Die Rolle der «sozialen Vererbung»

Laut Dr. med. Ursula Davatz spielt die «soziale Vererbung» eine zentrale Rolle in der Art und Weise, wie wir uns entwickeln und wie wir unsere Beziehungen gestalten. Sie prägt uns genauso stark wie unsere Gene, wenn nicht sogar stärker.

Der Mensch als soziales Wesen:

Davatz betont, dass der Mensch ein soziales Wesen ist und unser Gehirn als soziales Organ durch Interaktion mit unserer Umgebung lernt und geformt wird. Diese Prägung durch unser Umfeld, insbesondere durch unsere Herkunftsfamilie, bezeichnet sie als «soziale Vererbung».

Weitergabe von Werten, Verhaltensmustern und Erwartungshaltungen:

Die soziale Vererbung umfasst die Weitergabe von:

  • Wertvorstellungen: Wir übernehmen implizit die Werte unserer Eltern, indem wir ihr Verhalten beobachten und nachahmen. Dies geschieht oft unbewusst, ohne dass wir es merken.
  • Verhaltensmuster: Durch die Erziehung werden uns explizit bestimmte Verhaltensweisen und Regeln vermittelt, die unser Handeln prägen.
  • Erwartungshaltungen: Unerfüllte Bedürfnisse aus der Kindheit führen zu Erwartungshaltungen, die wir an Partner und Kinder weitergeben und die unsere Beziehungen beeinflussen.

Mehrgenerationale Weitergabe:

Die soziale Vererbung beschränkt sich nicht nur auf die Weitergabe von einer Generation zur nächsten, sondern kann sich über mehrere Generationen erstrecken. Familiäre Konflikte und ungelöste Probleme können über Generationen hinweg weitergegeben werden und beeinflussen die Dynamik und das Verhalten von Familienmitgliedern.

Einfluss der sozialen Vererbung auf Beziehungen:

Die soziale Vererbung prägt unsere Beziehungen in vielfältiger Weise:

  • Partnerwahl: Wir suchen oft unbewusst nach Partnern, die unsere unerfüllten Bedürfnisse aus der Kindheit befriedigen können, was zu wiederholten Enttäuschungen führen kann.
  • Beziehungsdynamik: Gelesene Verhaltensmuster und Erwartungshaltungen aus der Herkunftsfamilie beeinflussen unsere Interaktion mit dem Partner und können zu Konflikten führen.
  • Erziehungsstil: Wir neigen dazu, unsere eigenen Erziehungserfahrungen zu wiederholen oder zu überkompensieren, was zu Konflikten mit dem Partner führen kann, der möglicherweise andere Vorstellungen hat.

Loyalität und Ablösung:

Davatz hebt hervor, dass wir oft eine starke Loyalität gegenüber unseren Eltern empfinden, selbst wenn deren Werte und Regeln nicht mehr zu unserem Leben passen. Diese Loyalität kann uns daran hindern, uns von alten Mustern zu lösen und unsere eigenen Wege zu gehen.

Möglichkeiten zur Veränderung:

Trotz der starken Prägung durch die soziale Vererbung sieht Davatz Möglichkeiten zur Veränderung:

  • Reflexion: Es ist wichtig, sich der eigenen Prägungen und Erwartungshaltungen bewusst zu werden und ihre Ursprünge zu verstehen.
  • Kommunikation: Offene Kommunikation mit dem Partner über Bedürfnisse und Erwartungen ist entscheidend, um Konflikte zu vermeiden und Kompromisse zu finden.
  • Ablösung: Es ist wichtig, sich von ungesunden Mustern und Loyalitätskonflikten aus der Herkunftsfamilie zu lösen und eigene Werte und Entscheidungen zu treffen.
  • Professionelle Unterstützung: Familientherapie und Beratung können helfen, Konflikte zu lösen, neue Verhaltensweisen zu erlernen und einen gesunden Umgang mit den Herausforderungen des Familienlebens zu finden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die «soziale Vererbung» nach Davatz einen tiefgreifenden Einfluss auf unsere Entwicklung und unsere Beziehungen hat. Indem wir uns unserer Prägungen bewusst werden, können wir jedoch lernen, alte Muster zu durchbrechen und neue Wege zu beschreiten.

https://ganglion.ch/pdf/Herkunftsfamilie_Praegung.pdf

Soziale Vererbung: Mehr als nur Gene

Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. med. Ursula Davatz, betonen die Bedeutung der sozialen Vererbung für die Entwicklung eines Menschen. Soziale Vererbung beschreibt die Weitergabe von Werten, Normen, Verhaltensmustern und Beziehungsgestaltungen von einer Generation zur nächsten. Sie spielt eine ebenso wichtige Rolle wie die genetische Vererbung, beeinflusst aber die Persönlichkeit und das Verhalten eines Menschen oft noch stärker.

Wie funktioniert soziale Vererbung?

