamente immer mehr zu reduzieren. Die systemische Therapie, welche das Umfeld einbezieht, ist in diesem Kontext sehr wichtig.

Hinweis zur Schule und Ritalin: Obwohl Ritalin für Kinder hilfreich sein kann, um die Handhabung zu erleichtern, dürfen Lehrer nicht verlangen, dass ein Kind Ritalin nehmen muss. Die Entscheidung liegt bei den Eltern.

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Genetische Vererbung von ADHS/ADS

Gerne diskutiere ich das Thema Genetische Vererbung in Bezug auf ADHS/ADS, basierend auf den vorliegenden Quellen.Gerne diskutiere ich das Thema Genetische Vererbung in Bezug auf ADHS/ADS, basierend auf den vorliegenden Quellen.

Die genetische Vererbung spielt eine zentrale und bestimmende Rolle bei der Entstehung des ADHS/ADS-Typs.

1. ADHS/ADS als genetischer Typ (Genotyp)

ADHS/ADS wird als ein Genotyp oder genomischer Typ beschrieben.

  • Es handelt sich dabei nicht um ein einzelnes Gen, sondern um viele Gene, die zusammenwirken und die Rolle spielen.
  • Diese Gene werden immer vererbt.
  • Dr. Davatz befasst sich seit über 40 Jahren mit diesem Menschentyp und behauptet entschieden, dass ADHS/ADS immer genetisch vererbt ist.

2. Auswirkungen der Vererbung und Neurodiversität

Der ADHS/ADS-Typ ist ein spezifischer Neurotyp.

  • Dieser Menschentyp ist durch die Vererbung bedingt und neigt zu einer schwierigeren Stressverarbeitung. Sie sind vulnerabler (verletzlicher) in Bezug auf Stress.
  • Der ADHS/ADS-Typ wird als sensibler Neurotyp beschrieben, der empfindlicher ist.
  • Historische Präsenz: Die ADHS/ADS-Gene waren immer schon vorhanden und sind keine Modeerscheinung. Zur Zeit der Jäger und Sammler gab es demnach sogar 50% ADHS/ADS-Gene, während es heute nur noch etwa 5% sind. Diese Gene wurden selektioniert.
  • Evolutionärer Vorteil: Im Mittelmeerraum, beispielsweise, haben sich die ADHS/ADS-Gene als Vorteil bestätigt, möglicherweise weil diese Menschen gut im Multitasking sind und eine breite Aufmerksamkeit besitzen, die es ihnen ermöglicht, Gefahren schnell zu sehen.

3. Familiengeschichte und Blutsverwandtschaft

Die genetische Vererbung kann durch die Analyse der Familiengeschichte sichtbar gemacht werden.

  • Dr. Davatz schaut in ihrer Praxis immer drei Generationen an.
  • Dabei stellt sie fest, dass in diesen Blutlinien oft psychische Störungen wie Alkoholismus, Schizophrenie oder bipolare Störungen auftraten, bevor die Enkelkinder mit ADHS/ADS diagnostiziert werden.
  • Man kann in der Blutlinie zurückschauen und sehen, woher diese Veranlagung kommt.
  • Kinder der gleichen Eltern haben nicht exakt die gleiche Mischung der Gene, aber eine ähnliche.

4. Genetische Veranlagung vs. Epigenetik und Trauma

Obwohl ADHS/ADS primär genetisch bedingt ist, wird die Rolle der Umwelt und erworbener Faktoren durch die Epigenetik ergänzt.

  • Genetik zuerst: ADHS/ADS selbst wird genetisch vererbt und ist keine traumatische, epigenetische Angelegenheit.
  • Potenzielle Veranlagungen: In den Genen existieren potentielle Veranlagungen, die eventuell nicht aktiv sind, aber plötzlich auftreten können, wenn ein starkes Drama hinzukommt.
  • Epigenetik als Einfluss: Die Epigenetik kommt zur Genetik hinzu. ADHS/ADSler sind aufgrund ihrer hohen Sensibilität sehr viel vulnerabler für epigenetische Vererbung.
  • Trauma-Weitergabe: Großeltern können Traumatas an ihre Kinder und diese wiederum an ihre Kinder weitergeben.

