Dr.med. Ursula Davatz erklärt die hohe Sensibilität von Menschen mit ADHS/ADS anhand des Konzepts der „breiten Aufmerksamkeit“. Anstatt einer Aufmerksamkeitsstörung, wie der Name ADHS suggeriert, nehmen diese Menschen viel mehr Reize und Informationen aus ihrer Umgebung wahr als neurotypische Menschen. Sie haben also keine Störung der Aufmerksamkeit, sondern eine andere Art der Aufmerksamkeit.
Beispiel: Wenn eine Person mit ADHS einen Raum betritt, nimmt sie sofort alles wahr, während andere Menschen nur einen Teil der Umgebung registrieren.
Diese breite Aufmerksamkeit wird durch eine mangelnde Filterfunktion im Gehirn verursacht. Menschen mit ADHS können sich nicht so gut auf einen bestimmten Reiz fokussieren, weil sie gleichzeitig von vielen anderen Reizen abgelenkt werden.
Die hohe Sensibilität führt dazu, dass Menschen mit ADHS:
- schnell überfordert und reizüberflutet sind.
- empfindlicher auf Kritik und Zurückweisung reagieren.
- leichter verletzt sind.
Beispiel: Schon ein hochgezogene Augenbraue oder ein subtiles Zeichen von Missbilligung kann von einem Kind mit ADHS als tiefe Kränkung wahrgenommen werden.
Dr.med. Ursula Davatz betont, dass diese hohe Sensitivität auch eine Gabe sein kann. Menschen mit ADHS sind oft sehr empathisch und intuitiv. Sie können feine Nuancen im Verhalten anderer Menschen wahrnehmen, was in bestimmten Berufen, wie zum Beispiel in der Medizin oder in der Kunst, von Vorteil sein kann.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die hohe Sensibilität bei Menschen mit ADHS auf eine breite Aufmerksamkeit und eine mangelnde Filterfunktion im Gehirn zurückzuführen ist. Diese Eigenschaften führen dazu, dass ADHS-Betroffene mehr Reize wahrnehmen, schneller überfordert sind und empfindlicher auf Kritik reagieren. Dr.med. Ursula Davatz betont aber auch, dass die hohe Sensibilität auch positive Seiten hat und als Gabe betrachtet werden kann.