Wie verändert sich das Gehirn in der Pubertät?

In der Pubertät verändert sich das Gehirn in einer sehr wichtigen Entwicklungsphase. Dr. Davatz erklärt, dass das Gehirn in dieser Zeit neu vernetzt wird. Dieser Prozess wird als Synaptic Pruning bezeichnet. Dabei werden viele angelegte Netzwerke abgebaut und es entstehen neue, funktionale Netzwerke, die mit Autobahnen verglichen werden können.

Aus diesem Grund spielt die Interaktion mit dem Umfeld in der Pubertät eine riesige Rolle. Jean Piaget hat das Konzept des Dezentrierens entwickelt, welches besagt, dass man in der Pubertät lernen kann, verschiedene Perspektiven zu verstehen. Laut Piaget lernen 60% der Jugendlichen in der Pubertät zu dezentrieren, während 40% dies nie lernen. Jemand, der nie richtig dezentrieren gelernt hat, kann auch nicht richtig zusammenarbeiten. Es ist also eine Zeit, in der die Fähigkeit zur Zusammenarbeit und zum Perspektivenwechsel massgeblich geprägt wird.

https://adhs.expert/wp-content/uploads/2025/04/immer-mehr-Psychiatrie-29.3.2025.m4a.pdf

Geschlechter Unterschiede Gehirn

Dr. Davatz erwähnt, dass Frauen ein anderes Gehirn haben als Männer. Sie bezieht sich auf Untersuchungen aus der Literatur und speziell auf die Forschung von Elena Brivio an Rattenhirnen. Diese Forschung hat gezeigt, dass weibliche Ratten mehr Nervenendigungen und mehr Oligodendrozyten aufweisen, was darauf hindeutet, dass Frauen stärker im Gehirn vernetzt sind.

Im Gegensatz dazu sagt Dr. Davatz, dass Männer eher vereinfachen und eher „gegen die Wand fahren“. Sie beobachtet, dass Frauen nicht aufgeben und dass die Zukunft den Frauen gehört. Sie verweist auf das Buch von Frans de Waal, das zeigt, dass weibliches Verhalten anders ist.

Dr. Davatz führt weiter aus, dass Frauen merken, wenn etwas nicht gut läuft und nicht einfach daran vorbeigehen können. Männer hingegen können Probleme am Arbeitsplatz eher ausblenden oder vereinfachen und „in die Wand fahren“. Sie stellt fest, dass Mann und Frau bereits unterschiedlich sind.

Bezüglich emotionaler Intelligenz betont Dr. Davatz, dass Frauen viel emotionale Intelligenz besitzen und diese auch einsetzen müssten. Sie merkt an, dass, wenn Knaben (Männer) verletzt werden, sie aggressiv werden, was sie mit dem männlichen Geschlecht und Testosteron in Verbindung bringt.

Zusammenfassend deutet Dr. Davatz an, dass es strukturelle Unterschiede in der Gehirnorganisation zwischen Männern und Frauen gibt, wobei Frauen möglicherweise stärker vernetzt sind und Männer eher zur Vereinfachung neigen. Sie sieht auch Unterschiede im emotionalen Erleben und im Umgang mit Problemen, wobei Frauen eine höhere emotionale Intelligenz zugeschrieben wird und Männer eher mit Aggression auf Verletzungen reagieren. Es ist wichtig zu beachten, dass sich diese Aussagen auf Beobachtungen und Interpretationen von Dr. Davatz stützen und durch die erwähnte Rattenstudie und das Buch von Frans de Waal ergänzt werden.

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Das jugendliche Gehirn im Umbau: Die Pubertät als sensible Phase

Die Pubertät ist eine entscheidende Entwicklungsphase, in der das Gehirn einen tiefgreifenden Umbau erfährt. Dieser Umbauprozess macht das Gehirn besonders empfänglich für äussere Einflüsse, was sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben kann.