Der genetische ADHS/ADS-Typ kann daher als übergeordnet betrachtet werden, während andere psychische Störungen, die sich daraus entwickeln, als Folgekrankheiten oder untergeordnete Krankheiten angesehen werden, wenn ein nicht-artgerechter Umgang oder Stress hinzukommt.

5. Forschung zur Interaktion von Genen und Umfeld

Aktuell läuft eine Studie, an der Dr. Davatz beteiligt ist, um die genetischen Grundlagen und deren Interaktion mit dem Umfeld zu untersuchen.

  • Die Studie (mit Prof. Dr. med. Marc Walter und Prof. Dr. med. Sven Cichon) umfasst die Entnahme von Blut oder Speichel für einen Gentest, sowie die Betrachtung der Erziehung und des Umgangs mit den Betroffenen.
  • Ziel ist es, die Interaktion zu sehen: Wie wurde mit diesen Kindern umgegangen und was ergibt sich daraus?

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ADHS/ADS Neurotyp

ADHS/ADS wird in den vorliegenden Quellen nicht primär als Krankheit, sondern als ein spezifischer Neurotyp diskutiert, der besondere genetische Veranlagungen und Eigenschaften aufweist.

Hier ist eine detaillierte Diskussion des ADHS/ADS Neurotyps basierend auf den bereitgestellten Informationen:

1. Genetische und neurobiologische Grundlagen des ADHS/ADS-Typs

Der ADHS/ADS-Typ wird als Genotyp oder genomischer Typ beschrieben. Es handelt sich dabei um einen Menschentyp, dessen Eigenschaften durch viele vererbte Gene bedingt sind, nicht nur durch ein einzelnes Gen. Dr. Davatz beschäftigt sich seit über 40 Jahren mit diesem Typ (früher als POS bekannt).

Wesentliche Merkmale des Gehirns und Temperaments:

  • Neurodiversität: Heute spricht man von Neurodiversität oder Neurodivergenz. Dr. Davatz betont, dass dieser Typ ein sensibler Neurotyp ist und keine Krankheit. Die Gesellschaft braucht diese „anderen Leute“, da eine Population mit unterschiedlichen Genkombinationen besser überlebt als eine homogene.
  • Vernetzung des Gehirns: Das emotionale Gehirn der ADHS/ADSler ist stärker mit dem gesamten Gehirn vernetzt, was zu stärkeren Reaktionen führt. Im Gegensatz zur typischen Entwicklung, bei der das sogenannte Synaptic Pruning (Kappen von Schaltstellen) in der Pubertät stattfindet, bleibt diese stärkere Vernetzung bei ADHS/ADSlern länger erhalten. Dies bedeutet, dass sie später reifen, aber auch die Fähigkeit zum grenzüberschreitenden Denken haben.
  • Sensibilität und Impulsivität: Charakteristisch ist eine hohe Sensibilität und eine leichte Verletzlichkeit, gepaart mit einer starken Impulsivität. Es wird oft angenommen, dass Aggressivität und Sensibilität sich ausschließen, was hier widerlegt wird: ADHS/ADSler sind sehr sensibel und gleichzeitig sehr impulsiv.
  • Reaktionstyp: ADHS/ADSler gelten als ein hyperergischer Reaktionstyp.

2. Herausforderungen und Folgeerkrankungen

Dieser Menschentyp neigt zu einer schwierigeren Stressverarbeitung. Sie sind vulnerabler (verletzlicher) in Bezug auf Stress.