Soziale Vererbung findet auf verschiedenen Wegen statt:

  • Vorbildfunktion (Role Modelling): Kinder beobachten ihre Eltern und andere Bezugspersonen und ahmen deren Verhalten unbewusst nach. Dadurch lernen sie, wie man mit Emotionen umgeht, Konflikte löst und Beziehungen gestaltet.
  • Explizite Erziehung: Eltern vermitteln ihren Kindern bewusst Werte und Normen durch Regeln, Befehle und Gespräche.
  • Erwartungshaltungen: Unerfüllte Bedürfnisse und Wünsche aus der eigenen Kindheit übertragen Eltern oft unbewusst auf ihre Kinder.
  • Geschwisterrolle: Die Position in der Geschwisterreihe prägt die Persönlichkeit und das Verhalten eines Kindes. Älteste Kinder übernehmen beispielsweise oft mehr Verantwortung, während jüngste Kinder eher emotional und harmoniebedürftig sind.

Auswirkungen der sozialen Vererbung:

Die soziale Vererbung kann sich auf vielfältige Weise auf das Leben eines Menschen auswirken:

  • Beziehungsgestaltung: Die Art und Weise, wie wir Beziehungen gestalten, ist stark von den Erfahrungen in unserer Herkunftsfamilie geprägt.
  • Konfliktverhalten: Wie wir mit Konflikten umgehen, haben wir meist von unseren Eltern gelernt.
  • Umgang mit Emotionen: Auch der Umgang mit Emotionen ist stark von der familiären Prägung beeinflusst.
  • Werte und Normen: Unsere Wertvorstellungen und moralischen Prinzipien sind oft tief in der familiären Sozialisation verwurzelt.
  • Loyalitätskonflikte: Wenn die Werte und Normen der Herkunftsfamilie nicht mehr zu den eigenen Bedürfnissen und Überzeugungen passen, kann dies zu inneren Konflikten und Loyalitätskonflikten führen.

Mehrgenerationenprägung:

Soziale Vererbung wirkt nicht nur von einer Generation zur nächsten, sondern kann sich über mehrere Generationen erstrecken. Dr. Davatz beobachtet in ihrer Praxis, wie bestimmte Themen und Konflikte über vier oder mehr Generationen hinweg weitergegeben werden.

Wiederholungszwang:

Ein wichtiger Aspekt der sozialen Vererbung ist der sogenannte Wiederholungszwang. Dieser beschreibt die unbewusste Tendenz, die Fehler der vorhergehenden Generation zu wiederholen. Dr. Davatz betont aber auch, dass jede Wiederholung eine Chance zur Veränderung bietet, die sowohl positiv als auch negativ verlaufen kann.

Umgang mit sozialer Vererbung:

Die Auseinandersetzung mit der eigenen familiären Prägung ist ein wichtiger Schritt zur Selbstreflexion und Persönlichkeitsentwicklung. Indem wir die Einflüsse unserer Herkunftsfamilie erkennen und verstehen, können wir bewusst entscheiden, welche Muster wir übernehmen und welche wir verändern wollen.

Professionelle Unterstützung:

Bei der Auseinandersetzung mit der eigenen familiären Prägung und der Überwindung negativer Muster kann professionelle Unterstützung hilfreich sein. Therapeuten und Berater können dabei helfen, die eigenen Prägungen zu erkennen, zu verstehen und neue, gesündere Verhaltensweisen zu entwickeln.

Zusammenfassend: Soziale Vererbung ist ein komplexer Prozess, der unser Leben in vielerlei Hinsicht beeinflusst. Die bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen familiären Prägung und die Bereitschaft zur Veränderung ermöglichen es uns, negative Muster zu durchbrechen und ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben zu führen.

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Soziale Vererbung: Weitergabe von Werten und Verhaltensmustern über das Grosshirn

Dr.med. Ursula Davatz definiert „soziale Vererbung“ als die Weitergabe von Wertvorstellungen und Verhaltensmustern von einer Generation zur nächsten über das Grosshirn. Im Gegensatz zur genetischen Vererbung, die über das emotionale Hirn (Mittelhirn) und das Stammhirn abläuft und eher angeboren ist, basiert die soziale Vererbung auf gelernten und gespeicherten Erfahrungen.

  • Das Grosshirn: Besitzt eine enorme Speicherfähigkeit und kann gemachte Erfahrungen verarbeiten, ablegen und speichern. Diese gespeicherten Muster und Erfahrungen werden dann in neuen Situationen abgerufen und angewendet, was zu einer Art „Vererbung“ von Verhaltensweisen und Denkmustern führt.
  • Explizite Erziehung: Eltern und Bezugspersonen vermitteln Kindern bewusst Werte und Normen. Dies geschieht durch verbale Kommunikation, wie z.B. Verbote, Gebote, moralische Belehrungen und die bewusste Weitergabe von Traditionen.
  • Implizite Erziehung: Kinder lernen durch Beobachtung und ahmen die Verhaltensmuster ihrer Bezugspersonen nach. Dies geschieht oft unbewusst, prägt aber dennoch die Entwicklung des Kindes.