  • Synaptische Reorganisation: Während der Pubertät findet ein Prozess statt, der als „synaptic pruning“ bezeichnet wird. Dabei werden überflüssige Synapsen, also die Verbindungen zwischen Nervenzellen, abgebaut, während gleichzeitig wichtige Verbindungen gestärkt werden.
  • Effizienzsteigerung: Dieser Abbauprozess ist notwendig, um das Gehirn effizienter zu machen. Es ist vergleichbar mit dem Aufräumen eines überfüllten Dachbodens, bei dem man sich von unnötigem Ballast trennt, um Platz für Neues zu schaffen.
  • Fokussierung und Entscheidungskompetenz: Durch die Reduktion der Synapsen wird die Informationsverarbeitung im Gehirn optimiert und die Fähigkeit zur Fokussierung und Entscheidungsfindung verbessert.
  • Vulnerabilität: Gleichzeitig macht dieser Umbau das Gehirn anfälliger für negative Einflüsse aus dem Umfeld. Stress, Konflikte oder ein Mangel an Unterstützung können den Umbauprozess stören und die Entwicklung des Gehirns negativ beeinflussen.

Das Umfeld als entscheidender Faktor

Die Quellen betonen die entscheidende Rolle des Umfelds während der Pubertät. Ein unterstützendes und verständnisvolles Umfeld kann den Umbauprozess positiv beeinflussen und die Jugendlichen in ihrer Entwicklung stärken.

  • Positive Interaktionen: Positive Interaktionen mit Eltern, Lehrern und Gleichaltrigen fördern das Selbstwertgefühl, die emotionale Stabilität und die Entwicklung sozialer Kompetenzen.
  • Stabilität und Sicherheit: Ein stabiles und sicheres Umfeld gibt den Jugendlichen den nötigen Halt und die Sicherheit, um sich mit den Herausforderungen der Pubertät auseinanderzusetzen.

Risiken bei ungünstigen Bedingungen

Ein ungünstiges Umfeld hingegen kann die Entwicklung des Gehirns negativ beeinflussen und das Risiko für psychische Probleme erhöhen.

  • Stress und Konflikte: Chronischer Stress, Konflikte in der Familie oder in der Schule können den Umbauprozess im Gehirn stören und die Entwicklung von Angststörungen, Depressionen oder Suchtverhalten begünstigen.
  • Mangelnde Unterstützung: Fehlt es den Jugendlichen an Unterstützung und Verständnis, können sie sich in dieser sensiblen Phase überfordert und alleingelassen fühlen. Dies kann zu Rückzug, Isolation und einem Verlust des Selbstwertgefühls führen.

Besonderheiten bei ADHS

Die Quellen weisen darauf hin, dass Jugendliche mit ADHS in der Pubertät besonders anfällig für negative Einflüsse des Umfelds sind.

  • Erhöhte Sensibilität: Die ohnehin schon hohe Sensibilität von ADHS-Betroffenen wird in der Pubertät noch verstärkt, was sie besonders empfindlich für Kritik und negative Rückmeldungen macht.
  • Gestörter Umbauprozess: Negative Erfahrungen und Konflikte können den Umbauprozess im Gehirn von ADHS-Betroffenen zusätzlich stören und die Entwicklung von psychischen Problemen wie Suchtverhalten, Essstörungen oder Delinquenz begünstigen.

Fazit: Unterstützung statt Stigmatisierung

Die Pubertät ist eine entscheidende Phase für die Entwicklung des Gehirns. Ein unterstützendes und verständnisvolles Umfeld ist in dieser Zeit besonders wichtig, um den Jugendlichen die bestmöglichen Voraussetzungen für ein gesundes und erfolgreiches Leben zu bieten. Dies gilt insbesondere für Jugendliche mit ADHS, die in dieser sensiblen Phase besondere Unterstützung benötigen. Anstatt sie zu stigmatisieren und zu pathologisieren, sollten wir ihnen mit Verständnis, Geduld und professioneller Hilfe begegnen.