Folgekrankheiten versus Komorbidität:

Dr. Davatz argumentiert, dass die in der Psychiatrie oft diskutierte Komorbidität (gleichzeitiges Vorliegen mehrerer Krankheiten) bei ADHS/ADS falsch sei. Sie betrachtet andere psychische Störungen stets als Folgekrankheiten. Wird ein Mensch mit diesem Neurotyp stark gestresst oder wird nicht persönlichkeitsgerecht mit ihm umgegangen, kann er körperliche und psychische Folgeerkrankungen entwickeln.

Beispiele für Folgeerkrankungen, die in ADHS/ADS-Familien auftreten können:

  • Schizophrenie und bipolare Störungen.
  • Delinquenz (besonders bei Jungen, die aggressiv werden). Viele „misslungene ADHS/ADSler“ sind in Gefängnissen zu finden.
  • Essstörungen und Borderline-Persönlichkeitsstörung.
  • Alkoholismus (oft in früheren Generationen sichtbar).
  • Suchterkrankungen treten generell häufiger bei ADHS/ADSlern auf.

Soziale und zeitliche Auswirkungen:

  • Dieser Neurotyp führt häufiger zu Konflikten, Scheidungen und Jobabbrüchen in den Familien.
  • Es besteht ein signifikanter Unterschied in der Lebenserwartung: Frauen mit ADHS/ADS sterben 10 Jahre früher, Männer 7 Jahre früher. Dies wird darauf zurückgeführt, dass Frauen dazu neigen, sich mit ihrer Sensibilität anzupassen und sich ausbeuten zu lassen, was dazu führt, dass sie selbst zu kurz kommen.
  • ADHS/ADS-Kinder sind sehr sensibel und übernehmen oft zu viel emotionale Verantwortung für dysfunktionierende Eltern oder das ganze soziale System; wenn es zu viel wird, explodieren sie oder werden krank.

3. Umgang, Umfeld und Erziehung

Die Art und Weise, wie mit dem ADHS/ADS-Neurotyp umgegangen wird, ist entscheidend, da das Gehirn ein plastisches Organ ist und durch die Interaktion mit dem Umfeld beeinflusst wird.

Notwendigkeit eines „artgerechten“ Umgangs:

  • Es ist essenziell, dass diese Kinder artgerecht, persönlichkeitsgerecht und temperamentgerecht geführt und behandelt werden. Geschieht dies, kann der Neurotyp Spitzenleistungen hervorbringen (z. B. im Sport oder in der Wissenschaft). Wird das Potential zerstört, bleibt viel menschliches, geistiges Potential ungenutzt.
  • Wichtig ist, dass das erzieherische Umfeld (Eltern, Lehrpersonen) frühzeitig unterstützt wird, idealerweise schon im Kindergarten, um die Entwicklung von Krankheiten zu verhindern.

Kritik an bestehenden Systemen:

  • Die Psychiatrie wird kritisiert, weil sie oft nur das Individuum anschaut, Symptome behandelt und wenig bis gar nicht mit dem Umfeld umgeht (Titel: „Psychiatrie im Offside“).
  • Das Schulsystem hat generell noch nicht gelernt, mit diesen Kindern umzugehen. Das Wissen an Lehrerseminaren ist karg oder gar nicht vorhanden.
  • Bestrafung und Belohnung: Erziehungsmethoden wie das Smiley-System, Belohnung und Bestrafung, funktionieren bei ADHS/ADS-Kindern nicht und führen zu einem schlechten Selbstwertgefühl und der Entwicklung von Krankheiten. Im Zustand hoher Erregung kann man diese Kinder nicht erziehen; man muss sie immer zuerst beruhigen.

Führung und Unterstützung:

  • ADHS/ADS-Kinder benötigen Führung und Begleitung. Sie müssen lernen, mit ihrem Temperament umzugehen.
  • Sie müssen darin unterstützt werden, sich selbst zu werden; nur dann können sie sich sozial anpassen. Kritik führt dazu, dass sie nicht in der Lage sind, sich anzupassen.
  • Da sie oft unter Langeweile leiden, müssten sie mehr gefüttert werden (mit Aufgaben/Input) [24, 18:06.920].
  • Berufsleben und Fokus: Es ist essenziell, dass ADHS/ADS-Menschen ihren Fokus und ihr Leben finden. Bei der Berufswahl sollten sie nicht nach dem Geld, sondern nach der Stimmigkeit gehen und bei einem unstimmigen Umfeld lieber keine Stelle annehmen.