Beispiele für soziale Vererbung:

  • Asthmaanfälle: Ein Kind, das seine Mutter immer wieder Asthmaanfälle erleiden sah, könnte dieses Verhalten unbewusst übernehmen und selbst Asthma entwickeln.
  • Essverhalten: In Kriegszeiten war es wichtig, alles aufzuessen. Diese Verhaltensweise kann auch in Zeiten des Überflusses beibehalten werden und an die nächste Generation weitergegeben werden.
  • Religiöse Zugehörigkeit: Die Aussage „Man bleibt bei dem, wie man getauft ist“ zeigt, wie Wertvorstellungen und Traditionen innerhalb der Familie weitergegeben werden.

Soziale Vererbung prägt unsere Wertvorstellungen, unsere Verhaltensweisen und unsere Art, mit anderen Menschen umzugehen. Es ist wichtig, sich dieser Prägung bewusst zu werden, um die eigenen Verhaltensmuster zu verstehen und gegebenenfalls zu verändern.

https://ganglion.ch/pdf/Wann_laesst_die_Seele_den_Koerper_sprechen.m4a.pdf

Soziale Vererbung: Weitergabe von Verhaltensmustern und deren Auswirkungen

Dr.med. Ursula Davatz thematisiert in ihren Ausführungen die Bedeutung der sozialen Vererbung für das Verständnis psychischer Probleme. Sie betont, dass neben der genetischen Vererbung auch die Weitergabe von erlernten Verhaltensmustern innerhalb der Familie eine zentrale Rolle spielt.

Soziale Vererbung als prägender Faktor:

  • Weitergabe von Verhaltensmustern: Soziale Vererbung beschreibt die Weitergabe von erlernten Verhaltensmustern, sowohl positiven als auch negativen, von einer Generation zur nächsten.
  • Einfluss auf Entwicklung: Diese Muster prägen die Entwicklung des Kindes und beeinflussen seine Wahrnehmung, sein Denken und sein Verhalten.
  • Traditionen und negative Muster: Dr. Davatz nennt Traditionen als Beispiel für positive soziale Vererbung. Negative Muster, die weitergegeben werden können, sind z.B. ungesunde Kommunikationsformen, Konfliktlösungsstile oder der Umgang mit Stress und Emotionen.

Auswirkungen der sozialen Vererbung:

  • Psychische Krankheiten: Negative Verhaltensmuster, die innerhalb der Familie weitergegeben werden, können die Entstehung psychischer Probleme begünstigen.
  • Verletzungen und Traumata: Dr. Davatz betont, dass die Art und Weise, wie Eltern mit Stress, Konflikten und Traumata umgehen, von ihren Kindern übernommen wird. Diese erlernten Muster können die Resilienz des Kindes gegenüber zukünftigen Herausforderungen beeinträchtigen.
  • Beziehungsgestaltung: Die sozialen Interaktionsmuster, die ein Kind in seiner Familie erlebt, prägen seine Fähigkeit, Beziehungen zu gestalten und Konflikte zu lösen.
  • Selbstbild und Selbstwertgefühl: Die Art und Weise, wie Eltern mit ihrem Kind interagieren und auf seine Bedürfnisse reagieren, hat einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Selbstbildes und des Selbstwertgefühls des Kindes. Negative Erfahrungen können zu einem negativen Selbstbild und einem geringen Selbstwertgefühl führen.

Umgang mit sozialer Vererbung in der Pflegefamilie:

  • Bewusstmachung der Muster: Pflegeeltern sollten sich der eigenen Verhaltensmuster und der Muster im Herkunftssystem des Kindes bewusst machen.
  • Reflektion und Hinterfragung: Es ist wichtig, die eigenen erzieherischen Handlungsweisen zu reflektieren und zu hinterfragen. Wie reagiere ich in Stresssituationen? Wie gehe ich mit Konflikten um? Welche Werte und Normen möchte ich dem Kind vermitteln?
  • Positive Vorbilder: Pflegeeltern können dem Kind positive Vorbilder sein, indem sie gesunde Kommunikationsformen, Konfliktlösungsstile und einen positiven Umgang mit Emotionen vorleben.
  • Unterstützung des Kindes: Pflegeeltern sollten das Kind unterstützen, indem sie ihm helfen, negative Verhaltensmuster aus seiner Herkunftsfamilie zu erkennen und neue, positive Strategien zu entwickeln.
  • Professionelle Hilfe: In manchen Fällen kann es hilfreich sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um negative Verhaltensmuster aufzuarbeiten und neue, gesunde Interaktionsmuster zu erlernen.

Zusammenfassung: Soziale Vererbung spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Probleme. Pflegeeltern sollten sich der Macht der sozialen Vererbung bewusst sein und aktiv daran arbeiten, dem Kind ein positives und unterstützendes Umfeld zu bieten, in dem es neue, gesunde Verhaltensmuster erlernen kann.

https://ganglion.ch/pdf/shelter_schweiz_1+2.pdf

Die Bedeutung der sozialen Vererbung

Laut Dr.med. Ursula Davatz ist die Berücksichtigung der sozialen Vererbung von grosser Bedeutung, da sie einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung und das Verhalten eines Menschen hat. Sie betont, dass die soziale Vererbung beim Menschen eine grössere Rolle spielt als die genetische Vererbung und im individuellen medizinischen Modell oft nicht ausreichend betrachtet wird.