https://ganglion.ch/pdf/Wie%20und%20wann%20entgleisen%20Jugendliche.pdf

Emotionsregulation: Die Rolle des Gehirns und der Einfluss von Suchtmitteln

Die Ausführungen von Dr. med. Ursula Davatz im Interview beleuchten die Bedeutung der Emotionsregulation und den Einfluss von Suchtmitteln auf diesen Prozess. Sie erklärt, dass Suchtmittel als chemische Substanzen zur Emotionsregulation eingesetzt werden. Sie dienen als schnelle Problemlöser, um negative Emotionen zu unterdrücken und ein Gefühl der Beruhigung zu erzeugen.

Das emotionale Gehirn spielt eine zentrale Rolle in diesem Prozess. Es verarbeitet Einflüsse aus der Umgebung und löst daraufhin Handlungen oder Denkprozesse aus. Wenn keine Lösung für eine Situation gefunden wird, führt dies zu Stress und negativen Emotionen, die wiederum den Griff zu Suchtmitteln begünstigen.

Suchtmittel greifen im emotionalen Gehirn ein und erzeugen dort ein euphorisches Gefühl, das die negativen Emotionen überdeckt. Dieser Mechanismus führt jedoch dazu, dass Betroffene nicht lernen, mit ihren Emotionen auf gesunde Weise umzugehen. Stattdessen werden die negativen Gefühle in der Sucht-Substanz „ertränkt“.

Dr. med. Ursula Davatz betont, dass die Emotionsregulation durch Suchtmittel ein unnatürliches Gleichgewicht herstellt. Die Betroffenen lernen nicht, ihre Emotionen zu reflektieren und konstruktive Lösungen für ihre Probleme zu finden. Dies führt zu einem Teufelskreis, in dem die Abhängigkeit von den Suchtmitteln immer stärker wird.

Der Schlüssel zur Überwindung von Suchtverhalten liegt in der Entwicklung gesunder Emotionsregulationsstrategien. Betroffene müssen lernen, ihre Emotionen wahrzunehmen, zu verstehen und auf angemessene Weise auszudrücken.

Dr. med. Ursula Davatz plädiert dafür, das soziale Umfeld in den Prozess der Emotionsregulation einzubeziehen. Durch offene und wertschätzende Kommunikation können Betroffene lernen, ihre Emotionen zu reflektieren und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

https://ganglion.ch/pdf/Substanzmissbrauch%20und%20Umgang%20am%20Arbeitsplatz.m4a.pdf

Die Reaktion weiblicher Gehirne auf Stress

Dr.med. Ursula Davatz erläutert in ihrem Vortrag die Forschung von Elena Brivio, die untersucht hat, wie weibliche und männliche Gehirne auf Stress reagieren. Die Studie wurde an Ratten durchgeführt, da Untersuchungen am menschlichen Gehirn in diesem Kontext ethisch und praktisch nicht möglich sind. Dr. Davatz ist jedoch der Meinung, dass die Ergebnisse durchaus auf den Menschen übertragen werden können, da Ratten als Säugetiere viele Gemeinsamkeiten mit dem Menschen haben und häufig in der medizinischen Forschung eingesetzt werden.

Vernetzung und Lösungsorientierung:

Brivios Forschungsergebnisse zeigen, dass weibliche Gehirne unter Stress vermehrt Vernetzungen bilden. Sie produzieren mehr Oligodendrozyten, was zu einem Wachstum der Nervenauswüchse und einer komplexeren Vernetzung führt. Dr. Davatz interpretiert dies als Hinweis darauf, dass weibliche Wesen aktiv nach neuen Lösungen suchen, wenn sie Stress ausgesetzt sind. Sie vergleicht diese Reaktion mit dem Verhalten von weiblichen Affen, die durch kreative Problemlösung neue Nahrungsquellen erschliessen.