4. Besondere Merkmale in Bezug auf Aufmerksamkeit und Leistung

Der Begriff Aufmerksamkeitsstörung wird hinterfragt. ADHS/ADS-Personen besitzen eher eine breite Aufmerksamkeit und sind gut im Multitasking [56, 40:43.170].

  • Langeweile: Wenn der Lehrer langweilig ist, suchen sich diese Kinder andere Reize, um nicht einzuschlafen.
  • Leistungsprofil: Sie haben oft ein unausgeglichenes Leistungsprofil. Sie können in gewissen Teilbereichen ganz große Fähigkeiten und Spitzenleistungen aufweisen, in anderen jedoch schlechte Leistungen zeigen.
  • Überlastung: ADHS/ADSler sind sehr begeisterungsfähig, verausgaben sich stark und brechen dann zusammen. Sie müssen lernen, selbst „Stop“ zu sagen.

5. Medikamente und Therapie

Medikamente und Therapie ergänzen sich. Medikamente sind in Akutsituationen enorm hilfreich und werden zum Runterfahren/Dämpfen oder Hochfahren/Motivieren eingesetzt, um die Stimmung zu regulieren.

Allerdings wird das Umfeld durch Medikamente nicht verändert, und die Menschen lernen nicht besser, mit ihrem Temperament umzugehen. Dr. Davatz kritisiert die Psychiatrie, wenn sie nur bei den Medikamenten stehen bleibt. Das Ziel sollte sein, Medikamente immer weiter zu reduzieren.

Die systemische Therapie/Familientherapie, die das Umfeld mit einbezieht, ist heutzutage selten geworden. Bei ADHS/ADS-Betroffenen muss immer der ganze Mensch und das ganze System unterstützt werden.

Hinweis zu Ritalin: Obwohl Ritalin für Kinder die Schule oder die Handhabung erleichtern kann, dürfen Lehrer von den Eltern nicht verlangen, dass das Kind Ritalin nehmen muss. Die Entscheidung liegt bei den Eltern.

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ADHS/ADS Folgekrankheiten – Psychiatrie im Offside

ADHS und ADS werden heutzutage fast täglich in den Medien diskutiert. Ist die Diagnose gestellt, kommt das medizinische Modell zur Anwendung, d.h. das Symptom der „Aufmerksamkeitsstörung“ wird mit Ritalin und die „hohe Sensitivität“ und „reaktive Impulsivität“ mit Tranquilizern behandelt.

Die medizinische Behandlungsstrategie setzt beim neurodivergenten Individuum nur als Korrekturmethode an. Das psychosoziale Umfeld, das für die psychiatrische wie auch für körperliche Krankheitsentwicklungen eine ausschlaggebende Rolle spielt, wird bei der medizinischen Behandlungsmethode ausgelassen.

Dieses Buch soll Fachpersonen und Erziehungspersonen zu einem integrativen systemischen Ansatz in der Behandlung von ADHS und ADS Betroffenen anleiten und sie dazu auffordern, die Gen-Umfeld Interaktion zwischen ADHS/ADS-Kindern und -Jugendlichen und ihrem erzieherischen Umfeld miteinzubeziehen. Dieser systemische Ansatz ist für den integrativen Behandlungsansatz unbedingt wichtig. Auch in Bezug auf die Prävention von Folgekrankheiten wirkt sich diese Vorgehen Kosten sparend aus.