Dr.med. Ursula Davatz argumentiert, dass Menschen soziale Wesen sind, deren Gehirn sich an das soziale Umfeld anpasst. Die Interaktion mit dem Umfeld prägt die Entwicklung eines Menschen massgeblich, was sich auch in der Psychologie zeigt. Verhaltensmuster, Wertvorstellungen, Erziehungsmethoden und kulturelle Prägungen werden über Generationen weitergegeben und formen das Individuum.

Dr.med. Ursula Davatz veranschaulicht die Bedeutung der sozialen Vererbung anhand verschiedener Beispiele:

  • Unterschiedliche Wertvorstellungen in Familien: Sie beschreibt, wie der „Mix“ aus den Wertvorstellungen und Erziehungsmethoden der Grosseltern und Eltern auf das Kind einwirkt und zu Schwierigkeiten führen kann, wenn diese nicht miteinander kompatibel sind.
  • Konflikte zwischen Generationen: Sie zeigt auf, dass die Nicht-Ablösung von den eigenen Eltern zu Problemen in der Erziehung der Kinder führen kann, da die Eltern dann unbewusst die eigenen, nicht verarbeiteten Muster an die Kinder weitergeben.
  • Einfluss der Grosseltern: Dr.med. Ursula Davatz betont, dass die Grosseltern eine wichtige Rolle im Familiensystem spielen und ihre Wertvorstellungen und Erfahrungen einen massgeblichen Einfluss auf die Kinder und Enkelkinder haben können.
  • Kulturelle Unterschiede: In der heutigen multikulturellen Gesellschaft treffen verschiedene soziale Vererbungen aufeinander, was zu zusätzlichen Herausforderungen führen kann. Es ist wichtig, diese Unterschiede zu erkennen und zu respektieren.

Die Berücksichtigung der sozialen Vererbung ist in der Arbeit mit Familien von grosser Bedeutung, da sie hilft:

  • Verhaltensmuster und Konflikte besser zu verstehen: Indem man die Herkunft der Wertvorstellungen und Verhaltensmuster der Familienmitglieder betrachtet, kann man die Dynamik innerhalb des Familiensystems besser verstehen und die Ursachen von Konflikten erkennen.
  • Individuelle Bedürfnisse zu erkennen: Die Kenntnis der sozialen Vererbung ermöglicht es, die individuellen Bedürfnisse und Herausforderungen der Familienmitglieder besser zu erkennen und massgeschneiderte Unterstützung anzubieten.
  • Lösungsansätze zu entwickeln: Die Berücksichtigung der sozialen Vererbung hilft, realistische und nachhaltige Lösungen für familiäre Probleme zu finden. Indem man die verschiedenen Perspektiven und Erfahrungen der Familienmitglieder einbezieht, kann man gemeinsam neue Wege der Interaktion und Kommunikation entwickeln.

Dr.med. Ursula Davatz vergleicht die Fachkräfte in der Familienarbeit mit „sozialen Genscheren“ („CRISPRs“), die positive Veränderungen im Familiensystem bewirken können, indem sie die Kommunikation zwischen den Familienmitgliedern fördern und ihnen helfen, ihre eigenen Wertvorstellungen und Bedürfnisse zu erkennen und zu artikulieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Berücksichtigung der sozialen Vererbung nach Dr. Davatz von zentraler Bedeutung ist, um Familien in ihrer Individualität und Komplexität zu verstehen und ihnen effektive Unterstützung bieten zu können.

https://ganglion.ch/pdf/Grosseltern_11.9.2024.m4a.pdf

Herausforderungen der sozialen Vererbung in einer multikulturellen Gesellschaft bewältigen

Die Bewältigung der Herausforderungen der sozialen Vererbung in einer multikulturellen Gesellschaft ist ein komplexer Prozess, der Sensibilität, Verständnis und eine wertschätzende Haltung erfordert. Die Quellen, insbesondere der Vortrag von Dr. Ursula Davatz, bieten wertvolle Einblicke in die Dynamik der sozialen Vererbung und Ansätze, um mit den damit verbundenen Schwierigkeiten umzugehen.

1. Bewusstmachung der eigenen sozialen Vererbung:

  • Reflexion der eigenen Wertvorstellungen, Glaubenssätze und Verhaltensmuster ist essentiell, um die eigene Prägung durch die soziale Vererbung zu erkennen.
  • Diese Selbstreflexion hilft, die eigenen Vorurteile und Prägungen bewusst zu machen und zu hinterfragen.
  • Nur wer sich der eigenen sozialen Vererbung bewusst ist, kann anderen Kulturen und Lebensweisen offen und respektvoll begegnen.