Beispiel der Affen:

In einem Experiment wurden Affen mit ungewohnten Nahrungsmitteln konfrontiert, beispielsweise Getreide, das in Sand geworfen wurde. Ein junges weibliches Äffchen fand eine Lösung für dieses Problem, indem es die Mischung aus Sand und Getreide ins Wasser warf. Die Getreidekörner schwammen obenauf, der Sand sank zu Boden, und die Nahrung konnte verzehrt werden. Dieses Verhalten wurde von den anderen Affen, einschliesslich der Mütter, übernommen, während der dominante Affe, der zu sehr mit Machterhaltung beschäftigt war, diese neue Lösung nicht lernte.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

Weibliche Gehirne reagieren auf Stress mit einer Verstärkung der neuronalen Vernetzung, was auf eine stärkere Lösungsorientierung hinweist. Diese Reaktion könnte evolutionär bedingt sein, da Frauen traditionell für die Versorgung der Nachkommen und die Aufrechterhaltung sozialer Strukturen verantwortlich waren.

https://ganglion.ch/pdf/Gesellschaft%20unter%20Hochdruck.m4a.pdf

Das männliche Gehirn unter Stress: Vereinfachung und Machterhaltung

Dr.med. Ursula Davatz bezieht sich in ihrem Vortrag auf die Forschung von Elena Brivio, die untersucht hat, wie sich männliche Gehirne unter Stress verhalten. Brivios Studie, die an Ratten durchgeführt wurde, zeigt, dass das männliche Gehirn dazu neigt, sich unter Stress zu vereinfachen.

Vereinfachung der neuronalen Strukturen:

Anstatt neue Vernetzungen zu bilden, wie es bei weiblichen Gehirnen unter Stress beobachtet wurde, schalten männliche Gehirne bestehende Verbindungen ab. Dies führt zu einer Art „Autobahn“, die auf schnelle Reaktionen ausgerichtet ist. Dr.med. Ursula Davatz vergleicht dieses Verhalten mit dem Fahren gegen die Wand.

Machterhaltung und Dominanz:

Diese Vereinfachung der Hirnstrukturen interpretiert Dr.med. Ursula Davatz als ein Zeichen von Machterhaltung und Dominanzstreben. Sie argumentiert, dass Männer in Stresssituationen dazu neigen, ihre Position zu verteidigen und die Kontrolle zu behalten, anstatt nach neuen Lösungen zu suchen.

Traditionelle Rollenbilder als Erklärung:

Dieses Verhalten erklärt sie mit den traditionellen Rollenbildern, in denen Männer für den Schutz des Territoriums, der Brut und des Weibchens verantwortlich sind. Auf unser heutiges System übertragen, bedeutet dies, dass Männer nach Machterhaltung, Strukturerhaltung und Sieg streben.

Beispiele aus der Politik:

Dr.med. Ursula Davatz nennt Beispiele aus der Politik, wie Wladimir Putin und Benjamin Netanjahu, die ihrer Meinung nach dieses männliche Stressverhalten demonstrieren. Sie kritisiert das Streben nach Sieg in der heutigen Welt und plädiert stattdessen für Zusammenarbeit.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

Das männliche Gehirn reagiert auf Stress mit einer Vereinfachung der neuronalen Strukturen und einem Fokus auf Machterhaltung. Dr.med. Ursula Davatz führt dieses Verhalten auf traditionelle Rollenbilder zurück und kritisiert es im Kontext der heutigen globalen Herausforderungen.

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Einfluss von Stress auf die Gehirnstrukturen

Die Quellen erwähnen eine interessante Forschungsarbeit von Elena Brivio mit dem Titel „Sex shapes cell-type-specific transcriptional signatures of stress exposure in the mouse hypothalamus„, welche die unterschiedlichen Reaktionen von männlichen und weiblichen Gehirnen auf Stress beleuchtet.

