Datum: 21.04.2016
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Hospiz Brugg, Pflegezentrum Süssbach
Ein Vortrag zum Thema: Tod in der Familie
Vortrag im Hospiz Brugg 21.04.16
Transkript
Tod in der Familie
Humor und Galgenhumor als Krisenintervention
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Dr. med. Ursula Davatz
http://www.ganglion.ch; http://schizo.li/
Vortrag vom 21.04.2016
Hospiz Brugg, Pflegezentrum Süssbach
I Einleitung
– Der Tod ist stets ein schwerwiegendes Ereignis. Er stellt ein natürli-
ches, emotional belastendes Erlebnis für beide Seiten dar, sowohl für
den scheidenden Menschen als auch die Zurückbleibenden. Mit dem
individuellen Leben hat die Natur zugleich auch den Tod erfunden; es
gibt mit der Geburt einen Anfang und mit dem Tod ein Ende.
– Angesichts des Todes schlägt die Stunde der Wahrheit auch innerhalb
von Beziehungen. Der Mensch hat im Angesicht des Todes das Be-
dürfnis, schwelende Konflikte noch möglichst einer Lösung zuführen
zu können.
– Man tritt nicht gerne endgültig aus einer Beziehung aus in einer Kon-
fliktsituation, und das Umfeld lässt den Sterbenden auch nicht gerne
gehen, wenn noch eine Abhängigkeit besteht, sei diese positiver oder
negativer Natur.
– Der Tod ist ein Abschiednehmen, ein Loslassen, ein tiefes Alleinsein.
– Ein erfülltes Leben ist die beste Vorbereitung auf den Tod.
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II Wie machen wir uns diesen Abschied von einem geliebten oder
wichtigen Menschen leichter?
– In allen schwierigen menschlichen Situationen kann Humor die uner-
trägliche emotionale Spannung lösen, man nennt dies dann “Galgen-
humor“.
– “Galgenhumor“ bringt Leichtigkeit in die menschliche Tragik, er lässt
uns Dinge ansprechen, die wir uns sonst nicht getrauen anzuspre-
chen.
– In Zeiten des Krieges, in denen der Mensch jederzeit mit dem Tod
rechnen muss, werden die meisten Witze kreiert.
– Um diese Leichtigkeit zu erreichen, muss man den Tod aber ganz nah
zu sich herannehmen, ja an sich heranlassen.
– Das Wegschieben und Verdrängen des Todes macht ihn zu einer viel
grösseren Belastung.
– Die beste Komik ist die Situationskomik, in diesem Sinne kann “Gal-
genhumor“ in Anbetracht des Todes auch spontan aus der momenta-
nen menschlichen Situation heraus entstehen.
– Um eine solche Situation auch wirklich wahrzunehmen, braucht es ei-
ne grosse Präsenz und Achtsamkeit in jedem Augenblick des Ab-
schiednehmens.
– Durch diese tiefe menschliche Achtsamkeit lässt sich das Leben in der
Beziehung noch einmal umfassend erleben, in aller Bescheidenheit.
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– Und dieses tiefe menschliche Erleben ermöglicht dann ein besseres,
ganzheitliches Loslassen.
III Tod der Eltern, Ablösung
– Steht man als erwachsene Tochter oder erwachsener Sohn noch in
einem Abhängigkeitsverhältnis zu seiner sterbenden Mutter oder sei-
nem sterbenden Vater, kann man schlecht loslassen.
– Häufig erliegt man dann dem Ansinnen, noch möglichst viel für den
Sterbenden zu tun, auch in medizinischer Hinsicht.
– Es wäre aber wohl angebrachter, sich über seine eigene Abhängig-
keit in Selbstironie etwas lustig zu machen, dies würde das Ab-
schiednehmen des Sterbenden etwas leichter machen.
– Hat man mit dem sterbenden Elternteil noch einen Konflikt zu lösen,
geht es nicht darum, den Sterbenden mit Vorwürfen und Vorhaltun-
gen zu bedrängen, sondern die Konfliktsituation aus eigener Sicht
möglichst klar zu schildern, wenn möglich auch mit einer gewissen
Leichtigkeit oder Selbstironie und dann dem Sterbenden das Wort zu
geben, evtl. ihm offene Fragen zu stellen.
– Wichtig dabei ist, dass man Mut hat auch schwierige, heikle Themen
anzusprechen und nicht aus Angst vor Verletzungen davor zurück-
schreckt.
– Man muss dabei jedoch bei sich bleiben und keine Erwartungen auf
Akzeptanz an den Elternteil mit sich tragen.
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IV Tod eines Partners
– Beim Tod eines Partners ist es besonders wichtig, dass man ganz
offen und ehrlich miteinander ist und sich getraut alles offen anzu-
sprechen, auch bestehende Konflikte.
– Es darf auch ausgesprochen werden, wie sehr man sich im Stich ge-
lassen fühlt, aber auch hier wäre Selbstironie und Humor wieder hilf-
reich.
– Ungelöste Probleme sollten möglichst noch angegangen werden.
V Tod eines Kindes
– Kinder nehmen den Tod oft natürlicher als wir Erwachsenen diese
Endgültigkeit annehmen.
– Die zurückbleibenden Eltern haben es meist schwerer als die ster-
benden Kinder.
– Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Erwachsenen die Zeit mit dem
sterbenden Kind noch möglichst positiv verbringen, auch lachen kön-
nen, Spass haben und einfach unbeschwert den Moment geniessen.
– Mit Kindern kann man natürlich auch in die Fantasie gehen, spiele-
risch sich andere Welten vorstellen und sich dort gedanklich bewe-
gen. Das Kind kann den Anreiz dazu geben, oder man kann auch
selbst seine Fantasie spielen lassen, lustig, fröhlich und auch humor-
voll leicht.
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VI Begleitung eines Sterbenden als Fachperson
– Als Fachperson eine(n) Sterbende(n) zu begleiten heisst auch, den
Tod nahe an sich heranzulassen.
– Gut auf die eigene Intuition hören, achtsam sein mit sich und dem
Sterbenden und mutig auch schwierige Themen ansprechen.
– Dabei darf man aber keine feste Vorstellung haben, was der Ster-
bende unbedingt machen müsste, aber mutig sollte man sein – und
sich mit ihm auch noch bis zuletzt ernsthaft auseinandersetzen.
– Auch hier darf Leichtigkeit dabei sein, vielleicht sogar Galgenhumor
aus der Situation heraus (nicht Witze erzählen).
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