2. Verständnis für kulturelle Unterschiede:

  • In einer multikulturellen Gesellschaft ist es wichtig, Verständnis für die Vielfalt der Kulturen und deren unterschiedliche Wertvorstellungen und Traditionen zu entwickeln.
  • Aktive Auseinandersetzung mit anderen Kulturen durch Gespräche, Begegnungen und das Kennenlernen anderer Lebensweisen fördert Toleranz und Respekt.
  • Wichtig ist dabei, nicht von der eigenen Kultur als Norm auszugehen, sondern die Andersartigkeit anderer Kulturen als Bereicherung zu betrachten.

3. Vermeidung von Stereotypisierung und Vorurteilen:

  • Stereotypisierung und Vorurteile sind oft tief in der sozialen Vererbung verwurzelt und können zu Diskriminierung und Ausgrenzung führen.
  • Es ist wichtig, Individuen nicht auf ihre kulturelle Herkunft zu reduzieren und jeden Menschen als Individuum mit seinen eigenen Erfahrungen und Wertvorstellungen zu sehen.
  • Kritisches Hinterfragen von pauschalisierenden Aussagen und die Suche nach Informationen über andere Kulturen helfen, Stereotypen abzubauen.

4. Förderung von Kommunikation und Austausch:

  • Offener und respektvoller Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen ist die Grundlage für ein friedliches und respektvolles Zusammenleben.
  • Aktives Zuhören und der Versuch, die Perspektive des Anderen zu verstehen, sind essentiell für eine gelingende Kommunikation.
  • Plattformen und Begegnungsräume, die den Austausch zwischen Menschen verschiedener Kulturen ermöglichen, können dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und Verständnis zu fördern.

5. Integration als wechselseitiger Prozess:

  • Integration darf nicht als einseitige Anpassung an die Mehrheitskultur verstanden werden.
  • Es geht vielmehr darum, einen gemeinsamen Nenner zu finden, der die Werte und Traditionen aller Kulturen respektiert.
  • Integration ist ein dynamischer Prozess, in dem sich die Mehrheitsgesellschaft ebenso wie die Migrantinnen und Migranten aufeinander zubewegen und gegenseitig voneinander lernen.

6. Berücksichtigung der sozialen Vererbung in der Familienarbeit:

  • In der Familienarbeit ist es wichtig, die soziale Vererbung aller Familienmitglieder zu berücksichtigen.
  • Dies beinhaltet die Familiengeschichte, die kulturelle Herkunft und die individuellen Erfahrungen jedes Einzelnen.
  • Ungelöste Konflikte und negative Muster, die über Generationen hinweg weitergegeben wurden, können in der Familienarbeit aufgearbeitet werden.
  • Die Integration der Grosseltern in die Familienarbeit kann hilfreich sein, um die soziale Vererbung besser zu verstehen und Konflikte zu lösen.

7. Sensibilität im Umgang mit Konflikten:

  • Konflikte, die im Kontext der sozialen Vererbung entstehen, sind oft emotional aufgeladen und mit tief sitzenden Überzeugungen und Loyalitäten verbunden.
  • Es ist wichtig, diese Konflikte mit Sensibilität und Respekt anzugehen und alle Beteiligten in ihrer Rolle zu validieren.
  • Vermittlung und Mediation können helfen, Kompromisse zu finden, die die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigen.

Zusammenfassung:

Die Bewältigung der Herausforderungen der sozialen Vererbung in einer multikulturellen Gesellschaft erfordert ein Bewusstwerden der eigenen Prägung, Verständnis für kulturelle Unterschiede, den Abbau von Stereotypen, die Förderung von Kommunikation und Austausch, eine Integration als wechselseitigen Prozess sowie die Berücksichtigung der sozialen Vererbung in der Familienarbeit. Sensibilität im Umgang mit Konflikten ist entscheidend, um ein respektvolles und friedliches Zusammenleben zu ermöglichen.

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Schwierigkeiten bei der Veränderung der sozialen Vererbung

Die Veränderung der sozialen Vererbung kann aus verschiedenen Gründen schwierig sein, wie aus dem Interview mit Dr.med. Ursula Davatz hervorgeht.

1. Sicherheit und Zugehörigkeitsgefühl:

  • Die von der Familie geerbten Muster, Wertvorstellungen und Verhaltensweisen vermitteln ein Gefühl der Sicherheit und Zugehörigkeit. Sie bieten einen Rahmen, in dem sich der Einzelne eingebettet und geborgen fühlt.
  • Das Aufgeben dieser Muster kann daher Angst auslösen, da es das Gefühl der Sicherheit und Zugehörigkeit bedroht.

2. Vererbte Kultur und Traditionen:

  • Religionen, Glaubenssätze und kulturelle Praktiken werden über Generationen hinweg weitergegeben und sind tief in der Familie und der Gesellschaft verankert.
  • Diese traditionellen Muster zu verändern, kann auf Widerstand stossen, da sie oft als identitätsstiftend empfunden werden.