Die Forschung von Elena Brivio an Rattenhirnen zeigt, dass:

  • Weibliche Gehirnstrukturen unter Stress mit verstärkter Vernetzung reagieren.
    • Das weibliche Gehirn produziert mehr Oligodendrozyten, was zu vermehrten Nervenauswüchsen und Vernetzungen führt.
    • Dies deutet darauf hin, dass Frauen in Stresssituationen eher dazu neigen, neue Lösungen zu suchen.
  • Männliche Gehirne hingegen vereinfachen sich unter Stress.
    • Sie schalten Vernetzungen ab und bilden eine Art „Autobahn“, die auf schnelle, geradlinige Reaktionen ausgerichtet ist.
    • Dr.med. Ursula Davatz vergleicht dies mit dem Verhalten eines Mannes, der „bei Stress gegen die Wand fährt“.
    • Sie interpretiert diese Reaktion als Versuch der Machterhaltung.

Übertragung auf menschliches Verhalten:

Dr. Davatz überträgt diese Erkenntnisse auf das menschliche Verhalten und stellt die These auf, dass:

  • Frauen in Stresssituationen dazu neigen, nach Lösungen zu suchen und Zusammenarbeit anzustreben.
  • Männer hingegen auf Dominanzverhalten und Machterhaltung fokussieren.

Bedeutung für die heutige Zeit:

Dr.med. Ursula Davatz sieht diese unterschiedlichen Reaktionsmuster als entscheidenden Faktor für die Bewältigung der aktuellen globalen Herausforderungen, wie z.B. Klimawandel, politische Konflikte und die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz.

Sie argumentiert, dass die traditionell männliche Herangehensweise an Probleme, die auf Macht, Dominanz und schnelle Lösungen setzt, nicht mehr zeitgemäß ist.

Stattdessen brauche es die weibliche Herangehensweise, die auf Kooperation, Vernetzung und das Suchen nach nachhaltigen Lösungen fokussiert.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

Die Forschungsergebnisse von Elena Brivio und die Interpretationen von Dr.med. Ursula Davatz legen nahe, dass Stress unterschiedliche Auswirkungen auf die Gehirnstrukturen von Männern und Frauen hat. Diese Unterschiede spiegeln sich in den Verhaltensmustern wider, die Männer und Frauen in Stresssituationen zeigen. Dr. Davatz sieht in der weiblichen Herangehensweise an Probleme die Lösung für die Herausforderungen der heutigen Zeit.

Das Gehirn von Menschen mit ADHS/ADS: Einzigartig und komplex

Dr.med. Ursula Davatz beschreibt das Gehirn von Menschen mit ADHS/ADS als „etwas speziell“ und hebt dabei drei Hauptmerkmale hervor:

  • Verstärkte Vernetzung des emotionalen Gedächtnisses: Das emotionale Gedächtnis ist bei ADHS/ADS-Betroffenen stärker mit dem restlichen Gehirn vernetzt. Dies könnte ihre hohe Sensibilität erklären und dazu führen, dass sie intensiver auf Reize aus ihrer Umgebung reagieren. Sie nehmen Stimmungen und Veränderungen schnell wahr und reagieren möglicherweise impulsiver.
  • Verzögerte Reifung: ADHS/ADS-Gehirne reifen langsamer und schließen ihre Synapsen später ab. Dieser Prozess, bekannt als Synaptic Pruning, bedeutet, dass im Gehirn weniger „Autobahnen“ gebildet werden, was die Betroffenen flexibler und offener für neue Erfahrungen macht. Dies könnte eine Erklärung für die oft beobachtete Kreativität bei Menschen mit ADHS/ADS sein.
  • Kreativität als Stärke: Dr. Davatz sieht die Kreativität von ADHS/ADS-Betroffenen als eine direkte Folge ihrer andersartigen Gehirnstruktur. Anstatt diese Kreativität zu unterdrücken, plädiert sie dafür, sie zu fördern und zu unterstützen.