https://www.somedia-buchverlag.ch/gesamtverzeichnis/deadhsads-folgekrankheiten/

Gen Umfeld Studie

Für die Teilnahme am Forschungsprojekt erhalten Sie bei Ihrer nächsten Konsultation vier projektspezifische Fragebögen, in denen Sie nach Ihren ADHS-Symptomen und Ihrem sozialen Umfeld sowie auch Ihrer Lebenszufriedenheit gefragt werden. In einem weiteren Schritt werden Ihnen in der PDAG Rheinfelden, Baslerstrasse 8, 4310 Rheinfelden, eine Blut- oder Speichelprobe entnommen, die wir für die DNA-Isolierung benötigen. Dies wird ca. 10 Min. in Anspruch nehmen. Falls Sie interessiert sind, an dieser Studie teilzunehmn, wird Ihnen Frau Dr. Davatz bei Ihrer nächsten Konsultation die wichtigsten Punkte erklären und Ihre Fragen beantworten. Wir freuen uns auf möglichst viele Teilnehmer an dieser Studie.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/07/ADHS_Forschung_Gene_Umfeld.pdf

Sensibilität bei ADHS/ADS

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass Menschen mit ADHS/ADS als „hochsensibel“ gelten. Diese Sensibilität ist ein zentrales Merkmal ihres „anderen Neurotyps“, der genetisch vererbt ist und nicht „wegerzogen“ werden kann. Diese erhöhte Sensitivität beeinflusst, wie ADHS/ADS-Kinder ihre Umwelt wahrnehmen, auf Interaktionen reagieren und wie sie erzogen werden sollten.

Manifestationen der Sensibilität bei ADHS/ADS-Kindern:

  • Emotionale Sensibilität:
    • ADHS/ADS-Kinder werden schnell verletzt.
    • Jungen reagieren auf Verletzungen tendenziell mit Aggression und Kampf.
    • Mädchen reagieren auf Verletzungen eher mit Flucht, Rückzug oder übermässiger Anpassung, um Konflikte zu vermeiden. Diese Überanpassung kann später im mittleren Alter zu Erschöpfung, Depressionen und Burnout führen.
    • Sie sind sehr sozial und möchten, dass es dem Kollektiv gut geht, was dazu führen kann, dass sie sich auf eigene Kosten überanpassen.
  • Breite Aufmerksamkeit und Reizüberflutung (System Overload):
    • ADHS/ADS-Kinder haben eine „sehr schnelle und breite Aufmerksamkeit“ und nehmen sofort alles in einem Raum wahr, einschliesslich der Stimmungen anderer Menschen.
    • Diese breite Aufmerksamkeit kann in grossen Menschenmengen oder Schulklassen zu einem „System Overload“ führen, bei dem das emotionale System überfordert und überlastet wird und zusammenbricht.
    • Wenn die Lernumgebung oder der Unterricht nicht spannend genug ist, sind sie schnell abgelenkt und suchen nach interessanteren Reizen.
  • Sensorische Sensibilität:
    • Sie können in verschiedenen sensorischen Bereichen sehr empfindlich sein.
    • Gehör: Manche mögen keinen Lärm und reagieren empfindlich auf Geräusche, andere haben ein absolutes Musikgehör, das durch Nebengeräusche gestört wird.
    • Tastsinn: Sie können bestimmte Materialien auf der Haut nicht ertragen, wie Kunstfasern oder Wolle, die „beissen“.
    • Lichtempfindlichkeit: Ein Kind war zum Beispiel so lichtempfindlich, dass es eine spezielle Brille benötigte, um besser lesen zu können.
    • Essverhalten: Einige sind sehr wählerisch beim Essen und essen nur wenige spezifische Dinge, was aber nicht unbedingt zu Mangelernährung führt.
  • Gerechtigkeitssinn:
    • ADHS/ADS-Kinder haben einen hohen Gerechtigkeitssinn und reagieren heftig auf Ungerechtigkeit.
    • Ein Mädchen verweigerte zum Beispiel die Schule, weil sie die Ungerechtigkeit der Lehrperson im Umgang mit der Klasse nicht ertragen konnte.