3. Machtstrukturen und Geschlechterrollen:

  • In vielen Kulturen sind Machtstrukturen und Geschlechterrollen eng mit der sozialen Vererbung verbunden.
  • Veränderungen in diesen Bereichen können zu Konflikten führen, da sie bestehende Machtverhältnisse und traditionelle Rollenbilder in Frage stellen.
  • Beispielsweise können Migration und der Kontakt mit anderen Kulturen zu Spannungen führen, wenn unterschiedliche Wertvorstellungen aufeinanderprallen.

4. Individuelle Anpassungsfähigkeit:

  • Der Mensch ist ein Opportunist und sucht nach der besten Lösung für sich.
  • Das bedeutet, dass er sich an die Gegebenheiten seiner Umgebung anpasst und Verhaltensweisen übernimmt, die ihm Vorteile bringen.
  • Dies kann die Veränderung der sozialen Vererbung erschweren, da Menschen möglicherweise an alten Mustern festhalten, wenn diese ihnen weiterhin nützen.

5. Emotionale Bindungen und Loyalitäten:

  • Die emotionale Bindung an die Familie und die Loyalität gegenüber den Eltern und Grosseltern können die Veränderung der sozialen Vererbung behindern.
  • Es kann schwierig sein, sich von den Erwartungen und Wünschen der Familie zu lösen, auch wenn diese nicht den eigenen Bedürfnissen entsprechen.
  • Dies gilt insbesondere dann, wenn Schuldgefühle im Spiel sind, wie es bei Eltern von Kindern mit psychischen Erkrankungen oft der Fall ist.

6. Widerstand gegen Veränderung:

  • Menschen neigen oft dazu, an bekannten Mustern und Gewohnheiten festzuhalten, auch wenn diese nicht mehr zeitgemäss sind.
  • Veränderung kann als bedrohlich empfunden werden, da sie Unsicherheit und Angst vor dem Unbekannten mit sich bringt.
  • Dies kann dazu führen, dass Veränderungsversuche abgelehnt oder sabotiert werden.

7. Einfluss des Internets und der Medien:

  • In der heutigen Zeit prägen Internet und Medien die soziale Vererbung in zunehmendem Masse.
  • Influencer und soziale Netzwerke verbreiten neue Werte, Normen und Verhaltensweisen.
  • Diese Einflüsse können mit den traditionellen Mustern der Familie kollidieren und die Veränderung der sozialen Vererbung komplexer und unvorhersehbarer machen.

Zusammenfassung:

Die Veränderung der sozialen Vererbung ist ein komplexer Prozess, der mit verschiedenen Herausforderungen verbunden ist. Sicherheit und Zugehörigkeitsgefühl, vererbte Kultur und Traditionen, Machtstrukturen und Geschlechterrollen, individuelle Anpassungsfähigkeit, emotionale Bindungen und Loyalitäten, Widerstand gegen Veränderung sowie der Einfluss des Internets und der Medien spielen dabei eine Rolle.

Die Rolle der sozialen Vererbung bei der Entwicklung psychischer Probleme

Dr.med. Ursula Davatz geht in ihren Ausführungen detailliert auf den Einfluss sozialer Vererbung auf die Entstehung psychischer Probleme ein. Sie stellt dabei klar, dass soziale Vererbung, also die Weitergabe von erlernten Verhaltensweisen, Wertvorstellungen und sozialen Normen, massgeblich über das Grosshirn abläuft. Das Grosshirn speichert die Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens in unserem sozialen Umfeld, insbesondere in der Herkunftsfamilie, machen. Diese Erfahrungen prägen unsere individuellen Anpassungsmuster und können unter bestimmten Umständen zu psychischen Problemen führen.

Konflikte mit erlernten Mustern als Auslöser:

Problematisch wird es laut Dr. Davatz dann, wenn wir in Situationen geraten, in denen unsere erlernten Anpassungsmuster nicht mehr greifen. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn wir:

  • auf Widerstand stossen: Wenn unser Verhalten auf Ablehnung stösst oder wir mit unseren Wertvorstellungen anecken, kann dies zu Frustration und Stress führen.
  • uns anpassen müssen: Gesellschaftliche Veränderungen oder neue Lebensumstände erfordern oft Anpassungen, die im Konflikt mit unseren erlernten Mustern stehen können.

Der Teufelskreis aus Stress und Symptomen:

In solchen Situationen entsteht ein innerer Konflikt: Wir sind einerseits unseren erlernten Mustern und den damit verbundenen Wertvorstellungen verpflichtet, andererseits erleben wir, dass diese Muster nicht mehr funktionieren. Dieser Konflikt führt zu Stress und emotionaler Belastung, die sich im emotionalen Hirn (Mittelhirn) staut.

Kann diese gestaute Energie nicht über das Grosshirn abgebaut werden, indem wir neue, flexiblere Verhaltensweisen entwickeln, sucht sie sich einen anderen Weg: Sie wird über das Stammhirn in den Körper weitergeleitet und manifestiert sich dort in Form von psychosomatischen Symptomen.

