Dr.med. Ursula Davatz beleuchtet in ihrem Vortrag verschiedene Faktoren, die die Kommunikation mit Autisten erschweren können. Sie beschreibt Autisten als Menschen mit einem „offenen Wahrnehmungsfeld“ und einer schwachen „Filterfunktion“, was bedeutet, dass sie alle Reize und Eindrücke gleichzeitig wahrnehmen und Schwierigkeiten haben, irrelevante Reize auszublenden.

Die folgenden Punkte führen laut Dr.med. Ursula Davatz zu Schwierigkeiten in der Kommunikation:

  • Systemüberlastung („System Overload“): Die Flut an Reizen kann zu einer schnellen Überforderung des limbischen Systems führen, welches für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist. In diesem Zustand der Systemüberlastung sind Autisten oft weder handlungs- noch kommunikationsfähig, obwohl sie innerlich alles genauestens wahrnehmen.
  • Verzögerte Sprachverarbeitung: Autisten haben häufig eine leichte Störung im Sprachzentrum, wodurch sie Sprache nicht so leicht erwerben und Probleme mit der Kommunikation haben. Die Verzögerung in der Sprachverarbeitung kann zu Unsicherheit und Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung führen.
  • Schwierigkeiten beim Lesen von Mimik: Manche Autisten haben eine Agnosie, was bedeutet, dass sie Schwierigkeiten haben, Mimik und andere nonverbale Signale zu interpretieren. Dies kann die Kommunikation zusätzlich erschweren.
  • Bedürfnis nach klaren Strukturen: Autisten bevorzugen klare Strukturen und fixe Routinen, da sie ihnen Sicherheit und Orientierung bieten. Spontane Veränderungen oder unvorhersehbare Situationen können zu Verunsicherung, Wutausbrüchen oder Verweigerung führen.
  • Sensibilität gegenüber emotionalen Zuständen: Autisten sind sehr feinfühlig und nehmen die emotionalen Zustände ihres Gegenübers deutlich wahr. Ein aggressiver Tonfall oder eine erregte Stimmung können die Kommunikation blockieren oder zu aggressivem Verhalten führen.
  • Unterschiedliche Wahrnehmung von Männern und Frauen: Dr.med. Ursula Davatz verweist auf Studien, die zeigen, dass Männer und Frauen unterschiedlich auf Stress reagieren. Während Frauen unter Stress eher still werden oder weinen, neigen Männer dazu, aggressiv zu werden oder sich zurückzuziehen. Dies kann die Kommunikation zwischen den Geschlechtern, besonders im Kontext von Autismus, beeinflussen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kommunikation mit Autisten aufgrund ihrer besonderen Wahrnehmungsweise und ihres erhöhten Sensibilitätsniveaus eine Herausforderung darstellen kann. Geduld, Einfühlungsvermögen, klare Kommunikation und ein respektvoller Umgang sind essenziell, um Missverständnisse zu vermeiden und eine erfolgreiche Interaktion zu ermöglichen.

https://ganglion.ch/pdf/Autismus-Spektrum-Eigenschaft-19.11.2024.m4a.pdf