Dr.med. Ursula Davatz vergleicht das Gehirn mit einem sozialen Organ, das durch Interaktion lernt und sich anpasst. Sie betont den starken Einfluss der Umwelt auf die Entwicklung des Gehirns, insbesondere bei ADHS/ADS. Negative Erfahrungen, wie beispielsweise ständige Kritik oder ein autoritärer Erziehungsstil, können die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen und zu psychischen Problemen führen.

Zusammenfassend beschreibt Dr. Davatz das Gehirn von ADHS/ADS-Betroffenen als komplex und einzigartig. Es zeichnet sich durch eine hohe emotionale Vernetzung, eine verzögerte Reifung und ein hohes kreatives Potenzial aus. Anstatt ADHS/ADS als Krankheit zu betrachten, plädiert sie dafür, es als Neurodiversität zu verstehen und die individuellen Stärken der Betroffenen zu fördern.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS_ADS_Apero.pdf

Das Gehirn von ADHS/ADS-Betroffenen

Dr.med. Ursula Davatz beschreibt das Gehirn von Menschen mit ADHS/ADS als „etwas speziell“. Sie nennt dabei folgende Punkte:

  • Verstärkte Vernetzung des emotionalen Gedächtnisses: Das emotionale Gedächtnis ist bei ADHS/ADS-Betroffenen stärker mit dem restlichen Gehirn vernetzt. Dies könnte erklären, warum sie oft als hochsensibel und hyperreaktiv beschrieben werden.
  • Spätere Reifung des Gehirns: ADHS/ADS-Gehirne schließen ihre Synapsen später ab. Dieser Prozess, der als Synaptic Pruning bezeichnet wird, führt normalerweise dazu, dass unwichtige Verbindungen im Gehirn abgebaut und wichtige Verbindungen gestärkt werden, wodurch „Autobahnen“ im Gehirn entstehen. Bei ADHS/ADS-Betroffenen verläuft dieser Prozess verzögert, was ihre Kreativität und Flexibilität fördern könnte.
  • Kreativität als Folge des „andersartigen“ Gehirns: Dr. Davatz sieht die Kreativität von ADHS/ADS-Betroffenen als eine direkte Folge ihrer andersartigen Gehirnstruktur. Sie betont, dass diese Kreativität eine wertvolle Fähigkeit ist, die nicht unterdrückt, sondern gefördert werden sollte.

Dr. Davatz vergleicht das Gehirn mit einem sozialen Organ, das durch Interaktion lernt und sich anpasst. Sie betont, dass die Umwelt einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Gehirns hat, insbesondere bei ADHS/ADS. Negative Erfahrungen, wie beispielsweise ständige Kritik oder ein zu strenger Erziehungsstil, können die Entwicklung des ADHS/ADS-Gehirns negativ beeinflussen und zu psychischen Problemen führen.

Zusammenfassend beschreibt Dr. Davatz das Gehirn von ADHS/ADS-Betroffenen als einzigartig und komplex. Es zeichnet sich durch eine verstärkte emotionale Vernetzung, eine verzögerte Reifung und ein hohes kreatives Potenzial aus.

https://ganglion.ch/pdf/ADHS_ADS_Apero.pdf

Die Auswirkungen von übermässigem Stress auf das Gehirn

Dr.med. Ursula Davatz erwähnt den Begriff „Systemüberlastung“ („System Overload“) im Zusammenhang mit Autismus.

  • Systemüberlastung bei Autisten: Autisten haben eine breite Wahrnehmung und nehmen alle Reize gleichzeitig wahr. Diese Reizüberflutung kann zu einer Überlastung des limbischen Systems führen, welches für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist.
  • Folge der Systemüberlastung: Im Zustand der Systemüberlastung sind Autisten oft weder handlungs- noch kommunikationsfähig, obwohl sie innerlich alles wahrnehmen.
  • Stress als Auslöser: Dr. Davatz erwähnt, dass zu viele Reize, Aufgaben oder Stress auch bei Nicht-Autisten zu einem Rückzug führen können.

https://ganglion.ch/pdf/Autismus-Spektrum-Eigenschaft-19.11.2024.m4a.pdf