Implikationen der Sensibilität für Erziehung und Umgang:

  • Kommunikation im „Low Arousal“ Zustand: Es ist entscheidend, Botschaften in einem tiefen Erregungszustand (Low Arousal) zu übermitteln. Im hocherregten Zustand (High Arousal) laufen bei ADHS/ADS-Kindern nur Reflexe (Kampf, Flucht, Totstellen, Necken) ab, und es können keine vernünftigen Verhaltensweisen oder Belehrungen aufgenommen werden. Erziehende müssen zuerst selbst zur Ruhe kommen und dann dem Kind helfen, sich zu beruhigen.
  • Umgang mit Verletzungen: Wenn ein ADHS/ADS-Kind verletzt wurde, muss die Verletzung immer zuerst validiert werden („was hat dich dort verletzt?“), bevor gemeinsam nach Lösungen gesucht wird.
  • Vermeidung von Strafen und Beschämung: Strafen, Belohnungen und Drohungen funktionieren bei ADHS/ADS-Kindern nicht, da Reflexverhalten nicht durch Strafen verändert werden kann. Beschämung ist besonders schädlich und kann dazu führen, dass ein Kind die Schule verweigert, wenn es sich zum Beispiel wegen Legasthenie öffentlich gedemütigt fühlt. Stattdessen ist Führung und Unterstützung gefragt.
  • Persönlichkeitsgerechte Erziehung und Differenzierung: Es ist wichtig, eine „persönlichkeitsgerechte Erziehung“ und einen „bedarfgerechten Umgang mit neurodivergenten Kindern“ zu praktizieren. Dies bedeutet, das Kind individuell zu beobachten und zu verstehen, anstatt von Schemata auszugehen. Es ist erlaubt und notwendig, Kinder unterschiedlich zu behandeln und differenzierten Unterricht anzubieten, da nicht alles, was für alle funktioniert, auch für jedes einzelne Kind passt.
  • Umgang mit Risikobereitschaft: Die Risikofreudigkeit von ADHS/ADS-Kindern, die nach extremen Situationen und Dopaminausschüttung suchen, sollte nicht unterbunden, sondern begleitet werden. Ein Verbot führt oft zu heimlicherem und gefährlicherem Verhalten. Stattdessen sollte man dem Kind helfen, seine eigenen Grenzen zu spüren und verantwortungsvoll mit Risiken umzugehen.
  • Rolle der Beziehung: Lernen bei Menschen geschieht an erster Stelle über das emotionale Gehirn und die Beziehung. „Ohne Beziehung gibt es keine Erziehung“. Lehrer und Eltern sind heute wichtiger denn je, um Kindern emotionale Intelligenz zu vermitteln und die Beziehung zu pflegen, da diese nicht über digitale Medien erlernt werden kann. Auch Konflikte sollten in der Interaktion ausgetragen werden, da dies zum menschlichen Lernen gehört.
  • Eltern und Lehrer: Es besteht oft eine gegenseitige Angst zwischen Eltern und Lehrern, die die Zusammenarbeit erschwert. Dr. Davatz fordert mehr Unterstützung und Systemberatung für Lehrpersonen, um den Umgang mit schwierigen Kindern zu verbessern und sie nicht vorschnell in die Kinderpsychiatrie zu schicken.
  • Rituale zum Herunterfahren: Besonders für Kinder, die aufgrund ihrer Gedanken und Reizverarbeitung schwer einschlafen können, sind regelmässige Rituale zum Herunterfahren wichtig. Dies kann ein Bettritual sein oder für ältere Kinder das Aufschreiben von Gedanken, um Erlebnisse zu verarbeiten und abzulegen.

Zusammenfassend ist die Sensibilität ein grundlegendes Merkmal des ADHS/ADS-Neurotyps, das sowohl Herausforderungen als auch Stärken mit sich bringt. Ein angepasster, beziehungsorientierter und individueller Erziehungsansatz, der diese Sensibilität berücksichtigt, ist entscheidend für die gesunde Entwicklung dieser Kinder.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/07/Schule_Toess_3.7.2025.m4a.pdf