Beispiele aus Dr.med. Ursula Davatz‘ Ausführungen:

  • Beinbeschwerden nach Konflikt: Dr. Davatz beschreibt am Beispiel eines eigenen psychosomatischen Hautausschlags an den Beinen, wie ein Konflikt mit einer Organisation zu körperlichen Symptomen führte. Erst als es ihr gelang, die Situation mental zu verarbeiten, verschwand der Ausschlag.
  • Magen-Darm-Probleme nach Scheidung: Eine Teilnehmerin berichtet von Magen-Darm-Problemen nach ihrer Scheidung, obwohl ihre Eltern die Trennung befürworteten. Dies verdeutlicht, wie tief gesellschaftliche Normen und Erwartungen, die wir in unserer Kindheit lernen, in uns verankert sein können und selbst dann zu Konflikten führen können, wenn unser Umfeld sie nicht mehr teilt.
  • Kopfweh bei Lernschwierigkeiten: Eine Mutter berichtet, dass ihr Sohn unter Kopfschmerzen leidet, wenn er mit den Hausaufgaben überfordert ist. Dr. Davatz vermutet, dass der Sohn den Druck der Mutter spürt, die ihm die erlernte Wichtigkeit von Fleiss und Ordnung vermitteln möchte.

Die Bedeutung des Loslassens:

Um psychosomatische Erkrankungen zu vermeiden, ist es laut Dr. Davatz wichtig, alte, unflexible Muster zu erkennen und loszulassen. Dies erfordert Mut, da es oft mit Angst und Unsicherheit verbunden ist, sich von den Normen und Erwartungen der Herkunftsfamilie zu lösen.

Dr.med Ursula Davatz ermutigt ihre Patienten dazu, sich auf diesen Prozess einzulassen, um neue, individuellere Anpassungsmuster zu entwickeln, die ihren Bedürfnissen und der aktuellen Lebenssituation besser entsprechen.

Zusammenfassend: Die soziale Vererbung spielt eine bedeutende Rolle bei der Entstehung psychischer Probleme. Erlernte Verhaltensmuster und Wertvorstellungen können in neuen Situationen zu Stress und Konflikten führen, die sich, wenn sie nicht mental verarbeitet werden, in psychosomatischen Symptomen manifestieren. Es ist wichtig, sich der eigenen Prägungen bewusst zu werden und ungünstige Muster loszulassen, um flexibler und gesünder mit den Herausforderungen des Lebens umgehen zu können.

https://ganglion.ch/pdf/Wann_laesst_die_Seele_den_Koerper_sprechen.m4a.pdf

Soziale vs. Genetische Vererbung

Dr.med. Ursula Davatz erklärt den Unterschied zwischen sozialer und genetischer Vererbung anhand ihrer Ausführungen zum dreieinigen Gehirn und den verschiedenen Anpassungsmechanismen des Menschen.

Genetische Vererbung:

  • Definition: Die genetische Vererbung bezieht sich auf die Weitergabe von biologischen Merkmalen von den Eltern an ihre Kinder über die Gene. Diese Merkmale sind in unserer DNA festgelegt und prägen unsere körperliche und geistige Ausstattung von Geburt an.
  • Gehirnregion: Laut Dr. Davatz ist die genetische Vererbung primär im Stammhirn und im emotionalen Hirn (Mittelhirn) verankert.
  • Beispiele:
    • Temperament: Ob wir von Natur aus eher ruhig oder emotional reagieren, ist zum Teil genetisch bedingt.
    • Lernstörungen: Lernstörungen wie Legasthenie oder Dyskalkulie können genetische Ursachen haben.
    • Reflexe: Angeborene Reflexe wie der Kampf-, Flucht- oder Todstellreflex sind ebenfalls genetisch vererbt.

Soziale Vererbung:

  • Definition: Die soziale Vererbung hingegen bezieht sich auf die Weitergabe von erlernten Verhaltensweisen, Wertvorstellungen und sozialen Normen von einer Generation zur nächsten. Diese Weitergabe erfolgt durch Beobachtung, Nachahmung und bewusste oder unbewusste Erziehung.
  • Gehirnregion: Dr. Davatz ordnet die soziale Vererbung hauptsächlich dem Grosshirn zu, welches für das Lernen und die Speicherung von Erfahrungen zuständig ist.
  • Beispiele:
    • Wertvorstellungen: Was wir als richtig oder falsch, gut oder schlecht empfinden, lernen wir in erster Linie von unseren Eltern und unserem sozialen Umfeld.
    • Verhaltensmuster: Auch unsere Verhaltensweisen in Stresssituationen oder Konflikten sind oft durch unsere Erziehung geprägt.
    • Sprache und Kultur: Die Sprache, die wir sprechen, und die kulturellen Normen, die wir befolgen, werden uns ebenfalls durch soziale Vererbung vermittelt.

Zusammenspiel und Überlappung:

Dr.med. Ursula Davatz betont, dass genetische und soziale Vererbung nicht strikt voneinander getrennt werden können. Sie beeinflussen sich gegenseitig und prägen gemeinsam unsere Persönlichkeit und unser Verhalten. So können beispielsweise genetisch bedingte Temperamentsunterschiede die Art und Weise beeinflussen, wie wir von unseren Eltern erzogen werden. Umgekehrt können unsere sozialen Erfahrungen auch unsere Gene beeinflussen.

Konkrete Beispiele aus den Quellen:

  • Asthma als Beispiel für soziale Vererbung: Dr. Davatz erwähnt, dass Kinder, deren Mutter an Asthma leidet, eher selbst an Asthma erkranken. Hier wird deutlich, dass die Beobachtung des elterlichen Verhaltens die Entwicklung einer Krankheit beeinflussen kann.
  • Essverhalten als Beispiel für soziale Vererbung: Die Aussage „Man soll dem Ochsen, der drischt, das Maul nicht verbinden“ illustriert, wie ein Sprichwort, das ein bestimmtes Verhalten rechtfertigt, von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden kann.
  • Bedeutung der Herkunftsfamilie: Dr. Davatz betont immer wieder den Einfluss der Herkunftsfamilie auf unsere Wertvorstellungen und Verhaltensmuster. Sie ermutigt ihre Patienten, sich mit den Regeln und Normen ihrer Familie auseinanderzusetzen und sich davon zu lösen, wenn sie nicht mehr hilfreich sind.

Zusammenfassend: Dr. Davatz zeigt auf, dass sowohl unsere Gene als auch unsere sozialen Erfahrungen einen wichtigen Einfluss auf unsere Entwicklung und unser Verhalten haben. Es ist wichtig, sich beider Einflüsse bewusst zu sein, um sich von ungünstigen Prägungen lösen und neue, flexiblere Verhaltensmuster entwickeln zu können.

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Die soziale Vererbung

Dr.med. Ursula Davatz erklärt das Konzept der „sozialen Vererbung“ im Zusammenhang mit der Prägung durch die Herkunftsfamilie. Sie argumentiert, dass Wertvorstellungen, Verhaltensmuster und Durchsetzungsmuster innerhalb der Familie von Generation zu Generation weitergegeben werden. Dies geschieht sowohl bewusst als auch unbewusst.

Bewusste Weitergabe:

  • Explizite Erziehung: Eltern vermitteln ihren Kindern explizit bestimmte Wertvorstellungen und Regeln, wie man sich zu verhalten hat. Beispiele dafür sind „Man stiehlt nicht“, „Man lügt nicht“ oder „Man ist immer ehrlich“.

Unbewusste Weitergabe:

  • Implizites Lernen durch Beobachtung (Rollenlernen): Kinder lernen durch Beobachtung ihrer Bezugspersonen, wie man mit Stress umgeht, welche emotionalen Reaktionen angemessen sind und wie man Konflikte löst. Dieses Lernen geschieht unbewusst, indem Kinder die Verhaltensweisen ihrer Eltern nachahmen oder im Gegensatz dazu Gegenstrategien entwickeln.
  • Epigenetische Prägung: Epigenetische Veränderungen beeinflussen die Aktivität von Genen, ohne die DNA-Sequenz selbst zu verändern. Diese Veränderungen können durch Umwelteinflüsse wie Stress, Ernährung oder soziale Erfahrungen ausgelöst werden und von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden.

Soziale Vererbung und psychosomatische Erkrankungen:

Dr. Davatz betont, dass die in der Herkunftsfamilie erlernten Muster einen starken Einfluss auf die körperliche und psychische Gesundheit haben. Wenn Menschen in ihrem späteren Leben mit Situationen konfrontiert werden, die diese erlernten Muster in Frage stellen oder überfordern, kann dies zu emotionalen Konflikten und psychosomatischen Symptomen führen.

Beispiel:

Eine Frau, die in ihrer Familie gelernt hat, immer angepasst und kooperativ zu sein, kann in einer Beziehung mit einem dominanten und aggressiven Partner Schwierigkeiten haben, sich durchzusetzen. Die erlernten Verhaltensmuster greifen nicht mehr, und die Frau kann in ein Dilemma geraten. Die emotionale Belastung, die sich daraus ergibt, kann sich dann in körperlichen Symptomen wie Kopfschmerzen, Verdauungsproblemen oder Hautausschlägen manifestieren.

Überwindung negativer Prägungen:

Dr. Davatz plädiert dafür, sich der eigenen Prägungen durch die Herkunftsfamilie bewusst zu werden und negative Muster zu hinterfragen. In der Therapie ermutigt sie ihre Patienten, sich mit ihren Eltern (auch wenn diese bereits verstorben sind) auseinanderzusetzen und sich von unangemessenen Erwartungen und Verhaltensregeln zu lösen.

Ziel ist es:

  • Die eigene innere Mitte zu finden
  • Selbstbestimmt zu leben
  • Unabhängig von den Erwartungen der Herkunftsfamilie

Dieser Prozess kann schmerzhaft und angstbesetzt sein, da er ein Loslösen von alten, vertrauten Mustern bedeutet. Dr. Davatz betont jedoch, dass es wichtig ist, diesen Schritt zu wagen, um gesund und selbstbestimmt leben zu können.

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